Merkwürdige Veränderungen
Es ist fast unglaublich, wie stark sich manche Irrtümer über die Jahre hinweg halten können. So würde ich meinen, bei jedem Bild in meinem Haus sagen zu können, wer es gemalt hat. Nur für den angeblichen (unsignierten) Romako gilt das nicht, weil ich mich da auf die Aussagen meines Vaters verlassen muss. Offiziell wurde es noch nie bestätigt.
In meinem vorigen Beitrag hatte ich ein Bild gezeigt, dass ich fälschlicherweise meinem Großvater zugeschrieben hatte. Dabei hatte ich noch extra betont, dass es für seinen Malstil besonders untypisch wäre.
Es ist kein Wunder: das Bild ist nicht von meinem Großvater sondern von seinem Lehrer.
Nur wegen eines Kommentars nahm ich das Bild von der Wand und inspizierte die Signatur, weil mein Großvater oft auch die Jahreszahl dazugeschrieben hatte.
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen.
–
Es ist merkwürdig, wie ich erkenne, mit wie vielen kognitiven Fehlern ich lebe, leider auch mit Denkfehlern. Ich kann mir meiner Schlussfolgerungen nicht mehr sicher sein. Die intuitive Richtigkeit ist dahin. Ich muss wirklich alles überprüfen oder überprüfen lassen.
Das wäre an sich nichts Besonderes. Doch weiß ich, dass das früher anders war. Die Fehlerhäufigkeit war vielleicht nur ein Zehntel von heute. Anscheinend rechnete im Hintergrund immer ein Kontrollmechanismus mit.
Was folgt daraus:
1) ich werde toleranter gegenüber den Fehlern anderer.
2) ich muss vielmehr Zeitbedarf für meine Aufgaben einplanen.
Ich schätze meine geistige Präsenz noch immer als ausreichend ein. Bestimmte Aufgaben muss ich allerdings heute erarbeiten, ihre Bewältigung fliegt mir nicht mehr spielerisch zu.
Doch ich kann damit leben;)

Sonntag, September 19, 2010 at 10:50 am
meine mutter sagt bei solchen gelegenheiten immer zu sich selber: „leise rieselt der kalk“
Sonntag, September 19, 2010 at 12:54 pm
ich kann mir gar nicht so recht vorstellen, was für irrtümer oder fehler du meinst. es ist ganz normal, dass man sich aufgrund unvollständiger oder falscher informationen irrt. umso mehr informationsfluss in der welt, desto mehr irrtümer.
ansonsten gibt es auch jene fehler, die wir aus psychologischen gründen unabhängig von informationen oder wissensstand machen.
je nach wichtigkeit sind korrekturen notwendig. von einer perfektion bzw. fehlerlosigkeit auszugehen ist allein schon ein denkfehler.
ich kann nicht finden, dass es früher eine geringere fehlerhäufigkeit gab. ich würde eher sagen, dass früher ganz allgemein die lebenswelt eine unkompliziertere war – und somit weniger fehler bedingte. relativ zur informationsflut dürfte die fehlerhäufigkeit konstant bleiben. selbst kontrollmechanismen, wie sie zur zeit per qualitätsmanagement in der wirtschaft mode sind, verkomplizieren oft nur die verhältnisse und arbeitsstrukturen, anstatt aufklärend fehler zu beheben.
es ist geradezu schildbürgerhaft, wie heutezutage jeder furz per statistik und pi pa po belegt werden muss, obwohl man lediglich seinen gesunden menschenverstand gebrauchen müsste.
dabei sollte doch das vertrauen in die eigene denkfähigkeit unterstützt werden. es wird immer mehr nur noch gedankenlos wissen und information reproduziert und nicht mehr selbständig „erdacht“. hierin liegt wirklich ein zunehmender mangel gegenüber früher …
so kommt es zu dem mißverhältnis, dass es zwar immer mehr wissen gibt, aber wir immer weniger wissen. profan ausgedrückt: wir verblöden vor glotze und pc.
gehe mit dir nicht so streng zu gericht, steppenhund. der fehler liegt nicht bei dir sondern im system.
Sonntag, September 19, 2010 at 1:09 pm
Für mich besteht der Trick heutzutage darin, für mich vollkommen irrelevante „Informationen“ einfach nicht mehr an mich heranzulassen bzw. auszublenden. Auch wenn ja eine bekannte „Religionsgemeinschaft“ mi dem Einstein-Zitat? Wir nutzen nur 10% unseres geistigen Potentials wirbt, so halte ich dennoch die Aufnahmekapazität – jedenfalls bezogen auf eine definierte Zeitspanne, sagen wir einfach mal pro Tag – meines Gehirns für relativ begrenzt, gemessen an dem ganzen Irrsinn, der tagäglich so auf einen einprasselt…
Anders ausgedrückt: Theoretisch hätte ich mir natürlich sämtliche Autokennzeichen derer merken können, die gestern irgendwann vor mir hergefahren sind – aber wozu? Theoretisch könnte ich Nachrichten schauen, aber wozu? Was interessiert es mich, was sonstwo auf der Welt passiert (wahrscheinlich leitet sich aus einer ähnlichen Haltung auch der sprichwörtliche Sack Reis in China her)? Wichtig ist doch, was in meiner unmittelbaren Umgebung und was mit mir (oder mit uns) geschieht, denn nur das betrifft uns unmittelbar und unterliegt überhaupt unserer Einflußnahme…
Die Gechichte mit dem Bild würde ich an Deiner Stelle jetzt nicht überbewerten – da bist Du schlicht einer Fehlinformation aufgesessen 😉