Statistik
Eine Million kann kaum lesen…
http://orf.at/stories/2201460/2201462
Es gibt ja den Spruch, traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälschst hast. Allerdings scheinen mir die Ergebnisse, die im Artikel präsentiert werden, durchaus glaubwürdig, wenn ich sie mit eigenen Erfahrungswerten vergleiche.
Wenn ich denke, 12,8% nicht sinnerfassend lesen können, kann ich zwar annehmen, dass es nicht unbedingt etwas mit der wirtschaftlichen Stellung dieser Personen zu tun hat. Tatsächlich kommt es aber auch vor, dass Leute mit besserer Ausbildung, in gehobenenen Berufen arbeitend, über dem Durchschnitt abschneiden.
Meine Erfahrungen haben mich manchmal vor den Kopf gestossen. Da gibt es Personen mit einem Bruttogehalt von mehr als 3.500 Euro, die weder lesen wollen, noch lesen, noch eine Beschreibung ihrer eigenen Arbeitstätigkeit geben können.
Mir selbst tut das nicht weh. Es hilft mir, mich gegenüber Konkurrenz abzugrenzen, trotz meines Alters nicht entsorgt zu werden und einen guten Job zu haben.
Aber erwartet man von mir Mitleid mit denen, die wegen Mangel an Bildung und fehlenden Grundfertigkeiten keine vernünftigen Jobs ergattern können? Da fühle ich noch eher mit den Studienabgängern mancher Fächer, die bestenfalls ein Praktikum bekommen.

Mittwoch, Oktober 9, 2013 at 10:55 am
12,8% der erwachsenen Bevölkerung, und nicht nur Migranten.
Man darf auch annehmen, dass es sich dabei nicht nur um Menschen mit eher geringer Intelligenz handelt, dazu wär die Zahl zu hoch.
Ich vermute, bei einem guten Teil dieser Menschen liegt es einfach am Wollen, und das wäre bedenklich.
Etwa 12,8% der Wahlberechtigten können sich nicht sinnerfassend informieren, kein gutes Argument für die Demokratie.
(Na ja, ein Kandidat konnte auch nicht inhaltlich sinnvoll reden und hat dies auch noch als Wert deklariert, was durchaus honoriert wurde.)
Mittwoch, Oktober 9, 2013 at 12:09 pm
Das Wollen ist letztlich ein Resultat einer Erziehung, die im Elternhaus beginnt. Lange, bevor die Schule da etwas unternehmen kann, werden die entsprechenden Weichen gestellt.
Es ist halt nur schwierig, mit solchen Leuten zu sprechen. Denn wenn sie nicht lesen können, dann ist es auch sehr schwer, bei ihnen gutes Zuhören vorauszusetzen.
Da bleibt dann nur größer, schneller, geil, gratis, billiger, etc. hängen. Und danach richtet sich ihr Kaufverhalten und letztlich auch ihr Wahlverhalten.
Mittwoch, Oktober 9, 2013 at 3:32 pm
Beispiel: ich habe mit dem Matador gespielt. Da gibt es 19er-Streben. Das sind die längsten, oder waren sie es zumindest. Eine 19-Strebe aus normalen Bauklötzen zusammen zu setzen geht mit 2 Fünfern und 3 Dreiern. Also gab es Längen zu 3 Neunzehntel und 5 Neunzehntel. Ein Neunzehntel hatte die Länge 1.
Und mit 3(3/19) und 2(5(19) konnte man 1 Neunzehnerlänge zusammen setzen.
Und so habe ich beim Spielen mühelos Teile von Ganzen erkennen können. Mag vielleicht nicht so unmittelbar einsichtig sein. Aber ich glaube, dass man Mathematik „erfahren“ und nicht lernen muss.
Übrigens gab es einen Schulversuch in Frankreich in den Sechziger- oder 70er-Jahren, bei denen man Volkschulkindern Topologie beigebracht hat. Es gab keine Schwierigkeiten dabei. Der Satz von Bolzano-Weyerstrass wurde mit Tausendfüßlern und Eichenblättern veranschaulicht. Aber wesentlich war, dass die Kinder die Topologie wirklich verstanden hatten.
Wenn der Lehrer es versteht, dann auch die Kinder. Aber es gibt viele Lehrer, die die Bruchrechnung zwar rechentechnisch beherrschen, sie aber nicht „fühlen“ können. Und dann klappt es auch mit den Erklärungen nicht.
Mittwoch, Oktober 9, 2013 at 8:19 pm
Das matador-Beispiel zeigt m.E. sehr gut, welcher Art die Anschaulichkeit ist, die beim Rechnen gebraucht wird; vergleichbar auch mit dem Tangram, das die gleiche Fähigkeit übt. Macht gleichzeitig auch noch unheimlich Spaß!