Archive for the ‘MUSIK’ Category

Überraschung

Ich habe zufällig eine Klavierpartnerin gefunden. Noch kenne ich sie nicht persönlich, doch kommenden Freitag werden wir das erste Mal im Bösendorfer-Studio gemeinsam spielen.
Ungefähr mein Alter, würde ich schätzen, hat als Bibliothekarin bei IAEA gearbeitet, dürfte recht intelligent sein und hat im Profil auch Klavierbegleiterin.
Was aber noch mehr zählt, ist ihre Bereitschaft und vielleicht sogar Begeisterung, vom Blatt zu spielen. Das habe ich aus einem Kommentar in der Klavierspielgruppe herausgelesen und sie deswegen angeschrieben. Das könnte wirklich eine Menge Freude in der Zukunft bedeuten.
Ein Planstück fürs erste ist die Schubert-Fantasie.
sehr langsam gespielt, aber dafür schön
P.S. Die Klavierspielgruppe habe ich bei meetup gefunden. Momentan muss ich mich ja im social network etwas umsehen, beruflich halt.
Nachtrag: ich habe den Youtube-Link nur hineingestellt, damit sich LeserInnen das Werk vorstellen können. Ich habe es mir jetzt zum ersten Mal angehört. Mit dem Anfangstempo bin ich nicht ganz einverstanden, aber das heißt nicht, dass ich es schlecht finde. Es ist halt langsamer als ich es spielen will. Die „Sätze“ 2-4 stimmen im Tempo genau mit meinen Vorstellungen überein.
Interessant ist für mich an der Aufnahme eines: wann schauen die Pianisten auf den anderen. Es ist ziemlich eindeutig, dass an diesen Stellen die Gefahr besteht, dass man nicht synchron ist. Daraus kann ich lernen.
Im Übrigen habe ich dieses Stück, ohne es je wirklich zu üben, häufig mit anderen Pianisten zusammen musiziert, wobei es keine Rolle spielt, ob ich oben (bevorzugt) oder unten spiele. Unten hat für mich halt den Nachteil, dass ich keine Bassschlüssel lesen kann und immer dabei nachdenken muss. D.h. ich kann ihn schon lesen, aber meine Finger nicht. Aber das sind Feinheiten:)
Das Stück ist wirklich Schokolade. Die genießt man nicht im Zuschauen, wenn jemand anderer spielt, sondern nur wenn man selber isst (spielt).

Musik

Vor einigen Wochen hatten wir schon geplant, uns die „neue“ Einspielung des Boris Godunov in der Wiener Staatsoper anzusehen. (Hoffentlich klappt das noch mit den Karten, denn ich kann erst montags mich darum kümmern.) Als ich heute etwas früher als gewohnt nach Hause komme, sitzt Frau Columbo in der Küche und liest – und hört Musik. Ich meine, die Musik zu erkennen und frage, ob sie weiß, was sie hört. „Boris, glaube ich“ sagt sie. Ja, es ist der Boris, allerdings in einer ungewohnten Form. Die Ur-, ur-, ur-Fassung, wirklich die erste, wo es noch nicht einmal eine Marina gibt.
Während ich das schreibe, geht die Oper gerade zu Ende, das Publikum jubelt. Viel kürzer als gewohnt.
Ich mag diese Fassung. Leider konnte ich nur zuhören, meinen Klavierauszug habe ich nicht gefunden. Aber die Musik ist in dieser Fassung noch überzeugender.
Weil ich mich wunderte, dass ich keine Marina gehört hatte, schlug ich in Wikipedia nach und fand folgendes Zitat:
„Nächst Richard Wagners Tristan und Isolde hat kaum ein anders Werk so zukunftweisend und anregend auf die Entwicklung der Oper gewirkt wie Boris Godunow. Mussorgskij ist eine ebenso elementare musikalische wie dramatische Begabung. Im Grunde wurzelt er in der russischen Volksweise mit ihren mannigfachen Beziehungen zur asiatischen Musik und deren Harmonik. Aber das Geheimnis seiner Tonsprache und ihrer faszinierenden Wirkung wird damit noch nicht völlig erklärt. Es kommt etwas Eigenstes hinzu, das sich rein verstandesmäßiger Deutung entzieht. Staunenswert ist die Spannweite dieser Musik, die von der naiven Kinderweise bis zu wildester Leidenschaft, vom derbsten Humor bis zu keuschester Verinnerlichung, vom Dämonischen bis zu himmlischer Verklärung reicht und für alles den natürlichsten, treffendsten Ausdruck findet“ (Wilhelm Zentner in: Reclams Opernführer. 32. Aufl. 1988, S. 333)
Ich kannte diese Beschreibung nicht und kann sie auch nicht genau nachvollzienen. Aber es reicht mir, dass durch das Anhören des Boris eine ganz wesentliche Lebensentscheidung beeinflusst wurde. Ich spreche nicht vom heutigen Zuhören sondern von dem Zuhören, dass ich als Kind erlebte, als mein Vater den Boris studierte und unzählige Male abspielte. Ich mochte die Musik und ich mochte den Klang der Sprache.
Zwanzig Jahre später nahm ich ein Stellenangebot an, dass mich als Exportmanager nach Russland führen sollte. Damals wurde die Bereitschaft, beruflich in der Sovjetunion zu tun zu haben, noch mit einem Gehaltsplus von ungefähr 1000 € belohnt, was mich sehr reizte. Aber noch mehr reizte mich die Möglichkeit, die Sprache im Original, in High Fidelity, hören zu können. Ich war von dem Satz: „Achtung, die Türen schließen sich. Nächste Station [z.B.] Prospekt Mira“ so begeistert, dass ich ihn jederzeit im Schlaf aufsagen könnte. Ich habe dann ja auch Russisch gelernt und manchmal sogar im Traum russisch geträumt.
Aber der Boris war letzlich der Auslöser gewesen.
–
Jetzt momentan wird die verbleibende Zeit noch mit einer orchestrierten Fassung der „Bilder einer Ausstellung“ aufgefüllt. Sehr schön. Ist aber nicht mein Ding. Und einige, die bei meiner Geburtstagsfeier dabei waren, können vielleicht bezeugen, dass die originale Klavierfassung eines Moussorgski besser ist, selbst wenn sie nur von einem Dilletanten geklimpert wird.

Quand on a que l’amour

Das Original

und die Verehrung

und eigentlich wollte ich nur eine Aufnahme mit Patricia Kaas bringen, da ich mich anlässlich des Claude Lelouche-Films „And now – ladies and gentlemen“ in diese Sängerin verlieben könnte.
Es gab Anleitungen, sich einen Traummann oder eine Traumfrau zu basteln.
Aber es fällt schwer den Blick zu beschreiben, den Kaas in diesem Film hat. So etwas von zärtlich, hingebungsvoll, lieb, verschmitzt und gleichzeitig traurig, so ist ein Aphrodisiakum, bei dem alle anderen „gewünschten“ Eigenschaften Nachrangigkeit erhalten.
In ganz seltenen Fällen kann ich diesen Blick manchmal beobachten. Und inzwischen werde ich nicht eifersüchtig oder neidisch, wenn dieser Blick jemandem ganz anderen gilt. Einfach die Existenz eines solchen Ausdrucks rechtfertigt, was Dostojewski in den „weissen Nächten“ seinen Helden ungefähr (ich kann mich nur mehr inhaltlich erinnern) sagen lässt: drei Nächte voll des höchsten Glücks -reicht das nicht für ein ganzes Leben?

f… 2015

Ich habe das Wort nicht ausgeschrieben. Jeder weiß, was gemeint ist. Und ich wollte auch nicht GV oder Schnackseln schreiben, denn das wären alles bereits Umgehungen.
Ich habe jetzt zweimal hintereinander!
Nein, nicht gef…! Ich habe nicht einmal meine voyeuristischen Triebe befriedigen können. Tut mir leid. Ich werd nicht geil beim Heraussingen irgendwelcher Manifeste. Auch wenn sie von Liebe und Tod und Nacht und Tag handeln.
Ich mag Gustav Kuhn. Über seine Leistungen habe ich mich schon öfters ausgesprochen positiv ausgelassen. Doch wenn er für die Regie des zweiten Aktes von Tristan und Isolde verantwortlich zeichnet, kann ich ihm nicht folgen.
Da rennen Tristan und Isolde einen Halbmarathon über die Bühne. Mehrfach stehen sie an den äussersten Ecken der Bühne, um sich dann wieder näher zu kommen. Wenn das Orchester orgiastisch anschwillt, stehen sie Seite an Seite, ungefähr einen Meter von einander getrennt und proklamieren in das Publikum hinein.
Gut, der zweite Akt ist schwierig zu inszenieren. Oder auch nicht. Die meisten Inszenierungen, die ich kenne, lassen Tristan und Isolde im Dunkel eines Waldes verschwinden. Die Musik lässt keinen Zweifel darüber, was sie dort anstellen.
Ich habe nichts am 1. oder 3. Akt auszusetzen. Doch im zweiten Akt gibt es noch zwei weitere „Ungenauigkeiten“, die mich als „Tester“ stören.
Das eine betrifft die Verwendung von Schusswaffen, obwohl es im dritten Akt ausdrücklich besungen wird, dass Tristans Wunde von Melots Schwert herrührt. Gut, das muss ja vielleicht nicht auffallen.
Das zweite betrifft das Taschenbuch, welches Brangäne zur Erbauung mit sich führt.
Die Datierung von Tristan liegt in der Zeit des König Artus. Und selbst wenn das eine Sagengestalt ist, so ist der Zeitraum mit 900 n.Chr. plus minus vielleicht 2 Jahrhunderten doch so festgelegt, dass noch nicht einmal Gutenbergs Ururgroßeltern gezeugt waren.
Es ist ja auch absolut unnotwendig unstimmige Requisiten in eine Regie einzubauen. Wieso braucht Brangäne ein Buch, wenn Gustav Kuhn selbst auf Druckwerke verzichtet und die Opern auswendig dirigiert.
Nachdem ich vor einer Woche die Premiere gesehen hatte, passte ich vor zwei Tagen auf, ob ich selbst noch so empfindlich reagieren würde.
Ja, ich war enttäuscht. Nicht von der Aufführung selbst. Die war ganz toll. Doch warum müssen schon wieder Artefakte ins Spiel gebracht werden, die nichts mit dem eigentlichen Inhalt der Oper zu tun haben.
Wahrscheinlich bin ich nur ein miesmutiger alter Griesgram. Doch für irgendwas muss es gut sein, wenn ich auf 65 zusteuere:)

Fortsetzung nach hinten

http://youtu.be/vPQJVCmQX6o
Wie bereits angekündigt:)

Und jetzt die Profis

Manchmal mache ich das, was ich bei anderen so verurteile: ich verabsäume es, mir die Information zu holen. Dann befinde ich mich plötzlich in einer Situation, die Gedanken aufdrängt. „Wieso kenne ich das nicht? Was versäume ich sonst noch so alles? Ich war doch einmal da ganz begeistert eingebunden?“
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Natürlich rapple ich mich da zusammen: man kann nicht alles wissen, nicht alles hören, nicht alles erleben. Und damit könnte dieser Eintrag schon zu Ende sein.
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Für die geduldigen Leser gibt es aber vorerst einen Link.
Den Titel habe ich jetzt in vier verschiedenen Versionen (inklusive der verlinkten youtube-Version) von ihr gehört.
Zum ersten Mal bei einem „Heurigenabend“, bei dem sie zusammen mit Petra Dinhof über Ehe und Unendlichkeit vortrug. Da gefiel mir vor allem der weiche Ton ihres Saxophones, doch ich hatte keine Ahnung, was in ihr steckt. Sie scherzte gestern, dass sie doch eine bessere Schauspielerin als erwartet sei, denn der Eindruck, den sie hinterließ, war Hausfrau und Amateurmusikerin. Ich bin ja auch kein Diplompsychologe. Doch an jenem Abend ordnete sie sich bedingungslos dem Ton unter.
Aber wie gesagt, mir gefiel ihr Ton (nebenbei bemerkt, sie mir auch) und daher ging ich gestern mit einem lieben Freund aus Deutschland, der gerade als Gast bei mir weilt, zu ihrer CD-Taufe, In Tango Musica veritas.
Da hörte ich die Signatur „Birds Lament“ zum zweiten Mal. Aber wie.
Die mitspielenden Hausfrau ist von der ersten Minute an der Star, der ihre männlichen Begleiter, die durchaus vom Feinsten sind, genauestens einteilt, ordnet, mitreißt und offensichtlich genauso begeistert, wie sie es selbst vermitteln kann. Auch auf der CD ist dieselbe Nummer nur ein Abklatsch der live performance.
Jetzt werden einige sofort einwenden: ja, eine live performance ist halt etwas anderes, das darf man doch gar nicht vergleichen!
Das ist mir bewusst, doch ich habe ja auch die CD heute schon gehört. Und da ist es durchaus so, dass mir die Nummer Summervain, die Daniela Krammer selbst als Antwort auf Summerwine geschrieben hat, auf der CD besser gefällt. Sie kommt eindringlicher und besser verständlich für mich an.
Das gilt auch für das ebenfalls von ihr geschriebene Alone. Das hat zwar gestern Abend wirklich den größten Eindruck bei mir hinterlassen, doch da gibt es auf der CD noch eine Steigerung zu erfahren. Das ist einfach eine intime Darstellung. Eine sehr guter Kontrapunkt zu den sonst teilweise sehr witzig angelegten Arrangements, aber da ist die live-Performance fast zu viel.
Eye of the Tigerund Que sera sera regen mit ihrer musikalischen Interpretation zum Schmunzeln an. Bei Hot Stuff gefällt mir diese „neue“ Version (es ist mehr als Cover) besser als das Orginal, obwohl ich Donna Summer sehr mochte und mir da sogar eine LP gekauft hatte – vor Jahren:)
Den Samba sollte man mittanzen können, gleich vor Ort.
Jetzt sollte ich mindestens noch einmal so lange über ihren Mann am Schlagzeug oder über den Pianisten Roland Guggenbichler schreiben, doch das lesen dann ja noch weniger.
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Fazit: ein wunderbarer Abend, eine CD-Kaufempfehlung In Tango Musica veritas. Ja, singen tut sie auch, mit einer unheimlich weitreichenden Stimmenvielfalt, besonders bei Que sera sera zu genießen.
Und zum Schluss noch ein Link auf einen Song, der ihr bei youtube über 40.000 hits eingebracht hat, und mit dem gestern die Zuhörer verabschiedet wurden:
Careless Whisper

nichts für Mozartliebhaber

Von Mozart gibt es eine Fantasie UND Sonate in c-moll, die ich immer mal sehr gerne gespielt habe. Ich glaube, seit ich sechzehn war.
Heute drehe ich das Radio zum Mittagskonzert auf und erlebe, dass davon eine Orchesterfassung gespielt wird.
Es gibt ja Orchesterfassungen, die ich notgedrungen akzeptiere. Wenn z.B. Ravel Mussourgski orchestriert.
Aber bei Mozart hebt es mir den Magen aus. Da geht es um den Satz: „Schnitzel ist gut, Schlagobers ist gut, wie gut muss erst Schnitzel mit Schlagobers sein?
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Da finde ich ja noch die diversen Cross-over-Versionen ehrlicher.

Vier Tage in einer anderen Welt

Eigentlich sind es ja nur 24 Stunden, noch eigentlicher 23 Stunden und ein Vorabend. Am Vorabend gibt es das Rheingold und dann um 17:00 Walküre, um 23:00 Siegfried, um 11:00 Götterdämmerung. Das sind 16 Stunden Oper und dann noch Wagner. Das will nicht jeder haben. Aber doch ziemlich viele. Wahrscheinlich noch viele mehr, denn das Passionsspielhaus in Erl war ausverkauft. Die Orchestermitglieder gestehen, dass sie geschafft sind. Sie müssen ja durchspielen. Der Dirigent? Der weiß, was er sich zumuten kann. Gustav Kuhn könnte wahrscheinlich alle Wagner-Oper in einer Tour hintereinander dirigieren und braucht nicht einmal einen Kaffee dazu.
Ich schreibe hier keine Musikkritik. Was sollte man schreiben? Die Sänger waren großartig, es ist unfair einen oder eine hervorzuheben. Aller drei Brünnhilden haben mir gefallen, die Stimme des Hagen ist wunderbar, manche Sänger kennt man schon von wo anders her. Der Orchesterklang hingegen ist überirdisch. Es mag die Akustik des Hauses sein, das Orchester befindet sich hinter der Bühne, aber ich glaube, dass Gustav Kuhn einfach genau vermitteln kann, wie er es haben will. Und das jugendliche Orchester folgt ihm.
Jetzt habe ich aber nur zwei Tage gestreift. Ich habe zum ersten Mal das neue Festspielhaus in natura gesehen. Ich finde es passt wunderbar zum Passionsspielhaus und noch besser in die Landschaft. Doch die erste Einstimmung erfolgte bei einem Spaziergang um den Hechtsee. Der Ausklang vor der Heimreise war eine kleine Tour ins Kaisertal, die berühmten 285 Stufen. Dass ich das heute mit 10 kg mehr als beim letzten Mal vor 9 Jahren geschafft habe, ist ein umso größeres Wunder, als ich ja ein lädiertes Bein hatte. Aber ich wollte hinauf. Meine Frau war ebenfalls begeistert, – von allen Aktionen.
Nun muss man wissen, dass es vielleicht andere geben wird, die den 24-Stunden-Ring nachmachen werden. Kuhn hat schon erklärt, dass dieser Ring der letzte seiner Art (für ihn) sein wird. Ich glaube, dass dies eine weise Entscheidung ist. Man soll die Götter nicht versuchen, indem man versucht, eine Außergewöhnlichkeit noch zu übertrumpfen.
Und ein bisschen stolz bin ich jetzt und sentimental werde ich in Jahren sein, wenn ich sagen kann, dass ich beide 24-Stunden-Ringe in Erl erlebt habe.
Ein bisschen fühle ich mich noch immer wie in einer anderen Welt.

die österreichische Seele

Während gestern die „russische Seele“ dran war, entdecke ich heute zufällig die „österreichische Seele“. Im relativ neuen, dritten Fernsehprogramm Österreichs wird gerade eine historische Einspielung zum Andenken eines soeben verstorbenen Sängers und Schauspielers Heinz Holecek gebracht. Zusammen mit Gundula Janowitz und Eberhard Wächter, der später Operndirektor in Wien war, dirigiert Karl Böhm die Wiener Philharmoniker. Nun welches Werk könnte das sein? Als ich 16 Jahre alt war, hätte ich bei einer solchen Frage auf „den Rosenkavalier“ getippt. Über die gespielte Oper hätte ich damals die Nase gerümpft, ja sie nicht einmal als Oper anerkannt. Zu sehr wurde sie als Operette verkauft und hauptsächlich auch nur in der Volksoper gespielt.
Es handelt sich um die „Fledermaus“ von Johann Strauss. Warum hat sich meine Haltung geändert. Erstens ist die Fledermaus wirklich eine Oper, was den musikalischen Gehalt angeht. Das Libretto passt vielleicht besser zu einer Operette, doch erst jetzt im Alter erkenne ich die Kunst darin. Soviel gelogen wie in diesem Werk wird in keinem anderen Bühnenstück. Im Siegfried kann man vielleicht aufgrund der Orchesterbegleitung erkennen, wenn der Mime ihn grade abmurksen will, wenn er den Siegfried umsäuselt. Doch das sind gerade zwei Stellen.
Im ersten Akt der Fledermaus wird ausschließlich gelogen und geschwindelt. Die Musik ist reizend, ein Ohrwurm nach dem anderen, und erst bei näherem Zuhören entdeckt man die Raffinesse mit der Strauss seine Akteure demaskiert.
Vielleicht hätte ich besser die „Wiener Seele“ schreiben sollen. Smalltalk ist mir immer auf den Wecker gegangen. Kürzlich erst wurde ich ermahnt, mich bei einer Party doch um alle Anwesenden zu kümmern und meine Wettermitteilungen gleichmäßig zu verteilen. Das kann ich nicht.
Aber es ist notwendig, wenn man in Wien reüssieren will. Und wenn man in die Gesellschaft hineinhört, – und mittlerweile kann das auch über die berühmten Reality-Shows im Fernsehen passieren – so lassen sich nur Oberflächlichkeit und Banalität erkennen. Man könnte sich bei so viel Flachheit umbringen wollen, wenn es nicht solche Kompositionen gäbe.
Die Fledermaus ist in meinen Augen ein großartiges Werk für die Dechiffrierung Wiener Gesellschaftshaltung. Heute verbirgt sie sich unter anderen Melodien und Rhythmen. Doch in Wirklichkeit hat die Oper nichts von ihrem Wahrheitsgehalt verloren.
Obwohl sie doch nur ein großer Spaß zu sein scheint…

Frühjahrsmüdigkeit

kann es ja nicht sein.
Ich übe gerade an der 30. Sonate von Beethoven. Die ist technisch nicht so schwer, wenn man von den Trillern in der 6. Variation des letzten Satzes absieht.
Es gibt Pianisten, die sie als ihre Lieblingssonate von Beethoven bezeichnen und das mit besonderen Eigenschaften der Sonate begründen.
Tatsächlich fällt mir auf, dass ich nach einer Stunde so fix und fertig bin, dass ich mich sofort erschöpft hinlege.
Also irgendwas ist da schon sehr merkwürdig.
Für Musikinteressierte: sehr interessanter Vortrag:
Andras Schiff – Vortrag in Wigmore Hall




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