Blogwichtelei 2011

Vorerst einmal Dank an den Organisator für die Anregung zu dieser Blogaktivität.
Wie einige von euch wissen, musste ich mich in den letzten Tagen einer unvorhergesehenen Operation unterziehen, die es unmöglich gemacht hat, meinen eigenen Blogwichtelbeitrag zu schreiben, obwohl ich das gerade bei der mir zugeteilten Person liebend gerne gemacht hätte. Gestern habe ich nun meinen eigenen Beitrag bekommen und ich muss gestehen, dass ich zu Tränen gerührt war. Wahrscheinlich liegt das auch an meiner derzeitigen Disposition und ich habe mich gefragt, ob ich das überhaupt veröffentlichen kann. Es stimmt schon, dass ich gerne so sein möchte, wie es beschrieben ist, aber zwischen Wollen und Realität liegt doch oft noch ein großer Unterschied.
Ich möchte aber meinem Blogwichtel danken. Ein derartiger Beitrag ist das Schönste, was ich bisher an Rückkopplung bekommen habe. Ein wahres Weihnachtsgeschenk genau zum richtigen Zeitpunkt.
P.S. Da ich eigentlich mein anderes Blog angegeben habe, es sich aber doch in erster Linie um eine „twoday“-Aktion handelt, veröffentliche ich die Wichtelei auf beiden Blogs.

Der Schneekristall
Eine kleine Weihnachtsgeschichte für einen besonderen Blogger-Menschen
Vom Twoday-Wordpress-Weihnachtswichtel 2011

Manchmal kommt der Weihnachtsmann oder der Weihnachtsengel in Form einer Schneeflocke daher. Schwebt herein. Setzt sich auf die Tastatur des Computers und sickert in seiner Kristallform ein – ins WorldWideWeb.
Ein klein wenig verhält es sich so mit dem Betreiber dieses Blogs: Der über die Steppen des weltweiten Netzes seine beflügelnden Worte und Sätze ausstreut, die dann einsickern wie eine Schneeflocke, deren Kristall ein Staubkorn, einen Stein, einen Grashalm oder ein Stück Fell besetzt und benetzt. Ein Tropfen seiner inspirierenden Lebenshaltung, seiner reifen Lebenserfahrung, seiner reichen Menschenkenntnis genügt und er {er}weckt im anderen, im Gegenüber, in anderen versatilen Wesen dieser Blogosphäre {und wie ich vermute gewiss auch im realen Leben} den Lebensgeist, den er selbst seit siebenunddreißig Lichtjahren versprüht. Vom Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, vom Okzident bis zum Orient – da er sich auch in den Weiten des orientalischen Väterchen Russlands und bis hinauf ins Chinesengebirge auf den Schienen, die die Welt umrunden, bewegt {hat}. Ein Unermüdlicher. Ein Unentwegter. Ein Menschenfreund. Ein Lebensphilosoph. Einer, der – wohl gerade deshalb {?} – hervorragend Klavier spielt.
Seit einigen Monaten verteilt er sein Lebenselixier am Balkan, lässt andere an seinem Erfahrungsschatz teilhaben. Er schafft Arbeitsplätze, gibt anderen Zukunftschancen und trägt individuell zum Zusammenwachsen der Menschen in Europa bei. Jenseits der künstlich geschaffenen Euro{pa}politik{union}. Er tut dies – wie Zehntausende anderer Menschen auch, für die ich ihn stellvertretend hervorheben möchte – im Stillen vor Ort. Zwischen Regionen und Menschen. Jenen auf der einen – der südöstlichen – und der anderen – der westlichen – Seite.
Er redet nicht herum, sondern packt an. Ganz pragmatisch. Weil er weiß, wo er hinlangen muss. Weil er ein Profi ist. Und einer mit Profil. Einer von den {er möge mir den Ausdruck verzeihen} „alten“ Haudegen, von denen es nicht mehr viele gibt. In dieser Welt. Die man suchen gehen muss. Weil sie rar geworden sind. Eine „aussterbende“ Spezies sozusagen. Was gewiss nicht am Klimawandel liegt – wie bei den Schneeflocken, die sich in den vorweihnachtlichen Wochen dieses Winters rar machen. Warum das so ist? Mag sein, dass E R – der zu Bewichtelnde hier – dafür eine mathematische Erklärung hat!? Schließlich ist er ein mathematischer Kopf. Gewiss gehört er zu den wenigen, die den Lehrsatz des Pythagoras bereits auf der Schulbank verstanden haben und daher heute auch einer geometrischen Sparleuchte, wie mir, folgende Rätselfrage erklären könnten:
Trifft es zu, dass Pythagoras eine Partie der „vierten Potenz“ in drei Zügen gewinnen konnte?
Na, was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser, ist jene vorweihnachtliche Rätselfrage ins Reich der Dichtung zu verweisen oder entspricht sie der mathematischen Wahrheit!?
Ich bin überzeugt, ein querdenkendes Zahlengenie wie der verehrte Herr Steppenhund wird uns den Beweis führen! Wenn nicht sofort, dann nach dem Nachstellen der Partie auf dem Schachbrett. Zwischen den Jahren. Wenn er wieder Zeit dafür und nachdem er sich der verdienten Muse mit Klavierpartituren gewidmet hat.
Jedenfalls wünsche ich ihm beides: Zeit fürs Klavierspielen wie auch für ein herausforderndes Schachspiel {mit einem guten alten Freund oder – es mag ja auch Frauen geben, die dieses strategischen Denksports fähig – einer guten Freundin} in dieser „staaden Zeit“ zwischen Weihnachten und Heilig-Drei-König.
Fröhliche Weihnachten, lieber Herr Steppenhund, Ihnen und Ihren Liebsten zuhause!
Es war mir eine Ehre, Ihr{e} Weihnachtswichtel{ine} sein zu dürfen, die nun wieder hinter der Tastatur verschwindet, wie jener kleine Eiskristall, der uns mit vielen seiner Brüder und Schwestern, den Schneeflocken, zum Feste in freier Natur hoffentlich noch beschert werden wird.

Weihnachtsgeschichte

Für alle, die meinen Umzug nicht so richtig in ihren Links verankert haben, darf ich hier eine kleine Hilfe geben.
https://steppenhund.wordpress.com/2011/12/17/weihnachtsgeschichte
Es ist ein Weihnachts[w,p]unsch, der am besten so richtig vor Weihnachten genossen wird.

Weihnachtsgeschichte

Seit heute fällt mir das Schreiben auf dem Computer wieder leichter. Eine durchaus vorhandene postoperative, körperliche Behinderung ist fast nicht mehr bemerkbar. Beruflich werde ich allerdings erst ab Montag wieder den Computer nutzen. Doch denke ich über Weihnachten nach, schließlich wird sich das Besorgen von Weihnachtsgeschenken heute schwieriger gestalten. Bei der Gelegenheit ist mir der Entwurf einer Geschichte entgegen gefallen, die auch heute noch keine ist. Aber es ist viel besser, den Text möglichst bald zu lesen zu können, weil er sich ja viel mehr auf die Zeit vor Weihnachten bezieht:)

Die klassische Weihnachtsgeschichte hält sich am Lukas-Evangelium an. Davon gibt es dann mehrere Variationen, die sich in Form und Ausführlichkeit oder auch in Modernität unterscheiden.

Dann gibt es Geschichten, die zu Weihnachten spielen, deren mir liebste Deutschsprachige von Peter Rossegger geschrieben wurde. Als ich Weihnachtsfreude holen ging ist eine Schilderung mit so vielen Facetten und tiefer Besinnlichkeit, dass sie mir heute noch die Weihnachtszeit verschönt, vor allem dann, wenn ich mit unserem Hund bei einem Wetter wie gestern spazieren gehe.

Der lange Weg durch Schnee und Eis, welcher der Weihnachtsfreude nichts anhaben kann, ist dabei partout keine schönfärberische oder kitschige Geschichte. Einmal muss der kleine Peter ja sogar befürchten, dass ihm der ganze Weihnachtseinkauf geraubt wirt.

Eine weitere unheimlich prägende Weihnachtsgeschichte hat uns Adalbert Stifter mit seinem Bergkristall geschenkt. Auch hier wird ein möglicherweise süßlich erscheinendes Sujet mit ziemlich viel Realkritik und Spiegel vorhalten verbrämt, ein Umstand, den ich als Kind nicht so erkannt habe. Weil die Geschichte jetzt aber auch sehr publikumswirksam verfilmt worden ist, fallen mir derartige Hintergründe viel stärker auf.

Bekannt sind die Geschichten über das Schenken. Am besten wohl die von O’Henry, bei der zwei Liebende jeweils das verkaufen, wofür der andere gerade seinen größten unerfüllbaren Wunsch sieht. Ich erinnere mich, dass die Frau ihr schönes Haar verkauft hat, für dass der Mann das besonders tolle Bürstenset gekauft hat. Was sie dem Mann geschenkt hat, erinnere ich jetzt nicht, aber ich bin überzeugt, dass es einer von euch weiß. (Auflösung: Uhr und Uhrkette)

Auch als Satiren gibt es wunderbare Weihnachtsgeschichten, wie z.B. Nicht nur zur Weihnachtszeit von Heinrich Böll. Hier muss jeden Tag Weihnachten gefeiert werden, weil die Erinnerung der alten Dame versagt und sie nachhaltig insistiert, dass doch heute Weihnachten wäre.

Es gibt so viele Weihnachtsgeschichten, dass ich dachte, es wäre ein leichtes, eine Geschichte im Internet zu finden, welche im Milieu der elektronischen Datenverarbeitung spielt. Z.B. mit einem Operator, der den Betrieb einer Software rettet, ohne die ein Flugzeug nicht den Zielflughafen erreicht. Oder ein Bereitschaftsdienst, der gerade am 24.12. benötigt wird, um das total ausgefallene System eines Krankenhauses wieder in Gang zu setzen. Ja noch einige andere Sujets würden mir einfallen.

Was wäre den der Hauptpunkt einer derartigen Geschichte, die Weihnachten, Andacht und den Einfluss der modernen Datenverarbeitung sinnstiftend verknüpfen kann.

Ich habe bei meinen Weihnachtseinkäufen ein kleines Büchlein und ein paar größere gefunden. Und bin dabei auf ein Thema fündig geworden, welches mit dem Begriff Besinnlichkeit zusammen hängt. Und mit der Zeit.

Die Ausgangsbasis ist eine negative:

„Der kybernetische Kapitalismus tendiert dahin, die Zeit selbst abzuschaffen, die flüssige Zirkulation bis zu ihrem Maximalpunkt, der Lichtgeschwindigkeit, zu maximieren, wie es bereits bestimmte Finanztransaktionen zu realisieren versucht haben. Die Begriffe ‚Echtzeit‘ und ‚just in time‘ sind ein Beweis für diesen Haß auf die Dauer. Gerade aus dieswem Grund ist die Zeit unser Verbündeter.“ [kleines Büchlein Kybernetik und Revolte (Tiqqun)]

Im letzten Satz findet sich der Schlüssel. Die Zeit ist unser Verbündeter. Weihnachten ist der Zeitpunkt, an dem wir uns von der vorweihnachtlichen Hektik in der Besinnlichkeit des Fests wiederfinden sollten. Die Zeit, die wir uns nehmen, mildert den immer mehr zunehmenden Druck der Beschleunigung unseres Lebens, wie es teilweise fremdbestimmt ist.

Heute habe ich kein diesbezügliche Geschichte für euch. Ich werde sie wohl für das nächste Weihnachtsfest selbst schreiben müssen.
Aber ich kann euch das Beste wünschen, was ihr euch selbst schenken könnt. Zeit und Besinnlichkeit. Möge euch das nächste Jahr so freundlich begegnen, wie mir das heurige erschienen ist.

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Eine echte Ausnahme, …

dass ich hier noch einen Blogeintrag verfasse. Doch in meinem neuen Blog wäre er nicht angebracht.
Von Teresa hzw habe ich den „versatilen Bloggeraward“ bekommen.
Die Auflage werde ich hinsichtlich der sieben Punkte folgen. Allerdings sehe ich es nicht als notwendig an, den Award weiterzureichen, weil diejenigen, die ich für würdig erachten würde, schon alle genannt sind. (Bis auf Dr. Schein, da bin ich mir jetzt nicht so sicher. Also der sollte auch in die Gruppe gehören:)

Ich habe in den verschiedenen Blogs soviel über mich geschrieben, dass es kaum etwas Ungeschriebenes gibt, das mich nicht kompromittieren würde. Aus beruflichen Gründen kann ich hier nichts schreiben, was mich schlecht aussehen ließe. Im Weiteren habe ich bereits so viele NDAs (Geheimhaltungserklärungen) unterzeichnet, dass ich nicht einmal sicher bin, ob ich meinen Namen offenbaren darf.
Die Auszeichnung als versatiler Blogger stellt natürlich trotzdem eine Versuchung dar.
Punkt 1 ist daher, dass ich zu eitel bin, um solchen Versuchungen wiederstehen zu können.
Punkt 2, den ich zwar manchmal erzählt, doch nicht im Blog geschrieben habe, ist ein Verkaufserfolg den ich als naives Greenhorn bei einem meiner Japanbesuche erzielt habe. Nur durch Zufall erfuhr ich ein Jahr später, dass ich bei einem Abendessen ohne es zu merken sechs Bösendorfer-Flügel verkauft hatte.
Punkt 3 betrifft Tränen in meinen Augen, die sich bei den ärgsten Filmschnulzen einstellen können, obwohl ich bei Filmen, bei denen alle anderen weinen, recht beherrscht bin.
Punkt 4 behandelt meine Vorstellung, dass ich einmal berühmt werden würde. Daher habe ich jeden Scheiss aufgehoben, um es meinen „Biografen“ einmal einfach zu machen. Ich habe mittlerweile begonnen zu „entsorgen“.
Punkt 5 erzählt über einen Traum, dem ich über zwanzig Jahre gefolgt bin, bis ich festgestellt habe, dass zwar die technischen Voraussetzungen mittlerweile gegeben sind, allerdings die allgemein menschlichen nicht.
Punkt 6 stellt meine Selbstverteidigungsfantasien dar. Ich stelle mir alle möglichen Formen von Angriffen gegen meine Person vor und versuche Gegenstrategien zu entwerfen, die meistens darin bestehen, dem Angriff von vorherein aus dem Weg zu gehen. Die Hauptidee ist allerdings, die übliche Schrecksekunde zu verkürzen und so schnell zu reagieren, dass der Angreifer überrascht wird. Außerdem wäre ich in so einem Fall recht skrupellos, würde riskieren, dass ich draufgehe, aber dabei mindestens drei Personen tödlich verletze. (Gott sei Dank bin ich allerdings nie in eine solche Situation geraten.)
Punkt 7 betrauert nicht die möglichen Karrieren, die im Laufe meines Lebens durchaus offengestanden wären. Ich könnte tatsächlich reich und berühmt sein, wenn ich etwas konsistenter auf bestimmte Ziele hingearbeitet hätte. Doch die einzigen Ziele, die ich konsequent verfolgt habe, waren bestimmte Messgeräte, die ich entwickelt habe. Diese Ziele haben sich jetzt auf die Beherrschung bestimmter Musikstücke geändert. Aber damit mache ich auch nicht Karriere. Man könnte behaupten, dass ich meine Talente nicht ausreichend ausgereizt habe, aber trotzdem fühl ich mich dabei sehr wohl.

Durch Spammen eines ehemaligen Blogs ist eine Geschichte wieder aufgetaucht.

Perfektion

Es geht nicht um Perfektion.

Es ist unmöglich, die Routine auf die Rasche zu erüben, die ein professioneller Pianist in Jahrzehnten gewinnt. Das geht vermutlich in keiner Disziplin so richtig. Aber das Üben an sich kann schon einen richtiger Lustgewinn bedeuten. Wie mein Vater schon sagte, Du übst so lange gerne, so lange Du eine Verbesserung feststellen kannst.
Aber was habe ich von der Verbesserung einer Stelle, wenn dafür die anderen aus Gewohnheit verhudelt oder vernachlässigt werden?

Es kommt auch darauf an, die richtigen Werke zu üben, die in der technischen Herausforderung dem Können entsprechen – oder eben gerade noch ein Stückchen höher liegen. Ein solches Opus liegt mir jetzt mit der Transkription von Franz Liszt des Liedes Widmung von Robert Schumann vor.
Ich habe gestern eine Aufnahme ins Internet gestellt, die vermutlich zumindest schwierig klingt und geschrieben, dass sich die Qualität in zwei Wochen noch stark verbessern wird. Scherzhaft hat ein Zuhörer gemeint, dass er sich das nicht vorstellen kann.

Ich hatte heute einen anstrengenden Tag, kam um acht Uhr abends nach Hause und legte mich nieder. Ich wusste, dass ich noch etwas für morgen vorbereiten musste und war darauf eingerichtet, um halb elf aufzuwachen und dann meine Arbeit zu machen. Ich wachte auf, war aber absolut unfähig, mir ein vernünftiges Arbeitsresultat vorzustellen. In solchen Fällen pflege ich zwanzig Minuten Klavier zu spielen, danach geht es dann schon wieder.

Ich fing also an, an der Widmung zu üben und stellte fest, dass bestimmte Stellen, die mir gestern schwer fielen, heute kein Problem darstellten. Dafür andere. Je besser die Sache funktioniert, desto höher werden auch meine eigenen Ansprüche. Dass das Werk technisch schwierig ist, brauche ich wohl nicht extra zu betonen. Meine eigentlichen Schwierigkeiten liegen aber in meinem Hirn. Da ich hier längere Passagen auswendig spielen muss, ist das Hirn selbst die Steuerzentrale. Sonst sind es meine Augen, da ich ja fast immer von Noten spiele. Die Augen wandern über die Noten, erfassen wesentlich größere Zusammenhänge und treiben mich in Echtzeit an.
Wenn ich auswendig spiele, habe ich manchmal noch Aussetzer, wie sie beim Herunterladen einer Songs oder eines Filmes aus dem Internet zu bemerken sind. Plötzlich gibt es eine Unterbrechung und nach einer kleinen Pause geht es weiter.

Nun die Unterbrechungen, die es gestern noch gab, fehlten heute. Es gab neue, die aber wesentlich kürzer waren und vielleicht von einem Zuhörer als gewollt angesehen werden. Was ich aber heute erreicht habe, war eine weitere Stufe: ich spielte den Text.

Das Gedicht von Rückert ist in einer Weise auskomponiert, die kaum Misverständnisse hinsichtlich der Interpretation zulässt.

Du meine Seele, du mein Herz,
du meine Wonn‘, o du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darein ich schwebe,
o du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab.

Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
Du bist vom Himmel mir beschieden,
Daß du mich liebst, macht mich mir wert,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst dich liebend über mich,
mein guter Geist, mein beßres Ich!

Daher ist die Phrasierung der Musik sehr eindeutig festgelegt und die Technik darf hier keine falschen Unterbrechungen oder Verzögungen verursachen.

Beim Versuch, das Stück heute etwas besser zu spielen als gestern, sind zwei Stunden vergangen, wo mein Zeitgefühl stillgestanden hat. Das Lied dauert ungefähr vier Minuten. Also müsste ich es dreißig Mal gespielt haben. Meiner Schätzung nach waren es aber höchstens zehn Mal und ich habe bis auf wenige Augenblicke, in denen ich den Schlussteil allein wiederholt habe, immer das gesamte Lied gespielt.
Diese vier Minuten ziehen sich übrigens, wenn man auf jeder Seite zwei oder drei ganz kritische Stellen erwartet und froh ist, wenn sie einigermaßen so kommen, wie sie gewollt werden.

Was ist nun aber das Fazit des heutigen Abends?
Ich habe noch immer keine Lust zum Arbeiten, habe mir dafür aber den Wecker auf sechs Uhr gestellt. Mein erster Termin morgen ist erst um 11:00, daher kann ich da noch etwas aufholen.

  1. meine Augen sind schneller als mein Gehirn. Das deckt sich mit manchen Ergebnissen der Forschung in der Bildanalyse. Der Nervenstrang vom Auge zum Hirn erledigt sehr viel Vorverarbeitung, möglicherweise nutze ich hier etwas zum Analysieren des Notenbildes.
  2. ich stehe heute weit besser über den Schwierigkeiten als noch vor einem Tag. Das ist auch nicht ungewohnt, denn das Üben braucht immer noch etwas Zeit, sich in einem zu setzen. Das ist ähnlich wie beim Lernen, also daher keine große Überraschung.
  3. ich kann heute den „Text“ spielen. Könnte ich singen, würde ich ihn mitsingen, doch auch so singe ich innerlich und das funktioniert gut.
  4. es ist erstaunlich, wie groß der Unterschied zwischen gestern und heute ist.
  5. ich kann beim Klavierspielen in den Flow kommen, wie er bei Mihaly Csikszentmihalyi beschrieben ist. Das kenne ich zwar schon beim Spielen zum Vergnügen, wenn ich längere Klaviersonaten spiele, doch beim Üben ist mir das noch nicht so leicht passiert.

Ein bisschen kann ich mich in Franz Liszt hineinversetzen. Ich glaube zu verstehen, was er bei der Transkription dieses Liedes beabsichtigt hat. Ganz offensichtlich hat es ihn sehr beeindruckt.

Nachtrag: ich kann hier nur einen Link auf eine Einspielung angeben. Der Klang ist halt das, was ein Clavinova hergibt. es wird nett sein, es zu Hause auf dem Bösendorfer zu spielen.

Nachtrag: der Link zu der damaligen Aufnahme

Der erste Montag

Kann irgendein Montag der erste sein? Folgen die Montage nicht seit ewigen Zeiten in wöchentlichen Abständen, einer nach dem anderen, egal ob es Schaltjahre gibt, ob ein Feiertag auf einen Montag fällt, oder der Montag auf die Ferien fällt.

Es war der erste Montag, der zufälligerweise auf den dritten Montag eines wunderschönen Maimonates fiel, der von der Regelmäßigkeit der Montage abwich. Der Mann, der an solchen dritten Montagen regelmäßig an dem Treffen eines Männervereins teilnahm und daher erst spät in den Wiener Vorort nach Hause zurückkam, hatte beschlossen, diesmal früher nach M. zurückzukehren, um einen besonderen Abend mit seiner Partnerin zu verbringen. Sie, die nach eingeführter Gewohnheit am Nachmittag die Hunde für mindestens eine Stunde spazieren führte und zu diesem Zweck eigens eine Hundegruppe gegründet hatte, damit die jungen Hunde miteinander auf der Wiese spielen könnte, war überrascht am Telefon die Ankündigung zu hören, dass er frühzeitig nach Hause kommen würde.

Sie fragte ihn, ob sie ihn von der Bahn mit dem Wagen abholen sollte, aber er lehnte ab und bedingte sich nur aus, dass sie mit ihm noch einen Spaziergang einplanen sollte und tunlichst nicht ohne ihn etwas essen sollte.
Von der Bahn nahm er daher den Autobus und als er bei der Bushaltestelle in M. ausstieg, ging er nicht sofort nach Hause sondern direkt in Richtung Wiese, wo er eine Gruppe von Leuten stehen sah. Ein paar dunkle Flecken hüpften im Gras auf und ab. Ab und zu schossen diese Flecken auch wie kleine Pfeile vom einen Ende des Wiesenflecks an das andere, um anschließend wieder zu der Personengruppe zurückzukehren und an den Menschen hoch zu hüpfen. Das Grass war saftig, nicht zu nass und sauber. Der ausgetretene Lehmpfad war trocken und angenehm zu begehen. Als er den Anfang der Wiese erreicht hatte, schossen zwei Hunde auf ihn zu und die Hündin davon begann ihm die Hand zu lecken. Er bückte sich nieder, um den Hunden näher zu kommen, seine Partnerin kam auf ihn zu und dabei fiel ihr etwas Besonderes auf: er hatte weder Aktentasche noch die Computer-Tragetasche dabei. Er wirkte in seiner Bürokleidung zwar trotzdem etwas deplaziert, wenn man bedachte, dass alle anderen Personen sehr zweckmäßig mit Wanderschuhen und strapazierfähiger Bekleidung angetan waren. Aber zumindest war er beweglich.
Er küsste sie leicht auf den Mund, bedacht darauf, dass sie keine Intimitäten vor anderen Leuten schätzte. Dann näherte er sich der Gruppe und begrüßte die einzelnen Personen. Einer der Hundeführer zündete sich eine Zigarette an, was bedeutete, dass die Gruppe jetzt noch mindestens fünf Minuten an dem gleichen Ort stehen würden. Er entschuldigte seine Partnerin und sich mit einer Verabredung, die es notwendig machte, dass sie gleich in Richtung ihres Wohnhauses aufbrachen.

Nach der Verabschiedung überquerten sie die Wiese um anschließend einen Bach überqueren zu müssen, was einen kleinen Balanzierakt auf den in den Bach platzierten Steinen bedeutete. Wenn es trocken war, war das Überschreiten des Baches kein Problem. Wenn die Steine aber auch an der Oberseite nass und glitschig waren, musste man sehr aufpassen, dass man nicht plötzlich mit einem Bein im Wasser stand. Für die Hunde schien es immer einen großes Vergnügen, von der einen Seite zur anderen zu wechseln. Wenn sie dann auf der anderen Seite standen, schauten sie schelmisch zurück wie um zu sagen: na schaut einmal, wie ihr euch abmühen müsst.
Nach fünf Minuten kamen sie in die Gasse, in der sie wohnten. Sie bewunderte den Garten eines Nachbarn, den sie schon bei der Gartenarbeit gesehen hatte. Für ihn war das nicht so wichtig, obwohl der „Gärtner“ noch einmal eine wesentliche Rolle in seinem Leben spielte sollte. Doch das ist eine andere Geschichte.

„Warum bist du denn heute schon zuhause? Und was ist das für eine Verabredung, von der du sprichst?“ zeigte sie sich verwundert. „Die Verabredung haben wir miteinander.“ Das liebte sie nicht, unerwartete Begegnungen und Vorhaben, die nicht vorgeplant waren, bedeuteten für sie Stress. Sie hatte sich vorgenommen, einen Bericht fertig zu stellen und wäre gar nicht so unglücklich darüber gewesen, wenn erst später nach Hause gekommen wäre. „Es ist heute warm und wir können auf der Terrasse essen. Es ist noch etwas von Samstag über geblieben.“ Sie hatte nur einen Salat eingeplant, fand den Gedanken an die Auflaufreste vom Samstag aber durchaus verlockend. Der Auflauf schmeckte aufgewärmt noch besser als frisch zubereitet und ein bisschen Salat dazu war gerade ideal.

Als sie nachhause kamen, zog er sich eine einfache Hose und einen Pullover an. Er begab sich in die Küche und stellte das Backrohr an. Unterdessen deckte sie den Tisch auf der Terrasse und stellte eine Kerze hinaus. Der Maiabend war wirklich verlockend. Die Temperatur war so hoch, dass man die ganze Nacht hätte draußen verbringen können. Als der Auflauf warm war, inzwischen hatte er eine Flasche Rotwein geöffnet, brachte er die Schüssel hinaus, von den zwei Hunden tänzelnd begleitet. Der Blick der großen braunen Hundeaugen, sehnsüchtig auf die Teller gerichtet, war herzerweichend. „Nein! Platz!“ Die langausgedehnte Zurechtweisung führte dazu, dass sich die Hunde einer nach dem anderen auf die Holzplanken fallen ließen. Die Blicke waren zwar noch immer sehnsüchtig, hatten aber etwas an Resignation gewonnen.

„Also sag schon! Was ist wirklich los?“ drängte sie ihn. „Also erstens siehst Du, dass ich den Computer im Büro gelassen habe. Was sagt dir das?“ Es sagte ihr gar nichts, vom Umstand einmal abgesehen, dass er sich nicht die ganze Nacht mit Programmieren um die Ohren schlagen würde. „Aber wieso bist Du denn nicht bei deinem Verein geblieben?“
„Ich habe heute eine Entscheidung getroffen. Du kannst ihr natürlich widersprechen. Aber ich glaube nicht, dass du das tun wirst. Ich möchte mit dir sobald es deine Pläne zulassen, aber spätestens innerhalb der nächsten drei Monate mit dir zwei Wochen auf Urlaub fahren.“ Sie konnte das nicht glauben. Er war einfach kein Urlaubsmensch. Als Workaholic war er schon normal ungenießbar, wenn er das Gefühl hatte, nicht ausreichend zu arbeiten. Wie oft hatte sie ihm schon vorgeschlagen, wegzufahren, um immer wieder die gleiche Erwiderung zu bekommen, dass es gerade jetzt nicht ginge. Es war immer „gerade jetzt der Zeitpunkt“, an dem es nicht gegangen wäre. Wieso sollte das jetzt anders sein?

Er nahm einen Schluck Wein zu sich, dann ergriff er ihre Hand. „Wir haben in der Firma momentan schwere Zeiten. Leute werden in die Pension geschickt oder gekündigt. In einem Meeting sind wir heute gefragt worden, wie wir mit der Situation umgehen können. Ein Kollege hat gesagt, er musste noch nie jemanden kündigen. Er weiß nicht, wie er sich fühlen wird. Aber bestimmte Missstände berühren ihn heute nicht mehr so wie früher. Als er noch Student war, hat er einmal seine Freundin verloren, weil sie Krebs bekam. Seit damals gibt es nichts mehr, was ihm in der Firma nur annähernd so wichtig oder unangenehm erscheinen könnte.

Da ist mir plötzlich klar geworden, wie viel wertvolle Zeit ich verschenke. Zeit, die ich lieber mit dir verbringen möchte.“ Sie fragte ihn, wie er sich das denn vorstellen würde. So plötzlich würde er seinen Lebensrhythmus wohl nicht ändern können. „Du wirst mir helfen müssen.“ Sagte er. „So einfach wird es nicht gehen. Das ist klar. Gönn’ mir einen zweiten Verabredungstag, zum Beispiel den Montag.“ Er spielte darauf an, dass sie regelmäßig am Freitag etwas unternahmen. Aber am Montag wollte sie nicht ausgehen, der nächste Tag würde ein Arbeitstag sein, man müsste früh schlafen gehen und eigentlich sollte das Wochenende ja Ausspannung genug sein. Er ließ das nicht gelten. „Du verstehst mich nicht. Wir müssen nicht ausgehen. Wir nehmen uns einfach die Zeit füreinander. Wir nehmen uns vor, um sechs Uhr Abend zu essen und dann bis zehn Uhr die Zeit für uns zu verbringen. Danach gehen wir noch einmal mit den Hunden und sind noch vor Mitternacht im Bett.“ Sie schaute ihn ungläubig an. „Das endet doch nur im Sitzen vor dem Fernseher.“ – „Nein, es gibt eine Zusatzregel. Der eine muss den anderen unterhalten. Aus eigenen Stücken. Kein Fernsehen, kein Video. Kein Computerspiel.“ – Kannst Du mir ein Beispiel geben, was Du wirklich meinst?“ Er lächelte sie an: „Also heute fange ich an. Ich werde dir eine Geschichte vorlesen. Das nächste Mal bist du dran. Du kannst zum Beispiel eine Musik auflegen und mir bei jedem Stück erzählen, warum du es gut findest und was es bedeutet. Und vielleicht schaffe ich es, eine Geschichte zu erfinden oder ein Gedicht und wir können es besprechen. Ja, und es gibt noch eine Regel: die Themen Politik und Religion bleiben ausgeklammert.“ Sie fing zu lachen an. Sie hatte verstanden, dass er die Regeln seines Geselligkeitsvereins in ihre Beziehung bringen wollte. „Und Du glaubst, dass das funktioniert?“ „Ich bin sicher, dass es funktioniert. Ich kenne zwar niemanden, der es ausprobiert hat. Aber ich bin hundertprozentig sicher, dass es funktioniert. Es funktioniert unter viel schwierigeren Bedingungen bereits über hundert Jahre.“

Er schaute sie an: „Natürlich könnte man eine Erweiterung der Regeln ins Auge fassen. Der eine darf sich etwas vom anderen wünschen. Ohne Erfüllungszwang, versteht sich. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass Du mir beim nächsten Mal etwas über unser Urlaubsziel verrätst.“
Die nächsten Montage wurden mit großer Spannung erwartet. Ein unerwarteter Umstand stellte sich ein. Die Sonntage wurden manchmal mit Geheimnistuerei begangen, weil der eine dem anderen nicht verraten wollte, was er oder sie am Montag zu erwarten hätte. Obwohl der Montag ein Arbeitstag war, wurde ein halber Urlaubstag daraus. Schon unter dem Tag wurde von einem der beiden mit großer Spannung die Überraschung des Abends erwartet.
Der Umstand, dass die Hunde jedes Mal auf ihren Spaziergang warteten, verlieh den Abenden auch einen formalen Abschluss. Obwohl die Montage ein großer Erfolg waren, mussten sie unterbrochen werden. Eines Montagabends nämlich musste sie gestehen, dass sie keine Vorbereitung hatte treffen können, weil sie durch ihre Arbeit daran gehindert war. Jetzt wäre es zwar ein Leichtes gewesen, eine Vorlesung oder einen Musikabend zu bestreiten, aber sie hatte etwas anderes im Sinn gehabt. Es war nicht Politik und es war auch nicht Religion. Die Hunde mussten allerdings länger auf ihren gewohnten Ausgang warten. Erst lange nach Mitternacht schleppte er sich zur Tür und führte sie allein um den Häuserblock.

Die nächsten Montage verliefen wie gewohnt, aber nach neun Monaten musste der Montagabend entfallen. Am Sonntag früh gab es eine plötzlich notwendig gewordene Fahrt ins Krankenhaus und Sonntag abends erblickte ein kleiner Montag (Hauptfigur von Fahrenheit 451, Ray Bradbury) das Licht der Welt. Montag, der Erstgeborene.

Reisen

Ich träume von Eisenbahnreisen. Die Transsibirische, die Verbindung zwischen Paris und London durch den Tunnel, die Panoramareisen in der Schweiz. Ich male mir die Reisen aus, schaue auch gelegentlich in den Fahrplänen nach und habe mich auch schon nach den Preisen erkundigt.
Die transsibirische Eisenbahn führt von Moskau nach Peking oder auch umgekehrt. Die chinesische Eisenbahn habe ich schon genossen, Peking Wuhan, achtzehn Stunden. Die russische Eisenbahn habe ich ebenfalls genossen, Leningrad Moskau. Das war romantisch und abenteuerlich. Muss ich mir da wirklich die weiteren zehn Tage dazwischen geben?
Ich war in London in der Waterloo-Station. Dort blieben die Eurostar-Züge vor meinen Blicken verborgen. Innerhalb eines Monats hatte ich am Gare-du-Nord einen Anschluss und sah einen gelben Eurostar. Vor mir, groß, bedeutsam, mit Aura. Und war der vielleicht sagenhaft schmutzig!
Durch die Schweiz bin ich vor einem Monat gefahren. Nicht Panorama. Aber ein bisschen etwas von der Vorfreude ist weg.
Das Ausmalen der Reise, das Planen, das Gustieren ist großartig, denn es bedeutet Träumen, Träumen von der Reise. Und können Träume nicht großartiger sein als alles andere, was wir so erleben.
(c) Steppenhund
(zur Übersetzung ins Französische freigegeben)

Zugfahrt

Es gibt von mir mehrere Geschichten, die im Zug spielen.
Diese war meine erste.
Eine Zugfahrt

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