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Also es wird die 30. Beethovensonate sein, die ich spielen werde, nicht die siebente. Vielleicht könnte das eine Draufgabe werden.
Doch die 30. lässt mich nicht mehr los. Viel zu üben, doch wenn ich jetzt schon von drei Berufspianisten gehört habe, dass sie diese Sonate so hoch einschätzen, ja sogar als größte von Beethoven bewerten, dann muss ich schauen, dass ich sie dann spiele, wenn ich sie noch spielen kann.
Zur Zeit bin ich nicht sehr proliferativ. Oder sagen wir einmal so, ich habe so viel in beruflicher Hinsicht zu schreiben und zu studieren, dass ich wirklich ausgelaugt bin. (Dazu noch immer marode)
In einer Mail wollte ich aber ein musikalisches Beispiel bringen:
Als ich das abspielte, befiel mich die Vorstellung, dass „Heimwärts“ genau jene Melodie ist, die ich innerlich höre, wenn ich an Oberösterreich und meine Ferien dort vor langen, langen Jahren in Scharnstein denke. Ich kannte damals gar nichts von Grieg. Aber die Musik konnte ich innerlich schon irgendwie vorweg nehmen…
Eine der ersten Opern, die ich wirklich in der Oper sah, waren Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach. (Die erste war der Rosenkavalier, den ich mit 15 Jahren auf dem Stehplatz sah.)
Wie allgemein üblich erzählte mir mein Vater vorher die Handlung und machte mich auf die Hintergründe der Oper aufmerksam. Das muss einem erst einmal mitgegeben werden.
Er sprach von Etea Hoffmann und ich war vom Namen Etea schon aus phonetischen Gründen sehr begeistert. Erst später lernte ich, dass es eigentlich E. T. A. hieß, wobei das A. für Amadeus stand. Hoffmann hatte in Verehrung von Mozart aus seinem Wilhelm einen Amadeus gemacht.
Ich fand es jedenfalls romantisch, als wir dann in der Schule das „Fräulein von Scuderi“ lesen mussten. Ich war stolz darauf, so etwas zu lesen und der Name Cardillac prägte sich mir ein. Als ich vielleicht zehn Jahre später das erste Mal von der (nicht d i e ) Oper Cardillac von Paul Hindemith hörte, konnte ich mich noch erinnern, was Cardillac für eine Rolle gespielt hatte. Weiteres von der Oper bekam ich nicht zu dem Zeitpunkt nicht mit. Von Hindemith kannte ich den Ludus tonalis und Mathis der Maler (diesmal ohne h) und ich mochte Hindemith. Erstens weil er mir gefiel, zweitens weil offensichtlich mein Vater, mein Klavierlehrer und ein weiterer Klavierprofessor von der Musikhochschule ihn sehr wertschätzten. (Ich lasse mich auch von Gruppenmeinungen anstecken, allerdings sind es in der Regel sehr kleine Gruppen.)
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Heute fand ich (anläßlich der 2. Aufführung einer neuen Inszenierung des Werks) einen Grund, als Österreicher auf etwas stolz zu sein. Viel Anlass gibt uns unsere Regierung ja heutzutage nicht. Doch der Umstand, dass diese Oper in einer derartig fantastischen Aufführung in Wien zustande kommen kann, spricht für Wien und auch für unser Land.
Wer sich für die diversen positiven Kritiken inszeniert, kann die in den größeren Tageszeitungen nachlesen. Einer der Kritiker, ich glaube in der Presse, nahm sogar seine Kritik an dem Regisseur Sven-Eric Bechtolf anläßlich der neuen Wagner-Aufführung zurück, indem er behauptete, dass er jetzt erst die Größe von SEB erkennen würde.
Die Regie, die einen lebenden Holzschnitt zelebriert – mit einigen Highlights wie den goldenen Türen, den goldenen Schmuck und den goldenen, toten Cardillac – ist großartig. Ich kann gar nicht alle die Details aufzählen, die da auffallen.
Die Musik ist wunderschön; ich kann mir aber vorstellen, dass sie nicht jedem beim ersten Mal Hören eingängig ist. Die Sänger, das Orchester und der Dirigent mehr als tadellos.
Vieles könnte ich jetzt aus den Interviews mit SEB und dem Dirigenten Welser-Möst zitieren, über das Künstlertum, über die Kunst, eine ganze Reihe von Zitaten, die zum Nachdenken rühren würden.
Statt dessen gebe ich hier aus dem Libretto von Ferdinand Lion ein paar Strophen wieder, die mich stark beeindruckt haben. Die haben natürlich mit Sex zu tun, was sollte mich sonst beeindrucken?
zum Kontext
Cardillac ist Goldschmied. Die Käufer seiner Schmuckstücke fallen alle geheimnisvollen Morden zum Opfer. Es gilt als riskant, ein Schmuckstück von ihm zu erwerben.
Dame:
So bringt mir das Schönste, was Cardillac je schuf!
Heut um Mitternacht steht meine Tür Euch offen.
Und Bogen des Munds, und Pfeil des Blicks
sind Euer Eigentum.
Ich finde das schon eine sehr poetische Umschreibung für den Akt des sich Hingebens. Ein bisschen stört mich ja, dass „die Dame“ offensichtlich den Kick des besonderen Schmuckstücks begehrt. Das klingt so, als wäre ihr der Kavalier recht egal.
Das das nicht so ist, zeigt der spätere Verlauf:
Dame: (allein wartend)
(Schlafzimmer der Dame)
Die Zeit vergeht. Rose zerfiel.
Der Nachtwind weht um meine Lippen kühl.
Ist er schon hier?
Sofort verlass die Oberwelt ich, die ich hass‘,
Will unter ihm, von ihm allein
unendlich tief begraben sein.
(Da ist der Schmuck ja eigentlich schon recht egal. Es geht aber noch weiter.)
Küss ich die Luft? Still ich die Glut?
Geöffnet lieg ich bis aufs Blut.
Und sterbe hin, durchbohrt, verzehrt, begehrend,
dass er mich begehrt.
Doch alles steht stumm in der Welt.
Nur Nachtwind weht durch meine Lippen kühl.
In der weiteren Regieanweisung kommen vor:
„Nach und nach vergessen sie den Schmuck und denken nur noch an sich. …
Dann während beide in Liebesvergessenheit versunken sind, ist jener [der Mörder] mit einem Satz ins Zimmer gesprungen.
Den Rest kann man sich vorstellen.
Es gibt in der Oper kein Liebesduett. Doch während dieser Szene im Schlafzimmer der Dame ist die Musik schon besonders nett.
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Die Oper war übrigens ausverkauft. Und ich habe keinen leeren Platz gesehen.
Als Kuriosum und weil ich es versprochen habe, stelle ich den folgenden Eintrag zur Verfügung:
https://www.youtube.com/watch?v=FnMbIOCokMU
Bevor sich jetzt über die dilletantische Performance aufregt, stelle ich noch folgende Informationen bereit. So ein Stück – nicht original fürs Klavier sondern für ein Orchester geschrieben – übt man nicht. Der Klavierauszug ist auch für Leute geschrieben, die das so einigermaßen vom Blatt spielen können. Manchmal machen einem die rhythmischen Übergänge zu schaffen, manchmal sind es die Lagen, usw.
Aber was das Besondere daran ist, ist die Freude, wenn man ein Werk, dass man gut kennt und ihm Ohr hat, selber so spielen kann und dann die Finger so bewegen kann, dass die erwarteten Themen zum Vorschein kommen.
Diese Einspielung habe ich nach einer Reise in Belgrad gemacht. Einmal durchgespielt und dann gedacht, so jetzt ist es ausreichend, um aufgenommen zu werden. Das stimmt natürlich nicht. Jetzt würde das Üben erst anfangen. Diese Energie verwende ich aber lieber für die Klaviersonaten.
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Was man sich aber vielleicht vorstellen kann, ist die Machbarkeit, wenn man statt zwei Pfoten vier zur Verfügung hätte. Dann fallen die technischen Schwierigkeiten der weiten Griffe komplett weg und man kann sich ausschließlich auf die Themen konzentrieren.
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Und jetzt noch etwas Ernstes. Wenn ich das spiele, bewundere ich Beethoven um so mehr. Es ist unglaublich, was er mit doch relativ einfachen und tonalen Mitteln herzaubern kann.
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Hier ist der 1. und 2. Satz inklusive Nachtigallenschlag enthalten. Um das auf youtube hochzuladen, benötigt man 12 Stunden. Aber es hat immerhin geklappt:)
1) http://www.youtube.com/watch?v=NNx6hh-cCa8
oder
2) http://www.youtube.com/watch?v=06tQpVtlQMo
Ich kann da eine Präferenz äußern.
Als Kuriosum und weil ich es versprochen habe, stelle ich den folgenden Eintrag zur Verfügung:
https://www.youtube.com/watch?v=FnMbIOCokMU
Bevor sich jetzt über die dilletantische Performance aufregt, stelle ich noch folgende Informationen bereit. So ein Stück – nicht original fürs Klavier sondern für ein Orchester geschrieben – übt man nicht. Der Klavierauszug ist auch für Leute geschrieben, die das so einigermaßen vom Blatt spielen können. Manchmal machen einem die rhythmischen Übergänge zu schaffen, manchmal sind es die Lagen, usw.
Aber was das Besondere daran ist, ist die Freude, wenn man ein Werk, dass man gut kennt und ihm Ohr hat, selber so spielen kann und dann die Finger so bewegen kann, dass die erwarteten Themen zum Vorschein kommen.
Diese Einspielung habe ich nach einer Reise in Belgrad gemacht. Einmal durchgespielt und dann gedacht, so jetzt ist es ausreichend, um aufgenommen zu werden. Das stimmt natürlich nicht. Jetzt würde das Üben erst anfangen. Diese Energie verwende ich aber lieber für die Klaviersonaten.
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Was man sich aber vielleicht vorstellen kann, ist die Machbarkeit, wenn man statt zwei Pfoten vier zur Verfügung hätte. Dann fallen die technischen Schwierigkeiten der weiten Griffe komplett weg und man kann sich ausschließlich auf die Themen konzentrieren.
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Und jetzt noch etwas Ernstes. Wenn ich das spiele, bewundere ich Beethoven um so mehr. Es ist unglaublich, was er mit doch relativ einfachen und tonalen Mitteln herzaubern kann.
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Hier ist der 1. und 2. Satz inklusive Nachtigallenschlag enthalten. Um das auf youtube hochzuladen, benötigt man 12 Stunden. Aber es hat immerhin geklappt:)
Seit zwei Wochen lebe ich ein sehr intensiviertes Leben. Die Muße, welche das Feiern und die Besuche von lieben Verwandten und Freunden erfordert, wird von exakten Planungen eingerahmt, welche in sich wiederum stille Phasen einschließen, …
mehr
Bei Harfim gibt es heute etwas über das Lob zu lesen.
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Ich habe mich heute durch 16 Seiten Liszt-Sonate durchgekämpft und festgestellt, dass sie entgegen meinen bisherigen Annahmen doch spielbar erscheint. Ich muss allerdings die Möglichkeit haben, jeden Tag zu üben, um nicht zu vergessen, was ich am Vortag geübt habe. (Gute Ausrede, nicht wahr?)
Aber ich will die einfach einmal spielen.
http://www.youtube.com/watch?v=lrZ9cswKfi0
Es steckt so viel drinnen, dass sich auch eine längere Überei rentiert. Loben wird mich dann allerdings niemand können, nicht einmal ich selbst. Denn so wie Nelson Freire werde ich sie wohl nicht hinbekommen.
Bei der Suche nach einem anderen Werk bin ich auf diese Einspielung gestoßen, die mich sehr berührt hat.
Arthur Rubinstein gehört für mich zur Klasse der absoluten Superpianisten, bei denen praktisch jede Einspielung von ihnen begeistert. (Dazu gehören auch Svatoslav Richter, Alfred Cortot, Martha Argerich, Andras Schiff, Grigorij Sokolov … Mehr als 10 werden es nicht sein, obwohl eigentlich auch Brendel dazu gehören sollte.)
Ich habe von Rubinstein hauptsächlich Chopin-Aufnahmen gehört, da gibt es einige LPs in meinem Fundus.
Der Mann war mir wegen mancher seiner Aussagen sehr sympathisch. „Wenn Du das Leben liebst, liebt es dich auch.“
Oder:
„Als junger Mensch war ich faul. Ich hatte Talent, aber es gab vieles in meinem Leben, was mir wichtiger war als Üben. Gutes Essen, gute Zigarren, große Weine, schöne Frauen … Als ich in den lateinischen Ländern spielte, in Spanien, Frankreich, Italien, liebte man mich wegen meines Temperaments. In Russland hatte ich auch keine Schwierigkeiten, aber in England und Amerika meinte das Publikum, für sein Geld alle Noten hören zu müssen; ich ließ jedoch damals viele unter den Tisch fallen, vielleicht dreißig Prozent, und man fühlte sich betrogen. Ich konnte nicht täglich acht bis zehn Stunden am Klavier sitzen. Ich lebte für jede Minute. Ich war tief beeindruckt von Leopold Godowsky. Fünfhundert Jahre würde ich brauchen, um solche Technik zu bekommen. Aber was hatte er davon? Er war ein unglücklicher, verkrampfter Mensch, der sich elend fühlte, wenn er nicht am Klavier saß. Hat er sein Leben nicht verpasst?“ [aus Wikipedia übernommen, stammt aber aus seiner Autobiographie]
Rubinstein hatte auch im ehemaligen (ersten) Bösendorfersaal gespielt und sich sehr lobend über Bösendorfer ausgesprochen. Es ist klar, dass er mir damit sympathisch wurde.
Viel wichtiger erscheint allerdings sein Klavierspiel. Ich möchte sagen, dass mein Vater vielleicht nicht so gut spielen konnte wie er, aber diese Etude genauso angelegt hatte. Diese spezielle Art der Interpretation hat sich bei mir eingeprägt. Mein Vater hatte keine Gelegenheit gehabt, Rubinstein zu hören. Die Schallplatten mit den Aufnahmen kamen erst später. Und doch stimmte die Interpretation derart überein.
Ich brauche wohl nicht extra zu betonen, dass ich diese Etude ebenfalls so spielen möchte. Ich habe sie schon früher einmal geübt und konnte sie leidlich spielen.
Da ich jetzt die Chopin-Etuden quasi als Meditation verwende und sie ganz, ganz langsam durchspiele, gerate ich auch an diese Etude.
Es ist unglaublich, man kann die Etuden so langsam wie man will spielen, sie sind genauso interessant und schön. D.h. das Üben allein macht schon enorme Freude und schenkt Befriedigung.
Was ich heute allerdings nach einer Stunde Üben festgestellt habe, ist die enorme Anstrengung, die man während des Spielens gar nicht merkt.
Obwohl es jetzt draußen ziemlich heiß ist, ist es in unserem Wohnzimmer angenehm kühl und wohl kaum wärmer als 21 Grad.
Trotzdem war ich beim Aufstehen schweißüberströmt. Das langsame Spielen erfordert höchste Konzentration und die scheint sich auszuwirken.
Prinzipiell glaube ich, dass zwischen Tai-Chi, Yoga oder dem Klavierspiel kaum ein Belastungsunterschied besteht. Das Spielen ist aber wohl eine der besten Meditationsquellen, die mir offen stehen.
