Archiv für Januar, 1970

Ein bisschen zu plump

Die anderen Schreibstilanalysen empfinde ich ja als schmeichelhafter. Angesichts des Textbeispiels kommt mir das Analyseergebnis doch etwas plump vor. Nor weil ich den Kapitalismus erwähne, sollte ich gleich wie Marx schreiben. Ich kann nur skeptisch grinsen. Aber mein Text gefällt mir auch noch nach einigen langen Jahren. Also bekommt er jetzt einen eigenen Eintrag;)

Karl Marx

Das zugehörige Beispiel ist:
Als Kind eignete ich mir folgende Disziplin an. Kurz vor dem Einschlafen konzentrierte ich mich auf das, worüber ich träumen wollte. Konkret gelang mir das recht gut bei elektrischen Eisenbahnen. Tatsächlich kann ich mich nur an zwei Nächte erinnern, in denen es tatsächlich zutraf, aber das reichte mir, um daran glauben zu können, dass es funktionieren könne.
Ein paar Mal gelangen mir im Schlaf die Lösungen von schwierigen Aufgaben. An eine erinnere ich mich nur zu genau. Wir hatten einen ziemlich strengen und wohl auch unnahbaren Professor in Darstellender Geometrie, der ziemlich gnadenlos die Aufgaben bewertete. Ich mochte DeGe und hatte damit wenig Schwierigkeiten. Doch einmal bekamen wir die Aufgabe, eine Kugel zu zeichnen, die durch drei gegebene Punkte gehen würde und eine bestimmte Tangente berühren müßte. Keiner von uns konnte die Aufgabe innerhalb einer Woche lösen. Zu unserer Überraschung schien das den Professor nicht zu rühren, er verlängerte die Frist um eine Woche.
Da ich in einem Wiener Bezirk aufwuchs, der durch seine Heurigen bekannt ist, war es unter uns Schülern üblich, abends auch mal eine Streiftour durch die Heurigen zu machen, immer in der Hoffnung, von einer erotisch interessierten Dame aufgelesen und verführt zu werden.
Eines Nachts nach einer Heurigentour, bei der ich vielleicht ein Viertel Wein getrunken hatte, wachte ich umvier Uhr früh aufgrund eines Traumes auf. Ich hatte im Traum die Lösung gefunden und mich selbst aus dem Traum katapultiert, damit ich sie aufschreiben könne. Mit geschlossenen Augen wiederholte ich im Bewussten den Lösungsweg. Danach wagte ich die Augen aufzuschlagen, machte das Licht an und schrieb ein Wort auf: Sekantensatz.
Die Lösung war richtig, die Kugel konnte unter der Zuhilfenahme des Sekantensatzes konstruiert werden. Was mich damals aber am meisten begeisterte, war der Umstand, dass der Sekantensatz in der zweiten oder dritten Klasse gelehrt worden war und ich ihn seither nicht gebraucht hatte. Für mich schien das der Beweis, dass nichts, was man gelernt hätte je in Vergessenheit geraten würde, egal wie tief es verschüttet läge.
Ich versuche mir das in Erinnerung zu bringen, wenn ich auf totales Unvermögen bei anderen Leuten stosse, mich verstehen zu können. Ich bilde mir ein, alles erklären zu können, was ich selbst verstehe. Doch beschränke ich mich dabei auf ein bestimmtes Niveau der Einfachheit, welches es erlaubt, die komplizierten Dinge als gegeben anzunehmen. Alles was schwierig ist, wird mit dem Hinweis auf den im Detail liegenden Teufel aus dem Erklärungsbereich geschoben.
Versuche ich hingegen etwas aus dem Detailbereich zu erklären, so setze ich voraus, dass die Grundlagen beim Zuhörer bekannt sein müssen. Man kann nicht jemand die Erddrehung erklären, wenn er die Erde für eine Scheibe hält. Daher bin ich zunehmend verärgert, wenn jemand von mir verlangt, ich solle einen komplexen Zusammenhang so einfach erklären, dass er ihn auch dann verstehen kann, er selbst selbst aber nicht bereit ist, irgendetwas zu seinem besseren Verständnis beizusteuern.
Nach einer solchen Präambel pflegt beim Zuhörer die Frage zu kommen: worauf will er denn jetzt hinaus. Alles gut und schön, aber was bringt mir das bei meinem Problem?
Das Problem habe ich ja bisher ganz außer Acht gelassen. Die einen nennen es Pisa-Studie. Die anderen beklagen den Umstand, dass in Österreich manche Hauptschulkinder bei Eintritt noch nicht ihren Namen und Adresse richtig schreiben können. Da geht es um Einheimische, nicht um Ausländerkinder. Eine andere Formulierung könnte so lauten, dass ein Ehepaar, beide verdienend, mit einem Kind bereits überfordert sind. Folgerung: das Kind wird vom Elternhaus in die Schule abgeschoben, Beispielwirkung zuhause fehlt. Weitere Folgerung: einige Kinder schaffen es nicht, aus der Volksschule den entsprechenden Lerninhalt herauszunehmen. In der Studie wird dann eine entsprechende Statistik über bildendes Unvermögen bescheinigt.
Es erscheint etwas unlogisch, wenn in unseren Breitengraden verkündet wird, dass nur intelligente Arbeit sich gegen die der Billiglohnländer werde durchsetzen können. Das Postulat von der Notwendigkeit der besten Ausbildung für gute Jobs steht im Widerspruch zu der immer augenscheinlichen Fähigkeit, Bildungsinhalte auch wirklich aufnehmen zu können. Heute ist es müßig, über die Notwendigkeit eines Lateinunterrichtes zu diskutieren. Wir sind bereits bei Deutsch angelangt. Muss sich ein Spezialist der Informatik noch auf Deutsch ausdrücken können? Muss er beschreiben können, was er macht? Ist es unanständig zu fragen, wodurch technische Entscheidungen beeinflusst werden?
Ich ziehe das Beispiel der Informatik sehr gerne heran, denn die hier unterstellte Technologie ist eine „Grosstechnologie“. Grosstechnologien gelten als gefährlich, Beispiel Gentechnologie, Atomnutzung. Mit einer vernünftigen Informatik läßt sich vermutlich größerer Nutzen schaffen, als es sich die Protagonisten oder auch die durchführenden handelnden Personen vorstellen können. Genausowenig können sich die meisten derselben aber auch vorstellen, wie viel Schaden sie mit Ignoranz und mangender Kommunikationsmöglichkeit anstellen können.
Eine falsch genützte Informatik kann die Auswirkungen des Kapitalismus bis zu seiner Selbstzerstörung verändern. Die Kenntnis von der Verwendung von Tabellenkalkulationen ersetzt nicht das notwendige Gefühl, welches man den Bedeutungen von Zahlen anberaumen sollte.

Test

„Jetzt sagen Sie einmal, wer macht denn sowas?“

Wer kann diesen Textausschnitt zuordnen?
Tipp:
5 Buchstaben reichen

Kontra

Tut mir leid. Ich kann nicht anders. Zufällig schaue ich nach längerer Zeit wieder einmal bei MM vorbei und lese eine Litanei übers alt werden.

Gut, ich bin ein alter, fetter Sack, der sich mit seinen 59 Jahren doch nicht mehr mit Frauen ihres Alters abgeben sollte. Das stand ja schon früher in ihrem Blog.
Aber ich räche mich auf meine Weise: ich ändere mein Logo und zeige mein altes Gesicht. Und das Foto ist nicht einmal einen Monat alt.
Sic! (lateinisch – nicht englisch)

(Und ich kenne sehr attraktive Frauen in meinem Alter. Aber von denen hat keine mit 35 gejammert.)

deutsche Sprache

Modell habe ich ja schon einmal hinterfragt.
Ein paar neue Worte zur Übung:
Effizienz
Kontingenz
Konsistenz
Ich hätte gerne Antworten in der Form:
a) Eine (X) ist ein(e) Y, der (die, das) …
b) Eine (X) ist ein(e) Z Y. (Z … Eigenschaftswort, Z … Hauptwort)
Ich habe in der Schule noch gelernt, dass man Definitionen so auf baut. Anscheinend ist das heute nicht mehr der Fall.
Auf die Frage: was ist X? kommt eine Antwort:
„Äh, …. nun, … wenn man nuschel nuschel … oder?“
Ist das wirklich intellektuell angemessen für Menschen, die mehr als der sprichwörtliche Hilfsarbeiter verdienen oder von denen gesagt wird: „Du, du kennst dich doch mit Computern aus!“

Nationalsozialismus

„Sie bedauert auch, dass es bei solchen Abschiebungen immer wieder zu menschlichen Härtefällen komme, doch müsse sie eben die Gesetze exekutieren.“
Bei Sokrates wurde diese Haltung unserer Innenministerin bereits angesprochen und ich habe dort auch kommentiert.

Die unmittelbare Übersetzung lautet: „Ich tue nur meine Pflicht“. Worin besteht jetzt der Unterschied zu „Ich habe nur meine Pflicht getan.“ ?
Die Frage stellte sich schon einmal bei der Betrachtung der Handlungen, die hinsichtlich der Grenzverletzungsreaktionen in der DDR begangen wurden. Auch hier heißt es: die DDR war ein Rechtsstaat und das Erschießen von Republikflüchtlingen wurde im Auftrag der Rechtsstaatlichkeit ausgeübt.
Auch die Ausweisung nach sechs Jahren ist rechtsstaatlich gesichert. Menschlich wohl nicht.
All die Beamten, die Soldaten, ja auch die SA und die SS haben nur die Befehle befolgt, die im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit des nationalsozialistischen Regimes „richtig“ waren.

Ja, jetzt gibt es zwei mögliche Fortführungen. Entweder kommt es einmal zu einer Revolution, was ich nicht glaube. Denn dazu geht es uns insgesamt zu gut. Dann wird den Betroffenen der Prozess gemacht. Kaum werden die Revolutionäre ein besseres oder humaneres Regime pflegen. Allenfalls werden die Opfer andere sein.
Oder erst die Geschichte wird die Geschehnisse dort einordnen, wo sie hingehören. „Hitler war schlimm, doch viel später noch wurden seine Gedanken in gleicher Form weitergetragen. Der Antisemitismus hat sich in eine vermeintlich mildere Form der Xenophobie verwandelt. Menschlichkeit war von 1933 bis 2010 keine Kategorie, die in einem Land wie Österreich etwas zu bedeuten hatte. Um diese Umstände nicht so sichtbar werden zu lassen, wurden mit Aktionen wie Licht-ins-Dunkel und Nachbar-in-Not das Geltungsbedürfnis der Noblesse als Opium fürs Volk verwendet.“
Dass die Verzügerung der Budget-Debatte das Rechtsstaatlichkeitsprinzip an einer viel empfindlicheren Stelle, nämlich bei der Verfassung, beleidigt, das sitzen die Betroffenen aus. Wir sind das Volk, dass es sich gefallen lässt.

Wann ich mich geniere

Das ist dann der Fall, wenn ich die Neunte Mahler nicht nach wenigen Takten erkenne. Ja Mahler schon, aber welche?
(auf Ö1 gerade zu hören)

Und dafür geniere ich mich nicht!

Aufgrund eines Kommentars auf einen Artikel im Standard bat ich um Quellenangabe, war aber zu unduldig, auf eine Antwort zu arbeiten.
Und oh Wunder, auf eine Suchanfrage, die sogar noch im Eingabespeicher des Suchtextfeldes war, fand ich plötzlich einen umfassenden Eintrag über das gesuchte Thema.
Es geht um den Computer, (Guidance System) der für die Landung der Mondkapsel verantwortlich war.
3,8 Kiloworte Speicher und eine CPU, die mit ungefähr 44 Kilohertz lief. Nur zum Vergleich: ein Commodore VC20, den die jüngeren Leser vielleicht noch kennen, war bereits 20x schneller.

Jetzt gibt es auch von der Nasa die Schaltpläne zu diesem Computer.
http://klabs.org/history/ech/agc_schematics/index.htm#DUAL_NOR_GATE
Wenn es heißt: „4-Bit-Module“ dann erkenne ich, dass es sich um einen 4-Bit Full-Adder handelt. Den gab es 5 Jahre später als TTL 7483 von Texas Instruments zu kaufen.
Aus Zuverlässigkeitsgründen wurde der gesamte Rechner nur aus einer Art von Bausteinen aufgebaut. (Triple NOR-Gate) Das geht zu sehr ins Detail für Nichttechniker.
Es gibt auch ein sehr interessantes Interview mit Allan Klumpp, ( http://www.netjeff.com/humor/item.cgi?file=ApolloComputer )
in dem beschrieben wird, wie das Programm LUMINARY tatsächlich einen Programmfehler hatte, der die Kapsel zum Absturz hätte bringen können. Das ist für mich, der sich ja von Berufs wegen mit Software-Fehlern beschäftigt, wunderbares Quellmaterial.
Wofür ich mich allerdings nicht geniere, ist der Umstand, dass ich die Schaltpläne heute noch lesen und verstehen kann. Nicht nur das: meine Diplomarbeit, die vier Jahre nach der Mondlandung entstanden ist, war komplizierter als die Schaltungen im Mondcomputer. Und man konnte damit mit einem Elektronenstrahl frei programmierbare Zeichen in Mikrometergröße in ein Metallstück gravieren.
Mit der Computerleistung, die wir heute zur Verfügung haben, sollten sich eigentlich Asylantenprobleme und Vorbeugung gegenüber Naturkatastrophen lösen lassen. Statt dessen produzieren wir Computerspiele, deren wichtigstes Ziel es ist, den anderen abzuschießen.
Wir Menschen sind ganz schön blöd!

Rekordtief

bei den Schwarzen.
JA, DAS GÖNNE ICH DER SCHOTTERMITZI!

Wechsel

Normalerweise wechselt man ja seine Internet-Connection nur dann, wenn man übersiedelt.
Vor einigen Jahren habe ich mich auf einer Ausstellung dazu hinreißen lassen, zu Inode zu wechseln. Inode, „das waren die guten.“
Einen Tag, nachdem Inode installiert war, wurde es von UPC gekauft. Prinzipiell war ich mit dem Service zufrieden.
Jetzt hat aon einen neuen Tarif, wesentlich billiger als meinen alten angeboten. Mit Fernsehen.
Heute wurde die Anlage installiert. Der Techniker wollte mir erklären, dass ich zum Fernseher ein entsprechendes LAN-Kabel verlegen müsste.
„LAN-Kabel ist verlegt, aber ich verwende keinen Fernseher.“ Er war leicht überrascht und auch erleichtert. Anscheinend fragen ihn die Kunden Löcher in den Bauch.
Kein Problem hier. Das Anschließen schaffe ich auch selbst, sollte ich mich dazu entschließen.
Trotzdem zahlt sich der Tarif aus und ich genieße die Freiheit, vielleicht doch einmal fernsehen zu können.
Der Umstieg auf meinen häuslichen Rechnern gestaltete sich problemlos.
Jetzt storniere ich UPC. Auch wenn ich damit etwas Geld verschwendet habe, abmelden wollte ich erst, als ich sicher war, dass der neue Anschluss funktioniert. Eine gewisse Abhängigheit vom Internet lässt sich nicht leugnen.
P.S. In den letzten Monaten war die UPC-Verbindung nicht mehr so toll. Das Re-Syncen hat nicht richtig geklappt. Wenn ich einen Tag nicht im Internet war und die Rechner runter gefahren waren, musste ich in der Regel Splitter, Modem und LAN-Router neu booten. Ich habe mir nicht mehr die Mühe gemacht, heraus zu finden, was schuld war.
UPC hat halt einen Kunden verloren.

Die liebe Famile

Ihre Fotos kommen höchstens ins Facebook (sichtbar für Freunde), doch zwei Bilder finden den Weg hierher. Der gedeckte Tisch, der jetzt schon ganz natürlich aus zwei Tischen zusammen gesetzt ist, weil es sich sonst nicht ausgeht.
Und mich nach dem Kochen, leicht erschöpft, obwohl in Wirklichkeit nicht so viel zu tun war. Das Bild hat mein Sohn aufgenommen.
Noch schöner war es dann nach dem Essen, als im Wohnzimmer Geschenke ausgeteilt wurden und die Kinder zu spielen begonnen haben. Damit meine ich die Enkelkinder. Meine Tochter hat auch gespielt. Mit mir vierhändig den Tanz der Gestirne aus Beethovens siebenter Symphonie.
Ein schöner Tag.




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