Archive for the ‘Schule’ Category

Die Roten und die Schwarzen

können nichts dafür, wenn sie mit der Bildungsreform nichts weiterbringen. Vor fast 100 Jahren ist der nachfolgende Textausschnitt geschrieben worden, der gerade heute in Zeiten des Internet noch viel schöner umgesetzt werden könnte.

Was wir wollen.
Wir haben erkannt, daß die Schule in geringem Zusammenhange mit dem Leben steht. Es ist eine erwiesene Sache, daß wir außer den Grundgesetzen der Muttersprache und außer Schreiben und Rechnen fast alle Dinge erst draußen im Lebenskampfe erwerben müssen. Das wäre an und für sich kein Unglück, wenn wir beim Austritte aus der Schule noch dasselbe Maß von Spontaneität besäßen, das uns beim Eintritte zu eigen war. Gerade diese Eigenschaft ist aber durch die Art der pädagogischen Beeinflussung während der Lernzeit zurückgegangen. Die Schule hat sie nicht ausgebildet, sondern unterdrückt. Sie hat sich daran gewöhnt, die andere Eigentümlichkeit der Jugend, die Rezeptivität zum Ausgangspunkt der erzieherischen Maßnahmen zu machen und in der Vermittlung von Wissen ihre fast ausschließliche Aufgabe zu sehen.
Heute verlangen wir von der Schule auch die Nutzbarmachung der hervorragendsten Kraft der Jugend, des Betätigungstriebes. Das normale Ind findet Glück und Zufriedenheit in der Selbstbestätigung. Sie entwickelt sich ohne komplizierte Einflußnahme vom Spiel zur Arbeit, schafft Erlebnisse und macht dieselben zum unverlierbaren Eigentum. Sie bringt jene freudige Erregtheit in die Kindesseele, durch welche ein Unterricht erst zur Erziehungsarbeit wird. Es ist selbstverständlich, daß mit dem Gesagten nicht der Traditionslosigkeit das Wort geredet und etwa die Abschaffung der aneignenden Lernarbeit kurzweg gefordert werden soll. Es handelt sich um die Wiedereinführung des anderen Bildungsmittel – der Erwerbung der Begriffe durch produktive Arbeit – zur Ergänzung der einseitigen Intellektbildung.
Die Forderung nach Berücksichtigung des Selbsttätigkeitstriebes der Jugend führt zur Idee der Arbeitsschule. In ihr soll die Spontaneität den gebührenden Vorrang vor der Rezeptivität wieder erhalten. Willensbildung und Kräftemehrung des Schülers sind die Hauptziele ihrer Absichten. Die Begriffe und Erkenntnisse sollen vorzugsweise durch die Anschauung, den Versuch und durch eigene Arbeit erworben werden.


Diese Zeilen und andere finden sich in
KUNST UND SCHULE
Zeitschrift der Vereinigung „Kunst und Schule“ … Schriftleitung: Maler Alexander Hartmann
1 Jahrgang Mai 1914 Heft Nr. 1
Der sogenannte Maler Alexander Hartmann hat bereits mit 16 Jahren die Familie seiner Eltern mit insgesamt 4 Geschwistern wirtschaftlich durch seine Malerei am Leben gehalten. Nicht nachprüfbar ist die Aussage, dass er 1914 und 1939 geweils „Millionär“ war und in den Kriegen alles verloren hat.
Ich stelle fest, dass ich schon ein bisschen stolz bin, dass dies mein Großvater war.

Zentralmatura

Wurde 2009 beschlossen, allerdings gab es anfangs noch wesentliche Diskussionen. Nehmen wir an, dass 2011 alles ausdiskutiert war. Dann kann meiner bescheidenen Meinung nach die Zentralmatura gar nicht vor 2016 durchgeführt werden.
Denn im Prinzip müssen die Lehrer in der Oberstufe ab der 5. den Unterricht anders anlegen, sodass die angehenden Maturanten in der Oberstufe auf eine andere Art des Unterrichts oder Prüfungen eingestellt werden. Es geht ja nicht um die Fragen, sondern um den Umstand, dass in jeder Schule dasselbe gefragt wird.

Und gerade in der Mathematik, die von allen so skeptisch gesehen wird, könnte es früher funktionieren. Dort sind die Maturafragen fast mit denen, die 1969 hatte, vergleichbar:)

An der Verschiebung habe ich nichts auszusetzen. Doch ein Kasperltheater ist das ganze schon…

ein neues Schulmodell

Nach dem Schreiben einiger Kommentare arbeitet es in mir weiter.
Wird von den Schülern heute wirklich so viel gefordert?
Im Radio hat es eben die Coriolan-Overtüre von Beethoven gegeben. Ich konnte mich nicht mehr genau daran erinnern und habe nach der Geschichte gegoogled. Ich schaute dann noch nach Patrizier und Volkstribun nach. Sacrosanctitas war mir ein Begriff aber nicht in der Verbindung mit den Volkstribunen. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass einiges von dem, was in Wikipedia zu finden war, nicht in meinem Geschichtsunterricht vorkam.
Ich spinne in meinen Gedanken weiter und stelle mir vor, dass Frontalunterricht komplett durch Recherchensteuerung ersetzt wird.
Die Kinder bekommen ein Wort vorgesetzt, über das sie (im Internet) recherchieren müssen. Die Prüfungsfragen werden so gestellt, dass das Gelernte in Zusammenhang mit ihrem heutigen Leben dargestellt werden muss.
Innerhalb eines Monats referieren die Kinder über die Ergebnisse ihrer Recherchen und diskutieren darüber mit ihren Mitschülern. Am Ende des Monats gibt es eine Zusammenfassung durch die LehrerInnen, welche allenfalls wesentliche Teile ergänzen.
Die Matura in den Lernfächern wird so abgeführt, dass Begriffe vorgegeben werden, für deren Recherche der Prüfling zwei Stunden Zeit hat und dann mündlich referieren muss.
Das wäre doch eine Herausforderung. Im Zuge der Jahre würde sich ebenfalls herauskristallisieren, wofür sich die einzelnen Schüler interessieren und eignen.
Bei allem Lernen ist nicht allein die Begrifflichkeit von Bedeutung sondern vielmehr die Zusammenhänge und das schlagartige Erkennen, wie einzelne Fakten miteinander zusammenhängen.
P.S. Die Rechner werden aus dem aufzulassenden Schulbuchbudget bereit gestellt. Kostenlose Schulbücher werden eingestellt.

of love and hate

Wie aufmerksame LeserInnen mitbekommen haben, beschäftige ich mich derzeit als Spielersatz mit dem Erlernen von Mandarin. (Siehe LaMamma und testsiegerin … http://memrise.com)
Jetzt nach dem Erlernen von 233 Wörtern stelle ich fest, wie unterschiedlich sich manche Wörter anbieten.
Da gibt es welche, die ich immer richtig habe und andere, die ich beharrlich falsch erwische. Das bezieht sich vor allem auf die Betonung, manchmal aber auch auf den reinen Inhalt.
So ist „Westen“ eines der besonders schwierigen Worte gewesen. Denn für die anderen Himmelsrichtungen gibt es Beijing, Nanjing und Xian, Orte, welche die anderen drei Himmelsrichtungen beeinhalten. (Nord, Süd, West)
Essig habe ich fast immer falsch, obwohl die Kombination von Alkohol und „alte Tage“ doch wohl wirklich leicht zu behalten ist.
Also die Bedeutung der Wörter ist wirklich die leichte Übung. Die Zuordnung von Betonung zu Wort ist schwer, noch schwer die Zuordnung von Kanji zu Betonung, die man genau beschreiben muss. Dabei geht bei mir sehr leicht ein xi, shi, zi in die Verwechslung ein. Dass ich das Bier heute falsch gehabt habe, obwohl ich das schon seit 1983 kannte, mag auch eine spezielle Bedeutung habe.
Eine lustige Kombination von Zeichen und meine persönliche Schlussfolgerung möchte ich nicht vorenthalten.
Es gibt ein Zeichen für „kleiner Hund“ und eines für „Macher“ (person who does). Beide werden hauptsächlich als Bestandteile gebraucht. Einer, der es mit kleinen Hunden macht, ist ein Schwein. So kann man sich die Schreibweise von Schwein merken.
Gold und stur ergibt zusammen Silber. Silber und Beruf ergibt zusammen Bank (die mit Geld zu tun hat). Eigentlich könnte ich mir vorstellen, dass man Bank auch als Zusammensetzung von „kleiner Hund“, „Macher“ und „Profession“ darstellen könnte. Denn eine schweinischere Profession als den Banker kann man sich doch heute gar nicht vorstellen.
Aber vielleicht war das im alten China noch nicht so:)

Geografie

Beijing, Hong Kong, Shanghai, Nanjing, Xi’an sowie USA und England…
Die Übersetzungen muss man sich geben:
Nord-Hauptstadt, Feine Gerüche Hafen, Am Meer, Süd-Hauptstadt … das klingt ja recht vernünftig.
Aber England heißt „Hero land“, vermutlich aus phonetischen Gründen und USA heißt „schönes Land“, wenn man die Zeichen übersetzt.
Was mir gefällt ist beim Zeichen für schön, dass es ganz anders geschrieben wird als man es von der Form vermutet. Da gibt es einen langen Strich in der Mitte durch, der aber nicht auf einmal sondern auf zwei Raten geschrieben wird.
Teilweise sind die unterschiedlichen Zeichen auch von der Schreibweise ganz, ganz ähnlich.
Mir kommt vor, als hätten die Chinesen eine Auflage, mit so wenig wie möglich Silben auszukommen.

spielerisch2

Also die Beschäftigung mit Mandarin ist wirklich ein sehr guter Pausenfüller. Jetzt habe ich so ungefähr 90 Worte beisammen. Allerdings ist die Beherrschung noch sehr wechselhaft.
Die Fragen werden nämlich folgendermaßen gestellt:
zur Erklärung: Kanji nennt man die chinesischen Schriftzeichen
pinyin ist eine Lautbeschreibung, die eine Art phonetische Beschreibung ist, die von einer Zahl gefolgt wird. Die Zahl bestimmt die Aussprachemelodie.
Jetzt gibt es folgende Fragearten:
Kanji – nach Englisch mittels multiple choice
Kanji – nach Englisch in Textfeld
Kanji – nach pinyin in Textfeld
Kanji – nach pinyin mittels multiple choice

und umgekehrt:
Englisch – nach Kanji, das geht nur mit multiple choice, weil man ja nicht zeichnen kann.
Englisch – nach pinyin, mit Textfeld
Englisch – nach pinyin mit multiple choice
z.B. wird das Kanji für Mund gezeigt und man muss kou3 antworten. (Bin jetzt nicht 100% sicher, ob das auch stimmt. Korrigiere: stimmt, habe nachgesehen:)
Und dann gibt es noch:
pinyin – nach Kanji multiple choice
pinyin – nach English multiple choice
pinyin – nach English mit Textfeld
Die multiple choice Frage starten entweder mit 4 Wahlmöglichkeiten oder mit 8. Während die Zeit abläuft, werden ähnlich wie beim 50-50-Joker einzelne Wahlmöglichkeiten ausgeblendet.
In der Regel hat man 25 Sekunden Zeit. Aber im Garten muss man auch mit 10 Sekunden auskommen.

Es ist ziemlich erstaunlich, wie schnell die 25 Sekunden ablaufen. Bei manchen Worten muss ich wirklich 10 Sekunden nachdenken, um z.B. sicher zu gehen, ob es Nudeln oder Knödel heißt. Und dann vertue ich mich noch manchmal. Und der gekochte Reis schaut auch ganz ähnlich aus.
Um ein Beispiel zu geben:
Der Vater mit dem Deckel am Kopf bedeutet „austauschen“.
Mit dem Futter-Kanji links davon resultieren die Knödel.
Das Futter zusammen mit dem Zeichen für „rebellieren“ ist aber der gekochte Reis.
Die kleinen Klauen auf dem Baum bedeuten „auswählen“. Und jetzt weiß ich schon nicht mehr, ob links Mund oder Futter stehen muss, damit das Ganze zusammen „Nudeln“ ergibt.

Aber es ist wirklich wie ein Super-Memory, das man so zwischendurch spielt. Und ich habe das Gefühl, dass es auch ein ganz gutes Gedächtnistraining ist.

Seit dem letzten Eintrag habe ich „Erdäpfel“ gelernt und das Wort „flach“. Das ist ja vielleicht ein Hammer. Es setzt sich aus Tür, durchsichtigem Behälter und zweimal 10 zusammen. Echt kompliziert, wie es aussieht – und dann heißt es nur flach (oder bian3)

Man sieht, es hat mich gepackt:)

spielerisch

Seit gestern lerne ich Mandarin. Nachdem ich nicht ganz zufällig auf die Seite http://memrise.com gestoßen bin, lerne ich Worte lesen, teilweise auch aussprechen und vor allem, sie auseinander zu halten.
52 Worte befinden sich seit gestern im Garten. (Sprich, kann ich eindeutig zuordnen, sowohl über multiple choice als auch die englische Übersetzung angeben)
Die Lerneinheiten sind wie ein Spiel aufgebaut. Das Spiel rankt sich um eine typische Lernkartei, die aber als Garten mit wachsenden Pflanzen aufgebaut ist. Eine wirklich gute Idee.

1993 hatte ich ein privates Projekt laufen, dass es immerhin bis zum Stadtschulrat gebracht hat. Es hieß M0, wobei M für Motivation und 0 für Nullbock stand. Es war ein Englischsprachunterricht, der ziemlich ähnlich der Vorgangsweise von memrise aufgebaut war. (Inklusive des Abspielens von Aussprachemustern, den multiple choice-Abfragen und der Einbindung einer Lernkartei.) Das war mit den damaligen Mitteln an der Grenze, die man mit handelsüblichen Computern erreichen konnte. Die Geschwindigkeit der Computer waren mindestens 100 mal kleiner, die Festplatten mit 10 MB konnten gerade drei Lektionen halten, wenn man das gesamte Material abspeichern wollte.
Aber mein Hauptanliegen war es, zu zeigen, dass man die Lektionen in der Form eines Spiels aufbauen müsste, damit sich beim Lernen „addiktiver“ Charakter entwickeln kann, dass immer die Spannung auf die nächste Lektion erhalten bleibt. Der Lernende muss das Gefühl haben, sich spielerisch beweisen zu können.
Das Projekt wurde letztlich nicht genommen, zwei Jahre später gab es die ersten vernünftigen Sprachkurse auf CDs. Diese enthielten allerdings noch nicht „das Spiel“.
Irgendwie befriedigt es mich sehr, dass memrise genau entlang meiner damaligen Erkenntnis funktioniert. Und es funktioniert auch bei mir. Weil es einfach lustig ist, so zu lernen.
Ich kannte ja schon einmal 300 Zeichen und habe fast alle vergessen. Doch jetzt gibt es Hauptworte und Zeitworte und Worte, die für sich allein gar nicht vorkommen, sondern nur in Zusammensetzungen gebraucht werden. Das ist echt spannend.
Und dass ich jetzt zwischen Reis und gekochtem Reis unterscheiden kann, finde ich gar nicht so schlecht. Die zwei Kanji sehen nämlich vollkommen unterschiedlich aus. Rindfleisch, Schweinefleisch, Hendl, Eier, Brot und Gemüse kann ich auch schon, also werde ich wohl nicht verhungern. Und zur Not gibt es auch noch Wasser.
Das ist doch etwas anderes, als wenn ich mich an Latein, Englisch oder Französisch erinnere. Liber, book, livre waren so ungefähr die ersten Hauptwörter, an die ich mich erinnern kann. An sich ja nicht so schlecht, doch zuerst kommt der Bauch, dann der Kopf:)
P.S. 52 Worte sind immerhin schon 20% von „Mandarin Survival“, mit denen man angeblich überleben kann. Überlebenstraining in 5 Tagen ist doch ganz schön effizient;)

Intelligenz

Dieser Artikel hat es dorthin geschafft:)

Zen oder die Kunst des Spielens

Bei teacher wird eine Frage gestellt:
Lego spielen nach Vorlage oder kreativ?
Ich beantworte sie hier, weil es hier üblich ist, dass ich mich beweihräuchere. Wer das nicht lesen will muss es auch tun:)
Aber ich empfinde die Fragestellung zwar als intelligent doch ausgrenzend. Ich sehe mich in der Fragestellung nicht angesprochen.
Als Kind habe ich Matador gespielt. Viel Matador. Erst als Erwachsener hatte ich Lego, als ich mit 50 meinen Mindstorm-I-Baukasten geschenkt bekam.
Aber beide Spielzeuge sehe ich hinsichtlich dieser Frage als gleich an.
Beim Matador war ich glücklich, wenn es eine gute Vorlage gab, die es mir ermöglichte, etwas genauso zu bauen, wie es auf der Schachtel abgebildet war. Außerdem gab es in den Vorlagen auch Hinweise, wie z.B. eine Achse dünner gemacht werden konnte, damit die Räder gut liefen.
Es waren allerdings nur Einzelstücke, die mich zum Nachbau reizten.
Ich spielte Matador bis zu meiner Matura, natürlich immer seltener. Meistens stellte ich mir die Aufgabe, alle Steine zu verbauen und sie in Form eines Allzweck-Vehikels einzusetzen, wobei ich mich meistens auf spezielle Ausführungen von neuen Lenksystemen spezialiserte.
Mit 10 Jahren hatte ich einmal bei einem Wettbewerb den zweiten Platz gemacht. Ich hatte einen Kaugummi-Automaten, wie man ihn heute noch sehen kann, mit Matador gebaut. Mit einem Schließmechanismus, der nur dur ein Einser-Radel aber nicht durch etwas dünneres oder eine Einser-Nabe überwunden werden konnte. Der Gewinn war ungefähr der Gegenwert eines 8er-Matadors, das war die größte Baukastenpackung. Über den Gewinn war ich überglücklich.
Im allgemeinen habe ich als „frei“ gebaut, obwohl ich anfänglich ganz gerne Vorlagen verwendet habe.
Bei Lego mit fünfzig Jahren war es ähnlich. Zuerst hat mich natürlich ein Fahrzeug interessiert, das nicht vom Tisch herunterfällt, wenn man es darauf fahren lässt. Da habe ich mich ganz genau an die Vorlage gehalten. Später habe ich dann den Usenet-Verkehr zwischen MIT und Carnegie Mellon beobachtet, die sich mit dem Reverse-Engineering der Roboter-CPU beschäftigt haben, und habe meine eigenen Versuche – abseits aller Vorlagen – angestellt.
Die Deutschen haben gelacht, als sie hörten, dass die Japaner Kameras, Stereoanlagen und Autos bauten. „Die können ja nur kopieren.“ hieß es allerortens. Als die Japaner dann mit billigeren Preisen, besserer Ausstattung und kürzeren Modellwechselzeiten auftrumpften, war es auf einmal klar, dass das mit dem reinen Kopieren nicht so hinhauen konnte.
Im Zen beschäftigt sich der Schüler solange mit dem Kopieren, bis er Perfektion darin erreicht hat. Wenn er dann Meister geworden ist, erlaubt er sich Änderungen in den Plänen durchzuführen.
Es gibt kein Entweder-oder. Es gibt Entwicklung. Und die schreitet von der Vorlage zum eigenen Plan fort. So sollten wir lernen, bzw. so sollten wir akzeptieren, dass Qualität nur über den momentanen Verzicht der Selbstverwirklichung zu erreichen ist. Wenn wir uns mit den Abläufen „spielen“ können, ist die Zeit gekommen, das „Eigene“ zu verfolgen.

Sinnlosigkeit

Bei teacher gibt es zur Zeit einen Artikel, der mir die Haare zu Berge stehen lässt.
Es betrifft die Sinnlosigkeit des Schreibens von Aufsätzen und des Lernens für eine Prüfung.
Selbst ein Lehrer fragt, ob das Schreiben von Aufsätzen (vielleicht auf eine Zweitsprache eingegrenzt) sinnvoll ist. Falls er das nicht nur als gezielte Provokation gebracht hat.

Es ist ziemlich eindeutig, dass es dann natürlich genauso unsinnig ist, von Eignungsprüfungen und Aufnahmeverfahren für Gymnasien oder Universitäten zu sprechen.

Vielleicht wären einmal Lehrer, die diese Frage nach der Sinnhaftigkeit (die ich ausdrücklich nicht als dumm sondern als Zeichen einer Bildungslücke betrachte) stellen, gut beraten, sich wieder ein bisschen etwas über Gehirntätigkeit, Denken und Üben zu informieren. Die Unfähigkeit, sich etwas zu überlegen, bevor es herausgesprudelt wird, macht eine Person für echte konstruktive Arbeit unbrauchbar. Das Schreiben ist die beste Übung, um sich das Strukturieren von Gedanken beizubringen. Daneben ist es der erste Probelauf, ob ich mich in einer fremden Sprache einigermaßen verständigen kann.
In meinem eigenen Berufsfeld der Informatik, bei welchem häufig angenommen wird, dass der natürlichen Sprache keine besondere Bedeutung zugemessen werden muss, gilt gerade das Gegenteil. Zitat E. Dijkstra: neben einigen mathematischen Kompetenzen ist die möglichst gute Beherrschung der Muttersprache die wesentlichste Ingredienz eines Programmierers.

Man muss kein Genie sein, um einen guten Aufsatz schreiben zu können. Vielleicht ist es anfänglich ein bisschen anstrengend. Ich frage mich ja, was heute überhaupt noch unterrichtet wird.
Mathematik . Scheiße
Deutsch – Scheiße
Computer – „das wird nicht unterrichtet, obwohl das so wichtig wäre“ beklagen die Besserwisser
Also was wird jetzt wirklich an den Schulen unterrichtet?
Englisch? – vermutlich in der Form: „Geil, Sale, fuck“

Und dann gibt es da noch die Frage nach dem Lernen für „eine“ Prüfung.
Aha, ich möchte einen begehrten Posten habe und bewerbe mich. Na, für das eine Bewerbungsgespräch werde ich mich nicht vorbereiten. Der Personalchef ist selber schuld, wenn er meine innere Größe nicht erkennt.
Mir begegnet die Traumfrau meines Lebens: „He, Oide, wüst ficken?“ Das schafft man auch ohne Vorbereitung.

Und wieso sollte sich ein Lehrer für eine Unterrichtsstunde vorbereiten? Ist ja nur diese eine Stunde. Aber geh, die Schüler sind eh faul, verstehen nix. Da les ich lieber ein gutes Buch. Ach nein, so ein Lehrer liest auch kein gutes Buch, der sieht wahrscheinlich eher „Helden von morgen“ oder das „Dschungelcamp“.
Also in Anbetracht der vielen sinnvollen Beiträge von teacher nehme ich einmal an, dass er nur provozieren wollte. Wenn er die Meinung im Ernst sagt, dann kann ich nur resignieren.
Denn ob jemand keinen Aufsatz schreiben kann oder ob er nicht sinnerfassend lesen kann, (laut PISA, was ja auch so eine „einmalige Prüfung“ ist) ist dann schon egal.
Da kann auch keine Schulreform helfen, wenn unsere Lehrer diese Einstellung haben.




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