Archive for the ‘MUSIK’ Category
Jeder kennt Zungenbrecher.
Das gibt es auch am Klavier. Ich kämpfe gerade mit zwei Takten einer Variation von Beethoven.
Technisch gesehen sind diese Takte alles andere als schwer. Gut, jeder Ton steht für sich innerhalb einer Fuge, das ganze ist vierstimmig.
Ich kann die Stelle weder im Kopf auswendig noch mechanisch. Sie will einfach nicht hinein. Ich könnte die Noten aufschreiben. D. h. ich kann sie ganz langsam nachempfinden. Doch ich kann sie nicht langsam spielen. Vielleicht muss ich es noch langsamer angehen.
Wahrscheinlich wird es morgen (bzw. heute am Tag) kein Problem mehr sein. Aber mich fasziniert das „Zungenbrecherische“ an der Stelle. Man könnte ja auch sagen: Kontrapunkt vom Feinsten und Modernsten.
Die Stelle:

vorher und nachher:

Wenn man schon fett ist, sollte man auf das Videoformat achten. Beim letzten youtube-Update muss irgendwie eine Spiegelkabinettoption eingeschaltet worden sein. Denn so lange sind meine Unterarme ja auch nicht, wie hier sichtbar.
Beethoven opus 10/3 Letzter Satz
Das ist eine Übungseinspielung, spät des Abends. Ich war schon etwas müde. Doch momentan bin ich nicht gewillt, mich drei Stunden damit abzumühen.
Es wird interessant sein, diese Aufnahme mit einer in einem Jahr oder zwei Jahren zu vergleichen.
Diese Sonate mag ich besonders gern und den letzten Satz finde ich wie einen musikalischen Scherz. Es macht Spass, ihn zu üben, auch wenn es ziemlich viel Arbeit bedeutet. Man sollte überhaupt keine Schwierigkeiten beim Anhören merken. Davon bin ich noch weit davon entfernt.
90/1 Das erste, was ich von den schweren für mich geübt habe. Ich wollte es spielen können. Faszination: die Triolen wie beim Erlkönig, die dreistimmigen Stellen, die Sprünge, eine Seite, in der nur das Thema variiert wird. Einmal eine professionelle Klavierstunde gehabt, in der zwanzig Minuten nur auf den ersten Akkord mit den leeren Oktaven drauf gegangen sind.
90/2 Eines, das ich erst jetzt geübt habe. Als Kind war ich eifersüchtig, weil es mein Schulfreund zum Konzert spielen durfte. Ohne Üben war es mir immer zu schwer. Eigentlich ein ziemlich leidenschaftliches Stück.
90/3 6 b. Eine Unmöglichkeit es zu lesen. Noch unmöglicher, es so zu spielen, wie ich es mir vorstelle. Mittlerweile gefällt mir meine Interpretation besser als jede andere. Die Begleitung pianissimost und die Melodie fließend. Es geht immer besser.
90/4 Ein faszinierendes Stück wegen der Repetitionen. Habe mich sehr lange geplagt, dann verhudelt, jetzt wird es langsam wieder exakter, nachdem ich mir ein paar Einspielungen angehört habe und verstehe, wie die Profis mit den schwierigen Stellen umgehen. Den Mittelteil habe ich immer als Teststück für einen Flügel genommen: wie gut ist die Mechanik? Gelingt es die Begleitakkorde vollkommen gleichmäßig im Pianissimo zu erwischen?
142/1 Kann ich noch fast gar nicht. Ist für mich ein echtes Übungsstück, dass ich erst spielen kann, wenn ich bestimmte Passagen wirklich minutiös eingeübt haben werde. Allerdings habe ich bei diesem Stück einmal eine japanische Pianistin beraten, die das Stück rein mechanisch herunter gespielt hat und überhaupt nichts vom Dialog im B-Teil begriffen hat.
142/2 Eigentlich ein leichtes. Spiele ich schon lange und immer wieder. Es ist das Stück, bei dem ich nur einen Gedanken habe: Schweben. Und es ist das Stück, dass ich im Ohr hatte, als ich Das Ende ist mein Anfang angesehen habe.
142/3 Eines meiner Lieblinge, die mein Vater häufig gespielt hat. Ich konnte das schon früher einmal mit schlampigen Läufen spielen. Mittlerweile über ich die Läufe, dafür treten die Schwierigkeiten woanders auf. Aber das krieg ich hin. Technisch gar nicht so schwer, aber ich merke, wie es mich anstrengt, wenn ich es übe.
142/4 Dasjenige, woran ich gerade intensiv übe und beim Üben auch belohnt werde. Manche Läufe gehen schon fast so, wie sie gehen sollen. (Allerdings nur wenn ich aufpasse, sie gehen noch nicht „im Schlaf“.) Das Stück, für das ich schon einmal fürstlich bezahlt wurde.
Vorbereitungen für Juni 2011
Das Üben fordert mich derart, dass ich kaum Energie fürs Buch aufbringe. Eigentlich sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, doch merkwürdigerweise komme ich damit sehr gut zurecht.
Aber das Üben ist echt anstrengend.
Doch die Assoziationen scheinen in eine ganz andere Richtung zu gehen. Frei nach dem Ausspruch, wenn Brahms einmal richtig glücklich ist, komponiert er ein „deutsches“ Requiem:)
Heute wurde der Geburtstag meines Freundes gefeiert. Er ist zehn Tage älter als ich. In der roten Bar im Volkstheater traf ich seine Schwestern und Kinder und Enkelkinder und eine Reihe von Freunden. Es waren schöne Tage gestern und heute. Jetzt muss ich noch etwas arbeiten.
Vorher schmökere ich noch ein bisschen in den Blogs, freue mich darüber, dass Teresa im Bücherrätsel auch nur 6 Zitate zu erkennen glaubt und lese über erfolgreiche und nicht erfolgreiche Dating-Versuche.
Bei noemix lese ich über Shirley Goodman und häre mir „Shame“ an. Ja, ich kenne das auch, aber das hat auf mich keine Faszination ausgeübt.
Viel verwandter scheint da „Day is done“ zu sein, der heute bei Frau Frogg verlinkt ist. Ich revanchiere mich mit einem Link auf den Cello-Song.
Ich erinnere mich aber an Leonard Cohen und suche ein paar Songs heraus:
Ich will nicht meinen All-time-Liebling „Suzanne“ zum x-ten Mal referenzieren.
Ich finde eine sehr hübsche Aufnahme – wegen der Einleitung – von „Chelsea Hotel“.
http://www.youtube.com/watch?v=Xk7DOe5EGgM
Und den meisten Bezug hatte ich zum „Famous Blue Raincoat entwickelt“.
Its four in the morning, the end of december
Im writing you now just to see if youre better
New york is cold, but I like where Im living
Theres music on clinton street all through the evening.
I hear that youre building your little house deep in the desert
Youre living for nothing now, I hope youre keeping some kind of record.
Yes, and jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear
Did you ever go clear?
Ah, the last time we saw you you looked so much older
Your famous blue raincoat was torn at the shoulder
Youd been to the station to meet every train
And you came home without lili marlene
And you treated my woman to a flake of your life
And when she came back she was nobodys wife.
Well I see you there with the rose in your teeth
One more thin gypsy thief
Well I see janes awake —
She sends her regards.
And what can I tell you my brother, my killer
What can I possibly say?
I guess that I miss you, I guess I forgive you
Im glad you stood in my way.
If you ever come by here, for jane or for me
Your enemy is sleeping, and his woman is free.
Yes, and thanks, for the trouble you took from her eyes
I thought it was there for good so I never tried.
And jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear
cincerely, I. cohen
http://www.youtube.com/watch?v=6fMnF0Fvdpo
Wobei hier keinerlei Bezüge zu meinem eigenen Leben gegeben sind. Doch Text und Musik spannen eine so große Gefühlswelt auf, dass ich jedes Mal, wenn ich den Song höre, wieder zum Nachdenken veranlasst bin.
Und jetzt zum Abschluss noch ein Nick Drake. Wenn man solche Musik schreiben kann, kann man es vermutlich wirklich nicht mehr als 25 Jahre auf dieser Welt aushalten.
http://www.youtube.com/watch?v=R6zCmCIsoAE
Im Video gibt es ein herrliches Foto von Nick Drake mit einer Hasselblad;)
Die bei ConAlma aufgeworfene Frage hat heute bei mir zu einer spontanen Kausalitätsüberlegung in einem ganz anderen Bereich geführt. KittyKoma schreibt, dass Männer immer überrascht sind, wenn sie sich als Science-Fiction-interessiert outet. Anscheinend lesen viel weniger Frauen Science-Fiction als Männer.
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Ich bringe nun diese beiden Themen zusammen. Vielleicht sind Frauen realitätsbezogener. Sie träumen nicht von der Zukunft. Vielmehr scheint es Trend zu sein, „das Leben im Jetzt“ zu verfraulichen.
Wenn man nun überlegt, dass die meisten klassischen, E- oder sonstwie etablierten Altmusiker erst nach ihrem Abkratzen berühmt wurden, könnte man schließen, dass Musik einen Traum des Komponisten erfüllt. Und es geht um Träume der Zukunft.
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Sic.
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Nachtrag: und keiner von denen, die erst später berühmt wurden, konnte sich vorstellen, dass ihn seine Mitmenschen einfach nicht verstehen konnten.
Regelmäßige Leser wissen ja von meinem Beethoven-Projekt. Das wird aber erst in meiner Pension richtig durchgeführt werden können. Zur Zeit kann ich die notwendige Übungszeit nicht erübrigen.
Spielen und Üben sollte ich in der Zwischenzeit aber doch etwas. Die folgenden vier Punkte sind momentan beeinflussend:
1) Der Skrjabin ist fast im Kasten. Ich üben noch regelmäßig und er wird besser und besser.
2) In der letzten Woche habe ich den ersten Satz der Richard Strauss-Klaviersonate gehört, die er mit 16 Jahren komponiert hat. Sie ist ein sehr ansprechendes Werk. Es gibt selbst auf Youtube kaum Aufnahmen.
3) Glenn Gould mag ich nicht besonders. Nicht einmal seine berühmten Goldberg-Variationen sind heute für mich Referenz. Da gefallen mir andere Pianisten viel besser.
4) Ungeachtet des Punktes 3) istGlenn Goulds Einspielung der Richard Strauss-Sonate wunderschön und überzeugend.
Aus 1 bis 4 folgt daher, dass ich momentan an dieser Sonate übe. Der 1. und 2. Satz ist nicht so schwer. 3 und 4 habe ich noch versucht, sie klingen aber schwieriger. Mal sehen, was daraus wird.
P.S. Der Kommentar zu der Youtube-Einspielung ist lesenswert.
Bei der Suche nach einem anderen Werk bin ich auf diese Einspielung gestoßen, die mich sehr berührt hat.
Arthur Rubinstein gehört für mich zur Klasse der absoluten Superpianisten, bei denen praktisch jede Einspielung von ihnen begeistert. (Dazu gehören auch Svatoslav Richter, Alfred Cortot, Martha Argerich, Andras Schiff, Grigorij Sokolov … Mehr als 10 werden es nicht sein, obwohl eigentlich auch Brendel dazu gehören sollte.)
Ich habe von Rubinstein hauptsächlich Chopin-Aufnahmen gehört, da gibt es einige LPs in meinem Fundus.
Der Mann war mir wegen mancher seiner Aussagen sehr sympathisch. „Wenn Du das Leben liebst, liebt es dich auch.“
Oder:
„Als junger Mensch war ich faul. Ich hatte Talent, aber es gab vieles in meinem Leben, was mir wichtiger war als Üben. Gutes Essen, gute Zigarren, große Weine, schöne Frauen … Als ich in den lateinischen Ländern spielte, in Spanien, Frankreich, Italien, liebte man mich wegen meines Temperaments. In Russland hatte ich auch keine Schwierigkeiten, aber in England und Amerika meinte das Publikum, für sein Geld alle Noten hören zu müssen; ich ließ jedoch damals viele unter den Tisch fallen, vielleicht dreißig Prozent, und man fühlte sich betrogen. Ich konnte nicht täglich acht bis zehn Stunden am Klavier sitzen. Ich lebte für jede Minute. Ich war tief beeindruckt von Leopold Godowsky. Fünfhundert Jahre würde ich brauchen, um solche Technik zu bekommen. Aber was hatte er davon? Er war ein unglücklicher, verkrampfter Mensch, der sich elend fühlte, wenn er nicht am Klavier saß. Hat er sein Leben nicht verpasst?“ [aus Wikipedia übernommen, stammt aber aus seiner Autobiographie]
Rubinstein hatte auch im ehemaligen (ersten) Bösendorfersaal gespielt und sich sehr lobend über Bösendorfer ausgesprochen. Es ist klar, dass er mir damit sympathisch wurde.
Viel wichtiger erscheint allerdings sein Klavierspiel. Ich möchte sagen, dass mein Vater vielleicht nicht so gut spielen konnte wie er, aber diese Etude genauso angelegt hatte. Diese spezielle Art der Interpretation hat sich bei mir eingeprägt. Mein Vater hatte keine Gelegenheit gehabt, Rubinstein zu hören. Die Schallplatten mit den Aufnahmen kamen erst später. Und doch stimmte die Interpretation derart überein.
Ich brauche wohl nicht extra zu betonen, dass ich diese Etude ebenfalls so spielen möchte. Ich habe sie schon früher einmal geübt und konnte sie leidlich spielen.
Da ich jetzt die Chopin-Etuden quasi als Meditation verwende und sie ganz, ganz langsam durchspiele, gerate ich auch an diese Etude.
Es ist unglaublich, man kann die Etuden so langsam wie man will spielen, sie sind genauso interessant und schön. D.h. das Üben allein macht schon enorme Freude und schenkt Befriedigung.
Was ich heute allerdings nach einer Stunde Üben festgestellt habe, ist die enorme Anstrengung, die man während des Spielens gar nicht merkt.
Obwohl es jetzt draußen ziemlich heiß ist, ist es in unserem Wohnzimmer angenehm kühl und wohl kaum wärmer als 21 Grad.
Trotzdem war ich beim Aufstehen schweißüberströmt. Das langsame Spielen erfordert höchste Konzentration und die scheint sich auszuwirken.
Prinzipiell glaube ich, dass zwischen Tai-Chi, Yoga oder dem Klavierspiel kaum ein Belastungsunterschied besteht. Das Spielen ist aber wohl eine der besten Meditationsquellen, die mir offen stehen.
Bevor ich einschlage, geht mir einiges im Kopf herum. Wann beginne ich mit dem Niederschreiben?
Aber heute habe ich einen Entschluss gefasst: mein nächstes Konzertprogramm wird folgendes sein:
Beethoven:
opus 109 – was ich diesmal gespielt habe
opus 110
opus 111 (Beethoven hat alle drei Sonaten gleichzeitig komponiert.
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und die Chopin Ballade #4, die ich unheimlich schätze.
Ich habe heute mit dem Üben des Finale begonnen.
–
Man muss ja schließlich Ziele haben.
(p.s. Auch wenn das boma nicht als so notwendig ansieht 🙂 )
Ich habe das Wort nicht ausgeschrieben. Jeder weiß, was gemeint ist. Und ich wollte auch nicht GV oder Schnackseln schreiben, denn das wären alles bereits Umgehungen.
Ich habe jetzt zweimal hintereinander!
Nein, nicht gef…! Ich habe nicht einmal meine voyeuristischen Triebe befriedigen können. Tut mir leid. Ich werd nicht geil beim Heraussingen irgendwelcher Manifeste. Auch wenn sie von Liebe und Tod und Nacht und Tag handeln.
Ich mag Gustav Kuhn. Über seine Leistungen habe ich mich schon öfters ausgesprochen positiv ausgelassen. Doch wenn er für die Regie des zweiten Aktes von Tristan und Isolde verantwortlich zeichnet, kann ich ihm nicht folgen.
Da rennen Tristan und Isolde einen Halbmarathon über die Bühne. Mehrfach stehen sie an den äussersten Ecken der Bühne, um sich dann wieder näher zu kommen. Wenn das Orchester orgiastisch anschwillt, stehen sie Seite an Seite, ungefähr einen Meter von einander getrennt und proklamieren in das Publikum hinein.
Gut, der zweite Akt ist schwierig zu inszenieren. Oder auch nicht. Die meisten Inszenierungen, die ich kenne, lassen Tristan und Isolde im Dunkel eines Waldes verschwinden. Die Musik lässt keinen Zweifel darüber, was sie dort anstellen.
Ich habe nichts am 1. oder 3. Akt auszusetzen. Doch im zweiten Akt gibt es noch zwei weitere „Ungenauigkeiten“, die mich als „Tester“ stören.
Das eine betrifft die Verwendung von Schusswaffen, obwohl es im dritten Akt ausdrücklich besungen wird, dass Tristans Wunde von Melots Schwert herrührt. Gut, das muss ja vielleicht nicht auffallen.
Das zweite betrifft das Taschenbuch, welches Brangäne zur Erbauung mit sich führt.
Die Datierung von Tristan liegt in der Zeit des König Artus. Und selbst wenn das eine Sagengestalt ist, so ist der Zeitraum mit 900 n.Chr. plus minus vielleicht 2 Jahrhunderten doch so festgelegt, dass noch nicht einmal Gutenbergs Ururgroßeltern gezeugt waren.
Es ist ja auch absolut unnotwendig unstimmige Requisiten in eine Regie einzubauen. Wieso braucht Brangäne ein Buch, wenn Gustav Kuhn selbst auf Druckwerke verzichtet und die Opern auswendig dirigiert.
Nachdem ich vor einer Woche die Premiere gesehen hatte, passte ich vor zwei Tagen auf, ob ich selbst noch so empfindlich reagieren würde.
Ja, ich war enttäuscht. Nicht von der Aufführung selbst. Die war ganz toll. Doch warum müssen schon wieder Artefakte ins Spiel gebracht werden, die nichts mit dem eigentlichen Inhalt der Oper zu tun haben.
Wahrscheinlich bin ich nur ein miesmutiger alter Griesgram. Doch für irgendwas muss es gut sein, wenn ich auf 65 zusteuere:)
