Archive for the ‘Leben’ Category

Das Ärgste ist vorüber

Ich habe es ja gleich nach der Operation geschrieben, dass ich noch lebe. Diese dauerte fünf Stunden, weil doch relativ viel mit dem Kiefer zu machen war. Nachher sah ich noch die Bildchen von den Implantaten. Die meiste Zeit verschlief ich, bei den letzten drei bekam ich es dann wieder live mit. Ohne wirkliche Schmerzen nur musste ich häufig ermahnt werden, den Mund wieder aufzumachen.

Danach postoperative Betreuung. Schmerzmittel und ab heute Abend Penizillin, oder zumindest etwas damit. Ich hoffe, dass am Dienstag abends die Drähte gezogen werden können. (Am Mittwoch fliege ich dann ja nach Wien zurück.)
In der Nacht bin ich aufgewacht und da tat so richtig alles weh. Nach der Einnahme des Schmerzmittels konnte ich aber dann recht gut schlafen und jetzt in der Früh fühle ich mich etwas benommen aber durchaus lebensfähig.

Heute bleibe ich im Hotel und erledige einmal alle Sachen, zu denen ich als Zeitgründen zuletzt nicht gekommen bin. Da gibt es noch unheimlich viel zu schreiben.
Auch gestern war es wieder eine Freude zu erleben, wie sorgfältig und bemüht alle gearbeitet haben. Die Anästhisistin hat jeden Schritt erklärt. Nur mehr ein kleiner Punkt auf der Handfläche zeigt von ihrer Tätigkeit.
Wenn ich gerade jetzt zusammenbeiße, tut mir weniger weh als gestern am Nachmittag. Das wird allerdings die Wirkung des Schmerzmittels sein.

Wenn ich meine Erfahrungen hier zusammenfasse, so stelle ich folgendes fest: die Geräte mit denen sie hier arbeiten sind die modernsten (wie auch in Ungarn). Die Arbeitsauffassung ist eine andere. Hier sieht sich der Zahnchirurg als Dienstleister und versucht alles, um auf Sorgen, Fragen und notwendigen Beeinträchtigungen des Patienten einzugehen.
In Österreich, wo die Preise für gleichartige Arbeiten ungefähr 2,5 mal so teuer sind, wenn nicht mehr, ist der Patient in erster Linie Kunde, der die nächste Ferrari-Rate begleicht. (Ich weiß, dass das eine bösartige Unterstellung ist. Nicht alle sind so. Doch der Preis für eine Krone liegt in Österreich bei 2.000€ und da weiß ich jetzt noch nicht einmal, ob das Implantat schon im Preis inbegriffen ist.)

Zu allerletzt möchte ich noch erwähnen, dass mir in der gesamten Ordination alle (ca. 10 verschiedene Menschen) sympathisch waren. Das ist eine ziemlich hohe Ausbeute;)

Katze, Katze, Katze



Reingefallen 🙂

Ist Schach ein Sport

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/grossmeister-huebner-schach-ist-kein-sport-1709939.html
Interessanterweise verneint das ein wirklich bedeutender Spieler. Aber ich geben ihm nicht recht. Für mich ist Schach ein Sport. Ähnlich wie anerkannte Sportarten, kann ich es sportlich oder nicht sportlich betreiben. Es gibt auch die Disziplin „Gehen“. Trotzdem kann man auch so gehen, dass niemand darunter Sport vermuten würde. (Allenfalls gesunde Bewegung)
Wird Schach so betrieben, dass man einem Verein angehört, verändert sich das gesamte Wesen des Schachspiels für einen. Ich wurde als 15-Jähriger ermahnt, weil ich eine Schachpartie zu früh aufgegeben hatte. Sie konnte zwar als verloren gelten, aber der Präsident des Schachvereins erklärte mir, dass immer noch etwas hätte passieren können, dass eine Niederlage zu einem Remis verwandelt hätte. „Aufgeben tut man einen Brief!“
Das gilt, wenn man in einer Mannschaft spielt, bei der eine Ergebnis 3:3 etwas ganz anderes ist als 2,5 zu 3,5.
Ich habe mit 20 Jahren die Regel formuliert, dass ein Vereinsspieler immer gegen einen Kaffeehausspieler gewinnen könnte. Ich war dann überrascht, einen Kaffeehausspieler gewinnen zu sehen. Bis ich ihn irgendwann bei einer Turnierpartie am 2. Brett der Liga sah.
Der Adrenalinausstoss, den ich selbst vor Beginn einer Partie erlebt habe, und die Gewichtsabnahme von 2 kg bei einer normalen Turnierpartie scheinen zu beweisen, dass der Körper doch mehr leistet.
Gute Spieler kommen auch nicht ohne körperliches Konditionstraining aus. Man kann Schach sehr gut als „Spiel“ begreifen und das hat durchaus seine Berechtigung. Doch wenn es einmal vereinsmäßig ausgetragen wird, überwiegt die sportliche Komponente des Wettkampfs bei Weitem.

Belgrad III

Es ist Samstag und ich trödle. Draußen ist es heiß und die kurze Strecke zum Einkaufen hat mich ins Schwitzen gebracht. Im Fernsehen laufen amerikanische Filme wie z.B. „Herr der Gezeiten“. Es sind Dramen oder Dramen-Liebesgeschichten, die ohne Actionsound und ohne große Lautstärke ablaufen. Daneben kann ich gut denken. Wenn ich eine Pause mache, sehe ich die Filme etwas bewusster und stelle fest, dass ich schon mehr auf den serbischen Untertitel achte als auf das gesprochene Englisch. Vom Akustischen bekomme ich nur die Stimmung mit.
Es ist angenehm. Ich merke mir jetzt einzelne Wörter und ich verstehe die Deklinationen und Konjugationen besser.
Arbeit gibt es momentan mehr in Wien als in Belgrad, aber die Zukunftsaussichten sind nicht so schlecht.

Goethe in der Soap

Beim kurzen Zappen bin ich heute auf das Ende eines deutschen Films gestoßen, „ich leih mir eine Familie“.
Die Oma im Spital ermahnt den Enkel, endlich erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen.
Sie sagt: „Ich sehe zwei Männer vor mir. Einen, der du bist, und einen, der du sein kannst.“

Das hat mich berührt. Zwar gibt es Menschen, die anscheinend so sind, wie sie sein könnten. Für mich nehme ich das aber nicht in Anspruch. Ich könnte anders sein, ich könnte besser sein. (Es geht jetzt nicht um eine Abhandlung über meine Person.) Beim Nachdenken fällt mir folgende Parallele auf. Um so zu sein, wie man sein könnte, muss man sich bemühen. Man muss sich strebend bemühen. Und da landen wir beim Ende von Faust-I: Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.

Ist es schwer, diese Aussage zu akzeptieren? Für mich klingt sie richtiger als die Suche nach Selbstverwirklichung. Oder bin ich da schon zu alt?

Farbe bekennen

Dieses Wochenende haben wir unser Strategiewochenende von der Firma aus. Normalerweise findet es ja bereits Anfangs des Jahres statt. Aber das Wetter scheint eh zu passen, bewölkt und regnerisch. Am Schönsten ist es eh im Hotel. Ein Kollege wird spazieren gehen, zwei bis drei werden laufen und ich hab sowieso noch etwa für die nächste Woche vorzubereiten.
Aber ich werde Farbe bekennen müssen. Es wird nicht mehr beim einfachen „wenn ich dann in Pension gehe“ bleiben. Es sollen Pflichten und Verantwortlichkeiten neu definiert werden.
Ich werde sagen müssen, dass es mir mit dem 1.1.2016 wirklich ernst ist. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell.
Ich hoffe ja, dass bis dahin Serbien ganz auf eigenen Füßen stehen kann. Eine Woche pro Monat kann ich dann schon dafür aufwenden.
Aber in Österreich oder sonstwo möchte ich nicht mehr in Projekten arbeiten.
Was ich gerne leiste, ist zur Verfügung stehen, wenn es um inhaltliche Fragen geht oder wenn ich eine Schulung mache oder die Firma bei einer Konferenz vertrete. Doch schon heute versuche ich die Auftritte auf die „junge“ Generation zu verlagern.

Die eigentliche Frage ist ja, warum ich aufhören will. Das hätte ich ja von mir selber nie geglaubt.
Aber es ist einfach: mich kotzt der EDV-Betrieb fürchterlich an. Nicht die Sache an sich. Müsste ich etwas programmieren oder entwerfen hätte ich Spass daran. Doch was auf dem Gebiet abgeht, ist einfach widerlich.
(Ich habe mir gerade Tee aus der Küche geholt. Im Radio wird gerade erläutert, wie toll „big data“ doch für die Schule ist, was alles möglich ist. Big data und Scrum sind zur Zeit die größten Hypes, sie verekeln mir das Arbeitsumfeld.)
Ich komme mir vor, als hätte ich mein Leben lang in der Atomindustrie gearbeitet und komme drauf, dass ich unverantwortlich gehandelt habe. Ich möchte aussteigen.
Das Dumme ist bloß, dass ich recht gut darin bin.
Nun, wenn ich in Pension bin,werde ich vielleicht ja anders denken und es wird mir einiges abgehen. Ich werde als Konsulent noch weiter arbeiten. Sollte ich so um die Geringfügigkeitsgrenze herum verdienen, so bekomme ich in der Pension genauso viel wie jetzt als Aktiver.
Aber ich werde mich heute dazu bekennen müssen, ich werde Farbe zeigen müssen. Ich glaube, dass man mich schon verstehen wird. Aber ich habe auch eine Verantwortung für die Firma. So einfach kann ich mich nicht herausnehmen.
Mal sehen, was da in diesen drei Tagen heraus kommt. Daneben muss ich noch ca. 350 Seiten auf englisch übersetzen. (Das wird dann noch probegelesen und muss bis Ende August passieren.) Nur bin ich nächste Woche drei Tage in Schweden.
Es ist also alles recht gedrängt. Doch die vergangenen zwei Wochen Urlaub waren schon gut, um mir selbst klar zu werden.
Ansonsten bin ich halt einfach ein Altersteilzeitler. Ich wusste nicht, dass man da mehr als normal arbeitet:)

Prag – ich – und Prag

Ich bin heute sechzig geworden und sitze allein in einem Schnellzug nach Prag. Die Fahrt auf der tschechischen Strecke zwischen Breclav und Prag erlaubt es mir, meinen Gedanken nach zu hängen. Der Oberbau des Gleiskörpers lässt auch bei einer Geschwindigkeit von hundertvierzig Kilometer pro Stunde Tempo fühlbar werden. Bei Hrusovany kommt eine starke Kindheitserinnerung hoch. Die durchfahrenen Bahnhöfe haben teilweise österreichischen Zuschnitt und sie erinnern mich an die Faller-Modellbauhäuser für die Modelleisenbahn. (Jetzt sehe ich eben eine imposante Kirche in Brno. Fast alles sieht nach Sechzigerjahren aus. Palac Padowetz, welches vermutlich ein Hotel ist, kann ich vom Bahnhof, in dem wir gerade gehalten haben sehen. Ein älterer, doch renovierter Bau. Die Autos sind neu. Am Parkplatz stehen Skodas und Audis.
Doch zurück zu den kleinen Plastikhäusern, die mit Uhu zusammen geklebt wurden. Die waren ein Luxus. Kleinere Modelle, wobei klein so viel wie einfach bedeutet, bekam ich manchmal geschenkt. Weil ich ungeduldig und auch schlampig bin, wurden meine Modelle nie so schön, wie sie es hätten werden können. Fasziniert haben mich aber die Bestandteile, die man erst von Rippen ablösen musste. Manchmal blieb noch ein kleiner Steg am Einzelteil übrig, den man sorgfältig abschneiden oder abschleifen musste. Fenster wurden mit Zellophanpapier hinterklebt, was eine ziemliche Patzerei sein konnte. Die Kunst bestand darin, die Fenster so hinein zu kleben, dass auf dem Glasteil kein Rest von Klebstoff zu sehen war. Diese Kunst beherrschte ich nicht.
Auch wenn mein Urururgroßvater ein Bierbrauer in Prag gewesen ist, meine Großeltern ausschließlich aus Böhmen und Mähren stammen, und wenn sogar der Kulturverein, dem ich angehöre, in Prag gegründet worden ist, mag ich Prag nicht. Ich kann das heute umso leichter fest stellen, als ich mich ja schnellstens in Belgrad eingewöhnt habe. Ich mochte auch Moskau. In Prag hätte ich einmal arbeiten sollen. Heute bin ich froh, dass es damals nicht dazu kam.
Die tschechischen Lokomotiven mag ich. Gelb-rot, grün-weiß, blau-grau besitzen sie Identität und zeigen Gesichter. Lokomotiven haben für mich immer Gesichter gehabt. Elektrische sogar noch ausgeprägter als Dampflokomotiven, was einige verwundern mag.
Ich wollte doch Gedanken zum heutigen Tag niederschreiben und stelle fest, dass mich die kleinste Erinnerung auf eine Assoziationskette bringt, die mit Alter, mit der Erfahrung, mit dem Festtag überhaupt nichts zu tun zu haben scheint.
Die Feier gab es ja schon vor drei Tagen und dabei sind auch einige Dinge angesprochen worden, die der Erwähnung wert sind, Einiges an Betrachtungen, die mir den Eindruck vermitteln könnten, dass das Fremdbild und das Eigenbild zumindest sporadisch Übereinstimmungen aufweisen.
Was soll aber jemand mit meinen Gedanken zur Physiognomie von Lokomotiven anfangen?
Eine Freundin hat anlässlich der Geburtstagsfeier eine sehr launische Rede gehalten, die darin gegipfelt hat, dass ich ihr einmal zum Gewinn eines Redewettbewerbs in Paris geholfen hätte. Sie hätte mich als überraschenden Menschen geschildert, der aus jeder Situation das Beste machen könnte.
Ich frage mich, ob das meine Persönlichkeit ausmacht. Als ich während meiner Arbeitslosigkeit einmal die Sorge hatte, in Depression zu verfallen, konsultierte ich einen Psychologen, der überrascht feststellte, dass er noch nie einen Menschen erlebt hätte, der trotz extrem großer Ängste ein so erfolgreiches Leben führen konnte. Daraufhin war ich nun selbst überrascht, denn von meinen Ängsten hatte ich soweit gar nichts mitbekommen.
Auch heute kann ich nicht sagen, ob es sich um Ängste betreffend Verlust oder Ängste in Bezug auf mögliches Versagen handelt. Ich musste fünfundfünfzig Jahre alt werden, um mir selbst das Scheitern eines großen Projektes zu gestatten, für das ich verantwortlich war. Zwar gab es durchaus Gründe, es mit gutem Gewissen scheitern zu lassen, doch hätte ich mir früher nie gestattet, es einfach so laufen zu lassen. Ich hätte mit Nachtschichten, mit übermäßigen Einsatz unter Aufbietung aller Kräfte einen vernünftigen Abschluss bewerkstelligen können, um meinen Ruf zu retten, um meine Selbstachtung zu behalten. Das war es ja, was ich am Scheitern am meisten fürchtete. Gab es eine Enttäuschung, als ich feststellte, dass weder mein Ruf noch meine Selbstachtung gelitten hatten? Vielleicht war es sogar eine weitsichtige Entscheidung gewesen. Die Firma hätte mich nicht so leicht ziehen lassen. Ich musste trotzdem noch über ein Jahr kämpfen, bis sie mich mit einer entsprechenden Abfertigung verabschiedeten.
Mein Problem ist wohl, dass es zu vieles gibt, was ich gerne machen und was ich gerne abschließen würde. Und ich bin faul, selbst wenn ich auf andere Menschen einen anderen Eindruck mache. Umso wichtiger war es für mich – und umso beglückender – das geplante Konzert für Freunde und Erwachsene auch wirklich durch zu führen. Wenn ich in Belgrad in der Nacht aufwachte und die Musik von den Clubs an der nahen Sava in meine Wohnung herüber schallte, setzte ich mir die Kopfhörer auf und übte schwierige Passagen ein, zwei Stunden lang.
Manchen Menschen habe ich von der Hirt-Methode erzählt. Obwohl sie noch immer verkauft wird, scheint sie nach dem Tod des Begründers etwas an Präsenz verloren zu haben. Auch dieser Methodik bin ich nur auf sehr schlampige Weise gefolgt. Doch das Prinzip des „Gesetzes von Lust und Unlust“ hat sich bei mir nachhaltig eingebrannt. Meiner Meinung nach behält es auch seine Gültigkeit, obwohl die darin enthaltenen Erklärungen zu den Gehirnvorgängen durch die Erkenntnisse der neueren Gehirnforschung einer Modifikation bedürften.
In jede Aufgabe muss man eintauchen, sich mit ihrer Lösung identifizieren. Dann wird man die Aufgabe gut lösen können und wird Spaß an der Arbeit haben. Es gibt eine unangenehme Aufgabe, etwas Zeitraubendes, etwas Langweiliges? Die Herausforderung besteht gerade darin, die Bewältigung als intellektuelles Rätsel zu sehen. Warum sollte die Aufgabe langweilig sein? Warum ist sie so zeitraubend? Lässt sich der Zeitdiebstahl vielleicht verhindern? Oder erlaubt mir die eintönige, wiederkehrende Arbeit, meine Gedanken schweifen zu lassen?
Natürlich hat eine derartige Herangehensweise auch ihre Nachteile. Jede Aufgabe bleibt nur so lange interessant, so lange man ihre Lösung nicht hundertprozentig absehen kann. Wird die gesamte Lösungsstrecke überschaubar, so gewinnt die Faulheit die Kontrolle. Ich weiß, wie es jetzt ablaufen wird, warum sollte ich mir deswegen noch weitere Gedanken machen?
Haben diese Überlegungen etwas mit dem heutigen Tag zu tun? Meine Schwester sagt, dass ich erfolgreich wäre. Nach meinen eigenen Vorstellungen bin ich nicht erfolgreich. Nicht jetzt. Ich war erfolgreich mit sechsunddreißig Jahren, als ich wusste, dass es auf der Welt nur ganz wenige Menschen gab, die über mein Thema mehr wussten als ich. Und das Thema betraf „ethical goods“, also den Umgang mit Geräten, die vor allem der medizinischen Forschung große Dienste leisteten.
Es ist die eigentliche Befriedigung des heutigen Tages, sich zurück zu lehnen und solche Gedanken freimütig zu äußern. Am Sonntag, als ich gerade über Mussorgsky wütete, gab Charles Taylor, der Philosoph, in Wien einen Vortrag. Ich habe Taylor am Institut für die Wissenschaft vom Menschen vor Jahren kennen gelernt. Mit seiner Begrifflichkeit von Authentizität kann ich viel anfangen. Irgendwie sehe ich da auch viele Querverbindungen zu Fromms „Sein und Haben“.
In beiden Werken findet sich auch der Querbezug zu „den anderen Menschen“. Dieser ist in meinem Fall ein sehr ambivalenter. Menschen? Ich hasse und ich liebe sie. Die Menschen, die in meinem Leben mitspielen, waren fast immer sehr gut zu mir. Nur wenige Male wurde gegen mich intrigiert und ganz bewusst versucht, mich zum Absturz zu bringen. Ich vergesse sie und die betreffenden Umstände nicht. Diese hasse ich auch nicht, weil ich mich damit nur selbst beschädigte. Es sind nur solche Momente wie dieser, dass ich überhaupt die Erinnerung an sie strapaziere.
Die allermeisten Menschen, die ich kenne und die zum großen Teil bei der Geburtstagsfeier anwesend waren, waren gut zu mir, sehr gut sogar. Privat sowieso, aber auch die Chefs haben mich gefördert. Als ich voller Stolz verkünden konnte, dass vier Chefs und Ex-Chefs meiner Einladung gefolgt wären, meinte einer von ihnen launig, dass wohl auch seine Chef-Kollegen ein Vergnügen gehabt haben müssten, „unter mir mein Boss“ zu sein. Das habe ich als Auszeichnung gewertet. Ich habe mich nie um Macht bemüht. Ich musste auch nur sehr selten etwas gegen meine Überzeugung vertreten, was eine der unangenehmsten Pflichten im Management ist.
Ceska Trebova. Noch eineinhalb Stunden bis Prag. Mir kommt vor, als schriebe ich hier eine Neuauflage von Moskau-Petuski. Allerdings bin ich nicht betrunken. War Jerofeev wohl auch nicht, als er es geschrieben hatte. Oder vielleicht doch? Ich müsste die Biografie googlen.
Wenn ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir der Herausforderung bewusst. Jetzt bin ich Chef. Zwar habe ich einen Chef, doch das betrifft Österreich. In Serbien bin ich verantwortlich. Für alles. Und vor allem für meine Mitarbeiter, in die ich große Hoffnungen setze. Ich kann ihnen Chancen bieten und ich kann ihre technische Entwicklung beeinflussen. Ich kann aus ihnen Personen machen, die einmal meine Rolle spielen werden. Das hat nichts mit Anmaßung zu tun. Mein Sachgebiet ist einfach in Serbien noch unerforscht und ich habe noch ein bis zwei Jahre Zeit, bis sich das auch zu unserer Konkurrenz durchgesprochen hat. Zwar ist es sehr schwer, etwas zu verkaufen, wovon die Menschen noch nicht einmal eine Ahnung haben, dass sie es brauchen, doch wo ich hinkomme, werde ich mit offenen Armen empfangen.
Es ist so, wie mir ein bereits verstorbener Chef in der ersten großen Firma, in der ich gearbeitet habe, für den damaligen Verkauf prophezeit hat. „Sie brauchen keine Angst vor dem Verkauf haben. Sie müssen keine Klinken putzen. Die Kunden kommen zu uns und fragen uns nach Hilfe.“ So war es auch. Und so wünsche ich es mir in der zweiten Dekade unseres Jahrhunderts. Die Menschen sollen zu uns kommen, weil sie wissen, dass wir ihnen helfen können.
Mit der Überzeugung, dass ich diese Hilfe leisten kann, wende ich meinen Blick von der Vergangenheitsrichtung in die Zukunft.
Den Rest des Tages werde ich mit der Planung von Ausbildung, mit der Zusammenfassung und Präsentation für den Freitag und mit dem Theaterstück am Abend verbringen.
Ich sitze allein im Schnellzug nach Prag. Jemand schreibt mir: Du bist nicht allein, du bist mit deinen Gedanken. Und keinesfalls bin ich einsam.
Nachtrag am Tag danach
Die Ankunft in Prag war von einem Taxi-Betrug eingeleitet. Für die gelben Taxis am Bahnhof gibt es einen Dispatcher, der die Preise aushandelt. Ich konnte ihn zwar herunterhandeln, da ich aber die tatsächliche Entfernung nicht kannte, zahlte ich noch immer ungefähr zwölf Euro zuviel. Bei der Rezeption wurde ich an alte russische Zeiten erinnern: Wartezeit dreißig Minuten, bis ich im Zimmer war. Die Rezeptionistin war zwar sehr freundlich und spendierte mir ein Glas Champagner, doch die sehr persönliche Beratung, die sie jedem Gast angedeihen lässt, braucht ihre Zeit. Trotzdem soll das nicht als Beschwerdepunkt gewertet werden. Die Atmosphäre ist halt eher mehr die eines Palais, in das man als Gast eingeladen ist, als die einer Hotelkette. Apropos Hotelkette: im Zimmer lag eine Brochure „Pure Hotels“ auf, in dem das nämliche Hotel auch gelistet ist. Das Hotel hat nur einen Schwachpunkt. Der ist der Frühstücksraum oder sollte man besser Frühstücksdurchgang dazu sagen. Die Enge, die manchmal schon echt behindernd wirkte, störte mich weniger, als die ausschließlich indische oder pakistanische Mannschaftsbesetzung, die zwar freundlich aber ineffizient wirkte. Das englische Sprachverständnis war auch beschränkt und es gab kaum einen Satz, den man nicht wiederholen musste. Das ging auch den Gästen so, die Englisch als Muttersprache kennen. Die Badezimmerausrüstung hingegen war mit L-Occitane hervorragend bestückt. Ich bin versucht, mir die entsprechenden Tinkturen auch privat zu besorgen.
Prag selbst ist schön. Das behaupten alle Leute und ich stimme zu. Es gibt an jeder Ecke stimmige Motive, wenn man sich im alten Teil der Stadt bewegt. Weniger schön sind Stadtpläne, die in einem derart falschen Massstab gezeichnet sind, dass man auf die benötigte Zeit einer Wegstrecke überhaupt nicht schließen kann. So hatte mir auch die Rezeptionistin einen Spaziergang von fünfzehn Minuten angekündigt, der sich als nette Sight-seeing-Tour von fünfundvierzig Minuten herausstellte. Meine Vorstellung, die zweite Karte vielleicht noch verkaufen zu können, kann man als ausgesprochen naiv bezeichnen. Vor dem Martinicky-Palast gab es nur Personen, die schon Karten hatten, und sonst auch schon niemand. Wenn ich mich allerdings darin erinnere, dass die Karten für Carnuntum einundneunzig Euro gekostet hatten, hielt sich der Verlust in Grenzen, da die Karten in Prag viel billiger waren. Das Ambiente des Palastes und die Aufführung selbst entschädigten mich. Auch allein genoss ich das Theater. Beim Leichenschmaus kommen die Leute zusammen und ich neben einer Winzerstochter aus Strass im Strassertal zu sitzen.
Diesmal sah ich ganz andere Szenen als sonst, weil ich mich einfach treiben ließ. So rannte ich auch nicht den Almas hinterher sondern wartete mit Werfel auf die Gespräche zwischen den drei Ehemännern. Bei der Schlussszene verzichtete ich auf das Lazarett davor und saß in der ersten Reihe. Ich hatte schon vergessen, dass die abschließende Musik „La Valse“ von Ravel ist, was in mir ein ziemliche Harmonie auslöst. Die einzelnen Musikbeispiele von Mahlers Werk sind stimmig eingefügt. Der Totenmarsch aus der fünften Symphonie wurde länger gespielt, weil sich der Leichenzug außerhalb des Palastes rund um den ganzen Vorplatz und einen kleinen Park erstreckte.
Ich hatte mich mit Prag aufgrund der Aufführung ein bisschen ausgesöhnt, als ich heute beim Aus-Checken meine blauen Wunder erlebte. Obwohl ich das Taxi bereits vor dem Fertigmachen der Rechnung bestellen ließ, musste ich mindestens dreißig Minuten warten, bis es daher kam. Der Prager Verkehr tat sein Übriges und so erreichte ich den Zug gerade noch drei Minuten vor Abfahrt. Eine Stunde Zeit für etwas benötigt, was im Allgemeinen nicht mehr als fünfzehn Minuten dauern sollte. Da ich mittlerweile um meine eigene Fehleranfälligkeit Bescheid weiß, habe ich einen Extrareservezeitpuffer eingeplant. Der wurde aber auch voll ausgenützt.
Die Geschichte mit dem Taxibetrug ist bekannt. Wenn es den Tschechen egal ist, wie sie sich ihren Besuchern präsentieren, ist es mir auch egal. Ich sehe dann auch keine Veranlassung, meine Ressentiments, die ich ihnen gegenüber hege, zu überdenken. In Tschechien würde ich jedenfalls keine Firma gründen wollen, ja mich sogar weigern, dort zu arbeiten. Den Anschein der Schlitzohrigkeit, die bei einem Schwejk vielleicht noch zum Schmunzeln reizen kann, scheinen die Tschechen gar nicht erst ablegen zu wollen.
Ich schätze zwar „die wunderbare Leichtigkeit des Seins“, doch habe ich größte Schwierigkeiten, Sie mit Tschechien und Prag in Verbindung zu bringen.

PISA-Test und Menschenbilder

Eben höre ich „Menschenbilder“, eine Serie, in der Ö1 bestimmte Personen vorstellt. Manchmal stelle ich mir vor, dass dies ein Lebensziel sein könnte, – ein reduziertes. Nicht den Nobelpreis zu erringen, aber in Menschenbilder vorzukommen.
Heute mit Elfriede Schweiger: ehemalige Mathematiklehrerin führt Jugendliche dem Theater zu. „Jugendliche Freude der Salzburger Festspiele“
Bis jetzt habe ich noch kein einziges Menschenbild gehört, wo ich mir nicht gedacht habe, „das könnte ich nicht vorweisen.“ (Doppelte Verneinung: heißt soviel, zu allen kann ich nur ehrfürchtig aufschauen.)
Aber es gibt ja noch ein Leben nach dem Beruf, wie ich jetzt gerade höre. Vielleicht kann ich einmal ähnlich wie mein Vater, junge Leute zu klassischer Musik hinführen – oder auch ältere.

Aber eigentlich wollte ich über PISA schreiben. In der heutigen „Presse“ ist ein „PISA-Test zum Selbermachen“ vorgestellt, der neun Fragen beinhaltet. Die Fragen sind nicht die echten PISA-Fragen, sollen aber angeblich im Schwierigkeitsgrad entsprechen. Die Fragen richten sich an 15-16-Jährige. Also offengestanden musste ich selber genau nachdenken, wie die Lösungen aussehen.
Bei der Mathematikaufgabe #2 finde ich die zweite Frage etwas gemein. Man könnte da durchaus zwischen zwei Lösungen schwanken.
Die Lese-Kompetenz wird mit einer sehr netten Geschichte getestet. Die Frage B ist entweder ganz einfach, oder für manche vermutlich nicht lösbar:)
Die naturwissenschaftlichen Fragen (3 Stück) betreffen Impfung. Sie sind nicht schwer, aber es hängt wirklich davon ab, ob es bereits in Naturwissenschaft gelehrt wurde, oder ob das Elternhaus diese Art von Wissen aus dem täglichen Leben aktiv fördert.
Ich würde mich folgendes zu behaupten trauen:
Von meinen Studenten, die aus HTLs kommen, sind mindestens 30% nicht in der Lage, alle neun Fragen fehlerfrei zu beantworten.
Und es kommt mir so vor, dass auch die Fragen aus Mathematik und Naturwissenschaft in erster Linie mit Leseschwäche zusammenhängen.

In einem anderen Kontext möchte ich einmal darüber nachdenken, wie die Themen Migration, Armut, Bildung, Politik und Demokratie kausal zusammen hängen.
Für mich stellt sich das so dar, dass die Armut vielleicht im Migrantenumfeld stärker besetzt ist, dass aber auch bei „natives“ die Armut sämtliche anderen Aspekte beeinflusst, bis hin zu dem Effekt, dass Demokratie sich wieder mit Migration beschäftigen muss.
Damit kommen wir in einen Teufelskreis. Das bedeutet nun nicht, dass Migration das Problem darstellt. Es geht um einen Gleichgewichtszustand und der betrifft sowohl Geld als auch Bildung. Ein Land wie Österreich könnte da sehr viel erreichen und verscheisst sich eine Chance nach der anderen.
So schaut es aus!

Begriffsstützig

Heute lese ich beim Frühstück die Presse und habe dabei ein sonderbares Deja-vu-Erlebnis. Obwohl es eigentlich mit Deja-vu nichts zu tun hat.
Auf der linken Seite gibt es einen Artikel über den ersten Türken, der in Österreich „sub auspiciis presidentis“ promoviert hat. (hier)
Es wird erklärt, was es mit dieser Auszeichnung auf sich hat. (Ich muss ganz schön blöd gewesen sein, mein Studium abzubrechen, denn bis dahin hätte ich die Bedingungen erfüllt. Genauso hatte ich mich meine Diplomarbeit zu einer Assistentenstelle gebracht. Etc. etc.)
Ich freue mich für den „Kollegen“, denn er hat auch Nachrichtentechnik studiert. Er beschreibt sehr gut die Schwierigkeiten, überhaupt ins Gymnasium zu kommen anhand seines Bruders.
Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es einen Artikel über die Karriere-Aufstiegschancen. (hier)
Die Grafik, welche die Zusammenhänge darstellt, habe ich zuerst überhaupt nicht verstanden. Bin ich zu blöd, um eine statistische Darstellung zu verstehen, mit deren Form ich oft konfrontiert werde.
Nein, ich habe meine Schwierigkeit kapiert. Auf beiden Achsen wird das Ordnungsprinzip verletzt. Normalerweise liegt der Schnittpunkt der Achsen auf 0/0. Der Wert, der entlang der Achse dargestellt wird, sollte normalerweise zunehmen, ge weiter man nach rechts oder nach oben wandert.
Bei dieser Grafik ist es umgekehrt. Daher liegen die nordischen Länder, die den „positivsten“ Fall darstellen, ganz in der Nähe des Nullpunkts.
Ich weiß schon, dass diese Quadrantengrafiken kein numerisches Ordnungsprinzip kennen. Aber es zeigt mir wieder, wie schwach das mathematische Verständnis mancher Soziologen ist, welche die Ergebnisse dargestellt haben. (Quelle: irgendwo in Ottawa)

Aber was soll’s? Wen interessiert das Thema schon wirklich?
Es geht übrigens um den Gini-Koeffizienten…

Sic transeunt res mundi

Erwin Chargaff soll gesagt haben, dass der Mensch zwei Kerne in Ruhe lassen sollte: den Atomkern und den Zellkern.
In beiden Fällen hat die „wissenschaftliche Neugier“ gesiegt.
Es gibt zwei Großtechnologien, die mit den beiden Fällen assoziert sind: die Atomtechnologie und die Gentechnologie.
Bei der Atomtechnologie hat es sich bereits herausgestellt, dass der Mensch mit der Komplexität der damit verbundenen natürlichen Gegebenheiten nicht umgehen kann. Er erkennt die Gefahren zu spät. Wahrscheinlich muss erst einmal in Deutschland ein Atomkraftwerk in die Luft gehen, damit ein Umdenken erfolgt.
Bei der Gentechnologie sind die möglichen Gefahren noch nicht so sichtbar, selbst wenn sich heute schon engagierte Gegner durchaus mit vernünftigen Argumenten teilweise durchsetzen können. In typischer Kassandra-Manier würde ich meine persönliche Meinung vertreten, dass die Retorte einmal zum Aussterben der Menschheit führen wird. Und zwar wesentlich früher als es interstellare Phänomene wie ein Meteoreinschlag oder das Erkalten der Sonne bewirken können.
Es gibt nun eine dritte Großtechnologie, die auf den ersten Blick nicht so gefährlich erscheint: die IT, die Informationstechnologie. Sie hat mit den beiden anderen etwas gemeinsam: sie definiert sich durch irreversible Vorgänge. Es gibt keine „Undo“-Funktion. Fukushima kann man nicht rückgängig machen. Eingriffe in die Ökosphäre werden eventuell zum Aussterben bestimmter Arten führen und eine entsprechende Kettenreaktion, die bis zu den Belangen des Menschen greift, wird einsetzen.
Vermutlich wird relativ bald versucht werden, die Eigenschaften von Kindern in der pränatalen Phase zu verbessern. Bei einer entsprechenden Manipulation werden andere Eigenschaften beeinflusst werden, die sich von Immunschwäche bis übertriebene Aggression auswirken können.
In der Informationstechnologie befinden wir uns jetzt an der Schwelle, an der das Privatleben des Menschen öffentlich sichtbar wird.
Selbst wenn sich der Einzelne der IT verweigert, was heute nur mehr Menschen außerhalb des Berufslebens und ab eines gewissen Mindestalters schaffen können, sind bestimmte Daten von ihm ersichtlich, selbst wenn er auf die Benutzung eines Mobiltelefons verzichtet.
Diese Einzelnen befinden sich aber bereits in der Minderzahl, wenn man die industrialisierten Nationen ansieht.
Was dabei so gefährlich anmutet, sind die Protagonisten. So wird mit dem Ausdruck „smart“ geworben, wenn es darum geht, sämtliche verfügbaren Daten für eine bessere Planbarkeit von Städten, ihrer Infrastruktur und von Ländern zu nützen. Der Ausdruck „bigdata“ wird heute in der Werbung von IT-Firmen benützt und drückt aus, dass es für die größten Datenmengen bereits Algorithmen gibt, mit denen Einzelinformationen herausgefiltert werden können. Es mutet sehr kindisch an, wenn heute noch mit dem Argument gearbeitet wird, dass die Maschine den Menschen nicht ersetzen könnte.
Obwohl ich das prinzipiell heute noch behaupten könnte, bin ich nicht sicher, ob das in einhundert Jahren noch gilt. Wenn das Fernsehprogramm nur mehr mit Blick auf die Einschaltquoten gestaltet wird, ist es ziemlich leicht, die Programmplanung dem Computer zu überlassen. Damit ist ein Beeinflussungspotential der großen Masse gegeben, mit dem viel veranlasst werden kann. Vielleicht passiert das ja bereits, ohne dass wir davon in Kenntnis gesetzt werden.
Etwas anderes ist in den letzten Jahrzehnten passiert. Ganz legal mit schriftlichen Verträgen wurden die Deutschen vom amerikanischen Geheimdienst überwacht. Das war eine Folge des verlorenen Weltkrieges und eigentlich nicht einmal unerwünscht, denn zu Zeiten des kalten Krieges war der Amerikaner der Freund und man sah mehr die Schutzfunktion als die Überwachung.
Die Aufregung, die sich aufgrund der letzten NSA-Enthüllungen ergeben hat, ist vollkommen unnotwendig. Geheimdienste operieren geheim. Wozu werden wir mit unzähligen Action-Filmen gefüttert, die wir uns mit großer Begeisterung und dem entsprechenden Griff in die Kinokartenbörse ansehen.
Ich darf hier daran erinnern, dass die IT eine Großtechnologie ist. Einmal losgetreten, ist sie nicht mehr aufzuhalten. Es gibt heute kaum mehr öffentliche Telefone. Viele Menschen haben schon das stationäre Telefon abgemeldet und sind nur mehr über das Mobiltelefon erreichbar. Diese Telefone haben heute die Leistungsfähigkeit von Computern aus dem Jahr 2003 oder 2005. Sie sind besser vernetzt als sämtliche Computer zum Zeitpunkt, als das WWW erfunden wurde. Der Anteil an intelligenter Elektronik in heutigen Autos nimmt stetig zu und wird in der Werbung freudig herausgestellt.
Die sozialen Netze zeichnen sich durch eine Verknappung der geschriebenen Texte aus. Bald werden wir uns nur mehr Emoticons zusenden. Damit kommen wir auf eine alte Kultur zurück, die der chinesischen Sprache. Während die Chinesen durch ausländische Ausbildungen auf Englisch als lingua franca zurückgreifen und auf einmal alle anderen an wissenschaftlichen Publikationen überholen oder überholen werden, reduziert sich die Ausdrucksfähigkeit unserer Jugend auf die ideogrammatischen Aussagen: „es geht mir gut“, „es geht mir schlecht“, „ich habe Hunger“.
Es ist etwas im Gange, das aufgrund der Ergebnisse in der IT, nicht mehr aufhaltbar ist.
Ich frage mich jetzt nur, was wird die nächste Großtechnologie werden?




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