Archiv für März, 2012
Wie aufmerksame LeserInnen mitbekommen haben, beschäftige ich mich derzeit als Spielersatz mit dem Erlernen von Mandarin. (Siehe LaMamma und testsiegerin … http://memrise.com)
Jetzt nach dem Erlernen von 233 Wörtern stelle ich fest, wie unterschiedlich sich manche Wörter anbieten.
Da gibt es welche, die ich immer richtig habe und andere, die ich beharrlich falsch erwische. Das bezieht sich vor allem auf die Betonung, manchmal aber auch auf den reinen Inhalt.
So ist „Westen“ eines der besonders schwierigen Worte gewesen. Denn für die anderen Himmelsrichtungen gibt es Beijing, Nanjing und Xian, Orte, welche die anderen drei Himmelsrichtungen beeinhalten. (Nord, Süd, West)
Essig habe ich fast immer falsch, obwohl die Kombination von Alkohol und „alte Tage“ doch wohl wirklich leicht zu behalten ist.
Also die Bedeutung der Wörter ist wirklich die leichte Übung. Die Zuordnung von Betonung zu Wort ist schwer, noch schwer die Zuordnung von Kanji zu Betonung, die man genau beschreiben muss. Dabei geht bei mir sehr leicht ein xi, shi, zi in die Verwechslung ein. Dass ich das Bier heute falsch gehabt habe, obwohl ich das schon seit 1983 kannte, mag auch eine spezielle Bedeutung habe.
Eine lustige Kombination von Zeichen und meine persönliche Schlussfolgerung möchte ich nicht vorenthalten.
Es gibt ein Zeichen für „kleiner Hund“ und eines für „Macher“ (person who does). Beide werden hauptsächlich als Bestandteile gebraucht. Einer, der es mit kleinen Hunden macht, ist ein Schwein. So kann man sich die Schreibweise von Schwein merken.
Gold und stur ergibt zusammen Silber. Silber und Beruf ergibt zusammen Bank (die mit Geld zu tun hat). Eigentlich könnte ich mir vorstellen, dass man Bank auch als Zusammensetzung von „kleiner Hund“, „Macher“ und „Profession“ darstellen könnte. Denn eine schweinischere Profession als den Banker kann man sich doch heute gar nicht vorstellen.
Aber vielleicht war das im alten China noch nicht so:)
Ich habe über meine Erfahrungen mit der PVA ja bereits anlässlich der Pension von Frau Columbo geschrieben. Damals waren es eigentlich die Deutschen, die für Verzögerung gesorgt haben.
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Dass mich ein Telefonat, welches ich vorgestern geführt habe, nur mehr erheitern kann, (denn aufregen bringt ja nichts) wird durch einige Vorbedingungen begründet.
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Ich benötige eine schriftliche Bestätigung seitens der PVA über den Stichtag meiner regulären Pensionierung. Auf der homepage der PVA gibt es einen sogenannten Stichtagsrechner, auf dem man einige Grunddaten eingeben muss. Dann kommt, wie unter normalen Umständen nicht anders zu erwarten ist, der Erste des Folgemonats desjenigen Monats heraus, in dem man Geburtstag hat.
Soferne man halt über entsprechende Arbeitszeiten verfügt. (Seit 1973 arbeite ich mit genau mit zwei Unterbrechungen: ein halbes Jahr Bundesheer und ein dreiviertel Jahr Arbeitslosigkeit.) Alle anderen Arbeitszeiten waren jeweils mit einem Gehalt über der Höchstbemessungsgrundlage des Pensionsbeitrags. Das ist zwar für den Stichtag so wichtig sondern für ein anderes Thema, wo ich auch nur schmunzeln kann.
Ich kann mir vorstellen, dass der Stichtag dann problematisch ist, wenn man gerade am 1. eines Monats Geburtstag hat. Aber da kann wahrscheinlich der Rechner die laufende Gesetzeslage mit einberechnen.
Mit einem Geburtsjahr von 1951 komme ich auch nicht in die verschiedenen Übergangsregeln.
Im weiteren wird mir der Pensionsbeitrag ja nicht nur automatisch vom Gehalt abgezogen sondern die PVA bekommt sämtliche Daten auch direkt in den Computer eingespielt.
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Wenn man sich z.B. über die Höhe seiner zu erwartenden Pension Gedanken macht, werden zwar viele Regeln angeführt, doch schlussendlich heißt es dann: „Die Berechnung ist so kompliziert, das sie bei uns anfragen müssen.“
Nun, ich brauche jetzt nicht eine Berechnung sondern nur eine Bestätigung, dass der vermutete Stichtag wirklich der 1. 7. 2016 sein wird. Mit Sicherheit können die das bei der PVA auch nicht behaupten, weil sich bis dahin vielleicht ja noch Gesetze ändern und ALLE LEUTE bis zum 80. Lebensjahr arbeiten müssen. Wer weiß?
Und die vermutliche Pension kann auch die PVA nur schätzen, weil die Anhebung der Höchstbemessungsgrundlage sicher nicht bis in das Jahr 2016 festgelegt ist. Ungefähr kann man es wohl schätzen, aber sicher ist man sich da auch nicht. (Mir persönlich ist es auch egal, ob ich jetzt 30 Euro weniger oder mehr bekomme, als man heutzutage schätzen kann.
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Jetzt suche ich auf der homepage der PVA ein Formular, mit dem man diese Stichtagsbestätigung anfordern kann. Ich werde nicht fündig. (Später höre ich dann, dass dies mit dem Antragsformular zur Beitragsberechnung geschehen kann, obwohl ich der PVA ja gar nicht erst die Mühe der Beitragsberechnung machen will.)
Ich möchte also jemanden fragen. Die homepage der PVA ist wirklich wunderbar gestaltet. Ich brauche mindestens 5 Minuten, bis ich dann die Telefonnummer finde, weil es Seiten mit den Ansprechstationen gibt, wo jedes Bundesland mit Ausnahme von Wien verzeichnet ist. Letztendlich finde ich an einer eher obskuren Stelle 050303, eine Nummer, die ich mir wahrscheinlich jetzt auswendig merken werde.
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Wer bis jetzt gelesen hat, wird mit folgender Geschichte belohnt. Ich werde an eine Sachbearbeiterin vermittelt, die nicht nur kompetent sondern auch hilfsbereit ist. Dass manche ihrer Aussagen mich leicht erschüttern, scheint systemimmanent zu sein.
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Sie versteht, was ich will und erzählt mir zuerst einmal, dass ich diese Bestätigung nicht telefonisch anfordern könne. (Das klingt noch ein bisschen patzig in der Tonlage, aber ich hatte das ja eh nicht erwartet. Ich wollte eher wissen, auf welche Weise ich die Anforderung zu gestalten hätte. Ob vielleicht das Büttenpapier eine gewisse Schwere haben müsste und ausschließlich eine Feder mit der Strichbreite von 1mm erlaubt wäre.)
Sie fragt mich, ob ich schon einmal von der PVA beitragsmäßig erfasst worden bin. Ich bejahe, weil ich mir irgendwann einmal Nachkaufszeiten ausrechnen lassen wollte. Ich bin froh, dass ich nichts nachgekauft habe, es zahlt sich gemäß der derzeitigen Steuersituation überhaupt nicht aus.
Sie sieht im Computer nach und findet mich auch.
„Am besten, Sie kommen her. Dann können sie die Bestätigung gleich mitnehmen.“ Ich erkläre ich, dass ich eben am Flughafen eine Reise antrete und einige Zeit nicht in Wien sein werde. Ob ich nicht schriftlich ansuchen könne.
„Doch das können Sie schon?“ – „Und mit welchem Formular?“ frage ich als gelernter Österreicher, denn ohne Formular geht bei uns gar nichts. „Das ist das Formular, mit dem sie um Berechnung der Pensionshöhe ansuchen.“
„Aber wenn Sie das schriftlich machen, dauert das ein paar Wochen oder ein paar Monate, bis sie die Antwort bekommen.“
ÖHA!!!!! Das ist ja interessant. Wenn ich hingehe, bekomme ich die Antwort gleich, wenn ich schriftlich ansuche, benötigt es einige Wochen oder gar Monate.
Ich sage ihr, dass ich dann doch lieber vorbei kommen werde. Und sie sagt mir, dass ich aufgrund meines Wohnorts eigentlich nach St. Pölten kommen könnte, aber Wien, wo mein Arbeitsort ist, geht auch.
Also diese Sachbearbeiterin hat sich wirklich freundlich um die Einzelheiten bemüht und von der Beratungsleistung her kann ich nichts bekritteln.
Aber was ist das für eine interne Organisation, bei der ein Arbeitsablauf, der vielleicht 5 Minuten dauert, eine Durchlaufszeit von „einigen Monaten“ benötigt. Ich spreche jetzt noch nicht einmal von der Unannehmlichkeit für den Antragssteller. Solche Diskrepanzen deuten darauf hin, dass die Arbeitsorganisation in dieser Anstalt schwersten der Reorganisation bedürfen. Billig sind solche Arbeitserschwernisse nicht.
Wir reden in Österreich über notwendige Strukturreformen. Doch da müsste man noch nicht einmal etwas reduzieren. Die hochbezahlten politischen Manager, die hier in Versorgungsposten gehievt werden, müssen da noch nicht einmal um ihren Job bangen.
Aber sie könnten vielleicht etwas zur Kundenfreundlichkeit managen.
Also da muss ich ja dem Finanzamt, das einem ja an sich nicht so angenehm ist, ein Lob aussprechen. In Punkto Effizienz kann sich die PVA gerne am Finanzamt etwas abschauen.
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Ansonsten bleibt mir nur Kopfschütteln. Aufregen tue ich mich nicht mehr. Da hilft nur noch Humor…
Beijing, Hong Kong, Shanghai, Nanjing, Xi’an sowie USA und England…
Die Übersetzungen muss man sich geben:
Nord-Hauptstadt, Feine Gerüche Hafen, Am Meer, Süd-Hauptstadt … das klingt ja recht vernünftig.
Aber England heißt „Hero land“, vermutlich aus phonetischen Gründen und USA heißt „schönes Land“, wenn man die Zeichen übersetzt.
Was mir gefällt ist beim Zeichen für schön, dass es ganz anders geschrieben wird als man es von der Form vermutet. Da gibt es einen langen Strich in der Mitte durch, der aber nicht auf einmal sondern auf zwei Raten geschrieben wird.
Teilweise sind die unterschiedlichen Zeichen auch von der Schreibweise ganz, ganz ähnlich.
Mir kommt vor, als hätten die Chinesen eine Auflage, mit so wenig wie möglich Silben auszukommen.
Also die Beschäftigung mit Mandarin ist wirklich ein sehr guter Pausenfüller. Jetzt habe ich so ungefähr 90 Worte beisammen. Allerdings ist die Beherrschung noch sehr wechselhaft.
Die Fragen werden nämlich folgendermaßen gestellt:
zur Erklärung: Kanji nennt man die chinesischen Schriftzeichen
pinyin ist eine Lautbeschreibung, die eine Art phonetische Beschreibung ist, die von einer Zahl gefolgt wird. Die Zahl bestimmt die Aussprachemelodie.
Jetzt gibt es folgende Fragearten:
Kanji – nach Englisch mittels multiple choice
Kanji – nach Englisch in Textfeld
Kanji – nach pinyin in Textfeld
Kanji – nach pinyin mittels multiple choice
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und umgekehrt:
Englisch – nach Kanji, das geht nur mit multiple choice, weil man ja nicht zeichnen kann.
Englisch – nach pinyin, mit Textfeld
Englisch – nach pinyin mit multiple choice
z.B. wird das Kanji für Mund gezeigt und man muss kou3 antworten. (Bin jetzt nicht 100% sicher, ob das auch stimmt. Korrigiere: stimmt, habe nachgesehen:)
Und dann gibt es noch:
pinyin – nach Kanji multiple choice
pinyin – nach English multiple choice
pinyin – nach English mit Textfeld
Die multiple choice Frage starten entweder mit 4 Wahlmöglichkeiten oder mit 8. Während die Zeit abläuft, werden ähnlich wie beim 50-50-Joker einzelne Wahlmöglichkeiten ausgeblendet.
In der Regel hat man 25 Sekunden Zeit. Aber im Garten muss man auch mit 10 Sekunden auskommen.
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Es ist ziemlich erstaunlich, wie schnell die 25 Sekunden ablaufen. Bei manchen Worten muss ich wirklich 10 Sekunden nachdenken, um z.B. sicher zu gehen, ob es Nudeln oder Knödel heißt. Und dann vertue ich mich noch manchmal. Und der gekochte Reis schaut auch ganz ähnlich aus.
Um ein Beispiel zu geben:
Der Vater mit dem Deckel am Kopf bedeutet „austauschen“.
Mit dem Futter-Kanji links davon resultieren die Knödel.
Das Futter zusammen mit dem Zeichen für „rebellieren“ ist aber der gekochte Reis.
Die kleinen Klauen auf dem Baum bedeuten „auswählen“. Und jetzt weiß ich schon nicht mehr, ob links Mund oder Futter stehen muss, damit das Ganze zusammen „Nudeln“ ergibt.
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Aber es ist wirklich wie ein Super-Memory, das man so zwischendurch spielt. Und ich habe das Gefühl, dass es auch ein ganz gutes Gedächtnistraining ist.
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Seit dem letzten Eintrag habe ich „Erdäpfel“ gelernt und das Wort „flach“. Das ist ja vielleicht ein Hammer. Es setzt sich aus Tür, durchsichtigem Behälter und zweimal 10 zusammen. Echt kompliziert, wie es aussieht – und dann heißt es nur flach (oder bian3)
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Man sieht, es hat mich gepackt:)
Seit gestern lerne ich Mandarin. Nachdem ich nicht ganz zufällig auf die Seite http://memrise.com gestoßen bin, lerne ich Worte lesen, teilweise auch aussprechen und vor allem, sie auseinander zu halten.
52 Worte befinden sich seit gestern im Garten. (Sprich, kann ich eindeutig zuordnen, sowohl über multiple choice als auch die englische Übersetzung angeben)
Die Lerneinheiten sind wie ein Spiel aufgebaut. Das Spiel rankt sich um eine typische Lernkartei, die aber als Garten mit wachsenden Pflanzen aufgebaut ist. Eine wirklich gute Idee.
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1993 hatte ich ein privates Projekt laufen, dass es immerhin bis zum Stadtschulrat gebracht hat. Es hieß M0, wobei M für Motivation und 0 für Nullbock stand. Es war ein Englischsprachunterricht, der ziemlich ähnlich der Vorgangsweise von memrise aufgebaut war. (Inklusive des Abspielens von Aussprachemustern, den multiple choice-Abfragen und der Einbindung einer Lernkartei.) Das war mit den damaligen Mitteln an der Grenze, die man mit handelsüblichen Computern erreichen konnte. Die Geschwindigkeit der Computer waren mindestens 100 mal kleiner, die Festplatten mit 10 MB konnten gerade drei Lektionen halten, wenn man das gesamte Material abspeichern wollte.
Aber mein Hauptanliegen war es, zu zeigen, dass man die Lektionen in der Form eines Spiels aufbauen müsste, damit sich beim Lernen „addiktiver“ Charakter entwickeln kann, dass immer die Spannung auf die nächste Lektion erhalten bleibt. Der Lernende muss das Gefühl haben, sich spielerisch beweisen zu können.
Das Projekt wurde letztlich nicht genommen, zwei Jahre später gab es die ersten vernünftigen Sprachkurse auf CDs. Diese enthielten allerdings noch nicht „das Spiel“.
Irgendwie befriedigt es mich sehr, dass memrise genau entlang meiner damaligen Erkenntnis funktioniert. Und es funktioniert auch bei mir. Weil es einfach lustig ist, so zu lernen.
Ich kannte ja schon einmal 300 Zeichen und habe fast alle vergessen. Doch jetzt gibt es Hauptworte und Zeitworte und Worte, die für sich allein gar nicht vorkommen, sondern nur in Zusammensetzungen gebraucht werden. Das ist echt spannend.
Und dass ich jetzt zwischen Reis und gekochtem Reis unterscheiden kann, finde ich gar nicht so schlecht. Die zwei Kanji sehen nämlich vollkommen unterschiedlich aus. Rindfleisch, Schweinefleisch, Hendl, Eier, Brot und Gemüse kann ich auch schon, also werde ich wohl nicht verhungern. Und zur Not gibt es auch noch Wasser.
Das ist doch etwas anderes, als wenn ich mich an Latein, Englisch oder Französisch erinnere. Liber, book, livre waren so ungefähr die ersten Hauptwörter, an die ich mich erinnern kann. An sich ja nicht so schlecht, doch zuerst kommt der Bauch, dann der Kopf:)
P.S. 52 Worte sind immerhin schon 20% von „Mandarin Survival“, mit denen man angeblich überleben kann. Überlebenstraining in 5 Tagen ist doch ganz schön effizient;)
Lange bevor ich das erste Mal gebloggt habe, entstanden die Zeilen, die ich jetzt durchaus wieder als überlegenswert angesehen habe:
https://steppenhund.wordpress.com/2012/03/20/anam-cara
Es sind jetzt schon zehn Jahre her, dass ich diese Zeilen geschrieben habe. Beim Aufräumen in einem alten Computer sind sie mir wieder entgegengefallen. Im Allgemeinen haben sich die Erfahrungen der letzten zehn Jahre durchaus in Veränderungen meiner Weltanschauung niedergeschlagen. Aber diese Zeilen könnte ich heute vermutlich noch immer unterschreiben. Besonders erstaunlich war für mich, dass ich die Kategorie „Leben“ speziell erwähnt hatte. Leben spielt vermag heute eine wesentlich stärke Sinngebung zu vermitteln, als ich es damals empfand. Erst vor zwei Jahren habe ich zum „ersten“ Mal recht knapp formuliert, dass der Sinn des Lebens einfach das Leben selbst ist.
Ich schreibe diese Zeilen ohne mir einen bestimmten Adressaten oder Adressantin als Empfänger vorzustellen. Die Begriffe Kelten, Wesen(serkenntnis) und Esoterik sind an sich so stark miteinander verknüpft, dass sie wie ein Anker als gemeinsame Einheit für eine Rückbesinnung oder Standortsbestimmung dienen können.
Technikern wird in der Regel eine Ablehnung von esoterischem Gedankengut zugeschrieben, die nur in einer Ausnahme verletzt werden darf. Ein Techniker darf auch musikalisch sein, denn das sind ja so viele, die sowohl mathematisch als auch musikalisch begabt sind. Was für eine seltsame Besonderheit. Ich habe inzwischen die Bestätigung durch meinen hochintelligenten Chef bekommen, dass auch er schwierige, zum Teil logische Probleme mit dem Unterbewusstsein durch bewusstes Abschalten löst. Das bedeutet, dass sich Logik und Emotionalität sich nicht ausschließen, die Weiterverfolgung dieses Themas führt uns aber auf eine ganz andere Fährte.
Interessanter ist da schon die Verfolgung des religiösen, des philosophischen oder des transzendenten Interesses von Technikern. Ohne speziell danach zu suchen stelle ich bei den Frauen Anhäufungen von emanzipierten, bestens ausgebildeten, ausgesprochenen Agnostikerinnen fest, wo ich kopfschüttelnd nur fragen kann, wie eine Medizinerin eine göttliche Instanz – egal in welcher Ausprägung – leugnen kann, während ich bei gestandenen Programmierern Buddhisten, Taoisten und verschiedene andere Geschmacksrichtungen von esoterischem Interesse finden kann.
Einsteins Widerlegung der Quantentheorie „Gott würfelt nicht“ ist bekannter als der Umstand, dass viele Physiker und Naturwissenschafter sehr wohl die Grenzen des rational Erfassbaren kennen. Wohin richtet sich dann aber das transzendentale Bedürfnis? Ein in der Jugend unkontemplierbarer Muss-Glaube richtet sich bei denkenden Menschen häufig gegen die vermittelten Religionsinhalte. Das geschieht vor allem deswegen, weil Vertreter der Kirche häufig ihre eigene Meinung mit einer Wahrheitsberechtigung ausstatten, die ihnen nicht zusteht. Der Unterschied zwischen Wahrheit, Wissen und Interpretation wird unter den Teppich gekehrt und alles ist gleich, wenn „die Kirche“ und „ihre Vertreter“ es verkündigen.
Ein anderer Ansatz, der bei mündigen Interessenten zu beobachten ist, ist die Auswahl einer religiösen Geschmacksrichtung, die möglichst nahe den eigenen Vorstellungen kommt. Für meinen eigenen Geschmack hatte der Gedanke an Reinkarnation immer etwas besonders Gerechtes an sich. Warst du in einem Leben schlecht, wirst du im nächsten Leben zu einer unachtsam zertretenen Ameise. Umgekehrt ist es sinnvoll, an sich selbst zu arbeiten, damit das nächste Leben vielleicht schon auf einer höheren Stufe beginnen kann. Ein weiterer Zugang kann auf dem Prinzip des Mehrheitswahlrechtes erfolgen. Welche Religion hat die meisten und sympathischsten Anhänger? Jetzt? In der Vergangenheit? Da möchte ich auch dazugehören. Oder man betrachtet die Kombination aus verschiedenen Religionsinhalten: die Anthroposophie nach Rudolf Steiner kann durchaus als gelungene Verbindung von Christentum und Buddhismus dargestellt werden. In den Werken sowohl des weltlich bekannten Christian Morgensterns als auch des katholischen SJ Teilhard de Chardin kann der spirituelle Aufstieg des Menschen verstanden werden. Wenn wir versuchen, den demagogischen Aspekt auszuschließen, müssen wir uns generell an unterschiedlichste Völker und Gruppierungen wenden, die quer durch die Geschichte an bestimmten Riten festhalten und ihren Glauben oft sehr standhaft einzementieren. Mircea Eliades „Geschichte der religiösen Ideen“ kann hier als Grundlage dienen. Für mich war es sehr interessant zu erfahren, dass der jüdische Glaube nicht – wie im Religionsunterricht gelernt – die erste monotheistische Religion war.
An all die Nymphen, Faune, Halbgötter und Vollgötter der griechischen Mythologie zu glauben, ist heute schwer substanziierbar, obwohl Herzmanovsky-Orlando begeistert gewesen wäre. Auch die nordischen Gottheiten finden besseren Platz in der Literatur und verfilmbaren Bestsellern als in einer lebbaren Grundphilosophie.
Heutige Philosophen wie Charles Taylor sprechen lieber von der Authenzität und eine wesentliche Fragestellung der heutigen Philosophen betrifft eine areligiöse Ethik. Wenn der Mensch Gott leugnet, leugnet er sich selbst auch. Das kann durchaus eine vertretenswerte Beschränkung in dem Glauben an die eigene Wichtigkeit sein. Wir kommen dann relativ bald zur Bewunderung der Dinge rund um uns und entdecken die Bedeutung des Prinzips Leben. Und plötzlich fängt rund um uns mehr zu leben an, als wir es von Mensch, Tier und Pflanze gewöhnt sind. Berge, Täler, Meer und Himmel gewinnen an Beseeltheit und beginnen einen Dialog mit den inneren Landschaften der persönlichen Seele. Eine solche Überlegung, die sich durchaus auch im Rahmen der Antroposophie darstellen lässt, findet sich im spirituellen Erbe der Kelten.
Wenn die keltische Betrachtung von Licht und Liebe, die Betrachtung von Freundschaft, im Rahmen unserer heutigen Umgebung mit Fast food, Neonlicht und Lautheit als nicht anwendbar erscheinen, gibt es starke Aussagen eines Erich Fromm in „Haben oder Sein“, wonach gerade die angesprochenen Erkenntnisinhalte eine große Beeinflussung aufweisen, ob man als Mensch entfremdet oder authentisch lebt.
Mit einer ganz kurzen Gedankenschleife kommen wir von der nicht-entfremdeten Tätigkeit zur lustvoll erlebten Arbeit, zum Erfolg und zur Integration in ein sinnvolles Gemeinwesen.
Der irische Philosoph John O’Donohue hat aber für seine Darstellung der keltischen Spiritualität den Titel „Anam Ċara“, welches soviel wie Seelenfreund bedeutet gewählt. Mit dem Seelenfreund finden wir plötzlich eine ganze Schar von Querverbindungen.
23.11.2002 Brunn
dieser Text ist nicht besonders originell. Das Besondere daran ist der Umstand, wie er zu Stande gekommen ist. Ich habe ihn nämlich nicht getippt sondern in das Mikrofon gesprochen. Bis hierher musste ich nichts korrigieren.
Ihr naht euch wieder schwankende Gestalten… Hier musste ich das Wort naht korrigieren. Aufgenommen wurde nämlich: habt. Ich lese undhier jetzt einen Text, der für mich einmal sehr relevant war.
Chefarchitekt eines großen IT-Anwenderunternehmens zu sein, kann ein gefährlicher Job werden. Viele mittelgroße Anwenderunternehmen haben derzeit nicht einmal eine Gruppe für IT-Unternehmensarchitektur oder eine Unterstützungsgruppe für den IT-Vorstand, die sich unter anderem mit IT-Governance beschäftigt.
Mehr diktierte ich jetzt nicht. Obwohl ich einen schnellen Rechner habe, muss ich doch immer wieder warten bis die Umsetzung zu Ende übersetzt hat. Allerdings ist die Fehlerfreiheit recht beachtlich. Jetzt noch einmal einen Faktor zwei für die Rechnerbeschleunigung erreichen und die Sache ist ausreichend schnell.
Ich habe über Sokolov schon öfters geschrieben oder etwas von ihm hier eingestellt. Doch vor wenigen Tagen habe ich etwas bei ihm gesehen, was mich quasi „erlöst“ hat.
Um zu verdeutlichen, worum es geht, muss man die Geschichte um Rachmaninov und Tolstoi kennen. Der stockunmusikalische Tolstoi hatte einmal die Rachmaninovs nach einem Konzert eingeladen, bei dem etwas von Rachmaninov gespielt worden war, das als Huldigung an Beethoven gedacht war. Beim Gespräch meinte Tolstoi, dass Beethoven stark überbewertet würde. Bei der anschließenden Verabschiedung sagte ihm Tolstoi, dass er dies als Beleidigung empfinden würde. Nicht gegenüber ihm persönlich, dazu schätze er sich nicht hoch genug ein, aber speziell in Bezug auf Beethoven. Rachmaninov erlebte nach diesem Abend eine Kompositionssperre, die lange dauerte. Das hatte Tolstoi nicht beabsichtigt, doch manchmal sind es „kleine“ Bemerkungen, die einen total verunsichern können.
So erging es mir, als ich vor Jahren einige Einspielungen auf youtube hier ankündigte. Eigentlich würde ich sie heute alle herausnehmen, doch der Grund, warum ich sie eingestellt hatte, besteht noch immer, also muss ich mit meinen Sünden leben.
Doch eines Tages schrieb mir eine Bekannte eines Bloggers (der heute nur mehr ganz selten schreibt. So haben auch einige seiner Bloggerfreunde das Blog verlassen.) eine Bemerkung über meinen abstehenden rechten kleinen Finger. Ich würde nie mit diesem Finger Mozart spielen können, es sei eine Schlamperei, etc. Sie gab sich als Klavierlehrerin aus, was ich ihr auch gerne abnahm. Es ist diese Art von Klavierlehrerinnen, welche den Kindern die Musik und das Spielen vermiesen können.
Doch es war nicht die Bemerkung selbst, die mich so ärgerte. Denn sachlich gesehen hatte sie ja recht, obwohl ich relativ viel Mozart gespielt habe und jedenfalls wesentlich mehr, als es einem Amateur zukommt. Es war der Tonfall bzw. die Patzigkeit, mit der der Kommentar geäußert wurde. Jetzt war ich damals auch noch etwas eingebildeter. Auch mein Klavierspiel war ziemlich schlampig, weil ich einen ganz anderen Zugang zu meinem eigenen Spiel hatte. Ich tobte mich einfach aus.
Erst in den letzten Jahren begann ich wieder richtig zu üben. Und heute geniere ich mich nicht, wenn ich vor professionellen Pianisten etwas spiele. Die können nämlich abstrahieren und erkennen, was bei einer Stunde täglichem Üben möglich ist – im Vergleich mit acht Stunden eines Profis.
Aber die Bemerkung hat noch immer in mir Unwohlsein verursacht.
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Doch jetzt ist mir etwas bei den Aufnahmen Sokolovs aufgefallen, was mich entlastet. Bei Sokolov habe ich in einigen Passagen ebenfalls den gespreizten rechten kleinen Finger gesehen. Also wenn der so phantastisch mit seinem rechten Finger spielen kann, ist vermutlich sogar die Bemerkung falsch, oder einfach philisterhaft und kleinlich.
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Und so mache ich mich jetzt an Stücke, die nicht absolut zu schwer für mich sind (wie z.B. der Scarbo von Ravel) doch ein gewisses Maß an Üben erfordern, wie z.B. die Schubert-Transkriptionen von Franz Liszt oder eben auch die Beethoven-Sonaten, die ich jetzt wieder neu entdecke.
Aber vor allem freue ich mich, dass meine Kondition wieder erlaubt, dass ich eineinhalb Stunden üben kann. Das war vor einem Monat noch unmöglich. Da musste ich nach fünfzehn Minuten aufgeben…
Heute ist nicht nur Frauentag. Heute ist auch der Tag der Heuchelei. Genau am 8. März wird von den Frauen Notiz genommen. Vor 25 Jahren hatte ich selbst noch nicht einmal eine Ahnung vom Frauentag. Den lernte ich erst in der Sovjetunion kennen. In Wien hatte ich in der Zeit davor keine Ahnung von diesem besonderen Tag gehabt.
Auch am 8.3.1968, den ich in den USA verbrachte, war von Frauentag nichts zu bemerken. Jetzt könnte man einwenden, dass ich mich nicht so aufpudeln soll. Feste soll man feiern und die Frauen haben sich ein Fest verdient. Das erstere findet sich schon bei Goethe und beim letzteren gibt es nichts zu bekritteln. Es gibt ja auch Frauen, die gleich zweimal gefeiert werden. Wenn sie nämlich außerdem noch Mütter sind.
Ansonsten zeigt dieser Bericht, dass es mit Gleichberechtigung vor allem in unseren Ländern, wo wir es uns doch leisten könnten, nicht so viel auf sich hat.
Ich gehe einmal davon aus, dass sich alles verbessern wird. Ich selbst hasse ja Frauen, aber das hängt vermutlich damit zusammen, dass ich von ihnen umzingelt bin. Ich hasse auch Kinder, Bäume, Sportler. Ich hasse alles, was genau an einem Tag im Jahr gefeiert wird. Und zwar hasse ich es am jeweiligen Feiertag.
Ich hasse eine Einstellung, die im Menschen ein so schlechtes Gewissen aufbauen muss, dass er sich einmal im Jahr davon reinwaschen muss. Ja, die Frauen werden schlechter behandelt, sie werden schlechter bezahlt, an ihnen bleibt mehr Arbeit hängen. Doch dann feiern wir sie einen Tag lang, dann ist alles wieder in Ordnung.
Aber ich mag die Frauen, die LMAA sagen und das damit begründen, dass der Tag ein Tag wie jeder andere ist. Ein paar von diesen Frauen finden sich in meiner Familie: meine Frau, meine Töchter, meine Schwiegertochter. Und ein paar andere gibt es auch noch…
