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daraus

Ob dies der Anfang ist, bezweifle ich noch. Er könnte es sein, aber wären dann die Ansprüche an einen ersten Satz erfüllt?
„Uns geht es so gut, aber irgendetwas stimmt nicht.“ Hartmut hatte gerade von seinem Pinot Noir gekostet und eine befriedigte Miene aufgesetzt, die so gar nicht zu seiner Äußerung zu passen schien. Sein Freund Peter betrachtete ihn aufmerksam, als könnte er aus dem Gesichtsausdruck etwas herauslesen.
„Was meinst Du damit? Was soll nicht stimmen?“ hinterfragte er den ungefähr sechzigjährigen Hausherrn, der, leger gekleidet, auf seinem Gartenmöbel wie aus einer Zeitschrift für „Schöner Wohnen“ aussah. Die beiden saßen in einem kleineren Garten mit gepflegtem Rasen auf der steinernen Veranda. Das Gesamtbild strahlte Gemütlichkeit und Wohlstand aus. „Womit bist Du denn unzufrieden?“ setzte Peter nach. Hartmut schmunzelte und winkte ab: „Ach ist nichts weiter. Wahrscheinlich nur eine Laune des Übermuts. Es geht uns zu gut. Ich frage mich, wo der Haken liegt.“
„Es gibt keinen Haken. Die Politiker haben es endlich gelernt. Im Prinzip hätte das schon viel früher funktionieren können. Zum Beispiel im 20. Jahrhundert nach dem größeren Krieg. Alles hätte man daraus lernen können. Es hat halt einfach seine Zeit gebraucht.“ Wenn man Peter genauer ansah, passte sein ganzer Körperausdruck nicht zu der beruhigenden Aussage. Peter wirkte durchtrainiert, seine Augen schienen aufmerksam alles in seiner Umgebung zu beobachten und es ließ sich eine Anspannung in seinem gesamten Habitus erkennen, selbst wenn er sich ebenfalls im Sessel zurücklehnte.
Aus der Terassentür trat eine hübsche Frau, deutlich jünger als die zwei Männer es waren, die man zwischen sechzig und siebzig Jahren schätzen konnte. „Es hat wieder eine Flutwelle gegeben. Ich habe es gerade in den Nachrichten gehört. In Indien. Achthunderttausend Tote soll es geben.“ Die Meldung erzeugte keine besondere Regung bei den beiden Männern. Derartige Meldungen waren in den letzten zwei Jahrzehnten mehrmals im Jahr zu erwarten. Manchmal waren es Erdbeben, dann wieder Wirbelstürme, die Flutwellen waren im Prinzip nur die Folgen von Erdbeben, die nicht am Land auftraten. Die Regelmäßigkeit war erschreckend, doch hatten sich die Völker damit abgefunden, dass die Umwelt ihren Tribut forderte. Es konnte verwundern, dass die Naturkatastrophen über einen Anstrich von Gerechtigkeit verfügten. Es blieb kein Land verschont. Die Todeszahlen waren unterschiedlich, man hätte allerdings eine Korrelation zwischen der Bevölkerung eines Landes und den jeweiligen Auswirkungen der Katastrophen feststellen können. Allerdings tat dies keiner. Was hätte es denn gebracht?
„Kommt herein und seht euch das an. Der Präsident wird gleich sprechen.“ Hartmut winkte ab. „Wir wissen schon, was er sagen wird. Er wird sein Bedauern ausdrücken und unsere Hilfsbereitschaft verkünden. Ebenso wird er uns ermahnen, für derartige Fälle gerüstet zu sein.“ Hartmut hatte nicht unrecht mit seiner Behauptung. Naturkatastrophen hatten zugenommen und mittlerweile waren die Militärs aller Länder damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen, den Müll wegzuräumen und Hilfsquartiere für Obdachlose zu errichten. Es gab eine internationale Gruppe, die in jedem Einzelfall von den Militärorganisationen der geographisch naheliegenden Regionen bemannt wurde. Die Aufräumungsarbeiten dauerten in der Regel drei Wochen. Was wirklich sehr gut funktionierte, war die unmittelbare Einsatzbereitschaft innerhalb von zwölf Stunden nach dem Auftreten eines solchen Ereignisses.
Der gute Wein konnte nicht mehr so recht genossen werden.
„Sag mal, was machst Du eigentlich? Du bist so oft unterwegs.“ wollte Hartmut von Peter wissen. „Du weisst doch, dass ich darüber nicht sprechen darf. Ich bin halt noch aktiv. Ein paar Jahre und ich werde mich so wie Du im Lehnstuhl fadisieren.“ Hartmut wollte noch nach den Aufgabenstellungen fragen, doch dann erinnerte er sich, wie ausweichend Peter schon früher auf diesbezügliche Fragen geantwortet hatte.
Er konnte auch keine weitere Frage mehr stellen, denn der Kommunikator von Peter hatte eine Meldung empfangen. Dieser stand auf, verabschiedete sich und hatte es plötzlich sehr eilig. Der Grund war, dass er ein Flugzeug erreichen musste. Auch darüber durfte er nicht sprechen. So bemerkte er bei der Verabschiedung nur, dass er in einer Woche wieder kommen würde.
Hartmut schmunzelte in sich hinein. Er vermutete sehr stark, dass Peter für eine Art Geheimdienst arbeitete. Er lag damit nicht einmal ganz falsch, doch er wäre entsetzt gewesen, wenn er nur im Entferntesten geahnt hätte, was Peter wirklich machte.
Als Hartmut zwei Stunden später im Bett lag, fragte er sich, was er wohl selbst mit dem „Etwas stimmt nicht.“ gemeint hatte. Er konnte es nicht festmachen und der Schlaf dieser Nacht gestaltete sich etwas unruhig.
Wien, 13.3.2014

Die Unplanung wird fortgesetzt

aber erst nach dem Urlaub in Herceg Novi. Möglicherweise schreibe ich aber das nächste Kapitel noch hier, falls es regnen sollte.

Werbung in nicht eigener Sache

[Von mir gibt es derzeit nichts Neues zu berichten. Ich bin arbeitsmäßig leicht überlastet. D.h. selbst mir wird es momentan streckenweise zu viel.]
Aber auf die Veranstaltung meiner Tochter möchte ich doch hinweisen. Das letzte Mal geschah das ja relativ kurzfristig und auch diesmal wird der nächste Dienstag nicht unbedingt ein realisierbarer Zieltermin sein. Doch gibt es dafür jetzt zu berichten, dass sich die „Therapeutische Schreibwerkstatt“ gut eingeführt hat und bei den Teilnehmern allgemein Anklang findet.
Also hier ist der neuerliche Einladungstext:

Einladung zu, bzw. Erinnerung an unsere nächste:
Therapeutische Schreibwerkstatt
Sie findet am Di. den 23.10. statt, von 19:00-21:00 Uhr.
Wer hat ihn noch nicht? – Unser Folder ist endlich da! Ihr findet ihn
im Anhang und druckfrisch bei unserem nächsten Treffen!
Das Ziel unserer Kurse ist, sich schreibend selber besser kennen zu
lernen und Lösungsansätze zu erarbeiten, die wir auch im Alltag
umsetzen können.
Gemeinsam bringen wir unsere Fähigkeiten als Kunsttherapeutin (Silke)
und Business Coach (Natty) ein, um mit euch Spaß am
Schreiben und an Selbsterfahrung zu haben.
Die Therapeutische Schreibwerkstatt ist ein offener Kurs, der zwei Mal
im Monat stattfindet, jeweils am 2. und 4. Dienstag um 19:00-21:00.
Eine Einheit kostet pro Person 25 Euro.
Um einen tieferen Einblick in die reichhaltige Materie zu bieten und
auch, um sich die eigene Entwicklung deutlicher zu machen, empfehlen
wir den Besuch von mindestens drei Einheiten. Daher bieten wir bei
Buchung von drei Einheiten diese zum vergünstigten Preis von Euro 70
an. (Der mögliche Zeitrahmen zur Konsumierung der gebuchten Einheiten
beträgt 6 Monate).
Ort: Institut Inbale: 1120 Wien, Hohenbergstrasse 44/1/4 (erreichbar
öffentlich u.a. mit 8A ab Philadelphiabrücke bis Gatterhölzl oder 63A
ab Meidlinger Hauptstraße bis Gatterhölzl)
Wir bitten um Zusagen bis jeweils am Freitag vor dem Kurstermin.
Silke: 0680 5058329 oder Natalia: 0680 3232436
Wir freuen uns schon auf Euch!
liebe Grüße
Silke und Natalia

Mag. phil. Silke Schön, Kunsttherapeutin
Mag. iur. Natalia Hartmann, Business-Coach, Autorin, Künstlerin
Institut INBALE
Am Tivoli
Hohenbergstrasse 44/1/4
1120 Wien

aus 2041/16

Eine Erklärung wird angekündigt.
„Ich kenne das Buch gar nicht. Mich hat nur die Zahl fasziniert. Es ist ja offensichtlich eine Jahreszahl. Vor hundert Jahren. Das interessiert mich.“
Veronika schaute ihn prüfend an. „Und warum interessieren Sie sich für eine derartige Jahreszahl?“
„Ich bin auf der Suche nach historischen Daten. Ich habe festgestellt, dass es kaum Material über die Zeit vor 2040 gibt. Eigentlich gibt es gar nichts. Jetzt habe ich einen Tipp bekommen, dass ich vielleicht in einem Museum fündig werden könnte. Aber offensichtlich gibt es da auch nichts. Zumindest nicht dort, wo ich war.“
– „Und haben Sie eine Erklärung oder Vermutung, warum das so ist?“
Hartmut nickte nachdenklich. „Ich habe eben keine. Ich bin ganz am Anfang meiner Suche.“
In der Zwischenzeit waren die beiden an der Kreuzung Heiligenstädterstrasse Barawitzkagasse angelangt. „Ich nehme an, Sie wollen zur Nummer 10.“ warf Veronika ein.
Hartmut war über das Wundern hinaus. „Ja, Sie haben offensichtlich Erfahrung damit, was passiert, wenn man 1984 anklickt.“
Veronika ging auf die Bemerkung nicht ein. Unvermutet fragte sie plötzlich: „Was haben Sie den für eine Einstufung?“ Hartmut antwortete, dass er nicht wisse was sie meine. Das schien Veronika nicht zu überraschen. „Nun, Sie müssen mindestens 2 wenn nicht 3 haben, wenn man Ihnen eine Besuch in Alt-Wien erlaubt. Sind Sie sich eigentlich bewusst, welche Privilegien Sie haben?“
„Nun, es geht mir gut, ich habe keine Sorgen, ich hatte sogar Arbeit. Jetzt bin ich in Pension.“
„Wenn es das Buch noch zu lesen gäbe und Sie es gelesen hätten, wären Sie all ihrer Privilegien verlustig gegangen. Haben Sie den Hinweis auf klassifizierte Information nicht gelesen? Beim vierten Versuch, das Buch zu öffnen, hätte man Sie herabgestuft. Sie wären neugierig gewesen und hätten weiter geforscht und schlussendlich wären Sie auf Stufe 0 gelandet. Sie würden ihr Haus verlieren und in eine Innenstadt ziehen müssen.“
Sie waren vor dem Haus Nr. 10 angelangt. Die Fassade des Hauses wies eine stark angedunkelte grüne Farbe auf. Es gab eine Klingelanlage, doch Veronika hielt eine Marke an das Schloß und Sie betraten das Stiegenhaus. Allerdings gab es nur wenige Stufen in ein Parterre, danach ging es wieder hinunter in den Keller, der einzelne Abteile für die Mieter aufwies. Es gab eine Türe, die sich von den anderen unterschied. Sie war fast nicht im Dunklen zu erkennen. Wieder hielt Veronika ihre Marke an die Tür und sie öffnete sich nach einer gewissen Wartezeit. Als die Türe offen stand, konnte Hartmut erkennen, dass es sich um eine Sicherheitstüre mit mehreren mechanischen Verriegelungen handelte.
Es gab nur eine spärliche Beleuchtung, die im wesentlichen von ein paar Bildschirmen herrührte. Ein Mann kam auf sie zu und begrüßte Veronika mit einem Vorwurf: „Bist Du wahnsinnig, den Typen hierher zu bringen.“
Veronika antwortete: „Natürlich bin ich wahnsinnig wie wir alle hier. Aber habe ich mich je in meiner Menscheneinschätzung getäuscht?“ Es gab ein abfälliges Grunzen. „Nun, jetzt ist er hier, was machen wir mit ihm?“
„Wir müssen für ihn eine Identität basteln. Eine, welche sein Interesse für 1984 zufällig erscheinen lässt. Es war ja wirklich zufällig, aber seine Nachfrage bedeutet ein Risiko für uns. Wir sollten unseren Stub entfernen.“
„Ist schon passiert. Nachdem er noch zweimal versucht hat, nach zu fassen, wird 1984 sicher untersucht werden. Hoffentlich gibt es keine Spuren mehr von uns.“
„Und die Logs? Hast Du die auch manipulieren können?“ – Zumindest gibt es keine Hinweise mehr auf „Barawitzkagasse. Alles andere ist nicht relevant. Man weiß, dass es uns gibt, aber man duldet uns, solange wir nicht an die Öffentlichkeit treten. Soweit ist alles in Ordnung. Nur dein ‚Bekannter‘ ist noch ein gewisses Risiko.“
Hartmut hörte mit steigender Verwunderung zu. Was er zu verstehen glaubte, war eine Beeinflussung des Computersystems durch den Typen hier im Keller. Er hatte keine Ahnung, was das bedeutete. Seit 2040 gab es keine Hinweise mehr auf Viren, Trojaner oder andere Schadsoftware. Selbst mit dem Begriff Trojaner hätte Hartmut nichts anfangen können.
„Trinken wir einmal einen Tee und ich werde Hartmut aufklären.“
Im nächsten Raum, der Küche und Essecke in einem war, wurde Tee gekocht. „Wir sind keine guten Gastgeber, denn wir scheuen jeden Kontakt mit den herkömmlichen Einrichtungen, es sei denn es ist notwendig wie z.B. heute.“ Sie nahm ihre Perücke und die Brille ab. Plötzlich war sie zu einer sehr gut aussehenden Blondine verwandelt, obwohl sie von ihrer Ausstrahlung her selbst keine Notiz zu nehmen schien.
„Also Hartmut, sag uns, was der eigentliche Auslöser für deinen Besuch in Alt-Wien ist.“
Was sollte er sagen. Er erinnerte sich an sein Gespräch mit Peter. „Es geht uns sehr gut, aber irgendetwas stimmt nicht.“
Er sagte es halblaut, so wie er es sich in Erinnerung rief.
„Und was stimmt nicht?“ – „Es läuft zu gut! Ich habe das Gefühl, dass es nicht immer so war, aber ich kann das Gefühl nirgendwo festmachen.“
„Sie haben ein gutes Gefühl. Sie haben recht, etwas stimmt nicht. Aber Sie haben keine Ahnung, was nicht stimmt.“
Veronika holte tief Atem. „Was ich Ihnen jetzt sagen werde, wird Sie beunruhigen. Es muss Sie beunruhigen. Denn Ihr Leben ist in Gefahr.“
Hartmut nahm das vorab mit Gleichmut hin. Er erinnerte sich an das, was Valerie ihm gesagt hatte. „Ich bin alt genug und muss mir kein Blatt mehr vor den Mund nehmen.“
Sollte das für ihn ebenfalls bereits gelten?
Veronika stellte eine direkte Frage: „Wer kontrolliert Ihrer Meinung nach das, was auf der Welt geschieht? Global?“
Hartmut war versucht zu sagen: „Die Politiker“.
Er überraschte sich allerdings selbst mit der Erkenntnis, dass das nicht stimmen könnte. Er korrigierte seine unmittelbare Reaktion auf „Ich nehme an, die Politiker, aber ich weiß nicht, wer die kontrolliert.“
Veronika nickte zustimmend.
„Richtig! Wer kontrolliert die Politiker? – Nun nehmen wir einmal an, dass es da eine Kontrollinstanz gibt. Die operiert ja gar nicht so schlecht. Viele Probleme, welche die Menschen früher hatten, gibt es nicht mehr.“
Hartmut nickte.
„Es gibt auch kein Verbrechen mehr. Ist Ihnen aufgefallen, dass manche Menschen einfach von der Bildfläche verschwinden?“ Hartmut nickte.
„Sie sind in Gefahr, dass das mit Ihnen auch passiert. Es passiert mit all denen, die vermuten, dass es ein System gibt, ein System hinter den Politikern. Es gibt keine Prozesse. Es gibt keine Rechtsprechung. Der reine Verdacht reicht aus, um jemanden als Gefahr für das System einzustufen und ihn zu eliminieren.“
Hartmut zögerte, es war schwer das so einfach zu verdauen.
„Gibt es jemanden in Ihrer Umgebung, der scheinbar mehr zu wissen scheint?“ Hartmut verneinte, obwohl er langsam unsicher wurde. Peter, der da plötzlich im Infoautomaten aufgetaucht war, konnte schon so jemand sein.
„Trinken Sie Ihren Tee. Dann gebe ich Ihnen ein ungefähres Bild von der Situation. Bis jetzt hat Sie ihre Naivität geschützt, aber nun wird es besser sein, wenn Sie sich der Gefahren bewusst sind.“
Hartmut rätselte: was konnte jenes System sein, das als so gefährlich geschildert wurde.
Veronika fing an zu erklären.

unvollständige Erzählung

Offensichtlich fange ich an, mich zu erholen. Langsam fliegen mir wieder neue Vorstellungen zu.
Zweite Erde
(der Titel müsste geändert werden, den gibt es nämlich schon)
Skizze zu einer Geschichte


Es gibt eine berühmte kleine Kirche (inspiriert durch Kotor), in der sich unbeschreibliche Kunstwerke befinden sollen. Man muss zu Fuss hinauf, wobei man ca. einen Kilometer durch einen ziemlich steilen Tunnel gehen muss. Der ist beleuchtet, doch der Aufstieg ist sehr beschwerlich.
Oben gibt es Führungen, wobei interessanterweise die Führerin zuerst um die Kirche herumführt, da sich auch auf der Außenseite eindrucksvolle Skulpturen und Mosaike befinden. Eine Gruppe mit der Erzähler geht aber ohne Führung gleich in die Kirche, wo sich an den Wänden eine merkwürdige Variation der Passionsgeschichte befindet. Die Bilder zeigen alle unterschiedliche Geschehnisse aus der Geschichte der Menschheit, wobei das Leid im Vordergrund steht. Die Bilder haben eine besondere Eigenschaft. Sie verändern sich in Slow-Motion, wie wenn man einen Film Bild für Bild ablaufen sähe.
Die einzelnen Stationen führen historisch geordnet in die heutige Zeit. Syrien, Ukraine und eine Szene aus Tibet stellen die letzten Stationen dar. Als sich die Gruppe vor der letzten Station befindet, sieht der Erzähler, wie seine Begleiter nach und nach „aufgelöst“ werden. Sie verschwinden. Er flüchtet zur Tür und kann gerade noch die Kriche verlassen, während die Führerin mit dem Rest der Gruppe in die Kirche eintritt.
Sie bemerkt sein Entkommen und spricht etwas in ein Funkgerät. (Dieser Teil der Geschichte wird erst später fortgesetzt, die Flucht des Erzählers und seine Recherchen und seine Wiederkehr in die Kirche.)
Er kommt vorläufig zuhause an und versucht diejenigen zu erreichen, die er selbst persönlich in der Gruppe gekannt hat. Es stellt sich heraus, dass er niemand erreichen kann. Als er bei den Telefongesellschaften anruft, erfährt er, dass niemand von denen einen Anschluss gehabt hat.
Er geht zum Arbeitsplatz eines Bekannten, der dort aber vollkommen unbekannt erscheint.
Weitere Versuche ergeben, dass niemand von denen, mit denen er in der Kirche war, je gelebt zu haben, scheint.

Er hat eine schwere Krise und lässt sich in eine Klinik für Geisteskranke einweisen. Er weiss, dass ihm niemand die Existenz seiner Freunde glaubt, bzw. glauben kann, denn es gibt keine Spuren von ihnen. Er kommt daher zu der Überzeugung, dass er halluziniert. Da er sich selbst sehr vernünftig aufführt, kann er seinen behandelnden Arzt seinen Verdacht auf Halluzination so glaubhaft schildern, dass er entsprechend behandelt wird. Allerdings kann der Arzt aufgrund einiger Tests feststellen, dass es keine Halluzinationen sein dürften. Daher entlässt er den Patienten mit dem Hinweis, sich selbst nichts daraus zu machen aber die Geschichten für sich zu behalten.

Er kehrt in sein normales Leben zurück, verwendet aber einige Energie darauf, die Besuche in die Kirche zu untersuchen. Es gelingt ihm, einige Personalien festzustellen. Er stellt fest, dass die Daten dieser Personen ungefährt zwei Stunden nach Abmarsch in den Tunnel verblassen. Nicht alle Daten gleichzeitig. Doch im Zeitraum von einer Viertelstunde sind alle Daten, die er vorher festgestellt hat verschwunden. Notizen, die er sich gemacht hat, verblassen nach ungefähr einem halben Tag.
Er fotografiert seine Notizen, doch selbst die Fotos verschwinden.
Er sucht sich Zeugen, die das Verschwinden der Notizen bemerken, doch dieselben finden eine ganze Reihe von Gründen, warum die Bilder verschwinden und wundern sich nicht.

Eines Tages legt er sich zum Schlafen nieder und wacht in einer fremden Umgebung auf. Ein anderer Raum, fensterlos, – nicht abgeschlossen. Er verlässt ihn, um die Umgebung zu erkunden. Als er über Treppen hinuntergeht, erreicht er eine Tür, die ins Freie führt. Er sieht eine Stadt mit lockerem Aufbau ohne Hochhäuser und mediterranem Anstrich. Es gibt Straßen, doch keine Autos oder andere maschinell betriebenen Fahrzeuge. Er weiß nicht, wo er hin soll. So macht er sich auf den Weg in die Richtung, in der er das Zentrum vermutet. Als er aus dem Haus kam, hatte er niemanden anderen sehen können. Nach ein paar Straßenkreuzungen, sieht er die eine oder andere Person, die ihn aber nicht zu bemerken scheinen.
Nach einiger Zeit bemerkt er jedoch, dass ihm jemand zu folgen scheint. Er kennt die Person. Es ist die Führerin, die damals beim ersten Kirchenbesuch, die Menschen herumgeführt hat.
P.S. Diese Geschichte hat nichts mit dem Buch zu tun, dass ich zu schreiben gedenke.

Die Vergangenheit

In diesem Jahr oder besser in dem ersten Halbjahr 2014 habe ich mehr Vorträge und Workshops zu halten als gewöhnlich. Das ist teilweise einer vermehrten Aktivität in Serbien geschuldet, aber auch in Österreich und Deutschland komme ich dran.
Eigentlich habe ich ja mittlerweile eine Schreib- und auch Präsentationshemmung. Für ein neues Publikum muss ich ja immer bei Eva und Adam anfangen, und das wird auf die Dauer langweilig. Doch jetzt habe ich ein ziemlich unterschiedliches Publikum zu unterhalten und da muss jede Präsentation etwas Anderes (nicht unbedingt etwas Neues) bieten. Und daher macht es mir jetzt wieder Spass, die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen.
Recht berührt hat mich aber ein Treffen in der vergangenen Woche mit dem Chef eines konkurrenzierenden Unternehmens. In der Informatik gibt es nicht so viele vernünftige Menschen, daher kennen sich die oberen -zig Personen recht gut und können sich auch leiden.
Er hat mir erzählt, dass er sich an eine Präsentation vor mehr als 10 Jahren erinnern konnte, die auf ihn einen großen Eindruck gemacht hat. Ich hatte nicht gewusst, dass er damals überhaupt anwesend war. Es war ein Vortrag über die Gleichartigkeit des Testens von Software und des Testens von Konzertflügeln. Ich hatte damals zwar nur ein Pianino auf der Bühne, aber das reichte, um die Parallelität aufzuzeigen.
Natürlich freut es mich, dass ich auf diese Weise in Erinnerung geblieben bin. Im April werde ich diesen Vortrag, den ich vollkommen neu ausarbeiten muss, in der Gallerie der Akademie der Wissenschaften (und Kunst) an einem Flügel halten. Vielleicht spiel ich dann als Abrundung eine kleinere Beethovensonate. (Wobei klein nicht die Bedeutung sondern die zeitliche Länge beschreiben soll)

aus 2041 / 15

Nach einer etwas längeren Pause geht es weiter. Hoffentlich haben sich nicht alle Leser verschlurfelt:)
Auf dem Bildschirm erschien eine weitere Meldung: „Verwenden Sie Ausstellungsstück 334!“ Nach zwei Sekunden verschwand die Meldung und der Infoautomat zeigte den gewohnten Anfangsbildschirm. Hartmut versuchte es erneut. Die Auskunft über die klassifizierte Information erschien erneut und verschwand ohne weiteren Hinweis. Das Gleiche passierte beim dritten Versuch.
Jetzt wurde Hartmut neugierig. Etwas Misstrauen wäre angebracht gewesen, doch Hartmut war schon so alt, dass er sich erinnern konnte, dass Computer nicht immer beim ersten Mal erwartungsgemäß reagierten. Er wusste nicht, dass bei einer neuerlichen Wiederholung seine Einstufung verschlechtert worden wäre.
Er schaute sich um und versuchte das Ausstellungsstück 334 ausfindig zu machen. Nicht alle Exhibitionate waren nummeriert, doch bei einigen fand er kleine Inventaraufkleber. Allerdings waren die Zahlen alle zweistellig.
Er schlenderte weiter. Im übernächsten Raum gab es die Darstellung eines früheren Büroraums. Ein wunderschöner Holzschreibtisch mit einer Lederauflage. Es gab einen Adressenkarteikasten, mit Karten, auf denen Adressen handschriftlich vermerkt waren. Das Telefon hatte eine Drehwählscheibe. Eine der Schubladen des Schreibtisches stand halb offen. Hartmut entdeckte darin einen Anachronismus, hier lag ein Mobiltelefon, das es erst frühestens 50 Jahre später hätte geben können. Jetzt entdeckte Hartmut einen Inventarzettel auf dem Schreibtisch. Der trug die Nummer 334. Hartmut versuchte, die anderen Laden zu öffnen. In der untersten Lade auf der rechten Seite fand er ein Buch. Er las George Orwell. Er nahm es heraus und öffnete es. Die Seiten waren alle bis auf die erste Seite weiß. Auf der ersten Seite stand: „Bei echtem Interesse wählen Sie am Infoautomat die Adresse Barawitzkagasse 10. Bleiben Sie nicht zu lange in diesem Raum. Legen Sie das Buch zurück und schließen Sie die Lade!“
Hartmut befolgte die Anweisungen. Das schien ja richtig interessant zu werden. Vielleicht war es ein Spiel. Hartmut hatte selber nie Computerspiele verwendet. Doch er konnte sich aus Erzählungen von anderen Leuten vorstellen, dass manche Spiele so ablaufen könnten.
Er blieb noch eine Stunde im Museum. Alles andere funktionierte so, wie es in Museen üblich war. Er versuchte andere Bücher zu öffnen und fand dabei keine Hindernisse vor. Vor allem aber fand er nichts, was irgendwie Aufschluss über historische Ereignisse der Vergangenheit, speziell in Hinblick auf politische Geschehnisse geben konnte. Etwas enttäuscht verließ er das Museum. Was hatte der Eisenbahner ihm als Restaurant empfohlen? Nein, es war nicht der Eisenbahner. Peter hatte ihm das Hotel Sacher empfohlen. Er versuchte einen Infoautomaten. Der angezeigte Stadtplan zeigte ihm die Route und eine vermutliche Gehdauer von fünfzehn Minuten an. Er hatte zwar nicht sehr viel Appetit, da aber sein Informationshunger nicht gestillt war, wollte er wenigstens etwas essen. Und vielleicht war es sinnvoll, ein Zimmer zu reservieren. Das könnte er gleich dort tun. Der Infoautomat hatte keinen Knopf mit Hotelreservierung. Hartmut hätte sich erst durch Menüs durchsuchen müssen und wäre schlußendlich erfolglos geblieben. Es gab keine Hotelreservierungen von unterwegs. Nur zuhause konnte man sich ein Hotel reservieren lassen und damit gab es dann auch sämtliche Angaben der Beförderungswege.
Hartmut kam sich in der großen Stadt wie in einer Wildnis vor. Zwar war alles aufgeräumt und sauber. Doch ohne Menschen kam er sich wie in unendlicher Einsamkeit vor. Hartmut hatte keine Ahnung, wie leer die Stadt war, denn es gab auch keine abgestellten Autos oder andere Fahrzeuge. Als er über den Ring der Opernkreuzung zusteuerte, sah er noch einmal einige Radfahrer, deren Verhalten das der früheren wiederspiegelte. Es gab keinen Augenkontakt und ihr Verhalten ähnelte einer Flucht, um ja jeden Kontakt zu vermeiden.
Im Hotel sah Hartmut einige Menschen. Die meisten traten als Paare auf und saßen bei Tisch. Es gab einen menschlichen Kellner, zumindest sah er nicht wie ein Automat aus. Hartmut steuerte einen Tisch an, auf dem bereits eine Speisekarte lag. Das Besondere an der Speisekarte war die Ausführung als ganz flacher Bildschirm. Auf ihm stand die Anweisung: „Bitte legen Sie ihre Hand auf die Karte.“ Als Hartmut seine Hand auf der Karte plazierte, wechselte der Schirm seine Farbe um anschließend ein „danke“ zu produzieren. Als nächstes erschien: „Ihre gesundheitlichen Werte sind in Ordnung, wir freuen uns, Ihnen unsere Standardgerichte anbieten zu können. Bitte wählen Sie aus. Hartmut wusste nicht, dass die Gerichte recht typische Standardgerichte der Alt-Wiener Gastronomie waren. Wiener Schnitzel erschien ihm als wählenswert. Als er es anklickte, kam die Meldung: „Vielen Dank für ihre Bestellung. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass alle unsere Fleischgerichte streng vegetarisch sind. Doch Sie werden geschmacklich keinen Unterschied merken. Wir empfehlen Ihnen ein Glas Weißwein, vorzugsweise ‚Grüner Veltliner‘. Sind Sie einverstanden.?“ Hartmut berührte das Feld mit „JA“, worauf sich das Menü abschaltete und nur mehr der Vermerk sichtbar war: „Es wird Ihnen in 20 Minuten serviert werden.“
Hartmut fand den Hinweis mit dem Geschmackshinweis schon etwas lächerlich. Er hätte ja gar keinen Vergleich gehabt, wie es hätte schmecken sollen.
Der Kellner kam an seinen Tisch und brachte Wein und ein großes Glas Wasser. Er fragte Hartmut: „Wollen Sie auch gleich ein Zimmer reservieren? Wenn ich richtig informiert bin, wollen Sie zwei Nächte bleiben.“ Woher wusste er das? War er vielleicht doch ein Roboter, ein besonders sorgfältig nachgebildeter. Hartmut nickte und blickte dem Kellner nach. Der humpelte ein bisschen, was Hartmut jetzt erst auffiel. Humpelnde Roboter gibt es doch wohl nicht. Doch irgendwer musste wissen, dass er jetzt da war und musste dem Kellner die Information zugespielt haben.
Jetzt erinnerte sich Hartmut an den letzten Kontakt mit Peter am Infoautomat. Er hatte ihm ja das Hotel empfohlen. Wahrscheinlich hatte Peter bereits die Information mit Hartmuts Bild an das Hotel übermittelt. Das war eine plausible Erklärung.
Verstohlen schaute Hartmut um sich. Was waren das für Menschen rund um ihn, die teilweise bereits aßen oder auf ihr Essen warteten. Die meisten Pärchen waren sehr jung – mit ihm verglichen. Sie wirkten alle wie wirkliche Touristen auf der Suche nach dem Besonderen. Es gab eine weitere Einzelperson, die so wie sein Begleiter im Zug wirkte. Ein Edel-Arbeiter. Ein neuer Gast betrat das Sacher und schwenkte in den Restaurantbereich. Eine junge Frau um die dreißig, unauffällig in einem grauen Kostüm, gepflegt wirkend, schaute sich suchend um und wählte, als sie Hartmut sah, einen Tisch in seiner Nähe.
Hartmut schmunzelte. Er überlegte sich die Situation. Diese bot sich gerade zu einem Gesprächsversuch an. Doch Hartmut war mit seiner Frau sehr glücklich. Er konnte keine erotische Anziehungskraft verspüren. Es war aber nicht üblich, mit wildfremden Personen ein Gespräch anzufangen, obwohl er das früher sehr gerne gemacht hatte. Die Frau schien diesbezüglich keine Hemmungen zu haben. „Würde es Sie stören, wenn ich mich zu Ihnen setze. Zu zweit isst es sich doch viel netter?“ Hartmut nickte etwas verhalten. Gerade konnte er ein „Guten Tag“ hervorbringen. Die Frau lächelte und wechselte den Tisch.
Hartmut grübelte, ob er es wohl mit einem Escort-Service zu tun hatte. Angesichts der merkwürdigen Zufälle, die alle darauf hindeuteten, dass man über jeden seiner Schritte bescheid wusste, konnte er jetzt glauben, dass man vielleicht auch interessiert daran wäre, was er nachts so anstellte.
Es fiel ihm nichts Besseres ein, als „Wo leben Sie denn?“ zu fragen. Die Frau lächtelte spöttisch und meinte: „Ich lebe hier in Wien.“ Hartmut fiel aus allen Wolken. Er hatte nicht geglaubt, dass in den Alt-Städten auch Menschen dauerhaft leben würden. Davon war in allen Informationen, die er bisher erhalten hatte, nicht die Rede. Er verschluckte sich an seinem Wasser, dass er gerade zum Trinken angesetzt hatte. „Sie leben hier, hier in Alt-Wien? Dauernd?“ – „Ja, ist das so besonders?“ – „Ich weiß nicht. Es hieß, dass die Alt-Städte lediglich als große Museen dienten. Sehen Sie, ich bin nicht von hier. Aber ich habe ja auch sonst kaum Menschen gesehen. Wie viele Leute leben denn in dieser Stadt?“ Die Frau nickte dem Kellner zu, der gerade gekommen war. „Bringen Sie mir dasselbe wie dem Herrn. Und zum gleichen Zeitpunkt“ Hartmut sah, dass seine Warteanzeige gerade von 12 Minuten auf 20 Minuten gesprungen war. Die Frau warf Hartmut einen prüfenden Blick zu. „Warum interessiert Sie das. Ich verstehe, dass Sie überrascht sind. Aber warum wollen Sie die Einwohnerzahl wissen?“ Hartmut entspannte sich etwas. „Sehen Sie, ich war von Beruf Statistiker. Es muss wohl ein Reflex sein, dass ich mich immer nach Zahlen erkundige. Aber ich dachte, dass es nur die Dienste für die Touristen und Gäste gibt. Wenn hier Menschen wohnen, muss es ja auch Geschäfte für sie geben. Ich habe aber keines gesehen.“
„Es gibt schon Geschäfte, aber nicht hier in der Innenstadt. Sie müssen in die Außenbezirke kommen. Dort wo ich lebe. Da finden Sie dann auch Geschäfte.“ – „Sie kennen sich in der Stadt aber wohl gut aus. Darf ich Sie nach einer Adresse fragen?“ Hartmut war ganz stolz auf sich. Es war doch sicher besser eine Person in der Stadt nach der Adresse zu fragen, als dem Infoautomaten wieder neues Futter für seine Überwachung zu geben. „Fragen Sie nur!“ – „Können Sie mir sagen, wo die Barawitzkagasse liegt?“ – „Ja, die befindet sich in einem Außenbezirk. Sie können Sie sogar leicht mit U-Bahn, Linie 4 erreichen. Von der Endstation sind es nur 10 Minuten zu Fuss.“
Es trat eine zeitlang Stille ein. Hartmut überlegte, ob es Zufall war, dass sie die Adresse so genau kannte. Für sie war die Angelegenheit, wegen der sie auch gekommen war, klar. Hartmut war derjenige, der im Museum nach 1984 gesucht hatte.
Das Essen kam auf den Tisch. Hartmut war recht verblüfft, wie gut es schmeckte. Die Frau lächelte: „Es schmeckt Ihnen. Ich kann es mir vorstellen. Auch wenn das Fleisch nicht echt ist, die Eier für die Panier sind es. Die sind nicht synthetisch hergestellt. Und den Erdäpfelsalat werden Sie zuhause vermutlich auch nicht in der gleichen Qualität erhalten. Es ist eine besondere Sorte von Erdäpfeln, die nur in einem Bezirk von Alt-Wien angebaut wird. Dort, wo übrigens auch der Wein her ist?“
Hartmut seufzte: „Es wäre nett, wenn ich Sie als Fremdenführerin engagieren könnte. Sie kennen sich vermutlich besser aus als jeder Infoautomat, den ich fragen müsste.“ – „Das stimmt. Wenn Sie den fragen, warum das Essen so gut schmeckt, wird er Ihnen nur sagen, dass das Essen den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und deswegen so gut schmeckt.“ Sie setzte fort: „Ich kann Ihnen aber ein Angebot machen. Wenn Sie zu Ihre Adresse wollen, dann kann ich Sie begleiten. Ich muss auch zu einem Ort ganz in der Nähe.“ Sie vermied es, die Adresse noch einmal beim Namen zu nennen.
Hartmut strahlte. Der Tag zeigte sich langsam von seiner besseren Seite. „Mein Name ist Hartmut, wenn ich mich vorstellen darf.“ – „Gerne. Sie können mich Vroni nennen. Von Veronika. Aber das ist zu lang.“
Hartmut winkte dem Kellner. „Dir Rechnung bitte, auch die der Dame.“ Der Kellner winkte ab. Wurde bereits von Ihrem Konto abgebucht. „Auch die von der Dame? Woher wissen Sie das im Vorhinein?“ Der Kellner antwortete: „Es ist üblich, dass nur pro Tisch abgerechnet wird. Sie müssten vorher getrennte Rechnung beantragen.“
Hartmut und Veronika verließen das Sacher und schlenderten an der Staatsoper in Richtung Karlsplatz. Dort war der Eingang zur Linie 4. Veronika wies ihn darauf hin, dass sie bis zur Endstation Heiligenstadt fahren müßten.
Als sie dort ausstiegen und sich in Richtung Barawitzkagasse auf den Weg machten, konnte Hartmut sehen, dass vergleichsweise mehr Personen auf den Strassen waren. Er machte Veronika darauf aufmerksam und fragte sie, warum die Leute alle so scheu waren.
„Nun, es ist eine gute Praxis, nicht zu neugierig zu sein. Eine weitere ist es, nicht aufzufallen. Es dauert sehr lange, bis sich die Menschen hier einem anderen anvertrauen.“
Hartmut überlegte ein bisschen, dann fragte er: „Aber wie ist das mit Ihnen? Sie haben sich ja von sich heraus im Sacher zu mir gesetzt. Das würde dann ja überhaupt nicht dem Standardbenehmen entsprechen.“

Veronika antwortete langsam: „Wenn Sie sich für 1984 interessieren, dann interessiere ich mich für Sie. Warum wollten Sie denn 1984 lesen?“

# 11

Mein Gott, ich habe heute wieder einen Schädel. Das darf ja nicht wahr sein. Was war denn da gestern eigentlich los? Das Lokal war ja wirklich super. Das gibt es wohl auch nicht so häufig, einen kleinen Laden in Leipzig (Absintheria), der so große Wirkung erzeugt. Das letzte Mal, zu Silvester 2010, war das anders. Nette Unterhaltung, Mords Spass und die Verkostung von vielleicht drei, maximal vier hochprozentige Absinthen.
Und heute ist es nicht auszuhalten. Dabei war das gar kein Absinth gestern, sondern Martini und Cinzano. Na gut, der Ausgangsstoff ist derselbe: Thujon, ein Öl was in Artemisia absinthium vorkommt. Also doch Absinth, oder?
Eigentlich sollte dann ja auch im Martini Absinthin vorhanden sein. Von der Appetitanregung habe ich nichts bemerkt, das mit der Verdauungsförderung scheint hin zu hauen. Sch….Wermut, im wahrsten Sinne des Wortes. Goethe hätte wahrscheinlich noch Schwermuth geschrieben. Aber ich sage gleich eines: umbringen werde ich mich deswegen nicht. Wichtig ist nur, dass ich den Schmerz loswerde. Naja, mit 600mg Ibuprofen wird es schon werden.
Aber eines weiß ich: das nächste Mal trinke ich nur mehr Absinth, nicht das schwache Zeug, das man dann erst recht in zu großen Mengen runterschüttet. Erinnert mich an ein Besäufnis in Krasnodar, wo die Bar nur mehr Amaretto zur Verfügung hatte. Das war am nächsten Morgen auch kein Kinderspiel. Aber von Schwermut war nichts zu merken.
Na gut, richtig schwermütig wird man auch vom Sch…Wermut nicht. Vor allem, wenn so nette Mädels dabei waren.
Das hier ist mein Beitrag zum Projekt *.txt auf neonwilderness. Es geht um das 11. Wort.

Standortbestimmung

Ich werde immer wieder einmal aufgefordert, auch von mir selbst, endlich einmal ein Buch fertig zu schreiben.
Jetzt gibt es Gründe, die dafür und welche, die dagegen sprechen.
Dagegen:
1) seriöserweise sollte ich ein Fachbuch schreiben (oder mehrere)
1a) damit verdient man nichts
1b) es ist sehr viel Arbeit (lt. Kollegen, die es schon gemacht haben, zwei Jahre, manche schreiben es allerdings auch in einem Monat)
1c) es gibt schon so viele Bücher
1d) ich könnte meinem eigenen Qualitätsanspruch nicht genügen.
1e) ich bin eigentlich faul.
2) ich würde gerne einen Roman schreiben. (Science-Fiction oder Entwicklungsroman)
2a) es gibt schon so viele Bücher
2b) ich weiß gar nicht, ob ich so schreiben kann, dass es von mehr als meinem Fan-Club überhaupt goutiert wird.
2c) es dauert sehr lange, weil es sehr viel Arbeit bedeutet.
2d) ich könnte nicht so gut schreiben, wie die Autoren, die ich bewundere.
2e) ich bin eigentlich faul.
Dafür:
1) Fachbuch
1a) Ich erzähle in Vorträgen und bei Schulungen so viel, bei dem ich meine, einen eigenen pädagogischen Stil zu entwickeln.
1b) Ich würde zu Konferenzen eingeladen werden und irgendwann als Keynote-Speaker auftreten. (Das würde mir gefallen:)
1c) In einer gewissen Weise bin ich in meinem Fachgebiet missionarisch unterwegs. Es wäre vernünftiger, die eigene „Bibel“ zu schreiben als immer nur korrigierend zu ergänzen.
2) Belletristik
2a) Ich habe mindestens sechs Romanszenarien im Kopf.
2b) Es wäre toll gewesen, wenn ich zwei der Szenarien geschrieben hätte, bevor sie Realität geworden sind.
2c) Ich würde wirklich gerne ein paar Ideen in die Köpfe der Menschen verpflanzen.
Der Grund, dass ich keine Zeit habe, zählt nicht. Für bestimmte Dinge muss man sich Zeit nehmen. Schließlich bringe ich ja auch Zeit für das Klavier Üben auf.
Mal sehen, ob sich meine Überlegungen in einem Jahr verändert haben werden…

Umzug

In Kürze wird dieses Blog keine neuen Artikel mehr aufweisen sondern sie werden unter Umzug zu finden sein.
Da ich die Aktion nicht konzertiert durchführen kann, (also innerhalb eines kurzen Zeitraums) werde ich einige Zeit parallel fahren, und den obigen Link jeweils angeben.
Einige der Features, die mich ursprünglich an Twoday begeistert haben, haben aufgrund der etwas laschen Maintenance der Plattform ihre Anziehungskraft verloren. Aus diesem Grund bin ich auch nicht bereit, etwas für einen größeren Datenraum zu bezahlen. Mir ist nicht um die 5 € schade, sondern ich will einfach keine Unterstützung leisten, wenn mit bestimmten Problemen nicht professionell umgegangen werden kann.
Ich glaube zwar, dass mir nicht alle Leser folgen werden, vor allem die nicht, die nur zufällig immer wieder auf dieses Blog stoßen, doch das Auswechseln eines Lesezeichens wird für die meisten kein technisches Problem darstellen:)




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