1984

Wenn jemand die Auswirkungen amerikanischer Überheblichkeit (oder vielleicht auch Schuldbewusstsein) sehen will, möge er oder sie einmal Google-Maps aufsuchen und mit den Bewegungszeigern in Richtungen Serbien gehen.
In einer Vergrößerung, in der man noch Serbien in seiner Gesamtheit sehen kann, fehlt interessanterweise die Stadt Belgrad. Auch wenn man hineinzoomt, findet man Novisad, Subotica oder Nis, doch von Belgrad keine Spur. Vor allem nicht dort, wo man es beim Zusammenfluss von Donau und Sava vermuten würde.
Bei der nächsten Vergrößerung taucht auf einmal Zemun auf, was einmal der von Österreichern besetzte Teil Belgrads war. (So quasi das Döbling von Wien)
Erst bei weiterer Vergrößerung findet sich der Name Belgrad an der richtigen Stelle in einem sehr kleinen Font.
Jetzt ist Belgrad nicht nur die nach Einwohnern größte Stadt Serbiens, es ist auch die Hauptstadt.
Warum wird diese Stadt von Google so stiefmütterlich behandelt? Ich kann es mir nur so erklären, dass die Sieger die Geschichte schreiben und die Amerikaner vergessen wollen, dass sie Serbien mit radioaktiver Munition beschossen haben.
Es ist vielleicht ein kleines Thema. Aber ich habe gedacht, dass ich spinne, weil ich den Namen der Stadt nicht so vorfand, wie ich es bei anderen gleich großen Städten erlebe.
Gibt es da irgendeine rationelle Erklärung, die nicht ein absolut schlechtes Bild auf die Amerikaner wirft?


  1. Für sehr viele Amerikaner hüpfen in Austria ja auch noch Kängurus herum, also was soll´s?

    Serbien, als Staat, hatte damals nicht Unschuld an Agressivitäten, was natürlich den Einsatz illegitimer Mittel auf keiner Seite rechtfertigt.
    „Serbien“ war ja damals nicht wirklich Opfer. Aber was ist Serbien?
    Geschichte schreiben vorerst einmal die Sieger. Das war von Dresden über Armenien, Palästina bis hin zu den Kurden so.

    Eine mögliche Erklärung an der fehlenden Präsenz von Belgrad ist vermutlich heute Ignoranz, mehr nicht.

  2. Ich vermute, die Stadt wurde nicht „vermessen“, d. h. nicht erfasst. Man war 1999 derart mit dem Bombardieren beschäftigt, dass man vergessen hat, die Bilder weiterzugeben…

  3. meine vermutung/erklärung: die amerikaner in der firma google stützen sich auf verfügbares und wohl auch möglichst günstig zugängliches karten- und satelitenfotomaterial. ich glaube nicht, dass google politisch motivierte reduktionen irgendwelcher art vornimmt, eher ist anzunehmen, dass aus belgrad selbst hier einschränkungen nach außen eine vernünftige erfassung erschweren.
    belgrad ist übrigens nicht die einzige reduzierte kartenfläche: wenn man das amazonasgebiet im detail betrachtet fällt auf, dass sich sehr alte satelitenaufnahmen mit neuen mischen – und das hat natürlich auch auf die kartenqualität eine auswirkung.

    überdies: google bietet seine karten absolut gratis an! von einem gratisdienst sollte man nicht unbedingt 100%ige verlässlichkeit erwarten…

  4. wenn ich bei maps.google.com belgrad eingebe, wird richtig beograd angezeigt …




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