Manchmal frage ich mich,

ob ich zu empfindlich oder zu blöd bin.

Ich bin ja nun doch soweit lebenserfahren, dass ich nicht jede Zeitungsmeldung ernst nehme. Ja selbst wenn die Meldung stimmt, heißt es noch nicht, dass ein Politiker das wirklich glaubt, was er sagt.
Provokation, Agitation, Demagogie sind halt Bestandteile eines demokratischen Systems. Auch die bewusste Verdummung eines Volkes, um ihm die Fähigkeit des Hinterfragens zu nehmen, muss man heutzutage in Kauf nehmen.
Aber, so frage ich mich, wieso geht das alles so leicht durch? Wieso regen sich die Menschen nicht schon im Ansatz auf, wenn sie verarscht werden?
Es ist wohl so, wie Heimito von Doderer beschreibt, dass eine Diskussion irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie festgefahren ist, an dem man die Streiterei auf einem anderen Niveau fortsetzen muss. Die epigrammatische Faust, halt.
Ich könnte mich in einem politischen Umfeld nicht bewegen. Mir würde die Hand ausrutschen.

Der Anlass für meine Frustration ist noch nicht das Interview mit Kurt Scheuch, obwohl das allein schon ausreicht, um am politischen System in Kärnten oder sogar in Österreich zu zweifeln. Da behauptet einer angesichts eines Videos, welches ihn Lügen straft, Sachverhalte, die man mit eigenen Augen als falsch erkennen kann. Dass die offizielle Darstellung von ihm auf einer halben Seite 13 Rechtschreibfehler enthält, ist da nur das Tüpferl auf dem i. (Gut für ihn, dass er nicht vereidigt war!)
Aber es ist nicht der W…r S., der für meine Frustration heute zuständig ist, sondern der Republikaner Akin, der zur Zeit mit seinen Thesen über Vergewaltigung und Schwangerschaft selbst seine eigenen Parteikollegen ein bisschen unruhig werden lässt.
Und es sind die Eintragungen einer Konvertitin, die polemisch eine Seite aufrührt.
Sie ist nicht allein. Mittlerweile finden sich in allen Religionen Fundamentalisten, die plötzlich gehört werden. Früher gab es sie auch schon, aber da hat man sich bemüht, nicht zu sehr aufzufallen.
Was wir zur Zeit erleben, ist eine gar nicht mehr so versteckte Kriegstreiberei. Kriege hat es immer gegeben, nur glaubte man, nach dem 2. Weltkrieg etwas gelernt zu haben. Nach 67 Jahren Frieden sind die schlechten Erfahrungen vergessen und auch in „zivilisierten“ Ländern scheint Krieg wieder ein handhabbares Mittel zu werden.
Und vielleicht sollte man sich wünschen, dass wirklich ein kleiner Aderlass erfolgt. 3-4 Milliarden Menschen weniger und restart. Die Superreichen, die sich vielleicht aus der Schusslinie nehmen konnten, erfahren, dass es nicht mehr genügend Menschenfutter gibt, um sie zu hofieren und zu verwöhnen.
Und die schönen Orte, wo sich die Superreichen treffen, werden auch gelitten haben, weil es in der Nachbarschaft militärische Ziele gab und deren Auslöschung den Nachbarort gleich mitverseucht haben.
Es gibt keine Entschuldigung für Amerikaner und Europäer, dass sie einer solchen Entwicklung nicht Einhalt gebieten. Den Amerikanern flüstert Gott ein, wann der nächste Krieg zu beginnen ist, die Europäer sind schon zu dekadent, um zu erkennen, in welcher Gefahr sie stecken.
Dass in einem Pussy-Land ein Riot ausbricht, ist angesichts der gegenwärtigen Lage kaum zu befürchten. China ist noch nicht ganz festgelegt. Dort zündeln jetzt einmal die Japaner, für die ich eine gewisse Sympathie empfinde, selbst wenn sie jetzt ihre freiwillige Atombombenenthaltsamkeit aufgeben wollen.
Wir schauen uns das alles an, fast in der ersten Reihe, gut versorgt mit Facebook, Twitter, etc. und es berührt uns nicht mehr. Wir sind überreizt, übersatt und träge. Es gibt ja nicht einmal den Ansatz eines Versuches, ein neues System zu konzipieren, welches einem Kapitalismus nachfolgen kann.
Aber vielleicht brauchen die Überlebenden gar kein System. Die Skrupellosen bleiben übrig und die bringen sich dann gegenseitig um, um sich Vorteile zu verschaffen. Bis sie so wenige sind, dass sie sich nicht mehr reproduzieren können.

Dann haben wir es geschafft.


  1. Politische Schläfrigkeit. So würde ich diese weit verbreitete Haltung in unserer Gesellschaft nennen, in der mensch gemächlich dem Treiben auf dieses Welt zuschaut. Unbeteiligt, sich selbst in seinem bescheidenen selbst geschaffenen Wohlstand in Sicherheit wähnend. Vermeintlich geschützt unter dem Glaspavillon des Kapitalismus.

    „Haben wir nichts gelernt aus der Geschichte?“ fragte unlängts in einer Ö1-Interview die Journalistin ihren Gesprächspartner mit Rückblick auf den 2. Weltkrieg. „Anscheinend muss jede Generation ihre eigenen Erfahrungen machen“, so eine (zusammengefassete) Antwort darauf.

    Doch zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die mit wachen Augen gesehen haben, wie die Geschichte ausgehen wird, wenn wir so weitertun wie gehabt. Menschen, die gewarnt und aufgezeigt haben, welche Folgen drohen, und was davon abwendbar ist, wenn der Karren auf einen anderen Weg gelenkt wird.
    Doch was kümmert es die Bereifung, der Rücksitz oder die Handbremse, was der Fahrer hinter dem Lenkrad für eine Landkarte im Kopf hat?

  2. Wenn wir die Überlebenstrategie von Mensch und von Natur anschauen, so lassen sich zwei wesentliche Merkmale oder Unterschiede erkennen. Natur (Tier und Pflanze) überlebt, indem sie ihre Gene den Änderungen anpasst. Der Mensch ändert nicht seine Gene, sondern er überlebt, in dem er seine Umwelt gestaltet.
    Der springende Punkt scheint mir zu sein: Sind wir Mitläufer oder Mitgestalter?
    Stark vereinfacht gesagt fordert diese Zeit der Krisen auf, uns dessen wieder bewußter zu sein, ob und wie wir die Welt mitgestalten. Sei es im gewöhnlichen Alltag, in unseren Familien, in der Arbeit, im Wohnviertel, den Freundschaften und Feindschaften, beim Einkauf von Waren udn Dienstleistungen, wie auch mitgestalten in den politischen Denkprozessen und Entscheidungen.

  3. ja… wir sitzen dekadent in der ersten reihe.
    aber ich fühle mich weder schläfrig, überreizt oder übersatt.
    ich fühle … ehrlich gesagt…. nur eine große hilflosigkeit und tröste mich mit dem o.g. restart, der ganz sicher erfolgen wird. diesem wunderbaren globus wird es dann besser gehen und normalerweise hätte ich gesagt, dass die paar überlebenden dann gelernt haben werden. aber ich bin skeptisch.

  4. Avatar von Unbekannt wvs

    Bevor ich zum Thema Stellung nehme ein winzige Korrektur [@ rosenherz] aus Sicht des Biologen:
    „.. Natur (Tier und Pflanze) überlebt, indem sie ihre Gene den Änderungen anpasst. Der Mensch ändert nicht seine Gene, sondern er überlebt, in dem er seine Umwelt gestaltet ..“

    Nicht Tier oder Pflanze passen ihre Gene den Änderungen an, sondern der Zufall (Mutation) ändert die Gene. Jene, die ‚erfolgreich‘ verändert sind und daraus einen Vorteil gegenüber ihren Artgenossen haben, überleben (’survival of the fittest‘). Die Anderen sterben aus.

    Das gilt im übrigen auch für den Menschen, denn er ist keineswegs etwas Besonderes, sondern eine Tierart unter Vielen, den gleichen genetischen Gesetzmäßigketen unterworfen. Auch unsere Gene verändern sich also. Da wir aber eine lange Generationsfolge haben (> 30 Jahre; Mäuse 6 Wochen, daher sind sie beliebte Labortiere) werden die Veränderungen erst in Jahrhunderten sichtbar – und dann sind wir schon tot.

    Was den Menschen ‚besonders‘ macht und daher in seinen Lebensäußerungen von dem Rest der belebten Umwelt unterscheidet ist – das war richtig dargestellt – seine Fähigkeit nicht auf den günstigen Zufall warten zu müssen sondern in der Lage zu sein die Umwelt nach seinen (vermeintlichen!) Bedürfnissen zu verändern.

    Wohin das führt ist im einleitenden Beitrag des Herrn steppenhund dargestellt und obwohl sehr bedauerlich teile ich seine zwischen den Zeilen zu lesende Hoffnung auf Einsicht & Änderung nicht:

    Wir (!) sind dabei den Planeten so auszubeuten und dabei zu zerstören, daß ein Leben (zumindest) für Menschen auf lange Sicht unmöglich sein wird.

    Das Wesen einer Exponentialkurve ist es, daß erst „fünf vor zwölf“ das Problem für Alle sichtbar wird und dann keine Zeit mehr bleibt gegenzusteuern.

    Weil das länger als ‚fünf Minuten‘ dauern würde ….

  5. Ein schönes Exempel, wie Politikerlügen dem Leserpublikum in den Medien ungeprüft als Tatsachen aufgetischt werden, beschreibt Michel Reimon in seinem Blog.




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