Archiv für Januar, 1970

Europa

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Ein ausgezeichneter Artikel über die Essenz Europas und die Begründung, bestimmte Bücher hervor zu heben, welche Europa in der Nachkriegszeit charakterisieren.
daraus ein Zitat:
Der große Europäer Paul Valéry, der in dem Jahr starb, in dem unser europäischer Kanon auf den folgenden Seiten beginnt, hat in seinem Essay Die Krise des Geistes im Jahr 1919 eine Definition des europäischen Geistes versucht, die noch vom letzten Abendsonnenschein des europäischen Weltmachtbewusstseins beglänzt war. Der europäische Geist, schrieb Valéry, beziehe seine welthistorische Einzigartigkeit aus genau drei Quellen. Erstens aus seiner Herkunft aus dem Römischen Reich und dessen Ordnungs- und Stabilitätssystemen. Zweitens aus dem christlichen Glauben, der gewissermaßen das Kulturprogramm des römischen Imperialismus wurde. Und drittens aus der griechischen Denkfabrik, die Rom in einer kultursynkretistischen Meisterleistung übernommen und weitergegeben hat.
etwas später folgt die Wirkung von Ausschwitz als Reduzierung der europäischen Stärke auf Null.
Lesenswert.

Belgrader und olympische Impressionen

MUSIK: Belgrad I:

(Diese Version hat zwar kein Video, ist aber die lange Fassung. Es lohnt sich, andere Fassungen zu suchen, um den Text lesen zu können. Ich habe den Song erst sehr spät vor vier Jahren in einer Disco in Frankfurt kennengelernt.)
In einem kleinen Cafe in der Ulica Ljubima (parallel zur Kneza Mihailova) gab es einen Sänger, der im Schanigarten sang und mich in Stimme und Qualität der Balladen, die er sang, an City erinnerte. Mir wurde später erzählt, dass seine Musikrichtung Ex-Yugo-Rock heißt. Von den sechs Songs, die ich dort hörte, hat mir jeder gefallen.
OLYMPIA: Belgrad II:
Nach dem Cafe, wo mir der türkische Cafe ein gewisses Hungergefühl bescherte, ging ich noch ins Majestic, (in der Obilicev venac – also ganz zentral) wo man vergleichsweise sehr günstig essen kann. Dort konnte ich einen Teil des Einzugs der olympischen Eröffnungsfeierlichkeiten auf dem großen Panorama-Fernseher betrachten.
Es war faszinierend, die einzelnen Staaten in der Ausprägung ihrer Verteter zu sehen. Zwischen Stolz und Freude, dabei zu sein, gab es die unterschiedlichsten Flaggenträger zu beobachten. Ich glaube, es war bei den Chinesen, wo ein wahrer Riese die Flagge hochhielt. Die Gesichtsausdrücke waren teilweise ernst und sich der Bedeutung bewusst, dann wieder durch Lachen und Freude geprägt.
Das Lustigste waren aber die großen Gruppen, wo die Hälfte mit der Foto- oder sogar der Filmkamera die Umgebung und die Zuschauer fotografierten. Das erschien mir nicht nur absolut pietätlos, sondern auch als ein Versäumnis der Veranstalter, die das meiner Meinung nach hätten untersagen müssen. Der Einzug war damit eigentlich ein ziemlich lächerliches Ereignis. Man stelle sich vor, ein Künstler würde bei seinem Auftritt mit einer Kamera erscheinen und das Publikum fotografieren, bevor er zu künstlern anfängt.
Der Zeitgeist hat zugeschlagen. Aber natürlich würde ich es begrüßen, wenn einmal die Rehe das Gleiche machen, Gewehre zu bedienen lernen, um dann z.B. auf einen MP (Lobbyisten) zurück zu schießen. Ja der Gedanke hat was!

Belgrad III

Es ist Samstag und ich trödle. Draußen ist es heiß und die kurze Strecke zum Einkaufen hat mich ins Schwitzen gebracht. Im Fernsehen laufen amerikanische Filme wie z.B. „Herr der Gezeiten“. Es sind Dramen oder Dramen-Liebesgeschichten, die ohne Actionsound und ohne große Lautstärke ablaufen. Daneben kann ich gut denken. Wenn ich eine Pause mache, sehe ich die Filme etwas bewusster und stelle fest, dass ich schon mehr auf den serbischen Untertitel achte als auf das gesprochene Englisch. Vom Akustischen bekomme ich nur die Stimmung mit.
Es ist angenehm. Ich merke mir jetzt einzelne Wörter und ich verstehe die Deklinationen und Konjugationen besser.
Arbeit gibt es momentan mehr in Wien als in Belgrad, aber die Zukunftsaussichten sind nicht so schlecht.

Eloge negativ

Bloggen? Was für eine sich selbst ans Absurdum führende, narzisstische Angeberei, als wäre das Ausgeworfene die Krone literarischer Schöpfung. Das Blog, ein Sammelsurium angeberischer Selbstbeweinung, welches durch seine Struktur eine Persönlichkeit invers proportional in ihrer Kommunikationsfähigkeit aufblättert.Ein Blog kann sehr viel über seine Autorin aussagen, auch dann, wenn es nicht geführt wird. (Es gibt ja Menschen, die weder verstehen, warum man bloggt, es noch je tun würden.)
Es gibt ein interessantes Buch von Stephen R. Covey: Die sieben Wege zur Effektivität. Als ich einmal in Sonoma, CA, beim Friseur saß, (und dieser Nebensatz ist schon gelogen, denn es war mein Freund, der sich pudelscheren ließ, während ich in einem Frühstückskaffeehaus mit einem Komponisten plauderte) äußerte sich dieser hinsichtlich meiner Begeisterung für das Buch, welches ich damals gerade las, (das Buch ist verpflichtend für jeden Psychologie-Studenten in den USA) mit dem lakonischen Ausruf: „Oh! This masterpiece of American puritanism“.
In einem Blog kann ich in so einem Absatz mehr angeben, als ich es je im Gespräch könnte, ohne übertrieben angeberisch entlarvt werden zu können.
1) Ich lese ein Buch, was viele Menschen für ein sehr gutes Buch halten.
2) Ich lese überhaupt.
3) Ich war schon in Sonoma. Sonoma ist zu Napa (beides sind Städtchen, für die es ein je gleichnamiges Valley gibt) das, was Sievering zu Grinzing ist. Ein Synonym für Wein, wobei Sievering den einheimischen Wienern mehr zusagt, als die Tourismus-Multischenke Grinzing. (Beides sind Heurigen-Zentren in Wien, wo man sich abfüllen lässt. Die Wiener amüsieren sich köstlich, wenn die Deutschen den Wein unterschätzen und nach drei Viertel dann torkelnd auf den Straßen wandeln.
4) Ich kann einfließen lassen, dass mir Sonoma besser gefällt als Napa, weil ich eben „elitär“ und etwas „bio“ bin. In Sonoma gibt es nämlich einen Bauernmarkt, den man sonst nicht so leicht in Kalifornien findet.
5) Ich scheine mich mich mit dem amerikanischen College-System auszukennen.
6) Ich erwarte, dass jeder meine Anspielungen erkennt und versteht und in eine begeisterte „Ah, toll“-Bewunderung gleich direkt auf den Arsch fliegt.
Mein Exhibitionismus geht so weit, dass ich das Bloggen schon mal als eine Vorstufe zum Vögeln gesehen habe. Ich kann mich herrlich produzieren und manche Frauen werden neugierig und geben sich mit dem größten Vergnügen hin. Das funktioniert noch besser als mit dem Klavierspiel, weil das Klavier ja nicht immer zur Verfügung steht. Man kann auch nicht mit seiner Schwanzgröße prahlen, wenn er gerade amputiert worden ist. (Nein, nicht was Sie jetzt denken: meiner ist noch dran.)
Ein Blog zeigt einfach, was für ein toller Mensch man ist. Man gehört nicht zu den 20%, die noch nicht einmal lesen können. (PISA-Studie) Man beherrscht sogar einigermaßen die Rechtschreibung. Man darf sich als umjubelter Journalist fühlen, der kein _Risiko_ der Ablehnung eingeht. Wie oft habe ich mir gedacht, dass ich etwas denke, was es als Artikel oder als „die andere Meinung“ in ein anerkanntes Printmedium schaffen müsste. Dann müsste ich das aber auch einsenden und würde Zurückweisung riskieren.
Strahle ich einmal nicht, dient das Blog noch immer als Ausweinbasis, die ich persönlich nicht verwende, weil ich ja auch der Nachwelt als strahlender Held erhalten werden möchte. Das Äußerste der Gefühle ist die Ausschleimbasis. Es gibt doch wirklich viel zu vieles, über das man sich aufregen kann. Ich wurde sogar schon kommentiert, dass meine Zornesausbrüche das Beste wären, welches auf meinem Blog zu finden sei.
Vieles könnte ich hier noch ausführen, um zu zeigen, dass ein Blog in Wirklichkeit ein selbsttherapeutischer Ansatz ist, sich mit seinen Schwächen und Eitelkeiten auseinander zu setzen. Wenn die Therapie anschlägt, fällt es einem wie Schuppen von den Augen und schaudernd fragt man sich, wie man einem derartigen Blogoholismus verfallen konnte.
Mitleidig sieht man auf die Zwitschernden und die ihr einziges Buch auf dem Gesicht tragenden Koma-Schreiber herunter. Dort ist das Hirn ja bereits soweit verkommen, dass nur mehr Fünckchen eigener Gedanken wie der Rest einer vom Wind vertragenden Glut irgendwo einen Waldbrand entfachen können.
Gestern las ich in den Medien, dass man im Zuge einer Razzia auf der Suche nach Kinderpornographie einen „Akadamiker“, der vor dem Bildschirm einem Herzinfarkt erlegen war und damit selbst der Verfolgung entzogen hatte, vorgefunden hätte.
Ich frage mich, ob es nicht einmal ein Blog geben könnte, dessen plötzliches Ausbleiben die Stammlesen dazu bringen könnte, die Polizei zu alarmieren, ob denn da nicht einer schon wochenlang in seinem Domizil verrotte, ohne dass die Nachbarn es mitbekommen hätten.
Bloggen, diese Ausgeburt selbstherrlicher Selbstüberschätzung. Twittern, die neue Variante des Tourette-Syndroms, Facebooken, der krampfhafte Versuch, die hehren Gedanken einer leeren Hirnmassenmenge einzuflößen, wobei hier noch das „Liken“ von Inhalten eine Rolle spielt, deren Aktualität den alten Bärten der über sechshundert Jahre alten Gestalten aus der Genesis nicht nachsteht.
Das Letztere wird einmal die neue Bibel sein. Jemand wird die Ergüsse auf Facebook analysieren und sie als göttliche Eingebung hinstellen. Die etwas gehobenere Darstellung in Blogs wird in den Schriften der neuen Propheten zusammengefasst werden. Die bekannten A-Blogger werden jeder ein eigenes Buch bekommen. Das Buch Walhalladada, das Buch Herbst, das Buch Nömix. Unsere Zeit der Medienaufklärung wird in den Geschichts- und Lehrbüchern mit „nömizianischer Verwirrungsmediologie“ angeführt werden.
Das Buch Herbst wird mit einer Wehklage enden, die das Ausbleiben des Winters mit dem Ausbleiben eines dritten Satzes von Schuberts Unvollendeter vergleicht.
Die Klasse (im mathematischen Sinn) der Blogger hat sich ungefähr in der gleichen Epoche formiert, in der Menschen den Computer akzeptiert haben, die ihn sonst abgelehnt hätten. Schriftsteller schreiben nicht mehr mit ihrer einen geliebten Schreibmaschine oder überhaupt mit Papier und Füllfeder. Es gibt ein neues verzeihendes Medium, welches nicht sofort aufbrüllt, wenn es vergewaltigt wird.
Zurückkommend auf die selbsttherapeutische Wirkung des Bloggens muss davon ausgegangen werden, dass bei einer ähnlichen intellektuellen Basisstruktur ziemlich gleichzeitig der Heilungseffekt stattfinden und sich manifestieren wird.
Ich schlage mir mit der flachen Hand auf die Stirn und frage mich, ob ich es war, der das alles geschrieben hat. Ist ja fürchterlich. Einzige Rettung absoluter Entzug.
Und wie beim Alkoholismus reicht ein einziger kleiner Kommentar, um wieder dem Pegelbloggen zu erliegen. „Habe ich heute schon gebloggt oder bin ich wirklich so leer, wie ich mich fühle?“ Eine teuflische Fragestellung.
Scheut man sich allerdings, diese Frage an sich selbst zu stellen, lässt es sich immer in den Wehklage verpacken: „Warum bloggen denn die anderen nicht mehr?“
Es gibt genügend hinreichende Gründe, welche für das Bloggen sprechen. Bloggen als Bereicherung des Horizonts und vieles andere, dass ich hier jetzt nicht erwähne, um den Grundtenor dieses Beitrags nicht abzuschwächen.
Doch ja! Es gibt Gründe, mit dem Bloggen aufzuhören. Genauso wie es den Weihnachtsmann gibt. Und diese Gründe sind nicht weniger edel…

elektronisches Klavier

Aus gegebenen Anlass und weil auch in anderen Blogs manchmal von Klavieren gesprochen wird, möchte ich hier meine jüngste Erfahrung preisgeben.
Beim Besuch einer lieben Bloggerfreundin hatte sie extra vom Nachbarn ein elektronisches Klavier ausgeborgt, auf dem ich ein bisschen herumklimperte.

Ich war sehr überrascht, dass es besser klang als meines in Belgrad. Der Preis ist bei beiden ungefähr gleich. Mein Yamaha hat mehr Spielereien elektronischer Art. Dagegen wird das Kawai spartanisch.
Das Kawai spielt sich allerdings von der Mechanik besser, das linke Pedal wirkt wesentlich natürlicher, das Wichtigste aber, der Klang, ist eindeutig überlegen.
Jetzt hatte ich in Belgrad beide Klaviere nur mit Kopfhörern ausprobiert, was eigentlich die kritischere Beobachtung sein sollte. Jetzt könnte man behaupten, dass das Kawai nur bessere Lautsprecher hat.
Aber das ist es nicht alleine. Auf dem Kawai kann (zumindest) ich einen besseren Klang erzeugen als auf dem Yamaha. Gestern hatte ich dann noch einmal die Record_Taste betätigt und mich in einiger Entfernung in den Garten gesetzt. Der Klangeindruck war durchaus überzeugend.
Es ist zwar noch immer kein Bösendorfer aber doch für einen ganz guten Einstieg geeignet. Anscheinend hat die Kooperation zwischen Steinway und Kawai (der Boston-Flügel) doch etwas gebracht, während die Yamaha-Bösendorfer-Verbindung rein finanziellen und Eigentümercharakter hat.

Bin ich überheblich? Ich wohne zur Zeit in einem sehr guten Hotel mit modernen Lifts. Ähnlich wie auch in anderen gut ausgestatteten Lifts, haben sie eine gewisse Grundintelligenz, die nur dann anhält, wenn man die Ruftaste für diejenige Richtung gedrückt hat, in der der Lift gerade unterwegs ist. Es kommt vor, dass der Lift aber in der Aufwärtsbewegung auch stehen bleibt, wenn ich hinunterfahren will. Denn manche Personen drücken grundsätzlich beide Knöpfe, weil sie glauben, dass sie dann schneller befördert werden. Dann steigen sie auch in einen Lift ein, der nicht in ihre gewünschte Richtung fährt. (Bis hierher alles verstanden, ist ja auch ok so. Ich steige auch manchmal in die falsche Richtung ein, damit dann nicht bei der Rückfahrt kein Platz mehr für mich da ist.)
Aber jetzt: der Mensch ist eingestiegen, der Lift fährt in die Richtung, in die er nicht will. Und jetzt setzt Erstaunen, Grübeln, Verzweiflung ein: wieso fährt der Lift in die andere Richtung?
Und ich frage mich: ist das so schwer zu kapieren?

Ich bin da vielleicht überempfindlich. Vielleicht veranschaulicht es ein anderes Beispiel besser:
JEMAND WÄHLT EINE PARTEI. NACHHER FRAGT ER SICH, WIESO HABEN WIR SO EINE BESCH… POLITIK?

gemilderte Enttäuschung

Die letzten Tage waren sehr arbeits- und lehrreich, aber keinesfalls von Erfolg gekrönt. Die Lehrziele, die ich vermitteln wollte, gingen in rein technischen Problemen mit dem Betrieb der Software (in diesem Fall nicht unsere) unter, zum eigentlichen Unterricht kam ich nicht. Wenigstens mein Einsatz wurde gewürdigt, aber das ist eher als ein Pyrrhus-Sieg zu bewerten.

Weil ich mehr oder weniger Tag und Nacht arbeitete, kam ich nicht zu einer Stadtbesichtung oder sonstigen kulturellen Eindrücken. Trotzdem habe ich etwas Interessantes gelernt. Und zwar nachträglich aus dem Internet.

Ich hatte mich nie nach der geographischen Lage der Geburtsstädte meiner Großeltern erkundigt. Gefühlsmäßig hatte ich sie nördlich von Linz angeordnet, was ein großer Irrtum war. Von den Gesprächen, die ich als kleines Kind mitgehört hatte, waren beide Großeltern von ihren Heimatorten alles andere als begeistert. Die einen sind dann freiwillig, die anderen gezwungenermaßen nach Wien gezogen.

Schon neugierig, wo die jetzt her waren?

Allerdings hatte mein Großvater noch sehr schöne Landschaftsaquarelle aus der Gegend gemalt. Eine Landschaft, die ich mir jetzt, nach meinen Zugfahrten nach und von Ostrava (Mährisch-Ostrau) recht gut vorstellen kann. Beim Mittagessen erfuhr ich, dass beide Orte in sehr naher Entfernung zu Ostrava liegen, also in der nordöstliche Ecke von Tschechien. Nun sollte man zwar Schlesien geographisch einordnen können. Aber Geographie war weder mein Interesse in der Schule noch bekam ich alle Ortsverhältnisse intuitiv „ins Blut“. Dass man z.B. von Prag mehr nach Norden als nach Westen fährt, wenn man in Richtung Dresden unterwegs ist, habe ich erst beim letzten Ausflug nach Meißen so richtig mitbekommen. Wäre es anders, müsste Prag ja auch an der Elbe liegen. Tut es nicht, jetzt sind mir die Wasserverläufe endlich klar geworden.

Ostrava war mir ein Begriff, wirtschaftlich und geographisch. Ich habe stolz erzählt, dass die erste Eisenbahn in Europa nach Ostrava fuhr. Das stimmt so natürlich nicht. Aber das Eisenbahnstück zwischen Floridsdorf und Deutsch-Wagram (beide nahe bei Wien) zählt als äteste Dampfeisenbahnstrecke außerhalb Englands. Und diese Strecke ist ein Stück der Kaiser Franz Ferdinands-Nordbahn, die letztlich bis Ostrava und auch noch weiter gegangen ist.
Die war mir im Begriff geblieben. Den Wikipedia-Eintrag habe ich mit großem Interesse gelesen. Jetzt war zwar Ostrava eine industriell bedeutsame Stadt und ist heute die drittgrößte in Tschechien. Doch etwas früher war Troppau (heute Opava) die Hauptstadt von Mährisch-Schlesien. Und dort kamen meine Großeltern väterlicherseits her. Opava ist mit dem Auto nur 20 Minuten von Ostrava entfernt. Wahrscheinlich komme ich ja noch einmal nach Ostrava und dann plane ich Opava ein.
„Fürchterliches Kleinkaff“ habe ich noch in den Ohren, wenn meine Vorfahren über Troppau sprachen. Aber so unbedeutend dürfte es nicht gewesen sein, wenn man über seine Geschichte nach liest.
Nun bleibt nur noch Bílovec, der Geburtsort meiner Oma mütterlicherseits, vom Opa weiß ich nicht, ob er auch dort geboren ist. Ich glaube, ich kann heute niemanden fragen. Natürlich habe ich nie etwas von Bílovec gehört, wie auch der Mädchenname meiner Oma „Klein“ hieß. Kennen Sie die Weihnachtsgeschichten von Karl Heinrich Waggerl? Ein bisschen schnulzig, nett zu lesen und meine erste Assoziation mit dem Herkunftsort von Oma und Opa. Bílovec hieß nämlich früher Wagstadt.
Ich muss zugegen, dass Wagstadt und der Geburtsort meiner Mutter in Christkindl, einem Ortsteil von Steyr in Oberösterreich, für mich etwas Weihnachtliches und Christliches enthielten. Waggerl kannte ich als Kind vornehmlich von Weihnachtsgeschichten und über Christkindl brauche ich nichts zu sagen. Dass Wagstadt als kleines kleines Dorf ebenfalls im Dunstkreis von Opava und Ostrava liegt, war mir bis vorgestern nicht nur unbekannt sondern auch einfach gleichgültig. Der Vertrieb der Deutschen aus der Tschechoslowakei 1945 aufgrund der Benes-Dekrete mag zwar angesichts der deutschen zwar verständlich sein, die Art, wie die Vertreibung statt gefunden hat, war genauso unmenschlich. Ich bin da empfindlich. Es gibt kein „ich darf“ weil Du es auch es „auch getan“ hast. (Und daher wollte ich mich mit den Orten auch nicht weiter befassen.)
Jedenfalls ist die positive Ausbeute der letzten dreieinhalb Tage die, dass ich etwas mehr über meine „Vorvergangenheit“ erfahren habe. Und das ist im Ende auch nicht so schlecht!

To fall in love

Der leider nicht mehr hier schreibende Dr. Schein hat mich durch seine wiederholten Zitate von Slavoj Žižek auf denselben aufmerksam gemacht.
Heute findet sich im der Standard ein interessanter Artikel über ihn und einige seiner heutigen Statements. Ich habe den ganzen Artikel sehr genossen und möchte hier meinen Lieblingsabsatz zitieren:

Žižek: …
So kommen wir auch zum Rätsel des Cybersex. Der hat immer mehr eine masturbatorische Struktur in dem Sinn, dass man nicht nur keinen wirklichen Partner hat – er beeinflusst auch unseren wirklichen Sex mit wirklichen Partnern. Man braucht diese immer weniger, wenn man seine Fantasien ausleben will.
Fällt Ihnen nicht etwas auf, wenn Sie sich das Tiefste der gegenwärtigen Populärkultur ansehen?
STANDARD: Was meinen Sie konkret?
Žižek: Ich meine zum Beispiel den neuesten James-Bond-Film, „A Quantum of Solace“ („Ein Quantum Trost“). Früher war es üblich, dass Bond in der letzten Szene zum Sex übergeht. In diesem Film nicht. Oder nehmen Sie Romane von Dan Brown, „Angels and Demons“ („Illuminati“) oder andere. Da gibt es Paare, aber sie haben auch keinen Sex. Etwas sehr Merkwürdiges passiert hier, mein Freund Alain Badiou (französischer Philosoph und Schriftsteller, Anm.) hat es wunderbar ausgedrückt, aber es funktioniert auf Französisch und Englisch besser als auf Deutsch. Er verweist auf den Ausdruck „falling in love“ bzw. „tomber en amour“. Hier ist das Moment des Risikos, des Fallens enthalten.
Nun gibt es amerikanische Dating- und Heiratsagenturen, die mit dem Argument werben, dass das viel zu riskant sei: „Who can afford today to fall, even in love? We enable you to find yourself in love without the fall!“ Also Liebe, ohne einen Sturz zu riskieren. In Wirklichkeit also ohne eine traumatische Begegnung mit dem anderen.

Es geht nicht mehr um die alte patriarchalische Ideologie, die auf Liebe und Treue insistiert, sondern fast um das Gegenteil. Liebe wird zum Problem. Die Ideologie sagt uns heute auf diese buddhistische Art: Engagiere dich nicht zu sehr, halte Abstand, hänge an nichts und niemandem. Ein One-Night-Stand ist okay, aber kein Sturz, keine dramatische Begegnung, die dein Leben verändert.
[Hervorhebungen von mir]
Wenn man den Fall und die tiefen Enttäuschungen vermeiden will, reduziert man zwangsläufig auch das mögliche Glücksempfinden.

Für mich ist das nicht so erschreckend, weil ich oft genug verliebt war, bevor es das Internet gab. Ich muss mich aber fragen, wie ich heute mit dem Thema umgehen würde.
der ganze Artikel findet sich hier.

Mehdorn-Klasse

Ich weiß, er ist nicht mehr zuständig. Er ist sozusagen zu Grube wie der Bush zu Obama.
Bremen-Hannover, Reisegeschwindigkeit 142km/h. Ich glaube, ein ICE der dritten Generation, der mit dem Tempo eindeutig unterfordert ist.
Rumpelt und schaukelt mehr als die Moskauer Straßenbahn, wenn sie am Onkologie-Zentrum vorbei schunkelt.

Der Gleisbau (Oberbau) ist eindeutig Mehdorn-Klasse. Vielleicht2,3 Mehdorn auf einer Skala von 1-5 (5 am schlechtesten, 1 bereits unter jeder Kritik) Eine Schande für die deutsche Bahn, für die Deutschen, für die deutschen Politiker, insbesonders für einen deutschen Verkehrsminister, der Mehdorn den Auftrag gegeben hat, die DB borsenfähig zu machen

Aber sonst geht’s mir gut!

Wettlauf

Hoffentlich gibt es das in meiner Nähe, bis es mich trifft.




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