Politik

Im österreichischen Fernsehen wurde gestern eine Dokumentation über die 1962 stattgefundene Hochwasserkatastrophe in Hamburg gezeigt.
Besonders deutlich war die Unausweichlichkeit, mit der vorerst nicht einmal Deichbrüche sondern einfache Brecher das Land mit Wasser überflutet haben. Dass es dann zu mehr als 200 Deichbrüchen kam, war der anhaltenden Dauer des Unwetters bei Windstärken von 9-10 geschuldet.
Besonders eindrucksvoll waren die Rettungsaktionen. Es ist bekannt dass der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt sich in Hamburg „profilieren“ konnte. Er setzte sich über Kompetenzen hinweg und befehligte militärische Operationen sowie finanzielle Zusicherungen. Worüber ich nicht wusste, war die von ihm international organisierte Hilfe in Form von hundert Hubschrauber, die bei abenteuerlichen Bedingungen die Rettungsaktionen flogen. (Das ging damals noch über einen Appell an die NATO.)
Mehr als 300 Menschen kamen damals ums Leben, doch es hätten weitaus mehr sein können, hätte es nicht ein derart rasches und effizientes Eingreifen gegeben.

Jetzt frage ich mich:
1) wer kann sich noch an damals erinnern?
2) wer kann mir einen Politiker nennen, der heute ähnlich reagieren könnte?
3) was wäre der oder die Namen von Politikern, welche dazu instande wären?

Wir können das heute mit Hilfsaktionen in Haiti oder in Thailand vergleichen.
Dann gibt es eine Bonus-Zusatzfrage:
4) Wenn die Wirtschaftskrise wirklich eine ist, warum kann dann nicht ähnlich effizient vorgegangen werden?

Ich weiß, dass das eine rhetorische Frage ist. Die Einrichtung eines wöchentlichen EU-Krisengipfels zum Thema Griechenland könnte ja auch mit einem entsprechenden Vergnügungsprogramm gekoppelt werden, damit die Politiker etwas von ihren Dienstreisen haben.
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  1. Ausnahmen gibt es zu jeder Zeit.
    Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Drum sollte man nie die Hoffnung verlieren.

  2. Aufgrund seines damaligen Krisenmanagement hat Schmidt-Schnauze sich die andauernde Lizens zum Rauchen verdient.

  3. Auch auf die Gefahr hin, mich unmöglich zu machen: Würde heute in einer solchen Situation jemand wie Schmidt handeln, würde er das früher oder später medial nicht „überleben“. Zunächst würde man ihn feiern, in diversen Talkshows einladen. Dann käme ein investigativer Journalist auf die Idee nachzuforschen, wie der Politiker das arrangiert hat. Er würde nicht nur Kompetenzüberschreitungen feststellen. Sondern auch Dienstvergehen. Andere Politiker, die die Recherchen des Journalisten aufnehmen, lassen weiter recherchieren. Sie stellen fest, dass der Politiker vielleicht noch andere, kleinere administrative Fehler begangen hat. Andere Teilnehmer an der Rettungsaktion würden von diversen Unzulänglichkeiten berichten. Am Ende muss sich der Politiker verantworten, wird konfrontiert mit den Vorwürfen. Daher gibt es – vielleicht – keine Leute mehr wie Helmut Schmidt.

    Die Gefahren sind heute zumeist andere: Die sogenannte Wirtschaftskrise wird bekämpft, wie Dilettanten ein undichtes Dach „bekämpfen“: Sie kaufen zuerst farbige Eimer, dann größere, farbige Eimer und später ganz große, farbige Wannen um jeweils den Regen aufzufangen. Das Neudecken des Daches lehnen sie ab, weil es dann für kurze Zeit alles hineinregnet. Der Dachdecker hat mehr davon, wenn er den Mietern immer neue Eimer und Wannen verkauft, statt das Dach dauerhaft reparieren zu lassen. Es wird zu den großen Fragen der Nachgeborenen gehören, warum man nicht wirkungsvoll gegen bestimmte Geschäftspolitiken von Banken eingeschritten ist.




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