Archiv für Mai, 2012

Konflikte

In 45 Minuten habe ich einen wichtigen Termin. Ich bin soweit vorbereitet und schaue noch schnell meine Mails nach. Darunter sind auch Verständigungen, wo sich irgendetwas am Blog getan hat.
Einige Personen sind bemüht, die Wogen zu glätten. Dabei sieht es so aus, dass sie sowohl meinen Kontrahenten als auch mich zu schätzen scheinen.
Das ist eine ungute Situation, in die ich selbst sehr ungerne gerate. Ich gehöre auch nicht zu den Personen, die von vornherein gerne streiten. Zumindest suche ich dann einen Kompromiss.

Und dann gibt es die Situation, in der sich der Kontrahent absolut im Recht fühlt und dann noch immer verbal aushaut, wenn er sich friedlich zu geben scheint. Vielleicht sieht der Kontrahent mich genauso und damit geraten wir in eine Pattsituation, aus der es kein Entrinnen gibt.
Ich habe ja den Eindruck, dass ihn das Wort Lynchjustiz sehr stark getroffen haben muss. Wenn jemand Zivildienst macht, steht er wohl gerade dann physischer Gewalt und Selbstjustiz nicht besonders freundlich gegenüber. Dafür entschuldige ich mich gerne. Von verschiedenen Bemerkungen her entnehme ich aber, dass er umgekehrt überhaupt nichts sieht, was er falsch gemacht haben könnte. Es war alles nur grober Humor.

„Kreuzweise“ an einen vermutlich Unbekannten richten, ist grober Humor. Irgendwie hänge ich mich daran auf. Ich hätte meinen früheren Eintrag schon längst vom Netz genommen, wenn mir nicht sinngemäß der Spruch von Maria Ebner von Eschenbach so eingebrannt wäre. „Wenn der Klügere immer nachgibt, ist es kein Wunder, dass die Welt von den Dummen regiert wird.“
Damit will ich nicht sagen, dass mein Kontrahent dumm ist. Aber er schätzt mich als dumm ein. Da bin ich eigen. Es macht mir nichts aus, wenn mich jemand dumm schimpft oder mir eine dumme Verhaltensweise vorhält, wenn derjenige selbst ein besseres Beispiel abgibt.

Aber so? Ich lasse meinen Beitrag noch stehen. Vielleicht bin ich im Unrecht damit, doch ich kann in meinen Behauptungen nichts erkennen, was ich als falsch zugeben wollte.
Und nachdem es bei uns nicht zu einem blutigen Konflikt a la Nahost oder ehemals Irland kommen wird, scheinen die Differenzen offen zu bleiben. Frieden? Eher ein Waffenstillstand. Die Welt ist ja groß genug, um sich aus dem Weg zu gehen.

P.S. Manchmal bin ich darin auch richtig konsequent. Als G.W.Bush den 2. Iraqkrieg begann, sagte ich meine Teilnahme an einer Konferenz in Amerika ab. Das war auch gleichzeitig mit dem Verlust von 2000 US$ verbunden, die ich sonst kassiert hätte. Meine einzige politische Entscheidung, die ich trotz persönlichen Nachteils traf. Würde ich heute wieder so machen.
Aber nach Berlin würde ich mich schon zu fahren trauen…

Experten

Der Wissenschaftshistoriker Federico di Trocchio unterscheidet Experten erster und zweiter Klasse. Erstere sind Fachleute, die man um Rat fragt, weil sie sich bei konkreten Problemen auskennen: Etwa Professoren für Geodäsie, Wasserbau – wie
übrigens Einsteins Sohn Hans Albert – oder aber auch Quantenoptik.
Demgegenüber gibt es nach di Trocchio „Experten zweiter Klasse“, deren Wissen sofort überflüssig würde, sobald das Rätsel verstanden ist. Sie leben umgekehrt sogar davon, dass die ungeklärte Situation weiterbesteht und erfolglos bearbeitet wird. Gewöhnlich äußert sich dies in vielen Publikationen, was als Markenzeichen für „aktive“ Forschungsgebiete gilt. So finden wir dort Experten der theoretischen Beschreibung der Dunklen Materie und Dunklen Energie, der Quantenkosmologie und natürlich Experten der Großen Vereinheitlichten Theorie, der Theory of
Everything oder auch „Weltformel“. Der betreffende Wikipedia-Eintrag trägt übrigens die rührende Aufforderung: This article needs the revision of an expert. Ich fürchte, darauf können wir lange warten. Blicken wir also lieber kurz zurück zu einem echten Experten der Quantentheorie.

[aus Vom Urknall zum Durchknall von Alexander Unzicker]
Hinsichtlich mancher Geisteswissenschaftler denke ich mir da noch eine dritte Kategorie dazu.
In der IT scheint es das Prinzip allerdings auch zu geben…

die heutige Generation

Im Spiegel ist ein interessanter Artikel erschienen, der eine Beobachtung beschreibt, die ich selber auch schon gemacht habe.
http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/bachelor-studenten-eine-generation-unter-druck-a-834713.html
Dazu kommt noch chinesisch Lernen mit drei Jahren in der Kita und ein Burn-out, der sich noch vor der Midlife-Krise einstellt.
Im Prinzip ist es Leistungsdruck par excellence, den heutige Eltern nach bestem Wissen und Gewissen – und dazu auch noch mit gehörigem Geldeinsatz für Bildung – an ihre Kinder weitergeben.
Am Ende werden wir dann noch ein einig Volk von Beratern, die andere beraten, aber sich selbst nichts mehr verantwortlich zu entscheiden trauen.

Metaphysik des Internets

Es mag unterschiedliche Gründe geben, die Dr. Schein zum Rückzug aus twoday veranlassen. So wie ich ihn kenne, hat er Besseres zu tun, als in diversen Blogs nachzuforschen, wie der Umstand aufgenommen wird. Die Nachrufe häufen sich auf seiner letzten Meldung und bedeutende BloggerInnen auf twoday haben sein Verlassen betrauert.
By phyllis hat sich eine von Literaten und Kritikern geführte Diskussion ergeben, welche im Tonfall leicht unliterarisch ausgeufert ist. Da ging es schon längst nicht mehr um Dr. Schein, sondern um die Bedeutung des Internets und der darin publizierenden Literaten. Wertungen werden auf sehr subtile Weise untergejubelt: eine Lewitscharoff wird namentlich ausgeschrieben, während von den Lesern erwartet wird, dass sie eine Frau J. eindeutig erkennen. Natürlich kann ich zur Not auch einen Herrn M. oder einen Herrn P. oder vielleicht einen Herrn G. erkennen. Aber ist es nicht ein bisschen Stadt/Land-Kinderspielniveau, auf welches sich da einige „angebliche Meister des geschriebenen Wortes“ begeben.
Meine Kleinlichkeit geht aber vollkommen an meinem eigenen Thema vorbei. Viel interessanter ist es doch zu lesen, was einzelne KonsumentInnen aus der Praxis gezogen haben. Verstorbene Komponisten haben nichts mehr davon, dass heute ihre Werke gefeiert werden und man sich den Kopf darüber zerbricht, wie sie denn eigentlich eine bestimmte Phrase gemeint haben. Aber ein im Internet Gestorbener hat die nicht zu unterschätzende Möglichkeit, sein eigenes virtuelles Begräbnis mit zu erleben, Gast beim eigenen Leichenschmaus zu sein.
Ich selbst werde ihn allerdings lieber zu einem speziellen Schmaus einladen. Ich weiß, dass er Muckalica mag. Und dabei werden wir uns dann köstlich unterhalten. Bei solchen Gelegenheiten darf sogar bei uns in der Küche geraucht werden:)
P.S. Auflösung: Jellinek, Mann, Pasternak, Grass

Spass und Ernst

Bei http://dokufactory.twoday.net/stories/griechen-fordern-ende-des-sparens-keine-rueckzahlung-der-schulden gibt es einen Artikel, der schon fast ernst klingt. Die Überzeichnungen in diesem Blog sind in der Regel leicht zu erkennen und heitern mich manchmal sehr auf.

Der Griechenlandeintrag besorgt mich deswegen, weil ich mich dabei ertappe, irgendwie zuzustimmen.

Das ist doch fair: die Griechen zahlen keine Schulden und wir zahlen auch nichts. Punkt. Irgendwas wird schon passieren. Und das wird nicht viel anders aussehen, als wenn wir zahlen.

Jetzt kann man sagen: das betrifft ja nicht alle Griechen. Doch entweder gibt es eine Mehrheit bei den Griechen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, oder es gibt sie nicht.
Es geht ja nicht darum, dass hier ein Diktator verrückt spielt.

Vielleicht haben die Perser genügend Geld und können Griechenland aus der EU herauskaufen. Die waren doch früher sehr an Griechenland interessiert, oder?
Noch besser wäre es allerdings, wir stellen noch ein paar Raketenbasen, atombombenbestückt, in Griechenland auf und lassen dann die Perser übernehmen. Dann kämen die ganz legal zu ihren Atomwaffen.

Also kurz gesagt, ich weiß auch nicht mehr, was ich von allem halten soll. Aber eine Regel gibt es schon:
Lieber eine Ende mit Schrecken als eine Schrecken ohne Ende.
Und so betrachtet plädiere ich für eine EU ohne Griechenland, dass sich nur mit betrügerischen Goldmann-Sachs-Assessments hineinschwindeln konnte.

ein neues Schulmodell

Nach dem Schreiben einiger Kommentare arbeitet es in mir weiter.
Wird von den Schülern heute wirklich so viel gefordert?
Im Radio hat es eben die Coriolan-Overtüre von Beethoven gegeben. Ich konnte mich nicht mehr genau daran erinnern und habe nach der Geschichte gegoogled. Ich schaute dann noch nach Patrizier und Volkstribun nach. Sacrosanctitas war mir ein Begriff aber nicht in der Verbindung mit den Volkstribunen. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass einiges von dem, was in Wikipedia zu finden war, nicht in meinem Geschichtsunterricht vorkam.
Ich spinne in meinen Gedanken weiter und stelle mir vor, dass Frontalunterricht komplett durch Recherchensteuerung ersetzt wird.
Die Kinder bekommen ein Wort vorgesetzt, über das sie (im Internet) recherchieren müssen. Die Prüfungsfragen werden so gestellt, dass das Gelernte in Zusammenhang mit ihrem heutigen Leben dargestellt werden muss.
Innerhalb eines Monats referieren die Kinder über die Ergebnisse ihrer Recherchen und diskutieren darüber mit ihren Mitschülern. Am Ende des Monats gibt es eine Zusammenfassung durch die LehrerInnen, welche allenfalls wesentliche Teile ergänzen.
Die Matura in den Lernfächern wird so abgeführt, dass Begriffe vorgegeben werden, für deren Recherche der Prüfling zwei Stunden Zeit hat und dann mündlich referieren muss.
Das wäre doch eine Herausforderung. Im Zuge der Jahre würde sich ebenfalls herauskristallisieren, wofür sich die einzelnen Schüler interessieren und eignen.
Bei allem Lernen ist nicht allein die Begrifflichkeit von Bedeutung sondern vielmehr die Zusammenhänge und das schlagartige Erkennen, wie einzelne Fakten miteinander zusammenhängen.
P.S. Die Rechner werden aus dem aufzulassenden Schulbuchbudget bereit gestellt. Kostenlose Schulbücher werden eingestellt.

Anlässlich eines Blogeintrags über „Dampf“, wobei es um die Dampfschifffahrt gegangen ist, wurde ich an eine andere Art von Dampf erinnert und zu einem langen Kommentar verleitet. Jetzt habe ich noch ein paar Gedanken dazu weitergesponnen…

點心 oder 点心

unter Dampf

In Wien gibt es ein von mir bevorzugtes chineseisches Restaurant, das ich oft auch allein besuche. Meistens abends, wenn ich nach Hause fahre, da es unmittelbar auf meinem Heimweg liegt und ich einfach spontan entscheiden kann. Oft ist es ausschließlich ein augenblickliches Gusto-Gefühl, welches den Umstieg von der U3 zur U6 mit einem Nichtumweg über das Restaurant ergänzt. Es befindet sich unmittelbar hinter dem Westbahnhof, wobei die Bezeichnung hinter schwer zu begründen ist, da der neu renovierte Westbahnhof eigentlich nicht mehr so stark vorne-hinten orientiert ist. Sagen wir so: das Restaurant liegt in Fahrtrichtung links, dort, wo die Gleise des Kopfbahnhofes herauskommen.
Objektiv ist dieses Plätzchen vermutlich sehr gut, weil man so viele Chinesen dort speisen sieht. Es scheint sich also recht heimatlich in gastronomischer Sicht anzufühlen.

Ich bestelle dort in der Regel T2, T3, T17 und T8 und einen Jasmin-Tee.

Während ich sitze und auf die Gerichte warte, erinnere ich mich immer wieder an zwei Erlebnisse aus den Achtzigerjahren, eines davon abschreckend, während das andere eine nette Erinnerung wachruft und daher insgesamt eine positive Anmutung erzeugt. Die Orte der Geschehen sind Wuhan und Hongkong.

Nach Wuhan war ich nach einer achtzehnstündigen Eisenbahnfahrt von Beijing gekommen. Die Ankunftszeit war kurz vor Mittag und der Professor und ein Assistent holten uns ab und wollten uns sogleich mit einem Mittagessen verwöhnen. In der Nähe des Bahnhofs gab es ein Restaurant und wir mussten ungefähr 12 Minuten zu Fuss laufen. Dieser Spaziergang bedeutete eine unheimliche Erfahrung für mich. Schon in Beijing gab es am Bahnhof so viele Menschen, dass wir uns nur aufgrund unserer Hartschalenkoffer eine Art Rammbock schaffen konnten, mit dem wir es in Form eines Eisbrechers bis zur Rolltreppe schafften, die zu den Zügen führten. Beim Ausstieg in Wuhan waren es eben so viele Menschen. Der Bahnhof wimmelte von Chinesen und Chinesinnen. Das erschien mir noch als normal, doch als wir ungefähr fünf Minuten gegangen waren, stellte ich fest, dass die Menschendichte nicht abgenommen hatte. Die gesamte Straße war dicht von Menschen befüllt, die damals die grünen oder blauen Drilliche trugen und dadurch wirklich einen ameisenartigen Eindruck machten. (Ich schreibe das ganz bewusst so, denn es stimmt absolut nicht, dass alle Asiaten gleich aussehen. Ich lernte später, fünfhundert japanische Kunden per Gesicht und Namensschreibweise zu unterscheiden, denn die Gesichtszüge und Figuren sind genauso differenzierbar wie bei uns.) Da die groß gewachsen bin, konnte ich gut über alle hinwegblicken und ich erinnere mich deutlich an das Gefühl von Dankbarkeit, dass ich in Österreich geboren war. Meine ganze Erziehung, die europäische Kultivierung betont das Individualistische. In China hätte ich meiner Ich-Bezogenheit vermutlich Selbstmord begehen müssen. Als Teil eines Kollektivs kann ich mich einfach nicht sehen. Manchmal vielleicht, doch nicht in der gesamten Lebenseinstellung.

Jedenfalls erreichten wir das Lokal, wo es überhaupt nur eine Sache zu essen gab. Ich musste drei Stockwerke hochsteigen. Je höher man saß, desto feiner war der Tisch gedeckt. Doch in jedem Stockwerk wurde nur dieses Gericht gegessen und das ganze Lokal roch danach. Für Wuhan war das ein feines Lokal, bei dem das Essen zelebriert wurde.
Sonst war die Kost in den Achtzigerjahren in Wuhan eher beschränkt, vor allem in der Uni-Kantine. Die Esskultur auf der Campus-Mensa war erschreckend, so schlimm, dass wir schließlich die Suppe verweigerten. Der austeilende, ältliche Chinese ließ die Suppe von einem großen Suppenlöffel in seinen Hemdärmel laufen. Mit einem Loch am Ellbogen, wo die Suppe herauskam, dirigierte er die Flüssigkeit in unsere Suppenschalen. Der unverfängliche „fried rice“, den ich im Hotel aß, besorgte mir die einzige Magenverstimmung, die ich je auf einer meiner vielfachen Auslandsreisen erfuhr. So viel zu Wuhan, einer nicht unbedeutenden „Region“ in der chinesischen Geschichte.

In Hongkong hingegen wurde mir bei meinem ersten Besuch berichtet, dass es sich bei „dem Gericht“ (oder den Gerichtchen) um die Lieblingskost der Manager in Hongkong handelte, die sie zum Lunch zu sich nehmen würden. Das galt für Chinesen und Engländer gleichermaßen, denn Zeit ist Geld und man brauchte nur bestellen und in wenigen Augenblicken kam das Essen.
Ich war ganz überrascht, als ich dann selbst tatsächlich zum ersten Mal typische Vertreter dieser Zubereitung kostete. Einfach köstlich.

Die chinesische Bezeichnung – die ich jetzt sogar schon lesen, aussprechen und sprechen kann – bedeutet „ein bisschen Herz“ oder wie es poetisch besser in Wikipedia zitiert ist:
„Kleine Leckerbissen, die das Herz berühren“.
Das Wort Herz wird auf kantonesisch anders ausgesprochen als in Mandarin. Daher sagt man „Dim Sam“. (deutsche Phonetik. Dim Sum in englischer Umschreibung)

[Es sind] kleine Gerichte, die meist gedämpft oder frittiert sind. Sie stammen ursprünglich aus der kantonesischen Küche Chinas. Zum Teil stammen die Häppchen aus traditionellen Teehäusern. Man findet es in unzähligen Variationen und allen Preisklassen vor allem im Süden und Osten Chinas. Dim Sum werden zu klassischem chinesischen Tee meistens in kleinen Bambuskörbchen gereicht. Die Bambuskörbe haben einen Durchmesser von knapp 20 cm und können zum Dämpfen aufeinander gestapelt werden, der oberste wird danach abgedeckt.<> In jedem befindet sich ein normalerweise auch aus Bambus bestehendes Gitter, auf das die Speisen gelegt werden. Es ist üblich, die Mahlzeit je nach Geschmack noch mit Sojasauce oder anderen – zum Teil scharfen – Soßen zu verfeinern. Den Großteil der Gerichte machen gefüllte Teigtaschen aus. Die Füllungen können aus allen denkbaren Sorten von Fleisch, Meerestieren und -früchten, aber auch aus Ei und Süßem bestehen. [Wikipedia]

1983 hatte kein einziger Chinese in Wien diese Gerichte anzubieten. Auch heute findet man nur eine leicht abzählbare Anzahl in Wien. Aber das Tsingtao beim Westbahnhof hat sie in großer Vielfalt. Wenn also auch der Dampf der Eisenbahnlokomotiven verschwunden ist, wie er noch so schön im Orientexpress der Fall war, gibt es nach wie vor Dampf gleich neben den Schienen. Ich kann jedem nur empfehlen, diese kleine Herzen zu verkosten.

P.S. T2 sind Teigbällchen mit Shrimps gefüllt, T3 sind Bärlauchtascherln, T17 sind Hummerschiffchen (also gebacken nicht gedämpft) und T8 sind Dòushābāo –  豆沙包 –  eine Art Germknödel mit süßer Bohnenpaste gefüllt.


Brilliant

http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/755054/Aus-Liebe-zur-Alma-Mater_Sperrt-sie-zu
Robert Menasse schreibt über die Alma Mater.
Die Gründungsurkunde der Universität, die sich bis heute im Archiv der Universität befindet und immer noch Leitbild der Alma Mater ist, oder wäre oder sein sollte, jedenfalls nie aufgehoben wurde, definiert in programmatischer Weise die Aufgabe der Universität: „…daz ein yeglich weiser mensch vernünftiger und ain unwaiser zuo menschlicher vernunft in rechte erkantnüsse bracht und geczogen werde.“
Wie unsere heutigen Politiker mit dieser zweitältesten im ehemaligen Heiligen Römischen Reich, oder ältesten und bis heute größten Universität im deutschsprachigen Raum umgehen, zeigt folgender Umstand, der vermutlich bei anderen genauso wie bei mir untergegangen ist:
Er [der Rektor] rief die Polizei in die Uni, um Studierende aus der Uni entfernen zu lassen. In der mehr als ein halbes Jahrtausend langen Geschichte der Wiener Universität gehörte es zu ihrem Selbstverständnis und zum Stolz, Polizei und Militär den Zutritt zu ihrem autonomen Freiheitsraum mit allen Mitteln zu verwehren. Im Jahr 1848 sind Rektoren und Dekane mit auf die Barrikaden geklettert, die von Studentengemeinsam mit ihrenProfessoren und Dozenten gegen die Versuche der Polizei, auf der Uni wieder „Ruhe und Ordnung“ herzustellen, errichtet wurden, und heute, ausgerechnet auf der Basis einer gesetzlich festgeschriebenen Autonomie, wird die Polizei in die Uni gerufen.

Alle Akademiker in der gegenwärtigen Regierung haben gratis studiert, haben in der Regel länger studiert, als es heutige Studienfristen erlauben, sie hatten weder Barrieren zu überwinden noch Drop-out-Sanktionen zu fürchten, sie sind gratis zur Uni und gratis von der Uni nach Hause transportiert worden, sie haben durch das UOG Firnbergs von 1975 die Institutionalisierung studentischer Mitbestimmung erlebt beziehungsweise davon profitiert, sie haben zugleich mit ihrer akademischen Ausbildung Erfahrungen mit politischem Engagement machen und Demokratie einüben, letztlich ihre politischen Karrieren starten können – und sie haben es durch diese Chancen, die ihnen gegeben waren, bis auf Regierungsposten geschafft, wo sie, statt heute auf dem Bauernhof der Eltern Kühe zu melken, nun staatstragend (und zwar den Staat in den Abgrund tragend) sagen: So wie wir studiert haben, soll keiner mehr studieren dürfen! Warum soll Studium gratis sein? Bildung ist ein knappes Gut!
Alle kursiven Texte sind aus oben verlinkten Artikel entnommen. Aber dort steht noch mehr und ich finde, dass Menasse die Situation brilliant geschildert hat.
Und es geht nicht nur um die Universität allein, das Beispiel Universität zeigt ein Sittenbild österreichischer Politiker, dass sich noch unverschämter darstellt, als es der derzeitige Untersuchungsausschuss bereits ahnen lässt.

Mit dir bin ich überall daheim

Der Titel bezieht sich auf den vorigen Eintrag, der Inhalt hier nur bedingt.
Gestern haben wir ein Betriebsevent zelebriert, dass eigentlich erst heute einen ganzen Tag unter der Führung eines hiesigen Bloggers hätte stattfinden sollen. Da dieser aber gerade nicht konnte und wir unbedingt etwas machen wollten, fand sich ein berufener Kollege bereit uns zumindest gestern zwei Stunden durch die Lobau zu führen.
Die zugehörigen Bilder finden sich dort. Ich hoffe, Sie sind für jedermann sichtbar.
https://plus.google.com/photos/116012676695663102045/albums/5739003210593410449
Das ist nicht unbedingt eine Heimkehr, hat aber doch sehr viel mit Heimat zu tun. Ich war ziemlich begeistert, wie sehr sich die Kinder unserer Sekretärin (6 und 10) ausgekannt haben. Die wohnen nämlich in Aspern und gehen dort zu Schule und sind auch schon oft dort gewesen.
Die kennen z.B. mehr Blätter und Bäume als ich, ich kann jetzt wenigstens auch vier verschiedene dort vorhandene Ahornarten identifizieren, bzw. drei, weil einen, den Zuckerahorn, gab es vielleicht nur früher einmal.
Aber interessant war auch, dass der zehnjährige Sohn in der Volksschule schon über Napoleon und Aspern gelernt hatte.
Die Abendstimmung war wunderbar. Auch das Gefühl, im Flussbett der einstigen Donau zu spazieren, hatte was Besonderes an sich. Über meinem Schreibtisch hängt ja ein Bild vom ursprünglichen Verlauf der Donau.
Es war noch interessant zu hören, dass die meisten Nationalparks in Österreich aufgrund der Verhinderung eines Kraftwerks entstanden sind.
Aber selbst mir als ignorantem Techniker war gestern der Wunsch verständlich, die Lobau zu schützen.
Nett war auch die Demonstration des Hartriegelblatts, welches man in der Mitte teilen und den Eindruck erwecken kann, dass die untere Blatthälfte zu schweben scheint. (Angeblich die einzige Pflanze, bei der das funktioniert.)
Es waren so viele kleine Geschichten und Merkmale, dass ich mir nicht alle gemerkt habe. Aber es muss ja nicht der letzte Besuch gewesen sein.
Und für den Herbst wurde schon ein ganzer Tag in Orth ins Auge gefasst. Vielleicht klappt es ja dann mit der „professionellen“ Führung:)

Lebenshunger

hatten beide. Der Herr Staudenmeyer (alias Schlotterbeck) genauso wie die Katharine Entriß. Der eine geht möglichst weit von zuhause weg, (weil sein Vater es so haben wollte), die andere – zum Zeitpunkt, an dem die Geschichte spielt, verwitwet – stellt sich den Anfeindungen der schwäbischen Kleinstadt.
Vielleicht empfinde ich Hermann Hesse, der sich gegen eine Verfilmung seiner Werke ja energisch gewehrt hat, heute als etwas zu süßlich. (eine Beurteilung, die ich selbst für unfair halte;) Vielleicht geht mir heute alles zu glatt auf, ich erkenne die inneren Kämpfe nicht mehr, weil ich sie alle so vehement nachempfunden habe, als ich Hesse mit 20 Jahren las. Vielleicht habe ich mich bewusst so stark gegen eine Verbürgerlichung gewehrt und bin Hesse in dieser Weise besonders dankbar.
Aber wie könnte man einen Abschlusssatz übertrumpfen, der nach dem vergeblichen Versuch, die Heimatstadt wieder für sich selbst erobern zu können, dahingehend lautet: (von Staudenmeyer an Entriß gerichtet) „Mit dir wäre ich überall daheim.“




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