Dieser Artikel hat es dorthin geschafft:)
[Ich bin vor wenigen Tagen aus Belgrad zurückgekommen und hatte erfahren, dass mein neues Bett im Anrollen ist. Deswegen musste ich ein paar Bücher umräumen.
Dabei habe ich so einiges entdeckt, darunter ein Schreiben, welches ich vor 20 Jahren an eine Japanerin geschickt habe, die mich mit entsprechenden Fragen angeschrieben hat. Ich erinnere mich, dass sie sich nachträglich noch sehr bedankt hat. Ich habe aber kurz darauf Bösendorfer schweren Herzens verlassen und habe sie daher nicht mehr in Japan treffen können.
Das Schreiben habe ich jetzt abgetippt, weil mir beim Lesen aufgefallen ist, dass ich heute zwar einiges stilistisch besser und nicht so pampig formulieren würde, doch im Grunde sehe ich inhaltlich keinen Grund zur Veränderung. Vielleicht ist es daher für die Musikliebhaber von Interesse.]
Liebes Frl. S.,
Vielen Dank für Ihren Brief mit den netten BIldern, der mich heute erreicht hat. Der Brief hat mich sofort an Osaka erinnert. Soche Abende, wie ich sie in Ihrer Gesellschaft in Nishinomya zusammen mit Machiko-San und Moriysama-Sensei erlebt habe, wirken auch in der Erinnerung noch als Erholung und können nicht müde machen.
Ihre Gedanken über das Spielen von Schubert und dessen Schwierigkeiten haben mir sehr gut gefallen. Es kommt auch in Europa häufig vor, daß unter den professionellen Pianisten zwar viel Beethoven, Mozart, Bach, Schumann und wie sie alle heißen, geübt und eingespielt wird. Fragt man aber nach Schubert, erntet man oft eine gewisse Verlegenheit und manchmal sogar die Antwort: „das ist mir zu schwer.“ Schubert gilt auch unter solchen Leuten, welche ohne weitere Schwierigkeiten ein Rachmaninoff-Prelude herunterspulen können, als schwierig zu spielen.
Auf der anderen Seite haben Pianisten wie Alfred Brendel und Andras Schiff viel dazu beigetragen, Schubert salonfähig zu machen. Das Festival „Schubertiade Hohenems“, welches ebenfalls seinen Werken gewidmet ist, hat auch unter ehemaligen Schubert-Nichtkennern viel zu Begeisterung an Schubertmusik beigetragen.
Gerade gestern habe ich im Radio eine Übertragung dieses Festivals gehört, bei dem Andras Schiff die letzte c-moll-Sonate gespielt hat. Wenn ich zurückdenke, meine ich, daß das hauptsächliche Gefühl, welches ich beim Zuhören hatte, eine unheimliche Stimmung war. (Unheimlich im Sinne von „leichtes Grauen“.)
Das bringt mich dazu, Ihnen ein bißchen von meiner Schubertauffassung zu verraten, die zwar objektiv falsch sein kann, die mir aber den Zugang zur Musik, auch zum Spielen ermöglicht.
Unabhängig von der technischen Anforderung, die bei Schubert sehr groß ist, weil der Klavierpart nicht für die HAnd sonder für die Ohren geschrieben ist, ist die musikalische Anforderung meines Erachtens doch die weitaus größere.
Erstens ist es sehr schwierig, bei den längeren Werken die Übersicht und damit die Linie zu bewahren. Obwohl man aber das ganze Werk im Kopf haben muß, darf man während des Spielens nicht ans Ende denken, denn sonst sind speziell die Sonaten unendlich lange und die Musik schleppt sich nur mühsam hin. Ich glaube, daß man dann den Zugang gefunden hat, wenn man eine Sonate oder zumindest einen Satz durchspielt und überrascht feststellt: „halt, es ist ja schon aus!“
Da diese Musik von der Melodie und dem immer wiederkehrenden liedhaften Momenten lebt, ist es natürlich leicht, zu meinen, man muß bloß die Melodie recht fein herausarbeiten und Rest kommt von selber. Die Stimmung, welche von der Begleitung beeinflußt wird, ist fast noch wichtiger, denn oft ist gerade der Stimmungswechsel, der an manchen Stellen schlagartig eintritt, das dramatische Element.
Auf alle Fälle muß sich aber beim Spielen, wenn man sich freien Spielraum gönnt, auch schon bei wenigen Takten eine Empfindung einstellen können. Währen des technischen Übens muß man sie wahrscheinlich unterdrücken, aber man muß die Probe machen, ob sich die Empfindung überhaupt einstellen kann. Und wichtig ist, daß das an jeder Stelle gelingt. Es reicht nicht, wenn man sagt, diese Stelle gefällt mir nicht so sehr, dafür aber 4 Takte später ist es wunderbar.
Ich möchte Ihnen noch eine Empfehlung geben: studieren Sie das Leben von Schubert und lesen Sie auch über seinen gesellschaftlichen Umgang mit seinen Freunden. Dadurch, daß Sie in Wien waren, haben Sie sowieso einen leichteren Zugang zu der Ideenwelt und zu dem Lebensgefühl in der Umgebung Wiens, die heute an einigen Plätzen noch unverändert aufzufinden ist.
Daß ich den Bösendorfer für die Interpretation von Schubert für unerläßlich halte, ist wohl leicht verständlich. Ich hatte diese Meinung aber auch schon, bevor ich bei Bösendorfer gearbeitet habe. Es hängt mit den Stimmungen (Gefühlen) zusammen, von denen einige mit dem Bösendorfer noch viel unmittelbarer als mit dem Steinway oder anderen ausgedrückt werden können.
Ich hoffe, daß ich IHnen mit meinen „musiktheoretischen“ Ausführungen (die ich rein als Privatmann von Schubertliebhaber zu Schubertliebhaber äußere) ein paar Anregungen gegeben habe und wünsche Ihnen bei Ihrem weiteren Entdecken viel Freude.
Ihr Brief ist übrigens in einem hervorragenden Deutsch geschrieben, dadurch habe ich mir erlaubt, auch Ihnen in komplizierten Sätzen zu schreiben, da man in der deutschen Sprache, ja auch im Satzbau viel ausdrücken kann.
Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen, ob in Osaka oder in Wien und verbleibe mit herlichsten Grüßen
Ihr
Die referenzierte Sonate, unter deren Eindruck ich stand, als ich den Brief schrieb.
Über Intelligenz läßt sich einiges nachlesen. (Ein paar weiterführende Links finden sich hier oder können gegoogled werden.)
Seit einiger Zeit unterscheidet man zwischen der „normalen“ Intelligenz und der emotionalen Intelligenz. Dieser Eintrag beschäftigt sich mit der „normalen“ Intelligenz und behandelt einen Aspekt, den ich bisher nirgendwo in ähnlicher Form gelesen habe. Es geht um die Intelligenz, die sich in neuen Denkrahmen zurechtfinden muss. (Übrigens ist mittlerweile auch die Unterscheidung von kristalliner und fluider Intelligenz sehr interessant geworden. Auch für mich, da ich langsam älter geworden bin und mich sehr für die Vermittlung von Lerninhalten interessiere.)
Wissenschaftliche Beweise werden vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern fast immer nach aristotelischer Logik geschlossen. Man etabliert einige Prämissen durch beweisbare und reproduzierbare Experimente und führt anschließend Schlussfolgerungen durch, die ein System aufstellen. Im Rahmen dieses Systems können Voraussagen getroffen werden, die es anschließend durch neue Experimente zu verifizieren gilt.
Sir Karl Popper hält gegen diese Methodik seine Falsifizierungsvariante, doch das ist nicht das Thema. Es geht um System und den neuen Denkrahmen, den das System vorgibt.
Unter meinen Büchern finden sich vier, die bei unterschiedlichen Themen den Leser vor das Problem des Nachvollziehens stellen. Sie handeln alle von Inhalten, die heute als gegeben und erwiesen da stehen. Bei ihrer ursprünglichen Formulierung mussten sie erst einmal bewiesen oder zumindest plausibel dargestellt werden. Ich gestehe, dass ich in allen Fällen große Schwierigkeiten habe, den zugrunde liegenden Denkvorgängen zu folgen. Es geht mir da wie den typischen Mathematikverweigerern, die bereits bei einer normalen Schlussrechnung mit den Augen zu rollen beginnen.
Ich bemühe mich zwar, die Texte zu verstehen, aber es gelingt mir nicht immer. In philosophischen Werken trifft das ja häufiger zu. Man kann bis zu einem gewissen Punkt folgen, doch dann erfolgt meistens eine (verborgene) Annahme des Philosophen und die weiteren Schritte erscheinen unlogisch.
Was waren nun diese vier Bücher?
Das eine habe ich mir 1982 zu Weihnachten gewünscht. The originins of digital computers ist eine Antologie von wesentlichen Patenten, die zur heutigen Entwicklung des Computers geführt haben. Da ist von Rechenwerken, von Holz als Werkstoff, von Zählmethoden und Übertragungstricks die Rede. Es ist ein Stoff, der mich interessiert, in dem ich nicht ganz unbegabt bin, doch der Darstellungsart eines Erfinders um die Jahrhundertwende kann ich nicht folgen.
Jetzt mag man einwenden, dass man die Relativitätstheorie oder den Gödelschen Satz auch nicht so einfach verstehen könne. Immerhin gibt es jede Menge Sekundärliteratur, die sehr viel Mühe aufwendet, um die Inhalte anschaulicher zu machen. Doch bei diesem Buch ist Anschaulichkeit nicht das Problem. Die Patente beschäftigen sich mit sehr realen Problemen der Herstellung von Rechenwerken. Man sollte das heute nicht nur verstehen, sondern auch nachbauen können. Geht aber nicht so leicht.
Das zweite Werk beschäftigt sich mit Beweisen, wie sie die alten Griechen führten – geometrische Beweise. Ich habe das Buch nicht mehr im direkten Zugriff, doch kann ich mich erinnern, dass ich wie die Kuh vorm neuen Tor gestanden bin. Von zehn Beweisen waren vielleicht zwei nachvollziehbar. Ich habe eine relativ gute Mathematikausbildung auf der Hochschule genossen, doch die Art der Beweisführungen sind rein geometrisch und erfordern hier ein Rüstzeug von einfachsten und einfachen Beweisen, um die Struktur eines Beweises zu verstehen.
Das dritte Werk ist die Rätselsammlung von Sam Loyd, herausgegeben von Martin Gardner. Manche der Rätsel sind so schwierig, dass ich sie selbst dann nicht lösen kann, wenn ich die Lösung schon einmal wusste. Bei manchen Rätseln fällt es mir schwer, die Lösung im Hergang zu verstehen. Ich füge hier kein Beispiel an, wie ich es ursprünglich beabsichtigt hatte, um weder die Leserinnen noch mich zu frustrieren.
Das vierte Werk ist das Das Chinesische Dreieck.
In diesem Buch kann aufgrund der dargestellten Rätsel erkennen, dass uns die Chinesen historisch gesehen mathematisch schon einmal weit voraus waren. Es ist auch interessant zu sehen, wie Darstellungen, die uns in der Schule in bestimmter Form nahe gebracht wurden, durch andere Darstellung auch zu anderen Beweisführungen hinleiten.
Die Beispiele sollen aufzeigen, dass ich mittlerweile nicht mehr glauben kann, dass wir heute besser denken können als vor zwei tausend Jahren. Die intellektuelle Kapazität könnte ohne Eingriffe in das Gehirn nach oben beschränkt sein. Möglicherweise sind wir aber in punkto Moral und Ethik noch ausbaufähig. Das wäre eine interessante These. Sie könnte bei ihrem Zutreffen die Grundlage bieten, dass unser Leitspruch „wir tun, was wir können“ einmal auf „wir tun, was wir für gut halten“ geändert wird.
Erst dann wird es möglich sein, dass die Hypertrophie unseres Gehirns nicht zum Morden und Brandschatzen sondern zu einer besseren Aufteilung der Güter und zu einer Sichtweise Menschheit als Ganzes führen kann.
Bis dahin „good luck with you!“.
[Ich habe diesen Text schon vor einigen Jahren geschrieben. Inzwischen bin ich durch Gödel, Heisenberg, Feynman, Popper, Chaitin und anderen zu der Überzeugung gelangt, dass mit unserer (logischen) Denkweise bereits eine Beschränkung manifestiert ist, die uns verbietet, von „einer“ Wahrheit zu sprechen. Am ehesten kann ich mich da noch mit Zen abfinden, der die Unlösbarkeit von Widersprüchen und Dichotomien systematisch mit einbindet. 2012]
Ich bin heute aus Belgrad zurückgekommen und habe erfahren, dass mein neues Bett im Anrollen ist. Deswegen musste ich ein paar Bücher umräumen. Dabei habe ich so einiges entdeckt, darunter ein Schreiben, welches ich vor 20 Jahren an eine Japanerin geschickt habe, die mich mit entsprechenden Fragen angeschrieben hat. Ich erinnere mich, dass sie sich nachträglich noch sehr bedankt hat. Ich habe aber kurz darauf Bösendorfer schweren Herzens verlassen und habe sie daher nicht mehr in Japan treffen können.
Das Schreiben habe ich jetzt abgetippt, weil mir beim Lesen aufgefallen ist, dass ich heute zwar einiges stilistisch besser und nicht so pampig formulieren würde, doch im Grunde sehe ich inhaltlich keinen Grund zur Veränderung. Vielleicht ist es daher für die Musikliebhaber von Interesse.
Liebes Frl. S.,
Vielen Dank für Ihren Brief mit den netten BIldern, der mich heute erreicht hat. Der Brief hat mich sofort an Osaka erinnert. Soche Abende, wie ich sie in Ihrer Gesellschaft in Nishinomya zusammen mit Machiko-San und Moriysama-Sensei erlebt habe, wirken auch in der Erinnerung noch als Erholung und können nicht müde machen.
Ihre Gedanken über das Spielen von Schubert und dessen Schwierigkeiten haben mir sehr gut gefallen. Es kommt auch in Europa häufig vor, daß unter den professionellen Pianisten zwar viel Beethoven, Mozart, Bach, Schumann und wie sie alle heißen, geübt und eingespielt wird. Fragt man aber nach Schubert, erntet man oft eine gewisse Verlegenheit und manchmal sogar die Antwort: „das ist mir zu schwer.“ Schubert gilt auch unter solchen Leuten, welche ohne weitere Schwierigkeiten ein Rachmaninoff-Prelude herunterspulen können, als schwierig zu spielen.
Auf der anderen Seite haben Pianisten wie Alfred Brendel und Andras Schiff viel dazu beigetragen, Schubert salonfähig zu machen. Das Festival „Schubertiade Hohenems“, welches ebenfalls seinen Werken gewidmet ist, hat auch unter ehemaligen Schubert-Nichtkennern viel zu Begeisterung an Schubertmusik beigetragen.
Gerade gestern habe ich im Radio eine Übertragung dieses Festivals gehört, bei dem Andras Schiff die letzte c-moll-Sonate gespielt hat. Wenn ich zurückdenke, meine ich, daß das hauptsächliche Gefühl, welches ich beim Zuhören hatte, eine unheimliche Stimmung war. (Unheimlich im Sinne von „leichtes Grauen“.)
Das bringt mich dazu, Ihnen ein bißchen von meiner Schubertauffassung zu verraten, die zwar objektiv falsch sein kann, die mir aber den Zugang zur Musik, auch zum Spielen ermöglicht.
Unabhängig von der technischen Anforderung, die bei Schubert sehr groß ist, weil der Klavierpart nicht für die HAnd sonder für die Ohren geschrieben ist, ist die musikalische Anforderung meines Erachtens doch die weitaus größere.
Erstens ist es sehr schwierig, bei den längeren Werken die Übersicht und damit die Linie zu bewahren. Obwohl man aber das ganze Werk im Kopf haben muß, darf man während des Spielens nicht ans Ende denken, denn sonst sind speziell die Sonaten unendlich lange und die Musik schleppt sich nur mühsam hin. Ich glaube, daß man dann den Zugang gefunden hat, wenn man eine Sonate oder zumindest einen Satz durchspielt und überrascht feststellt: „halt, es ist ja schon aus!“
Da diese Musik von der Melodie und dem immer wiederkehrenden liedhaften Momenten lebt, ist es natürlich leicht, zu meinen, man muß bloß die Melodie recht fein herausarbeiten und Rest kommt von selber. Die Stimmung, welche von der Begleitung beeinflußt wird, ist fast noch wichtiger, denn oft ist gerade der Stimmungswechsel, der an manchen Stellen schlagartig eintritt, das dramatische Element.
Auf alle Fälle muß sich aber beim Spielen, wenn man sich freien Spielraum gönnt, auch schon bei wenigen Takten eine Empfindung einstellen können. Währen des technischen Übens muß man sie wahrscheinlich unterdrücken, aber man muß die Probe machen, ob sich die Empfindung überhaupt einstellen kann. Und wichtig ist, daß das an jeder Stelle gelingt. Es reicht nicht, wenn man sagt, diese Stelle gefällt mir nicht so sehr, dafür aber 4 Takte später ist es wunderbar.
Ich möchte Ihnen noch eine Empfehlung geben: studieren Sie das Leben von Schubert und lesen Sie auch über seinen gesellschaftlichen Umgang mit seinen Freunden. Dadurch, daß Sie in Wien waren, haben Sie sowieso einen leichteren Zugang zu der Ideenwelt und zu dem Lebensgefühl in der Umgebung Wiens, die heute an einigen Plätzen noch unverändert aufzufinden ist.
Daß ich den Bösendorfer für die Interpretation von Schubert für unerläßlich halte, ist wohl leicht verständlich. Ich hatte diese Meinung aber auch schon, bevor ich bei Bösendorfer gearbeitet habe. Es hängt mit den Stimmungen (Gefühlen) zusammen, von denen einige mit dem Bösendorfer noch viel unmittelbarer als mit dem Steinway oder anderen ausgedrückt werden können.
Ich hoffe, daß ich IHnen mit meinen „musiktheoretischen“ Ausführungen (die ich rein als Privatmann von Schubertliebhaber zu Schubertliebhaber äußere) ein paar Anregungen gegeben habe und wünsche Ihnen bei Ihrem weiteren Entdecken viel Freude.
Ihr Brief ist übrigens in einem hervorragenden Deutsch geschrieben, dadurch habe ich mir erlaubt, auch Ihnen in komplizierten Sätzen zu schreiben, da man in der deutschen Sprache, ja auch im Satzbau viel ausdrücken kann.
Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen, ob in Osaka oder in Wien und verbleibe mit herlichsten Grüßen
Ihr
Die referenzierte Sonate, unter deren Eindruck ich stand, als ich den Brief schrieb.
Es sind nicht nur die einschlägigen Yellow-Press-Formate, die heute Stilblüten produzieren.
Hier wird im „Qualitätsblatt“ der Standard folgende interessante technische Spezifikation angegeben:
Daneben sind 1 GB RAM und 32 GB Speicher verbaut.
Ich muss davon ausgehen, dass es sich bei den 32 GB um Getreide oder Bohnen handelt, die in einem der Silos zwischengelagert sind.
Oder handelt es sich um eine besonders spitzfindige, technische Lösung, die englische Texte im RAM (Random Access Memory) und deutsche Texte im Speicher ablegt?
Oder haben die vielleicht ein Bandlaufwerk eingebaut? Dann würde sich die Unterscheidung rechtfertigen!
Bei dieser Technik steige ich nicht mehr mit, „bin ich schon zu alt für“.
Zuerst hat er die DB kaputt gemacht, jetzt macht er das mit air Berlin. Sparen, an allem, was von der 0815 Routine abgeht…
Es ist sehr schwer, diesen Beitrag zu schreiben, ohne pathetisch, weltverbesserlich oder überheblich zu erscheinen. Ich weiß auch nicht, was ich mir davon erwarten darf. Nun, es wäre schon ausreichend, wenn ich eine oder zwei Personen dazu bringen kann, meiner Sichtweise näher zu kommen. Das würde bedeuten, dass sie sich eines der Bücher vornehmen oder generell das Thema in ihren Gesichtskreis aufnehmen können.
–
Es geht um die Frage nach dem Sinn des Lebens, warum ich auf der Welt bin, und um den Zeitpunkt, an dem diese Frage gestellt wird. Bei rosmarin wird dieses Thema zur Zeit mit allerhand zielführenden Ideen behandelt.
–
Ich gebe jetzt hier weder eine eigenständige Antwort noch versuche ich die bereits gegebenen Antworten zu ergänzen. Mein Wunsch geht mehr in die Richtung zu betonen, dass Menschen sich seit jeher dieser Frage angenommen haben. Wenn man die Beantwortung nicht mit einer handelsüblichen (ich sage das jetzt mit einer gewissen Bösartigkeit dem noch vorhandenen Ablasshandel gegenüber) Religion auf dem Glaubensweg beantworten will, wird man seine eigene Antwort finden müssen. Die areligiöse Beantwortung dieser Frage wird im Allgemeinen der Philosophie zugerechnet.
–
Jetzt gibt es Philosophen und nicht-Philosophen. Es gibt die Frage nach vorrangigen Überlebensantworten, die eine eingehendes „Philosophieren“ zeitlich nicht möglich erscheinen lassen. Es gibt eine Betäubung des Vergnügens, die lange Zeit von der Frage ablenken kann. Man kann die Frage auch ignorieren. Ich habe berufshalber gelernt, dass nicht jede Gefahr oder jedes Risiko behandelt werden muss. Auch das Ignorieren ist eine legitime Verhaltensweise.
–
Doch gibt es eine relativ leicht zu ersehende Erkenntnis, dass der Mensch mit dieser Fragestellung nicht allein ist. Selbst wenn man die Haltung einnimmt, dass eine Beantwortung nur durch eine persönliche Überlegung zustande kommen kann, – oder dass sogar Religion eine private Angelegenheit sein kann – sollte man sich vor Augen führen, dass da schon viel gescheitere Personen in der Zeitgeschichte eine Antwort auf diese Frage versucht haben.
–
Hier gibt es zwei gut und leicht lesbare Bücher, die das Querlesen durch die Geschichte der Philosophie erleichtern.
Das jüngere Buch „Sofies Welt“ on Josein Gaarder ist schon für Jugendliche verständlich und für Erwachsene vielleicht noch wertvoller.
„Die philosophische Hintertreppe“ von Wilhelm Weischedel hat mich schon vor 40 Jahren beeindruckt. Sie ist ebenso angenehm zu lesen.
Beide Werke sollten in der Lage sein, die Erkenntnis zu vermitteln, dass es einen ganz kleinen Wissenszuwachs geben kann, der dadurch entsteht, dass nicht jeder Gedanke neu erarbeitet werden muss. Manche der Ideen haben Philosophen ein ganzes Leben lang beschäftigt. Ein nicht-Philosoph käme erst gar nicht so weit und müsste beim Studium der Originalliteratur schon aus zeitlichen Gründen verzweifeln.
–
Resümee: es ist nicht ökonomisch, alles selbst erfinden oder erdenken zu wollen. Der menschliche Geist lebt vom Aufbau seiner eigenen Fähigkeit, doch noch besser von den bereits erfahrenen und – besonders wichtig – den verworfenen Kenntnissen seiner Vorfahren.
Ein Ergebnis, zu dem man vielleicht kommen kann, ist der Zeitpunkt, der für solche Fragen der angemessene erscheint. Ist es wirklich erst dann angebracht, wenn ein guter Freund stirbt oder wenn man selbst keine Möglichkeit mehr hat, die Antwort für sein eigenes Leben zu nützen? Oder gehört die Sensibilisierung für das Thema bereits für die heranwachsenden Jugendlichen vorbereitet? Ist die Beantwortung der letzten Frage nicht bereits ein Hinweis, wie dringend die Bildung unserer Jugend verbessert werden muss?
–
Für alle, die wirklich jetzt im Moment wissen wollen, warum wir hier sind, kann ich als Einstiegspunkt einmal eines der beiden Bücher empfehlen. Es gibt dann noch jede Menge weitere – die finden sich dann schon.
Den Menschen wird suggeriert, es für das Großartigste halten, dass sie mit einer Begabung, die 80 Prozent der Bevölkerung auch haben, etwa schlecht singen zu können, kurzfristige Promi-Berühmtheit erlangen. Offenbar ist dies das Ideal von mittlerweile fast allen. Damit wird jede vernünftige Gesellschaft zerstört.
Diese Formulierung finde ich so zutreffend.
Das ganze Interview findet sich hier.
Im österreichischen Fernsehen wurde gestern eine Dokumentation über die 1962 stattgefundene Hochwasserkatastrophe in Hamburg gezeigt.
Besonders deutlich war die Unausweichlichkeit, mit der vorerst nicht einmal Deichbrüche sondern einfache Brecher das Land mit Wasser überflutet haben. Dass es dann zu mehr als 200 Deichbrüchen kam, war der anhaltenden Dauer des Unwetters bei Windstärken von 9-10 geschuldet.
Besonders eindrucksvoll waren die Rettungsaktionen. Es ist bekannt dass der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt sich in Hamburg „profilieren“ konnte. Er setzte sich über Kompetenzen hinweg und befehligte militärische Operationen sowie finanzielle Zusicherungen. Worüber ich nicht wusste, war die von ihm international organisierte Hilfe in Form von hundert Hubschrauber, die bei abenteuerlichen Bedingungen die Rettungsaktionen flogen. (Das ging damals noch über einen Appell an die NATO.)
Mehr als 300 Menschen kamen damals ums Leben, doch es hätten weitaus mehr sein können, hätte es nicht ein derart rasches und effizientes Eingreifen gegeben.
–
Jetzt frage ich mich:
1) wer kann sich noch an damals erinnern?
2) wer kann mir einen Politiker nennen, der heute ähnlich reagieren könnte?
3) was wäre der oder die Namen von Politikern, welche dazu instande wären?
–
Wir können das heute mit Hilfsaktionen in Haiti oder in Thailand vergleichen.
Dann gibt es eine Bonus-Zusatzfrage:
4) Wenn die Wirtschaftskrise wirklich eine ist, warum kann dann nicht ähnlich effizient vorgegangen werden?
–
Ich weiß, dass das eine rhetorische Frage ist. Die Einrichtung eines wöchentlichen EU-Krisengipfels zum Thema Griechenland könnte ja auch mit einem entsprechenden Vergnügungsprogramm gekoppelt werden, damit die Politiker etwas von ihren Dienstreisen haben.
antworten – bearbeiten – löschen
Alle diejenigen Freunde, die meine übliche Weihnachtspost erhalten, darf ich vertrösten. Der Jahresüberblick wird sicher nicht vor Ende des Jahres kommen.
Diese Weihnachten gehen an mir ziemlich vorbereitungslos vorüber. Zur Zeit darf ich nicht einmal Geschenke tragen.
Andererseits kann ich sagen, dass ich dieses Weihnachten sehr glücklich und dankbar erlebe. Ich kann es mehr oder weniger unbeschwert genießen, was vor einer Woche noch nicht feststand.
–
Ich wünsche meinen Lesern ein frohes und angenehmes Weihnachtsfest. Denen, welchen Weihnachten irgendwo vorbeigeht, wünsche ich einfach erholsame Tage.
–
Sorgen braucht man sich um mich jetzt keine zu machen. Doch das Leben hat sich stark verändert.
liebe Grüße
Euer Steppenhund
p.s. Eine Probeaufnahme vom Yamaha-Clavinova. Das letzte Stück, das ich vor dem Spitalaufenthalt gespielt habe:)
http://soundcloud.com/hanshartmann/liszt-widmung-3-anlauf
