ein neues Schulmodell

Nach dem Schreiben einiger Kommentare arbeitet es in mir weiter.
Wird von den Schülern heute wirklich so viel gefordert?
Im Radio hat es eben die Coriolan-Overtüre von Beethoven gegeben. Ich konnte mich nicht mehr genau daran erinnern und habe nach der Geschichte gegoogled. Ich schaute dann noch nach Patrizier und Volkstribun nach. Sacrosanctitas war mir ein Begriff aber nicht in der Verbindung mit den Volkstribunen. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass einiges von dem, was in Wikipedia zu finden war, nicht in meinem Geschichtsunterricht vorkam.
Ich spinne in meinen Gedanken weiter und stelle mir vor, dass Frontalunterricht komplett durch Recherchensteuerung ersetzt wird.
Die Kinder bekommen ein Wort vorgesetzt, über das sie (im Internet) recherchieren müssen. Die Prüfungsfragen werden so gestellt, dass das Gelernte in Zusammenhang mit ihrem heutigen Leben dargestellt werden muss.
Innerhalb eines Monats referieren die Kinder über die Ergebnisse ihrer Recherchen und diskutieren darüber mit ihren Mitschülern. Am Ende des Monats gibt es eine Zusammenfassung durch die LehrerInnen, welche allenfalls wesentliche Teile ergänzen.
Die Matura in den Lernfächern wird so abgeführt, dass Begriffe vorgegeben werden, für deren Recherche der Prüfling zwei Stunden Zeit hat und dann mündlich referieren muss.
Das wäre doch eine Herausforderung. Im Zuge der Jahre würde sich ebenfalls herauskristallisieren, wofür sich die einzelnen Schüler interessieren und eignen.
Bei allem Lernen ist nicht allein die Begrifflichkeit von Bedeutung sondern vielmehr die Zusammenhänge und das schlagartige Erkennen, wie einzelne Fakten miteinander zusammenhängen.
P.S. Die Rechner werden aus dem aufzulassenden Schulbuchbudget bereit gestellt. Kostenlose Schulbücher werden eingestellt.

Anlässlich eines Blogeintrags über „Dampf“, wobei es um die Dampfschifffahrt gegangen ist, wurde ich an eine andere Art von Dampf erinnert und zu einem langen Kommentar verleitet. Jetzt habe ich noch ein paar Gedanken dazu weitergesponnen…

點心 oder 点心

unter Dampf

In Wien gibt es ein von mir bevorzugtes chineseisches Restaurant, das ich oft auch allein besuche. Meistens abends, wenn ich nach Hause fahre, da es unmittelbar auf meinem Heimweg liegt und ich einfach spontan entscheiden kann. Oft ist es ausschließlich ein augenblickliches Gusto-Gefühl, welches den Umstieg von der U3 zur U6 mit einem Nichtumweg über das Restaurant ergänzt. Es befindet sich unmittelbar hinter dem Westbahnhof, wobei die Bezeichnung hinter schwer zu begründen ist, da der neu renovierte Westbahnhof eigentlich nicht mehr so stark vorne-hinten orientiert ist. Sagen wir so: das Restaurant liegt in Fahrtrichtung links, dort, wo die Gleise des Kopfbahnhofes herauskommen.
Objektiv ist dieses Plätzchen vermutlich sehr gut, weil man so viele Chinesen dort speisen sieht. Es scheint sich also recht heimatlich in gastronomischer Sicht anzufühlen.

Ich bestelle dort in der Regel T2, T3, T17 und T8 und einen Jasmin-Tee.

Während ich sitze und auf die Gerichte warte, erinnere ich mich immer wieder an zwei Erlebnisse aus den Achtzigerjahren, eines davon abschreckend, während das andere eine nette Erinnerung wachruft und daher insgesamt eine positive Anmutung erzeugt. Die Orte der Geschehen sind Wuhan und Hongkong.

Nach Wuhan war ich nach einer achtzehnstündigen Eisenbahnfahrt von Beijing gekommen. Die Ankunftszeit war kurz vor Mittag und der Professor und ein Assistent holten uns ab und wollten uns sogleich mit einem Mittagessen verwöhnen. In der Nähe des Bahnhofs gab es ein Restaurant und wir mussten ungefähr 12 Minuten zu Fuss laufen. Dieser Spaziergang bedeutete eine unheimliche Erfahrung für mich. Schon in Beijing gab es am Bahnhof so viele Menschen, dass wir uns nur aufgrund unserer Hartschalenkoffer eine Art Rammbock schaffen konnten, mit dem wir es in Form eines Eisbrechers bis zur Rolltreppe schafften, die zu den Zügen führten. Beim Ausstieg in Wuhan waren es eben so viele Menschen. Der Bahnhof wimmelte von Chinesen und Chinesinnen. Das erschien mir noch als normal, doch als wir ungefähr fünf Minuten gegangen waren, stellte ich fest, dass die Menschendichte nicht abgenommen hatte. Die gesamte Straße war dicht von Menschen befüllt, die damals die grünen oder blauen Drilliche trugen und dadurch wirklich einen ameisenartigen Eindruck machten. (Ich schreibe das ganz bewusst so, denn es stimmt absolut nicht, dass alle Asiaten gleich aussehen. Ich lernte später, fünfhundert japanische Kunden per Gesicht und Namensschreibweise zu unterscheiden, denn die Gesichtszüge und Figuren sind genauso differenzierbar wie bei uns.) Da die groß gewachsen bin, konnte ich gut über alle hinwegblicken und ich erinnere mich deutlich an das Gefühl von Dankbarkeit, dass ich in Österreich geboren war. Meine ganze Erziehung, die europäische Kultivierung betont das Individualistische. In China hätte ich meiner Ich-Bezogenheit vermutlich Selbstmord begehen müssen. Als Teil eines Kollektivs kann ich mich einfach nicht sehen. Manchmal vielleicht, doch nicht in der gesamten Lebenseinstellung.

Jedenfalls erreichten wir das Lokal, wo es überhaupt nur eine Sache zu essen gab. Ich musste drei Stockwerke hochsteigen. Je höher man saß, desto feiner war der Tisch gedeckt. Doch in jedem Stockwerk wurde nur dieses Gericht gegessen und das ganze Lokal roch danach. Für Wuhan war das ein feines Lokal, bei dem das Essen zelebriert wurde.
Sonst war die Kost in den Achtzigerjahren in Wuhan eher beschränkt, vor allem in der Uni-Kantine. Die Esskultur auf der Campus-Mensa war erschreckend, so schlimm, dass wir schließlich die Suppe verweigerten. Der austeilende, ältliche Chinese ließ die Suppe von einem großen Suppenlöffel in seinen Hemdärmel laufen. Mit einem Loch am Ellbogen, wo die Suppe herauskam, dirigierte er die Flüssigkeit in unsere Suppenschalen. Der unverfängliche „fried rice“, den ich im Hotel aß, besorgte mir die einzige Magenverstimmung, die ich je auf einer meiner vielfachen Auslandsreisen erfuhr. So viel zu Wuhan, einer nicht unbedeutenden „Region“ in der chinesischen Geschichte.

In Hongkong hingegen wurde mir bei meinem ersten Besuch berichtet, dass es sich bei „dem Gericht“ (oder den Gerichtchen) um die Lieblingskost der Manager in Hongkong handelte, die sie zum Lunch zu sich nehmen würden. Das galt für Chinesen und Engländer gleichermaßen, denn Zeit ist Geld und man brauchte nur bestellen und in wenigen Augenblicken kam das Essen.
Ich war ganz überrascht, als ich dann selbst tatsächlich zum ersten Mal typische Vertreter dieser Zubereitung kostete. Einfach köstlich.

Die chinesische Bezeichnung – die ich jetzt sogar schon lesen, aussprechen und sprechen kann – bedeutet „ein bisschen Herz“ oder wie es poetisch besser in Wikipedia zitiert ist:
„Kleine Leckerbissen, die das Herz berühren“.
Das Wort Herz wird auf kantonesisch anders ausgesprochen als in Mandarin. Daher sagt man „Dim Sam“. (deutsche Phonetik. Dim Sum in englischer Umschreibung)

[Es sind] kleine Gerichte, die meist gedämpft oder frittiert sind. Sie stammen ursprünglich aus der kantonesischen Küche Chinas. Zum Teil stammen die Häppchen aus traditionellen Teehäusern. Man findet es in unzähligen Variationen und allen Preisklassen vor allem im Süden und Osten Chinas. Dim Sum werden zu klassischem chinesischen Tee meistens in kleinen Bambuskörbchen gereicht. Die Bambuskörbe haben einen Durchmesser von knapp 20 cm und können zum Dämpfen aufeinander gestapelt werden, der oberste wird danach abgedeckt.<> In jedem befindet sich ein normalerweise auch aus Bambus bestehendes Gitter, auf das die Speisen gelegt werden. Es ist üblich, die Mahlzeit je nach Geschmack noch mit Sojasauce oder anderen – zum Teil scharfen – Soßen zu verfeinern. Den Großteil der Gerichte machen gefüllte Teigtaschen aus. Die Füllungen können aus allen denkbaren Sorten von Fleisch, Meerestieren und -früchten, aber auch aus Ei und Süßem bestehen. [Wikipedia]

1983 hatte kein einziger Chinese in Wien diese Gerichte anzubieten. Auch heute findet man nur eine leicht abzählbare Anzahl in Wien. Aber das Tsingtao beim Westbahnhof hat sie in großer Vielfalt. Wenn also auch der Dampf der Eisenbahnlokomotiven verschwunden ist, wie er noch so schön im Orientexpress der Fall war, gibt es nach wie vor Dampf gleich neben den Schienen. Ich kann jedem nur empfehlen, diese kleine Herzen zu verkosten.

P.S. T2 sind Teigbällchen mit Shrimps gefüllt, T3 sind Bärlauchtascherln, T17 sind Hummerschiffchen (also gebacken nicht gedämpft) und T8 sind Dòushābāo –  豆沙包 –  eine Art Germknödel mit süßer Bohnenpaste gefüllt.


Brilliant

http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/755054/Aus-Liebe-zur-Alma-Mater_Sperrt-sie-zu
Robert Menasse schreibt über die Alma Mater.
Die Gründungsurkunde der Universität, die sich bis heute im Archiv der Universität befindet und immer noch Leitbild der Alma Mater ist, oder wäre oder sein sollte, jedenfalls nie aufgehoben wurde, definiert in programmatischer Weise die Aufgabe der Universität: „…daz ein yeglich weiser mensch vernünftiger und ain unwaiser zuo menschlicher vernunft in rechte erkantnüsse bracht und geczogen werde.“
Wie unsere heutigen Politiker mit dieser zweitältesten im ehemaligen Heiligen Römischen Reich, oder ältesten und bis heute größten Universität im deutschsprachigen Raum umgehen, zeigt folgender Umstand, der vermutlich bei anderen genauso wie bei mir untergegangen ist:
Er [der Rektor] rief die Polizei in die Uni, um Studierende aus der Uni entfernen zu lassen. In der mehr als ein halbes Jahrtausend langen Geschichte der Wiener Universität gehörte es zu ihrem Selbstverständnis und zum Stolz, Polizei und Militär den Zutritt zu ihrem autonomen Freiheitsraum mit allen Mitteln zu verwehren. Im Jahr 1848 sind Rektoren und Dekane mit auf die Barrikaden geklettert, die von Studentengemeinsam mit ihrenProfessoren und Dozenten gegen die Versuche der Polizei, auf der Uni wieder „Ruhe und Ordnung“ herzustellen, errichtet wurden, und heute, ausgerechnet auf der Basis einer gesetzlich festgeschriebenen Autonomie, wird die Polizei in die Uni gerufen.

Alle Akademiker in der gegenwärtigen Regierung haben gratis studiert, haben in der Regel länger studiert, als es heutige Studienfristen erlauben, sie hatten weder Barrieren zu überwinden noch Drop-out-Sanktionen zu fürchten, sie sind gratis zur Uni und gratis von der Uni nach Hause transportiert worden, sie haben durch das UOG Firnbergs von 1975 die Institutionalisierung studentischer Mitbestimmung erlebt beziehungsweise davon profitiert, sie haben zugleich mit ihrer akademischen Ausbildung Erfahrungen mit politischem Engagement machen und Demokratie einüben, letztlich ihre politischen Karrieren starten können – und sie haben es durch diese Chancen, die ihnen gegeben waren, bis auf Regierungsposten geschafft, wo sie, statt heute auf dem Bauernhof der Eltern Kühe zu melken, nun staatstragend (und zwar den Staat in den Abgrund tragend) sagen: So wie wir studiert haben, soll keiner mehr studieren dürfen! Warum soll Studium gratis sein? Bildung ist ein knappes Gut!
Alle kursiven Texte sind aus oben verlinkten Artikel entnommen. Aber dort steht noch mehr und ich finde, dass Menasse die Situation brilliant geschildert hat.
Und es geht nicht nur um die Universität allein, das Beispiel Universität zeigt ein Sittenbild österreichischer Politiker, dass sich noch unverschämter darstellt, als es der derzeitige Untersuchungsausschuss bereits ahnen lässt.

Mit dir bin ich überall daheim

Der Titel bezieht sich auf den vorigen Eintrag, der Inhalt hier nur bedingt.
Gestern haben wir ein Betriebsevent zelebriert, dass eigentlich erst heute einen ganzen Tag unter der Führung eines hiesigen Bloggers hätte stattfinden sollen. Da dieser aber gerade nicht konnte und wir unbedingt etwas machen wollten, fand sich ein berufener Kollege bereit uns zumindest gestern zwei Stunden durch die Lobau zu führen.
Die zugehörigen Bilder finden sich dort. Ich hoffe, Sie sind für jedermann sichtbar.
https://plus.google.com/photos/116012676695663102045/albums/5739003210593410449
Das ist nicht unbedingt eine Heimkehr, hat aber doch sehr viel mit Heimat zu tun. Ich war ziemlich begeistert, wie sehr sich die Kinder unserer Sekretärin (6 und 10) ausgekannt haben. Die wohnen nämlich in Aspern und gehen dort zu Schule und sind auch schon oft dort gewesen.
Die kennen z.B. mehr Blätter und Bäume als ich, ich kann jetzt wenigstens auch vier verschiedene dort vorhandene Ahornarten identifizieren, bzw. drei, weil einen, den Zuckerahorn, gab es vielleicht nur früher einmal.
Aber interessant war auch, dass der zehnjährige Sohn in der Volksschule schon über Napoleon und Aspern gelernt hatte.
Die Abendstimmung war wunderbar. Auch das Gefühl, im Flussbett der einstigen Donau zu spazieren, hatte was Besonderes an sich. Über meinem Schreibtisch hängt ja ein Bild vom ursprünglichen Verlauf der Donau.
Es war noch interessant zu hören, dass die meisten Nationalparks in Österreich aufgrund der Verhinderung eines Kraftwerks entstanden sind.
Aber selbst mir als ignorantem Techniker war gestern der Wunsch verständlich, die Lobau zu schützen.
Nett war auch die Demonstration des Hartriegelblatts, welches man in der Mitte teilen und den Eindruck erwecken kann, dass die untere Blatthälfte zu schweben scheint. (Angeblich die einzige Pflanze, bei der das funktioniert.)
Es waren so viele kleine Geschichten und Merkmale, dass ich mir nicht alle gemerkt habe. Aber es muss ja nicht der letzte Besuch gewesen sein.
Und für den Herbst wurde schon ein ganzer Tag in Orth ins Auge gefasst. Vielleicht klappt es ja dann mit der „professionellen“ Führung:)

Lebenshunger

hatten beide. Der Herr Staudenmeyer (alias Schlotterbeck) genauso wie die Katharine Entriß. Der eine geht möglichst weit von zuhause weg, (weil sein Vater es so haben wollte), die andere – zum Zeitpunkt, an dem die Geschichte spielt, verwitwet – stellt sich den Anfeindungen der schwäbischen Kleinstadt.
Vielleicht empfinde ich Hermann Hesse, der sich gegen eine Verfilmung seiner Werke ja energisch gewehrt hat, heute als etwas zu süßlich. (eine Beurteilung, die ich selbst für unfair halte;) Vielleicht geht mir heute alles zu glatt auf, ich erkenne die inneren Kämpfe nicht mehr, weil ich sie alle so vehement nachempfunden habe, als ich Hesse mit 20 Jahren las. Vielleicht habe ich mich bewusst so stark gegen eine Verbürgerlichung gewehrt und bin Hesse in dieser Weise besonders dankbar.
Aber wie könnte man einen Abschlusssatz übertrumpfen, der nach dem vergeblichen Versuch, die Heimatstadt wieder für sich selbst erobern zu können, dahingehend lautet: (von Staudenmeyer an Entriß gerichtet) „Mit dir wäre ich überall daheim.“

Armut

http://www.randomhouse.de/Paperback/Wir-muessen-leider-draussen-bleiben-Die-neue-Armut-in-der-Konsumgesellschaft/Kathrin-Hartmann/e380628.rhd
Im Radio war eben eine Besprechung über dieses Buch, das ich jetzt lesen muss, um zu sehen, ob die Auslegung des Radiojournalisten wirklich dem Inhalt entspricht. Es werden nämlich zwei Punkte angesprochen, bei denen ich eher „angerührt“ reagiere.
1) „Die Betreiber der „Tafeln“ (also z.B. Wiener Tafel) kaschieren nur. Sie verteilen Essen, setzen sich aber mit der richtigen Armut nicht auseinander.
2) Mikrokredite in Ländern wie Bangladesh sind nur darauf gerichtet, noch mehr kapitalistische Ausbeutung zu erreichen.
Ad 1) Niemand ist Gott und kann einen Missstand einfach per Dekret abschaffen. Was man tun kann, ist anfangen zu helfen und beim Notwendigsten zuzupacken. Das Problem beim Essen ist ja nicht einmal so sehr, dass die Leute nichts geben würden, sondern es ist die Logistik. Und zumindest bei der Wiener Tafel kann ich die enorme Leistung durchaus anerkennen. Dass sie nicht gleichzeitig jedem einen guten bezahlten Job vermitteln können, ist natürlich ausgesprochen „gemein“. (Ironie aus).
Ad 2) Möglicherweise wurden die Mikrokredite in der Zwischenzeit bereits usurpiert und missbraucht. Was ich darüber bisher erfahren habe, ist nicht der Aufbau des Kapitalismus sondern eher die Ermöglichung eines „Kreißlertums“, wie es vor hundert Jahren noch bei uns die Infrastruktur gebildet hat.
Bei anderen Punkten, die erwähnt wurden, kann man wohl eine politische Grundhaltung erkennen und auch anerkennen, selbst wenn man unterschiedlicher Meinung ist.
Doch in den oben genannten Punkten denke ich, dass über das Ziel geschossen wurde. Das ist kontraproduktiv.

Symbolbild

Nömix gewidmet…
Auch der Standard befleißigt sich der Verwendung von Symbolbildern. Allerdings scheint die Redaktion in manchen Fällen doch geneigt zu sein, von ihren Lesern zu lernen. Daher ist das jetzt verwendete Symbolbild „etwas richtiger“ als das ursprüngliche, bei dem es um eine Form unseres steirischen Superheros ging.
http://derstandard.at/1334796834765/Fluessig-Apple-nutzt-Liquidmetal-fuer-die-Gadgets-der-Zukunft
Wenn man Zeit hat, ist es lustig die Kommentare zu lesen. Bei den anfänglichen Kommentaren wird das falsch verwendete Symbolbild häufig kommentiert und verbessert. Bei den späteren Kommentaren wird dann der Austausch durch die Redaktion zur Kenntnis genommen.
Unabhängig vom Symbolbild ist aber der Artikel etwas „naiv“, um nicht blöd zu sagen und ich stimme den Kommentatoren bei, die meinen, dass es beim Standard wohl verdeckte Operationen durch Krone, Heute oder Österreich-Journalisten geben muss.

Messie

nein, ich meine nicht den Fussballspieler.
Ich meine die Bezeichnung für Menschen, die in ihrem Haushalt ein unglaubliches Sammelsurium an Glumpert aufbewahren. Beim richtigen Messie sammelt sich dann noch der Abwasch von einem Monat in der Küche.
Also so richtiger Messie bin ich daher nicht. Ich koche nur gern in einer sauberen Küche und hinterlasse auch gerne eine solche.
Schließlich essen wir auch meistens in der Küche.
Aber ich hebe unheimlich gerne auf. Man weiß ja nie, wozu man etwas vielleicht noch brauchen kann. Und jedesmal, wenn ich mich von etwas getrennt habe, habe ich es am darauffolgenden Tag benötigt.
Am 2. Mai haben wir uns eine Mulde bestellt und daher räumen wir aus. Meine Entscheidungsbefugnis wird da nicht so stark auf die Probe gestellt. Ich bin mehr der Mann fürs Licht reparieren im Keller und derlei niederordnete Tätigkeiten. Aber ein bisschen was möchte ich auch wegwerfen.
Also habe ich mit Einwilligung meines Sohnes seine Schulunterlagen aus der sechsten Klasse (oberstes Heft Vektorrechnung) in den Papiermüll entsorgt.
Aber einen der sechs Koffer, die ich für den Muldeninhalt vorgesehen hatte, werde ich jetzt doch nicht wegwerfen. Es war mein erster Samsonite, blau, hatte mich damals ein Vermögen gekostet, vergleichsweise noch relativ leicht, aber leider ohne Rollen, weswegen ich ihn heute nicht mehr verwende. Mindestens 20 Mal ist der Koffer streckenmäßig um die Welt gereist. Die frühen Europareisen, Rotchina, Singapore, Hongkong und unzählige Male Wien-Moskau und retour.
Wir werden ja wieder einmal etwas wegwerfen. Vielleicht ist er beim nächsten Mal dabei. Aber dieser Koffer hat Seele.
P.S. Der Koffer ist 35 Rahre alt und noch immer nicht kaputt. They don’t make them like that anymore.

die leichte Muse

Aufgewachsen bin ich mit Haydn, Mozart, Bach, Beethoven, Brahms, Bruckner, … und so fort bis Webern, Hindemith, Boris Blacher. Ein Stravinsky oder Prokofiev waren genauso gefühlsbeladen wie es für meine Altersgenossen später die Beatles waren. Der „Sacre“ war ein unheimlicher Hit und das Halleluja aus dem Buch mit sieben Siegeln rockte.
Die Songs, die man damals im Radio hörte, waren hauptsächlich deutsche Schnulzen und der übliche amerikanische Import. Manche von den deutschen Schnulzen gefallen mir heute sogar, aber das muss ich wohl einer gewissen Altersnostalgie zuschreiben. Nicht wirklich ernst zu nehmen:)
Aber einen Song hörte ich im Alter von dreizehn Jahren zum ersten Mal, der mich begeisterte. Er wurde damals doch relativ oft im Radio gespielt und ich war ganz hingerissen. So sehr, dass ich meinen Wunsch, ihn öfters zu hören, auch freimütig äußerte. Und zu Weihnachten oder zu meinem Geburtstag bekam ich die Single (45rpm) von meiner Schwester geschenkt. Eine der ganz wenigen Singles, die ich besaß. Vielleicht gurkt sie auch noch irgendwo herum. Mittlerweile kann man das alles auf youtube rekonstruieren.
Wahrscheinlich hat mich auch die Klaviereinbegleitung so in den Bann gezogen.
Aber der gesamte Text, die Vorstellung, dass es einen Weg aus der Einsamkeit gibt, sprach mich an. Und in diesem Lied fühlte ich mich wirklich verstanden. Ich war vierzehn, als ich die Platte geschenkt bekam.
Auch heute höre ich sie noch gerne. Und es ist irgendwie nett, über den Ankerpunkt der Musik einen Punkt in der Vergangenheit zu fixieren und sich darüber zu freuen, was sich in der Zwischenzeit alles entwickelt hat.

Reisen und Metareisen

Im Jahr 2007 habe ich es aufgegeben, selbst Auto zu fahren und habe den Entschluss seither nie bereut. (Es soll gesagt werden, dass ich einmal ein fanatischer Autofahrer war und ungefähr 2 Millionen Kilometer abgespult haben muss. Schließlich leben neben Dienstreisen auch viele Verwandte mehr als tausend Kilometer entfernt.)

Es ist also nicht verwunderlich, dass ich jetzt sehr für die Investition in öffentliche Verkehrsmittel, darunter auch die Eisenbahn, eingenommen bin. Wie die Planung der ÖBB funktioniert, ist nicht immer ganz nach zu vollziehen, aber man kann da die Schuld auch sehr leicht bei den Politikern suchen. (Außerdem bin ich der Sohn eines Eisenbahners, das mag auch prägen:)

Aufgrund eines fehlerhaft recherchierten Artikels einer Tageszeitung habe ich das Internet befragt, um die „Wahrheit“ zu erfahren. Nicht eine österliche, sondern die banale Wahrheit über die in Österreich verwendeten Lokomotiven.

Mein Wunsch landete in einer Internet-Reise, (So kann man das Surfen ja wohl nennen) die am Schluss zu einer Reiseseite geführt hat, die vielleicht für die LeserInnen, interessant sein dürfte.

Also zuerst einmal habe ich die Triebwagen-Baujahre kontrolliert. (Die waren im Artikel falsch angegeben worden, um die Tendenz der Journalistin zu unterstützen.)

Dabei erinnerte ich mich an den Triebwagen 4010, der vom Transalpin verwendet wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Transalpin_(Zug)
Das war ein geschichtsträchtiger Zug, in dem wir in meiner Kindheit mit Regiefahrkarten (Die Ermäßigung für Angestellte der ÖBB) nicht fahren durften, was ihm einen unheimlich Nimbus in meinen Kinderaugen verlieh.
Ebensowenig durften wir im blauen Blitz (Wien – Venedig) und im „roten Blitz“ (Das scheint eine kreative Wortschöpfung meines Vaters für den Vindobona-Express Wien – Berlin gewesen zu sein), fahren. (Das habe ich kürzlich nachgeholt, auch wenn der Express mittlerweile als Zug und nicht als Triebwagen geführt wird.)

Es ist erstaunlich, mit welcher Liebe die Informationen in Wikipedia zusammen getragen sind.

Aus irgendeinem Grund wurde ich an den Orient-Express erinnert.

Darüber gibt es nun jede Menge Information. Der Zug ist nicht nur durch die Romane von Graham Greene und Agatha Christie bekannt. Durch die lange Strecke war er auch ein Gradmesser politischer Entwicklungen.
Ich weiß nicht, mich muss der Teufel geritten haben, denn jetzt suchte ich auch nach der Transsib.

Wie ich schon einmal geschrieben habe, wollte ich immer damit fahren und habe irgendwann den Wunsch aufgegeben, weil ich sowohl in der russischen Eisenbahn als auch in der chinesischen lange Strecken zurückgelegt habe.
Sieht man sich aber den Wikipedia-Beitrag an, kann man von den Distanzen und dem Kreuzen von sieben Zeitzonen nur fasziniert sein.
Doch das Beste kommt erst. Google hat mit der russischen Eisenbahn etwas auf die Beine gestellt, was nur mehr durch die echte Reise übertroffen werden kann:
Eine virtuelle Reise mit der transibirischen Eisenbahn, die so virtuell gar nicht mehr zu sein scheint, wenn man Bild und Ton genießt.

Mein Rat: schauen Sie sich das an. Entweder das sagt Ihnen überhaupt nicht zu oder Sie werden fasziniert sein.
Sie können eine Fahrt in Echtzeit mit Blick aus dem Fenster verfolgen, (so viel Zeit hat wohl keiner) Sie können aber auch einzelne Punkte der Reise ansteuern und sich die Fahrt über die Wolga, entlang des Baikalsees oder das das Einlaufen in Wladiwostok mit eigenen Augen ansehen.
Dazu bekommen Sie das Fahrgeräusch oder auch russische Radio mitgeliefert. Wenn Sie russisch verstehen, können Sie sich auch ein Hörbuch vorlesen. Ich empfehle die „toten Seelen“ von Gogol. Sonst gefallen mir am besten die Zuggeräusche selbst.

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