Unterschiede

Nehmen wir an, Sie stellen jemand im fortgeschrittenen Alter in einer Firma an und stellen fest, dass Sie es nicht leisten können, ihn weiter zu beschäftigen.
Sie möchten ihn oder sie nach zwei Jahren kündigen und stellen fest, dass Sie eine Abfertigung zahlen müssen, die sich nach der Gesamtanzahl der Jahre richtet, die er oder sie beschäftigt waren. Dies kann bedeuten, dass Sie mehr an Abfertigung zahlen müssen, als Sie bisher insgesamt an Gehalt zahlen mussten.
Selbst wenn es sich um eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses handelt, wird für Sie eine entsprechende Summe fällig.
Werden Sie es dann riskieren, jemand über 50 überhaupt noch einzustellen? Werden Sie jemand einstellen wollen, der schon in Pension ist?
Vermutlich kaum. Zumindest nicht mehr unbefristet. Werden Sie jemand einstellen wollen, wenn man Ihnen erzählt, dass das Arbeitsgesetz in wenigen Monaten geändert wird. Nun, falls es nicht so geändert wird, dass diese Bedingung fällt, müssten Sie zumindest kurz vor Ende der Probezeit kündigen. Ihn oder sie neuanstellen geht aber dann nicht, zumindest nicht ohne eine gewisse Karenzzeit.
Bekämpfung der Korruption, Reduktion der Bürokratie und stabile, nachvollziehbare Gesetzgebung wünschen sich in etwa 90% aller österreichischen Unternehmer in Serbien. Ich wünsche mir das auch. Ich bin ja diesmal noch rechtzeitig drauf gekommen und ich habe nicht einmal das Gefühl, dass man versucht hat, mich zu übernehmen.
Aber de facto bedeutet das, dass Menschen ab einem gewissen Alter hier in „Serbien weggeschmissen“ werden. Und sei ihre fachliche Qualifikation noch so gut.


  1. „Aber de facto bedeutet das, dass Menschen ab einem gewissen Alter hier in „Serbien weggeschmissen“ werden. Und sei ihre fachliche Qualifikation noch so gut.“

    nur in Serbien ???
    diese impertinenz wird hier in Deutschland äußerst kompromisslos betrieben …
    eine erscheinung, die einem Ossi wie mir, der mit dem streng gehandhabtem recht auf arbeit gelebt hat, besonders schrecklich ist.

  2. Bis 1990 war ich in einem Kleinstbetrieb tätig. Irgendwie wurde ich durch geänderte Bedingungen zu teuer, einvernehmliche Lösung war nicht drin wegen der Abfertigung (so etwa ein Jahresgehalt weil ich hab da zwanzig Jahre gearbeitet), den Betrieb konnte ich nicht übernehmen (ein bisserl utopische Vorstellungen, noch aus der guten alten Goldgräberzeit) also hab ich gekündigt und auf die Abfertigung verzichtet (die Bestimmungen waren damals so).
    Nach damals geltendem Recht hätt ich eigentlich solang weitermachen sollen bis der Betrieb in Konkurs gegangen wäre, na super.
    Heut wär´s unter gleichen Bedingungen wesentlich besser für alle Beteiligten.

    Ich denk, auch in Serbien wird man sich etwas überlegen müssen, wiewohl, auch bei uns gäb´s noch einiges zu tun.

    ÖBB, da hatte ich ein bisserl Einblick durch einen Pensionsressortleiter (inzwischen auch schon in unfreiwilliger Frühpension), Personalreduzierung, alle über 50 golden Handshake (also jetzt ein bisserl vereinfacht ausgedrückt).
    Da waren Fachleute dabei, Menschen die auf ihrem Gebiet durch jahrelange Erfahrung einfach so von heut auf morgen nicht zu ersetzen waren. Die waren dann halt einfach weg, und Einiges hat dann halt nicht mehr funktioniert, aber halt andere Kostenstelle, so dass der Erfolg in der Buchhaltung nachzuweisen war (Boni für die Manager sowieso).

    Dass wir Resourcen einer fadenscheinigen Rechnung wegen einfach nicht wahr nehmen, schlimm genug, dass wir damit Menschen zu Müll machen, das sollte nicht sein müssen.

  3. sowas kann man schwer als aussenstehender beurteilen, steppenhund. der arbeitsmarkt ist hart – nicht nur in serbien – und es gibt überall lücken in der gesetzgebung oder überregulierungen.
    die meisten firmen sind heutezutage gnadenlos kapitalistisch. selbst z.b. die kirche, die mein arbeitgeber ist. sie argumentieren, dass sie ebenso wie alle anderen auf dem markt bestehen müssen.
    als arbeitnehmer fühlt man sich in einem solchen marktwirtschaftlichen rauen klima als austauschware und steht ständig unter druck. die fachliche qualifikation ist schon lange nicht mehr das non plus ultra, das man mitbringen muss. die wegschmeiß-mentalität, die schon längst bei produkten aller art gilt, wird auch auf dem arbeitsmarkt immer stärker sichtbar. man nimmt den arbeitnehmer immer weniger als mensch wahr sondern als produkt, das man gezielt eine zeitlang einsetzt, oder das man einsetzt, bis es sich verschleisst (z.b. in der altenpflege).




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