Dumme Fragen

„Es gibt keine dummen Fragen.“ ist eine stolz hervorgebrachte Aussagen, mit denen sich oft auch Leute brüsten, die selbst an sich nicht dumm sind. Sie wollen damit den Intellektuellen eins vor den Latz knallen und letztlich handelt es sich um etwas wie den Versuch eines geistigen Kommunismus.
Ich habe in einem anderen Blog das Beispiel einer dummen Frage gegeben:
„Wen hast Du lieber, die Oma oder den Opa.“ Das zählt für mich für den Prototyp der „dummen Frage“. Häufig von Onkel, Tanten und entfernteren Verwandten, möglicherweise noch in Babysprache, gestellt.
Manche Fragen können dumm sein, genauso gut aber auch nicht-dumm.
Beispiel: jemand hat kurzfristig ein drei-buchstabiges Akronym vergessen. Es fällt ihm einfach nicht ein. Er fragt, bitte was heißt UML?
Das ist keine dumme Frage. Sie kürzt nur einen Prozess ab. Und jeder kann einmal etwas vergessen. Wird die Frage am dritten Tag eines dreitägigen Seminars gestellt, an dem fortlaufend von UML gesprochen wurde, ist sie auch noch nicht dumm. Doch wenn sie mit dem Tonfall der größten Überraschung gestellt wird: „Was heißt denn überhaupt UML?“ und der Betreffende für nicht verantwortliche Tätigkeit ein Gehalt bekommt, um dass ihn 90% der Österreicher beneiden würden, so halte ich sie für dumm. Sie gibt nämlich Aufschluss darüber, dass er a) uninteressiert ist, b) nicht aufgepasst hat, c) jede Möglichkeit zur Weiterbildung auslässt (eine Zeitschrift im Jahr würde schon reichen), d) sich unkritisch berieseln lässt, e) nicht mitdenkt UND ZULETZT gegen seine Interessen handelt.
In dem Fall ist die Verteidigung der „Es gibt keine dummen Fragen“-Gutmenschen meistens: „Das ist doch ehrlich, wenn er zugibt, wenn er es nicht weiß.

Jetzt ist Kommunikation eine der wichtigsten Dinge für den Menschen. Und dazu gehören Fragen. In der Kommunikation empfiehlt es sich auch taktvoll zu sein. Mit Taktlosigkeit kann man mehr zerstören als an Kommunikation aufzubauen ist.
Wenn mich jemand fragt, „sag, hast Du wieder zugenommen?“ dann bedaurere ich meinen Zustand und sage „ja, leider haben mich die Feiertage und die Reise danach mit bestem Essen um 4 kg schwerer gemacht.“ Ich bin nicht beleidigt und leide auch nicht darunter.
Ich kann mir vorstellen, dass die gleiche Frage bei einer Frau, die gerade mit einer schmerzlichen Diät 10kg abgenommen hat, – aber trotzdem noch weit über ihrem Idealgewicht liegt – verletzend wahrgenommen wird.

Sätze und Fragen sind in einer Kommunikation so etwas wie Züge in einem Schachspiel. Du Kunst bei Schach und auch körperlichen Kampfsportarten besteht auch darin, dass man den anderen nicht dazu zwingt, „den für mich unangenehmsten Zug“ zu machen. Eine Herausforderung, der nur in einer Weise begegnet werden kann, und zwar einer, die mir schadet, ist dumm oder zumindest unklug. Manchmal macht man das, weil man es nicht rechtzeitig erkennt. Das ist dann nicht dumm sondern eher ein Pech, dass man es nicht besser machen kann.
Wenn man aber das Gleiche aus einer gewissen Trotzhaltung heraus macht, – und schon weiß, dass die Gefahr besteht, – dann ist es dumm.

Dazu stehe ich, auch wenn manche meinen: „Na, der ist dumm, wenn er glaubt, dass es dumme Fragen gibt!“


  1. Die Frage: „Wen hast du lieber Oma oder Opa?“ halte ich nicht für dumm nur für schwer zu beantworten – meistens hat das Kind eine, einen der beiden leiben, will, darf, soll nicht kränken und ich bin soweit Gutmensch, dass mir lieber ist jemand stellt eine „dumme Frage“ als der- oder diejenige tut so als wüsste er oder sie Bescheid. Beim oben genannten „Was heißt denn überhaupt UML?“-Beispiel handelt es sich wohl eher um eine rhetorische Frage, vielleicht ungut im Tonfall, ich weiß aber jedenfalls das Fragen mehr zu schätzen…

  2. zum vorletzten absatz: etwas, das ich auch erst mühsam gelernt habe, ist aber auch, dass ich nicht jede frage beantworten muss. insofern hab ich deinen gedanken für mich gleich auch umformuliert, dass man den anderen nicht „zum unangenehmsten zwingen“ sollte. und sei es nur durch eine unüberlegte frage.

  3. Ich oute mich hierorts als dumm,
    denn ich glaube sehr wohl, dass es dumme Fragen gibt.
    Einige wenige ihres Inhaltes wegen, und sehr viele der Situation wegen in der sie gestellt werden, und wie (wie oben bereits ausführlich geschildert).
    Keine Frage steht ohne Bezugspunkte im Raum, sie richtet sich von an jemand.

    Und wie ebenfalls bereits trefflich erwähnt, Antwort ist kein Muss.

  4. Die Frage, wen ein Kind lieber hat, ist nicht nur dumm, sondern geradezu niederträchtig (überhaupt ist die Niedertracht recht nahe neben der Dummheit zu finden), denn damit ruft man hervor, was in vielen Teilen Asiens als große Schmach gilt, nämlich, dass jemand (=das Kind) sehr wahrscheinlich sein Gesicht verliert, zumal diese Frage ja meist vor versammelter Verwandtschaft gestellt wird.

    Dummheit hat nach meiner persönlichen Definiton übrigens rein gar nichts mit mangelnder Bildung zu tun (mit mangelndem Bildungswillen schon eher, weil der oft aus dem Eck einer gewissen Überheblichkeit kommt), sondern setzt sich aus einem Mangel aus Herz und Hausverstand zusammen.

  5. Avatar von Unbekannt dus

    zitat:

    „Wen hast Du lieber, die Oma oder den Opa.“

    das ist keine frage. da steht auch kein fragezeichen.

    ehrlicher wäre die „frage“ so:

    „Wen hasst Du lieber, die Oma oder den Opa.“

    mfg dus, ganz empfindlich mit fragen, die keine fragen sind




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