Archiv für Januar, 1970
… wie die Zeit vergeht. Ich gehöre ja auch schon zu denen, deren erstmalige Blogtätigkeit mehr als zehn Jahre zurück liegt. Um die ersten Einträge zu lesen, müsste ich erst einen ziemlich alten Computer in Betrieb nehmen.
Ich weiß, dass ich damals anders geschrieben habe. Mit romantischer Grundeinstellung, manchmal ironisch. Auch haben mich die Blogeinträge anderer SchreiberInnen ganz anders berührt.
In den zehn Jahren hat sich bei mir sehr vieles verändert.
Mein Leben ist erfolgreich geworden – was die Darstellung nach außen angeht. Damals war ich noch durch Bankrückzahlungen geknechtet, von libidinösen Begehrlichkeiten in meiner Freiheit eingeschränkt und beruflich frustriert, weil meine Ideen nicht entsprechend umgesetzt wurden.
Alles hat sich verändert. Die Ideen wurden letztlich, auch nach meinem Weggang, noch durchgesetzt. Ich kann stolz sein, dass 2009 das zum Laufen kam, was andere Firmen heute noch nicht können.
Die Begehrlichkeiten haben sich nach meiner Operation reduziert, wobei es nicht um das körperliche Begehren geht. Ich habe nachgedacht und festgestellt, wie froh ich sein kann, wie sich meine diesbezügliche Situation heute darstellt. (Und gestorben bin ich ja auch nicht.) Die finanzielle Freiheit kann ich noch gar nicht so genießen, weil ich mittlerweile keine teuren Wünsche mehr habe.
Ich habe allerdings meine gedankliche Unschuld verloren. Ich merke das beim Lesen. Obwohl ich froh sein müsste, wie gut einige formulieren können, lese ich viel zu viel zwischen den Zeilen. Ich kategorisiere und da fällt vieles, was als originell einzustufen gewünscht wird, in die Sammelbecken der typischen Beiträge. Einge der „großen“ Blogger und Bloggerinnen gehen mir ab. Sie spendeten Anregungen, die mir das Verteidigen der Bloggerei leicht machten. Einige Blogkollegen sind originell, doch auch bei ihnen kann ich den Verlauf der zehn Jahre feststellen. Das Binnen-I habe ich hier ganz bewusst weggelassen. Die von mir geschätzten Bloggerinnen schreiben nur mehr in Monatsabständen wenn überhaupt.
Ich bin unduldsam geworden. Kritisch, zynisch und sarkastisch. Dass man mich als unterkühlt angesehen hat, muss ich als freundliches Kompliment werten.
Und doch gibt es Ziele und Ideen, die hinter der Zeit meines aktiven Arbeitslebens angesiedelt sind. Und sie greifen bereits jetzt in meine Gedankenwelt hinein.
Ich werde nicht mehr in Leipzig unterrichten. Ich werde es vermutlich noch in Serbien tun und möglicherweise genauso frustriert sein, wenn ich feststelle, dass junge Studenten kein Bewusstsein mehr für Sprache und Semantik haben.
Das Frau-Mann-Verhältnis ist, wenn ich von meiner eigenen Frau absehe, getrübt. Ich beobachte wohlwollend Langzeitbeziehungen, ob mit Problemen oder ohne Probleme. Die Kurzzeitschwierigkeiten zwischen Frau und Mann werden nur mehr unter das Kapitel Dummheit eingereiht.
Die wirklichen Probleme, bei denen die Frau zum Handkuss kommt, kann man bei Brigitte Schweiger nachlesen. „Wie kommt das Salz ins Meer“ Ihr Leben ist auch nicht mehr einfacher geworden danach, ihr bezieht sich auf die Autorin. Und wenn ich so die Essays in den Zeitungen lese, kann ich nur bei Anneliese Rohrer Vernunft erkennen. Hamann geht auch. Sonst stelle ich nur mehr Frustration und Wehklagen fest.
Es gibt Frauen, die bewundernswert sind. Eine davon habe ich nie persönlich kennen gelernt, obwohl das meine Studienkollegen taten. Die Tochter des Mechanik-Professors, Ingeborg Hochmair-Desoyer. Sie galt als gescheit und attraktiv, was man ihr heute einerseits noch mit ihren 61 Jahren ansehen kann und andererseits an ihrer Erfolgsstatistik ablesen kann. Vier Kinder mit einem Hochschulprofessor, geschäftsführende Gesellschafterin, die Frau, die Taube hören lässt.
Der Gedanke an solche Personen lässt mich beruhigt zurücklehnen. Das Leben geht weiter.
Und ich muss nichts mehr beweisen.
[Nur für LeserInnen, die an Computerproblemen interessiert sind.]
Vor 15 Jahren bin ich in ein Computerthema hineingerutscht, dass nicht besonders attraktiv ausgesehen hat: Software Test. Ich habe allerdings erkannt, dass hier ein noch ein Gebiet vorhanden war, von dem weite Teile (die praktischen) unerforscht waren.
Ich habe mich damit beschäftigt und es hat meiner Karriere nicht geschadet.
Heute sehe ich mich kurz einmal im Internet um. Es geht um ein anderes Thema: um Anforderungen. Nächsten Dienstag gebe ich eine kurze Präsentation in Schweden und habe vor, etwas provokant zu agieren. Um hier aber auf Nummer sicher zu gehen, schaue ich erst einmal im Internet nach, was es auf dem Thema „Kurse, um Anforderungen schreiben zu können“ überhaupt gibt.
Also auf den ersten Blick finde ich nichts. (Ich weiß, dass IBM solche Kurse angeboten hat.)
Naja, wenn das so ist, brauchen wir uns über manche Schwächen der Software nicht zu wundern. Beispiele für schlechte Anforderungen habe ich in genügendem Ausmaß.
Jetzt muss ich nur mehr an meinem Text feilen, dass er ausreichend überzeugend wirkt. Vielleicht wiederholt sich ja die Geschichte.
Wer den vorletzten Beitrag gelesen hat, weiß, dass die Semantik ein für mich erkanntes Problem ist. Wie soll jemand einen Wunsch formulieren, wenn er noch nicht einmal die notwendigen Haupt- und Zeitwörter in der Bedeutung kennt, von der Wichtigkeit der Inhalte einmal ganz abgesehen.
Ich war jetzt in Italien auf Urlaub. Wunderschöne Gegend. Mein Hotel absolut zauberhaft, wenn man davon absieht, dass es zum gegenzeitigen Zeitpunkt nicht so günstig war. Ich hatte mir das linke Knie vorher verstaucht und daher waren die 200 Stufen, die man zum Hotel hinauf musste (oder 80 hinunter) nicht ganz so angenehm.
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Aber es gab zwei, nein drei Dinge, die mich nervlich fertig machten. Nicht wirklich ganz fertig, der Urlaub wirkte und ich kam auch mit diesen Dingen gelassen zurecht. Nur packte mich teilweise eine wahnsinnige Wut.
Ich fange zuerst mit einem Hotel in Mailand, besser gesagt in Malpensa, direkt beim Flughafen an. Super Hotel, vielleicht sogar fünf Sterne, mit allem technischen Schnickschnack. Preise natürlich entsprechend. Ich wäre dort nicht abgestiegen, wenn es nicht ein Schnäppchen gegeben hätte.
Aber was passiert beim Auschecken? In diesem Hotel, wo ich im Restaurant ein iPad überreicht bekomme, um eine Meinung abzugeben, muss ich beim Auschecken 20 Minuten warten.
Nicht deswegen, weil der Rezeptionist unfähig war. Ganz im Gegenteil, der war professionell und hat mich in 2 Minuten abgefertigt. Nein, weil er nur einen Kollegen hatte, der sich mit einem Problemfall eben länger herumspielen musste. Allerdings gab es dann noch Träger und Sicherheitsleute. Aber für eine Rezeption eines Hotels mit über 1000 Betten wäre vielleicht am Vormittag eine etwas stärker besetzte Rezeption anzuraten.
Aber gespart wird beim Personal, das sowieso schon nahezu ausschließlich aus Gastarbeitern besteht. Das ist bei Hotelketten wohl so üblich, dass das Personal weltweit rochiert. Man könnte aber 1-2 Personen mehr mitrochieren lassen.
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Ding 2 und 3 betreffen die Eisenbahn. Darüber habe ich schon auf Facebook geschrieben. Fahrkarten kaufen ist ein Geduldsspiel und die Automaten sind dazu noch eine kleine sadistische Draufgabe. Es sind Titschi-Tatschi-Automaten mit ziemlich schlechter Empfindlichkeit des Touchscreens. Warum man allerdings nach Eingabe der Route, einen Zug eingeben soll, den man dann eh nicht erwischen oder besteigen kann, ist nicht ganz klar.
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Ding 3 erspare ich jetzt hier. Eigentlich ist es Ding 3 und Ding 4, die mir einen weiteren Urlaub in Italien, bei dem ich auf die Eisenbahn angewiesen bin, vermiesen.
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Deutschlands DB ist schon manchmal zum Kotzen, aber noch immer zuverlässiger als die italienischen Regionalzüge.
Und Österreich? –
Nun, auf die ÖBB lasse ich nichts kommen. Selbst wenn manchmal etwas schief geht, werde ich in Zukunft eine kleine Erinnerung an Italien hervorholen und befriedigt schmunzeln.
P.S. Was das Ganze mit Arbeitslosigkeit zu tun hat? Nun ja, es gäbe schon mehr Schalter am Bahnhof und das Hotel ist riesig und hat mehrere Arbeitsplätze an der Rezeption nebeneinander. Nur die Menschen fehlen. Die hat man wegrationalisiert.
Dieses Wochenende haben wir unser Strategiewochenende von der Firma aus. Normalerweise findet es ja bereits Anfangs des Jahres statt. Aber das Wetter scheint eh zu passen, bewölkt und regnerisch. Am Schönsten ist es eh im Hotel. Ein Kollege wird spazieren gehen, zwei bis drei werden laufen und ich hab sowieso noch etwa für die nächste Woche vorzubereiten.
Aber ich werde Farbe bekennen müssen. Es wird nicht mehr beim einfachen „wenn ich dann in Pension gehe“ bleiben. Es sollen Pflichten und Verantwortlichkeiten neu definiert werden.
Ich werde sagen müssen, dass es mir mit dem 1.1.2016 wirklich ernst ist. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell.
Ich hoffe ja, dass bis dahin Serbien ganz auf eigenen Füßen stehen kann. Eine Woche pro Monat kann ich dann schon dafür aufwenden.
Aber in Österreich oder sonstwo möchte ich nicht mehr in Projekten arbeiten.
Was ich gerne leiste, ist zur Verfügung stehen, wenn es um inhaltliche Fragen geht oder wenn ich eine Schulung mache oder die Firma bei einer Konferenz vertrete. Doch schon heute versuche ich die Auftritte auf die „junge“ Generation zu verlagern.
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Die eigentliche Frage ist ja, warum ich aufhören will. Das hätte ich ja von mir selber nie geglaubt.
Aber es ist einfach: mich kotzt der EDV-Betrieb fürchterlich an. Nicht die Sache an sich. Müsste ich etwas programmieren oder entwerfen hätte ich Spass daran. Doch was auf dem Gebiet abgeht, ist einfach widerlich.
(Ich habe mir gerade Tee aus der Küche geholt. Im Radio wird gerade erläutert, wie toll „big data“ doch für die Schule ist, was alles möglich ist. Big data und Scrum sind zur Zeit die größten Hypes, sie verekeln mir das Arbeitsumfeld.)
Ich komme mir vor, als hätte ich mein Leben lang in der Atomindustrie gearbeitet und komme drauf, dass ich unverantwortlich gehandelt habe. Ich möchte aussteigen.
Das Dumme ist bloß, dass ich recht gut darin bin.
Nun, wenn ich in Pension bin,werde ich vielleicht ja anders denken und es wird mir einiges abgehen. Ich werde als Konsulent noch weiter arbeiten. Sollte ich so um die Geringfügigkeitsgrenze herum verdienen, so bekomme ich in der Pension genauso viel wie jetzt als Aktiver.
Aber ich werde mich heute dazu bekennen müssen, ich werde Farbe zeigen müssen. Ich glaube, dass man mich schon verstehen wird. Aber ich habe auch eine Verantwortung für die Firma. So einfach kann ich mich nicht herausnehmen.
Mal sehen, was da in diesen drei Tagen heraus kommt. Daneben muss ich noch ca. 350 Seiten auf englisch übersetzen. (Das wird dann noch probegelesen und muss bis Ende August passieren.) Nur bin ich nächste Woche drei Tage in Schweden.
Es ist also alles recht gedrängt. Doch die vergangenen zwei Wochen Urlaub waren schon gut, um mir selbst klar zu werden.
Ansonsten bin ich halt einfach ein Altersteilzeitler. Ich wusste nicht, dass man da mehr als normal arbeitet:)
die nicht zur Verfügung stehen. Ca. 26, 31, 45, 50, 63. 3 verheiratet, einer seit einer Woche verlobt.
Sitzen drei Tage lang in einem Wellness-Hotel am Eingang der Wachau (Maria Taferl, Hotel Schachner) und tratschen. Tratschen so viel, dass keine Zeit für Frauen bleibt. Drei davon stehen zeitig in der Früh auf, um ein paar Kilometer zu laufen, zwei bis drei gehen am Abend vor dem Abendessen in die Sauna.
Das Essen ist hervorragend, momentan sind gerade Pilze in. Herrenpilze, Eierschwammerln finden sich in Verbindung mit den üblichen Gerichten. Zum Beispiel gibt es ein exquisites Eierschwammerl-Risotto. Bei den Weinen müssen wir nicht sparen. Wir bestellen, was uns gut dünkt. Zwischendurch einmal einen Malat-Sekt brut, um die Verlobung des Kollegen zu feiern.
Mit seinen 31 Jahren ist er jetzt auch Geschäftsführer unserer Firma.
Wir tratschen und tratschen nach Agenda. Wir diskutieren über das Thema Innovation, die nicht „verordnet“ werden kann. Jeder von uns fasst einen ganzen Aufgabenkatalog an Verantwortlichkeiten aus. Ich habe jetzt officiell „social media“ geerbt. (Vermutlich werde ich jetzt weniger hier als vielmehr in einer Firmenhomepage schreiben.)
Seit Freitag mittag gab es das Thema Frau nicht. Stimmt nicht. Ein Dokument eines neuen Mitarbeiters, welches sehr gut angekommen ist, hatte einen Fehler, es war nicht gegendert. So weit sind Frauen schon gedanklich dabei, weil wir da als Dienstleister politisch sehr korrekt agieren müssen.
Die Männer sind alle – mit meiner Ausnahme – recht attraktiv. Allerdings nicht erhältlich. Da waren schon andere Frauen rascher.
Und soweit ich das erkennen kann, wartet keiner von ihnen auf ein Abenteuer.
Das ist jetzt meine unsatirische Stellungnahme zu der satirischen Beschreibung von Männern, mit denen ich auch als Mann nicht befreundet sein möchte. Anscheinend haben allerdings manche Frauen eine Affinität zu einer bestimmten Art von Männern, über die sie sich anschließend lustig machen können. Ich sehe das weniger als satirisch denn als traurig an. Aber wie heißt es, über Geschmack lässt sich nicht streiten.
P.S. Ich gebe zu, dass ich mich über ein Kompliment wie das anschließende echt freue.
„I must say you were charming. I was interested in everything that you said. It-s clear that you are a wonderful, lively and stimulating teacher. After hearing you play the piano, C. [her daughter] told me that for the first time she had learned to appreciate classical music. She has always heard it at home, but I never knew how to explain any of it to her, or the history, or convey the passion we classical music fans feel when we hear it. You did precisely that. She told me after hearing you play that she wants to learn more now. That is precisely what a great teacher achieves: a longing in the student to know more. Thank you, Hans. It was not only a pleasure to hear ….and watch…..you play. It is also wonderful for me to know that now C. will appreciate classical music more.
You do play fantastically! C. and I were spellbound watching you. I somehow ended up in the best seat in the room. It wasn-t intentional. It just happened. And I felt very fortunate.“
Ich habe zufällig eine Klavierpartnerin gefunden. Noch kenne ich sie nicht persönlich, doch kommenden Freitag werden wir das erste Mal im Bösendorfer-Studio gemeinsam spielen.
Ungefähr mein Alter, würde ich schätzen, hat als Bibliothekarin bei IAEA gearbeitet, dürfte recht intelligent sein und hat im Profil auch Klavierbegleiterin.
Was aber noch mehr zählt, ist ihre Bereitschaft und vielleicht sogar Begeisterung, vom Blatt zu spielen. Das habe ich aus einem Kommentar in der Klavierspielgruppe herausgelesen und sie deswegen angeschrieben. Das könnte wirklich eine Menge Freude in der Zukunft bedeuten.
Ein Planstück fürs erste ist die Schubert-Fantasie.
sehr langsam gespielt, aber dafür schön
P.S. Die Klavierspielgruppe habe ich bei meetup gefunden. Momentan muss ich mich ja im social network etwas umsehen, beruflich halt.
Nachtrag: ich habe den Youtube-Link nur hineingestellt, damit sich LeserInnen das Werk vorstellen können. Ich habe es mir jetzt zum ersten Mal angehört. Mit dem Anfangstempo bin ich nicht ganz einverstanden, aber das heißt nicht, dass ich es schlecht finde. Es ist halt langsamer als ich es spielen will. Die „Sätze“ 2-4 stimmen im Tempo genau mit meinen Vorstellungen überein.
Interessant ist für mich an der Aufnahme eines: wann schauen die Pianisten auf den anderen. Es ist ziemlich eindeutig, dass an diesen Stellen die Gefahr besteht, dass man nicht synchron ist. Daraus kann ich lernen.
Im Übrigen habe ich dieses Stück, ohne es je wirklich zu üben, häufig mit anderen Pianisten zusammen musiziert, wobei es keine Rolle spielt, ob ich oben (bevorzugt) oder unten spiele. Unten hat für mich halt den Nachteil, dass ich keine Bassschlüssel lesen kann und immer dabei nachdenken muss. D.h. ich kann ihn schon lesen, aber meine Finger nicht. Aber das sind Feinheiten:)
Das Stück ist wirklich Schokolade. Die genießt man nicht im Zuschauen, wenn jemand anderer spielt, sondern nur wenn man selber isst (spielt).
Ich durfte jetzt einige Zeit nicht in die Sauna gehen. Und auch keinen Alkohol trinken, medikamentenbedingt.
Sauna lasse ich noch freiwillig aus.
Ein Glas Wein sollte mir nicht schaden.
Daher habe ich den alten Brauch wieder aufgenommen. Meine Frau konnte ich zwar nicht in die Sauna begleiten, dafür haben wir uns anschließend beim Heurigen verabredet.
So kommt das Leben wieder in die gewöhnten Gänge, auch wenn ich im Oktober nur maximal acht Tage in Wien sein werde.
Gestern war auf 3Sat ein Thementag, bei dem ich zwei Filme gesehen habe. „Jeder stirbt für sich allein“ nach Fallada und „Katz und Maus“ nach Günter Grass.
Die Filme sind nach dem Krieg entstanden. Jeder der diese Schwarzweiß-Filme sieht, der erste mit der Hildegard Knef, sollte sich überlegen können, was er heutzutage als gegeben und garantiert ansieht.
Ich habe nachher trotzdem gut geschlafen. Morgen fahre ich nach Ostrava. Nach zwei Tagen Workshop werde ich dort noch einen Tag verbringen und nach Troppau (Großeltern väterlicherseits) und Bilovec, Wagstadt (Großeltern mütterlicherseits) fahren.
Sie sind alle freiwillig schon vor dem ersten Weltkrieg nach Wien übersiedelt, ein Bruder des mütterlichseitigen Großvaters wurde als Sudetendeutscher vertrieben. Immerhin hat er überlebt. Aber ich habe selten die Gelegenheit, die Stätten so en passant aufzusuchen.
Ich höre immer wieder, dass man in der Gegenwart leben soll und an die Zukunft denken soll. Ich tue wohl beides, aber Gegenwart und Zukunft sind Resultat einer bewusst erlebten Vergangenheit. Die Reflexion ist wichtig.
Aber vermutlich sind das einfach die überalteten Anschauungen eines alten Mannes, dem das Knie noch immer weh tut. (Trotz Spritzen)
In den vergangenen zwei Tagen habe ich auf zwei verschiedenen Laptops gearbeitet und in den verschiedenen Wartezeiten auf dem Handy und dem iPad Dokumente angesehen.
Das Handy ist kein Problem, das hat einen so anderen Formfaktor, dass ich weiß, dass es anders zu bedienen ist. Doch jetzt im Zug, nachdem derjenige Verspätung hatte und ich am iPad arbeitete, habe ich beim Starten des Laptops lange gebraucht, bis ich überrissen habe, dass es nichts hilft, wenn ich am Bildschirm herum tappe.
Das wäre ja auch kein Problem. An die zunehmende Verkalkung werde ich mich gewöhnen müssen. Doch es überrascht mich, wie sehr ich mich an das Titschi-Tatschi innerhalb weniger Minuten gewöhnen kann.
P.S. Dabei tippe ich sowieso viel lieber. Denn damit bin ich weit schneller.
P.P.S Der Wagon der tschechischen ersten Klasse zeigt auch die Zuggeschwindigkeit an. Die 161 km/h sind durchaus beeindruckend auf der Strecke und wirbeln mich auch ganz schön herum:)
Nein, die war es nicht. Eher so etwas wie auf den Friedhof gehen, selbst wenn man weiß, dass sich die eigentliche Grabmale in Wien befinden.
Zweimal war ich zuvor in Ostrava gewesen. Das hieß einmal Mährisch-Ostrau und war eine der ersten Eisenbahnstationen, seit es Eisenbahnen gab. Zufällig habe ich dort einen Kunden, den ich workshop-mäßig betreuen muss. Ich hatte schon früher einmal geplant, mir einen Tag Urlaub zu nehmen, sollte ich noch einmal in die Gegend kommen. Denn – für mich überraschend – befinden sich die Heimstätten beider Großelternfamilien ganz in der Nähe. Opava, das ehemalige Troppau, war der Ausgangspunkt der väterlichen Eltern; Bilovec, das ehemalige Wagstadt, war die Heimstätte der mütterlichseitigen Ahnen. Da mein Urururgroßvater Bierbrauer in Prag gewesen war, dachte ich immer, dass zumindest eine Seite aus der eher bömischen Gegend kommt. Mitnichten. Ostrava-Opava sind circa 35 km voneinander entfernt, die Strecke Opava-Biloec beträgt nur 25 km. Und dann ist man in 30 km wieder zurück in Ostrava. Das Wetter war heute einigermaßen trocken mit ein wenig Sonne und so fuhr ich mit einem Taxi beide Städte ab. Die zugehörigen Bilder habe ich auf Facebook gestellt.
Die Frage, die sich mir selbst stellt, lautet: warum habe ich das überhaupt gemacht? Warum habe ich das Gefühl, etwas abgehakt zu haben. Die Städte an sich waren gar nicht so wichtig, doch auf der Fahrt dahin habe ich kleine Häuser und Kapellen gesehen- und eine Landschaft, sehr den Bilder ähnelt, die mein Großvater gemalt hat. Dabei erinnert mich die Strecke Opava-Bilovec sehr an das nördliche Weinviertel, schon Richtung Waldviertel. Ohne zu wissen, wo ich wäre, könnte ich die Gegend durchaus auch in Österreich ansiedeln.
Beide Großelternpaare sind schon vor dem ersten Weltkrieg nach Österreich übersiedelt. Der Maler und spätere Professor nach Wien, der Schlosser und spätere Automechaniker nach Steyr. Dort war er dann Werkmeister bei Steyr, bis er sich in Wien mit einer Autowerkstätte selbstständig gemacht hatte.
Kennengelernt haben sich die beiden Familien erst in Wien. Meine Tante machte meinen Vater mit meiner Mutter bekannt. Das Weitere hat sich dann gefügt.
Die Frau des Malers habe ich nicht in Erinnerung. Als sie starb, war ich drei Jahre alt und meine Familie hat damals in Linz gelebt. Sonst hatte ich vor dem Maler-Großvater große Achtung. Bei Tischgesprächen wurde über Brahms, Nietsche und Goethe gesprochen. Der andere war mir gewärtiger. Mein Vater beklagte sich, dass er immer die Kronenzeitung zu uns brachte, (als wir dann später schon in Wien wohnten) doch ich mochte ihn sehr. Er hörte schon schlecht, trank auch gerne ein Glas Wein. Zwei Dinge sind mir von ihm unauslöschlich in Erinnerung geblieben.
In der Nachkriegszeit hat er uns mit Lebensmitteln versorgt, die er auf Tagestouren in der Wiener näheren und weiteren Umgebung von den Bauern gehamstert hat. Später kaufte er auch sehr gerne auf dem Markt in der Brigittenau ein, wo er seine Firma hatte. Eines Tages kam er vom Einkaufen zurück. Er hätte ein Häuptel Salat mitbringen sollen. Aus dem Rucksack schaute aber ein Schweinskopf heraus. Meine Großmutter regte sich fürchterlich auf: „Was hast denn jetzt wieder gekauft, dich darf man doch nie allein lassen.“ Mein Großvater reagierte gelassen: „Schau Berta, er hat mich so lieb angeschaut.“
Die zweite Erinnerung ist eine technische. In der Wohnung meiner Großeltern gab es immer wieder Autouhren, die er aus den Autos zum Reparieren ausgebaut hatte. Als Kind dachte ich, dass das Wichtigste am Auto die eingebaute Uhr sein müsste. Und das war auch der Grund, warum diese rein mechanischen Uhren immer kaputt gehen mussten.
Der Bruder meines Großvaters ist erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges als Sudetendeutscher vertrieben worden. Er ging allerdings nach Deutschland und hat dann noch anscheinend einen netten Lebensabend mit einer neuen Frau verbracht.
Jetzt sind natürlich schon alle gestorben. Such it goes – ohne Gewalt. bei Vonnegut werden die Leute ja erschlagen. Aber die Zeitläufte lassen auch einiges dahinwelken.
So! Abgehakt!
