Sinnlosigkeit

Bei teacher gibt es zur Zeit einen Artikel, der mir die Haare zu Berge stehen lässt.
Es betrifft die Sinnlosigkeit des Schreibens von Aufsätzen und des Lernens für eine Prüfung.
Selbst ein Lehrer fragt, ob das Schreiben von Aufsätzen (vielleicht auf eine Zweitsprache eingegrenzt) sinnvoll ist. Falls er das nicht nur als gezielte Provokation gebracht hat.

Es ist ziemlich eindeutig, dass es dann natürlich genauso unsinnig ist, von Eignungsprüfungen und Aufnahmeverfahren für Gymnasien oder Universitäten zu sprechen.

Vielleicht wären einmal Lehrer, die diese Frage nach der Sinnhaftigkeit (die ich ausdrücklich nicht als dumm sondern als Zeichen einer Bildungslücke betrachte) stellen, gut beraten, sich wieder ein bisschen etwas über Gehirntätigkeit, Denken und Üben zu informieren. Die Unfähigkeit, sich etwas zu überlegen, bevor es herausgesprudelt wird, macht eine Person für echte konstruktive Arbeit unbrauchbar. Das Schreiben ist die beste Übung, um sich das Strukturieren von Gedanken beizubringen. Daneben ist es der erste Probelauf, ob ich mich in einer fremden Sprache einigermaßen verständigen kann.
In meinem eigenen Berufsfeld der Informatik, bei welchem häufig angenommen wird, dass der natürlichen Sprache keine besondere Bedeutung zugemessen werden muss, gilt gerade das Gegenteil. Zitat E. Dijkstra: neben einigen mathematischen Kompetenzen ist die möglichst gute Beherrschung der Muttersprache die wesentlichste Ingredienz eines Programmierers.

Man muss kein Genie sein, um einen guten Aufsatz schreiben zu können. Vielleicht ist es anfänglich ein bisschen anstrengend. Ich frage mich ja, was heute überhaupt noch unterrichtet wird.
Mathematik . Scheiße
Deutsch – Scheiße
Computer – „das wird nicht unterrichtet, obwohl das so wichtig wäre“ beklagen die Besserwisser
Also was wird jetzt wirklich an den Schulen unterrichtet?
Englisch? – vermutlich in der Form: „Geil, Sale, fuck“

Und dann gibt es da noch die Frage nach dem Lernen für „eine“ Prüfung.
Aha, ich möchte einen begehrten Posten habe und bewerbe mich. Na, für das eine Bewerbungsgespräch werde ich mich nicht vorbereiten. Der Personalchef ist selber schuld, wenn er meine innere Größe nicht erkennt.
Mir begegnet die Traumfrau meines Lebens: „He, Oide, wüst ficken?“ Das schafft man auch ohne Vorbereitung.

Und wieso sollte sich ein Lehrer für eine Unterrichtsstunde vorbereiten? Ist ja nur diese eine Stunde. Aber geh, die Schüler sind eh faul, verstehen nix. Da les ich lieber ein gutes Buch. Ach nein, so ein Lehrer liest auch kein gutes Buch, der sieht wahrscheinlich eher „Helden von morgen“ oder das „Dschungelcamp“.
Also in Anbetracht der vielen sinnvollen Beiträge von teacher nehme ich einmal an, dass er nur provozieren wollte. Wenn er die Meinung im Ernst sagt, dann kann ich nur resignieren.
Denn ob jemand keinen Aufsatz schreiben kann oder ob er nicht sinnerfassend lesen kann, (laut PISA, was ja auch so eine „einmalige Prüfung“ ist) ist dann schon egal.
Da kann auch keine Schulreform helfen, wenn unsere Lehrer diese Einstellung haben.


  1. Aufsätze habe ich dereinst in der Schule gehasst wie die Pest. Weshalb? Nun, ich bin Minimalist, kann eine Begebenheit in wenigen Worten ausdrücken, ohne das Brimborium des Ausschmückens außen herum. Somit waren meine Aufsätze nach einer Dreiviertelseite fertig. A5, versteht sich. Dass darunter meine Noten litten, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Rechtschreibung 1, Inhalt 4.

    Und wohin brachte es mich? In einen Ingenieursberuf, in dem kurz und prägnant auf Themen eingegangen wird und Lösungen präsentiert werden. Habe ich etwas gelernt aus den Aufsätzen? Keine Ahnung, vielleicht aber schon. Sonst würde ich ja nicht bloggen.

    (Ich bin allerdings der Meinung, dass ich mir meine Ausdrucksweise durch sehr viel Lesen in der Jugend aneignete. Und was das ausschmückende Erzählen betrifft: das können Nigerianer hervorragend. Eine Zwei-Sätze-Geschichte kann bis zu einer Stunde im Vortrag dauern. Schlimm, wenn es erst danach was zu Essen gibt.)

  2. Zur Klarstellung.
    Ich bin nicht gegen das Schreiben an sich, nicht einmal gegen das Schreiben von Aufsätzen, das halt eine besondere Textform ist, die man im Leben nicht braucht.
    Wenn z.B. in der zweiten lebenden Fremdsprache das Schreiben von Aufsätzen trainiert werden muss, weil es bei einer Prüfung verlangt wird (sonst eigentlich nicht gebraucht wird) und dafür Zeit verwendet wird, die man für Lesen, Verstehen oder Sprechen benötigt, dann sage ich: Schluss damit.

    Das Lernen für Prüfungen ist kontraproduktiv, weil für kurze Zeit etwas trainiert wird, das man nicht kreativ auf neue Problemstellungen transferieren kann. Also: Schluss damit.

  3. der artikel hat mich auch gehörig irritiert, vor allem die wiederholt vorgetragene meinung, dass man das schreiben von aufsätzen im leben nie braucht. (vielleicht heißt es später ja nur einfach nicht mehr aufsatz …).
    und vielleicht wissen lehrer manchmal auch zu wenig, was „im leben“ AUCH bedeuten könnte.

  4. „Nicht für die Schule, sondern für’s Leben lernen.” ist so ein Satz, der eigentlich auf kein mir bekanntes Schulsystem vollkommen zutrifft. Es ist eher die Herausforderung, die jedem Kind innewohnende Neugier und damit das Lernen zu wollen trotz Schule zu erhalten. Und das muss ganz und gar nicht sinnvoll sein, also dass das einen Nutzen hat. Nutzen im Sinne, dass das beruflich gebraucht werden kann, sich also irgendwie materiell verwerten lässt. So etwas mag zwar praktisch sein, empfinde ich persönlich aber als zu einschränkend.

  5. Avatar von Unbekannt hans1962

    Ich unterschreibe Steppenhunds letzten Satz vorbehaltlos.

    Lehrer können mittlerweile den Zusammenhang zwischen dem Verfassen von Aufsätzen und dem Aufbau von Sprachkompetenz nicht mehr erkennen. Sie stellen die Sinnhaftigkeit der Aneignung von „Schriftsprache“ in Frage. Das mag hierzulande vielleicht noch für Deutsch angehen, da sich nicht nur Lehrpersonen in der schriftlichen Verständigung ungeniert der Umgangsprache bedienen. Offensichtlich wird dieser Trend zur „unkomplizierten Ausdrucksweise“ vor allem in der Presselandschaft.

    Gegenüber Fremdsprachen – egal, ob erste, fünfte oder neunte – ist dies allerdings eine kühne, wenn nicht gar unverschämt herabwürdigende Haltung und eine herbe Ressourcenvergeudung. Wenn schon die Notwendigkeit zum Auf- und Ausbau von fremdsprachiger Schriftsprachkompetenz nicht eingesehen wird, kann genauso gut auf die Verpflichtung zum erweiterten Fremdspracherwerb verzichtet werden.

  6. Es erschreckt nicht wenig, sollte der Großteil der Lehrenden wirklich die Meinung vertreten, der Aufsatz sei tot.
    Gedanken ausformulieren, auf den Punkt bringen, ebendies trainiert der Aufsatz, und tut dies in jeder Sprache.
    Selbst wenn späteres wissenschaftliches Arbeiten nicht im Lebensplan enthalten wäre, ich denke doch, dass „Inhalte vermitteln“ durchaus Grundpfeiler einer humanistischen Bildung sein müßte.

    Wenn egal wäre, weil ja technische Möglichkeiten wie Internet und Handyphonie die Sprache sowieso verändern, ob ich „klassisch“ formulieren kann, Sprachunterricht könnte drastisch reduziert werden. Allerdings, Denken, sich Gedanken machen, das wäre dann ebenfalls Nebensache.

    Warum sich jemand für einen Schulweg entscheidet der Latein beinhaltet, wenn er/sie das eigentlich für sinnlos haltet, wäre eine andere Frage.

  7. mir drängt sich da diese geschichte auf (nun bitte, nicht auf mich einprügeln);
    ein alter mönch (kann auch wer anderer sein) und ein sehr gescheiter überqueren mit einem boot einen fluß,
    der gescheite macht sich über die dummheit des alten lustig und versucht ihn mit seinem wissen zu beeindrucken.
    das boot läuft mit wasser voll und droht zu sinken, da fragt ihn der alte ob er auch schwimmen könne, seine antwort, nein.
    na dann, viel glück………..

    ich mag solche geschichten……..;)




Hinterlasse einen Kommentar


  • Neueste Beiträge

  • Tage mit Einträgen

    Februar 2011
    M D M D F S S
     123456
    78910111213
    14151617181920
    21222324252627
    28  
  • Was einmal war