Archive for the ‘Kultur’ Category
Eben habe ich die Zefirelli-Verfilmung einer Aufführung von Turandot in Verona gesehen. Nicht ganz bis zum Ende.
–
Ich mag Puccini.
Ich mag die Oper Turandot.
Ich mag Puccini.
Ich mag die Person Turandot überhaupt nicht.
Ich mag Puccini deswegen, weil er selbst auch die Turandot nicht mochte und deswegen die warmherzige Liu eingeführt hat, die sich für Kalaf sogar selbst ermordet, damit ihr nicht der Name entrissen werden kann.
Das Quasi-Happy-end mag ich gar nicht anschauen. Berio hat das Ende mit einer offenen Fragestellung stehen lassen. Da gibt es nicht den üblichen Märchenschluss. Das finde ich fein. Ich sehe nicht ein, warum Turandot am Ende noch „glücklich“ davon kommen sollte.
–
Aber rachsüchtig bin ich auch. Wenn das Betragen der Turandot so verständlich sein soll, dann möchte ich z.B. keine Türken mehr in Österreich haben. Dann beziehe ich mich auf etwas was vor 300 Jahren stattgefunden hat. Turandot lebt ihre Rache für etwas, was viel früher noch passiert ist. Und sie bekennt sich zu ihrer Rache. Eigentlich gehört sie entweder geköpft oder sie wird dem niedrigsten Sklaven vermählt, um sie endgültig zu demütigen.
–
Aber wie gesagt: ich mag die Oper.
Und ich mag Puccini.
Der Wissenschaftshistoriker Federico di Trocchio unterscheidet Experten erster und zweiter Klasse. Erstere sind Fachleute, die man um Rat fragt, weil sie sich bei konkreten Problemen auskennen: Etwa Professoren für Geodäsie, Wasserbau – wie
übrigens Einsteins Sohn Hans Albert – oder aber auch Quantenoptik.
Demgegenüber gibt es nach di Trocchio „Experten zweiter Klasse“, deren Wissen sofort überflüssig würde, sobald das Rätsel verstanden ist. Sie leben umgekehrt sogar davon, dass die ungeklärte Situation weiterbesteht und erfolglos bearbeitet wird. Gewöhnlich äußert sich dies in vielen Publikationen, was als Markenzeichen für „aktive“ Forschungsgebiete gilt. So finden wir dort Experten der theoretischen Beschreibung der Dunklen Materie und Dunklen Energie, der Quantenkosmologie und natürlich Experten der Großen Vereinheitlichten Theorie, der Theory of
Everything oder auch „Weltformel“. Der betreffende Wikipedia-Eintrag trägt übrigens die rührende Aufforderung: This article needs the revision of an expert. Ich fürchte, darauf können wir lange warten. Blicken wir also lieber kurz zurück zu einem echten Experten der Quantentheorie.
[aus Vom Urknall zum Durchknall von Alexander Unzicker]
Hinsichtlich mancher Geisteswissenschaftler denke ich mir da noch eine dritte Kategorie dazu.
In der IT scheint es das Prinzip allerdings auch zu geben…
Jetzt werden ja bald wieder die Studiengebühren diskutiert werden.
Wer mich kennt, weiß, dass ich dem Gedanken durchaus nahe stehe. Allerdings wäre ich bereit, studiengebührfreies Studieren zu befürworten, wenn es statt dessen entsprechende Aufnahmeprüfungen gäbe.
Mein Sohn hat mich jetzt auf einen Link aufmerksam gemacht, der kund tut, was man 1869 so als Aufnahmeprüfung für Harvard vorgesehen hatte.
Also abgesehen davon, dass ich kein Griechisch hatte, sind auch die anderen Abschnitte alles andere als einfach. Latein hätte ich wahrscheinlich kurz nach der Matura gepackt.
Bei Geschichte und Geographie hätte ich vielleicht knapp 50% geschafft. Auch bei der Mathematik wäre ich nicht auf 100% gekommen. Die dritte Wurzel händisch ziehen ist ein Hund, außer man darf Logarithmen verwenden, was allerdings nur mit sehr genauen Tafeln geht, wenn man 5 Dezimalstellen ausrechnen soll. (Defakto braucht man nur 4, weil eine 0 ja gegeben ist.)
–
Leider steht nicht, wie viel Zeit man dafür hatte. Da muss schon ein ganzer Tag drauf gegangen sein. Oder das weiß das vielleicht jemand?
Ich glaube, dass hier schon etwas ganz anderes abgeprüft wurde: Ausdauer, Einsatz, Bereitschaft, sich auch um Themen zu kümmern, die einem nicht so liegen. Dann könnten auch Wissenschafter heraus kommen, die über den eigenen Tellerrand schauen können.
Und Leute, die so einen Test (oder das aliquote Gegenstück heutiger Ausbildung, aber in gleicher Tiefe) bestehen, ja die dürfen dann auch umsonst studieren!
kann ziemlich groß sein.
Manchmal geniere ich mich, wenn ich etwas sehe, was es schon lange gibt und ich „erst jetzt“ draufkomme.
Und eine Freundin hat mir schon im Jänner gesagt, sie will da mit mir einmal hingehen, doch Terminschwierigkeiten lassen erst den März als möglichen Termin zu.
Also das Stück wird noch bis in den Mai aufgeführt. Wer mir nur irgendwie vertraut, sollte einfach meiner Empfehlung folgen und so rasch wie möglich hinschauen. Auf der homepage ist vermerkt, welche Vorstellung schon ausverkauft sind.
Man stelle sich vor:
ein voll besetztes Kaffeehaus mit Ausrichtung der Stühle letztlich auf eine kleine Bühne. Was heißt Bühne? Sogar eine Drehbühne. Volle Beleuchtungsriege am Plafond.
Ein Stück, welches in etwa elf Akteure aufweist. Ein Klassiker, Bert Brechts Dreigroschenoper auf Dreigroschenballade umgetextet, neu komponiert. Bühne, Regie, Bedienung im Lokal, alle Akteure, Drehbuch, Komposition, Kostüme, etc., etc. alles von genau zwei Personen geleistet. Allein schon der blitzschnelle Rollenwechsel von Mama zur Tochter und zurück ringt Bewunderung ab. Im Stück selbst kleine adhoc-Berücksichtigungen des Publikums und ein bisschen Kabarett-Einschlag durch Einbeziehung zeitpolitischer Anspielungen.
Das Ganze ein bisschen links ausgerichtet, was aber im Sinne des Stückes punktgenau ausgearbeitet wird. Schmunzeln und Lachen, manchmal etwas gequältes Lachen, nicht wegen der Aufführung sondern weil manche Inhalte so zielgerecht den Finger auf die Wunde legen.
Ein Mackie der Messer, der die Berechtigung der klassischen Glühlampe verteidigt, als gelte es die Bewegung der Erde um die Sonne zu bestätigen.
Sowas habt Ihr noch nicht gesehen. Sowas müsst Ihr euch anschauen.
Ihr wisst noch nicht was?
Es geht um die Klettenheimers.
Alles weitere könnt Ihr dort nachlesen.
Mir persönlich gefallen ja auch die musikalischen Passagen sehr gut, welcher von der Klettenheimerin stammen. Aber dass die beiden, während sie spielen, auch noch fernsteuertechnisch die Beleuchtung und die begleitenden Filmzuspielen kontrollieren, sieht schon fast nach Magie aus.
Auf Ö1 gab es heute wieder einmal eine faszinierende Reportage im der Serie „Menschenbilder“. (Etwas für die Schweizer Freunde)
http://oe1.orf.at/artikel/261065
Gottfried Honegger im Alter von 93 Jahren.
Ich war nie krank, weil ich keine Zeit dazu gehabt habe.
im Leipziger Hotel – an der langen Wand:
Aus meiner tiefsten Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
ein ungeheurer Appetit
nach Frühstück und nach Leben.
(J.R.)
Ich früstücke gleich viel lustiger, wenn ich das vor Augen habe.
im Leipziger Hotel – an der langen Wand:
Aus meiner tiefsten Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
ein ungeheurer Appetit
nach Frühstück und nach Leben.
(J.R.)
Ich früstücke gleich viel lustiger, wenn ich das vor Augen habe.
Was ist Konsistenz?
–
Bitte einfach die Definitionen in Ihren Kommentar schreiben. Allenfalls noch ein eingrenzendes Sachgebiet anführen, weil es ja die unterschiedlichsten Bedeutungen des Begriffs gibt.
Wenn Sie vorher erst googlen müssen, machen Sie sich nicht die Mühe, einen langen Text zu schreiben. Es reicht, wenn Sie einfach einen Punkt posten.
Eben habe ich die Zefirelli-Verfilmung einer Aufführung von Turandot in Verona gesehen. Nicht ganz bis zum Ende.
–
Ich mag Puccini.
Ich mag die Oper Turandot.
Ich mag Puccini.
Ich mag die Person Turandot überhaupt nicht.
Ich mag Puccini deswegen, weil er selbst auch die Turandot nicht mochte und deswegen die warmherzige Liu eingeführt hat, die sich für Kalaf sogar selbst ermordet, damit ihr nicht der Name entrissen werden kann.
Das Quasi-Happy-end mag ich gar nicht anschauen. Berio hat das Ende mit einer offenen Fragestellung stehen lassen. Da gibt es nicht den üblichen Märchenschluss. Das finde ich fein. Ich sehe nicht ein, warum Turandot am Ende noch „glücklich“ davon kommen sollte.
–
Aber rachsüchtig bin ich auch. Wenn das Betragen der Turandot so verständlich sein soll, dann möchte ich z.B. keine Türken mehr in Österreich haben. Dann beziehe ich mich auf etwas was vor 300 Jahren stattgefunden hat. Turandot lebt ihre Rache für etwas, was viel früher noch passiert ist. Und sie bekennt sich zu ihrer Rache. Eigentlich gehört sie entweder geköpft oder sie wird dem niedrigsten Sklaven vermählt, um sie endgültig zu demütigen.
–
Aber wie gesagt: ich mag die Oper.
Und ich mag Puccini.
Einen guten Text kann man vielleicht daran erkennen, dass er die eigenen Erinnerungen hervorruft. So ein Text findet sich in Palkos Blog, dessen Gedanken etwas tiefsinniger daher kommen, als man es in der Regel gewohnt ist.
Bevor meine LeserInnen hier weiterlesen, sollten sie dem Link folgen, er beinhaltet Pointen, die man sonst nur bei der Tante Jolesch findet.
Der Autor beschreibt etwas, was sich wirklich bald nur mehr in der Geschichte finden wird. Ich selbst hatte unlängst ein ziemlich unerfreuliches Erlebnis im Café Imperial, das durch den Umbau nichts gewonnen hat. Aber das ist ein anderes Kapitel und auch ein anderes Genre.
Im Gegensatz zu Palko durfte ich mich nicht zum „Inventar“ des Old Vienna zählen. Ich hoffe, er wird diese Geschichte noch nachtragen, sie ist einfach zu großartig um in Vergessenheit zu geraten. Ich werde sie allerdings hier nicht verraten.
Ich selbst war Stammgast im Old Vienna und ich möchte einige Erinnerungen des gewöhnlichen Gastes beitragen. Ich glaube, es ist nicht erwähnt worden, dass im Old Vienna auch Schach-Turnierpartien gespielt wurden. Es gab also nicht nur die üblichen Kaffeehaus-Spiele, bei denen man sich aus 3 Sets 2 vollständige Figurengruppen zusammen setzen muss. Die besseren Spieler bekamen auch gute Spielbretter und Schachuhren, die nicht kurz vorm Zusammenbrechen waren. Man muss es allerdings erlebt haben, was Schachuhren in Kaffeehäusern aushalten müssen. Die geballte Faust fällt hernieder um sich dann kurz vor Betätigung des Uhrenknopfes noch zu entfausten, um ja den Knopf zielgerecht zu erfassen. Das knallt recht schön und wird durch „Ich dir geben, Du Wurzen“ akustisch untermalt.
Es wäre zu erwähnen, dass derartige Verbalandrohungen oft nur den kommenden Verlust zu kompensieren hatten und von Spielern wie Kibitzen eher lächeln hingenommen wurden.
Jetzt muss man wissen, dass neben den Arbeitslosen, die oft ausgezeichnet Bridge spielten und sich als Bridgepartner ein Zubrot verdienen konnten, auch Schachmeister im Old Vienna verkehrten. Niki Stanec mehrfacher österreichischer Staatsmeister konnte dort gesehen werden, wie auch Lendvai und andere Spieler mit einer Elozahl von über 2400, was in den Neunzigerjahren sehr stark war.
In der Regel kamen sie mit Kollegen zusammen und analysierten eine Partie, meistens ihre letzte. Sie nahmen es nicht übel, wenn ich an den Analysen mit aberwitzigen Einfällen teilnahm. Niki forderte mich einmal zum Spiel auf, was ich ablehnte, weil es sinnlos gewesen wäre. (Allerdings habe ich in einem anderen Lokal tatsächlich einmal eine Partie gegen ihn gespielt.)
Sogar Eva Moser, spätere Staatsmeisterin, soll sich im Old Vienna ihre ersten Sporen verdient haben. Sie habe ich allerdings nie persönlich angetroffen.
Sehr erfreut war ich allerdings, als ein Pensionist im Old Vienna auftauchte. Rudi war vorher hauptsächlich im Kaffee Museum anzutreffen, wo er sich mit Schach ein kleines Taschengeld verdiente. Vielleicht auch ein großes, ich weiß es nicht. Er hatte eine Anstellung bei der Wr. Staatsoper und verbrachte seine Pausen im Museum. Auch das Café Museum hat durch den Umbau nichts an Freundlichkeit gewonnen und die Schachspieler verloren sich.
Rudi, dessen Spiel ich bewunderte, freute sich, wenn er mich sah. Er überlegte meistens kurz: „Ich habe da etwas für dich.“ Dann stellte er mir ein Schachproblem auf. Manche Menschen sehen gerne Krimis, für andere wieder ist ein gutes Schachproblem eine Köstlichkeit. Und Rudi hatte die besten Probleme. Manchmal fand er sie in den Schachzeitungen, aber er musste noch weitere Quellen haben. Zum damaligen Zeitpunkt war ich nicht ganz schlecht im Lösen und konnte mir eine Achtung nicht nur bei Rudi sondern auch bei Niki erringen, wenn er sah, dass ich einen schwierigen Vierzüger in 20 Minuten lösen konnte.
Aber als Gast profitierte ich noch mehr von den Bridge-Spielern. Ich sah oft zu, wenn die Spieler nach einem Turnier um halb zwölf eintrudelten und dann über ihre Spiele erzählten. Nachher spielten sie dann bis zur Sperrstunde, die damals zwei Uhr früh war. Eines Tages war ein Spieler zu wenig und sie forderten mich auf, mit zu spielen. Ich sträubte mich zwar, aber tatsächlich überzeugten sie mich und waren ein sehr, sehr geduldiges Lehrerteam. Jedes natürliche und nicht-natürliche Gebot wurde erklärt. Als ich einmal selbst einmal die Hand spielen musste, wiesen sie mich darauf hin, dass ich aufgrund des Lizits eigentlich schon alle Hände kennen müsste. (als ich zum 2. Stich ausspielen musste) Tatsächlich war das Spiel eines, was ich mir ausrechnen konnte – eine Ausnahme. Mit einem der Arbeitslosen, den ich oft auch nach Hause führte, spielte ich sogar ein Paarturnier, bei dem wir 67% erzielten. Wenn man bedenkt, dass da ein ziemliches Greenhorn am Spielen war, kann man sich ausrechnen, wie gut der andere war.
Leider veränderte sich das Lokal, wie es in Palkos Blog beschrieben ist. Aber auch in seinen guten Zeiten, war die Sperrstunde nicht das Ende. „Fahren wir noch ins Mittersteig?“ war eine häufig bejahte Frage, wo es bis halb fünf weiterging.
Wie sehr diese Lokale ein gewisses Lokalkolorit aufwiesen, kann man wohl daran erkennen, dass ich keine Scheu hatte, auch meinen Ex-Chef dorthin mitzunehmen. Er ist Deutscher und war sichtlich angetan.
Über das Mittersteig ein anderes Mal mehr.
