Archive for the ‘MUSIK’ Category

Über Franz Schubert

[Ich bin vor wenigen Tagen aus Belgrad zurückgekommen und hatte erfahren, dass mein neues Bett im Anrollen ist. Deswegen musste ich ein paar Bücher umräumen.
Dabei habe ich so einiges entdeckt, darunter ein Schreiben, welches ich vor 20 Jahren an eine Japanerin geschickt habe, die mich mit entsprechenden Fragen angeschrieben hat. Ich erinnere mich, dass sie sich nachträglich noch sehr bedankt hat. Ich habe aber kurz darauf Bösendorfer schweren Herzens verlassen und habe sie daher nicht mehr in Japan treffen können.

Das Schreiben habe ich jetzt abgetippt, weil mir beim Lesen aufgefallen ist, dass ich heute zwar einiges stilistisch besser und nicht so pampig formulieren würde, doch im Grunde sehe ich inhaltlich keinen Grund zur Veränderung. Vielleicht ist es daher für die Musikliebhaber von Interesse.]

Liebes Frl. S.,

Vielen Dank für Ihren Brief mit den netten BIldern, der mich heute erreicht hat. Der Brief hat mich sofort an Osaka erinnert. Soche Abende, wie ich sie in Ihrer Gesellschaft in Nishinomya zusammen mit Machiko-San und Moriysama-Sensei erlebt habe, wirken auch in der Erinnerung noch als Erholung und können nicht müde machen.

Ihre Gedanken über das Spielen von Schubert und dessen Schwierigkeiten haben mir sehr gut gefallen. Es kommt auch in Europa häufig vor, daß unter den professionellen Pianisten zwar viel Beethoven, Mozart, Bach, Schumann und wie sie alle heißen, geübt und eingespielt wird. Fragt man aber nach Schubert, erntet man oft eine gewisse Verlegenheit und manchmal sogar die Antwort: „das ist mir zu schwer.“ Schubert gilt auch unter solchen Leuten, welche ohne weitere Schwierigkeiten ein Rachmaninoff-Prelude herunterspulen können, als schwierig zu spielen.

Auf der anderen Seite haben Pianisten wie Alfred Brendel und Andras Schiff viel dazu beigetragen, Schubert salonfähig zu machen. Das Festival „Schubertiade Hohenems“, welches ebenfalls seinen Werken gewidmet ist, hat auch unter ehemaligen Schubert-Nichtkennern viel zu Begeisterung an Schubertmusik beigetragen.

Gerade gestern habe ich im Radio eine Übertragung dieses Festivals gehört, bei dem Andras Schiff die letzte c-moll-Sonate gespielt hat. Wenn ich zurückdenke, meine ich, daß das hauptsächliche Gefühl, welches ich beim Zuhören hatte, eine unheimliche Stimmung war. (Unheimlich im Sinne von „leichtes Grauen“.)

Das bringt mich dazu, Ihnen ein bißchen von meiner Schubertauffassung zu verraten, die zwar objektiv falsch sein kann, die mir aber den Zugang zur Musik, auch zum Spielen ermöglicht.

Unabhängig von der technischen Anforderung, die bei Schubert sehr groß ist, weil der Klavierpart nicht für die HAnd sonder für die Ohren geschrieben ist, ist die musikalische Anforderung meines Erachtens doch die weitaus größere.
Erstens ist es sehr schwierig, bei den längeren Werken die Übersicht und damit die Linie zu bewahren. Obwohl man aber das ganze Werk im Kopf haben muß, darf man während des Spielens nicht ans Ende denken, denn sonst sind speziell die Sonaten unendlich lange und die Musik schleppt sich nur mühsam hin. Ich glaube, daß man dann den Zugang gefunden hat, wenn man eine Sonate oder zumindest einen Satz durchspielt und überrascht feststellt: „halt, es ist ja schon aus!“

Da diese Musik von der Melodie und dem immer wiederkehrenden liedhaften Momenten lebt, ist es natürlich leicht, zu meinen, man muß bloß die Melodie recht fein herausarbeiten und Rest kommt von selber. Die Stimmung, welche von der Begleitung beeinflußt wird, ist fast noch wichtiger, denn oft ist gerade der Stimmungswechsel, der an manchen Stellen schlagartig eintritt, das dramatische Element.
Auf alle Fälle muß sich aber beim Spielen, wenn man sich freien Spielraum gönnt, auch schon bei wenigen Takten eine Empfindung einstellen können. Währen des technischen Übens muß man sie wahrscheinlich unterdrücken, aber man muß die Probe machen, ob sich die Empfindung überhaupt einstellen kann. Und wichtig ist, daß das an jeder Stelle gelingt. Es reicht nicht, wenn man sagt, diese Stelle gefällt mir nicht so sehr, dafür aber 4 Takte später ist es wunderbar.

Ich möchte Ihnen noch eine Empfehlung geben: studieren Sie das Leben von Schubert und lesen Sie auch über seinen gesellschaftlichen Umgang mit seinen Freunden. Dadurch, daß Sie in Wien waren, haben Sie sowieso einen leichteren Zugang zu der Ideenwelt und zu dem Lebensgefühl in der Umgebung Wiens, die heute an einigen Plätzen noch unverändert aufzufinden ist.

Daß ich den Bösendorfer für die Interpretation von Schubert für unerläßlich halte, ist wohl leicht verständlich. Ich hatte diese Meinung aber auch schon, bevor ich bei Bösendorfer gearbeitet habe. Es hängt mit den Stimmungen (Gefühlen) zusammen, von denen einige mit dem Bösendorfer noch viel unmittelbarer als mit dem Steinway oder anderen ausgedrückt werden können.

Ich hoffe, daß ich IHnen mit meinen „musiktheoretischen“ Ausführungen (die ich rein als Privatmann von Schubertliebhaber zu Schubertliebhaber äußere) ein paar Anregungen gegeben habe und wünsche Ihnen bei Ihrem weiteren Entdecken viel Freude.

Ihr Brief ist übrigens in einem hervorragenden Deutsch geschrieben, dadurch habe ich mir erlaubt, auch Ihnen in komplizierten Sätzen zu schreiben, da man in der deutschen Sprache, ja auch im Satzbau viel ausdrücken kann.

Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen, ob in Osaka oder in Wien und verbleibe mit herlichsten Grüßen

Ihr

Die referenzierte Sonate, unter deren Eindruck ich stand, als ich den Brief schrieb.

Ich bin heute aus Belgrad zurückgekommen und habe erfahren, dass mein neues Bett im Anrollen ist. Deswegen musste ich ein paar Bücher umräumen. Dabei habe ich so einiges entdeckt, darunter ein Schreiben, welches ich vor 20 Jahren an eine Japanerin geschickt habe, die mich mit entsprechenden Fragen angeschrieben hat. Ich erinnere mich, dass sie sich nachträglich noch sehr bedankt hat. Ich habe aber kurz darauf Bösendorfer schweren Herzens verlassen und habe sie daher nicht mehr in Japan treffen können.
Das Schreiben habe ich jetzt abgetippt, weil mir beim Lesen aufgefallen ist, dass ich heute zwar einiges stilistisch besser und nicht so pampig formulieren würde, doch im Grunde sehe ich inhaltlich keinen Grund zur Veränderung. Vielleicht ist es daher für die Musikliebhaber von Interesse.

Liebes Frl. S.,
Vielen Dank für Ihren Brief mit den netten BIldern, der mich heute erreicht hat. Der Brief hat mich sofort an Osaka erinnert. Soche Abende, wie ich sie in Ihrer Gesellschaft in Nishinomya zusammen mit Machiko-San und Moriysama-Sensei erlebt habe, wirken auch in der Erinnerung noch als Erholung und können nicht müde machen.
Ihre Gedanken über das Spielen von Schubert und dessen Schwierigkeiten haben mir sehr gut gefallen. Es kommt auch in Europa häufig vor, daß unter den professionellen Pianisten zwar viel Beethoven, Mozart, Bach, Schumann und wie sie alle heißen, geübt und eingespielt wird. Fragt man aber nach Schubert, erntet man oft eine gewisse Verlegenheit und manchmal sogar die Antwort: „das ist mir zu schwer.“ Schubert gilt auch unter solchen Leuten, welche ohne weitere Schwierigkeiten ein Rachmaninoff-Prelude herunterspulen können, als schwierig zu spielen.
Auf der anderen Seite haben Pianisten wie Alfred Brendel und Andras Schiff viel dazu beigetragen, Schubert salonfähig zu machen. Das Festival „Schubertiade Hohenems“, welches ebenfalls seinen Werken gewidmet ist, hat auch unter ehemaligen Schubert-Nichtkennern viel zu Begeisterung an Schubertmusik beigetragen.
Gerade gestern habe ich im Radio eine Übertragung dieses Festivals gehört, bei dem Andras Schiff die letzte c-moll-Sonate gespielt hat. Wenn ich zurückdenke, meine ich, daß das hauptsächliche Gefühl, welches ich beim Zuhören hatte, eine unheimliche Stimmung war. (Unheimlich im Sinne von „leichtes Grauen“.)
Das bringt mich dazu, Ihnen ein bißchen von meiner Schubertauffassung zu verraten, die zwar objektiv falsch sein kann, die mir aber den Zugang zur Musik, auch zum Spielen ermöglicht.
Unabhängig von der technischen Anforderung, die bei Schubert sehr groß ist, weil der Klavierpart nicht für die HAnd sonder für die Ohren geschrieben ist, ist die musikalische Anforderung meines Erachtens doch die weitaus größere.
Erstens ist es sehr schwierig, bei den längeren Werken die Übersicht und damit die Linie zu bewahren. Obwohl man aber das ganze Werk im Kopf haben muß, darf man während des Spielens nicht ans Ende denken, denn sonst sind speziell die Sonaten unendlich lange und die Musik schleppt sich nur mühsam hin. Ich glaube, daß man dann den Zugang gefunden hat, wenn man eine Sonate oder zumindest einen Satz durchspielt und überrascht feststellt: „halt, es ist ja schon aus!“
Da diese Musik von der Melodie und dem immer wiederkehrenden liedhaften Momenten lebt, ist es natürlich leicht, zu meinen, man muß bloß die Melodie recht fein herausarbeiten und Rest kommt von selber. Die Stimmung, welche von der Begleitung beeinflußt wird, ist fast noch wichtiger, denn oft ist gerade der Stimmungswechsel, der an manchen Stellen schlagartig eintritt, das dramatische Element.
Auf alle Fälle muß sich aber beim Spielen, wenn man sich freien Spielraum gönnt, auch schon bei wenigen Takten eine Empfindung einstellen können. Währen des technischen Übens muß man sie wahrscheinlich unterdrücken, aber man muß die Probe machen, ob sich die Empfindung überhaupt einstellen kann. Und wichtig ist, daß das an jeder Stelle gelingt. Es reicht nicht, wenn man sagt, diese Stelle gefällt mir nicht so sehr, dafür aber 4 Takte später ist es wunderbar.
Ich möchte Ihnen noch eine Empfehlung geben: studieren Sie das Leben von Schubert und lesen Sie auch über seinen gesellschaftlichen Umgang mit seinen Freunden. Dadurch, daß Sie in Wien waren, haben Sie sowieso einen leichteren Zugang zu der Ideenwelt und zu dem Lebensgefühl in der Umgebung Wiens, die heute an einigen Plätzen noch unverändert aufzufinden ist.
Daß ich den Bösendorfer für die Interpretation von Schubert für unerläßlich halte, ist wohl leicht verständlich. Ich hatte diese Meinung aber auch schon, bevor ich bei Bösendorfer gearbeitet habe. Es hängt mit den Stimmungen (Gefühlen) zusammen, von denen einige mit dem Bösendorfer noch viel unmittelbarer als mit dem Steinway oder anderen ausgedrückt werden können.
Ich hoffe, daß ich IHnen mit meinen „musiktheoretischen“ Ausführungen (die ich rein als Privatmann von Schubertliebhaber zu Schubertliebhaber äußere) ein paar Anregungen gegeben habe und wünsche Ihnen bei Ihrem weiteren Entdecken viel Freude.
Ihr Brief ist übrigens in einem hervorragenden Deutsch geschrieben, dadurch habe ich mir erlaubt, auch Ihnen in komplizierten Sätzen zu schreiben, da man in der deutschen Sprache, ja auch im Satzbau viel ausdrücken kann.
Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen, ob in Osaka oder in Wien und verbleibe mit herlichsten Grüßen
Ihr

Die referenzierte Sonate, unter deren Eindruck ich stand, als ich den Brief schrieb.

Perfektion

Es geht nicht um Perfektion.

Es ist unmöglich, die Routine auf die Rasche zu erüben, die ein professioneller Pianist in Jahrzehnten gewinnt. Das geht vermutlich in keiner Disziplin so richtig. Aber das Üben an sich kann schon einen richtiger Lustgewinn bedeuten. Wie mein Vater schon sagte, Du übst so lange gerne, so lange Du eine Verbesserung feststellen kannst.
Aber was habe ich von der Verbesserung einer Stelle, wenn dafür die anderen aus Gewohnheit verhudelt oder vernachlässigt werden?

Es kommt auch darauf an, die richtigen Werke zu üben, die in der technischen Herausforderung dem Können entsprechen – oder eben gerade noch ein Stückchen höher liegen. Ein solches Opus liegt mir jetzt mit der Transkription von Franz Liszt des Liedes Widmung von Robert Schumann vor.
Ich habe gestern eine Aufnahme ins Internet gestellt, die vermutlich zumindest schwierig klingt und geschrieben, dass sich die Qualität in zwei Wochen noch stark verbessern wird. Scherzhaft hat ein Zuhörer gemeint, dass er sich das nicht vorstellen kann.

Ich hatte heute einen anstrengenden Tag, kam um acht Uhr abends nach Hause und legte mich nieder. Ich wusste, dass ich noch etwas für morgen vorbereiten musste und war darauf eingerichtet, um halb elf aufzuwachen und dann meine Arbeit zu machen. Ich wachte auf, war aber absolut unfähig, mir ein vernünftiges Arbeitsresultat vorzustellen. In solchen Fällen pflege ich zwanzig Minuten Klavier zu spielen, danach geht es dann schon wieder.

Ich fing also an, an der Widmung zu üben und stellte fest, dass bestimmte Stellen, die mir gestern schwer fielen, heute kein Problem darstellten. Dafür andere. Je besser die Sache funktioniert, desto höher werden auch meine eigenen Ansprüche. Dass das Werk technisch schwierig ist, brauche ich wohl nicht extra zu betonen. Meine eigentlichen Schwierigkeiten liegen aber in meinem Hirn. Da ich hier längere Passagen auswendig spielen muss, ist das Hirn selbst die Steuerzentrale. Sonst sind es meine Augen, da ich ja fast immer von Noten spiele. Die Augen wandern über die Noten, erfassen wesentlich größere Zusammenhänge und treiben mich in Echtzeit an.
Wenn ich auswendig spiele, habe ich manchmal noch Aussetzer, wie sie beim Herunterladen einer Songs oder eines Filmes aus dem Internet zu bemerken sind. Plötzlich gibt es eine Unterbrechung und nach einer kleinen Pause geht es weiter.

Nun die Unterbrechungen, die es gestern noch gab, fehlten heute. Es gab neue, die aber wesentlich kürzer waren und vielleicht von einem Zuhörer als gewollt angesehen werden. Was ich aber heute erreicht habe, war eine weitere Stufe: ich spielte den Text.

Das Gedicht von Rückert ist in einer Weise auskomponiert, die kaum Misverständnisse hinsichtlich der Interpretation zulässt.

Du meine Seele, du mein Herz,
du meine Wonn‘, o du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darein ich schwebe,
o du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab.

Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
Du bist vom Himmel mir beschieden,
Daß du mich liebst, macht mich mir wert,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst dich liebend über mich,
mein guter Geist, mein beßres Ich!

Daher ist die Phrasierung der Musik sehr eindeutig festgelegt und die Technik darf hier keine falschen Unterbrechungen oder Verzögungen verursachen.

Beim Versuch, das Stück heute etwas besser zu spielen als gestern, sind zwei Stunden vergangen, wo mein Zeitgefühl stillgestanden hat. Das Lied dauert ungefähr vier Minuten. Also müsste ich es dreißig Mal gespielt haben. Meiner Schätzung nach waren es aber höchstens zehn Mal und ich habe bis auf wenige Augenblicke, in denen ich den Schlussteil allein wiederholt habe, immer das gesamte Lied gespielt.
Diese vier Minuten ziehen sich übrigens, wenn man auf jeder Seite zwei oder drei ganz kritische Stellen erwartet und froh ist, wenn sie einigermaßen so kommen, wie sie gewollt werden.

Was ist nun aber das Fazit des heutigen Abends?
Ich habe noch immer keine Lust zum Arbeiten, habe mir dafür aber den Wecker auf sechs Uhr gestellt. Mein erster Termin morgen ist erst um 11:00, daher kann ich da noch etwas aufholen.

  1. meine Augen sind schneller als mein Gehirn. Das deckt sich mit manchen Ergebnissen der Forschung in der Bildanalyse. Der Nervenstrang vom Auge zum Hirn erledigt sehr viel Vorverarbeitung, möglicherweise nutze ich hier etwas zum Analysieren des Notenbildes.
  2. ich stehe heute weit besser über den Schwierigkeiten als noch vor einem Tag. Das ist auch nicht ungewohnt, denn das Üben braucht immer noch etwas Zeit, sich in einem zu setzen. Das ist ähnlich wie beim Lernen, also daher keine große Überraschung.
  3. ich kann heute den „Text“ spielen. Könnte ich singen, würde ich ihn mitsingen, doch auch so singe ich innerlich und das funktioniert gut.
  4. es ist erstaunlich, wie groß der Unterschied zwischen gestern und heute ist.
  5. ich kann beim Klavierspielen in den Flow kommen, wie er bei Mihaly Csikszentmihalyi beschrieben ist. Das kenne ich zwar schon beim Spielen zum Vergnügen, wenn ich längere Klaviersonaten spiele, doch beim Üben ist mir das noch nicht so leicht passiert.

Ein bisschen kann ich mich in Franz Liszt hineinversetzen. Ich glaube zu verstehen, was er bei der Transkription dieses Liedes beabsichtigt hat. Ganz offensichtlich hat es ihn sehr beeindruckt.

Nachtrag: ich kann hier nur einen Link auf eine Einspielung angeben. Der Klang ist halt das, was ein Clavinova hergibt. es wird nett sein, es zu Hause auf dem Bösendorfer zu spielen.

Nachtrag: der Link zu der damaligen Aufnahme

Ich bin unlängst gefragt worden, welches meine Inspirationen (es waren Werke der klassischen Literatur und Musik angesprochen) für mein Liebes/leben wären.
Die Frage ist sowohl einfach als auch sehr schwierig zu beantworten. Einfach wäre es, einfach zu verweigern. Genauso wie es keinen Lieblingskomponisten oder Lieblingsdichter gibt, kann es keine singuläre Inspirationsquelle geben. Dies gilt auch, wenn nicht nur eine sondern mehrere Quellen der Inspiration erlaubt wären.
Der schwierige Teil der Beantwortung dieser Frage besteht aber in der Rekonstruktion derjenigen Gefühlserzeuger, welche sich über die Jahre erhalten haben. Wenn neue Inspirationsquellen dazu kamen, durften sie nicht mit den bestehenden kollidieren.
Das erste Musikstück, an das ich mich erinnern konnte, aber es später nie fand, (bis es youtube gab) war das Scherzo D593 n.1 von Franz Schubert.

Dieses Stück hatte ich im Ohr, offensichtlich hatte es mein Vater häufig gespielt, als ich so drei bis vier Jahre alt sein musste. Irgendwann später hörte ich es bei einem Schülerkonzert, merkte mir aber trotzdem nicht, wie es hieß. Dieses Stück verkörperte für mich Familie, Geborgenheit, etwas an biedermayerlicher Gemütlichkeit und auch Luxus, den wir damals beileibe nicht in materieller Sicht leben konnten. Vielleicht wurde gerade damals mein Bewusstsein geprägt, dass es Luxus ist, sich an der Musik so freuen zu können, wie ich es tat, dass die Freiheit des Geistes der wahre Luxus ist, der später eine große, sicher nicht totale Immunität gegenüber dem Konsumismus bewirkt.
Später hörte ich viel Musik, im Radio waren es Beethoven und Mozart, hauptsächlich Übertragungen von den Salzburger Festspielen, diese inspirierten mich und waren gleichzeitig der Grund, warum ich kein Musiker wurde. Dies verhielt sich so: als ich im Alter von 11 Jahren zum ersten Mal bei einem Schülerabschlusskonzert auf einem Bösendorfer spielen durfte, war ich grenzenlos enttäuscht, dass ich nicht den Klang erzeugen konnte, der mir vorschwebte. Es war der Klang, der sich als Erwartungshaltung durch das Anhören pianistischer Darbietungen ergeben hatte. Ich war also kein Pianist und würde keiner sein können!
Auch heute habe ich eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie etwas auf dem Klavier zu klingen hat. Und ich bin sogar in der Lage, dieser Vorstellung in vielen Fällen Genüge zu leisten. Dass ich keine Musikerlaufbahn eingeschlagen habe, habe ich allerdings nicht bereut. Zu gut habe ich den Musikbetrieb aus einer anderen Perspektive kennengelernt.
Abgesehen von Beethoven, der mich vermutlich wirklich im Gemüt „veredelt“ hat, wie das Beethoven selbst wollte, gab es zwei weitere Musikstücke, die meinen Lebensweg beeinflusst haben. Da gab es die Wiedergabe eines Konzertes mit Shura Tscherkassy, der die Bilder einer Ausstellung in Wien spielte, als ich ungefähr acht Jahre alt war. Seine Interpretation begeisterte mich so, dass ich den Wunsch fasste, das einmal zu üben. Zweiundfünfzig Jahre später mussten sich die Gäste meiner Geburtstagsfeier damit abfinden, dass ich es geübt hatte.
Eine weitere Beeinflussung erlebte ich durch die letzte posthume Schubert-Klaviersonate D960 in B-Dur.

Mein Vater pflegte sie immer wieder einmal zu spielen, wenn er vom Büro nach Hause kam. Diese Sonate berührte mich so sehr, dass sie mich zeit meines Lebens das Klavierspiel festhalten ließ. Während meiner Pubertät, in der viele Dinge wichtiger als das Klavier erschienen, trieb mich der Gedanke in die Klavierstunden, dass ich wohl fleißig üben musste, dass ich dieses Werk einmal selbst würde spielen können.
Es ist wohl etwas Besonderes sagen zu können, dass ein Stück welches man so oft gehört und auch gespielt hat, nie seinen Reiz und seine Verzauberung verloren hat. Da der zweite Satz ähnlich wie die vierte Symphonie von Franz Schmidt eine Musik ist, die einen in das Jenseits begleiten kann, ist die Klaviersonate wohl erst dann ausgeschöpft, wenn die Lebensenergie erschöpft ist.
Das Klangbeispiel von Brendel trifft meine Vorstellung, wie die Sonate in Tempo und Dynamik zu gestalten ist, hundertprozentig. Dies befriedigt mich insofern, als ich die Musik als eine Sprache ansehe und mich freue, wenn ich offensichtlich nicht etwas Falsches sondern etwas auch bei anderen Nachvollziehbares verstehe.

Obwohl es noch weitere Schlüssel in bezug auf das musikalische Erleben gibt – wie z.B. unsere Hausoper „die verkaufte Braut“ oder der Allzeitgenuss „Rosenkavalier“ höre ich jetzt hinsichtlich der Musik auf.

Bei der Literatur wird es noch schwieriger. Es ist mir ein Anliegen, festzustellen, dass ich in Franz Karl Ginzkeys Werken nie (als Kind und auch nicht als Erwachsener) das rassistische Moment erkannt habe. Honni soit qui mal y pense, wäre wohl angebracht. Florians wundersame Reise über die Tapete spannte für mich eine Welt auf, wie sie schöner nicht sein konnte. Hier machte sich vor allem meine Schwester verdient, die sie mir oft vorlas.
Märchen und Sagen hörte ich nie auf zu lesen. Inspirierend waren aber „Readers‘ Digest“-Artikel über großartige Männer. Es waren fast immer Männer und meistens waren es Ärzte. Sie waren die eigentlichen Idole meiner Kindheit und ich hätte mir gut vorstellen können, ein Chirurg zu werden. Später relativierte sich dieser Wunsch. Durch die Bücher, die mir geschenkt wurden, Geschichten über große Erfinder und Entdecker und auch Bücher über Physik, wurde in mir eine Leistungsvorstellung erzeugt, die zwar teilweise wegen meiner Mutter negativ empfunden wurde, (ich wurde viel wegen guter Noten gelobt, was mich nicht besonders glücklich stimmte, vor allem, wenn meine Mutter anderen darüber berichtete.) mit der ich aber heute recht gut leben kann.
Es ist die Ausrichtung an größeren Personen als man selbst. Mein Selbstwertgefühl ist ausreichend, dass die Erkenntnis, nie einen Nobelpreis gewinnen zu können, keine Depressionen verursacht. Gleichzeitig aber sehe ich das Maß der Dinge nicht an meinem Niveau ausgerichtet, sondern es ist irgendwo darüber. Es ist möglich, besser zu werden, an sich zu arbeiten, zu lernen, einen größeren Überblick zu bekommen.
Ich lasse mich zwar gerne gehen, doch genauso gerne vertiefe ich mich in eine Sache, bis ich sie „vertikal“ verstanden habe, vom Überblick bis ins Detail.
Ja und etwas später, im Alter von ungefähr neunzehn Jahren machte der Steppenwolf einen bedeutenden Eindruck auf mich. Die Vorstellung, mit kulturellen Werten wie im Glasperlenspiel spielen zu können, zog mich an, doch wie der Steppenwolf zu vegetieren, wollte ich nie. All die guten Lehren die Hermine und Pablo oder auch Maria dem Steppenwolf angedeihen ließen, fielen auf äußerst fruchtbaren Boden. Bis auf die Geschichte mit dem Rauschgift. Das hat mich nie angezogen, weil ich zu ängstlich war und weil ich außerdem keine Notwendigkeit sah, „mein Bewusstsein zu erweitern“. Mein Bewusstsein hielt ich für ausreichend erweitert, als ich im Alter von neunzehn Jahren einmal eine Bayreuther Tristanübertragung hörte und im Zusammenhang mit vier Flaschen Bier und einer Schachtel Gitanes ohne Filter am Ende des dritten Aktes vollkommen abgehoben war und praktisch das Meer rauschen hören konnte. Damals schwor ich mir, dass ich keine Bewusstseinserweitung brauche. Alles kann ich aus der Musik nehmen.
War da noch irgendwo vom Liebesleben die Rede?
Der Menschen Hörigkeit (WS Maugham), das Ende einer Affäre (Graham Greene), Arrowsmith (Sinclair Lewis), das waren meine Ratgeber in Liebesdingen, dort gab es Frauen, die bewundernswert waren – nicht alle natürlich.
Wenn ich darüber nachdenke, gibt es für diese Aufzählungen kein Ende. So viele Beinflussungen: Goethes „Märchen“, Haufsche Märchen, das Haufsche „Märchen“, sie alle lebten und tun es noch heute.
Der Kreis schließt sich dort, wo eine Begeisterung für den Faust II noch durch die Begeisterung für Bulgakovs „Master i Margarita“ übertroffen wird und ich am Schluss finden kann, dass für Bulgakov das Anhören von Schubert als paradiesische Beigabe für den Master und seine Geliebte empfunden wird.
Ja, es gibt hier kein Aufhören der inspiratorischen Beeinflussung. Sie wird hoffentlich nie aufhören.

Musik – George Onslow

Durch Zufall habe ich einen Komponisten entdeckt, den nicht zu kennen ich nahezu als Bildungslücke empfinde.
Mehr darüber hier.

Seit zwei Wochen lebe ich ein sehr intensiviertes Leben. Die Muße, welche das Feiern und die Besuche von lieben Verwandten und Freunden erfordert, wird von exakten Planungen eingerahmt, welche in sich wiederum stille Phasen einschließen, wenn Flüge absichtlich zu späten Terminen gebucht werden, um Freiraum für zeitlich nicht genau beschränkbare Besprechungstermine einzuräumen. Obwohl ich genug aufzuarbeiten hätte, bin ich dazu nicht unter allen Umständen bereit. Auf Flughäfen erzeugen die lauten Ansagen, der Lärmpegel der wartenden Reisenden und manchmal das durch die Scheiben gedämpfte Geräusch von abhebenden Flugzeugen Gedanken, die zwar beim Schreiben einer vorliegenden Betrachtung nützlich sind, die notwendige Konzentration auf fachliche Themen aber keinesfalls zulassen.

Für die kleinen Pausen habe ich mir Kontrapunkt von Anna Enquist gekauft. Dieser Roman referenziert zwar Thomas Bernhard Untergeher Betrachtungen über Glenn Gould, er ist aber, was die Musik angeht, viel exakter in seinen musikalischen Beispielen, ja fast übergenau in der Beschreibung der technischen Schwierigkeiten. Der Roman beschreibt, wie die Frau mit Hilfe der dreißig Goldbergvariationen ihre verstorbene Tochter wieder zum Leben erweckt. Genauer gesagt, kann die Erinnerung an ihre Tochter durch das Studium des Werkes wieder plastisch werden.

Der Gedanke ist bestechend. Kann ein Mensch durch Musik aus der vagen zeitlichen Vergangenheit herbei geholt werden? Vielleicht in der Form, wie ein unscharfes Bild durch Fokussieren plötzlich Strukturen und Einzelheiten zugänglich macht, die man mit dem unbewaffneten Auge gar nicht wahrnehmen hätte können?
Soviel zur Buchempfehlung.

Während ich auf dem Flughafen in Düsseldorf über die gelesenen Seiten nachdenke, erwacht in mir der Wunsch, Epigone zu sein. Ich möchte auch Musik so beschreiben können. Leicht ist es nicht, Thomas Mann ist daran im Dr. Faustus grandios gescheitert. Überhaupt ist auch sein Versuch, Wagner in die Schrift zu bringen, zwar Beweis der Großartigkeit Wagners, doch das Resultat klingt wie ein stereophon aufgenommes Werk, bei dessen Wiedergabe man nicht nur auf einen Lautsprecher verzichtet sondern den zweiten auch vollkommen falsch dimensioniert hat.

Da will ich mir den Versuch antun, es besser machen zu wollen?
Welches Stück beschäftigt mich denn derart, dass ich denke, mehr als berufenere darüber schreiben zu können? Die Antwort ist eine Antwort auf eine Frustration. Ich bin enttäuscht, dass ich alles, was ich schreibe, als Plagiat enttarnen kann: Ich weiß, welche Bücher, welche Eindrücke, welche Ansichten meine logischen Abläufe begründen. Was ich schreibe, ist eine mechanische Erwiderung von sympathischen oder parasympathischen Reizen. Eine Maschine könnte das besser.

Bei einer bestimmten Komposition von Schubert glaube ich aber zu wissen, dass meine Anschauung mir gehört. Ich habe es nicht wo gehört und die vielen Einspielungen und Konzerterlebnisse, die ich damit hatte, können in mir nicht den Eindruck erwecken, dass jemand anderer denselben Gedanken haben könnte. Nein, ich nehme durchaus in Kauf, dass meine Darstellung als Hirngespinst abgetan werden kann, als übersteigerte Theatralik.

Das angesprochene Werk ist das Impromptu in Ges-Dur von Franz Schubert. Ich habe zwar schon erzählt, dass bei diesem Werk der Pianist in den Hintergrund treten muss. Er muss unsichtbar werden. Trotz der vorhandenen technischen Schwierigkeiten muss die Interpretation des Werkes jeden Hauch von pianistischer Brillianz vermeiden. Der Pianist muss aber noch etwas anderes erreichen: im gleichen Maße, wie sich die Musik vom Pianisten los löst, muss sie sich auch vom Zuhörer los lösen können. Und das ist das weitaus Schwerere der gestellten Aufnahme. Die Intensität einer Musik wie das Impromptu führt normalerweise zu einer emotionalen Beeinflussung des Zuhörers. Die Musik wird von der Seele mit der gleichen Plötzlichkeit empfangen, wie Traubenzucker vom Organismus aufgenommen wird. Doch jetzt soll dieser Vorgang durch ein viel stärkeres Phänomen ersetzt werden: man sieht der Seele zu, wie sie dem Körper entschwindet. Der Schluss, der in ein dreifaches Pianissimo mündet, soll die Frage im Raum lassen: was habe ich denn da wirklich gehört? Der Pianist muss sich auf die gleiche Seite wie der Zuhörer stellen. Er schickt die Musik in den Raum. Vielleicht schickt er sie zum Stern des kleinen Prinzen, vielleicht fährt sie mit Florian auf eine wunderbare Reise über die Tapete, vielleicht macht sie eine kleine Rast auf der ISS-Raumstation. Was sie zurücklässt, ist eine namenlose Sehnsucht, eine Süchtigkeit nach der Süße, eine Sucht oder einfach eine Suche nach dem Unfassbaren. Wie können so einfache Töne eine derart starke Wirkung auslösen? Wenn ich den Anfang der Melodie mit Worten unterlegen sollte, wären dieselben: „Wo gibt es Ruhe? Gibt es für mich denn gar kein Ziel? Wo kann ich bleiben, und in Ruhe träumen?“

Schubert hat ja auch das Lied der Mignon vertont. Wenn Goethe immerhin impliziert, dass jemand die Sehnsucht kennen könnte, hat sie sich in diesem Impromptu verselbstständigt und den Bezug zum Menschen gelöst. Die Sehnsucht hört auf, das Artefakt des Menschen zu sein, sie hat sich zur eigenständigen Kategorie gewandelt. Eine Kategorie, wie es die Liebe ist, die in sich unbeschreiblich bleibt. Auch die Sehnsucht können wir nicht mehr beschreiben. Wir können sie in der Musik annähern. Wenn sie aber so intensiv wie bei Schubert auftaucht, verliert sie als Beschreibung gleichzeitig das Vermögen, vom Menschen verstanden oder gelesen werden zu können. Wir können gerade noch mitbekommen, dass hier eine Antwort auf brennende Fragen geboten wird, doch die Präzision, mit der die Fragen beantwortet werden, verhindert, dass wir die Fragen überhaupt hinsichtlich ihrer Formulierung verstehen. Eine Art Heisenberg’scher Unschärferelation in der Musik. Also solche ganz atypisch für musikalische Werke.

Für mich besteht darin die Größe dieses Impromptus. Und selbstverständlich kann man daran ein ganzes Leben üben…

Nachtrag:

Eine der Einspielungen von Ingrid Haebler. Auf youtube gibt es mehrere Versionen von ihr. Das ist diejenige, die mir am meisten zusagt. Sie gefällt mir auch vom Tempo wesentlich besser als die vieler anderer Pianisten. Haebler ist 1929 geboren. Vielleicht kann man sagen: so hat man früher gespielt. Gar nicht so schlecht.

natur-österreichisch

Nein, das ist keine sexuelle Praxis ohne Verhütung. Vielleicht Sex in der Wiener U-Bahn.
Gemeint ist vielmehr, dass ich heute nach drei Wochen Entsagung und Surrogat wieder auf meinem Flügel gespielt habe.
Ich konnte meinen Ohren nicht trauen.
Die Finger liefen mir fast davon. Dieses Phänomen wird aber auf dem Flügel im Konzertsaal nicht so ausgeprägt sein. Daher ist das Üben auf dem Clavinova durchaus angesagt.
Aber ich wiederhole mich: wer beim Klavierlernen nur auf das Clavinova angewiesen ist, ist ein armer Hund und kann von Musik nicht viel mitbekommen, zumindest nicht den Zugang, den die Musik zur Seele hat.

Kondom

Also gut. Nicht Gummipuppe. Eher Kondom.
Eigentlich wollte ich ein kleines Probestück auf youtube stellen. Das ist aber noch etwas aufwendiger, weil ich erst das Midi-File irgendwo einbetten muss.
Dazu habe ich jetzt keine Zeit.
Die Soundqualität wird durch das Midi-File sowieso nicht ausreichend wiedergegeben. Der Klang hat seine Macken, aber ich darf trotzdem nicht meckern.
Zum Üben ist es erstklassig. Problemloses Speichern. Ich höre sofort die unsicheren Stellen. Und schwere Passagen lassen sich auch ganz gut üben.
Das Klavinova 340 hätte erst heute nachmittag kommen sollen, doch es war schon in der Früh da. Trotz seiner 102 kg habe ich es allein zusammengebaut. Ging alles ganz glatt. Ein bisschen kenn ich mich auch schon aus.
Anschlagqualität ist gut. Das 370 hätte echte Holztasten gehabt, aber solange konnte ich nicht warten. Untertags musste ich ja Wege erledigen. Jetzt am Abend kam noch der Tapezierer (für die Möbel) und ich konnte ein bisschen spielen.
Es scheint das Beste zu sein, was ich angesichts der Tatsache, dass ich in einem Hochhaus nicht auf einem Bösendorfer Konzertflügel herumdreschen darf, erreichen kann.
Und das ist ausreichend gut:)

Sex-Spielzeug

In Japan bin ich oft nach dem Unterschied zwischen akustischen und elektronischen Klavieren gefragt worden. Ich war damals noch jünger, frecher und die Japaner haben ja keine sexuellen Hang-ups. Daher habe ich dann so verglichen: ein elektronisches Klavier ist so, als würden Sie mit einer Gummipuppe schlafen, ein Bösendorfer ist das Erlebnis mit einer richtigen Frau. Die Dolmetscherinnen blickten mich immer fragend an, ob sie das wirklich übersetzen sollten. Ich nickte, dann taten sie es und es war wunderbar zu sehen, wie die Verhandlungspartner langsam zu schmunzeln und dann zum lachen begannen. Zuerst schauten sie mich noch immer an, ob ich es ernst meinen würde, und dann löste sich der Bann.
„Hervorragend! – Sugoi, so des ka ne?“ Und ich hatte wieder einen Flügel verkauft, der dort vielleicht 70 000€ nach heutiger Umrechnung kostete:)
(Das waren die kleinen Flügel für den Privatgebrauch. Bei Konzerthallen wurde die Frage ja nur gestellt, um mich auf die Probe zu stellen. Ein Imperial kostete damals 2.100.000,– ATS in Toyko.)

Die Geschichte hat einen realen Hintergrund. Ich brauche etwas in Belgrad zum Üben. Und ich werde mich an den Gedanken an ein elektronisches Pianino gewöhnen müssen. Das CLP-340 ist schon fast entschieden, es spielt sich ausreichend gut.
Jetzt stellt sich die Frage, springe ich über den Jordan? Dann kaufe ich es noch diese Woche.
Die vorher angesprochenen Gummi-Puppen gibt es übrigens auch in mehreren Qualitäten. Die richtig guten sind aus zweierlei Silicon und spielen alle Stückeln. Man kann sie sogar nach Wunsch mit vorgegebenen Bildern fertigen lassen. Hat irgendwer die Manker-Inszenierung von der Alma gesehen?
http://www.realdoll.com Die Püppchen fangen bei 6000 US$ an.
Ganz interessant: die Kapitel female doll 2 und FAQ. Es gibt auch etwas für die Damen:)

die schönen Momente

Der heutige Tag war dem Klavierüben und dem Proben gewidmet. Nachdem ich vorher schon drei Stunden geübt hatte., haben wir dann eineinhalb Stunden an einem zeitgenössischen Werk geprobt, dass am 11.5.2010 zur Aufführung gelangt. (Das Stück selbst dauert knapp 4 Minuten, man kann sich also vorstellen, wie intensiv die Probenarbeit sein muss. Jeder Takt muss erarbeitet werden.)
Am Schluss überredete ich meinen Partner noch, die Schubert-Fantasie in f-moll mit mir zu spielen. Solche Werke können Profis mehr oder weniger aus dem Stand, selbst wenn sie jahrelang nicht gespielt wurden.
„Spielen wir das kurz an!“ Aus dem Kurz-Anspielen wurde das ganze Werk. Man kann einfach nicht aufhören.
„Das ist eine der schönsten Kompositionen. Und ich meine nicht nur die vierhändigen.“ Ja, ich stimme zu. Und so etwas muss man spielen, nicht hören, sondern spielen, immer wieder spielen.
Dabei hat mir mein Partner noch immerhin einen Trick verraten, den er von Jörg Demus hat. Immerhin war er selbst Professor an der Musikakademie und hat dort auch meinen ehemaligen, bereits verstorbenen Klavierlehrer gekannt.
Damit aber ein Eindruck gewonnen werden kann, von welchem Stück gesprochen wird, sei hier eine historische Einspielung des ersten Satzes eingefügt.
http://www.youtube.com/watch?v=ZxUjPL4cpZA
P.S. Falls männliche Leser das Stück hören wollen, gefällt ihnen vielleicht besser folgender Link:
http://www.youtube.com/watch?v=YJBvg2ue-Zw&NR=1
P.P.S. Die familienfreundliche Version: (auch eine der besten)
http://www.youtube.com/watch?v=EMM8NxvoG3M




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