Eitelkeit

Ich bin eitel, aber in der Regel versuche ich mich, darüber lustig zu machen.
Gestern, beim Weihnachtspunsch, den unsere Firma für unsere Kunden veranstaltet, war ich aber doch leicht erstaunt, als ein Gast mich seinen Kollegen als „die Testlegende“ vorgestellt hat.
Ich muss gestehen, dass mich diese Bezeichnung sehr gefreut hat, in Österreich gibt es vermutlich noch zwei Personen, die vielleicht so bezeichnet werden sollten.
Ich selbst denke jetzt, dass ich ein bisschen schneller sterben sollte, damit der Anspruch auch gerechtfertigt ist:)

Wirksam, relevant, bedeutsam

Abstract:
Bei einem Verlust von einer Drittel Milliarde Euro muss man in einem Bundesland wie Salzburg erst prüfen, ob dieser Verlust budget-relevant ist.
Bis jetzt hatte ich von der Gabi Burgstaller (Salzburger Landeshauptfrau) eine recht gute Meinung. Ihre unten stehende Antwort lässt mich an ihr zweifeln.
ORF: Die ÖVP will die Koalition aufkündigen und am 16. Jänner einen Neuwahlantrag stellen. Was sagen Sie dazu?
Gabi Burgstaller: Ich bin mehr als erstaunt. Die ÖVP hat an einem Tag offenbar dreimal ihre Meinung geändert. Noch am Vormittag bei der Regierungssitzung haben wir gemeinsam beschlossen, dass bis 14. Jänner zu klären ist, ob diese finanziellen Machenschaften überhaupt eine Auswirkung auf das Budget haben. Die Einschätzung der Experten bei der Regierungssitzung war eher positiv – also keine Auswirkungen. Zweitens hat die ÖVP heute einen Antrag auf einen Untersuchungsausschuss eingebracht, den wir auch unterstützen, weil klarerweise ist so etwas zu untersuchen. Aber es gebe dann keine Untersuchung, sondern es gebe dann nur Wahlkampf, und das ist in der jetzigen Situation eigentlich eine Zumutung.
„ob diese finanziellen Machenschaften überhaupt eine Auswirkung auf das Budget haben“
Ja, wenn das erst zu klären ist, dann bitte ich doch um eine kleine Spende, sagen wir 100.000 Euro, auf mein Konto. Das wäre sicher nicht budget-relevant, wenn wir das bei 340.000.000 Euro erst prüfen müssen, die plötzlich nicht mehr da sind.
Ich kann nur den Kopf schütteln.
Um die Größenordnung noch ein bisschen im Beispiel zu verfeinern. Mit der Summe wären z.B. viele Diskussionen über Universitätszuschüsse, Studiengebühren, Audimax-Besetzungen etc. irrelevant.

Synästhesie

http://www.youtube.com/watch?v=0HzYgALMpHo
Bei Pjerunje habe ich diesen Link eingestellt. Wenn ich diese Musik höre (nicht nur diese Arie sondern auch einige wenige andere) habe ich sofort den Geruch von dem Lack in der Nase, mit dem Philips seine Widerstände geschützt und isoliert hat. Diese kleinen Zylinder, ungefähr ein Zentimeter Länge und eineinhalb Millimeter Durchmesser. Mit dem Geruch ist eine ganze Szene verbunden. Ich spiele im Wohnzimmer mit einem Elektronikbaukasten, bin ca. 15 Jahre alt, mein Vater studiert den Boris für seine Musikvorträge und hört sich einzelne Passagen immer wieder an. Ich lerne diese Musik lieben, sie nimmt mich ähnlich gefangen wie eine Wagner-Oper.

die drei Fragen

1) Woher kommen wir?
2) Was ist der Sinn des Lebens?
3) Wohin gehen wir?

beschäftigt die Philosophen und natürlich sind diese Fragen so bedeutsam, weil sie uns alle beschäftigen.
Ich habe 2008 in Nürnberg einen Vortrag gehalten, bei dem diese drei Fragen als Untertitel angeführt waren.
Mit einer kleinen Veränderung:
Frage 2 hatte ich in Was testen wir in der Zwischenzeit umgemünzt.
Da die Zuhörerschaft aus mehr oder weniger Fachkollegen bestand, war das die richtige Frage, um sie aufzuwecken.
Für die Allgemeinheit wäre die Frage 2 wohl besser so zu formulieren:
Was essen wir in der Zwischenzeit?
Diese Frage scheint die meisten Menschen viel mehr als der Sinn des Lebens zu interessieren.
Es ist daher durchaus begreifbar, dass ein Blog, welches sich dieser Frage widmet, großen Anklang findet.
Ich erinnere mich noch an die Klage meiner Mutter: „Was koche ich heute nur?“ Als ich eine Zeitlang Hausmann gespielt habe und zumindest für das Essen verantwortlich war, wurde mir erst bewusst, dass diese Frage wirklich von Bedeutung ist.
Es ist daher für mich kein Problem, wenn ein Kochblog in den Charts führt. Vor Jahren habe ich ein paar Mal für ein paar Stunden den Platz 1 eingenommen. Das würde ich jetzt schon deswegen nicht schaffen, weil ich die Kommentarfunktion ausgeschaltet habe.
Aber das Ranking ist mir gleichgültig. Ich lese nur mehr wenige Blogs von Leuten, die ich persönlich schätze und ein paar Blogs, um mich davon abzuhalten, noch weitere Blogs zu lesen. Ich habe da meine zwei Lieblingsblogs, die es mir leicht machen, twoday zu verlassen.

Falls es wer wissen möchte: normalerweise hätte ich heute nach der Sauna beim Heurigen gespeist. Gebackener Lungenbraten mit Bratkartoffeln und Preiselbeeren und eine kleine Entenleber-Paté zuvor. Da Frau Columbo aber zur Zeit in Germaniens Gauen weilt, macht mir der Heurigenbesuch allein keinen Spass.
Daher gibt es heute nur mehr eine Eierspeis‘. Die wird es aber in sich haben. Vielleicht sollte ich doch besser Tortilla dazu sagen:)

Take five

Von einem Freund mit dem Vermerk „zum Üben“ zugeschickt.
Kann leider nicht mehr in twoday eingebetttet werden, da „Einbetten im alten Modus“ im neuen youtube nicht mehr funktioniert. Anklicken lohnt sich.
Take five
Danke an nömix, der mir die Möglichkeit aufgezeigt hat, doch einzubetten:)

Naja, das wäre eine nette Version fürs Üben.
Da kann man die Noten kaufen. Schaut durchaus spielbar aus, bis auf ein kleines Detail. Die Begleitung in der linken Hand weist 14 Achteln auf. Linke und rechte Hand passen nur auf den ersten Taktschlag zusammen.
Das soll jemand anderer üben:)
Die Version selbst ist toll!
Kommentar: da niemand kommentieren darf, muss ich es selber tun. Wie die Einbettung zeigt, handelt es sich ja nicht um take five sondern um unsquare dance. Damit lassen sich die Achtel schon genau auszählen, aber selbstverständlich ist auch ein Siebenertakt sehr schwer zu spielen. Siehe Prokofiev.

Pornografie einmal anders

Einem Freundeskreis habe ich hinsichtlich des referenzierten Artikels eine Antwort geschrieben.
Der Artikel:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/geoforschung-die-mathematik-des-bergtals-a-870723.html
Mein Kommentar:
Dieser Artikel zeigt, wie sinnlos wissenschaftliche Artikel in Blättern a la Spiegel oder ähnlichen sind. Journalisten, die nur die Hälfte verstehen, versuchen ihr Verständnis populärwissenschaftlich auf eine noch griffigere Vereinfachung zu reduzieren, bis zum Schluss eine Trivial-Aussage herauskommt. Dabei wird die Implikation, dass die Möglichkeit, die Resultate des Wassers durch ein Modell zu beschreiben, für uns nutzvoll ist, unterschwellig suggeriert.
Man kann die Peclet-Zahl vielleicht als eine Diskrimante heranziehen, ein entsprechendes System ist aber von weiteren Faktoren so stark abhängig, dass es übertrieben wäre, sie als Kennzahl zu bezeichnen.
Für mich sind solche Artikel wissenschaftliche Pornografie: das Leben wird auf ein Detail begrenzt, welches dabei noch entsprechend entstellt dargestelt wird.
momentan im Räsoniermodus

Billiger als jeder Psychotherapeut

Aus einem Blog:
…Wer sich den lieben langen Tag – trotz Arbeitsverhältnis – in Blogs herumtreibt ist wohl nicht mit besonders anspruchsvoller Arbeit betraut.
Kein Wunder also, wenn die Qualität dessen was solche Leute so von sich geben ‚unterirdisch‘ ist. Wahrscheinlich können sie auch nicht vernünftig Auto fahren ….

Das gefällt mir. Der erste Absatz vergisst wohl ein bisschen das Phänomen, dass man zwischen anspruchsvoller Arbeit auch einmal etwas Entspannung braucht. – Allerdings wäre es vermutlich der Augenschonung dienstlicher, auf den Balkon eine rauchen zu gehen. Leider rauche ich nicht, außer bei ganz besonderen Gelegenheiten.
Der zweite Absatz hingegen kommt zu spät. Ich habe das Autofahren schon vor fünf Jahren aufgegeben und fühle mich pudelwohl dabei. Also stimmt es wohl, dass ich nicht mehr vernünftig Auto fahren kann.
Dafür geht das Klavierspiel, was vielleicht sogar ein bisschen anspruchsvoller als Autofahren ist, immer besser.

Gleichberechtigung

Soll mir keiner mehr etwas über ungleiche Verdienstchancen der Frauen erzählen. Angeblich werden einem Zimmermädchen sechs Millionen Dollar für einen Blowjob bezahlt.
Wenn der in Amerika so teuer ist, ist es klar, dass man bei Frauen, die nicht blasen wollen, bei den Löhnen einspart. Da es allerdings bei Einstellungsgesprächen nicht erlaubt ist, derartige Fragen anzusprechen, wird prophylaktisch vorgegangen und einmal gleich mindestens 25% weniger als bei Männern angeboten.

Dass der Sex einvernehmlich statt fand, kann mittlerweile als erwiesen angenommen werden.

Ich würde mir wünschen, dass einmal die Frauen zu dem Fall Stellung nehmen.
Offiziell! – nicht hier.

Jugendarbeitslosigkeit, ja wieso denn?

Heute sendete mir ein lieber Kollege eine e-mail mit folgendem Inhalt:
„Die Haltbarkeitsdauer eines Software-Entwicklers ist nicht länger als die eines Kricketspielers – ungefähr 15 Jahre. Die 20-jährigen Typen bringen mir für den Unternehmenserfolg mehr als die 35-Jährigen. (…) Bei dem Tempo, in dem die Technologie sich verändert, wird man mit 35 sehr schnell überflüssig, wenn man nicht dazulernt. Für 40-Jährige ist es sehr schwierig, relevant zu sein.“
Velloparampil Rasheed Ferose, SAP-Manager in Indien
aus einem Spiegel-Artikel….
Darauf hatte ich folgende Antwort:
So etwas Ähnliches behauptet man ja von Mathematikern, die mit 25 ihren Zenit erreichen. Die haben allerdings den Anstand, sich mit 35 entweder umzubringen oder sich ins Irrenhaus einweisen zu lassen. Auch bei Schachspielern galt das Gleiche lange als Paradigma, Lasker und Botwinnik sind da wirklich die Ausnahmen.
(Wobei es da um absolute Leistungsgrenzen geht.)
Der Passus „wenn man nichts dazulernt“ ist ja ein Gummi-Nebensatz. Er zeigt höchstens auf, dass gar nicht erst erwartet wird, dass man in dem Alter noch etwas dazu lernen kann.
Es ist ein gewisser Trost, dass solche Aussagen auch schon früher getroffen wurden, wonach man sich freuen konnte, wenn sie durch Ausnahmen wiederlegt wurden.
Wenn wir aber alle über 35 euthanasieren, könnten wir das Pensionsproblem rucki-zucki lösen.
Ich hoffe ja, dass sich diese Meinung, die sicher nicht nur die eines einzelnen ist, an genau denen rächen wird, die sie äußern.

Internationale Tage

Gestern war der „Internationale Tag der Gewalt gegen Frauen“. Man hätte ihn auch „Internationaler Tag gegen die Gewalt gegen Frauen“ nennen können. Das liest sich etwas holprig. Tatsache ist, dass die Bezeichnung ganz umgekehrt verstanden werden kann.
Am internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen sollte man die Frauen prügeln, wenn man ein Mann ist.

Für mich stellt dies den Höhepunkt an Tagen dar. Ich verachte die sogenannten Tage und ich frage mich immer, welche Menschen so etwas erfinden.
Mit Muttertag konnte ich mich ja noch abfinden. Auch mit dem Frauentag. Das waren noch Gedenktage, die ihre leicht nachvollziehbare Begründung hatten. Auch Allerheiligen gilt als Gedenktat der Toten, wobei man ja auch die Sterbedaten der jeweils Betrauerten heranziehen kann.
Der Vatertag war einer der ersten, die in erster Linie hauptsächlich wegen des Konsums hervorgehoben wurden.
Ich weiß nicht, ob heute der Tag des Sessels ist. Vielleicht gibt es gar keinen Tag des Sessels, obwohl sich die Sessel wohl einen verdient hätten. Schließlich sehen sie jahrein, jahraus nur unsere Ärsche.
Ich könnte mir auch einen Tag der ungedachten Gedanken vorstellen. Vielleicht gäbe es Lösungen für die Probleme unserer Welt, die halt einfach noch nicht die Chance hatten, gedacht zu werden.
Ich könnte mir allerdings auch einen Tag von twoday vorstellen. An diesem Gedenktag darf twoday den ganzen Tag ausfallen, ohne dass jemand motzen darf.
Aber wohlgemerkt: nur an diesem einen Tag. An allen anderen sollte es funktionieren.

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