Paralipomena

In der KI-Forschung oder in der Beschreibung derselben kreist die Argumentation häufig um dasselbe Thema: kann ein „Computer“ Bewusstsein erlangen -oder besser ausgedrückt, kann er sich seiner bewusst werden. (Das er könnte genauso sie oder es geschrieben werden, darauf kommt es nicht an.)
Interessanter erscheint mir die Frage, ob sich ein Computer eines anderen Bewusstseins bewusst werden kann. Mir scheint, dass die Informatiker immer von einer Art Sollipsismus ausgehen.
Das Kleinkind wird als perfekter Egoist geboren. Es muss schauen, wo es bleibt. Die eigentliche Entwicklung des Menschen beginnt dort, wo er die anderen wahrzunehmen beginnt.
Eine Entwicklung in der KI müsste sich dieser Fragestellung widmen. Dazu habe ich aber bis jetzt noch nichts gesehen.


  1. P.S. Bei manchen Menschen hat man ja das Gefühl, dass sie das Kleinkindstadium nie überschritten haben.

  2. Des Menschen Bewußtsein, von Ebryo bis zur letzten Mikrosekunde seines Seins, spielt sich in seinem Gehirn ab, und das funktioniert in seiner Grundstruktur, vereinfacht gesagt, binär, allerdings mit gigantischen Verbindungsvarianten einer ziemlich großen Zahl von Hirnzellen (also wenn alles plangemäß funktioniert).
    So gesehen müsste die Rechenleistung der Entwicklung vom Säugling zum sich selbst reflektierenden Mensch sehr wohl irgendwann auch von Maschinen zu bewerkstelligen sein.

    Allerdings, ein Kind lernt durch Interaktion mit der Umwelt. Greifen lernen zum Beispiel, hunderte mal Versuch und Irrtum, Koordination der Arme, der Hand und der Finger. Ich greife einen Stein, hart, kalt, wenn ich ihn auslasse fällt er zu Boden und pumpert, ein kleiner Ball dagegen pumpert, obwohl er zu Boden fällt, nicht, der springt. Erdbeere wenn ich nehme, nass (ich greif ja so fest zu wie beim Stein), kann ich auch fallen lassen, die ist dann nur unten, springt nicht, pumpert nicht, schmeckt aber, während Stein und Ball, na ja, halt irgendwie aber unterschiedlich.
    Gewicht, Form, Farbe, alles zusätzlich somatische Erfahrungen.

    Das alles formt auch mein Bewußtsein, weil wie ist die Welt und wie bin ich in ihr, wer bin ich in ihr. Natürlich ist dazu gigantische Rechenleistung nötig, aber allein damit geht´s nicht weil wir auch mit dem Körper denken (jetzt ein bisserlvereinfacht gesagt).

    Nehmen wir an, ein monströser Computer wäre irgendwann in der Lage selbst zu erkennen, dass er rechnet (nicht jetzt ein Fehlerminimierungsprogramm oder das Erkennen einer anderen IP Adresse, das wär eine externe Einspeisung), der Schritt zu „Ich bin“ wäre schon unüberwindbar, weil ICH BIN ist ja nicht Funktionieren allein, aber nähmen wir hat einmal an, die Erfahrung eines Anderen wäre nur erweiterte Berechnung, nicht „Ich bin in der Welt“.

    Die Forschung über KI schmeißt ein bisserl Kraut und Rüben in einen Topf. Maximierte Funktionalität hat nichts mit Intelligenz zu tun, optimierte Rechenleistung eben so wenig, und mit Bewußtsein schon gar nichts.
    Bitteschön, „intelligente“, sagen wir einmal Staubsaugroboter oder auf Störung reagierende Fertigungsstraßen von Kleinbauteilen für Hörgeräte, fußballspielende Roboter, sagen wir, Raketen die thermisch ihr Ziel finden, Simulationen des Urknalls (wenn es ihn denn gegeben hat, weil das ist unsere Annahme), Systeme sind immer noch Produkt der Eingabe intelligenter Menschen und ihr entsprechender Berechnung.

    KI braucht sich gar nicht wirklich mit Entwicklungspsychologie abgeben, die wissen, dass das zwei verschiedene Ebenen sind, also Bewusstsein wider optimierte Rechnungsleistung.

  3. Avatar von Unbekannt stilz

    Müßte man nicht zuallererst „Bewußtsein“ von „Selbstbewußtsein“ unterscheiden?
    Das hätte dann wohl mit dem Begriff „Individualität“ zu tun. Und mit der Frage, ob Individualität sich prinzipiell anders definieren läßt denn als „Teilbewußtsein“ eines postulierten „Gesamtbewußtseins“ – – – und auch mit der Frage, wie diesem postulierten „Gesamtbewußtsein“ (falls nicht postuliert wird, daß es von vornherein „irgendwo“ fix und fertig vorliegt) Neues hinzugefügt werden könnte…

    Einmal abgesehen von der Frage, inwieweit derart „Postuliertes“ mit der Wirklichkeit zu tun hat…

    Spannend.
    Ich habe hier lange nicht mitgelesen – wo ist denn der Anfang Ihrer Geschichte zu finden?

    Herzlichen Gruß,
    stilz




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