Archive for the ‘MUSIK’ Category
Jeder kennt Zungenbrecher.
Das gibt es auch am Klavier. Ich kämpfe gerade mit zwei Takten einer Variation von Beethoven.
Technisch gesehen sind diese Takte alles andere als schwer. Gut, jeder Ton steht für sich innerhalb einer Fuge, das ganze ist vierstimmig.
Ich kann die Stelle weder im Kopf auswendig noch mechanisch. Sie will einfach nicht hinein. Ich könnte die Noten aufschreiben. D. h. ich kann sie ganz langsam nachempfinden. Doch ich kann sie nicht langsam spielen. Vielleicht muss ich es noch langsamer angehen.
Wahrscheinlich wird es morgen (bzw. heute am Tag) kein Problem mehr sein. Aber mich fasziniert das „Zungenbrecherische“ an der Stelle. Man könnte ja auch sagen: Kontrapunkt vom Feinsten und Modernsten.
Die Stelle:

vorher und nachher:

Eine der ersten Opern, die ich wirklich in der Oper sah, waren Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach. (Die erste war der Rosenkavalier, den ich mit 15 Jahren auf dem Stehplatz sah.)
Wie allgemein üblich erzählte mir mein Vater vorher die Handlung und machte mich auf die Hintergründe der Oper aufmerksam. Das muss einem erst einmal mitgegeben werden.
Er sprach von Etea Hoffmann und ich war vom Namen Etea schon aus phonetischen Gründen sehr begeistert. Erst später lernte ich, dass es eigentlich E. T. A. hieß, wobei das A. für Amadeus stand. Hoffmann hatte in Verehrung von Mozart aus seinem Wilhelm einen Amadeus gemacht.
Ich fand es jedenfalls romantisch, als wir dann in der Schule das „Fräulein von Scuderi“ lesen mussten. Ich war stolz darauf, so etwas zu lesen und der Name Cardillac prägte sich mir ein. Als ich vielleicht zehn Jahre später das erste Mal von der (nicht d i e ) Oper Cardillac von Paul Hindemith hörte, konnte ich mich noch erinnern, was Cardillac für eine Rolle gespielt hatte. Weiteres von der Oper bekam ich nicht zu dem Zeitpunkt nicht mit. Von Hindemith kannte ich den Ludus tonalis und Mathis der Maler (diesmal ohne h) und ich mochte Hindemith. Erstens weil er mir gefiel, zweitens weil offensichtlich mein Vater, mein Klavierlehrer und ein weiterer Klavierprofessor von der Musikhochschule ihn sehr wertschätzten. (Ich lasse mich auch von Gruppenmeinungen anstecken, allerdings sind es in der Regel sehr kleine Gruppen.)
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Heute fand ich (anläßlich der 2. Aufführung einer neuen Inszenierung des Werks) einen Grund, als Österreicher auf etwas stolz zu sein. Viel Anlass gibt uns unsere Regierung ja heutzutage nicht. Doch der Umstand, dass diese Oper in einer derartig fantastischen Aufführung in Wien zustande kommen kann, spricht für Wien und auch für unser Land.
Wer sich für die diversen positiven Kritiken inszeniert, kann die in den größeren Tageszeitungen nachlesen. Einer der Kritiker, ich glaube in der Presse, nahm sogar seine Kritik an dem Regisseur Sven-Eric Bechtolf anläßlich der neuen Wagner-Aufführung zurück, indem er behauptete, dass er jetzt erst die Größe von SEB erkennen würde.
Die Regie, die einen lebenden Holzschnitt zelebriert – mit einigen Highlights wie den goldenen Türen, den goldenen Schmuck und den goldenen, toten Cardillac – ist großartig. Ich kann gar nicht alle die Details aufzählen, die da auffallen.
Die Musik ist wunderschön; ich kann mir aber vorstellen, dass sie nicht jedem beim ersten Mal Hören eingängig ist. Die Sänger, das Orchester und der Dirigent mehr als tadellos.
Vieles könnte ich jetzt aus den Interviews mit SEB und dem Dirigenten Welser-Möst zitieren, über das Künstlertum, über die Kunst, eine ganze Reihe von Zitaten, die zum Nachdenken rühren würden.
Statt dessen gebe ich hier aus dem Libretto von Ferdinand Lion ein paar Strophen wieder, die mich stark beeindruckt haben. Die haben natürlich mit Sex zu tun, was sollte mich sonst beeindrucken?
zum Kontext
Cardillac ist Goldschmied. Die Käufer seiner Schmuckstücke fallen alle geheimnisvollen Morden zum Opfer. Es gilt als riskant, ein Schmuckstück von ihm zu erwerben.
Dame:
So bringt mir das Schönste, was Cardillac je schuf!
Heut um Mitternacht steht meine Tür Euch offen.
Und Bogen des Munds, und Pfeil des Blicks
sind Euer Eigentum.
Ich finde das schon eine sehr poetische Umschreibung für den Akt des sich Hingebens. Ein bisschen stört mich ja, dass „die Dame“ offensichtlich den Kick des besonderen Schmuckstücks begehrt. Das klingt so, als wäre ihr der Kavalier recht egal.
Das das nicht so ist, zeigt der spätere Verlauf:
Dame: (allein wartend)
(Schlafzimmer der Dame)
Die Zeit vergeht. Rose zerfiel.
Der Nachtwind weht um meine Lippen kühl.
Ist er schon hier?
Sofort verlass die Oberwelt ich, die ich hass‘,
Will unter ihm, von ihm allein
unendlich tief begraben sein.
(Da ist der Schmuck ja eigentlich schon recht egal. Es geht aber noch weiter.)
Küss ich die Luft? Still ich die Glut?
Geöffnet lieg ich bis aufs Blut.
Und sterbe hin, durchbohrt, verzehrt, begehrend,
dass er mich begehrt.
Doch alles steht stumm in der Welt.
Nur Nachtwind weht durch meine Lippen kühl.
In der weiteren Regieanweisung kommen vor:
„Nach und nach vergessen sie den Schmuck und denken nur noch an sich. …
Dann während beide in Liebesvergessenheit versunken sind, ist jener [der Mörder] mit einem Satz ins Zimmer gesprungen.
Den Rest kann man sich vorstellen.
Es gibt in der Oper kein Liebesduett. Doch während dieser Szene im Schlafzimmer der Dame ist die Musik schon besonders nett.
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Die Oper war übrigens ausverkauft. Und ich habe keinen leeren Platz gesehen.
die manchmal meine Klavierübungen verfolgen 🙂
Zweite Aufnahme zu Übungszwecken
Wenn ich spiele, merke ich zwar die Fehler, aber ich höre nicht alles. Z.B. dass es zu viel Pedal gibt. Aber immerhin kann ich es jetzt schon durchspielen und in der Regel mache ich weniger Fehler. Interessant, wie die Aufnahme meine Spieltechnik negativ beeinflusst. Doch zum Lernen ist es schon gut, wenn man sich selbst beobachten kann.
Nachtrag: im real life ging es dann recht gut. Morgen spiel ich es dann noch einmal und dann behalte ich es im Repertoire als Zugabestück.
Mittlerweile flüchtet nicht einmal die Katze, wenn ich es spiele.
Man soll in die Zukunft schauen, nicht nur für die Gegenwart leben – das ist meine Devise. Manche meinen, dass ich viel zu viel in der Vergangenheit hänge. Doch die Vergangenheit birgt eben viel Schönes. Musik bietet die Möglichkeit, innerhalb von Sekundenbruchteilen das Glücksgefühl zurück zu holen, welches sich einmal früher beim Anhören bestimmter Musik eingestellt hat. Das Gefühl wird noch vertieft, wenn man die Musik nicht nur angehört sondern auch selbst gespielt hat. Ganz überraschend ist es, wenn man die Musik längst aus dem aktiven Gedächtnis entschwunden ist.
http://www.youtube.com/watch?v=yqufpr3Ik0c
(Ich hoffe, es wird auch für deutsche LeserInnen sichtbar werden.)
Mit meinen Freunden bei den Wiener Symphonikern habe ich das vor vielleicht zehn Jahren gespielt. Ist das nicht eine wunderbare, sehr lebensbejahende Musik?
oder „The Interconnectedness of All Things“
Vom Autor des „Per Anhalter durch die Galaxis“, Douglas Adams, gibt es auch die Geschichte von Dirk Gentry, der eine Detektei betreibt. Alles ist miteinander verbunden. Wird dieses System ausgereizt, kann man sein Fahrziel auch finden, wenn man überhaupt nicht weiß, wo es sich befindet, wenn man nur einem Fahrer hinten nachfährt, der weiß, wo er hin will. (Selbstverständlich hat der ein ganz anderes Ziel!)
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Ich habe gestern einen Tristan gesehen, welcher beeindruckt hat. Nach ein paar sehr leicht missglückten Bläsereinsätzen zu Beginn spielte sich der Orchester in einen rasenden Taumel hinein. „Mit den Wiener Philharmonikern kann’s ein jeder.“ habe ich gescherzt. Doch was Gustav Kuhn mit seinem relativ jugendlichen Orchester musizieren kann, ist wahrlich außergewöhnlich.
Die kommen ja aus aller Welt und „trainieren“ zusammen mit ihm in Montegral in der Nähe von Lucca. (Toskana)
Dieser „Tristan und Isolde“ konnte rühren, was nicht zuletzt an den Sängern und Sängerinnen lag. Beachtenswert eine schlanke Figur einer dunkelhaarigen Isolde, die sich bis zum Liebestod derart verausgabte, dass man ihr die Anstrengung – oder besser die Entrücktheit – beim finalen Applaus deutlich anmerken konnte. Meine „Referenz-Isolde“ war ja Birgit Nilsson, (auch schwarzhaarig) die man auf der besten Tristan-Einspielung zusammen mit Wolfgang Windgassen und Karl Böhm bewundern kann. (Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1966 und wurde auch auf CD remastered. Falls sich jemand dafür interessiert.)
Diese Isolde war grandios und vor allem überzeugend. Wer sich den Link ansieht, wird nun feststellen, dass die Dame zuerst in Luzern ausgebildet wurde, bevor sie in New York weiterstudierte.
Und sie ist keine Unbekannte. Die Isolde ist zur Zeit die letzte große Wagner-Rolle, die sie noch nicht gespielt hatte. Und es muss nicht Wagner sein. Elektra ist ja bekanntlich von Richard Strauss.
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Wie heißt es: alles ist miteinander verbunden. Es kann daher kein Zufall sein, dass uns Mona Somm quasi von Luzern gefolgt ist, auch wenn sich ihr Wohnsitz heutzutage in Sankt Gallen befindet.
Hier würde ein Beitrag über diesen großartigen Dirigenten stehen. Aber es wurde hier schon ausreichend schön ausgedrückt.
Aus gegebenen Anlass und weil auch in anderen Blogs manchmal von Klavieren gesprochen wird, möchte ich hier meine jüngste Erfahrung preisgeben.
Beim Besuch einer lieben Bloggerfreundin hatte sie extra vom Nachbarn ein elektronisches Klavier ausgeborgt, auf dem ich ein bisschen herumklimperte.
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Ich war sehr überrascht, dass es besser klang als meines in Belgrad. Der Preis ist bei beiden ungefähr gleich. Mein Yamaha hat mehr Spielereien elektronischer Art. Dagegen wird das Kawai spartanisch.
Das Kawai spielt sich allerdings von der Mechanik besser, das linke Pedal wirkt wesentlich natürlicher, das Wichtigste aber, der Klang, ist eindeutig überlegen.
Jetzt hatte ich in Belgrad beide Klaviere nur mit Kopfhörern ausprobiert, was eigentlich die kritischere Beobachtung sein sollte. Jetzt könnte man behaupten, dass das Kawai nur bessere Lautsprecher hat.
Aber das ist es nicht alleine. Auf dem Kawai kann (zumindest) ich einen besseren Klang erzeugen als auf dem Yamaha. Gestern hatte ich dann noch einmal die Record_Taste betätigt und mich in einiger Entfernung in den Garten gesetzt. Der Klangeindruck war durchaus überzeugend.
Es ist zwar noch immer kein Bösendorfer aber doch für einen ganz guten Einstieg geeignet. Anscheinend hat die Kooperation zwischen Steinway und Kawai (der Boston-Flügel) doch etwas gebracht, während die Yamaha-Bösendorfer-Verbindung rein finanziellen und Eigentümercharakter hat.
Nachdem ich festgestellt habe, dass ich einige noch nicht eingeladen habe, (was nicht für meine Blog-LeserInnen zutrifft) kündige ich halt noch einmal mein Konzert am 12.6.2016 11:00 im alten Festsaal in der Perchtoldsdorfer Burg an.
Nähere Daten wurden hier schon veröffentlicht, ich beantworte aber auch gerne Fragen.
Beethoven, Chopin, Borodin, Schubert. Wen immer es interessiert.
Hier würde ein Beitrag über diesen großartigen Dirigenten stehen. Aber es wurde hier schon ausreichend schön ausgedrückt.
Drei Aufgaben erledige ich, die nächsten fünf sind schon in der Warteschleife. Bevor ich die angehe, versuche ich noch mit den neu gekauften Kabeln eine Überspielung vom Clavinova in den Rechner zu bewerkstelligen. Die Pegelanpassung funktioniert mit LINE-OUT überhaupt nicht. Mit den Kopfhörerausgängen bekomme ich dann noch wenigsten ein bisschen Signal drüber.
Gestern hatte ich so eine schöne Aufnahme. Da ich allerdings kurz das Clavinova ausschalten musste, hat die Aufnahme dran glauben müssen.
Eine Neueinspielung heute abend nach einem anstrengenden Tag war fast unmöglich. Wenn ich es nicht besser könnte, würde ich das Konzert absagen.
Aber hart zu sich selbst, unfair zu den anderen. Ich versuche das jetzt einmal auf Youtube hochzuladen.
Eines weiß ich allerdings sicher: wo es noch etwas zu üben gibt:
ÜBERALL!
[Hier kommt noch der Link auf die Aufnahme.]
http://www.youtube.com/watch?v=HfTmFpEgGnU
