Reisen und Metareisen

Im Jahr 2007 habe ich es aufgegeben, selbst Auto zu fahren und habe den Entschluss seither nie bereut. (Es soll gesagt werden, dass ich einmal ein fanatischer Autofahrer war und ungefähr 2 Millionen Kilometer abgespult haben muss. Schließlich leben neben Dienstreisen auch viele Verwandte mehr als tausend Kilometer entfernt.)

Es ist also nicht verwunderlich, dass ich jetzt sehr für die Investition in öffentliche Verkehrsmittel, darunter auch die Eisenbahn, eingenommen bin. Wie die Planung der ÖBB funktioniert, ist nicht immer ganz nach zu vollziehen, aber man kann da die Schuld auch sehr leicht bei den Politikern suchen. (Außerdem bin ich der Sohn eines Eisenbahners, das mag auch prägen:)

Aufgrund eines fehlerhaft recherchierten Artikels einer Tageszeitung habe ich das Internet befragt, um die „Wahrheit“ zu erfahren. Nicht eine österliche, sondern die banale Wahrheit über die in Österreich verwendeten Lokomotiven.

Mein Wunsch landete in einer Internet-Reise, (So kann man das Surfen ja wohl nennen) die am Schluss zu einer Reiseseite geführt hat, die vielleicht für die LeserInnen, interessant sein dürfte.

Also zuerst einmal habe ich die Triebwagen-Baujahre kontrolliert. (Die waren im Artikel falsch angegeben worden, um die Tendenz der Journalistin zu unterstützen.)

Dabei erinnerte ich mich an den Triebwagen 4010, der vom Transalpin verwendet wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Transalpin_(Zug)
Das war ein geschichtsträchtiger Zug, in dem wir in meiner Kindheit mit Regiefahrkarten (Die Ermäßigung für Angestellte der ÖBB) nicht fahren durften, was ihm einen unheimlich Nimbus in meinen Kinderaugen verlieh.
Ebensowenig durften wir im blauen Blitz (Wien – Venedig) und im „roten Blitz“ (Das scheint eine kreative Wortschöpfung meines Vaters für den Vindobona-Express Wien – Berlin gewesen zu sein), fahren. (Das habe ich kürzlich nachgeholt, auch wenn der Express mittlerweile als Zug und nicht als Triebwagen geführt wird.)

Es ist erstaunlich, mit welcher Liebe die Informationen in Wikipedia zusammen getragen sind.

Aus irgendeinem Grund wurde ich an den Orient-Express erinnert.

Darüber gibt es nun jede Menge Information. Der Zug ist nicht nur durch die Romane von Graham Greene und Agatha Christie bekannt. Durch die lange Strecke war er auch ein Gradmesser politischer Entwicklungen.
Ich weiß nicht, mich muss der Teufel geritten haben, denn jetzt suchte ich auch nach der Transsib.

Wie ich schon einmal geschrieben habe, wollte ich immer damit fahren und habe irgendwann den Wunsch aufgegeben, weil ich sowohl in der russischen Eisenbahn als auch in der chinesischen lange Strecken zurückgelegt habe.
Sieht man sich aber den Wikipedia-Beitrag an, kann man von den Distanzen und dem Kreuzen von sieben Zeitzonen nur fasziniert sein.
Doch das Beste kommt erst. Google hat mit der russischen Eisenbahn etwas auf die Beine gestellt, was nur mehr durch die echte Reise übertroffen werden kann:
Eine virtuelle Reise mit der transibirischen Eisenbahn, die so virtuell gar nicht mehr zu sein scheint, wenn man Bild und Ton genießt.

Mein Rat: schauen Sie sich das an. Entweder das sagt Ihnen überhaupt nicht zu oder Sie werden fasziniert sein.
Sie können eine Fahrt in Echtzeit mit Blick aus dem Fenster verfolgen, (so viel Zeit hat wohl keiner) Sie können aber auch einzelne Punkte der Reise ansteuern und sich die Fahrt über die Wolga, entlang des Baikalsees oder das das Einlaufen in Wladiwostok mit eigenen Augen ansehen.
Dazu bekommen Sie das Fahrgeräusch oder auch russische Radio mitgeliefert. Wenn Sie russisch verstehen, können Sie sich auch ein Hörbuch vorlesen. Ich empfehle die „toten Seelen“ von Gogol. Sonst gefallen mir am besten die Zuggeräusche selbst.


  1. Sehr kurzweilig-unterhaltsame Gedanken, sehr schön. Fast wie Philosophie auf Schienen:-) Liebe Grüße

  2. Danke sehr. Ich freue mich, wenn es richtig verstanden wird.

  3. Echt feiner Artikel, der auf die virtuelle Reise mit der Transsib neugierig macht – gleich klick ich dort rein.
    Liebe Grüße vom Meer
    Klausbernd und die Buchfeen Siri und Selma




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