Archive for the ‘Leben’ Category

Was man so im Handy findet.

Eine kleine Ergänzung zu wvs*.
Jetzt muss man noch wissen, womit sich die ins Handy starrenden Personen beschäftigen:
Ein „Aiken, SC“ hat eine Aufgabe auf Facebook „geposted“. (For some fun: can anyone work this out? Answers inthe comment box please.)
“
6-1*0+2/2=?
Answer it
“
11.003 Leuten gefällt das, 110.289 kommentieren das, 3.447 teilen das, weil es ihnen so gut gefällt.
Gehen wir davon aus, dass mein Schulfreund es geteilt hat, um auf die Absurdität hinzuweisen.
Und gehen wir weiter davon aus, dass die restlichen 3.446 das aus dem gleichen Grund getan haben.
Ein kurzer Überblück über einen Teil der Kommentare lässt nämlich vermuten, dass mindestens 90% diese Rechenaufgaben nicht lösen können.
Also 100.000 sind nicht zu blöd, um ihre Dummheit auch noch öffentlich zuzugeben.
Es sind hauptsächlich englisch-sprachige Kommentare.
Aber in mir steigt unheimliche Wut auf. Jeden, der gegen PISA-Tests argumentiert, würde ich am liebsten persönlich eins ADF geben.
__
*) Es ist bekannt, dass ich nicht alles gut finde, was wvs schreibt. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht alles, was von ihm kommt, ablehne:)

not for the faint of heart

oder besser: nichts für schwache Nerven.
Kein Problem: ich habe überhaupt keine Nerven mehr.
Heute wurde ich unvermutet Zeuge von sechs Wurzelbehandlungen, ausgeführt an einer Person im Verlauf von 3 Stunden.
Morgen gibt es vier weitere. Das betrifft die Zähne, die überkront werden sollen. Ich dachte, dass dies erst in drei Monaten gemacht würde und war auf eine Behandlung gefasst, die einen defekten Zahn betreffen sollte.
Schnecken!
Ich hätte sagen können, dass ich es auf zwei Raten mache. Das hätte mir aber nichts gebracht, weil ich ja morgen noch vier habe. Und am Mittwoch kommt dann der Kiefer dran.
–
Aber eines kann ich sagen. Diese Belgrader Zahnärzte, die mir da empfohlen wurden, sind das Beste, was ich je an Zahnärzten erlebt habe. Ich habe ja die Arbeit live miterleben können. Vorsichtig, präzis, effizient und im Prinzip auch rasch. Dass der eine Zahn mehr Zeit benötigte, lag auf der Hand.
Ich hatte das Gefühl, dass mein Zahnarzt sein Handwerk als Kunst ansah und wirklich mit Interesse durchführte.
Mit der schwarzhaarigen Assistentin und der blonden Übersetzerin, die extra wegen mir dabei war, (sein Cousin spricht bestes Englisch, weil er an zig Plätzen in USA und sonstwo als Spezialist bei Konferenzen war) war ich auch optisch gut versorgt, auch wenn sie ein bisschen zu stark seitlich versetzt gesessen sind. Da gäbe es noch ein klitzekleines Verbesserungspotential.
–
Wir werden sehen, wie es weiter geht.
Jetzt warte ich einfach, bis die Lippen ihre Pamstigkeit verlieren. Ein Angebot muss ich noch für Wien machen.
Aber selbst die Quartierfrage scheint jetzt in Belgrad sehr zufriedenstellend gelöst zu sein.
Guter Tag, heute!

I wie I

Ich hätte auch I wie „ich“ schreiben können, doch auf Englisch wird das ich ja mit I übersetzt. Damit wird die Angelegenheit noch klarer. Gibt es in einer Sprache ein Wort, dass durch einen einzigen Buchstaben ausgedrückt wird, so wird es wohl recht wichtig sein.
Ich könnte natürlich auch schreiben I wie Ego. Aber das passt ja dann nicht mit dem Buchstaben. Aber das Ego ist in unserer Gesellschaft heute wichtiger denn je zuvor. Oder es wird wichtiger genommen als es ist. Heute zählt die IAS-Gesellschaft. I(ch will) A(lles) S(ofort haben). Das wird uns durch die Medien suggeriert. Lebensstandard in Filmen, einhämmernde Werbung, – alles sollte heute möglich sein, vor allem jetzt und sofort.
Etwas versöhnlicher wirkt der Buchstabe I in slawischen Sprachen. Da bedeutet er nämlich „und“. Und drückt zumindest schon eine Mehrzahl aus. Ich und etwas anderes oder andere Menschen.
Wäre ich ein Kind, dann assoziierte ich das I am ehesten mit Indien oder Indianern. Es ist schon interessant, dass es einen Unterschied zwischen Indianern und Indern gibt. Da tut sich eine ganze Entdeckungswelt bzw. ein Entdeckungsirrtum auf. Die Indianer sind heute die mit Esoterikanspruch und „In sich gehen“-Anspruch. Die Inder, die einmal als Sexkapazitäten galten, haben ihren Kamasutra-Anspruch auf Gruppenvergewaltigungen reduziert. In Österreich kämpfen sie für billigere Telefontarife. (Mit Verlaub gesagt, diese Werbekampagne kotzt mich noch mehr an, als Geiz ist geil vor einigen Monaten.)
Das I hat in manchen Fällen wirklich negative Konnotationen. Der Iltis ist zwar putzig, doch sagt man „stink nicht wie ein Iltis“. Der Index wäre ein vollkommen neutrales Wort, wenn er nicht auch die Liste der Bücher angeben würde, welche von der Katholischen Kirche verboten waren.
Eine Insel ist ambivalent. Wir wünschen uns eine einsame Insel zum entspannen, aber wir lieben es nicht, eine einsame Insel in der Gesellschaft zu bleiben. Der Igel ist ein Tier zum Liebhaben, wir haben unsere Igel gefüttert, wenn wir welche im Garten entdeckten. Weil er so lieb ist, braucht er die Stacheln um sich zu wehren.
Dann gäbe es da ja noch die Vorsilbe „in“, die bei einigen Wörtern statt des „un“ verwendet wird. In- drückt praktisch immer etwas Negatives aus. Insuffizienz, Inkontinenz und dergleichen mehr.
Das „In“ in Institution ist eine Verfälschung des „un“, doch Institutionen haben auch einen schalen Beigeschmack.
Und dann gibt es noch das „Inter“. Das verbindet wieder, fast schon so gut wie das slawische „i“.
Interdisziplinär und international verbindet getrennte Einheiten.
Wenn jemand dieser Beitrag nicht gefällt, kann er noch immer „igitt“ kommentieren:)

Ich bin stolz

Ich bin stolz auf etwas und wundere mich, warum ich darauf stolz sein sollte. Aber ich bin es. Es ist eine Erinnerung,die mehr als 50 Jahre zurückliegt. Ich war ein sechsjähriger Bursche, der viel Zeit im Wertheimsteinpark verbraucht hatte. Mit sechs Jahren war noch meine Mutter dabei. Später ging ich allein in den Park, um Fussball zu spielen oder mich sonst auf meinem Klein-Fahrrad herumzutreiben. Es gibt in dem Park einen Blindenabschnitt, den man dadurch findet, dass man einfach einem Kopfstein geplasterten Pfad folgt, der in der Mitte der asphaltierten Gehsteige angelegt ist.
Doch mein Stolz hängt sich an einer Erinnerung auf, die ich von viel früher habe. Es gibt in dem Park sehr nett angelegte Blumenbeete und auch Gebüsche. Und eins der Gebüsche, am Ende eines Platzes angelegt, auf dem sich auch ein Trinkbrunnen befindet. Am Fuße dieser Gebüschanlage findet sich ein kleiner Steingarten. Dieser Steingarten faszinierte mich. Für mich als Sechsjährigen war er wie ein Gebirge mit Kaminen und Rinnen. Und ich pflegte meine ein Zentimeter großen Glasmurmeln entlang den Rinnen runter kullern zu lassen und vorherzusagen, wo sie landen würden. Manchmal hing es von der Höhe ab, wo ich sie aufsetzte. Je nachdem landeten sie manchmal in einem linken oder einem rechten Abschnitt. Aber ich erinnere mich genau, dass ich mich wie ein großer Herrscher (vielleicht wie ein Gott, wenn es das Konzept damals für mich gegeben hätte) fühlte. Ich konnte die Zukunft voraussagen.
Diese natürliche Kugelbahn übte eine unheimliche Ausstrahlung auf mich aus. Später betrachtete ich diese Stelle und wunderte mich, dass sie einmal so groß auf mich gewirkt hatte.
Ich bin stolz. Stolz darauf, dass ich mich erstens daran erinnere und zweitens so genau nachvollziehen kann, was ich damals empfunden habe. Ich kann mir das Gefühl von damals ziemlich genau in Erinnerung bringen, ja echt nachempfinden. Deswegen bin ich stolz.
–
Und jetzt gehe ich Klavier üben

Eintausendneunhunderteinundsechzig

1961
[In Anlehnung an Wiederworte schreibe ich meine eigenen Bedeutungen für das Jahr 1961] hier nieder.
Als ich 1961 als Jahreszahl las, war mir klar, dass dies ein besonderes Jahr in meinem Leben gewesen war. Doch beim Nachrechnen von vorne – also von meiner Geburt weg – war es mir plötzlich nicht mehr so klar. Wann war ich nach Wien gekommen? 1956 oder 1957? Umgekehrt war es leichter zu rechnen. Ich habe 1969 maturiert, also bin ich 1968 in die achte Klasse gekommen. Zwangsläufig war dann 1961 das Jahr, in dem ich ins Gymnasium gekommen bin.
Und das ist wirklich das Jahr, das ich für bemerkenswert halte. Aus unterschiedlichen Gründen, von denen viele mit der Schule zu tun hatten. Eigentlich waren es sogar zwei Schulen. Das Gymnasium und die Musikschule, die ich in dem Jahr zu besuchen begann.
Wien war für mich 1961 keine schlechte Umgebung. Wir wohnten in fünf Minuten Entfernung vom Wertheimstein-Park, wo ich viel Zeit verbrachte. Am Fuße der „Hohen Warte“, war im Sommer auch das Freibad ein Daueraufenthaltsplatz. An den Wochenenden spazierten unsere Eltern mit uns Kindern im Wienerwald. Wir fuhren mit dem Autobus auf den Kahlenberg und spazierten dann gemütlich den Berg mit mehr oder weniger Umwegen herunter. Manchmal kamen wir durch Grinzing, manchmal durch Sievering, und es gab Zeiten, wo meine Mutter Schnitzeln mitgenommen hatte und wir gemeinsam dann bei einem Heurigen einkehrten, die damals noch lange nicht den Restaurant-Charakter von heute hatten. Es gab ausschließlich den selbstangebauten Wein oder einen Almdudler. Bier oder Coca-Cola hätte man vergebens bestellt.
Auf diesen Spaziergängen unterhielt sich mein Vater mit mir, während meine Mutter mit meiner Schwester sprach. Waren Freunde meiner Eltern mit, gesellte ich mich zu den „Herren“ und lauschte aufmerksam, was sie besprachen. Ich muss hinzufügen, dass mein Vater ein ausgezeichneter Unterhalter war. Belesen, mit Lebenserfahrung, leidenschaftlicher Musiker erzählte er unzählige Geschichten, die manchmal von seiner eigenen Wahrnehmung so stark geprägt waren, dass sie nicht unbedingt eine „objektive“ Wahrheit berichteten. Doch von Struktur und Spannung waren sie für mich ein Fundus an Wissen. Außerdem konnte ich meinen Vater fast alles fragen.
Es ist eine besondere Vergünstigung, wenn man in so einem Elternhaus aufwachsen kann. Dann wird auch die Schule zu einem Vergnügen. Schule war interessant. Als Schüler war ich gut genug, dass man mir meine Lebhaftigkeit und Tratscherei verzieh, weil man wusste, dass ich alles haargenau aufnahm. Obwohl ich also zu den besten zählte, war es für mich nicht selbstverständlich, ob ich die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium schaffen würde. Da gab es so etwas wie eine gewisse Aufgeregtheit, denn das war eine „erste“ Prüfung, bei der es um etwas ging. Es wird nicht überraschen, dass die Prüfung letztlich sehr leicht ausfiel. Trotzdem haben damals nicht alle die Aufnahmsprüfung geschafft.
Wenn ich heute lese, dass die Gesamtschule so gut sein soll, weil die sozialen Kontakte nicht zerreißen würden, dann wohnen zwei Seelen in meiner Brust. Einerseits verstehe ich das Argument recht gut. Schließlich sind unsere eigenen Kinder in die Waldorfschule gegangen, wo in den ersten acht Jahren ja sogar der Klassenlehrer der gleiche bleiben soll. Andererseits kann ich mich an den Stolz und die Neugier erinnern, mit der ich den ersten Tag in die neue Schule ging. Es war aufregend. Neue Lehrer, die sich jede Stunde abwechselten, und das Gefühl, jetzt endlich in der „wirklichen“ Schule zu sein, wo man etwas lernen würde. Etwas Neues.
Meine Schule gab es noch gar nicht. Das bedeutet, dass es sie als Organisationsform und Institution gab, aber die Schule selbst nicht existierte. Nicht als Gebäude mit Schulklassen, ohne Hausmeister, ohne Turnsäle, ohne Adresse. Die Schule war zur Untermiete an verschiedenen anderen Schulen. Mein erstes Schuljahr verbrachte ich in der Krottenbachstraße, was eigentlich die Realschule war. (Realschule in Österreich entspricht nicht der Realschule in Deutschland, sondern ist nur ein bisschen weniger sprachorientiert als das Gymnasium.)
Erst einige Jahre später, wurde die Schule gebaut, in die ich ging. Sie war dann natürlich eine moderne Schule mit guten Räumen und Fussballplatz und hellen Korridoren. Sie war auch ein bisschen verschrieen, weil die Finanzierung dieser Schule möglicherweise durch Elternbeiträge gefördert wurde, welche nicht ganz freiwillig erbracht wurden. Trotzdem wurde dieser Schule kein Maturaskandal angehängt, obwohl man sie das „Samesianum“ nach dem Namen des Gründungsdirektors bespitznamte.
Es gibt vieles über dieses erste Schuljahr zu berichten. Was mir bis heute in Erinnerung geblieben ist, war die neugierige Frage: wer wird der Klassenvorstand sein. Die Freundin meiner Mutter hatte einen Sohn, der schon zwei Jahre in diese Schule ging. Als ich ihm sagte, wer mein Klassenvorstand war, meinte er „hart aber gerecht“. Damit konnte ich leben. Jenen Lehrer, man sagte damals aber Professor, habe ich die meiste Zeit sehr verehrt, ja vielleicht geliebt. Ich litt dann unter der ungerechten Behandlung, die er einem Mitschüler angedeihen ließ. In der Maturazeitung rächte ich mich dann mit einem Artikel, in dem ich dieses Fehlverhalten Revue passieren ließ, was das Verhältnis zwischen uns naturgemäß trübte. Leider ist er gestorben, bevor wir unsere Maturafeiern wieder zu feiern pflegten.
Vollkommen neu war der im Gymnasium gepflegte Brauch des Buchhandels. Die Schüler der höheren Klassen kamen mit ihren Schulbüchern, die sie verkauften. In der ersten Klasse musste man sich alles erst einmal erwerben. Auch meine Eltern sahen es gerne, dass sie nichts neu kaufen mussten. So war der „Antiquariatshandel“ in den ersten Schultagen noch gesellschaftlich höher angesehen, als hätte man die Bücher von der Schülerlade beziehen müssen. Ich glaube, dass damals meine Lust geweckt wurde, Bücher zu kaufen. Auch heute darf ich mich nicht in ein Antiquariat trauen. Ich komme nicht ohne Bücher um mindestens 100€ oder mindestens 10kg heraus. Es gibt einfach zu viel schöne Bücher.
Und die Schulbücher empfand ich als schön.
Ein hervorstechendes Erlebnis in meinem ersten Gymnasiumsjahr war der Umstand, dass ich fast von der Schule geflogen wäre. Die Begleitumstände waren etwas sonderbar. Wir hatten einen Deutschprofessor, dessen Stunden durch eine eigenartige Einteilung bestimmt waren. Mindestens dreißig Minuten bis manchmal bis zur ganzen Unterrichtsstunde gingen dafür auf, dass die ausgeteilten Strafen eingesammelt wurden. Dafür gab es einen Strafenaufschreiber, der Buch führen musste. Allfälliges Tratschen, Unaufmerksamkeit oder was auch immer wurde mit „zwei Seiten“, „Nacherzählung“, „eine Seite“ in trockenem Ton kommentiert. Hatte jemand seine Strafarbeit nicht gemacht, gab es einen Zinsaufschlag. Dadurch kam es zu einem regelrechten Handel mit dem Strafaufschreiber. „Geh, nimm mich erst am Schluss!“ Dann bestand die Chance, dass die Liste gar nicht erst ganz abgearbeitet werden konnte.
Irgendwann hatte es mich erwischt und faul wie ich war, hatte ich die Strafe nicht vorrätig. Zinsaufschlag. Beim zweiten oder dritten Versäumnis gab es dann die Unterschrift der Eltern zu erbringen. Nachdem ich zweimal erfolgreich, wie ich glaubte, die Unterschrift meines Vaters gefälscht hatte, gab es eine Vorladung. Mit dem Vater vor dem Direktor. Ich war zwar ein guter Schüler, doch der Direktor polterte herum und drohte, mich von der Schule entfernen zu lassen. Dass da ja nicht noch etwas passieren würde. In dem mittleren Trimester bekam ich eine Drei in Betragen, was so ziemlich die schlimmste Note diesbezüglich ist.
Jetzt kommt aber der Treppenwitz der Geschichte. In der sechsten Klasse erlitt jener Deutschprofessor einen Schlaganfall mitten in einer Unterrichtsstunde bei uns. Mit sechszehn Jahren waren wir aber verständig genug, rasch zu reagieren und er konnte zumindest unmittelbar noch aufgefangen werden. Als er dann ein Jahr später starb, erfuhren wir von unserem Klassenvorstand, dass wir seine Lieblingsklasse gewesen waren. Und ich sei sein Lieblingsschüler gewesen. Im Zuge des Fasthinauswurfs mutet das schon etwas sonderbar an.
Geschadet hat mir diese Geschichte nicht. Ich hatte zwar in der ersten Klasse Gymnasium keinen Vorzug. Den hatte ich dann allerdings in allen anderen Klassen bis zum 1.0-Maturaschnitt. Die Betragensnote blieb aber konstant auf zwei. Ich wurde auch nie als Streber apostrophiert. Kurz nach der Geschichte lernte ich aber meinen langjährig besten Schulfreund näher kennen und dieser hatte einen extrem guten Einfluss auf mich. Aus guter Bürgerfamilie stammend, besaß er eine elektrische Eisenbahn, (Märklin) dich mich magisch anzog. Außerdem nahm er Klavierstunden – in der Musikschule. Das war nun auch der Anlass, dass meine Eltern mich dort unterzubringen versuchten. Das war schließlich viel billiger als die einzel bezahlten Klavierstunden, bei einer Lehrerin, die mir sowieso nichts beibringen konnte. In der Musikschule lernte ich meinen Lehrer für die nächsten acht Jahre kennen, über den ich gesondert schreiben möchte. Hier möchte ich ihn nur als wundervollen Musiker, Musiktheoretiker, Musikliebhaber und Komponist einführen.
Zu Ende des Schuljahres 1961-1962 war ich etabliert. Die Unbillen des zweiten Trimesters waren überstanden. Ich hatte in meinem ersten Schülerkonzert gespielt. Und ich hatte einen folgenschweren Entschluss gefasst: ich würde kein Pianist werden. Als ich nämlich am Konservatorium auf einem echten Bösendorfer spielen durfte und nicht den Klang hervorbringen konnte, den ich sonst im Radio im Ohr hatte, schloss ich, dass ich nicht ausreichend begabt dafür war. Wenn ich nicht den Klang erzeugen konnte, den ich innerlich hörte, war das professionelle Klavierspiel nicht meine Berufung.
Als ich viel, viel später in meinem Leben mit Bösendorfer beruflich in Berührung kam, bekam ich Komplimente über meinen Anschlag. Trotzdem habe ich die Entscheidung, die ich damals traf, nie bereut.
Jetzt gibt es in meinem Umfeld ja viele Menschen, die auch ihm Jahr 1961 einiges Bemerkenswertes erlebt haben. So war meine Schwester als Austauschstudentin in Amerika und die Geschenke, die sie uns und mir nach Wien schickte, haben damals erstmalig etwas von amerikanischem „Kulturgut“ anklingen lassen. 1961 war das Jahr des J.F. Kennedy, der mir – obwohl sehr unpolitisch – Eindruck machte. Das Treffen zwischen Kennedy und Chrustschov machte mir großen Eindruck, auch wenn dieser vielleicht eher meine snobistische Ader förderte. Einmal wollte ich auch ins Imperial-Hotel. Ja, das habe ich viel später noch oft geschafft. Interviews mit Fritz Gulda wollte dieser am liebsten im Imperial_Cafe abgehalten haben. Und eine Bösendorfer-Verkaufskonferenz mit allen Händlern (ca. 160 weltweit) hielten wir im Imperial ab.
Und so schließe ich das Jahr 1961 mit einer quintessentiellen Zusammenfassung meines Innenlebens. Ich glaube, damals wurde meine Haltung geprägt: „ich will auch …“ Und seither versuche ich diese Haltung zu reduzieren. Es ist mir recht gut gelungen, weil ich heute sagen kann „ich habe einmal …“ Auf diese Weise bin ich jetzt mit so vielem zufrieden, dass mir Leute vorwerfen, dass ich zuwenig an die Zukunft denke. Für all die kann ich nur sagen, dass ich eine bestimmte Resignation schon früher hatte. Dann gab es wieder etwas, was mich beisterte, und das Hamsterrad fing sich von neuem an zu drehen.
Aber es ist schön, dankbar und zufrieden sein zu können.

Über jedem Himmel gibt es einen Himmel

Diese sehr schöne Weisheit aus dem Chinesischen, die ich im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem Go-Spiel gelernt habe, kann ich ummünzen: jeder Höhepunkt kann noch übertroffen werden.
Heute hat es beim Zahnarzt so richtig weh getan.
Anscheinend hängt das mit meinem Metabolismus zusammen, der das Anästhetikum sehr rasch abbaut. Und so habe ich die Fitzelei am Zahnfleisch doch mehr als vorhergesagt mitbekommen.
Zweieinhalb Stunden.
Heute wurden die Abdrucke fürs Labor gemacht. Also schön langsam bin ich froh, dass sich die Arbeit dem Ende zuneigt. Aber mittlerweile hoffe ich nicht mehr, dass es nur Kleinigkeiten sind. Dreimal werde ich wohl noch leiden müssen.
Jetzt hab ich mir jedenfalls 600mg Ibuprofen verordnet und betäube mich zusätzlich mit Ballantines. Ich ziehe zwar Single Malt vor, aber ich muss nehmen, was ich kriege.
Ich habe auch schöne Fotos gemacht. Aber die erspare ich euch lieber:)

MILF oder Fussball

Über das Akronym MILF wurde vor wenigen Tagen noch gerätselt. Es ist keine Bildungslücke, wenn man als Frau noch nicht der Abkürzung von „Mothers I’d like to fuck“ begegnet ist. Sie hat ihre Bedeutung vor allem auf Pornoseiten, wo sie eine Kategorie von bestimmten Streifen bezeichnet.
Jetzt gibt es aber auch Fussball. Und der angeblich beste Fussballer Österreichs ist in die Schlagzeilen gekommen, weil er einen Kollegen mit „jebem ti mater“ beschimpft hat, was mit ungefähr „Ich ficke deine Mutter“ zu übersetzen ist.
Heute wurde ich in der U-Bahn-Station Zeuge eines ähnlichen Wortwechsels und ich fing zu grübeln an.
–
FICKEN war zu meiner Zeit ein absolut böses Wort. Ich habe es auch bis zum Alter von zirka 40 Jahren nie verwendet. Interessant war die Klassifizierung von bösen Worten im Englischen, die als Four-letter-words bezeichnet wurden. Dazu gehörte auch FUCK. „Fuck yourself“ ist eine der Phrasen, die man in nicht gerade freundlicher Gesinnungslage hervorstößt. Ich bin noch nicht ganz drauf gekommen, ob es anständiger zu sagen ist: „this bloody “ oder „this fucking „.
Im Deutschen wird manchmal entsprechend zu „Fuck you“, was grammatikalisch m.E. nicht ganz richtig ist, der Ausspruch „Fick dich ins Knie“ verwendet, der bei mir immer einen Nachdenkprozess auslöst. Was ist damit eigentlich gemeint?
Jetzt ist FICKEN mittlerweile ja salonfähig geworden. Man kann durch seine Verwendung durchaus auch literarische Preise ergattern. Das Wort bezeichnet eine an sich angenehme, erfreuliche und wie ich denke auch erstrebenswerte Handlung. Allerdings wird dieselbe etwas abgewertet, wenn es sich nur um einen Fick handelt, – weil eben das Wort ganz eindeutig mit einer negativen Konnotation belegt ist. Ich habe auch Interpretationen gehört, wonach Ficken etwas „Ehrliches“ an sich hat. So in der Art, dass ein bekanntes Freudenmädchen ein bisschen ehrlicher als ehrbare Damen ist, die sich in Wirklichkeit auch nur verkaufen, um den Schmuck dann auf den Opernball auszuführen.
–
Wenn ich das jetzt aber alles zusammenfasse, MUSS FICKEN etwas Schlimmes sein. Es kann doch nicht anders sein, wenn in den meisten Sprachen in Verbindung damit die ärgsten Beschimpfungen gebildet werden. (Auf russisch könnte ich das auch noch belegen.)
Und was sind wir für eine verkorkste Spezies, wenn wir das, was wir eigentlich am liebsten möchten, zu nichts Besserem verwenden als jemanden zu beschimpfen. Im Wienerischen gibt es da viel bessere Beschimpfungen. Bei Hirschbolds Sprachpolizei gab es einmal eine Abhandlung, wie man gut schimpft. Man nehme ein Hauptwort, möglichst unverfänglich und unschuldig, füge ein Attribut dazu, welches das Hauptwort als ungünstige Ausprägung erscheinen lässt, und bildet den Superlativ.
Also nehmen wir „Fernsehantenne“. – Unschuldig.
Die wird mit einem geeigneten Attribut zur Beschimpfung.
„(Sie) windschiefe Fernsehantenne“. – das ist schon böse, wenn man es zu jemandem sagt.
Und jetzt kommt der Superlativ. Er wird durch ein Postfix gebildet, nämlich durch das Wort „übereinand“.
„SIE WINDSCHIEFE FERNSEHANTENNE ÜBEREINAND!“ – Das muss das Gegenüber in den Grundfesten erschüttern und es vor Wut zerplatzen lassen.
Wie fantasielos ist dagegen: „Fick dich ins Knie“.
–
Vielleicht ist es auch nur unser Neid auf Menschen mit Tourette-Syndrom. Die dürfen alles sagen, weil es eine Krankheit ist. Und am liebsten würden wir sowieso schweinigln, wie Mozart es gemacht hat. Weil wir das aber nicht dürfen, heben wir es uns für die Augenblicke des gerechten Zorns auf.
„What a fucking posting this is!“

Wem geht es noch so?

Ich beschwere mich ja nicht über Arbeit. Manchmal suche ich sie sogar.
Aber es fällt mir auf, dass es mir immer leichter fällt zu prokrastinieren.
Wenn ich dann endlich anfange, etwas zu tun, habe ich Spass, bin neugierig, entdecke, wundere mich, was es alles zu entdecken gibt und frage mich zuletzt, warum ich nicht schon früher angefangen habe.
Aber da hat sich mittlerweile ein echtes Verhaltensmuster eingraviert. Es muss doch möglich sein, etwas zu tun, wenn man nicht unter Druck agiert.

Wir lernen nichts

Gestern war auf 3Sat ein Thementag, bei dem ich zwei Filme gesehen habe. „Jeder stirbt für sich allein“ nach Fallada und „Katz und Maus“ nach Günter Grass.
Die Filme sind nach dem Krieg entstanden. Jeder der diese Schwarzweiß-Filme sieht, der erste mit der Hildegard Knef, sollte sich überlegen können, was er heutzutage als gegeben und garantiert ansieht.
Ich habe nachher trotzdem gut geschlafen. Morgen fahre ich nach Ostrava. Nach zwei Tagen Workshop werde ich dort noch einen Tag verbringen und nach Troppau (Großeltern väterlicherseits) und Bilovec, Wagstadt (Großeltern mütterlicherseits) fahren.
Sie sind alle freiwillig schon vor dem ersten Weltkrieg nach Wien übersiedelt, ein Bruder des mütterlichseitigen Großvaters wurde als Sudetendeutscher vertrieben. Immerhin hat er überlebt. Aber ich habe selten die Gelegenheit, die Stätten so en passant aufzusuchen.
Ich höre immer wieder, dass man in der Gegenwart leben soll und an die Zukunft denken soll. Ich tue wohl beides, aber Gegenwart und Zukunft sind Resultat einer bewusst erlebten Vergangenheit. Die Reflexion ist wichtig.
Aber vermutlich sind das einfach die überalteten Anschauungen eines alten Mannes, dem das Knie noch immer weh tut. (Trotz Spritzen)

Im Jetzt

In einem Kommentar habe ich geschrieben:
„Deswegen freue ich mich auf die Pension. Nur mehr etwas mehr als 300 volle Arbeitstage:)
Und dann werde ich Klavierspielen, Rad fahren, Buch schreiben, jeden Tag in die Sauna gehen, jeden zweiten Tag zum Heurigen pilgern, ein bisschen herumreisen.
Es wird so schön sein, ein Spezialist gewesen zu sein:)))“
–
Jetzt heißt es ja, man soll im Jetzt leben. Ich hasse diesen Spruch aus den „Guter Rat für ein erfülltes Leben“-Büchern. Ich mag ihn nicht, weil er wesentliche Teile des Lebens ausklammert. Das Jetzt ist immer nur ein Sekundenbruchteil (ungefähr 30 Millisekunden lang).
–
Doch ich lehne nicht die Aussage an sich ab. Denn es ist sicher ein Blödsinn, sich auf etwas Zukünftiges zu freuen, wenn man gar nicht weiß, ob man das noch erleben wird.
Daher möchte ich mein obiges Zitat relativieren. Es geht mir nicht so sehr um das, was ich einmal machen werde. Es geht darum, was ich gern mache und dann mehr Zeit dafür haben werde.
1) Klavier spiele ich jetzt schon. Aus mehreren Gründen: 1.1 ich spiele gern. 1.2 ich über schon wieder für ein Konzert. Das bedeutet großere Konzentration beim Üben und großere Erfolgserlebnisse. 1.3 ich spiele aus therapeutischen Gründen: 1.3.1 Wen ich eine Stunde übe, geht mein Gewicht um ein halbes Kilo hinunter und der Blutdruck fällt. 1.3.2 Klavierspielen soll gut gegen Alzheimer und Demens sein.
2) Radfahren tue ich schon und mit großer Freude. Vielleicht werde ich dann längere Ausflüge unternehmen können, aber im Prinzip genieße ich es schon heute.
3) Für ein Buch habe ich jetzt noch zu wenig Zeit. Ich arbeite zwar etwas weniger als früher aber immer noch so viel, dass ich mir die „Arbeit eines Buches“ nicht zusätzlich auflasten will. Obwohl ich es genießen werde, vor allem dann, wenn ich kein Geld damit verdienen muss.
4) Ich gehe jetzt wenigstens jedes Wochenende in die Sauna und manchmal auch zweimal in der Woche.
5) Zu 4 gehört auch der folgende Heurigenbesuch, den genieße ich auch schon heute.
Fehlen noch die Reisen. Bei den vielen beruflichen Reisen sind Reisen zur Zeit nicht so attraktiv. Aber es gibt ein paar Ziele, die ich noch gerne anfahren würde.
6a) mit dem Postschiff Norwegen entlang
6b) Lissabon
6c) Barcelona
6d) vielleicht doch noch nach Australien und Neuseeland
6e) vielleicht noch einmal nach Japan, nach Nagatacho-Cho. Das ist in der Nähe von Nagano.
6f) einige Zugreisen, wenn ich sie mir wirklich dann noch leisten will. Aber wenn ich ein bisschen spare, könnten sie sich ausgehen.
6f1) von Moskau mit der Bahn in Richtung Norden zum nördlichsten Bahnhof auf der Welt, bereits nördlicher als der Polarkreis. Kostet aber ca. 6000 € / Person.
6f2) Von Vancouver nordöstlich mit dem Zug. Kostet nur 4000 $.
–
Einzig die Reise ins Weltall schminke ich mir ab. Das würde ich gesundheitlich wohl nicht mehr schaffen.
Doch wozu gibt es youtube und Simulation.
–
Also fad wird mir sicher nicht werden:) (wenn ich es erlebe …)




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