Archive for the ‘Leben’ Category

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Man schreibt ja so manches in sein Blog. Wenn man aber Teile davon in einer Trauerrede wiederfindet, darf man davon ausgehen, dass man wenigstens einmal etwas Richtiges geschrieben hat.
Das ist ein schöner Gedanke zum ersten Adventsonntag.

gemilderte Enttäuschung

Die letzten Tage waren sehr arbeits- und lehrreich, aber keinesfalls von Erfolg gekrönt. Die Lehrziele, die ich vermitteln wollte, gingen in rein technischen Problemen mit dem Betrieb der Software (in diesem Fall nicht unsere) unter, zum eigentlichen Unterricht kam ich nicht. Wenigstens mein Einsatz wurde gewürdigt, aber das ist eher als ein Pyrrhus-Sieg zu bewerten.

Weil ich mehr oder weniger Tag und Nacht arbeitete, kam ich nicht zu einer Stadtbesichtung oder sonstigen kulturellen Eindrücken. Trotzdem habe ich etwas Interessantes gelernt. Und zwar nachträglich aus dem Internet.

Ich hatte mich nie nach der geographischen Lage der Geburtsstädte meiner Großeltern erkundigt. Gefühlsmäßig hatte ich sie nördlich von Linz angeordnet, was ein großer Irrtum war. Von den Gesprächen, die ich als kleines Kind mitgehört hatte, waren beide Großeltern von ihren Heimatorten alles andere als begeistert. Die einen sind dann freiwillig, die anderen gezwungenermaßen nach Wien gezogen.

Schon neugierig, wo die jetzt her waren?

Allerdings hatte mein Großvater noch sehr schöne Landschaftsaquarelle aus der Gegend gemalt. Eine Landschaft, die ich mir jetzt, nach meinen Zugfahrten nach und von Ostrava (Mährisch-Ostrau) recht gut vorstellen kann. Beim Mittagessen erfuhr ich, dass beide Orte in sehr naher Entfernung zu Ostrava liegen, also in der nordöstliche Ecke von Tschechien. Nun sollte man zwar Schlesien geographisch einordnen können. Aber Geographie war weder mein Interesse in der Schule noch bekam ich alle Ortsverhältnisse intuitiv „ins Blut“. Dass man z.B. von Prag mehr nach Norden als nach Westen fährt, wenn man in Richtung Dresden unterwegs ist, habe ich erst beim letzten Ausflug nach Meißen so richtig mitbekommen. Wäre es anders, müsste Prag ja auch an der Elbe liegen. Tut es nicht, jetzt sind mir die Wasserverläufe endlich klar geworden.

Ostrava war mir ein Begriff, wirtschaftlich und geographisch. Ich habe stolz erzählt, dass die erste Eisenbahn in Europa nach Ostrava fuhr. Das stimmt so natürlich nicht. Aber das Eisenbahnstück zwischen Floridsdorf und Deutsch-Wagram (beide nahe bei Wien) zählt als äteste Dampfeisenbahnstrecke außerhalb Englands. Und diese Strecke ist ein Stück der Kaiser Franz Ferdinands-Nordbahn, die letztlich bis Ostrava und auch noch weiter gegangen ist.
Die war mir im Begriff geblieben. Den Wikipedia-Eintrag habe ich mit großem Interesse gelesen. Jetzt war zwar Ostrava eine industriell bedeutsame Stadt und ist heute die drittgrößte in Tschechien. Doch etwas früher war Troppau (heute Opava) die Hauptstadt von Mährisch-Schlesien. Und dort kamen meine Großeltern väterlicherseits her. Opava ist mit dem Auto nur 20 Minuten von Ostrava entfernt. Wahrscheinlich komme ich ja noch einmal nach Ostrava und dann plane ich Opava ein.
„Fürchterliches Kleinkaff“ habe ich noch in den Ohren, wenn meine Vorfahren über Troppau sprachen. Aber so unbedeutend dürfte es nicht gewesen sein, wenn man über seine Geschichte nach liest.
Nun bleibt nur noch Bílovec, der Geburtsort meiner Oma mütterlicherseits, vom Opa weiß ich nicht, ob er auch dort geboren ist. Ich glaube, ich kann heute niemanden fragen. Natürlich habe ich nie etwas von Bílovec gehört, wie auch der Mädchenname meiner Oma „Klein“ hieß. Kennen Sie die Weihnachtsgeschichten von Karl Heinrich Waggerl? Ein bisschen schnulzig, nett zu lesen und meine erste Assoziation mit dem Herkunftsort von Oma und Opa. Bílovec hieß nämlich früher Wagstadt.
Ich muss zugegen, dass Wagstadt und der Geburtsort meiner Mutter in Christkindl, einem Ortsteil von Steyr in Oberösterreich, für mich etwas Weihnachtliches und Christliches enthielten. Waggerl kannte ich als Kind vornehmlich von Weihnachtsgeschichten und über Christkindl brauche ich nichts zu sagen. Dass Wagstadt als kleines kleines Dorf ebenfalls im Dunstkreis von Opava und Ostrava liegt, war mir bis vorgestern nicht nur unbekannt sondern auch einfach gleichgültig. Der Vertrieb der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945 aufgrund der Benes-Dekrete mag zwar angesichts der deutschen zwar verständlich sein, die Art, wie die Vertreibung statt gefunden hat, war genauso unmenschlich. Ich bin da empfindlich. Es gibt kein „ich darf“ weil Du es auch es „auch getan“ hast. (Und daher wollte ich mich mit den Orten auch nicht weiter befassen.)
Jedenfalls ist die positive Ausbeute der letzten dreieinhalb Tage die, dass ich etwas mehr über meine „Vorvergangenheit“ erfahren habe. Und das ist im Ende auch nicht so schlecht!

Kein Ende

… der Hiobsbotschaften
So lese ich heute im Standard und im ORF wird das ähnlich formuliert.

Die Botschaften werden noch eine Zeit lang so weiter gehen.

Und in zirka zwei bis drei Monaten werden wir Botschaften hören, bei denen wir sagen werden: he, so haben wir nicht gewettet. Das betrifft ja auch uns.

Wenn wir Glück haben, betrifft es uns nur wirtschaftlich. Wenn wir Glück haben …

Was werden es dann sein? ECHTE Hiobsbotschaften?

Zugeworfenes Stöckchen

Ich habe ein Stückchen von Frau Frogg zugeworfen bekommen. Die Fragen sind gar nicht so uninteressant!
– Eine Abenteuerreise wartet auf Sie. Was wäre für Sie das absolute Abenteuer?
Für das absolute Abenteuer bin ich mittlerweile zu feig. Bis vor wenigen Wochen dachte ich noch an das Ansparen für eine Reise in die Antarktis. 27.000€ für etwas mehr als einen Monat. Ich habe aber erfahren, dass es so stark wetterabhängig ist, ob man überhaupt vom Schiff herunter kommt. Für „absolute Abenteuer“ bin ich mittlerweile zu feig geworden.
– Sie dürften bestimmen, wer eine Spende von 10000 € bekommt. Wer wäre das und warum?
Das ist einfach: es wäre Ärzte ohne Grenzen. Prinzipiell gäbe es eine Reihe von Hilfsorganisationen. Da ich aber denke, dass es besser ist, nur an wenige zu spenden, um die Verwaltungskosten niedrig zu halten, gibt es für mich nur zwei Organisationen, denen ich regelmäßig etwas zukommen lasse: Ärzte ohne Grenzen und CARE.
– Für einen Tag dürften Sie in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen. Von wem wüssten sie gerne, wie sich sein Leben anfühlt?
Diese Frage kann ich nicht beantworten. Es gibt ein Buch „Wenn ich du wäre“ von Julien Green. Dieses hat mich sehr beeindruckt. Man kann sich nicht vorstellen, mit welchen Problemen andere Personen kämpfen. Ich bin zufrieden, wenn ich mit meinen eigenen Problemen zurecht komme. Aber Richard Strauss könnte ich mir vielleicht noch vorstellen.
– Und welches Tier wären Sie gerne, wenn das möglich wäre?
Ein Delfin. Angeblich die intelligentesten Tiere. Und putzig.
– Hat schon mal ein Traum Ihr Leben beeinflusst?
Ich habe Geschichten nach Träumen niedergeschrieben und ausgebaut. Ich würde sagen, dass Gräume mein Leben beeinflussen. Denn was ich träume, deutet in der Regel auf ungelöste Konflikte hin und es ist gut, wenn man auf diese aufmerksam gemacht wird.
Ich habe allerdings keine Albträume.
– Lieblingsbücher liest man gerne mehrfach. Welches haben Sie am häufigsten gelesen?
Das weiß ich nicht. Ich habe viele Bücher mehrfach gelesen. Darunter so 1000 Seiten wie die Strudelhofstiege. Vermutlich hält aber Bulgakov „Master und Margarita“ den Rekord. Das habe ich zuerst auf deutsch gelesen, mehrfach. Ich habe es auf englisch gelesen, weil ich Lust darauf hatte und nur ein englisches Exemplar verfügbar war. Und ich habe es teilweise auf russisch gelesen. Wer russisch kann, weiß, dass es unmöglich für einen Fremden ist, diesen Roman auf russisch zu lesen. Es sind einfach zuviele sprachliche Redewendungen enthalten, die sich sogar den Russen teilweise entziehen. Ich habe sogar etwas wie einen „Ablativus absolutus“ in der russischen Variante entdeckt. Ein oder zwei Worte bedingen in der deutschen Übersetzung einen ganzen Nebensatz oder manchmal sogar einen Hauptsatz. Manche Passagen dieses Romans kann ich sogar auswendig zitieren. Naja, vielleicht habe ich den Faust noch öfter gelesen. Aber das liegt ja in der Familie. Mir wurde der Faust bereits mit 15 Jahren von meinem Vater nahe gebracht. Es war auch sehr wohl ausschlaggebend, dass in der Familie meiner Frau der Faust hoch gehalten wurde und jede Ostern mit verteilten Rollen gelesen wurde. Die geistige Ahnenschaft hat bei uns übereingestimmt.
– Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnten Sie sich den Lebensunterhalt verdienen?
Vielleicht als Barpianist oder allenfalls als Koch. Hmm….
– Verraten Sie uns ihr Lieblingskuchenrezept?
Das kenne ich nicht. Es war das Rezept der kaltgerührten Schokoladetorte, die mir meine Mutter gemacht hat.
– Unter Ihrem Balkon soll jemand ein Ständchen singen. Sie dürfen sich Sänger und Lied wünschen. Also, wen und was wünschen Sie sich?
Schwere Frage: die mir zuerst einfallen, sind schon tot. Es wären Männer wie z.B. Nesterenko und er sollte den Floh singen von Moussorgski.
Der Floh
Für die, welche ihren Goethe nicht so gut kennen, hier der Text:
Es war einmal ein König,
Der hatt‘ einen großen Floh,
Den liebt‘ er gar nicht wenig,
Als wie seinen eig’nen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran;
„Da, miß dem Junker Kleider
Und miß ihm Hosen an!“
In Sammet und in Seide
War er nun angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt‘ auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch große Herrn.
Und Herrn und Frau’n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken,
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.
Ist doch gut, oder?
– Auf welche fünf Lebensmittel können Sie nicht verzichten?
Ich kann auf alles verzichten. Es gibt immer etwas, was einen fantastischen Ersatz darstellen würde.
– Die Elf ist die Zahl des Narren. Wenn Sie sich denn verkleiden würden, als was würden Sie zum Karneval gehen?
Als gestiefelter Kater.

Die Männer,

die nicht zur Verfügung stehen. Ca. 26, 31, 45, 50, 63. 3 verheiratet, einer seit einer Woche verlobt.
Sitzen drei Tage lang in einem Wellness-Hotel am Eingang der Wachau (Maria Taferl, Hotel Schachner) und tratschen. Tratschen so viel, dass keine Zeit für Frauen bleibt. Drei davon stehen zeitig in der Früh auf, um ein paar Kilometer zu laufen, zwei bis drei gehen am Abend vor dem Abendessen in die Sauna.
Das Essen ist hervorragend, momentan sind gerade Pilze in. Herrenpilze, Eierschwammerln finden sich in Verbindung mit den üblichen Gerichten. Zum Beispiel gibt es ein exquisites Eierschwammerl-Risotto. Bei den Weinen müssen wir nicht sparen. Wir bestellen, was uns gut dünkt. Zwischendurch einmal einen Malat-Sekt brut, um die Verlobung des Kollegen zu feiern.
Mit seinen 31 Jahren ist er jetzt auch Geschäftsführer unserer Firma.
Wir tratschen und tratschen nach Agenda. Wir diskutieren über das Thema Innovation, die nicht „verordnet“ werden kann. Jeder von uns fasst einen ganzen Aufgabenkatalog an Verantwortlichkeiten aus. Ich habe jetzt officiell „social media“ geerbt. (Vermutlich werde ich jetzt weniger hier als vielmehr in einer Firmenhomepage schreiben.)
Seit Freitag mittag gab es das Thema Frau nicht. Stimmt nicht. Ein Dokument eines neuen Mitarbeiters, welches sehr gut angekommen ist, hatte einen Fehler, es war nicht gegendert. So weit sind Frauen schon gedanklich dabei, weil wir da als Dienstleister politisch sehr korrekt agieren müssen.
Die Männer sind alle – mit meiner Ausnahme – recht attraktiv. Allerdings nicht erhältlich. Da waren schon andere Frauen rascher.
Und soweit ich das erkennen kann, wartet keiner von ihnen auf ein Abenteuer.
Das ist jetzt meine unsatirische Stellungnahme zu der satirischen Beschreibung von Männern, mit denen ich auch als Mann nicht befreundet sein möchte. Anscheinend haben allerdings manche Frauen eine Affinität zu einer bestimmten Art von Männern, über die sie sich anschließend lustig machen können. Ich sehe das weniger als satirisch denn als traurig an. Aber wie heißt es, über Geschmack lässt sich nicht streiten.
P.S. Ich gebe zu, dass ich mich über ein Kompliment wie das anschließende echt freue.
„I must say you were charming. I was interested in everything that you said. It-s clear that you are a wonderful, lively and stimulating teacher. After hearing you play the piano, C. [her daughter] told me that for the first time she had learned to appreciate classical music. She has always heard it at home, but I never knew how to explain any of it to her, or the history, or convey the passion we classical music fans feel when we hear it. You did precisely that. She told me after hearing you play that she wants to learn more now. That is precisely what a great teacher achieves: a longing in the student to know more. Thank you, Hans. It was not only a pleasure to hear ….and watch…..you play. It is also wonderful for me to know that now C. will appreciate classical music more.
You do play fantastically! C. and I were spellbound watching you. I somehow ended up in the best seat in the room. It wasn-t intentional. It just happened. And I felt very fortunate.“

Für Schadenfrohe und Sadisten:)

Nix für zarte Gemüter!
Die Zeit vergeht noch immer sehr schnell. Vor drei Monaten berichtete ich über meine Kieferoperation.
Das war ja nur der erste Teil.
Heute wollte ich die Termine für die Fortsetzung ausmachen. Kein Mensch hatte mir verraten, dass der bereits der heutige Eingriff, der nur 20 Minuten dauern sollte, weh tun würde. Schuld war ich natürlich selber, denn gerade heute hatte ich in der Früh vergessen, mein Blutdruckmittel zu nehmen.
Damit war mein Metabolismus auf Hochtouren, ich blutete mehr als erwartet und das Anästhetikum wurde nur zweiter Sieger. Nach einer Stunde war ich wirklich geschafft. Ich hatte Schmerzen, die trotz Schmerzmittel noch ungefähr eine Stunde anhielten. Noch mehr schaffte mich allerdings die Aussage, dass ich noch sieben Termine vor mir hätte. Gut, die letzten zwei dienen nur mehr der Anprobe. Aber morgen wird etwas ganz komisches gemacht, von dem ich nur verstanden habe, dass es zwei Stunden dauern wird. Also rechne ich mit vier Stunden. Am Samstag soll dann noch etwas Essentielles passieren und am Montag bekomme ich dann ersatzweise kleine Kunststoffzahnderl, bis das Labor dann den Rest fertigstellt.
Das Gute an der Sache ist allerdings: wenn ich am 22.7.2011 nach Wien zurückkehre, sehe ich entweder wie ein Hollywood-Star aus oder ich bin tot. Die Chancen stehen allerdings ungleich besser für den Hollywood-Star:)

Ich, ich, ich …

Es ist mir bewusst, dass in den meisten Kommentaren, die ich abgebe, ein Selbstbezug angegeben ist. Ich schreibe, wie ich die Meinung des Autors auffasse, wie sie sich als richtig in meinem Leben herausgestellt hat, oder auch warum ich sie nicht für richtig halte.

Im persönlichen Gespräch halte ich mich da eher zurück, weil ich gelernt habe, dass eine Frau, die etwas sagt, am Allerwenigsten Gegenrede oder Vorschläge erwartet. Man schweigt am besten, zeigt verstohlen Mitgefühl und wird dafür mit der Bezeichnung Frauenversteher ausgezeichnet.

Jetzt bin ich im zehnten Lebensjahrsiebent und es ist mir langsam egal, was die Menschen über mich denken. Den ersten Erfolg habe ich schon erzielt. Ein Kommentar hat dazu geführt, dass ich entfreundet wurde. Von einer Frau, die ich durchaus achte. Aber ihr Posting auf FB war schon seit Jahren immer wieder auf FB und ich habe mir erlaubt kund zu tun, dass mich das an Yellow Press-Verhalten von FB erinnert. Ich werde der Frau als Freund nicht abgehen. Sie hat ja noch über 700 andere.

Allerdings überrascht es mich immer wieder, die Beurteilung von anderen Menschen zu sehen. Was sie teilen, was ihre politische Haltung ist, was sie empört, was sie erfreut. Insofern ist FB schon ein recht gutes Medium.

Und manchmal ist es interessant, durch Wiederholung darauf gestoßen zu werden, etwas neu zu überdenken. Allerdings gibt es eine Sache, die mich zum Kotzen bringt: „Wenn du das kannst, bist Du ein Genie.“ Und dann kommt eine Aufgabe, die ein Volksschüler lösen könnte.

Dann denke ich mir: das sind alles Vollkoffer, zu deutsch Volltrotteln. Und da wahre ich gerne eine Distanz.

Endlagerung

Dieselbe ist ja ein großes Problem, wenn es um verbrauchte Brennstäbe eines Atomkraftwerks geht. Aber das Problem taucht auch anderswo auf, nämlich bei einem Messie, wie ich es einer bin.
Im Laufe der letzten 22 Jahre hat sich einiges angesammelt, was ich partout nicht wegwerfen wollte. Dazu kommen noch Restbestände aus der Zeit, bevor wir in unser Haus eingezogen sind. Anlässlich eines netten Besuches habe ich jetzt den Versuch begonnen, meine Bestände zu reduzieren.
Mein Schlafzimmer verfügt jetzt bereits mindestens um 4 m² mehr, besser um 10m³ mehr, weil der Raumverbrauch ja dreidimensional berechnet werden muss. Ich muss noch mindestens 10m³ mehr Raum schaffen.
Das bedeutet Wegwerfen. Wegwerfen kann ich nicht, bzw. ich lerne es gerade. Selbstverständlich werden wöchentlich die Berge an Papierkram, die sich in der Post auch in Form von Zeitungen bilden, in den Papiermüll entsorgt.
Trotzdem bleibt viel Papier übrig.
Bücher werfe ich ja nicht weg. Die kämen höchstens auf den Bücherbasar. Aber manche Bücher will ich anderen nicht zumuten. Da kommt dann schon ein das andere einmal auf den Müll. Eine Reihe von Geschichtsbüchern habe ich gesammelt, um sie einen Ex-Chef zukommen zu lassen, für den sie vielleicht eine Unterstützung bei seinem Hobby gewesen wären. Gerade als ich wieder einmal in Entsorgungslaune war und ein Paket zusammenstellen wollte, habe ich erfahren, dass er vor wenigen Monaten gestorben ist. Also gingen zehn Bücher ratzeputz in den Müll. Jetzt habe ich nur mehr 4490. Davon die „Strudelhofstiege“ in dreifacher Ausfertigung. Den Goethe gibt es auch dreifach, sonst gibt es nur vereinzelt Dubletten. Den Joachim Kaiser, den ich jetzt gerne lesen würde, finde ich nirgends. Aber vielleicht taucht er noch auf.
Ich habe unzählige Fachjournale und Ausdrucke von interessanten Artikeln aus dem Internet aufgehoben. Davon habe ich schon die meisten entsorgt. Heute liest niemand mehr, wenn als Quellen die Ideen vor 15 Jahren genannt werden. Ich denke ja anders. Ich glaube, dass bereits vieles früher „gedacht“ wurde, was aus technischen Gründen damals nicht realisiert werden konnte. Heute würde es sich auszahlen, bestimmte Ideen noch einmal zu untersuchen. Aber ich kann das nicht mehr machen. Ich habe einen gewissen Idealismus verloren.
Dann gibt es jede Menge an Kabeln und Interfaces. Ganze Geräte wie Modems. Ist schon fast alles entsorgt. Einzelstücke hebe ich auf, wenn ich mir vorstellen kann, wofür man sie noch manchmal brauchen könnte.
Dann gibt es noch die Andenken. Unzählige Reisen haben da so einiges an Schriftwerken und anderen Artefakten hinterlassen. Was hübsch ist, kommt in die Vitrine. Die Stadtpläne und Reisebroschüren kommen weg.
Tja, es fällt mir etwas leichter, mich von diesen Dingen zu trennen. Aber das Sichten allein bereitet schon Mühe. Denn letztlich muss ich ja doch immer noch entscheiden, ob etwas bleibt oder nicht.

stranputica

Beim Zappen durch die Fernsehkanäle bin ich an einer Szene hängen geblieben, die mich veranlasst hat, den Kanal zu wechseln und noch einmal zurück zu schalten, um den Titel zu lesen, der nur beim Wechsel angezeigt wird.
Ein bisschen konnte ich mir den Titel schon zusammen übersetzen, und dann war ich ziemlich sicher, was es war, weil ich Paul Giamatti nur in dem einen Film gesehen hatte. (zumindest bewusst) Der englische Titel heißt sideways und handelt von zwei Freunden auf einer Reise durch Kalifornien. Wein spielt dabei eine große Rolle.
Mich hat überrascht, dass ich – neben dem englischen gesprochenen Wort – soviel der serbischen Untertitel verstanden habe. Sehr viel vom Dialog ist mir hängengeblieben, weil ich vor acht Jahren doch eine Frau geliebt habe, die mir ein Naheverhältnis zum Wein anerzogen hat.
Eines meiner beliebtesten Zitate aus dem Film behandelt den Unterschied zwischen Pinot Noir-Trinkern und Cabernet-Sauvignon-Trinkern. „Die Pinot Noir-Trinker verstehen die Frauen.“ – „Die Cabernet Sauvignon-Trinker bekommen sie.“
Ich habe den Film mit großem Genuss wieder angeschaut – und vielleicht konnte ich mich dem enthaltenen Humor noch besser als vor acht Jahren hingeben.
Die Schauspielerin Virginia Madsen hat mich sehr an Faye Dunaway erinnert, die mich in vielen Filmen begeistert hat. Den Film Arrangement den ich als sehr junger Student sah und vermutlich gar nicht in der Lage war, ihn richtig zu verstehen, hat die Begeisterung für die Schauspielerin geweckt.
In Wikipedia steht, dass der Film in Amerika kein Erfolg, in Europa hingegen schon. Klar, eine eindeutige Kritik am American Way of Life. Allerdings gab es damals mehrere solche Filme. Irgendwie verwandt erscheint mir da Fellinis 8-1/2 oder später die „Dinge des Lebens“ mit Piccoli und Romy Schneider. Irgendwie haben aber diese Art der Filme doch auch mein Leben beeinflusst, ein gewisser Hang zur Romantik muss da schon genährt worden sein.

strange music

http://www.youtube.com/watch?v=OdiNMsvCTkE
Das verlinkte Stück ist ein Impromptu von Franz Schubert (op 142/4), dass relativ selten zu hören ist. Zumindest mir kommt es so vor. Auch auf youtube gibt es nur wenige Aufnahme. Das ist eine spezielle Aufnahme, die von einer LP übertragen wurde. Wer einem Pianisten dabei zuschauen will, dem kann ich Andras Schiff empfehlen:
http://www.youtube.com/watch?v=vWoMySsU6cA&NR=1
Obwohl ich Andras Schiff sehr, sehr schätze, gefallen mir die Aufführungen von Novitskaya und Annie Fischer besser.

Das Stück ist faszinierend und lässt sich kaum mit den anderen Impromptus vergleichen. Da ich jetzt alle einmal gleichzeitig spielen möchte, mache ich mich wieder daran. Ich muss es komplett neu üben, obwohl ich es tatsächlich einmal konzertreif spielen konnte. (Es war das einzige Konzert, für das ich je eine – sogar sehr anständige – Bezahlung bekommen habe, ist schon über 15 Jahre her.)
Wenn ich das noch einmal in den Griff bekomme, werde ich meinen Vorsatz verwirklichen und zu meinem 60. Geburtstag ein Konzert geben – für Familie und Freunde, die es vielleicht zu schätzen wissen.)




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