Archiv für Januar, 1970
Da gibt es eine Generation davor, die zur Zeit in Facebook beschrieben wird. Die ohne Handys oder MP3. Und diese Generation stellt vermutlich auch einen großen Teil der Facebook-Teilnehmer dar.
Ich habe meine eigene Version verfasst. Bei Facebook gehöre ich einer Minderheit an. Aber lesen Sie selbst:
Ich wurde in den 50er Jahren geboren, wuchs in den 60er Jahren auf. Wir sind die letzte Generation, die noch den Wert einer Banane kennt, die erste, die nicht den Hunger nach den Krieg kennen gelernt hat. Wir sind die Letzten, die noch Singles gekauft haben (45 rpm) und wir waren die ersten, die mit kleinen Transistorradios herumliefen, damit wir Musik auch am Strand hören konnten. Wir hatten in der Regel kein Fernsehen. In der Schule hörten wir voll Andacht denjenigen zu, deren Eltern eines hatten und die daher den letzten Maigret oder Wallace gesehen hatten. Telefon war nicht selbstverständlich. Dafür spielten wir im Park und in der noch unverbauten Wildnis mitten in der Stadt. Wir konnten uns nicht einmal vorstellen, dass es je etwas wie Handys, Flachbildschirme, iPods oder Facebook geben könnte. Die Utopie unserer Zukunft blieb in Perry Rhodan-Romanen versteckt. Doch unsere Kindheit war noch von Träumen getragen, was wir einmal werden würden. Wir hatten unsere Traumberufe, in denen wir auch Arbeit bekommen würden. Die Schule war noch etwas Besonderes und die Quelle aller Information, die nicht von den Eltern kam. Nur eine Information kam von den Gleichaltrigen. Denn wie ein Busen aussehen würde, konnte man allenfalls in National Geographic nachsehen.
Aber das Beste an unserer Jugend war, dass unser eigener Status nicht davon geprägt war, ob wir Markenschuhe oder das neueste Handy hatten. Coolness hatte noch eine andere Bedeutung, manchmal einfach die, wie gut einer Fußball spielen konnte.
Wir waren eine Generation, für die Ausländer willkommen waren. Wir konnten uns noch in das Schicksal der ungarischen Flüchtlinge 1956 hineindenken.
Und ich glaube, dass wir glücklicher waren, als es die heutige Generation ist.
Mittlerweile ist es so, dass der Link auf einen meiner letzten Kommentare mich zwar an die Adresse des Kommentar bringt, mich aber gleichzeitig ausloggt.
Ich wende mich gar nicht mehr an Hilfe, weil ich es für einen Softwarefehler halte.
Und ich werde normalerweise dafür bezahlt, dass ich welche finde.
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Mittlerweile ist es mir hier aber SCHEISSEGAL. Ich nehme es, wie es kommt.
EVERYTHING IS VERY, VERY STRANGE…
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In zehn Jahren werde ich einmal meinen Enkelkindern erzählen können: „Als ich noch gegen Kortschnoi Schach spielte…“
Er ist Seniorenweltmeister und hat mit seinen 81 Jahren noch eine Elo-Zahl von über 2500. Dreimal ist er Karpov in der Weltmeisterschaft unterlegen, wobei die Gerüchtebörse soweit ging, dass man um sein Leben fürchten hätte müssen, wäre er wirklich Weltmeister geworden.
Da er sich aus der Sowjetunion in die Schweiz abgesetzt hatte, galt er als echter Staatsfeind.
Es war eine interessante Erfahrung, an dem Spiel teil zu nehmen.
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Der Assistent, der auch die Prüfung über meine Vorlesung betreut, hat eine Reihe von Bildern geschossen, von denen ich dieses ausgewählt habe, weil mir die Symmetrie des Kopf-Haltens so gut gefallen hat. Zu dem Zeitpunkt hatte ich durchaus noch das Gefühl, auf ein Remis hinspielen zu können.
Später habe ich ihn dann „verschont“:)
Studie 1:
Studie belegt „Frauen sind dümmer als Männer“ (Quelle auf Ansuchen der Zeitschrift nicht genannt)
Studie 2:
Studie belegt „Männer sind dümmer als Frauen“ (Quelle auf Ansuchen der Zeitschrift nicht genannt)
Studie 3:
Studie belegt „Journalisten sind gescheiter als Männer und Frauen“
Wie sich herausstellt, stehen Journalisten aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit intellektuell weit über Männern und Frauen. Da sie aufgrund vorangegangener Studien nicht wissen, an wen sie sich anpassen müssen, suchen sie immer das niedrigst mögliche Niveau, um es dann mit entsprechenden Schlagzeilen noch unterbieten zu können. Der wirtschaftliche Erfolg gibt ihnen recht. Die entsprechenden Blätter werden mit großer Andacht gelesen. Es wurden Fälle beobachtet, in denen sich der interessierte Blick eines Lesers von Liesing bis zum Südtirolerplatz (ca. 15 Minuten) an einem sechs-Zeilen-Artikel festfraß. Was immer es war, die Aussage wurde verinnerlicht.
Man soll in die Zukunft schauen, nicht nur für die Gegenwart leben – das ist meine Devise. Manche meinen, dass ich viel zu viel in der Vergangenheit hänge. Doch die Vergangenheit birgt eben viel Schönes. Musik bietet die Möglichkeit, innerhalb von Sekundenbruchteilen das Glücksgefühl zurück zu holen, welches sich einmal früher beim Anhören bestimmter Musik eingestellt hat. Das Gefühl wird noch vertieft, wenn man die Musik nicht nur angehört sondern auch selbst gespielt hat. Ganz überraschend ist es, wenn man die Musik längst aus dem aktiven Gedächtnis entschwunden ist.
http://www.youtube.com/watch?v=yqufpr3Ik0c
(Ich hoffe, es wird auch für deutsche LeserInnen sichtbar werden.)
Mit meinen Freunden bei den Wiener Symphonikern habe ich das vor vielleicht zehn Jahren gespielt. Ist das nicht eine wunderbare, sehr lebensbejahende Musik?
Bei der Suche nach einem anderen Werk bin ich auf diese Einspielung gestoßen, die mich sehr berührt hat.
Arthur Rubinstein gehört für mich zur Klasse der absoluten Superpianisten, bei denen praktisch jede Einspielung von ihnen begeistert. (Dazu gehören auch Svatoslav Richter, Alfred Cortot, Martha Argerich, Andras Schiff, Grigorij Sokolov … Mehr als 10 werden es nicht sein, obwohl eigentlich auch Brendel dazu gehören sollte.)
Ich habe von Rubinstein hauptsächlich Chopin-Aufnahmen gehört, da gibt es einige LPs in meinem Fundus.
Der Mann war mir wegen mancher seiner Aussagen sehr sympathisch. „Wenn Du das Leben liebst, liebt es dich auch.“
Oder:
„Als junger Mensch war ich faul. Ich hatte Talent, aber es gab vieles in meinem Leben, was mir wichtiger war als Üben. Gutes Essen, gute Zigarren, große Weine, schöne Frauen … Als ich in den lateinischen Ländern spielte, in Spanien, Frankreich, Italien, liebte man mich wegen meines Temperaments. In Russland hatte ich auch keine Schwierigkeiten, aber in England und Amerika meinte das Publikum, für sein Geld alle Noten hören zu müssen; ich ließ jedoch damals viele unter den Tisch fallen, vielleicht dreißig Prozent, und man fühlte sich betrogen. Ich konnte nicht täglich acht bis zehn Stunden am Klavier sitzen. Ich lebte für jede Minute. Ich war tief beeindruckt von Leopold Godowsky. Fünfhundert Jahre würde ich brauchen, um solche Technik zu bekommen. Aber was hatte er davon? Er war ein unglücklicher, verkrampfter Mensch, der sich elend fühlte, wenn er nicht am Klavier saß. Hat er sein Leben nicht verpasst?“ [aus Wikipedia übernommen, stammt aber aus seiner Autobiographie]
Rubinstein hatte auch im ehemaligen (ersten) Bösendorfersaal gespielt und sich sehr lobend über Bösendorfer ausgesprochen. Es ist klar, dass er mir damit sympathisch wurde.
Viel wichtiger erscheint allerdings sein Klavierspiel. Ich möchte sagen, dass mein Vater vielleicht nicht so gut spielen konnte wie er, aber diese Etude genauso angelegt hatte. Diese spezielle Art der Interpretation hat sich bei mir eingeprägt. Mein Vater hatte keine Gelegenheit gehabt, Rubinstein zu hören. Die Schallplatten mit den Aufnahmen kamen erst später. Und doch stimmte die Interpretation derart überein.
Ich brauche wohl nicht extra zu betonen, dass ich diese Etude ebenfalls so spielen möchte. Ich habe sie schon früher einmal geübt und konnte sie leidlich spielen.
Da ich jetzt die Chopin-Etuden quasi als Meditation verwende und sie ganz, ganz langsam durchspiele, gerate ich auch an diese Etude.
Es ist unglaublich, man kann die Etuden so langsam wie man will spielen, sie sind genauso interessant und schön. D.h. das Üben allein macht schon enorme Freude und schenkt Befriedigung.
Was ich heute allerdings nach einer Stunde Üben festgestellt habe, ist die enorme Anstrengung, die man während des Spielens gar nicht merkt.
Obwohl es jetzt draußen ziemlich heiß ist, ist es in unserem Wohnzimmer angenehm kühl und wohl kaum wärmer als 21 Grad.
Trotzdem war ich beim Aufstehen schweißüberströmt. Das langsame Spielen erfordert höchste Konzentration und die scheint sich auszuwirken.
Prinzipiell glaube ich, dass zwischen Tai-Chi, Yoga oder dem Klavierspiel kaum ein Belastungsunterschied besteht. Das Spielen ist aber wohl eine der besten Meditationsquellen, die mir offen stehen.
Draußen ist es heiß, im Haus ausreichend kühl. Ich arbeite etwas am Computer, zwischendurch mache ich Pause und sehe, ob es einen alten Film im Fernsehen gibt.
Beim Zappen komme ich auf eine Reality-Show. Reality-Shows sind heutzutage so schlimm, dass ich Depressionen bekommen könnte. Wenn dann eine noch mit „die strengsten Eltern auf der Welt“ betitelt ist, habe ich keine Lust dabei zu verweilen.
Doch irgendetwas hat mich festgehalten. Der Stil der Show ist wie üblich durch einen Kommentator geprägt, dessen selbstüberzeugter Tonfall mich fortjagen könnte. Doch das Konzept ist interessant: schwer erziehbare Kinder kommen für zwei Wochen zu Pflegeeltern nach Kenia.
Wie es scheint, bewirken die Pflegeeltern (ein Mann mit Frau und Nebenfrau) ein wahres Wunder. So richtig streng erscheinen sie mir gar nicht. Dass die beiden Kuhdung aufsammeln müssen, ist zwar eine normale Tätigkeit, (Er wird als Baumaterial verwendet) erscheint aber für die Siebzehnjährigen als eine Zumutung. Dass man ihnen die Zigaretten weg nimmt, ist hart. Mit dem Essen klappt es auch nicht so ganz.
Was sehr eindrucksvoll und glaubwürdig dargestellt wird, ist das Verständnis von Selbstverständlichkeit, dass die Kinder von ihrem gewohnten Leben in Deutschland haben. Anfänglich ist ihnen nicht bewusst, in welchem Luxus (auch im Rahmen von Durchschnittsfamilien) sie in Deutschland aufwachsen. Sie können sich nicht vorstellen, warum die Massai glücklich sind. Aber sie erleben Zuwendung, Interesse und am Ende der vierzehn Tage kehren sie (doch) etwas geläutert zurück. Im TV scheint es sich auch um eine nachhaltige Entwicklung zu handeln.
Im Gegensatz zu fast allen anderen Reality-Shows sehe ich in dieser ein großes Stück Wahrheit verpackt: nicht-materielle Werte können durch eine Verlegung des eigenen Lebensbereichs sehr gut übermittelt werden. Wie gut es einem selbst eigentlich geht, kann man auch daran lernen, wenn man glückliche Menschen erlebt, die viel, viel weniger haben als man selbst und viel schwerer arbeiten müssen.
Ich nehme nicht an, dass es das Programm in Wirklichkeit gibt. Aber die Idee hat etwas für sich.
Beim abendlichen Surfen habe ich diese Einspielung von Svatoslav Richter entdeckt. Einfach wunderbar. Auch so kann man (Prokofiev) Walzer komponieren.
Wie man ja in unzähligen Biographien berühmter Leute nachlesen kann, scheinen sehr oft Musiker Eltern gehabt zu haben, die ihnen die Musik nahe brachten.
Ich bin oft gefragt von Eltern gefragt worden, was denn ein gutes Rezept wäre, damit ihre Kinder anständig Klavier spielen lernen könnten. Meine Antwort darauf lautet auch heute noch: am besten selber spielen. Doch wenn das nicht geht, viel Musik hören – und zwar die Musik, die das Kind spielen soll. Also entweder klassische oder guten Jazz, z.B. Oscar Peterson…
Ich habe ja schon früher berichtet, dass die Ausdauer, die mich über die schwierige Zeit der Pubertät hinweg Klavier üben ließ, durch das Spiel meines Vaters induziert wurde. Mir hat das einfach so gut gefallen, dass ich es selbst spielen können wollte.
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Der Mechanismus funktioniert noch heute. Ich habe nunmehr sehr viele Klavierstücke gehört. Manche sind so schwer, dass ich sie ganz bewusst nicht in Angriff nehme, andere sind leichter als sie sich anhören.
Ich habe auch sehr viele Noten, die ich noch nie gespielt habe. In Russland habe ich mir z.B. 4 Sammelbände Prokofiev gekauft, wobei leider die Sonaten nicht vorkommen. Gab es gerade nicht im Geschäft. Nun sind aber in einem der Sammelbände eine Reihe von Klavierstücken notiert, die ich teilweise sogar als Jugendlicher gespielt habe. Bei anderen schaut mir das Notenbild nicht so attraktiv aus.
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Das täuscht allerdings gewaltig. (Das beweist wiederum, dass meine Entscheidung, nicht eine musikalische Laufbahn einzuschlagen, die für mich richtige war. Ich hätte nie meinen eigenen Ansprüchen genügt.) In meinem vorigen Beitrag habe ich einen Walzer aus Cinderella eingestellt, der ja ganz entzückend ist.
Aus den Noten konnte ich das nicht so ohne weiteres heraus lesen, doch die Interpretation von Svatoslav Richter ist sicher geeignet, die Delikatesse ins richtige Licht oder Gehör zu setzen.
Heute habe ich in meinen Noten gekramt. Ja, das Stück war enthalten und ich habe mich gleich daran gemacht, es zu probieren. Die erste Hälfte kann man einfach herunterspielen, wenn man die Melodie und den Gesamteindruck im Ohr hat.
Es macht große Freude.
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Es scheint also ein gutes Rezept zu geben:
1) Anhören (ein guter Pianist sollte es schon sein.)
2) Noten besorgen (falls man sie nicht schon hat)
3) Probieren, ob die Technik nicht zu fordernd ist
4) Üben
5) Sich daran erfreuen.
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So kann das Leben Spass machen. Das Rezept lässt sich durchaus auch auf andere Agenden des Lebens übertragen.
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Bei Romeo und Julia habe ich allerdings kein Vorbild gebraucht. Da ist das Spielen so wie Marzipan essen…
Manchmal glaube ich, dass das zu spielen noch besser als Sex ist;)
twoday gibt den Geist auf.
Also vor wenigen Tagen wurde ein Kommentar nicht gespeichert. Kann ja mal vorkommen.
Doch heute habe ich bei wiederholten Versuchen bei „wiederworte“ nichts posten können. Das System verhält sich so, als wäre alles in Ordnung, doch ein Aufruf der Seite zeigt, dass der Kommentar nicht registriert wurde.
Diagnose: da wird etwas kaputt repariert. Ein oft beobachtbares Phänomen in der Computerwelt. Manchmal, nein fast immer, freut es mich, wenn Software abstürzt oder sogar eine Katastrophe herbei führt. Das ist eine berufliche Freude, weil es bedeutet, dass jemand vielleicht beim nächsten Mal doch unsere Firma oder wenigstens die Konkurrenz einzuschalten, bevor es zu spät ist.
Zur Zeit hat gerade eine schottische Bank (Ulster) echte Probleme gehabt.
Echt geil! Meine Wette läuft ja noch, … der Rest von der Zensur gestrichen.
Aber eigentlich wollte ich nicht gegen twoday wetten. Aber jetzt langsam glaube ich, die Administratoren schaffen es nicht. Wahrscheinlich werden sie auch einmal frustriert die Plattform verlassen.
Schade.
Doch die Frustration verhindert ein Übermaß an Mitleid.
(Jetzt stelle ich gerade fest, dass auch dieser Beitrag nicht ankommt. Irgendwann wird es funktioneren.)
