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Nömix gewidmet…
Auch der Standard befleißigt sich der Verwendung von Symbolbildern. Allerdings scheint die Redaktion in manchen Fällen doch geneigt zu sein, von ihren Lesern zu lernen. Daher ist das jetzt verwendete Symbolbild „etwas richtiger“ als das ursprüngliche, bei dem es um eine Form unseres steirischen Superheros ging.
http://derstandard.at/1334796834765/Fluessig-Apple-nutzt-Liquidmetal-fuer-die-Gadgets-der-Zukunft
Wenn man Zeit hat, ist es lustig die Kommentare zu lesen. Bei den anfänglichen Kommentaren wird das falsch verwendete Symbolbild häufig kommentiert und verbessert. Bei den späteren Kommentaren wird dann der Austausch durch die Redaktion zur Kenntnis genommen.
Unabhängig vom Symbolbild ist aber der Artikel etwas „naiv“, um nicht blöd zu sagen und ich stimme den Kommentatoren bei, die meinen, dass es beim Standard wohl verdeckte Operationen durch Krone, Heute oder Österreich-Journalisten geben muss.
Frau Frogg hat die Frage beantwortet, ob man Bloggerkollegen (und auch die Damen) persönlich kennen lernen sollte und hat die Frage mit ja beantwortet.
Ich teile diese Meinung grundsätzlich. Bei ganz wenigen Bloggern achte ich auch die Anonymität, weil sie mir in Anbetracht der Lebenssituation als notwendig erscheint. (teacher ist so ein Fall.) Ein anonymer Blogger gibt genauso viel preis, wie er es für richtig hält. Diese Einstellung ist wohl vernünftig.
Ich mag nur keine anonymen Kommentatoren, die sich beschweren oder schimpfen. (Wenn ich ihre Einwände für angebracht halte, habe ich kein Problem damit. Nicht alles, was ich schreibe, muss richtig sein.)
Aber in Wirklichkeit geht es doch um Beziehungen. Die Plattform des Blogs stellt die Möglichkeit einer besonderen Beziehung her. Früher hat man vielleicht Brieffreunde gehabt und wochenlang auf die Antwortpost gewartet. Ich hab da nicht dazu gehört, weil ich zu ungeduldig bin. Doch ich habe es immer bewundert, wenn ich von langjährigen Brieffreundschaften gehört habe.
Das Blog ist schnelllebiger. Nicht so schnell wie Facebook oder Twitter. Aber es hat für mich genau das richtige Tempo. Selbst wenn ich vielleicht etwas zu lange schreibe, finde ich doch in vielen Beiträgen von anderen genau das richtige Maß an Länge des Textes.
Wenn die Texte etwas länger sind und ich die Zeit habe, sie mir aufmerksam durchzulesen, dann freue ich mich auch, dass es im Blog gehaltvollere Texte gibt als sie mittlerweilen in den Gazetten zu finden sind, wo ein Text nur genauso lang sein darf, dass er neben das Bild passt.
Ich habe diese Geschichte schon einige Male geschrieben. Frühere Niederschriften fielen Computer-Abstürzen zum Opfer, nie gab es einen Abdruck, doch die Geschichte blieb.
Wir schreiben das Jahr 1986. Ich hatte gerade die Firma gewechselt und dabei einen interessanten Imagewechsel erfahren. Während ich früher als sehr ausgeflippter, aber leistungsstarker Entwickler angesehen wurde, hatte ich jetzt einen Verkaufsjob inne, bei dem meine neuen Kollegen dachten, daß ich technisch sehr gut wäre, aber vom Verkauf – speziell was die Produkte unserer Firma anging – wenig Erfahrung hätte. Ich hatte eigentlich weder technische Erfahrung, denn die Investitionsgüter, die ich jetzt verkaufen sollte, waren Mikroskope. Meine technischen Schwerpunkte waren aber Elektronik und Software. Verkaufen konnte ich eigentlich auch nicht, allerdings hatte ich Verkäufern zugesehen und mich manchmal gewundert, mit welch untauglichen Mitteln sie versucht hatten, etwas Umsatz zu machen. Ich war mir sicher, daß ich das genausogut oder sogar besser machen könnte.
Ich war damals 35 Jahre alt und noch sehr ungeduldig, wenn es darum ging, schnell Resultate zu erreichen. Insoferne war mein damaliger Arbeitsplatz ungeeignet, denn der Verkauf einer Anlage zog sich in der UdSSR – meinem Verkaufsgebiet – in der Regel über ein Jahr hin. Formalismen, Außenhandelsorganisationen, Geldbeschaffungsschwierigkeiten und anonymisierte Anfragen, die technisch schwer zu spezifizieren waren, sorgten für die entsprechende Verzögerung.
Mein Chef lachte mich also aus, als ich ihm von einem Telefonat erzählte, in dem ein Anfrage zur schnellsten Lieferung, möglichst innerhalb eines Monats, gestellt wurde und ich diensteifrigst erfragte, wie wir denn das überhaupt bewerkstelligen sollten. Ich galt als blauäugiger Anfänger, der jeden Unfug glauben würde.
Umso begieriger war ich zu beweisen, daß ich den Auftrag tatsächlich zustande bringen würde. Es ging um die runde Summe von 100 000 US$.
An dem Tag, an dem das fragliche Telefonat sich zutrug, war das Wetter schön. Von meinem Fenster konnte ich auf den Rooseveltplatz hinuntersehen und auf die Studenten, die auf der Wiese lagen. Zwischen der Wiese und dem Telefonat bestand ein Zusammenhang. Einen Monat früher, am 26. April, war ein Reaktorblock in der Ukraine defekt geworden und durch die Windverhältnisse hatten auch wir in Österreich unser Quentchen Radioaktivität abbekommen. Beim Betrachten der Studenten erinnerte ich mich an meine Wut über die Inkompetenz der österreichischen Behörden, die es nicht zustande gebracht hatten, den Leuten nahe zubringen, in den Tagen nach dem 26., insbesondere am ersten Mai, der ja Feiertag war, die Kinder nicht im Freien spielen zu lassen. Auch wenn die Radioaktivität nicht unmittelbar lebensgefährlich war, waren zu den damaligen Tagen alle Grenzwerte überschritten und es wäre besser gewesen, die Kinder im Haus zu lassen. Die politische Behandlung von Tschernobyl, insbesondere die Stellungnahmen der WHO, können mich auch heute noch aufregen, aber das ist eine andere Geschichte.
Der Zusammenhang zwischen den Studenten auf der Wiese und dem Telefonat war also folgender. Während man bei uns bereits wieder zur Tagesordnung zurückgehen konnte, waren die Kliniken in Moskau mit Patienten überfüllt, die zum Teil Todeskandidaten waren, aber zumindest schwerst radioaktiv geschädigt waren. Eine gemeinnützige holländische Hilfsorganisation hatte also 100 000 US$ aufgetrieben, um ein entsprechendes Diagnosegerät der Onkologie Moskau zu schenken.
Bis dat qui celer dat. Doppelt gibt, wer schnell gibt. Das sollte auch hier zutreffen, aber es gab zwei Hürden zu nehmen. Erstens gab es die russischen Abwicklungsmechanismen, die noch immer eine wesentliche Verzögerung bedeuten würden, und zweitens war das Geld eigentlich zu wenig für die Anlage, die eigentlich erwünscht und sinnvoll gewesen wäre.
Die Anlage sollte der analytischen Untersuchung und der Diagnose dienen und bestand aus einem Mikroskop und einer vollautomatischen Bildanalyseeinrichtung. Mit vielen Verhandlungen und einem technisch trickreichen Zusammenstreichen, von allem, was nicht unbedingt jeden Tag notwendig wäre, gelang es mir, eine Spezifikation zu erreichen, mit der ich den gewünschten Preis anbieten konnte. Eine der Reduktionen war auch die Verwendung eines wesentlich kleineren Mikroskopes als es normalerweise für Bildanalysen zur Anwendung kommt.Der Auftrag wurde in sechs Monaten abgewickelt, was ich als großen Erfolg ansah. Mein Chef verkniff sich jede weitere Stellungnahme. Als ich erfuhr, daß die Anlage in Moskau auslieferungsbereit war, fuhr ich hin, um die Installation vorzunehmen.
Während der Reise waren auch noch andere Arbeiten zu erledigen, die ich als eher unangenehm empfand. Ich freute mich schon darauf, die Bildanalyse zu installieren und den Leuten zu zeigen, daß sie damit wirklich etwas ausrichten könnten. Es war Winter in Moskau und ich ließ mich von einem Taxi nach Sokolniki-Park kutschieren. In der Nähe befand sich die Onkologie Moskau. Mir fällt der Chef der Institution nicht ein, es war der aber recht bekannte Professor, der im Westen immer als Ansprechperson für gesundheitliche Fragen im Zusammenhang mit Tschernobyl kontaktiert wurde.
Mit ihm hatte ich nicht zu tun. Ich wurde vielmehr von einer Ärztin in Empfang genommen, die ich auf ungefähr vierzig Jahre schätzte. Sie gefiel mir. Ich stellte etwas betroffen fest, wie überarbeitet sie wirkte. Sie war recht wißbegierig, was sie mit der neuen Anlage erreichen würden können, und ich vertröstete sie auf den Augenblick, wenn alles aufgestellt wäre und funktionieren würde. Ich packte also das Mikroskop aus, justierte es grob, dann kam die Bildanalyse an die Reihe. Es war für mich sehr beruhigend, als ich sehen konnte, daß es keine Transportschäden gab und alles ordnungsgemäß funktionieren würde.
Ich setzte mich also vor das Mikroskop und stellte die letzten Feinabstimmungen ein. Dabei verwendete ich ein Präparat von meinen eigenen Verkaufspräparaten, die hervorragend präpariert waren und deutlich die Leistungsfähigkeit des Mikroskopes unter Beweis stellen konnten. Allerdings hatte ich auch schon früher immer versucht, die Kunden dazu zu bringen, ihr eigenes Präparat bei der ersten Durchsicht sehen zu können, weil der Aha-Effekt ein viel stärkerer ist.
Ich ersuchte die Ärztin daher, mir ein Präparat zu geben, damit sie die Möglichkeit habe, sich selbst ein Bild zu machen. Ich sah kurz auf das Präparat, fokussierte nach und überließ ihr den Platz am Binocular.
Aufgrund meiner früheren Tätigkeiten, ich entwickelte unter anderem auch Programme, mit denen Blutzellen analysiert werden konnten, hatte ich gesehen, daß das betreffende Präparat „nicht sehr gesund“ aussah.
Ich war aber sehr überrascht, als sie ganz lange mit ihren Augen am Binokular verblieb. Als sie aufblickte, hatte sie Tränen in den Augen.
Mein spontaner Gedanke war: das ist jemand, den sie kennt.
„Kennen Sie die Person, von der das Präparat stammt?“
Die Ärztin lächelte müde. „Es ist ein Patient von uns. Er ist schon von uns ‚weggegangen‘. (Usche uschol.) Aber ich kenne ihn nicht.“ Ich schaute sie fragend an.
„Ich weine, weil ich zum ersten Mal im Mikroskop etwas sehe, was wir sonst nur in den Büchern sehen. Es ist unglaublich, daß man diese Strukturen wirklich sehen kann. Mit unseren anderen Mikroskopen können wir das nicht sehen.“ Sie zeigte auf die zahlreichen Lomo-Untersuchungsmikroskope. Lomo war damals eine Mikroskopfabrik aus Leningrad, die Mikroskope zwar sehr engagiert zusammenbaute, aber nicht über die notwendigen Materialien verfügte, die für höchstauflösende Mikroskope notwendig sind. Sie verfügten auch nicht über die notwendigen Computerkapazitäten, um die technischen Daten für Spitzenobjektive zu berechnen.
„Was könnten wir leisten, wenn wir mit solchen Geräten arbeiten könnten.“
Ich wußte, daß ich das falsche geliefert hatte. Auch wenn das der Wunsch der Hilfsorganisation gewesen war und ich es nicht vorher wissen konnte.
Aber jetzt wußte ich es. Zehn Mikroskope und Null Bildanalyse hätten mehr Gutes getan als ein Mikroskop, welches vermutlich nur für Forschungszwecke eingesetzt werden würde.
Ich versuchte ihr zu zeigen, wie sie mit der Bildanalyse umgehen müßte. Sie begriff recht schnell und ich wußte, daß ich dort nicht mehr hinkommen würde. Sie würden sich alles selber machen können. Ich wußte aber auch, daß sie selbst wahrscheinlich mehr mit dem Mikroskop allein arbeiten würde als es aus „nur“ Bildgeber für die Bildanalyse zu verwenden.
Meine Freude über den Auftrag, über die rasche Abwicklung, über die klaglose Installation war dahin. Bis dahin hatte ich den Computer immer gegen ältere Kollegen verteidigt, die die Sinnhaftigkeit eines Computers in dem Arbeitsbereich in Frage stellen wollten. Meine technische Unschuld war dahin: nicht das Machbare ist wichtig sondern das Brauchbare!
Ich verließt das Institut zu Mittag. Der Himmel kam mir trüber vor, der Schnee auf der Strasse grauer. Ich war froh, daß ich keinen Kollegen würde sehen müssen.
Epilog: jedes Mal, wenn ich im Supermarkt Flaschen zurückgebe, sehe ich die Rückgabemaschinen mit eingebauter Bildanalyse und schneller und sicherer Flaschenerkennung. Diese Maschine sind vielleicht hundermal leistungsstärker als die Krebserkennungsanalyse anno 1986. Und sie sind sicher billiger.
Das kleine Mikroskop zählt auch heute noch nach 18 Jahren zu den Spitzengeräten des Unternehmens und der ganzen Mikroskopbranche.
Ich verkaufe keine Mikroskope mehr. Und auch keine Bildanalysatoren.
geschrieben wurde.
Es ist fast immer lustig, etwas zu finden was jahrelang aus den Augen verschwunden war. Seit Computer für mich erschwinglich waren, habe ich versucht, Dinge zu speichern. Das Ordnungsprinzip dabei ist allerdings nicht ganz durchsichtig und so kommt es schon vor, dass ich etwas überhaupt nicht finden kann, von dem ich sicher weiß, dass es da ist.
Das meiste ist ja ziemlicher Mist, was da einmal zusammengeschrieben oder gereimt wurde.Nicht einmal originell. Ich war damals scheinbar von Frosts Stil beeinflusst.Aber manchmal ist es besser als eine Tagebuchaufzeichnung.
der erste Eindruck ist von einem Bild beeinflusst, das über meinem Schreibtisch hängt. Eine Kopie (vermute ich) eines Aquarells, 270 * 30 cm, das den Ausblick vom Kahlenberg auf Wien zeigt.
Title: WATER
(Vienna 1800)
The freedom of the river danube
two centuries ago, was genuine.
A crossing of the stream at Vienna
not a majestic endeavor it was
but hopping over islands that were formed
by manifold of rivlets when the river tried
to find its easiest way.
My loves were like the rivlets, steady and
as true of me as were the little muddy streams
that can be found today as remnants of those ages.
Was not I true to myself letting nature split
my powers.
But split they were and I was bound and all
my freedom was just following a trivial call.
(Vienna 2000)
The river has become a public ressort, now.
And everybody can enjoy the one or other stream
that calmly passes by the city.
There is more power to the streams although
So tamed they seem.
And if one tried to swim across the closer stream
one would encounter force and power and detouring,
one would not reach the point you had intended to.
And when from all the loves emerged a single one
that tamed my wildness and had me found my goal
in knowing what I wanted.
And like the river I was split in two, a life
of former affiliations and the new that promised
giddiness and joy and true and never felt emotions.
Waterfall
Unlike the ressort places that invite for rest and
peaceful entertainment the stream of my true love
approached a waterfall.
The edges and the rocks made little swirls and if
the river was my love so I was shaken in my boat.
And every move I made to fight me off the cutty edges,
threw nearer me to just another riff.
And then I felt how strong that love would be.
It would transport me where I would not like to go,
the flow however had already taken me.
So just before the big fall came,
so came the knowledge and conviction that
Right this stream it was, that I had wanted
whereever it would take me, — even to the fall.
Dam
My love is dammed now, all the freedom’s gone?
Every drop in my abundant sea has memories
of forests, rocks and squirling speed.
It’s loaded with enriched forces that are to be of use,
whenever one decides to open gates and let the water flow.
No forests anymore, no sky, no moon or sun.
The water will be pressed in tubes and will drive engines,
yielding power, light. A little trickle can be seen
when all is over.
The love when pressed in tubes might yield for knowledge,
peace or wisdom. Who is there to know?
But what I know and that I know for sure
that love has not been lost and not so has been lost its power.
The bad impacts of dams (8.8.2002)
If I learn from nature than I have to see
that dams can be of harm. So let me take this as reminder.
Open the gates, open the gates, open them.
Was zuvor geschah
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VIII.
Abermals war es Spätherbst, Seferle sass mit der Mutter am Spinnrade, und summte Lieder aller Gattung, wozu letztere den „Dischkant“ brummte. Da trat der Vater ein, er kam eben von Wien. Nach dem herzlichen Willkomm war seine erste Frage: „Nu Seferle, mögst nicht auch mal mit nach Wien fahren, Deinen Geschwisterer geht’s ganz gut, und haben mir versprochen, für Dich gerne zu sorgen, wennst mitkommscht.“
Ueberrascht von diesem Antrage, war Seferle gleich dazu bereit, als aber der Abschied vom Muatterle und Brüaderle kam, da wollte schier das Herzel brechen. Weinen lagen sich Mutter und Tochter lange in den Armen, erste ermannt sich zuerst: „Sei brav Kind, in der grossen, grossen Stadt. Gott habe zuerst vor Augen, dann Deine Mutter, was Du glaubst, dass die Zwei gut heissen, das kannst Du unbedingt thun, bete fleissig, und vergiss keinen freien Augenblick auf die Kirche, arbeite streng, damit Deine Schwestern mit Dir zufrieden sind.“
Noch ein Paar herzhafte Küsse, der Vater drängte, sie eilten fort. Da kam ihnen eine alte Witwe aus dem Dorfe nachgehumpelt, deren einzigen Sohn man eben zum Militär genommen hatte.
„Ach,“ klagte sie zu Haas, „wenn Ihr nach Wien kommt, so sagt dem Koiser, „‘s Drille vom Schwihof (Gertrud vom Schwimhof) lasst ihn vielmalt bitten, ihr ihren Sohn wiederzugeben.“
Haas versprach lächelnd, sein Möglichstes zu thun.
Des andern Tages sass Seferle in einem Schiffe auf der Donau.
Städte, Dörfer, Wälder und Felder flogen am Ufer vorbei. Die neuen Gegenstände, die Freude, Wien und ihre Schwestern zu sehen, zerstreuten sie bald, als sie nun gar die Residenz erreichten, da wollte das Schauen und Wundern kein Ende nehmen. Liebreich nahmen die Schwestern das Mädchen auf; bald sass Seferle am Stickrahmen, und begriff die neue Arbeit mit wunderbarer Schnelligkeit. Sie brachte es durch Fleiss in Kurzem dahin, sich ebenfalls so viel als ihre Schwestern zu verdienen. – Da kam der Vater nach einem halben Jahre wieder und sagte: „Wenn’s Dir hier nicht g’falle thut, so nimm ich Dich schon wieder heim zum Muatterle.“
Nichts Anderes hätte sonst das Mädchen dazu bewogen, dieser Nahme hatte jedoch magische Gewalt.
Ihre Mutter wieder zu sehen, dieser Gedanke lässt sie freudig und unüberlegt das Anerbiethen des Vaters annehmen, und nicht auf die Vorstellungen ihrer Schwestern achten. „Sie kann ja wieder mit mir nach Wien kommen,“ setzte der Vater hinzu.
Nun kommt die Heimreise.
Ein Bekannter aus Weiler, der ebenso wie Haas seiner Ahasverusartigen Herumzieherei wegen bekannt war, hatte in einer Vorstadt eine Ladung Branntwein gekauft, um diese nach Weiler zu führen.
Auf einem sogenannten Leiterwagen lagen zwei ungeheure Branttweinfässer, auf welchem nun Herr Heim, so hiess der Mann, mit seiner Frau, fünf schlimmen Buben, Seferle und deren Vater die neunzig Meilen zurückzulegen im Begriffe stand. Der letztere machte den Rosselenker, wofür er auf so angenehme Weise umsonst nach Hause kommen konnte.
Wohl waren der Stosseufzer viele, die es Seferle herauspresste, oft sog sie vor neben dem Wagen zu marschiren, wenn der Körper schon längere Zeit auf so unsanfte Art hin und her geschüttelt worden war, doch der Gedanke an ihre Mutter söhnte si e einiger Massen mit dem polternden Fuhrwerk aus. Die Buben purzelten inzwischen hinter ihrem Sitze über die Fässer, da – es war gerade ein abschüssiger Hügel, sah sie, wie der ältere Knabe einen Fehltritt machte, und rücklings vom Wagen hinabstürzte. Ein Schrei – sie hatte nicht mehr die Zeit, dem Vater ein Halt zuzurufen – das Rad war dem Armen bereits über beide Beine gefahren.
Ein Aufenthalt von mehreren Wochen war die Folge davon, man kann sich denken, wie lang die Karawane brauchte, bis sie Weiler erreichte.
Schon von ferne pochte Seferle das Herz, als sie den wohlbekannten grünen Kirchthurm unverändert in die Lüfte ragen sah; dann kamen andere Gedanken, die von der Eitelkeit zeigten, die allen Mädchen in diesem Alter anzuheften pflegt.
„Ich werde,“ sagte die kindische Kleine zu sich, „Aufsehen zu Hause machen, wenn ich mit meinen städtischen Kleidern ankomme, wie werden mich die Leute angaffen und bewundern, und meine veränderte Sprache anhören.“
Dieses war auch in der That der Fall, das ärmliche Dorfkind kam als Stadtjüngferchen mit Stöckelschuhen, langem Kleide und frisirten Haar zurück.
„Gucket, gucket!“ sagten Sonntags in der Kirche zu Weiler die ältern Mädchen zueinander, und stiegen auf die Bänke, um besser sehen zu können, „gucket, mit sidene Bändle und silberne Schnalle hat sie ihre Schuhe verzierathat.“ Der Neid blendete ihre Augen, und liess Stahl für Silber, Wolle für Seide schauen. – Einige Zeit gefiel der kleinen Eitlen dieses Bewundern ihrer selbst von denen, die sie früher verachteten, bald jedoch stellte sich bei dem schon an bessere Arbeit gewöhnten Mädchen die Langeweile ein, nebstdem kamen ihr die Dorfleute in Vergleiche mit den Städtern unbehülflich, ungeschickt, dumm vor; als sie einst erzählte, in Wien gäbe es 3 bis 4 Stock hohe Häuser, lachten ihr ihre Zuhörer ungläubig in’s Gesicht.
So sehnte sie sich weiter nach einer Arbeit, die mehr den Geist beansprucht, als Flachs spinnen und Kartoffel klauben.
Frühere Jahre hatte sie mit ihren Schwestern zu Weihnachten und Neujahr im Pfarrhause und den reicheren Gehöften geistliche und weltliche Lieder gesungen, und mit ihrer frischen Stimme die Zuhörer entzückt, was manche blanke Silbermünze eintrug, jetzt fehlten aber die zweiten Stimmen, und so hatte Seferle nur den einen Wunsch, bald wieder nach Wien zu kommen, und erwartete mit Ungeduld die Rückkunft des Vaters.
wird fortgesetzt
Was zuvor geschah
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Nachdem der erste Freudentaumel vorüber, weckte sein Anblick allsogleich Ideen in dem Kopfe der Mutter.
Ein so angesehener Offizier müsste doch etwas zu Gunsten ihres Prozesses leisten können, das war bei ihr ausgemachte Sache. Sie begleitete ihn auch, nachdem sie einige Tage das Vergnügen genossen, ihn bei sich zu sehen, nach Bregenz, wo sein Regiment, von Wangen angelangt, auf wenige Tage stationirt war.
Amandus liebte seine Mutter ungemein. Oefter schrieb er an sie von seiner jeweiligen Station aus, einen zärtlichen Brief, sigelte ihn, klebte einen hellglänzenden Dukaten auf das heisse Wachs, und siegelte nochmals über das Goldstück. Wenn dann der Pfarrer von Weiler nach der Frühmesse zu Stasel sagte: „Stasel kommt mit mir, es ist ein Brief von Mandus für Euch angekommen,“ da klopfte vor Freuden das Mutterherz, sie wusste das Schreiben geistig und materiell wohl gespickt; von diesem Gelde lebte sie dann mehrere Monate.
Dem Vater, der zwei bis drei Tage vorher seine Töchter nach Wien führte, wo sie sich mit Stickerei beschäftigten, welche damals glänzend bezahlt wurde, wollte schier das Herz brechen, als er nach seiner Zurückkunft erfuhr, sein Sohn sei dagewesen, ohne dass ihm vergönnt war, ihn an die Brust drücken zu können. Er fuhr in seinem Schmerze schnell wieder nach Wien.
Nun kam, wie schon erzählt, Stasel mit ihrem dekorirten Sohne nach Bregenz. Stolz schritt sie an der Seite des jungen Offiziers durch die Strassen, die noch deutlich die Spuren der feindlichen Kugeln trugen, und führte ihn dort bei Gericht ein. Die Akten ihres Prozesses waren durch die Franzosen vernichtet, die Hoffnung des armen Weibes noch lange nicht. Sie machte denselben neuerdings anhängig und führte ihn fast bis an ihr Lebensende nach vielen Geldopfern ohne das geringste Resultat fort.
Wie es nach Kriegen geht, wagten es auch hier einige Marodeure und Nachzügler, die ganze Gegend unsicher zu machen, um Beute zu erhaschen.
So gewahrte Seferle eines Sonntags nach dem Nachmittags-Gottesdienste weit ausser dem Dorfe einen Plänkler, der einen Stock in die Erde stiess, auf selben sein Gewehr stützte und in das Ort hereinfeuerte. Darauf verschwand er, um bald wieder in Gesellschaft mehrerer zu erscheinen, die ihre Schritte gegen das Siechenhaus richteten. Hier steckten zwei ihre Gewehre unter das Thor, und hoben es ohne die geringste Anstrengung aus, dass es mit Gepoter in die Flur hinein fiel. Es schien jedoch ihre Beutelust in dem Hause der Armen und Kranken nicht befriedigt wurden zu sein, denn sie kamen nun in gerader Richtung auf die Hütte unserer Bekannten zu. Mutter und Tochter flohen mit Schrecken auf den Boden, während der Vater mit den Plünderern unterhandelte. Sie waren im Begriffe, das wenige Alles, was sie fanden, mitzunehmen, aber der Vater bath so flehend, so inständig, gab ihen durch Geberden so deutlich zu verstehen, dass er und seine Familie sich ohnedem in der der grössten Noth befänden, worauf einer der Soldaten, der der Anführer der Bande zu sein schien, alles ehrlich theilte und die eine Hälfte dem Manne zurück gab. Mit welcher Todesangst sahen die Beiden am Boden verborgenen weiblichen Wesen durch ein Astloch in der Diele dem Treiben der wüsten Gesellen zu!
Endlich entfernten sie sich, um an einem andern Orte diese Szenen zu wiederholen.
VII.
Nachdem Seferle zwei Sommer hindurch beim Küfer gedient hatte, wollte sich für den nächsten kein Platz für sie finden. In ihrer Bedrängniss wandte sich die Mutter an eine Bekannte, die da sagte: „Ich wüsst‘ wohl ein Oertel für Dein Sputele, aber es ist weit von da, und sind viel Stück Vieh zu halten.“ Allein die wanderten sie, bis sie Borneck am Weg, den künftigen Bestimmungsort erreichten.
„Ja,“ sagte der Herr des Bauernhofes lachend zu Stasel, „das Sputele ist ja zu schwach, zu klein, zu jung für uns; wir haben dreissig Stück Vieh auf der Weide.“ „Oh,“ meinte die Mutter, „wenn das Kind genug zu essen kriegt, wird’s schon stärker; und älter und grösser wird’s alle Tag.“
Ein ungeheurer Laib Weissbrot lag auf dem Tische, ein zu anziehender Gegenstand für Seferle, sich nur ja so vortheilhaft als möglich zu zeigen; die kleine Candidatin stellte sich sogar auf die Zehenspitzen, um nur etwas grösser zu erscheinen.
„Nun wir wollen’s probiren“, beschloss der Bauer, und Seferle wurde angenommen. Der Abschied vom Muatterle bleibe unbeschrieben; man möge sich erinnern, es war der erste auf längere Zeit.
Es ging ihr gut; an Brot und Milch konnte sie sich satt essen, das war etwas lang Entbehrtes!
Dafür häufte sie sich Arbeit auf Arbeit; am schlimmsten erging es ihr aber Abends, wenn sie das schwimmende Geflügel in die Ställe bringen sollte, da half oft stundenlang kein Zurufen, kein Werfen mit Steinen, die in ihrem zweiten Elemente befindlichen Enten und Gänse wollten vom Verlassen des Weihers nichts wissen, bis es endlich den vereinten Kräften der auf des Kindes Weinen herbeieilenden Hilfe gelang, das störrische Völklein aus dem Wasser zu jagen.
Für alles Gute, was sie genoss, was sie dankbar und fleissig. Sobald sie mit einer Arbeit fertig war, frug sie: „Hant’r nix z’schaffen?“ (Habt Ihr nichts zu schaffen?) Alles gewann das Kind lieb, so dass ihr stets mit Milde und Nachsicht begegnet wurde.
So war sie einst im Keller mit der Milch beschäftigt; die Naschhaftigkeit siegte und der süsse Rahm wurde wieder und wieder gekostet. Als sie zurück kam, wurde sie von der ältesten tochter in Gegenwart der ganzen Familie gefragt, ob sie genascht. Auf ihre Verneinung entgegnete die Fragende gelassen: „Nun so wische Dir die Schürze ab.“
Man kann sich nicht vorstellen, welchen Eindruck der peinliche Anblick ihrer besudelten Schürze auf Seferle machte. Sie wünschte sich in den Mittelpunkt der Erde begraben, nach sich fest vor, die abscheulichste der Untugenden, die Lüge stets zu meiden, und hielt treulich ihr selbst gegebenes Versprechen.
Die Wirthschaft wurde vom Herrn, dann von vier grossen Töchtern und zwei grossen Söhnen geführt. Die Leute massen alle wenigstens 6 Schuh, unter denen das sich um die Hälfte kleinere Sputele herumtummelte.
Die erste Nacht schlief Seferle auf dem Boden, kaum jedoch eingeschafen, wurde sie sehr unangenehm in Gestalt von kleinen röthlichen, runden, übelriechenden Thierchen geweckt, welche sich in so grossen Massen über das Mädchen hermachten, dass es sich deren nicht erwehren konnte. Seferle schlich sich langsam in die große Stube, und legte sich auf die Bank hinter dem grossen Ofen. Kaum war sie jedoch abermals eingeschlafen, als die beiden Söhne halbbetrunken nach Hause kamen.
Sie traten im heftigen Wortwechsel in das Zimmer, ohne die Erwachende zu bemerken, und hier entspann sich ein fürchterlicher Streit zwischen Beiden eines Mädchen wegen, das beide liebten. Schon griff Don Cesar nach dem auf dem Tische liegenden Brotmesser, als sich in der entgegengesetzten Thüre die Gestalt des Vaters zeigte.
Es bedurfte nur eines derb ausgestossenen Fluches, und die beiden Söhne schlichen, ohne ein Wort mehr zu verlieren in ihre Kammer.
Man kann sich unmöglich die Angst des diesem Schauspiel unwillkührlich zusehenden Kindes vorstellen. Abermals raffte sie sich von ihrem harten Lager auf; keine Macht der Erde hätte sie im Zimmer zurückgehalten.
Sie schlich sich mit einem Tuche in den Hofraum, machte in das Stroh in der Scheuer eine Oeffnung, breitete das Tuch auf, und schlüpfte hinein, dann schlief sie unter Angst und Bethen ein. Auf diese Art brachte Seferle, ohne dass es Jemand ahnte, denn ganzen Sommer die Nächte zu, bei einem Regen musste sie die Füsschen fest an sich ziehen, um nicht ganz durchnässt zu werden.
Viel Plage hatte sie mit den Pferden, die sich ausserordentlich störrisch gegen sie benahmen, und sich oft gegen die kleine Gebietherin auflehnten. Ja, ein Braun war ihr so aufsässig, dass sie einst im Nebenzimmer hörte, wie sich Vater und Sohn besprachen, was zu thun sei, ob das Pferd verkaufen oder das Sputele weggeben; glücklicherweise fiel die Entscheidung zu Gunsten des letzteren aus, und der grämliche Braschele wurde durch einen sanften Schimmel ersetzt.
Im Hause war ein blödsinniger Junge von beiläufig 15 Jahren, den der Bauer aus Mitleid aufgenommen.
In einer Nacht, als Alles im tiefen Schlafe lag, hörte der Herr den Blöden, der ober dem Schafzimmer in einer Dachkammer wohnte, deutlich mit gepresster Stimme herabrufen: „Vaterle, Vaterle, es sind Spitzbuben im Haus.“
Der Manan stand leise auf und ging ohne Licht oder Lärm zu machen, in die anstossende grosse Gemeinstube. Hier tappte er nicht lange, so hatte er unter seiner gewaltigen Faust eine Achsel wie in einem Schraubstock eingeklemmt. „Bist Du allein, Hallunke,“ flüsterte er, „oder sind Mehrere mit Dir?“ „Ich bin ganz allein,“ wimmerte eine zitternde Stimme, die ihm ganz bekannt schien.
Jetzt kamen auf sein Rufen Leute mit Licht herbei, man erkannte in dem Einbrecher einen jungen Drahtbinder, der durch längere Zeit im Hause liebreichen Unterstand gefunden, und den dadurch vergalt, dass er eines Abends mit Lieblingsflinte des Hausvaters verschwunden war. Wie er den Weg heute zurückgefunden, zeigte das durchfeilte eiserne Fensterkreuz.
„Der Herr band ihm ohne die geringste Mühe Hände und Füsse, und den Burschen selbst an den massiven eichenen Tisch, worauf Alles wieder, als ob nichts vorgefallen wäre, zur gestörten Ruhe ging.
„Wie mag der Geknebelte am harten Boden ruhen, mit der Furcht vor der gerechten Strafe, die des andern Tages auf ihn harrt,“ dachte Seferle, und konnte kein Auge mehr schliessen. Der Morgen kam, der Bursche verlegte sich auf’s Bitten, Flehen, Jammern, der Hausherr in seiner gewohnten Milde lässt sich erweichen, und gibt dem Diebe die Freiheit. Der lässt sich diess nicht wiederholen, springt zum durchbrochenen Fenster hinaus, und Zeitlebens sah und hörte man nichts mehr von ihm.
Der Blöde aber war auf einige Zeit der Held des Tages geworden, denn ohne ihn wäre das wäre vielleicht das Haus von einem grossen Unglück heimgesucht worden.
In der Nähe des Hauses war eine Schiesstätte, an welcher Sonntags von den Bauern der Gegen viel Pulver verpufft wurde.
Eines Sonntags erregte ein reicher Bauerssohn aus Weiler durch seine Geschicklichkeit allgemeine Bewunderung. Jedes Mal war das Schwarze getroffen, und das beständige Zutrinken hatte die Folge, dass er beim Abschiede den Kopf etwas schwer fühlte; er musste eilen, er sollte noch vor Anbruch der Nacht zu Hause sein, da seine Schwester Hochzeit feierte. Er will noch dem Zieler ein Trinkgeld reichen und geht unvorsichtig der Scheibe zu. In diesem Augenblicke kracht ein verfehlter Schuss, der Weilheimer draussen dreht sich ein paarmal herum, dann sank er tödtlich getroffen darnieder.
Der Unglückliche wurde auf einer Bahre aus Reisig heimgeschafft, dabei schleifte seine leblose Hand auf der Erde, und Seferle, die neben dem traurigen Zuge einhergeht, dachte sich: „Ach, wenn ich nur auch einmal so schöne Ringe am Finger hätte!“
Fortsetzung
Was zuvor geschah
Seite 12,13 von 33
VI.
Wieder war ein rauher Winter verflossen, wieder glänzten die klebrigen Knospen der Kastanienbäume in der wärmenden Sonne, und verbreiteten nach deren Untergange einen durchdringenden Wohlgeruch. Wieder war Haas nach Wien gereiset und Stasel in Sachen ihres Prozesses nach Bregenz gewandert.
Einsam sass ihr Töchterlein am offenen Fenster, blickte traurig der scheidenden Mutter nach und weinte bitterlich.
Schon blinkten einige Sterne am dunkelnden Himmelszelte. Der Vollmond war eben im Begriffe, sein Nachtwerk zu beginnen, und spiegelte sich zitternd in den nassen Aeugelein der Kleinen, da nahte Sirene, die Tochter des Küfers, bei dem Seferle zuletzt diente. Diese wollte nach einem kurzen Grusse vorübereilen, als sie durch des Kindes Schluchzen aufmerksam wurde; halb neugierig, halb mitleidig blieb sie stehen, und frug Seferle um die Ursache ihres Kummers.
„Ach,“ erwiderte das Mädchen, „Muatterle is fort, und kommt erst Morgen zurück, ich bin ganz allein im Hause, und vergehe fast vor Angst und Furcht.“ „Komm Sputele, gang (gehe) mit mir,“ sagte Sirene, „mein Vater liebt Dich, er wird Dir’s gerne erlauben, dass Du bei mir schlafen darfst.“
Willig folgte das Kind, sie verschlossen sorgfältig das Haus und gingen zum Küfer. Dieser erklärte dem Seferle, sie nur beherbergen zu wollen, wenn sie ihm das Versprechen gäbe, nächsten Sommer wieder bei ihm halten zu wollen. Zu angstvoll, wieder in ihr verlassenes Häuschen zurückzukehren, schlug Seferle schnelle in die dargebothene Rechte, und ein Silber-Batzen besiegelte den erneuten Bund. Freilich war es der heimkehrenden Mutter nicht recht, ihr Kind wieder in dem Haus zu wissen, in welchem eine entsetzliche Krankheit ihr Lager aufgeschlagen, aber das Darangeld war so wie der Handschlag gegeben, das galt damals mehr, als heutzutage manches von Siegeln strotzende Dokument oder staatliche Verträge.
Jetzt verbreitete sich in Weile plötzlich das Gerücht, der „Franzos“ käme. „Ja was ischt dös, der Franzos,“ fragten die dummen Weiber die Exwirthin Stasel, die immer aufgeklärter als die übrigen Damen des Ortes war: „Was ischt dös?“ Sie glaubten nämlich, der Franzos wäre eine Ungethüm, ein hoher Berg, der sich heranwälze, um unter seiner Wucht alles zu erdrücken. „Soldate sinds“, erklärte die durch das Vertrauen nicht wenig geschmeichelte Stasel, „Soldats sind’s,“ wiederholten die weiblichen Schöngeister, und rissen gross und erstaunt die Bäuler auf. „Soldate,“ murmelten sie noch einige Male, und gingen kopfschüttelnd auseinander.
Jetzt wurde alles französisiert, der Pfarrer begoth von der Kanzel herab seinen Schäflein, dass Jedermann, das kleinste Kind in der Wiege nicht ausgenommen, blau roth-weisse Kokarden tragen müsse, widrigenfalls für keine Gewaltthat von Seite der französischen Truppen gutgestanden würde.
Alles versah sich demnach mit diesem Abzeichen; ja einer befestigte sogar seiner Kuh an den Schweif die Trikolore, um nur nicht an seinem Eigenthum gefährdet zu sein.
Die Folge davon war, dass sich die fremden Soldaten, sehr human gegen die Bewohner zeigen und nach einer Plünderung eines Erdäpfelackers oder einer Eroberung eines Mädchenherzens nach zwei Tagen wieder aufbrachen, in ihren Zelten den hungrigen Dorfkindern eine Masse Brotkrommen und halbabgenagter Fleischknochen zurücklassend, über die sich auch sofort die liebe Jugend mit unersättlichem Heisshunger hermachte. Anders jedoch war es in dem benachbarten, kaum fünf Stunden entfernten Bregenz.
Hier wurde bei Annäherung des Feindes die dort befindliche Stadtkasse von den betreffenden Beamten fortgeschaft; ob aus Vorsicht, ob aus Betrug, konnte nicht ermittelt werden. Der Vorgang war folgender:
Die Bürger der Stadt und die Bauern der Umgebung, worunter auch der Vater unsers Seferle, mussten ausserhalb des Weichbildes Schanzen aufwerfen, die sollten das bis jetzt mit ungebrochener Kraft angerückte französische Heer aufhalten. Eines Abends nun besuchte das Oberamt die draussen arbeitenden Leute und ermunterte diese mit den Worten: „Arbeitet, arbeitet, liebe Brüder, Ihr seht den Feind vor Augen.“
In der That konnte man schon einige feindliche Plänkler gewahren, und manche vorwitzige Kugel sauste durch heimathliche Lüfte.
Und während die Männer im Schweisse ihres Angesichtes die harte Erde mit ihren Spaten lockerten, entfernte sind das Oberamt, bestehend aus dem uns schon aus der Jugendgeschichte her bekannten Landvogte, nebst zwei anderen höheren Beamten heimlich in entgegengesetzter Richtung gegen Innspruck mit der Kasse der Gemeinde.
Sie waren einige Stunden weit, als sich die Kunde ihres Verschwindens mit den städtischen Geldern unter den Schanzgräbern verbreitete, die nun wüthend darüber, in derselben Zeit, als sie ihre Kräfte dem Vaterlande weihten, von ihren Mitbürgern betrogen zu werden, einen fürchterlichen Akt der Lynch-Justiz ausübten.
Sie eilten den vielleicht mit Unrecht vermeinten Betrügern nach, holten sie zwischen Stube und Landeck ein, brachten sie nach Bregenz zurück, und schleiften die Unglücklichen, ohne sie früher gehört zu haben, durch die Strassen der Stadt mit gebundenen Händen und Füssen so lange, bis Alle drei ihren Geist aushauchten; selbst an Misshandlungen der grässlich entstellten Leichname liess es die entartete Menge nicht fehlen.
So blieb es nicht festgestellt, ob nicht auch diese drei Männer, wie die Geschichte vielfach zu erzählen weiss, einem Missverständniss zu Opfer gefallen sind, wie solches in bewegten Zeiten leider oft vorzukommen pflegt.
Zu Ehren des Namens unserer Heldin muss aber erwähnt sein, dass sich ihr Vater nur in so fern bei diesen Vorfällen betheilte, als er den entmenschten Pöbel von seinem schauderhaften Vorhaben abzulenken suchte, wofür er jedoch schlechten Dank erntete, und mit genauer Noth einem gleichen Schicksale entkam.
Die Strafe sollte nicht lange ausbleiben, die Schanzen schienen dem Feinde eine unnöthige Spielerei zu sein, er drang in die Stadt ein, nahm die Kassa erst recht weg, und dass dabei das Eigenthum und Leben vieler gelitten, davon geben die Annalen Bregenz’s genügenden Beweis.
Endlich war dem Kriegsgotte auf dieser Seite Genüge gethan, die Tränzen auf der Karte wurden wieder mit den oft gewechselten Farben bemalt, Leben Glück und Habe vieler Unterthanen wurde zwar geopfert, blieb doch die ehre des Staates gerettet! –
Wenige Wochen nach dem Erzählten sassen Stasel und Seferle beim Spinnrade, als ein Mädchen aus dem Brauhause athemlos hereinstürmte, und die Beiden aufforderte, sich dorthin zu begeben, es wäre Jemand dort, der sie zu sprechen wünschte. Sich in allerlei Vermuthungen ergiessend, nahm Stasel das Töchterchen bei der Hand, und folgte der voraneilenden Magd.
Als sie in die Gaststube traten, konnte Seferle nur einen weissen bis an die Diele reichenden Federbusch inmitten eines Schwarmes Bauern bemerken, der sich bei ihrer Ankunft sofort zu ihnen herbewegte, und bald lag der Eigenthümer desselben in den Armen seiner Mutter. Amandus war, als Offizier mit der goldenen und silbernen Tapferkeits-Medaille geziert, auf dem Durchmarsche im Vorarlbergischen in sein Geburtsort gereiset, um seinen Angehörigen die grösste und freudigste Ueberraschung zu bereiten.
Zahlreich perlten die Freudenthränen die gefurchten Wangen seiner vor der Zeit gealterten Mutter herab.
Man kann sich denken, dass dieser Besuch ungeheures Aufsehen erregte. Amandus wurde von den Autoritäten des Fleckes, mit Ausnahme des abgesetzten Richters, mit Einladungen förmlich überschüttet; hätte es dort ein Schauspielhaus gegeben, der Amtsvorstand würde ihm gewiss eine Loge angebothen haben.
Fortsetzung
Was zuvor geschah
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Dieser Sommer war besonders heiss, und manchen Sonntag ergötzten sich die Kinder am Bache, die Glieder in dem kühlenden Wasser zu baden.
Einst überredete ein älteres Mädchen unser Seferle, bei einer gefährlichen Stelle zu baden. Der Bach war an diesem Tage besonders reissend, da die Woche vorher starke Wolken in den Bergen sich entleert hatten.
Ueber das Wasser führte ein einzelner grosser Baumstamm, die Kinder gingen darüber, entledigten sich jenseits im Gebüsche ihrer Kleider, und sprangen in die frische Fluth.
Serverle nahm nun den quer liegenden Stamm unter das Aermchen, und wagte sich bis in die Mitte des Baches.
Hier jedoch war die Strömung so heftig, dass sie nicht länger Widerstand leisten konnte, und den Baum loslassend, nun wie ein Laub von den Wellen fortgetragen wurde.
Die Besinnung schwand, nichts war ihr später erinnerlich, als einen wunderhübschen Gesang, ein Brausen in den Ohren gehört zu haben, das immer schwächer und schwächer wurde. – –
Als sie wieder die Augen aufschlug, lag sie am Rasen, weit, weit weg von der Stelle, an welchen der abgehauene Baumstrunk die Brücke bildete.
Das ältere Mädchen hatte mit unglaublicher Geistesgegenwart, Besonnheit, und fast übermenschlicher Kraftranstrengung die kleine Freundin den Wellen und dem sichern Tode entrissen.
Rührend war ihre Freude, als sie über den leblosen Körper angstvoll gebeut, bemerkte, dass dessen Lebensgeister wieder den Einzug hielten.
Es war die höchste Zeit, noch ein Moment, und – diese Erzählung wäre nicht geschrieben worden.
Und wäre das Kind ertrunken, hätte man damals eingewendet, was weiter? Ein Kind, dessen Erbtheil das Elend, ein armes Bauernmädchen, mit den wenigst tröstlichen Aussichten in die Zukunft, fast verachtet und gemieden von den meisten übrigen Dorfkindern, als das allerärmste und die Tochter des grössten Feindes des Richters, des Mannes, der die Amtmann-Buben bald den Juden verkauft hätte. Ja, hätte man die Nachricht, Seferle wäre ertrunken, ihrer Mutter gebracht, es würde ihr von dieser heiligen Seite nicht eine offizielle Thräne geweint worden sein, denn wehe der Weilheimerin, die über ein verstorbenes Kind solche öffentlich vergossen hätte. „Gott’s Lob und Dank“ hiessen die Beileidsbezeugungen der Weilheimer Frauen gegen einander, „ich habe gehört es wäre Dir ein Kind gestorben, nun hast Du einen schönen Engel im Himmel, der für Dich bethet.“ Die vielleicht trostlose Mutter musste dann noch eine freudige Miene dazu machen, und mit einstimmen in den Jubel, über das Glück, dass sie ein Kind im Himmel habe, dass für sie bethet. Freilich werden dann manchmal die Thränen in der einsamen Kammer über dem leeren Bettchen ungesehen und so reichlicher geflossen sein.
Dass diese Folgerung bei unserer Stasel hätte gezogen werden können, bezeugt das namenlose Entzücken, mit welchem die Mutter, der man unterdessen die entsetzliche Begebenheit mitgetheilt hattte, ihre verloren geglaubte Tochter umarmte.
Das Sprichwort sagt: gebrannte Kinder fürchten das Feuer, man könnte auch sagen: Bald Ertrunkene scheuen das Wasser, denn seit dieser Erfahrung mied Seferle das kalte Baden für immer.
Als Seferle am Herbste wieder im Hause ihrer Aeltern ankam, fühlte sie tief den Unterschied zwischen ihrem Soffer-Aufenthaltsorte und hier, wo sie stündlich das hohläugige Gespenst: Armuth mit seinem Sateliten: Hunger begegnete.
Fleissig schnurrte das Rädchen, noch war das Pfund Baumwolle nicht fertig gesponnen, und der Magen verlangte dringend, unerbittlich Nahrung.
Da ging auf Geheiss der Mutter Seferle zum reichen Gretles Peter (seine Mutter hiess Gretle und er selbst Peter, daher der Name) und verlangte für einige Pfennige Mehl.
Als es aber zum Zahlen kam, und das Kind um Nachsicht bath, bis das Pfund gesponnen wäre, schüttelte der Mann mit einer kränkenden Bemerkung das Mehl wieder in den Kübel hinein.
Werfen wir keinen Stein auf den Gewerbsmann; wie wenige würden anders handeln! Eines Mittags sassen unsere Leute um den Tisch, auf dem eine dampfende Schüssel stand. Ehrlich theilte die Mutter unter den Kindern die gekochten Kartoffel, da blieben noch zwei in der Schüssel, eine nahm die Mutter, die andere bekam der Vater.
Da traten dem Manne die hellen Thränen in die Augen, und ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust.
Hierüber befragt, erzählte er folgende Geschichte:
Ich diente in meinem 20sten Jahre mit neun andern Burschen in einer Leinwandbleiche.
Rüstig arbeiteten die zwanzig Hände, winkte ja doch nach gethaner Arbeit ein meist gut gedeckter Tisch. Eines Mittags jedoch brachte die Meisterin eine Schüssel mit schwarzen Erdknollen.
Erstaunt sahen wir einander an, und ich als der älteste Geselle, aufgefordert von den Andern, sprach: „Frau Meisterin, das könnt Ihr Euren Schweinen vorsetzen, wir essen’s nicht.“ Standen auf, gingen in’s Wirthshaus, und rührten den ganzen Tag keine Arbeit an. Die Meisterin aber schrie uns erzürnt nach: „Ihr werdet einmahl froh sein, wenn Ihr genug von diesem Schweinefutter zu essen habt.“ Das Schweinefutter aber waren Kartoffel und der Meisterin Profezeihung ist in Erfüllung gegangen!
Zu Ebeneschwand, anderthalb Stunden von Weiler entfernt, wohnte eine alte Pathin von Stasel mit ihrer Tochter Marian, welch letztere mit neidischem Blicke auf den gährlichen Besuch blickte, den Stasel mit abwechselnd einer ihrer Töchter bei ihnen abstattete, da letztere von der Alten stets mit einem kleinen Geschenke bedacht wurden.
Diesmal war an Seferle die Reihe, ihre Mutter nach Ebeneschwand zu begleiten, die nach einem demüthigen Gruss das ihrer Schwester voriges Jahr mit Mehl und Wachs angefüllte Beutelchen der Godel überreichte. Marian setzte den sehr Ermüdeten auf Befehl ihrer Mutter Honig vor, wobei sie jedoch absichtlich kein Brot dazu gab, um es den Beiden unmöglich zu machen, davon zu geniessen. Auch wagten diese nicht, darum zu bitten, und so blieb die verlockende Süssigkeit fast unberührt.
Inzwischen war die Alte beschäftigt, das Säckle mit Flachs oder Baumwolle zu füllen, da sagte Marian mit höhnischer näselnder Stimme: „No, no Muatterle, gib ihnen nur recht viel Bittele (Beutelchen), es kimmen auf’s Jahr ihrer Zehne und bringen’s wieder leer, dass Du’s ihnen zehnfach anfüllen sollst!“
Krampfhaft ballte sich die kleine Faust Seferle’s vor Scham und unnennbaren Unwillen, und absichtlich liess sie beim Abschiede das Beutelchen auf der Ofenbank liegen.
Die eintönige trockene Zeit des Schulbesuches war gekommen, Vormittags zwei, Nachmittags zwei Stunden, die übrige Zeit des Tages mit Spinnen ausgefüllt.
Früh Morgens, wenn das Schlafen noch so gut schmecken wollte, bethet die Mutter mit lauter Stimme: „Himmlischer Vater, g’seg’n uns alle Speis,“ und scheppert dazu mit dem blechernen Löffel, da springen die Kinder mit gleichen Füssen aus dem Bette, und stellen sich um den Tisch, auf dem schon die Habersuppe dampft, das Tischgebeth dünkt ihnen heute entsetzlich lang, nach dessen Beendigung stürzten sie endlich mit Heisshunger über das köstlich duftende Gericht.
Jetzt geht’s an’s Spinnen. Rrrrrr! Wie das sich dreht und wackelt und pfeift, wer kann’s am Besten von Euch? Wer spinnt am Meisten? Bei jedem Pfund wird am Klaushölzel ein Einschnitt gemacht, dasjenige, das die meisten Einschnitte hat, wird dann vom Klaus (heiliger Nikolaus) am Besten bescheert.
Bärbel ist die Beste, weiss sie das Rädle so geschickt zu drehen? Und sie singt und plaudert doch am Meisten! Und doch ist ihr Gesponnenes häuflicher als das der Andern! Non löst sich das Rätsel, während die Andern eifrig spinnen, und auf die Wutzel acht geben, reisst sie bald von der Einen, bald von der Andern eine Handvoll an sich, besonders geht ihr dies Hanthieren Abend in der, nur durch einen brennenden Spahn schlecht erleuchteten Stube von Statten.
Am Tage der Prüfung haben sich die Kinder g’sunntagt; die Schulstube ist frisch getüncht, der Herr Pfarrer, der Herr Schulaufseher aus Bregenz sitzen am Katheder; furchtlos tritt Seferle vor Alle die schwarzen Herren, und weiss mit vernehmlicher Stimme einen langen lateinischen Satz auswendig herzuplappern, von dem jedoch die wenigsten Anwesenden etwas verstanden.
„Bravo Haas!“ tönte es einstimmig von droben herab, und zwei Freudenthränen glänzten in den Augen der zuhörenden Mutter.
Fortsetzung
Was ich vor 3 Jahren notiert habe… – Naja, mittlerweile sind es wohl mindestens 7 Jahre her.
Ja, ich bin ein Angeber
Ich geniere mich nicht für meine Bücher. Ich lese zur Zeit zum Vergnügen Der Klavierstimmer
von Pascal Mercier, ein Buch, welches mich sehr stark zu einem Kommentar reizt, den ich zu einem späteren Zeitpunkt nachbringen werde.
Ich lese auch immer wieder die Bücher, besser wäre vielleicht der Ausdruck schmökern, die ich jetzt aus der Firma geholt habe.
Ich sollte das wohl gar nicht schreiben, denn Hochmut kommt leicht vor den Fall. Doch ich stehe dazu. Ich gebe nicht mit meinen Büchern an. Ob ich ein Regal mehr oder weniger stehen habe, verändert nicht den Eindruck. Die Wohnung besteht eh nur aus Büchern.
Ich gebe vielmehr damit an, dass ich auch in die Bücher hineinschaue. Ich gebe damit an, dass ich bereit bin, die Erfahrungen anderer anzuerkennen. Ich gebe damit an, dass mich auch Bücher zum Denken anregen, die vor mehr als 30 Jahren geschrieben worden sind.
Ich gebe damit an, dass ich ein gewisses nostalgisches Gefühl entwickle, wenn ich Bücher entdecke, die mir einmal sehr teuer waren und jetzt vielleicht nicht mehr sind.
Ich gebe auch damit an, dass ich mir ein Buch kaufe, wenn ich mir nur zwei Stunden Arbeitsersparnis erhoffe.
Ich gebe nicht nur mit meinen Büchern an sondern auch mit meinen Noten. Ich gebe damit deswegen an, weil diese Noten mir es ermöglichen, frei nach Belieben einer momentanen Stimmung am Klavier Laut zu verleihen. Ich gebe damit an, dass ich überhaupt Noten lesen kann und ein Klavierspiel in der
Regel auch spielen kann, wenn ich die Noten verstehe.
Doch in Anbetracht eines kürzlichen Kommentars gebe ich auch damit an, dass nie ein Aussenstehender überhaupt sehen kann, welche Bücher ich in meinem Schlafzimmer habe. Ich gebe damit an, dass ich mir den Luxus leisten kann, mit den Büchern nicht angeben zu müssen. Mitunter finden sich Menschen, die das eine oder andere Buch auch gelesen haben und sogar die
gleiche Meinung teilen. Das bedeutet dann Freude und Genuss.
Die Bücher, die teilweise über dreißig Jahre alt sind und trotzdem noch immer wieder einmal betrachtet und genossen werden, sind beispielsweise (ein Fach von 24):
—: Fun with Chinese characters. Singapore [u.a.]: Repr. Aufl. Federal Publ, 1994. – 981-01-3004-X
CUBE, Felix von: Was ist Kybernetik?. München: Ungek. Ausg. nach der 3. Aufl., Lizenzausg. Aufl. Dt. Taschenbuchverl, 1971. – 3-423-04079-3
GRIBBIN, John: Auf der Suche nach Schrödingers Katze. München u.a: 4. Aufl. (1. Aufl. dieser Ausg.). Aufl. Piper, 1991. – 3-492-11353-2
HAHN, Hans ; MCGUINNESS, Brian ; MENGER, Karl: Empirismus, Logik, Mathematik. Frankfurt a.M: 1. Aufl. Aufl. Suhrkamp, 1988. – 3-518-28245-X
KNUTH, Donald Ervin: Seminumerical algorithms. Reading, Mass. [u.a.]: 2. ed. Aufl. Addison-Wesley, 1981. – 0-201-03822-6
KOULEN, Michael: Die Mitte des Himmels. Köln: DuMont, 1986. – 377011902-9
MORFILL, Gregor E. ; SCHEINGRABER, Herbert: Chaos ist überall. und es funktioniert. Frankfurt/Main ;Berlin: Ullstein, 1991. – 3-550-06509-4
NONAKA, Ikujiro ; TAKEUCHI, Hiro: The knowledge-creating company. New York [u.a.]: Oxford Univ. Press, 1995. – 0-19-509269-4
RHEINGOLD, Howard: Virtuelle Welten. Reinbek bei Hamburg: 1. Aufl. Aufl. Rowohlt, 1992. – 3-49805731-6
RIEDL, Rupert: Die Strategie der Genesis. München u.a: 3. Aufl., 9. – 14. Tsd. Aufl. Piper, 1984. – 3-492-00590-X
ROJAS, Raúl: Theorie der neuronalen Netze. Berlin [u.a.]: Springer, 1993. – 3-540-56353-9
WIECKMANN, J.: Das chaos computer buch. Reinbek Bei Hamburg: Rowohlt, 1988. – 3-8052-0474-4
WINSTON, Patrick Henry: Artificial intelligence. Reading, Mass. u.a: 1977. – 0-201-08454-6
ZIMMER, J. A.: Abstraction for programmers. New York: McGraw-Hill, 1985. – 0-07-072832-1
Im Jahr 2007 traf ich bei einer Konferenz und der damit verbundenen Herstellerausstellung auf eine Firma, die ein sehr hübsches Give-Away hatte. Keine Zuckerln, Kugelschreiber oder Mozartkugeln, wie wir selbst sie immer dabei haben, sondern ein sehr empfehlenswertes Buch von Marco Wehr Welche Farbe hat die Zeit?. (ISBN 978-3-8218-5793-0) Es tat nichts zur Sache, dass dich das Buch gerade erst vor kurzem gekauft hatte, da es im Radio beschrieben war.
–
Um ganz andere Farben geht es beim Anlass zu diesem Beitrag. Vor wenigen Tagen sah ich im Fernsehen einen Film, von dem ich den Text nicht verstand, weil ich den Ton nicht hören konnte, die Untertitel aber auch nicht verstehen konnte. Trotzdem war ich ziemlich sicher, dass es sich um eine Verfilmung eines Terry Pratchett-Romans handeln musste. Als ich dann auf kyrillisch „Rhincewind“ ausmachen konnte fand ich meine Bestätigung.
Heute schalte ich zufällig auf ATV und finde den gleichen Film im österreichischen Fernsehen. (Er wurde 2008 als Zweiteiler für Sky gedreht.)
Ich habe keine Zeit, ihn mir in Ruhe anzusehen. Ich sollte eigentlich schon längst in der Firma sein.
Doch erinnere ich mich mit Vergnügen daran, mit welcher Begeisterung ich die ersten Romane von der Scheibenwelt gelesen habe. Die ersten zehn habe ich verschlungen, später war ich nicht mehr ganz so gefesselt, obwohl sich am Stil nicht viel verändert hatte.
Sehr hübsch ist im Film die laufende Truhe gezeigt, die ich mir auch wirklich so vorgestellt hatte.
Der erste Roman von der Scheibenwelt heißt Die Farben der Magie und ist als Einstieg auch hervorragend geeignet um sich mit dem Stil des Autors anzufreunden.
Aber wem schreibe ich das. Ich denke, dass die meisten meiner Leserinnen und Leser einige Bücher Pratchetts kennen werden.
