Archiv für Januar, 1970
Kinder fragen. Gerne und oft. Wie sollen sie sonst an Information herankommen.
„Gib a Rua!“
„Das brauchst Du noch nicht wissen.“
„Ich hab jetzt keine Zeit.“
„Dazu bist Du noch zu klein.“
…
Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.
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Kann das schuld sein?
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P.S.
Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Vater je so reagiert hätte. Später hat er gesagt, dass ich für bestimmte Dinge noch zu jung wäre, aber dann hat er doch versucht, mir den Faust zu erzählen und die Vektorrechnung zu erklären. Ich war einfach neugierig.
Eigentlich kann ich diese Geschichte gar nicht richtig schreiben. Denn einige Details möchte ich aus Gründen der Diskretion nicht preisgeben. Aber ich versuche es dennoch, weil das sich zugetragen Habende einfach so unglaublich ist.
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Ich habe einen Salestermin in Nürnberg, der von unserer externen Marketing&Sales-Gruppe vereinbart wurde. Der Termin wurde schon zweimal verschoben. Wegen der relativ technischen Ausrichtung des Themas ist es besser, dass ich fahre und nicht mein Chef.
Wenn ich mir den Termin selbst vereinbare, pflege ich einen Tag vorher noch einmal anzurufen, um mich zu versichern, dass die Gegenseite auch noch den Termin in Evidenz hat. Wenn der Termin von jemandem anderen vereinbart worden ist, (wo auch die Verpflichtung besteht, diesen Kontrollanruf zu tätigen) mache ich das nicht. Schließlich gibt es noch eine zweite Sicherheitsstufe in Form der Sekretärin des Chefs.
Ich freue mich ein bisschen, dass der Termin erst um vier Uhr nachmittags ist. Da kann ich bequem den Zug um 8:36 nehmen und muss nicht wie sonst um fünf Uhr aufstehen.
Zuhause hat es noch etwas geschneit, doch nach zehn Minuten Fahrt gibt es blauen Himmel, Sonnenschein und dazu noch einen Tee-Zitrone im ICE-Abteil. Sehr erfreulicherweise kommt der Kellner vom Speisewagen gleich nach Abfahrt des Zuges und erkundigt sich nach Wünschen.
Es ist ungefähr Altlengbach oder Neulengbach vorbei, da klingelt bei mir das Telefon. „Du Hans, bist Du vielleicht im Zug?“ – „Ja natürlich, weißt Du doch.“ – „Ja es ist nämlich so. Der Termin findet nicht statt.“ – „Aha, und seit wann wissen wir das?“
Es stellt sich heraus, dass ein Mail zwei Tage vorher gekommen war. An dem Tag war unsere Sekretärin nicht im Büro, doch am Tag darauf hatte sie das Mail gesehen. Sie hatte sogar noch im Kalender meines Chefs nachgesehen, aber da war kein Termin, also dachte sie, dass er bereits gelöscht wurde.
Sie konnte sich nicht erinnern, dass das ja ich war, der fahren sollte. Die Information wäre zwar bei Marketing&Sales gewesen, aber das Mail war sehr schlampig formuliert gewesen. Wie sich erst später herausstellte, hatte M&S das schon eine Woche vorher gewusst, aber verschlampt. Dafür haben sie sich schon entschuldigt und Kompensation angeboten.
Soweit der eher komisch, unlustige Part.
„Also dann steige ich halt in St. Pölten aus und fahre zurück.“ Es ist ein Vorteil, wenn man nicht fliegt. Ich hätte höchstens mit dem Fallschirm abspringen können, doch mit dem Rückflug hätte ich mich schwer getan.
In St. Pölten liess ich mir die Beendigung der Fahrt bestätigen. Der rein materielle Schaden beträgt daher nur 20 Euro, die Hin- und Rückfahrt nach St. Pölten. Die große Strecke kann ich innerhalb eines Monats mit dem gleichen Ticket weiter fahren.
Während ich die Rückfahrkarte kaufe, erfrage ich noch, dass der Zug keinen Speisewagen hat. Daher kaufe ich erste Klasse und trolle mich auf den Bahnsteig.
Der ÖBB-Eurocity (das sind eigentlich ganz gute Züge, die gleich hinter den Railjets kommen.) hatte nur einen Waggon erster Klasse. Die zweite Klasse war bummvoll, weil gleich 4 Schulklassen den Weg nach Wien antraten. Wer weiß warum. Daher kamen Passagiere der zweiten Klasse in die erste, bereit aufzuzahlen.
Als ich es mir gemütlich gemacht hatte, kam eine ältere Dame, der ich Platz machte und meinen Sitzplatz wechselte. So kam ich neben einen vermutlich gleichaltrigen Herrn und eine junge Studentin zu sitzen.
Das mit der Studentin hatte ich durch die Ansicht ihres PCs erraten. Tatsächlich bestätigte sie meine Vermutung, dass es sich um Darstellende Geometrie-Programme handelte. Ich scherzte noch, dass ich dieselben Programme mit Tusche und Feder machen musste. Ein Fleck und man konnte Stunden an Arbeit wegwerfen. Sie war erstaunt und erstarrte fast in Ehrfurcht, als sie hörte, dass ich noch bei Wunderlich selbst in der Vorlesung war. Ich war überrascht, dass noch immer nach seinen blauen BI-Büchern unterrichtet wird. Noch überraschter war sie, als sie die Geschichten des Chauffeurs von Prof. Wunderlich hörte, der ja manchmal mit uns im Beisl neben der Technischen Hochschule (ja, damals war das noch Hochschule) auf seinen Boss wartete. Ein Hochschulprofessor mit eigenem Chauffeur, das war schon was.
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Langsam wurde auch der Herr ins Gespräch gezogen. Wir plauderten über Rechenschieber und das Auftauchen der ersten Taschenrechner von Hewlett Packard. HP-35, HP-45, später der HP-65 mit Magnetkarten. Er erzählte, dass er einmal eine ganze Prüfung ohne Taschenrechner rechnen musste, weil die Prüfungsaufsicht mitbekommen hatte, dass auf der Magnetkarte auch Formeln existierten:)
Nach einigen Minuten stellten wir uns dann einander vor. Wer ich bin, weiß man ja oder will es gar nicht wissen. Bei ihm muss ich es umschreiben. Er ist der Chef einer Abteilung einer sehr, sehr großen Firma, wo es sehr schwierig ist, die richtigen Ansprechpartner zu finden. Während ich noch auf der Suche nach einem gewissen „Peter“, der in Bratislava sein sollte, war, sprach ich jetzt mit seinem Chef, der mir die gesamte Struktur erklärte. Was ich eigentlich von Peter oder jetzt noch besser von seinem Chef brauche, ist ein Empfehlungsschreiben, dass ich „ein Guter“ bin. Denn so ein Schreiben wird mir wahrscheinlich einige Türen in meinem Arbeitsfeld öffnen.
Er war auch erfreut und bereit, dass wir uns einmal treffen und ich sehe diesem Treffen recht optimistisch entgegen.
Also das ich in dem Zug war, war schon ein ziemlich ungeplanter und fast auszuschließender Zufall. Aber auch er war in dem Zug nicht geplanterweise. Er hätte schon eine halbe Stunde früher fahren sollen, doch der frühere Zug war noch voller als unserer. Also beschloss er zu warten.
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Fazit: dass der Termin nicht zustande kam, war mir nicht sehr unangenehm. Ich frage mich, ob ich die Angelegenheit wirklich weiter verfolgen soll. Es handelte sich schließlcih um die dritte Verschiebung.
Die Kompensation, die ich erhielt, kann nicht nur mehr wert sein, sondern sie hob auch meine Stimmung ins Unermessliche.
So sehr, dass ich dann vom frühen Nachmittag bis heute fünf Uhr früh an einem Angebot gesessen bin, dass mittlerweile schon zum Kunden geschickt ist. Und eigentlich war ich bei den 23 Seiten gar nicht so langsam unterwegs.
Vielleicht kann man nachempfinden, was sich bei mir abspielt, wenn ich hoch motiviert bin:)
In einem Sammelband russischer Musik habe ich das entdeckt:
(allerdings nur das erste Stück, die Serenade)
Das gefiel mir und ich habe es für eine russische Gesellschaft geübt, allerdings noch nicht aufgeführt.
Auf youtube habe ich dann andere Stücke der petit suite von Borodin gehört, die mir auch gefielen. Am Freitag hab ich bei Doblinger angerufen, ob sie die Noten haben. Nicht lagernd.
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Heute sprach jemand vom Klavierauszug der Unvollendeten von Schubert. Ich hatte den, allerdings finde ich nur mehr einen Teil der Noten. Irgendwann war da der Hund (im wahrsten Sinne des Wortes) im Spiel. Während ich aber noch den Rest der Noten suchte, fiel mir die Petite Suite in die Hände. Ich hatte die Noten sogar.
Sofort setzte ich mich hin und nach einer Stunde hatte ich die Suite so recht und schlecht zweimal durchgespielt. Sofronitsky spielt die Mazurka 1 wesentlich schneller, als ich es für richtig empfinde. Leider habe ich den zweiten Teil seiner Einspielung nicht gefunden.
Aber das ist eine ganz allerliebste Reihe von Stücken. Das macht großen Spass es zu spielen.
Das sind die ersten drei Stücke davon. Jetzt fehlt also noch die Mazurka 2 und die Reverie. Aber um sich vorzustellen, wie der Stil der Stücke ist, reicht das Muster schon ganz gut.
Und das ist mein persönlicher Luxus, dass ich das erstens fast vor Mitternacht und zweitens praktisch vom Blatt spielen kann. Meine Freunde wissen, dass ich das nicht übertreibe.
Eigentlich könnte man am Samstag ruhen. Doch einen Gechäftstermin hatte ich noch. Einen angenehmen, nur eine Kontaktaufnahme mit einem sehr sympathischen Menschen.
Danach ging es zum Spaziergang im Kalemegdan.
Das letzte Mal als ich in Kalemegdan spazieren ging, (vor zirka 10 Jahren) fing die damalige Nierenkolik an und ich krümmte mich auf den Parkbänken vor Schmerzen.
Diesmal ging der Besuch glimpflich ab. Ein anschließender Besuch im Restaurant wirkte entspannend.
Ein Bild von Kalemegdan: (Ich habe viel mehr gemacht, die werden wohl auf fb zu finden sein.)
Etwas später ging es dann noch einmal zur orthodoxen Kirche, neben der sich die Nationalbibliothek befindet. Auf dem Bild sieht man aber hauptsächlich die Sonne.
Ganz ohne medizinische Interaktion ging es allerdings auch diesmal nicht ab. Eine Stunde verbrachte ich damit, meine Zahnderln computer-tomografieren zu lassen. (Das ist nur die Vorstufe zu einer Behandlung, die im April anfangen wird:)
Mit Interesse habe ich die Wahl verfolgt. Teilweise war das Interesse durch manche der Beiträge hier auf twoday geschürt, teilweise gab es aber noch ein Hühnchen mit den Herrschaften aus BW zu rupfen.
Ich habe nämlich einmal für eine bedeutende Firma in der Nähe Stuttgarts gearbeitet (damals 41000 Mitarbeiter, absolute Spitzenmarke) und habe die Hochnäsigkeit mancher Herrschaften kennen gelernt, die sehr gut mit dem Gebaren einiger CDU-Politiker übereinstimmt.
Im Zusammenhang mit der Atomkraftfrage fallen mir ohne Zusammenhang das Zögern Merkels anlässlich der Griechenlandkrise und anlässlich der Behandlung der Dr. zu Unrecht-Frage auf. Jede Handlung immer ein bisschen zu spät, immer mit dem Geruch nach Wahlstimmenfang behaftet und damit bar jeder Glaubwürdigkeit, die eine politische Verantwortung unterstellen könnte.
Manchmal habe ich das „Merkeltier“ (nicht von mir sondern von einigen deutschen Freunden so genannt) sogar verteidigt. Das fiele mir heute nicht mehr ein. Mir wäre ein Roboter an ihrer Stelle lieber. Den füttert man mit den Wahlstimmen, die für die jeweiligen Entscheidungen zu berechnen sind, und er trifft eine Entscheidung – schneller als es das MT kann und tut.
Insofern bin ich also mit BW jetzt sehr zufrieden.
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Die Frage bleibt aber: wird sich diese Stimmung halten können oder gehen wir nach drei Monaten wieder zur Tagesordnung über.
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Am Anfang des japanischen Unglücks hieß es ja noch, dass es keine Gefährdung für uns in Österreich gäbe. Wir werden uns aber noch wundern, wie sehr jenes Ereignis unser Leben noch beeinflussen wird. Mal sehen…
… wie für dumm man uns hält?
… wie hirnverbrannt Atomkraftbetreiber argumentieren?
Die folgenden Zitate stammen alle aus einem Standard-Artikel von heute, der sich vermutlich ja nur auf entsprechende Pressemeldungen offizieller Art stützt, die in erster Linie das repräsentieren, was der AKW-Betreiber von sich gibt.
Teilweise Kernschmelze in Block 2 in Fukushima…
Diese Frau ist teilweise schwanger.
AKW-Betreiber: Krise kann Jahre dauern…
bis alle Teile der teilweisen Kernschmelze verbraucht sind, oder was?
Tepco, hatte zuvor seine Angaben korrigiert und spricht jetzt noch von einer 100.000-fach höheren Konzentration als normal. Zuvor war gemeldet worden, die Strahlung sei 10 Millionen Mal höher als sonst.
Ein Faktor von 100 ist nur ein kleiner Rechenfehler. Das mit der Mathematik ist sowieso nicht so wichtig. Aber was soll es denn eigentlich bedeuten? 0 * 100.000 wäre noch immer 0, ist also gar nicht so schlimm. Was ist eine relative Angabe ohne Aussage über den Grundwert?
Laut Tepco könnte es sein, dass
Verstrahltes Wasser auch bei Reaktoren 5 und 6 …
Überraschung!!! So alle 7 Tage hören wir etwas von 5 und 6. Die sind zwar im Grunde genommen genauso gefährdet wie Reaktor 4, sind aber halt nicht „im Fokus“.
Tepco hat nun auch im Wasser in 30 Metern Entfernung der Reaktoren 5 und 6 erhöhte Radioaktivität gemessen. Die Werte radioaktiven Jods sollen 1.150 Mal über dem Normalwert liegen, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde am Montag mit.
Naja, sie hätten’s ja auch z.B. erst in 15 Jahren messen können. Die Krise dauert ja noch Jahre, siehe oben.
An den beiden Reaktoren wurden zur Zeit des großen Bebens am 11. März Wartungsarbeiten vorgenommen. Zuvor waren die Messungen nur südlich des Kraftwerks, vor den Reaktoren 1 bis 4 vorgenommen worden.
Vielleicht hätte man früher noch etwas eindämmen können, weil es anscheinend nicht so gefährlich erschien. Jetzt wird die Arbeit dort auch nicht mehr ganz leicht sein. Aber der Mensch kann ja nur eine Sache auf einmal ansehen.
…räumte der Tepco die unsicheren Aussichten für seine Versuche ein, eine Kernschmelze zu verhindern.
Wir haben doch schon gerade gelesen, dass eine teilweise Kernschmelze bereits im Gange ist. Wie verhindert man etwas, was schon da ist?
Die Antwort wäre wertvoll: wie verhindert man einen Grasser oder einen Strasser?
Leider gebe es keinen konkreten Zeitplan, um klar zu sagen, in wie vielen Monaten oder Jahren die Krise vorbei sei, sagte der Tepco-Vizepräsident Sakae Muto.
Ist ja irgendwie schon nett, wenn die Leute von Plänen sprechen. Bis jetzt gab es überhaupt keinen Plan sondern nur unmittelbares adhoc-Reagieren auf das, was gerade in den nächsten 5 Sekunden drohte.
Die Excel-Sheets mit den zu erwartenden Gewinnen und den Einsparungsgewinnen, wenn bestimmte Kontrollen nicht gemacht werden, – die wurden allerdings exakt geplant.
Und jetzt bitte AKW-Betreiber der westlichen Welt vor den Vorhang! Was hätten ihr geplant? Ein kleiner Solidaritätsakt wäre doch nett, wenn ihr euch alle selbst aufhängt.
UND 39% FÜR EINEN MAPPUS SIND NOCH IMMER ZUVIEL. DER TYP UND DIE 39% GEHÖREN AUF EINE VERGNÜGUNGSFAHRT NACH FUKUSHIMA GESCHICKT. ICH GLAUBE NICHT, DASS ES 39% SUPERREICHE IN BW GIBT. DASS DIE EINEN MAPPUS WÄHLEN, KANN ICH NOCH VERSTEHEN. ABER ALLE ANDEREN SIND GENAUSO BLÖD, FÜR WIE MAN SIE TATSÄCHLICH HÄLT!
UND EIN PAAR ÖSTERREICHER FALLEN MIR IN DEM ZUSAMMENHANG AUCH EIN…
Durch Zufall erfahre ich beim Zappen, dass es einen Star gibt, dessen Video auf youtube 5*10^8 mal angeklickt wurde. D.h. ungefähr jeder 15. Erdenbewohner hat das Video angeklicht. Ich nehme aber einmal an, dass es da auch Fans gibt, die sich das mehrfach ansehen.
Jetzt kommt aber die Überraschung: der Typ, Justin Bieber, ist überholt worden von Rebecca Black. So lese ich es im Standard.
Obwohl Rebecca Black nur ungefähr 5*10^7 mal angeklickt wurde, hat sie mehr Ablehnungen erhalten als er und führt damit in der „Ablehnungsliste“ mit 1,2*10^6 im Vergleich mit 1,17*10^6, die Bieber aufweist.
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Offen gestanden gebe ich bei diesen Klickzahlen den Lehrern überhaupt keine Chance mehr, bei der Mehrzahl der Jugendlichen etwas erreichen zu können. Die Beeinflussung findet im Netz statt. Kurz, knackig, zum Nulltarif. Bunt, von Leuten des eigenen Alters …
Also ich bin schon überrascht.
5*10^8 sind 500 Millionen. Das Umrechnen der anderen Zahlen überlasse ich als Rechnenaufgabe. (Eine zeitbezogene Rechenaufgabe, vielleicht für PISA verwendbar:)
Nein, das wird keine Hommage.
Das ist ein einfacher Tagebuch-Eintrag.
Was sich allerdings auf Bloggen etc. bezieht, habe ich für ökonomische LeserInnen fett hervorgehoben.
Ich war ja eigentlich nicht da. Ich hatte mich schon lange vorher für allfälliges Fernbleiben entschuldigt. Von einer Nürnbergreise zurückkommend wäre es sich nicht ausgegangen. Ich hätte hingewollt und hätte auch die beiden anderen Termine, die ich an dem Abend hatte, (schließlich war es ein Donnerstag) zugunsten eines Besuchs geopfert.
Und dann gab es noch weitere Hindernisse.
Zwar konnte Zugreise zurück nach Wien früher angetreten werden als ursprünglich vorausgesehen. Trotzdem war ich von dem Tag und dem Tag davor saumüde. Vieles sprach dafür, vom Westbahnhof direkt nach Hause zu fahren und mich einfach niederzulegen.
Dann lockte die Möglichkeit. Nun war ich allerdings zu früh dran, also ließ ich mich von meinem Chef nach Hause einladen. Dort waren Kinder und eine weitere Mutter eines Schulkollegen des Sohnes meines Chefs.
Ich durfte mir die neuen Märklin-Lokomotiven ansehen. Doch als ich termingerecht wegmusste, war ich bereits als Vorleser von mindestens einem Astrid Lindgren-Buch verhaftet. Zum fantastischen Abendessen wurde ich genötigt.
Ich raffte mich dennoch auf, bestieg ein Taxi und fuhr in den zweiten Bezirk. Den Ort fand ich wohl, doch die Haustür war zugesperrt. Das hindert mich im allgemeinen nicht, trotzdem einen Einlass zu finden. Aber ich war hundsmüde, jetzt erst recht. Fünf Minuten gab ich mir noch, dann würde ich mich heimwärts trollen. Doch es öffnete sich die Tür und B.K. kam heraus, die mich begrüsste und darauf hinwies, dass es eine Überraschung gäbe.
Und dann war ich plötzlich mitten im Geschehen, günstigerweise war ich gerade in der Pause gekommen und konnte den zweiten Teil ungestört genießen.
Ich ging sogar noch mit zum Aprés-ski, doch dann siegte die Vernunft und ich verließ eine fröhliche Runde bereits vor Mitternacht. Es war nicht die letzte U-Bahn, die mich heimwärts führte. Ich war recht aufgedreht von den vergangenen Stunden. Der Nachtschlaf wurde durch das Wecken meiner Frau unterbrochen, die mir zum Hochzeitstag gratulierte. Feiern werden wir morgen. Den Hochzeitstag hatte ich nicht vergessen, aber ich war noch total benommen, als ich in der Früh aufwachte. Unter der Dusche stehend fiel mir ein, dass da ja noch etwas war. Genau. In einer Stunde sollte ich eine bzw. zwei Vorlesungen halten. Und meinen Rechner hatte ich beim Chef gelassen.
Trotzdem ging sich noch alles aus. Die Vorlesungen habe ich auch auf einem USB-Stick.
Weiter ging es am Nachmittag mit dem allgemeinen Jourfixe in unserer Firma, üblicherweise am ersten Freitag des Monats. Jetzt bin ich zuhause.
Die letzten Tage waren intensiv.
Aber was war denn jetzt gestern wirklich los?
Das ist dort, dort und dort viel besser beschrieben.
Mir bleibt ein autorisiertes Bild und die Erinnerung an einen Brief, den ich zwar hier schon gelesen hatte, welcher durch den Vortrag aber sehr an Dichte und Präsenz gewonnen hat. Durch das Lesen der Autorin wurde aus einer guten Geschichte eine Botschaft, die sich nicht nur an das adressierte Kind richtet. Wenn ich eine Empfehlung aussprechen darf, so sollte die Geschichte noch einmal gelesen und aufgenommen werden. Sound allein reicht durchaus. Und dann als Podcast veröffentlicht.
Vielleicht trifft das sogar auf alle Geschichten des gestrigen Abends zu. Doch bei dieser einen speziellen Geschichte wirkt das Vorlesen so, als würde eine Sonne aufgehen. Eine äthiopische, keine Tiroler oder Wiener. So eine richtig warme.
Beim kurzen Zappen bin ich heute auf das Ende eines deutschen Films gestoßen, „ich leih mir eine Familie“.
Die Oma im Spital ermahnt den Enkel, endlich erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen.
Sie sagt: „Ich sehe zwei Männer vor mir. Einen, der du bist, und einen, der du sein kannst.“
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Das hat mich berührt. Zwar gibt es Menschen, die anscheinend so sind, wie sie sein könnten. Für mich nehme ich das aber nicht in Anspruch. Ich könnte anders sein, ich könnte besser sein. (Es geht jetzt nicht um eine Abhandlung über meine Person.) Beim Nachdenken fällt mir folgende Parallele auf. Um so zu sein, wie man sein könnte, muss man sich bemühen. Man muss sich strebend bemühen. Und da landen wir beim Ende von Faust-I: Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.
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Ist es schwer, diese Aussage zu akzeptieren? Für mich klingt sie richtiger als die Suche nach Selbstverwirklichung. Oder bin ich da schon zu alt?
Ich habe jetzt wieder einmal gesucht: der bewusste Film ist in mehreren Filmdatenbanken erwähnt. Auf Wikipedia findet sich der Satz:
Unglücklicherweise geriet sein nächster Film, Der Tag, an dem die Fische kamen (The Day the Fish Came Out) von 1967 mit Tom Courtenay, zu einem künstlerischen und finanziellen Fiasko.
Er kam 1967 heraus, drei Jahre nach dem großen Erfolg von Alexis Sorbas, der vom gleichen Regisseur Michael Cacoyannis produziert wurde.
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Ich hatte den Film auf der „Technischen Hochschule“ (so hieß sie damals noch) 1971 gesehen und war begeistert. Ich bin da offensichtlich ein wenig verquer und kontra gegenüber dem Mainstream eingestellt.
Im Film wird ein nur relativ kleiner Behälter mit einer radioaktiven Substanz über einer Insel verloren. Ein Fischer, der darin einen Schatz vermutet, schafft es, die Sicherheitsverschlüsse zu öffnen. Der darin befindlichen Klumpen gerät in einen Wasserlauf, der sich munter seinen Weg zum Mehr bahnt. Während die Hotelgäste sich von einer rauschenden Feier erholen, bringt der neue Tag die toten Fische an den Tag, die mit dem Bauch nach oben von den Auswirkungen der Katastrophe Zeugnis geben.
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Heute zitiere ich nur aus dem neuesten ORF-Online-Bericht:
Aus einem Reaktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima I gelangt offenbar stark radioaktiv verseuchtes Wasser ungehindert ins Meer. Grund dafür ist ein Leck, das nach Angaben der Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (TEPCO) im Betonboden von Reaktor 2 entdeckt wurde.
…
Die Srahlung des in dem Schacht befindlichen Wassers betrage etwa 1.000 Millisievert pro Stunde. An drei Messpunkten etwa 15 Kilometer vor der Küste solle nun die Strahlenbelastung im Meerwasser neu gemessen werden, hieß es. Geprüft werden soll zudem, ob es weitere undichte Stellen an einem der vier Unglücksreaktoren von Fukushima I gibt.
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Dass die Fische sich so schnell zeigen werden, vermute ich nicht. Doch irgendwie hat der Film endgültig seinen Science-Fiction-Charakter verloren.
Als kleine Zusatzinformation:
http://tvthek.orf.at/programs/1328-Weltjournal/episodes/2092505-Weltjournal
