Archive for the ‘Leben’ Category
Ich glaube, ich weiß jetzt, warum mir die Arbeit im Ausland Spass macht. Es ist nicht das nicht-in-Wien-sein, es ist das wo-anders-Sein. Das bewirkt, dass die Zeit eine neue Komponente gewinnt.
Wenn ich in Wien mit einer Arbeit nicht fertig werde, geschieht sie eben am nächsten Tag oder am übernächsten.
Doch im Ausland ist alles terminiert. Termine müssen zeitgerecht stattfinden, sonst ist man nicht mehr vor Ort. Die Einstellung habe ich noch von meinen ersten Auslandseinsätzen vor 40 Jahren behalten. Im Ausland etwas arbeiten, wertet die eigene Arbeit auf. Sonst würde sie ja ein anderer machen. Und so gewinnt jeder kleine Weg an Bedeutung, weil er geplant werden muss.
Besprechungen gab es heute nur zwei, allerdings sehr angenehme bzw. wichtige. Doch von 9:15 bis 19:30 wurde „gearbeitet“. Und es wurden bestimmte Ziele erreicht.
Manches kann man sich nicht für den nächsten Tag aufheben. Mails müssen sofort beantwortet werden. Die Lebensqualität ist nicht besser oder schlechter, sie ist schlicht anders.
Aber das Gefühl zu Leben ist einfach verstärkt. Als würde ich dauernd mit einer Sauerstoffflasche herum rennen.
Für die Bank hatte ich einen Haushaltsplan erstellt, um meine kurzfristig notwendige Überziehung zu rechtfertigen. Mittlerweile sind die Zahlungen aber eingegangen und alles was ich jetzt im Minus bin, muss ich entsprechen disponieren.
Daher habe ich heute eine kleine Kontrolle über das erste Halbjahr durchgeführt. Die Zahlungen waren schon enorm und meine Abfertigung ist auf „wundersame“ Weise aufgebraucht.
Allerdings sollten sich die Finanzen ausgehen, bis jetzt ist alles im Rahmen geblieben. Es ist halt nur so, dass ich nicht jederzeit zur Bank gehen kann, um nach Geld zu fragen. Als Pensionist hat man einen kleineren Rahmen.
Früher habe ich solche Rechnungen nicht angestellt. Wenn ich zu viel ausgegeben habe, habe ich halt noch irgendetwas mehr gearbeitet. Irgendwie ist es sich ja bis heute immer ausgegangen. Aber es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man weiß, dass man mit einer bestimmten Summe auskommen muss.
Viele Menschen kennen das mit sehr viel kleineren Beträgen. Beschweren darf ich mich keineswegs. Ich darf halt nun nicht mehr mehr ausgeben, als ich bekomme.
Sollte doch normal sein, oder 🙂
Ich lese heute an mehreren Stellen vom Weltnudeltag. Wie verrückt eine solche Hervorhebung wohl ist, lässt sich daran ermessen, dass es eine Reihe von Menschen gibt, die wohl noch nie Nudeln gegessen haben.
Man könnte natürlich auch einen Weltschnackseltag feiern. Jeder muss an dem Tag Sex haben. Möglichst ungeschützt, damit wir nach neun Monaten feststellen können, ob sich auch jeder daran gehalten hat.
Falls jemand glaubt, dass ich mich im Titel verschrieben habe, möchte ich hinzufügen, dass „die Nudel“ im Wienerischen auch als Bezeichnung für das männliche Geschlechtsorgan verwendet wird. Mit dem kann man auch pinkeln, was auf Kärntnerisch auch mit „ludeln“ bezeichnet wird.
Und da schleicht sich gleich noch ein Fehler ein. Denn Wettludeln wird ja tatsächlich unter Halbwüchsigen praktiziert. (Ich habe zwar nie teilgenommen, doch geht es hierbei um die Weite, die erreicht werden kann. Besonders gut ist das im Schnee abzumessen.)
Generell bin ich aber bereit, die Teilnahme am Weltnudeltag auch dann zu bestätigen, wenn sich jemand gepflegt an Fellatio betätigt.
Weiß übrigens jemand, wann der Welttrotteltag stattfindet?
Weltkriegstage gibt es ja schon mehrere …
Diesen Text bekam ich zugeschickt. Gut der Titel ist vermutlich bereits irgendwo enthalten.
Dear costep,
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Sincerely,
– The YouTube Team
Dass sich Warner Chappell and Music Publishing Rights Collecting Society erfrecht, den Titel als eigenes Werk auszugeben, zeigt die verschissene Patentrechts- und Urheberlogik amerikanischen Ursprungs.
Beethoven ist tot, lange schon, die gedruckten Noten sind mehr als 70 Jahre alt, Mein Bösendorfer ist 98 Jahre alt, und ich selbst habe die Einspielung verfertigt.
Was masst sich hier eine Firma an Copyrights-Rechten an, weil ein ursprünglicher Filename vielleicht identisch ist?
Jetzt hätte ich gerne einen amerikanischen Rechtsanwalt bei der Hand, der die Firma auf 200 Millionen US$ Kompensation wegen falscher Anschuldigung etc. verklagt. Und ich gebe gerne 180 Millionen von meinem Gewinn ab.
Ich kann auch noch nicht einmal an youtube antworten, weil die Mail per noreply kam.
Beethoven ist tot
Ich gehöre ja zu den Leuten, die sich über die technische Entwicklung in Hardware und Software lustig machen. Ein Handy muss um einen halben Millimeter dünner sein und irgendwie ein bisschen länger, breiter oder bunter. Eine diesbezügliche technische Weiterentwicklung wird von Menschen beschrieben, die noch nicht einmal den Unterschied zwischen einer Million und einer Milliarde kennen. (Quellen könnten beigebracht werden.)
Von den Beethoven-Klaviersonaten habe ich vier verschiedene Ausgaben, leider nicht alle vollständig. Eine Schnabelausgabe bekam ich in Moskau, allerdings nur den 2. Band.
Wenn man bei Doblinger, einer angesehenen Musikhandlung in Wien nachsieht, kommt man mit entsprechendem Suchen auf 3 verschiedene Versionen. Bei Amazon gar nur auf eine, die Henle-Ausgabe.
Interessanterweise steht bei Amazon ein Text, der mich sehr amüsiert hat.
„Beethovens 32 Klaviersonaten werden oft und gerne als das „Neue Testament der Musik“ (Hans von Bülow) bezeichnet. Unsere zweibändige Komplettausgabe wird seit ihrem Erscheinen von Fachleuten als zuverlässigste Urtextausgabe gewürdigt und begrüßt. IhrInhalt: Ein schier unerschöpflicher Reichtum an pianistisch-musikalischen Höhenflügen, überwiegend Werke von größtem Bekanntheitsgrad – etwa die Sonaten „Pathétique“, „Mondschein“, „Sturm“, „Appassionata“, „Waldstein“, „Hammerklavier“. Selbst wennman es nie komplett spielen wird (können), eine Anschaffung des „Neuen Testaments“ lohnt zweifellos immer, ob in Broschur, Leinen oder als Studienausgabe im Henle-Urtext.“
Aber was ersehe ich daraus? Klavierspielen ist out. Telefonieren in allen Variationen ist in.
Es ist schon interessant, was sich in den letzten 64 Jahren getan hat…
Heute war ich mit einem Kunden aus. Ich wurde gefragt, ob ich verfügbar wäre. Im neuen Jahr.
Für das erste Quartal wird er 45 Tage fur mich budgetmäßig bereitstellen. Das ist eine ziemlich erfreuliche Bestätigung und Anerkennung dessen, was ich vier Monate lang in 2013 gemacht habe, speziell im November und Dezember. (der ja noch nicht aus ist.)
So wünsche ich mir das: ich gebe mein Bestes – und es wird anerkannt.
Allerdings muss ich jetzt meine Zeit sehr genau einplanen. Im Prinzip ist da schon fast alles bis zum Anfang August verplant. Klingt komisch, ist aber so.
Dabei sollte ich ja gar nicht arbeiten. Und meine Kur kann ich mir vorläufig in die Haare schmieren. Aber diese Art von Stress lässt einen schon ganz schön gesund fühlen.
Ich wünsche, dass es meinen LeserInnen ebenso gut geht. Habe ich schon geschrieben, dass mein Kardiologe ganz happy ist und meine nächste Untersuchung erst im April fällig ist?
Was will man mehr?
Dazu noch eine andere Musik, die ich gerne einmal spielen würde:
http://www.youtube.com/watch?v=JP7QeX3oPXs
Der leider nicht mehr hier schreibende Dr. Schein hat mich durch seine wiederholten Zitate von Slavoj Žižek auf denselben aufmerksam gemacht.
Heute findet sich im der Standard ein interessanter Artikel über ihn und einige seiner heutigen Statements. Ich habe den ganzen Artikel sehr genossen und möchte hier meinen Lieblingsabsatz zitieren:
Žižek: …
So kommen wir auch zum Rätsel des Cybersex. Der hat immer mehr eine masturbatorische Struktur in dem Sinn, dass man nicht nur keinen wirklichen Partner hat – er beeinflusst auch unseren wirklichen Sex mit wirklichen Partnern. Man braucht diese immer weniger, wenn man seine Fantasien ausleben will.
Fällt Ihnen nicht etwas auf, wenn Sie sich das Tiefste der gegenwärtigen Populärkultur ansehen?
STANDARD: Was meinen Sie konkret?
Žižek: Ich meine zum Beispiel den neuesten James-Bond-Film, „A Quantum of Solace“ („Ein Quantum Trost“). Früher war es üblich, dass Bond in der letzten Szene zum Sex übergeht. In diesem Film nicht. Oder nehmen Sie Romane von Dan Brown, „Angels and Demons“ („Illuminati“) oder andere. Da gibt es Paare, aber sie haben auch keinen Sex. Etwas sehr Merkwürdiges passiert hier, mein Freund Alain Badiou (französischer Philosoph und Schriftsteller, Anm.) hat es wunderbar ausgedrückt, aber es funktioniert auf Französisch und Englisch besser als auf Deutsch. Er verweist auf den Ausdruck „falling in love“ bzw. „tomber en amour“. Hier ist das Moment des Risikos, des Fallens enthalten.
Nun gibt es amerikanische Dating- und Heiratsagenturen, die mit dem Argument werben, dass das viel zu riskant sei: „Who can afford today to fall, even in love? We enable you to find yourself in love without the fall!“ Also Liebe, ohne einen Sturz zu riskieren. In Wirklichkeit also ohne eine traumatische Begegnung mit dem anderen.
…
Es geht nicht mehr um die alte patriarchalische Ideologie, die auf Liebe und Treue insistiert, sondern fast um das Gegenteil. Liebe wird zum Problem. Die Ideologie sagt uns heute auf diese buddhistische Art: Engagiere dich nicht zu sehr, halte Abstand, hänge an nichts und niemandem. Ein One-Night-Stand ist okay, aber kein Sturz, keine dramatische Begegnung, die dein Leben verändert.
[Hervorhebungen von mir]
Wenn man den Fall und die tiefen Enttäuschungen vermeiden will, reduziert man zwangsläufig auch das mögliche Glücksempfinden.
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Für mich ist das nicht so erschreckend, weil ich oft genug verliebt war, bevor es das Internet gab. Ich muss mich aber fragen, wie ich heute mit dem Thema umgehen würde.
der ganze Artikel findet sich hier.
Über das Akronym MILF wurde vor wenigen Tagen noch gerätselt. Es ist keine Bildungslücke, wenn man als Frau noch nicht der Abkürzung von „Mothers I’d like to fuck“ begegnet ist. Sie hat ihre Bedeutung vor allem auf Pornoseiten, wo sie eine Kategorie von bestimmten Streifen bezeichnet.
Jetzt gibt es aber auch Fussball. Und der angeblich beste Fussballer Österreichs ist in die Schlagzeilen gekommen, weil er einen Kollegen mit „jebem ti mater“ beschimpft hat, was mit ungefähr „Ich ficke deine Mutter“ zu übersetzen ist.
Heute wurde ich in der U-Bahn-Station Zeuge eines ähnlichen Wortwechsels und ich fing zu grübeln an.
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FICKEN war zu meiner Zeit ein absolut böses Wort. Ich habe es auch bis zum Alter von zirka 40 Jahren nie verwendet. Interessant war die Klassifizierung von bösen Worten im Englischen, die als Four-letter-words bezeichnet wurden. Dazu gehörte auch FUCK. „Fuck yourself“ ist eine der Phrasen, die man in nicht gerade freundlicher Gesinnungslage hervorstößt. Ich bin noch nicht ganz drauf gekommen, ob es anständiger zu sagen ist: „this bloody “ oder „this fucking „.
Im Deutschen wird manchmal entsprechend zu „Fuck you“, was grammatikalisch m.E. nicht ganz richtig ist, der Ausspruch „Fick dich ins Knie“ verwendet, der bei mir immer einen Nachdenkprozess auslöst. Was ist damit eigentlich gemeint?
Jetzt ist FICKEN mittlerweile ja salonfähig geworden. Man kann durch seine Verwendung durchaus auch literarische Preise ergattern. Das Wort bezeichnet eine an sich angenehme, erfreuliche und wie ich denke auch erstrebenswerte Handlung. Allerdings wird dieselbe etwas abgewertet, wenn es sich nur um einen Fick handelt, – weil eben das Wort ganz eindeutig mit einer negativen Konnotation belegt ist. Ich habe auch Interpretationen gehört, wonach Ficken etwas „Ehrliches“ an sich hat. So in der Art, dass ein bekanntes Freudenmädchen ein bisschen ehrlicher als ehrbare Damen ist, die sich in Wirklichkeit auch nur verkaufen, um den Schmuck dann auf den Opernball auszuführen.
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Wenn ich das jetzt aber alles zusammenfasse, MUSS FICKEN etwas Schlimmes sein. Es kann doch nicht anders sein, wenn in den meisten Sprachen in Verbindung damit die ärgsten Beschimpfungen gebildet werden. (Auf russisch könnte ich das auch noch belegen.)
Und was sind wir für eine verkorkste Spezies, wenn wir das, was wir eigentlich am liebsten möchten, zu nichts Besserem verwenden als jemanden zu beschimpfen. Im Wienerischen gibt es da viel bessere Beschimpfungen. Bei Hirschbolds Sprachpolizei gab es einmal eine Abhandlung, wie man gut schimpft. Man nehme ein Hauptwort, möglichst unverfänglich und unschuldig, füge ein Attribut dazu, welches das Hauptwort als ungünstige Ausprägung erscheinen lässt, und bildet den Superlativ.
Also nehmen wir „Fernsehantenne“. – Unschuldig.
Die wird mit einem geeigneten Attribut zur Beschimpfung.
„(Sie) windschiefe Fernsehantenne“. – das ist schon böse, wenn man es zu jemandem sagt.
Und jetzt kommt der Superlativ. Er wird durch ein Postfix gebildet, nämlich durch das Wort „übereinand“.
„SIE WINDSCHIEFE FERNSEHANTENNE ÜBEREINAND!“ – Das muss das Gegenüber in den Grundfesten erschüttern und es vor Wut zerplatzen lassen.
Wie fantasielos ist dagegen: „Fick dich ins Knie“.
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Vielleicht ist es auch nur unser Neid auf Menschen mit Tourette-Syndrom. Die dürfen alles sagen, weil es eine Krankheit ist. Und am liebsten würden wir sowieso schweinigln, wie Mozart es gemacht hat. Weil wir das aber nicht dürfen, heben wir es uns für die Augenblicke des gerechten Zorns auf.
„What a fucking posting this is!“
Ich mag Stöckchen. Sie regen mich zum meditieren an. So habe ich auch über das Stöckchen als Ding an sich meditiert. Die Meditation war sehr ergiebig.
Mittlerweile aber lesen so wenige mein Blog, dass sich das Niederschreiben nicht gelohnt hat.
Es sei so viel verraten:
Stöckchen sind gut 🙂
Die letzten Tage waren sehr arbeits- und lehrreich, aber keinesfalls von Erfolg gekrönt. Die Lehrziele, die ich vermitteln wollte, gingen in rein technischen Problemen mit dem Betrieb der Software (in diesem Fall nicht unsere) unter, zum eigentlichen Unterricht kam ich nicht. Wenigstens mein Einsatz wurde gewürdigt, aber das ist eher als ein Pyrrhus-Sieg zu bewerten.
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Weil ich mehr oder weniger Tag und Nacht arbeitete, kam ich nicht zu einer Stadtbesichtung oder sonstigen kulturellen Eindrücken. Trotzdem habe ich etwas Interessantes gelernt. Und zwar nachträglich aus dem Internet.
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Ich hatte mich nie nach der geographischen Lage der Geburtsstädte meiner Großeltern erkundigt. Gefühlsmäßig hatte ich sie nördlich von Linz angeordnet, was ein großer Irrtum war. Von den Gesprächen, die ich als kleines Kind mitgehört hatte, waren beide Großeltern von ihren Heimatorten alles andere als begeistert. Die einen sind dann freiwillig, die anderen gezwungenermaßen nach Wien gezogen.
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Schon neugierig, wo die jetzt her waren?
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Allerdings hatte mein Großvater noch sehr schöne Landschaftsaquarelle aus der Gegend gemalt. Eine Landschaft, die ich mir jetzt, nach meinen Zugfahrten nach und von Ostrava (Mährisch-Ostrau) recht gut vorstellen kann. Beim Mittagessen erfuhr ich, dass beide Orte in sehr naher Entfernung zu Ostrava liegen, also in der nordöstliche Ecke von Tschechien. Nun sollte man zwar Schlesien geographisch einordnen können. Aber Geographie war weder mein Interesse in der Schule noch bekam ich alle Ortsverhältnisse intuitiv „ins Blut“. Dass man z.B. von Prag mehr nach Norden als nach Westen fährt, wenn man in Richtung Dresden unterwegs ist, habe ich erst beim letzten Ausflug nach Meißen so richtig mitbekommen. Wäre es anders, müsste Prag ja auch an der Elbe liegen. Tut es nicht, jetzt sind mir die Wasserverläufe endlich klar geworden.
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Ostrava war mir ein Begriff, wirtschaftlich und geographisch. Ich habe stolz erzählt, dass die erste Eisenbahn in Europa nach Ostrava fuhr. Das stimmt so natürlich nicht. Aber das Eisenbahnstück zwischen Floridsdorf und Deutsch-Wagram (beide nahe bei Wien) zählt als äteste Dampfeisenbahnstrecke außerhalb Englands. Und diese Strecke ist ein Stück der Kaiser Franz Ferdinands-Nordbahn, die letztlich bis Ostrava und auch noch weiter gegangen ist.
Die war mir im Begriff geblieben. Den Wikipedia-Eintrag habe ich mit großem Interesse gelesen. Jetzt war zwar Ostrava eine industriell bedeutsame Stadt und ist heute die drittgrößte in Tschechien. Doch etwas früher war Troppau (heute Opava) die Hauptstadt von Mährisch-Schlesien. Und dort kamen meine Großeltern väterlicherseits her. Opava ist mit dem Auto nur 20 Minuten von Ostrava entfernt. Wahrscheinlich komme ich ja noch einmal nach Ostrava und dann plane ich Opava ein.
„Fürchterliches Kleinkaff“ habe ich noch in den Ohren, wenn meine Vorfahren über Troppau sprachen. Aber so unbedeutend dürfte es nicht gewesen sein, wenn man über seine Geschichte nach liest.
Nun bleibt nur noch Bílovec, der Geburtsort meiner Oma mütterlicherseits, vom Opa weiß ich nicht, ob er auch dort geboren ist. Ich glaube, ich kann heute niemanden fragen. Natürlich habe ich nie etwas von Bílovec gehört, wie auch der Mädchenname meiner Oma „Klein“ hieß. Kennen Sie die Weihnachtsgeschichten von Karl Heinrich Waggerl? Ein bisschen schnulzig, nett zu lesen und meine erste Assoziation mit dem Herkunftsort von Oma und Opa. Bílovec hieß nämlich früher Wagstadt.
Ich muss zugegen, dass Wagstadt und der Geburtsort meiner Mutter in Christkindl, einem Ortsteil von Steyr in Oberösterreich, für mich etwas Weihnachtliches und Christliches enthielten. Waggerl kannte ich als Kind vornehmlich von Weihnachtsgeschichten und über Christkindl brauche ich nichts zu sagen. Dass Wagstadt als kleines kleines Dorf ebenfalls im Dunstkreis von Opava und Ostrava liegt, war mir bis vorgestern nicht nur unbekannt sondern auch einfach gleichgültig. Der Vertrieb der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945 aufgrund der Benes-Dekrete mag zwar angesichts der deutschen zwar verständlich sein, die Art, wie die Vertreibung statt gefunden hat, war genauso unmenschlich. Ich bin da empfindlich. Es gibt kein „ich darf“ weil Du es auch es „auch getan“ hast. (Und daher wollte ich mich mit den Orten auch nicht weiter befassen.)
Jedenfalls ist die positive Ausbeute der letzten dreieinhalb Tage die, dass ich etwas mehr über meine „Vorvergangenheit“ erfahren habe. Und das ist im Ende auch nicht so schlecht!
