Messie

nein, ich meine nicht den Fussballspieler.
Ich meine die Bezeichnung für Menschen, die in ihrem Haushalt ein unglaubliches Sammelsurium an Glumpert aufbewahren. Beim richtigen Messie sammelt sich dann noch der Abwasch von einem Monat in der Küche.
Also so richtiger Messie bin ich daher nicht. Ich koche nur gern in einer sauberen Küche und hinterlasse auch gerne eine solche.
Schließlich essen wir auch meistens in der Küche.
Aber ich hebe unheimlich gerne auf. Man weiß ja nie, wozu man etwas vielleicht noch brauchen kann. Und jedesmal, wenn ich mich von etwas getrennt habe, habe ich es am darauffolgenden Tag benötigt.
Am 2. Mai haben wir uns eine Mulde bestellt und daher räumen wir aus. Meine Entscheidungsbefugnis wird da nicht so stark auf die Probe gestellt. Ich bin mehr der Mann fürs Licht reparieren im Keller und derlei niederordnete Tätigkeiten. Aber ein bisschen was möchte ich auch wegwerfen.
Also habe ich mit Einwilligung meines Sohnes seine Schulunterlagen aus der sechsten Klasse (oberstes Heft Vektorrechnung) in den Papiermüll entsorgt.
Aber einen der sechs Koffer, die ich für den Muldeninhalt vorgesehen hatte, werde ich jetzt doch nicht wegwerfen. Es war mein erster Samsonite, blau, hatte mich damals ein Vermögen gekostet, vergleichsweise noch relativ leicht, aber leider ohne Rollen, weswegen ich ihn heute nicht mehr verwende. Mindestens 20 Mal ist der Koffer streckenmäßig um die Welt gereist. Die frühen Europareisen, Rotchina, Singapore, Hongkong und unzählige Male Wien-Moskau und retour.
Wir werden ja wieder einmal etwas wegwerfen. Vielleicht ist er beim nächsten Mal dabei. Aber dieser Koffer hat Seele.
P.S. Der Koffer ist 35 Rahre alt und noch immer nicht kaputt. They don’t make them like that anymore.


  1. „Dinge mit Seele“ ist ein schöner Ausdruck. Ich tue mich so schwer mit dem Entsorgen von „Dingen mit Seele“, dass ich sie fotografierte, bevor ich sie wegschmiss (ich lebte in einer winzigen Wohnung, das diszipliniert). Allerdings müllten dann die Fotografien monatelang meinen Schreibtisch zu.

  2. Lionel Messi schreibt sich auch ohne e am Ende 😉

    Und glauben Sie mir, nicht alle Sammler sind Messies. Dabei geht es nämlich immer um Beziehungsdefizite. Beziehung zu Menschen können sie nicht halten oder haben damit in der frühen Kindheit schlechte Erfahrungen gemacht. Sie haben gelernt, dass man sich auf andere Menschen nicht verlassen kann, dass man gekränkt, verlassen oder einem Schmerz zugefügt wird. Besitz ist das einzige, an das sie sich klammern, und da geht es nicht um Luxusgüter, das reicht bis zum Kot.

  3. Avatar von Unbekannt Lo

    Ich kann das so gut nachvollziehen.

    Ja, es gibt diesen Spruch:
    Es ist schön, Dinge zu besitzen – man muss nur aufpassen, dass einen die Dinge nicht besitzen.
    Und er ist auch einleuchtend, aber trotzdem:
    Dinge, die eine „Geschichte“ haben, werden für uns eben dadurch wertvoll.




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