Archiv für Januar, 1970
unglaublich, was das kann.
Man sagt ja, dass der Schnupfen eines Mannes ärger ist als das Kind kriegen einer Frau. Da gibt es eine Empfindlichkeit, die einem ganz schön den Tag vermiesen kann.
Der Tag, an dem ich noch letzte Arbeiten für den Vortrag am Abend machen musste, war eine Qual. 100 Taschentücher mussten daran glauben.
Als ich am Vortragsort war, hörten die Beschwerden auf. Kein einziger Nieser, allenfalls habe ich zwei Taschentücher verbraucht.
Jetzt zuhause geht es mir wieder schlechter.
Aber die Erklärung dafür liegt auf der Hand, das Adrenalin hat sich wieder eingependelt.
So schlecht kann der Vortrag nicht gewesen sein. Einige Leute haben sich persönlich bei mir bedankt und der Veranstalter war auch zufrieden.
Traurig: nur mehr ein Drittel des Auditoriums kannte den Faust. Ich gehöre zu den aussterbenden Fossilien. Dabei sind die Zitate nach wie vor höchst aktuell.
– oder alt und senil …
Ich bin es gewohnt, bei jeder Reise etwas zu vergessen. Manchmal ist es ein Kamm, dann eine Sonnenbrille, eigentlich nie etwas, was ich unbedingt benötige.
Einmal hatte ich sogar meinen Laptop zuhause vergessen und dann am Flughafen entschieden, dass es auch ohne gehen müsse. Das tat es auch. Ich kann von überall und mit jedem Computer arbeiten. Mittlerweile sogar mit einem – ähem – Aplle-ipad air.
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Doch heute musste ich wirklich an mir zweifeln. Als ich auf der Bank war und den Kontostand abfragen wollte, fand ich meine Bankomat-Karte nicht. (Dass ich telebanking nicht nütze, hängt mit meinem Beruf zusammen. Ich bin nicht übermäßig paranoid aber von berufs wegen mit den Missbrauchsmöglichkeiten zu stark vertraut. Ich soll sie ja auffinden.)
Da ich auch meine Mastercard nicht fand, hatte ich sofort eine recht plausible Erklärung zur Hand. Während meiner Reise nach Rom hatte ich die beiden Karten, die für mich die wichtigsten Geldträger sind, speziell verstaut. Und jetzt musste ich die Vermutung hegen, dass ich sie in Belgrad gelassen hatte, dort wo sie gut versteckt waren.
Das wäre an sich kein Unglück. Ich konnte mir nur nicht vorstellen, dass ich die Karten nicht wieder an die üblichen Orte verstaut hatte. Als ich mit dem Fahrrad von der Bank nach Hause hier in Brunn zurück fuhr, kam es mir immer unplausibler vor. Immerhin hatte ich in Belgrad noch einmal mit der Mastercard gezahlt.
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Tatsächlich fand ich dann in meinem Portemonnaie noch ein zusätzliches Einschubfach, in dem die beiden Karten aufbewahrt waren. Also Alarm zurück.
Unangenehm bleibt lediglich ein Gefühl zurück, dass ich doch relativ lange gebraucht habe, um den Hergang während der letzten drei Tage zu rekonstruieren.
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Fazit: mein leichtes Leben ist vorbei. Ich muss mich an genaue Abläufe halten und langsamer agieren. So wie halt jeder andere auch. Nur bedeutet das eine Veränderung meiner Persönlichkeit. Ich war spontan, schnell, entscheidungsfreudig. – Und jetzt soll ich immer erst vorher nachdenken?
Den Beitrag habe ich auf Facebook zu einem Foto eingestellt.
(Er geht allerdings im Umfang über die Facebook-verträgliche Länge hinaus, daher erfolgt hier die Kopie.)
Am Donnerstag spielte Andras Schiff wieder aus seinem Beethoven-Sonaten-Zyklus 5 Beethovensonaten. Dabei gab es einige Besonderheiten. Nachdem er opus 54, die 22. Sonate, gespielt hatte, stand er auf und meinte, die Sonate würde nur ganz selten gespielt. Er würde sie wiederholen – und das hoffentlich besser. (Es waren tatsächlich ein oder zwei Ausrutscher passiert, die man allerdings nur dann hören kann, wenn man die Sonate vom Notenbild genau kennt.) Tatsächlich war aber die zweite Version noch etwas besser um nicht zu sagen fantastischer. Das Allegretto spielte er mit einer Leichtigkeit und atemberaubenden Schnelligkeit, die ich so noch nie gehört habe.
Dann folgte die Appassionata und nach der Pause 24,25,26 („Le Adieux“). Über Nr. 24, die einzige Sonate in Fis-Dur, hat er einmal gesagt, dass sie selten gespielt wurde, weil es zu Beethovens Zeit üblich war, die Sonaten vom Blatt zu spielen. (Kann man sich ja kaum vorstellen, aber die Leute haben vermutlich wirklich mehr gekonnt.) Die sechs Kreuz sind dann schon etwas hinderlich, was mir Klavierspieler hinsichtlich des Blattspielens bestätigen werden können.
Tobender Applaus, stehende Ovationen.
Schiff geht noch einmal zur Klaviatur und sagt: „Das wird jetzt etwas länger dauern, – für die Leute, die keine Zeit haben.“ Er setzt sich hin und spielt das Thema. Das Thema der Diabelli-Variationen. Ich wusste, dass darauf noch 32, bzw. 33 Variationen folgen. Die dauern mindestens 50 Minuten. Und er hat alle gespielt. Traumhaft.
Hier möchte ich für Musikinteressierte etwas anfügen, dass mir selbst nicht klar war. (Und arrogant wie ich bin, nehme ich an, dass es da noch weitere gibt, die das Werk nicht so gut kennen.) Die Diabelli-Variationen haben die Opuszahl 120. Sie sind also nach der „berühmten Opus 111“ entstanden. Man könnte, wenn es nicht despektierlich wäre, das Werk als Readers‘ Digest-Version des gesamten Beethoven-Klavierwerks bezeichnen. Inzwischen gelten sie als eines der großen Klavierwerke der Musikliteratur, auf einer Ebene mit den Bach’schen Goldbergvariationen.
Das Konzert hat insgesamt drei Stunden gedauert. Nach der „Zugabe“ war das Klatschen recht schnell zu Ende. Ich kann nur „danke“ an Andras Schiff sagen. Es war ein herausragender Musikabend. Mir schien auch, dass er an diesem Abend an seine eigenen Grenzen gegangen ist. Die Dichte bei „Le Adieux“ kann kaum übertroffen werden.
Nach einer etwas längeren Pause geht es weiter. Hoffentlich haben sich nicht alle Leser verschlurfelt:)
Auf dem Bildschirm erschien eine weitere Meldung: „Verwenden Sie Ausstellungsstück 334!“ Nach zwei Sekunden verschwand die Meldung und der Infoautomat zeigte den gewohnten Anfangsbildschirm. Hartmut versuchte es erneut. Die Auskunft über die klassifizierte Information erschien erneut und verschwand ohne weiteren Hinweis. Das Gleiche passierte beim dritten Versuch.
Jetzt wurde Hartmut neugierig. Etwas Misstrauen wäre angebracht gewesen, doch Hartmut war schon so alt, dass er sich erinnern konnte, dass Computer nicht immer beim ersten Mal erwartungsgemäß reagierten. Er wusste nicht, dass bei einer neuerlichen Wiederholung seine Einstufung verschlechtert worden wäre.
Er schaute sich um und versuchte das Ausstellungsstück 334 ausfindig zu machen. Nicht alle Exhibitionate waren nummeriert, doch bei einigen fand er kleine Inventaraufkleber. Allerdings waren die Zahlen alle zweistellig.
Er schlenderte weiter. Im übernächsten Raum gab es die Darstellung eines früheren Büroraums. Ein wunderschöner Holzschreibtisch mit einer Lederauflage. Es gab einen Adressenkarteikasten, mit Karten, auf denen Adressen handschriftlich vermerkt waren. Das Telefon hatte eine Drehwählscheibe. Eine der Schubladen des Schreibtisches stand halb offen. Hartmut entdeckte darin einen Anachronismus, hier lag ein Mobiltelefon, das es erst frühestens 50 Jahre später hätte geben können. Jetzt entdeckte Hartmut einen Inventarzettel auf dem Schreibtisch. Der trug die Nummer 334. Hartmut versuchte, die anderen Laden zu öffnen. In der untersten Lade auf der rechten Seite fand er ein Buch. Er las George Orwell. Er nahm es heraus und öffnete es. Die Seiten waren alle bis auf die erste Seite weiß. Auf der ersten Seite stand: „Bei echtem Interesse wählen Sie am Infoautomat die Adresse Barawitzkagasse 10. Bleiben Sie nicht zu lange in diesem Raum. Legen Sie das Buch zurück und schließen Sie die Lade!“
Hartmut befolgte die Anweisungen. Das schien ja richtig interessant zu werden. Vielleicht war es ein Spiel. Hartmut hatte selber nie Computerspiele verwendet. Doch er konnte sich aus Erzählungen von anderen Leuten vorstellen, dass manche Spiele so ablaufen könnten.
Er blieb noch eine Stunde im Museum. Alles andere funktionierte so, wie es in Museen üblich war. Er versuchte andere Bücher zu öffnen und fand dabei keine Hindernisse vor. Vor allem aber fand er nichts, was irgendwie Aufschluss über historische Ereignisse der Vergangenheit, speziell in Hinblick auf politische Geschehnisse geben konnte. Etwas enttäuscht verließ er das Museum. Was hatte der Eisenbahner ihm als Restaurant empfohlen? Nein, es war nicht der Eisenbahner. Peter hatte ihm das Hotel Sacher empfohlen. Er versuchte einen Infoautomaten. Der angezeigte Stadtplan zeigte ihm die Route und eine vermutliche Gehdauer von fünfzehn Minuten an. Er hatte zwar nicht sehr viel Appetit, da aber sein Informationshunger nicht gestillt war, wollte er wenigstens etwas essen. Und vielleicht war es sinnvoll, ein Zimmer zu reservieren. Das könnte er gleich dort tun. Der Infoautomat hatte keinen Knopf mit Hotelreservierung. Hartmut hätte sich erst durch Menüs durchsuchen müssen und wäre schlußendlich erfolglos geblieben. Es gab keine Hotelreservierungen von unterwegs. Nur zuhause konnte man sich ein Hotel reservieren lassen und damit gab es dann auch sämtliche Angaben der Beförderungswege.
Hartmut kam sich in der großen Stadt wie in einer Wildnis vor. Zwar war alles aufgeräumt und sauber. Doch ohne Menschen kam er sich wie in unendlicher Einsamkeit vor. Hartmut hatte keine Ahnung, wie leer die Stadt war, denn es gab auch keine abgestellten Autos oder andere Fahrzeuge. Als er über den Ring der Opernkreuzung zusteuerte, sah er noch einmal einige Radfahrer, deren Verhalten das der früheren wiederspiegelte. Es gab keinen Augenkontakt und ihr Verhalten ähnelte einer Flucht, um ja jeden Kontakt zu vermeiden.
Im Hotel sah Hartmut einige Menschen. Die meisten traten als Paare auf und saßen bei Tisch. Es gab einen menschlichen Kellner, zumindest sah er nicht wie ein Automat aus. Hartmut steuerte einen Tisch an, auf dem bereits eine Speisekarte lag. Das Besondere an der Speisekarte war die Ausführung als ganz flacher Bildschirm. Auf ihm stand die Anweisung: „Bitte legen Sie ihre Hand auf die Karte.“ Als Hartmut seine Hand auf der Karte plazierte, wechselte der Schirm seine Farbe um anschließend ein „danke“ zu produzieren. Als nächstes erschien: „Ihre gesundheitlichen Werte sind in Ordnung, wir freuen uns, Ihnen unsere Standardgerichte anbieten zu können. Bitte wählen Sie aus. Hartmut wusste nicht, dass die Gerichte recht typische Standardgerichte der Alt-Wiener Gastronomie waren. Wiener Schnitzel erschien ihm als wählenswert. Als er es anklickte, kam die Meldung: „Vielen Dank für ihre Bestellung. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass alle unsere Fleischgerichte streng vegetarisch sind. Doch Sie werden geschmacklich keinen Unterschied merken. Wir empfehlen Ihnen ein Glas Weißwein, vorzugsweise ‚Grüner Veltliner‘. Sind Sie einverstanden.?“ Hartmut berührte das Feld mit „JA“, worauf sich das Menü abschaltete und nur mehr der Vermerk sichtbar war: „Es wird Ihnen in 20 Minuten serviert werden.“
Hartmut fand den Hinweis mit dem Geschmackshinweis schon etwas lächerlich. Er hätte ja gar keinen Vergleich gehabt, wie es hätte schmecken sollen.
Der Kellner kam an seinen Tisch und brachte Wein und ein großes Glas Wasser. Er fragte Hartmut: „Wollen Sie auch gleich ein Zimmer reservieren? Wenn ich richtig informiert bin, wollen Sie zwei Nächte bleiben.“ Woher wusste er das? War er vielleicht doch ein Roboter, ein besonders sorgfältig nachgebildeter. Hartmut nickte und blickte dem Kellner nach. Der humpelte ein bisschen, was Hartmut jetzt erst auffiel. Humpelnde Roboter gibt es doch wohl nicht. Doch irgendwer musste wissen, dass er jetzt da war und musste dem Kellner die Information zugespielt haben.
Jetzt erinnerte sich Hartmut an den letzten Kontakt mit Peter am Infoautomat. Er hatte ihm ja das Hotel empfohlen. Wahrscheinlich hatte Peter bereits die Information mit Hartmuts Bild an das Hotel übermittelt. Das war eine plausible Erklärung.
Verstohlen schaute Hartmut um sich. Was waren das für Menschen rund um ihn, die teilweise bereits aßen oder auf ihr Essen warteten. Die meisten Pärchen waren sehr jung – mit ihm verglichen. Sie wirkten alle wie wirkliche Touristen auf der Suche nach dem Besonderen. Es gab eine weitere Einzelperson, die so wie sein Begleiter im Zug wirkte. Ein Edel-Arbeiter. Ein neuer Gast betrat das Sacher und schwenkte in den Restaurantbereich. Eine junge Frau um die dreißig, unauffällig in einem grauen Kostüm, gepflegt wirkend, schaute sich suchend um und wählte, als sie Hartmut sah, einen Tisch in seiner Nähe.
Hartmut schmunzelte. Er überlegte sich die Situation. Diese bot sich gerade zu einem Gesprächsversuch an. Doch Hartmut war mit seiner Frau sehr glücklich. Er konnte keine erotische Anziehungskraft verspüren. Es war aber nicht üblich, mit wildfremden Personen ein Gespräch anzufangen, obwohl er das früher sehr gerne gemacht hatte. Die Frau schien diesbezüglich keine Hemmungen zu haben. „Würde es Sie stören, wenn ich mich zu Ihnen setze. Zu zweit isst es sich doch viel netter?“ Hartmut nickte etwas verhalten. Gerade konnte er ein „Guten Tag“ hervorbringen. Die Frau lächelte und wechselte den Tisch.
Hartmut grübelte, ob er es wohl mit einem Escort-Service zu tun hatte. Angesichts der merkwürdigen Zufälle, die alle darauf hindeuteten, dass man über jeden seiner Schritte bescheid wusste, konnte er jetzt glauben, dass man vielleicht auch interessiert daran wäre, was er nachts so anstellte.
Es fiel ihm nichts Besseres ein, als „Wo leben Sie denn?“ zu fragen. Die Frau lächtelte spöttisch und meinte: „Ich lebe hier in Wien.“ Hartmut fiel aus allen Wolken. Er hatte nicht geglaubt, dass in den Alt-Städten auch Menschen dauerhaft leben würden. Davon war in allen Informationen, die er bisher erhalten hatte, nicht die Rede. Er verschluckte sich an seinem Wasser, dass er gerade zum Trinken angesetzt hatte. „Sie leben hier, hier in Alt-Wien? Dauernd?“ – „Ja, ist das so besonders?“ – „Ich weiß nicht. Es hieß, dass die Alt-Städte lediglich als große Museen dienten. Sehen Sie, ich bin nicht von hier. Aber ich habe ja auch sonst kaum Menschen gesehen. Wie viele Leute leben denn in dieser Stadt?“ Die Frau nickte dem Kellner zu, der gerade gekommen war. „Bringen Sie mir dasselbe wie dem Herrn. Und zum gleichen Zeitpunkt“ Hartmut sah, dass seine Warteanzeige gerade von 12 Minuten auf 20 Minuten gesprungen war. Die Frau warf Hartmut einen prüfenden Blick zu. „Warum interessiert Sie das. Ich verstehe, dass Sie überrascht sind. Aber warum wollen Sie die Einwohnerzahl wissen?“ Hartmut entspannte sich etwas. „Sehen Sie, ich war von Beruf Statistiker. Es muss wohl ein Reflex sein, dass ich mich immer nach Zahlen erkundige. Aber ich dachte, dass es nur die Dienste für die Touristen und Gäste gibt. Wenn hier Menschen wohnen, muss es ja auch Geschäfte für sie geben. Ich habe aber keines gesehen.“
„Es gibt schon Geschäfte, aber nicht hier in der Innenstadt. Sie müssen in die Außenbezirke kommen. Dort wo ich lebe. Da finden Sie dann auch Geschäfte.“ – „Sie kennen sich in der Stadt aber wohl gut aus. Darf ich Sie nach einer Adresse fragen?“ Hartmut war ganz stolz auf sich. Es war doch sicher besser eine Person in der Stadt nach der Adresse zu fragen, als dem Infoautomaten wieder neues Futter für seine Überwachung zu geben. „Fragen Sie nur!“ – „Können Sie mir sagen, wo die Barawitzkagasse liegt?“ – „Ja, die befindet sich in einem Außenbezirk. Sie können Sie sogar leicht mit U-Bahn, Linie 4 erreichen. Von der Endstation sind es nur 10 Minuten zu Fuss.“
Es trat eine zeitlang Stille ein. Hartmut überlegte, ob es Zufall war, dass sie die Adresse so genau kannte. Für sie war die Angelegenheit, wegen der sie auch gekommen war, klar. Hartmut war derjenige, der im Museum nach 1984 gesucht hatte.
Das Essen kam auf den Tisch. Hartmut war recht verblüfft, wie gut es schmeckte. Die Frau lächelte: „Es schmeckt Ihnen. Ich kann es mir vorstellen. Auch wenn das Fleisch nicht echt ist, die Eier für die Panier sind es. Die sind nicht synthetisch hergestellt. Und den Erdäpfelsalat werden Sie zuhause vermutlich auch nicht in der gleichen Qualität erhalten. Es ist eine besondere Sorte von Erdäpfeln, die nur in einem Bezirk von Alt-Wien angebaut wird. Dort, wo übrigens auch der Wein her ist?“
Hartmut seufzte: „Es wäre nett, wenn ich Sie als Fremdenführerin engagieren könnte. Sie kennen sich vermutlich besser aus als jeder Infoautomat, den ich fragen müsste.“ – „Das stimmt. Wenn Sie den fragen, warum das Essen so gut schmeckt, wird er Ihnen nur sagen, dass das Essen den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und deswegen so gut schmeckt.“ Sie setzte fort: „Ich kann Ihnen aber ein Angebot machen. Wenn Sie zu Ihre Adresse wollen, dann kann ich Sie begleiten. Ich muss auch zu einem Ort ganz in der Nähe.“ Sie vermied es, die Adresse noch einmal beim Namen zu nennen.
Hartmut strahlte. Der Tag zeigte sich langsam von seiner besseren Seite. „Mein Name ist Hartmut, wenn ich mich vorstellen darf.“ – „Gerne. Sie können mich Vroni nennen. Von Veronika. Aber das ist zu lang.“
Hartmut winkte dem Kellner. „Dir Rechnung bitte, auch die der Dame.“ Der Kellner winkte ab. Wurde bereits von Ihrem Konto abgebucht. „Auch die von der Dame? Woher wissen Sie das im Vorhinein?“ Der Kellner antwortete: „Es ist üblich, dass nur pro Tisch abgerechnet wird. Sie müssten vorher getrennte Rechnung beantragen.“
Hartmut und Veronika verließen das Sacher und schlenderten an der Staatsoper in Richtung Karlsplatz. Dort war der Eingang zur Linie 4. Veronika wies ihn darauf hin, dass sie bis zur Endstation Heiligenstadt fahren müßten.
Als sie dort ausstiegen und sich in Richtung Barawitzkagasse auf den Weg machten, konnte Hartmut sehen, dass vergleichsweise mehr Personen auf den Strassen waren. Er machte Veronika darauf aufmerksam und fragte sie, warum die Leute alle so scheu waren.
„Nun, es ist eine gute Praxis, nicht zu neugierig zu sein. Eine weitere ist es, nicht aufzufallen. Es dauert sehr lange, bis sich die Menschen hier einem anderen anvertrauen.“
Hartmut überlegte ein bisschen, dann fragte er: „Aber wie ist das mit Ihnen? Sie haben sich ja von sich heraus im Sacher zu mir gesetzt. Das würde dann ja überhaupt nicht dem Standardbenehmen entsprechen.“
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Veronika antwortete langsam: „Wenn Sie sich für 1984 interessieren, dann interessiere ich mich für Sie. Warum wollten Sie denn 1984 lesen?“
Eine Erklärung wird angekündigt.
„Ich kenne das Buch gar nicht. Mich hat nur die Zahl fasziniert. Es ist ja offensichtlich eine Jahreszahl. Vor hundert Jahren. Das interessiert mich.“
Veronika schaute ihn prüfend an. „Und warum interessieren Sie sich für eine derartige Jahreszahl?“
„Ich bin auf der Suche nach historischen Daten. Ich habe festgestellt, dass es kaum Material über die Zeit vor 2040 gibt. Eigentlich gibt es gar nichts. Jetzt habe ich einen Tipp bekommen, dass ich vielleicht in einem Museum fündig werden könnte. Aber offensichtlich gibt es da auch nichts. Zumindest nicht dort, wo ich war.“
– „Und haben Sie eine Erklärung oder Vermutung, warum das so ist?“
Hartmut nickte nachdenklich. „Ich habe eben keine. Ich bin ganz am Anfang meiner Suche.“
In der Zwischenzeit waren die beiden an der Kreuzung Heiligenstädterstrasse Barawitzkagasse angelangt. „Ich nehme an, Sie wollen zur Nummer 10.“ warf Veronika ein.
Hartmut war über das Wundern hinaus. „Ja, Sie haben offensichtlich Erfahrung damit, was passiert, wenn man 1984 anklickt.“
Veronika ging auf die Bemerkung nicht ein. Unvermutet fragte sie plötzlich: „Was haben Sie den für eine Einstufung?“ Hartmut antwortete, dass er nicht wisse was sie meine. Das schien Veronika nicht zu überraschen. „Nun, Sie müssen mindestens 2 wenn nicht 3 haben, wenn man Ihnen eine Besuch in Alt-Wien erlaubt. Sind Sie sich eigentlich bewusst, welche Privilegien Sie haben?“
„Nun, es geht mir gut, ich habe keine Sorgen, ich hatte sogar Arbeit. Jetzt bin ich in Pension.“
„Wenn es das Buch noch zu lesen gäbe und Sie es gelesen hätten, wären Sie all ihrer Privilegien verlustig gegangen. Haben Sie den Hinweis auf klassifizierte Information nicht gelesen? Beim vierten Versuch, das Buch zu öffnen, hätte man Sie herabgestuft. Sie wären neugierig gewesen und hätten weiter geforscht und schlussendlich wären Sie auf Stufe 0 gelandet. Sie würden ihr Haus verlieren und in eine Innenstadt ziehen müssen.“
Sie waren vor dem Haus Nr. 10 angelangt. Die Fassade des Hauses wies eine stark angedunkelte grüne Farbe auf. Es gab eine Klingelanlage, doch Veronika hielt eine Marke an das Schloß und Sie betraten das Stiegenhaus. Allerdings gab es nur wenige Stufen in ein Parterre, danach ging es wieder hinunter in den Keller, der einzelne Abteile für die Mieter aufwies. Es gab eine Türe, die sich von den anderen unterschied. Sie war fast nicht im Dunklen zu erkennen. Wieder hielt Veronika ihre Marke an die Tür und sie öffnete sich nach einer gewissen Wartezeit. Als die Türe offen stand, konnte Hartmut erkennen, dass es sich um eine Sicherheitstüre mit mehreren mechanischen Verriegelungen handelte.
Es gab nur eine spärliche Beleuchtung, die im wesentlichen von ein paar Bildschirmen herrührte. Ein Mann kam auf sie zu und begrüßte Veronika mit einem Vorwurf: „Bist Du wahnsinnig, den Typen hierher zu bringen.“
Veronika antwortete: „Natürlich bin ich wahnsinnig wie wir alle hier. Aber habe ich mich je in meiner Menscheneinschätzung getäuscht?“ Es gab ein abfälliges Grunzen. „Nun, jetzt ist er hier, was machen wir mit ihm?“
„Wir müssen für ihn eine Identität basteln. Eine, welche sein Interesse für 1984 zufällig erscheinen lässt. Es war ja wirklich zufällig, aber seine Nachfrage bedeutet ein Risiko für uns. Wir sollten unseren Stub entfernen.“
„Ist schon passiert. Nachdem er noch zweimal versucht hat, nach zu fassen, wird 1984 sicher untersucht werden. Hoffentlich gibt es keine Spuren mehr von uns.“
„Und die Logs? Hast Du die auch manipulieren können?“ – Zumindest gibt es keine Hinweise mehr auf „Barawitzkagasse. Alles andere ist nicht relevant. Man weiß, dass es uns gibt, aber man duldet uns, solange wir nicht an die Öffentlichkeit treten. Soweit ist alles in Ordnung. Nur dein ‚Bekannter‘ ist noch ein gewisses Risiko.“
Hartmut hörte mit steigender Verwunderung zu. Was er zu verstehen glaubte, war eine Beeinflussung des Computersystems durch den Typen hier im Keller. Er hatte keine Ahnung, was das bedeutete. Seit 2040 gab es keine Hinweise mehr auf Viren, Trojaner oder andere Schadsoftware. Selbst mit dem Begriff Trojaner hätte Hartmut nichts anfangen können.
„Trinken wir einmal einen Tee und ich werde Hartmut aufklären.“
Im nächsten Raum, der Küche und Essecke in einem war, wurde Tee gekocht. „Wir sind keine guten Gastgeber, denn wir scheuen jeden Kontakt mit den herkömmlichen Einrichtungen, es sei denn es ist notwendig wie z.B. heute.“ Sie nahm ihre Perücke und die Brille ab. Plötzlich war sie zu einer sehr gut aussehenden Blondine verwandelt, obwohl sie von ihrer Ausstrahlung her selbst keine Notiz zu nehmen schien.
„Also Hartmut, sag uns, was der eigentliche Auslöser für deinen Besuch in Alt-Wien ist.“
Was sollte er sagen. Er erinnerte sich an sein Gespräch mit Peter. „Es geht uns sehr gut, aber irgendetwas stimmt nicht.“
Er sagte es halblaut, so wie er es sich in Erinnerung rief.
„Und was stimmt nicht?“ – „Es läuft zu gut! Ich habe das Gefühl, dass es nicht immer so war, aber ich kann das Gefühl nirgendwo festmachen.“
„Sie haben ein gutes Gefühl. Sie haben recht, etwas stimmt nicht. Aber Sie haben keine Ahnung, was nicht stimmt.“
Veronika holte tief Atem. „Was ich Ihnen jetzt sagen werde, wird Sie beunruhigen. Es muss Sie beunruhigen. Denn Ihr Leben ist in Gefahr.“
Hartmut nahm das vorab mit Gleichmut hin. Er erinnerte sich an das, was Valerie ihm gesagt hatte. „Ich bin alt genug und muss mir kein Blatt mehr vor den Mund nehmen.“
Sollte das für ihn ebenfalls bereits gelten?
Veronika stellte eine direkte Frage: „Wer kontrolliert Ihrer Meinung nach das, was auf der Welt geschieht? Global?“
Hartmut war versucht zu sagen: „Die Politiker“.
Er überraschte sich allerdings selbst mit der Erkenntnis, dass das nicht stimmen könnte. Er korrigierte seine unmittelbare Reaktion auf „Ich nehme an, die Politiker, aber ich weiß nicht, wer die kontrolliert.“
Veronika nickte zustimmend.
„Richtig! Wer kontrolliert die Politiker? – Nun nehmen wir einmal an, dass es da eine Kontrollinstanz gibt. Die operiert ja gar nicht so schlecht. Viele Probleme, welche die Menschen früher hatten, gibt es nicht mehr.“
Hartmut nickte.
„Es gibt auch kein Verbrechen mehr. Ist Ihnen aufgefallen, dass manche Menschen einfach von der Bildfläche verschwinden?“ Hartmut nickte.
„Sie sind in Gefahr, dass das mit Ihnen auch passiert. Es passiert mit all denen, die vermuten, dass es ein System gibt, ein System hinter den Politikern. Es gibt keine Prozesse. Es gibt keine Rechtsprechung. Der reine Verdacht reicht aus, um jemanden als Gefahr für das System einzustufen und ihn zu eliminieren.“
Hartmut zögerte, es war schwer das so einfach zu verdauen.
„Gibt es jemanden in Ihrer Umgebung, der scheinbar mehr zu wissen scheint?“ Hartmut verneinte, obwohl er langsam unsicher wurde. Peter, der da plötzlich im Infoautomaten aufgetaucht war, konnte schon so jemand sein.
„Trinken Sie Ihren Tee. Dann gebe ich Ihnen ein ungefähres Bild von der Situation. Bis jetzt hat Sie ihre Naivität geschützt, aber nun wird es besser sein, wenn Sie sich der Gefahren bewusst sind.“
Hartmut rätselte: was konnte jenes System sein, das als so gefährlich geschildert wurde.
Veronika fing an zu erklären.
Einen guten Text kann man vielleicht daran erkennen, dass er die eigenen Erinnerungen hervorruft. So ein Text findet sich in Palkos Blog, dessen Gedanken etwas tiefsinniger daher kommen, als man es in der Regel gewohnt ist.
Bevor meine LeserInnen hier weiterlesen, sollten sie dem Link folgen, er beinhaltet Pointen, die man sonst nur bei der Tante Jolesch findet.
Der Autor beschreibt etwas, was sich wirklich bald nur mehr in der Geschichte finden wird. Ich selbst hatte unlängst ein ziemlich unerfreuliches Erlebnis im Café Imperial, das durch den Umbau nichts gewonnen hat. Aber das ist ein anderes Kapitel und auch ein anderes Genre.
Im Gegensatz zu Palko durfte ich mich nicht zum „Inventar“ des Old Vienna zählen. Ich hoffe, er wird diese Geschichte noch nachtragen, sie ist einfach zu großartig um in Vergessenheit zu geraten. Ich werde sie allerdings hier nicht verraten.
Ich selbst war Stammgast im Old Vienna und ich möchte einige Erinnerungen des gewöhnlichen Gastes beitragen. Ich glaube, es ist nicht erwähnt worden, dass im Old Vienna auch Schach-Turnierpartien gespielt wurden. Es gab also nicht nur die üblichen Kaffeehaus-Spiele, bei denen man sich aus 3 Sets 2 vollständige Figurengruppen zusammen setzen muss. Die besseren Spieler bekamen auch gute Spielbretter und Schachuhren, die nicht kurz vorm Zusammenbrechen waren. Man muss es allerdings erlebt haben, was Schachuhren in Kaffeehäusern aushalten müssen. Die geballte Faust fällt hernieder um sich dann kurz vor Betätigung des Uhrenknopfes noch zu entfausten, um ja den Knopf zielgerecht zu erfassen. Das knallt recht schön und wird durch „Ich dir geben, Du Wurzen“ akustisch untermalt.
Es wäre zu erwähnen, dass derartige Verbalandrohungen oft nur den kommenden Verlust zu kompensieren hatten und von Spielern wie Kibitzen eher lächeln hingenommen wurden.
Jetzt muss man wissen, dass neben den Arbeitslosen, die oft ausgezeichnet Bridge spielten und sich als Bridgepartner ein Zubrot verdienen konnten, auch Schachmeister im Old Vienna verkehrten. Niki Stanec mehrfacher österreichischer Staatsmeister konnte dort gesehen werden, wie auch Lendvai und andere Spieler mit einer Elozahl von über 2400, was in den Neunzigerjahren sehr stark war.
In der Regel kamen sie mit Kollegen zusammen und analysierten eine Partie, meistens ihre letzte. Sie nahmen es nicht übel, wenn ich an den Analysen mit aberwitzigen Einfällen teilnahm. Niki forderte mich einmal zum Spiel auf, was ich ablehnte, weil es sinnlos gewesen wäre. (Allerdings habe ich in einem anderen Lokal tatsächlich einmal eine Partie gegen ihn gespielt.)
Sogar Eva Moser, spätere Staatsmeisterin, soll sich im Old Vienna ihre ersten Sporen verdient haben. Sie habe ich allerdings nie persönlich angetroffen.
Sehr erfreut war ich allerdings, als ein Pensionist im Old Vienna auftauchte. Rudi war vorher hauptsächlich im Kaffee Museum anzutreffen, wo er sich mit Schach ein kleines Taschengeld verdiente. Vielleicht auch ein großes, ich weiß es nicht. Er hatte eine Anstellung bei der Wr. Staatsoper und verbrachte seine Pausen im Museum. Auch das Café Museum hat durch den Umbau nichts an Freundlichkeit gewonnen und die Schachspieler verloren sich.
Rudi, dessen Spiel ich bewunderte, freute sich, wenn er mich sah. Er überlegte meistens kurz: „Ich habe da etwas für dich.“ Dann stellte er mir ein Schachproblem auf. Manche Menschen sehen gerne Krimis, für andere wieder ist ein gutes Schachproblem eine Köstlichkeit. Und Rudi hatte die besten Probleme. Manchmal fand er sie in den Schachzeitungen, aber er musste noch weitere Quellen haben. Zum damaligen Zeitpunkt war ich nicht ganz schlecht im Lösen und konnte mir eine Achtung nicht nur bei Rudi sondern auch bei Niki erringen, wenn er sah, dass ich einen schwierigen Vierzüger in 20 Minuten lösen konnte.
Aber als Gast profitierte ich noch mehr von den Bridge-Spielern. Ich sah oft zu, wenn die Spieler nach einem Turnier um halb zwölf eintrudelten und dann über ihre Spiele erzählten. Nachher spielten sie dann bis zur Sperrstunde, die damals zwei Uhr früh war. Eines Tages war ein Spieler zu wenig und sie forderten mich auf, mit zu spielen. Ich sträubte mich zwar, aber tatsächlich überzeugten sie mich und waren ein sehr, sehr geduldiges Lehrerteam. Jedes natürliche und nicht-natürliche Gebot wurde erklärt. Als ich einmal selbst einmal die Hand spielen musste, wiesen sie mich darauf hin, dass ich aufgrund des Lizits eigentlich schon alle Hände kennen müsste. (als ich zum 2. Stich ausspielen musste) Tatsächlich war das Spiel eines, was ich mir ausrechnen konnte – eine Ausnahme. Mit einem der Arbeitslosen, den ich oft auch nach Hause führte, spielte ich sogar ein Paarturnier, bei dem wir 67% erzielten. Wenn man bedenkt, dass da ein ziemliches Greenhorn am Spielen war, kann man sich ausrechnen, wie gut der andere war.
Leider veränderte sich das Lokal, wie es in Palkos Blog beschrieben ist. Aber auch in seinen guten Zeiten, war die Sperrstunde nicht das Ende. „Fahren wir noch ins Mittersteig?“ war eine häufig bejahte Frage, wo es bis halb fünf weiterging.
Wie sehr diese Lokale ein gewisses Lokalkolorit aufwiesen, kann man wohl daran erkennen, dass ich keine Scheu hatte, auch meinen Ex-Chef dorthin mitzunehmen. Er ist Deutscher und war sichtlich angetan.
Über das Mittersteig ein anderes Mal mehr.
Endlich verstehe ich die Bedeutung von Fussball. Es soll legitime Feindbilder geben. Feindbilder, die darunter aber nicht zu leiden habe, weil sie in einer geschützten Werkstätte leben. Offensichtlich gibt es auch zu wenige Fanatiker, die wirklich einmal einen der Betroffenen aufsuchen und ihn abmurksen, eliminieren, ausmerzen.
Der große Unterschied zwischen American Football (dass ich auch strategisch zu schätzen gelernt habe) und Soccer (das was wir unter Fussball verstehen) ist nicht nämlich nicht bei den Spielern zu suchen. Er liegt in der Auswertung von strittigen Szenen.
Während bei American Football Videoaufzeichnungen zu gelassen sind, ist dies beim Fussball nicht der Fall. (Die Aufzeichnungen werden nur verwendet, wenn eine Mannschaft eine „challenge“ abgibt, was auch für die Mannschaft mit Kosten verbunden ist, normalerweise ein Timeout weniger.) Beim Tennis scheinen Beanstandungen ebenfalls minutiös geprüft zu werden.
Beim Fussball gibt es das nicht: eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters oder der Linienrichter bleibt bestehen, selbst wenn im Video Fehlentscheidungen deutlich als solche zu erkennen sind.
Es ist nun vollkommen klar, dass die Schiedsrichter nicht alles sehen und auch einer Täuschung unterliegen können. Dieser Umstand wird bei Fussball ganz bewusst in Kauf genommen und außerdem noch gefördert.
Wenn wir das Geld betrachten, was anlässlich einer Fussballweltmeisterschaft fließt, dann ist hier alles professionell ausgereizt. Es spielen Profis, deren potentieller Marktwert bis zu 100 Millionen Euro beträgt. Es werden Stadien gebaut, die anschließen vor sich hinverrotten dürfen. Doch eine heilige Kuh der Amateure gibt es: das sind die Schiedsrichter.
Wenn man nun sieht, wie viele Fehlentscheidungen bei dieser Weltmeisterschaft schon passiert sind, fragt man sich, ob das nicht schon bewusste Einflussnahmen in den Spielverlauf sind. Die Zeiten haben sich geändert. Es wird nicht mehr mit einer Kamera gefilmt, es gibt vier oder fünft verschiedene Blickwinkel und in der Regel erfasst wenigstens eine Kamera die fragliche Szene ganz genau.
Ich stelle daher folgende These auf: die FIFA will bewusst ungerechte Beurteilungen fördern, um die Stimmung anzuheizen. Ich habe zwar noch nicht herausgefunden, inwieweit dies zu vermehrten Einnahmen für die FIFA führt, doch scheint mir da zweifellos Geld im Spiel zu sein.
Es wird lustig sein, wenn auf einmal irgendwelche Wettphänomene zu beobachten sind.
Die Vergabe an Katar ist eine andere Geschichte, die ja gerade geprüft wird.
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In einem größeren Sinn ist die Erzeugung von Feindbildern natürlich recht positiv. Plötzlich kann man sich mit Spielern identifizieren, deren Nationen man hasst, die aber ungerecht behandelt wurden. Vielleicht ist das die Philosophie, mit der die FIFA ihre Hinterfotzigkeit begründet. Fussball für den Frieden. Aggressionen werden dorthin gelenkt, wo sie nicht wehtun. Doch eines Tages wird ein Schiedsrichter umgebracht werden und alle werden sich fragen: ja, aber warum denn? Er war doch ein so netter Mensch. Das dürfte übrigens auch zutreffen, denn es ist nicht ihre Schuld, wenn sie nicht allwissend sind. Sie könnten es sein, doch die FIFA verhindert das. Und darüber hinaus sind sie ja nur Amateure.
In the beginning of the week I was enjoyed to read that my paper for a conference (or workshop) in Sweden had been accepted.
When I read the reviewers‘ comments I could find reason in some of the comments.
Two reviewers were pretty consistent in their remarks but the mentioned that one part was „out of scope“. The third reviewer is basically not very effective in his remarks. What he wants is a completely different paper, one that I had written ten years ago and which I would not repeat now.
But all of the reviewers were puzzled about my mentioning of fairy tales.
I can add some further explanation why I consider it necessary to take it in account in my paper. And that is what I will do.
But I am really contemplating whether I should withdraw my application.
There are two possibilities:
1) I have not made myself clear. That possibility would be supported by the experience I have made with my sister who is a medical doctor who did not understand my linkage of fairy tales and legends to something like software. However, most of my colleagues in the company understood and were very surprised as they had not seen the connection earlier.
2) I was clear and concise, but the reviewers belong to a party of – I don’t know – scientists, practictioners, who whatever. If they are experienced people they should ask themselves why software is so rotten. Or I would like to call them fucking masturbating busybodies, where masturbation is used as dealing solely with their own subjects, forgetting that there is more around in the world than software.
Today, I will listen to „marriage of Figaro“, my first time in the opera in Belgrade. (The program is very sparse there) If I am brought to a good mood, I will try to make my point more clear. Tomorrow is my birthday which will also encourage a peaceful mind of mine.
I do not write this right after I received the remarks. I went through them carefully. Some are actually very to the point and I am grateful for the work the reviewers did. But I am only 180 days left for my retirement. I don’t have to gain additional points. Why should I pay hundreds of Euros when it is not appreciated what I have to say.
Stay tuned and see what turns out:)
Heute habe ich Geburtstag. Gestern habe ich schon mit Mozart gefeiert, heute geht es mit einem netten Programm weiter. Sauna, Massage, Escape-Room (der erste echte in Belgrad) und danach Feiern in Skardalia. Die beiden letzten Punkte mit der Mann- und Frauschaft von der Firma.
Momentan komme ich schon ein bisschen in Zeitnot. Daher wird das kurz. Ich bin jetzt 120 Jahre alt. (im 7er-Zahlensystem: 49 + 14) Also betrete ich nunmehr das 10. Jahrsiebent. Diese Abschnitte waren immer recht distinkt in meinem Leben.
Meine Frau meint, dass ich mich damit abfinden sollte, dass nicht mehr alles so leicht von der Hand geht. Ich lerne das langsam. Ich werde nach und nach blöder. So nenne ich das langsamer Werden im Denken. Ich spüre das. Es war nach der letzten Operation viel stärker merkbar, ich habe mich in der Zwischenzeit erholt, doch Intelligenztest möchte ich heute keinen mehr machen.
Es gibt allerdings etwas zu feiern. Meine Fähigkeit zuzuhören hat sich verbessert und damit auch mein Klavierspielen. Ich bin viel kritischer geworden, bin aber bereit, mehr zu üben und vergesse meine Ungeduld beim Üben.
Das Wetter ist sonnig. Den Kindern und den Enkelkindern geht es gut, daher auch meiner Frau. Auch für meine Freunde und Angestellten kann ich momentan noch einige Monatsgehälter zahlen. Mal sehen, ob ich morgen einen neuen Vertrag aushandeln kann.
Mit dem Konzert in Belgrad hat sich einiges in meiner Einstellung geändert. Ich bin fast so etwas wie stolz darauf. Ab jetzt arbeite ich an dem Konzert in zwei Jahren, zu meinem 65. Geburtstag.
Es wird noch eine interessante Zeit.
Heute lese ich beim Frühstück die Presse und habe dabei ein sonderbares Deja-vu-Erlebnis. Obwohl es eigentlich mit Deja-vu nichts zu tun hat.
Auf der linken Seite gibt es einen Artikel über den ersten Türken, der in Österreich „sub auspiciis presidentis“ promoviert hat. (hier)
Es wird erklärt, was es mit dieser Auszeichnung auf sich hat. (Ich muss ganz schön blöd gewesen sein, mein Studium abzubrechen, denn bis dahin hätte ich die Bedingungen erfüllt. Genauso hatte ich mich meine Diplomarbeit zu einer Assistentenstelle gebracht. Etc. etc.)
Ich freue mich für den „Kollegen“, denn er hat auch Nachrichtentechnik studiert. Er beschreibt sehr gut die Schwierigkeiten, überhaupt ins Gymnasium zu kommen anhand seines Bruders.
Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es einen Artikel über die Karriere-Aufstiegschancen. (hier)
Die Grafik, welche die Zusammenhänge darstellt, habe ich zuerst überhaupt nicht verstanden. Bin ich zu blöd, um eine statistische Darstellung zu verstehen, mit deren Form ich oft konfrontiert werde.
Nein, ich habe meine Schwierigkeit kapiert. Auf beiden Achsen wird das Ordnungsprinzip verletzt. Normalerweise liegt der Schnittpunkt der Achsen auf 0/0. Der Wert, der entlang der Achse dargestellt wird, sollte normalerweise zunehmen, ge weiter man nach rechts oder nach oben wandert.
Bei dieser Grafik ist es umgekehrt. Daher liegen die nordischen Länder, die den „positivsten“ Fall darstellen, ganz in der Nähe des Nullpunkts.
Ich weiß schon, dass diese Quadrantengrafiken kein numerisches Ordnungsprinzip kennen. Aber es zeigt mir wieder, wie schwach das mathematische Verständnis mancher Soziologen ist, welche die Ergebnisse dargestellt haben. (Quelle: irgendwo in Ottawa)
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Aber was soll’s? Wen interessiert das Thema schon wirklich?
Es geht übrigens um den Gini-Koeffizienten…
