Archiv für Januar, 1970
Beim Zappen durch die Fernsehkanäle bin ich an einer Szene hängen geblieben, die mich veranlasst hat, den Kanal zu wechseln und noch einmal zurück zu schalten, um den Titel zu lesen, der nur beim Wechsel angezeigt wird.
Ein bisschen konnte ich mir den Titel schon zusammen übersetzen, und dann war ich ziemlich sicher, was es war, weil ich Paul Giamatti nur in dem einen Film gesehen hatte. (zumindest bewusst) Der englische Titel heißt sideways und handelt von zwei Freunden auf einer Reise durch Kalifornien. Wein spielt dabei eine große Rolle.
Mich hat überrascht, dass ich – neben dem englischen gesprochenen Wort – soviel der serbischen Untertitel verstanden habe. Sehr viel vom Dialog ist mir hängengeblieben, weil ich vor acht Jahren doch eine Frau geliebt habe, die mir ein Naheverhältnis zum Wein anerzogen hat.
Eines meiner beliebtesten Zitate aus dem Film behandelt den Unterschied zwischen Pinot Noir-Trinkern und Cabernet-Sauvignon-Trinkern. „Die Pinot Noir-Trinker verstehen die Frauen.“ – „Die Cabernet Sauvignon-Trinker bekommen sie.“
Ich habe den Film mit großem Genuss wieder angeschaut – und vielleicht konnte ich mich dem enthaltenen Humor noch besser als vor acht Jahren hingeben.
Die Schauspielerin Virginia Madsen hat mich sehr an Faye Dunaway erinnert, die mich in vielen Filmen begeistert hat. Den Film Arrangement den ich als sehr junger Student sah und vermutlich gar nicht in der Lage war, ihn richtig zu verstehen, hat die Begeisterung für die Schauspielerin geweckt.
In Wikipedia steht, dass der Film in Amerika kein Erfolg, in Europa hingegen schon. Klar, eine eindeutige Kritik am American Way of Life. Allerdings gab es damals mehrere solche Filme. Irgendwie verwandt erscheint mir da Fellinis 8-1/2 oder später die „Dinge des Lebens“ mit Piccoli und Romy Schneider. Irgendwie haben aber diese Art der Filme doch auch mein Leben beeinflusst, ein gewisser Hang zur Romantik muss da schon genährt worden sein.
Eigentlich ist der 1. April viel wichtiger. An dem Tag haben wir vor 38 Jahren geheiratet.
Frau Columbo ist nach einem ausgiebigen Frühstück mit den Enkelkindern unterwegs. Ich freue mich in der Zwischenzeit daran, dass die Kondition zum Klavierspielen wieder reicht.
http://youtu.be/djxNzXc8gI8 wird vermutlich in einer halben Stunde sichtbar werden.
Zur Zeit spiele ich relativ viel Beethoven, wenn ich zuhause bin. (Am Liszt wird derweilen weiter geübt.)
Das ist eine meiner Lieblingssonaten. Nicht ganz einfach, aber spielbar. Mit sanften Melodien im ersten Satz, lustiger „Orchestrierung“ im zweiten Satz und viel Spass im dritten Satz. Der vierte Satz swingt, aber der lässt sich noch nicht hören.
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Am Abend werden wir zum Plachutta essen gehen. Der heutige Tag ist der Muße gewidmet.
Diesen Text bekam ich zugeschickt. Gut der Titel ist vermutlich bereits irgendwo enthalten.
Dear costep,
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Sincerely,
– The YouTube Team
Dass sich Warner Chappell and Music Publishing Rights Collecting Society erfrecht, den Titel als eigenes Werk auszugeben, zeigt die verschissene Patentrechts- und Urheberlogik amerikanischen Ursprungs.
Beethoven ist tot, lange schon, die gedruckten Noten sind mehr als 70 Jahre alt, Mein Bösendorfer ist 98 Jahre alt, und ich selbst habe die Einspielung verfertigt.
Was masst sich hier eine Firma an Copyrights-Rechten an, weil ein ursprünglicher Filename vielleicht identisch ist?
Jetzt hätte ich gerne einen amerikanischen Rechtsanwalt bei der Hand, der die Firma auf 200 Millionen US$ Kompensation wegen falscher Anschuldigung etc. verklagt. Und ich gebe gerne 180 Millionen von meinem Gewinn ab.
Ich kann auch noch nicht einmal an youtube antworten, weil die Mail per noreply kam.
Pianist wurde.
Ich war zehn Jahre alt und das erste Jahr in der Musikschule. Vorher hatte ich schon 5 Jahre mit meinem Vater vierhändig gespielt und bei einer Privatlehrerin drei Jahre lang Unterricht gehabt. Sie hatte ziemlich pragmatisch unterrichtet. Es gab auch kleine Abschlusskonzerte, aber sie konnte mich musikalisch überhaupt nicht mitreißen. Es ging nur darum, ob ich etwas spielen konnte. Ich fühlte, dass einfach mein Üben überprüft wurde.
Als ich eine Stunde schwänzte, machte mir mein Vater klar, dass die Stunden ziemlich viel Geld (für damalige Verhältnisse) kosteten. Ich fühlte mich nicht besonders gut dabei.
Da ich aber eben zu jener Zeit von der Volksschule zum Gymnasium wechselte, war auch eine Bewerbung bei der Musikschule möglich. Die war vergleichsweise nur ein Viertel so teuer, aber wie sich herausstellen sollte, unvergleichlich besser.
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Das lag daran, dass ich zu meinem inzwischen verstorbenen Klavierlehrer kam, der damals auch der Direktor der Musikschule wurde.
Dieser Mann war eine Seele von Mensch. Ich musste zu 80% die gleichen Stücke wie bei der Klavierlehrerin üben,doch die Korrekturen von ihm waren einfach anders. Ganz wenige Hinweise, die aber so prägend waren, dass sie mir heute noch geläufig sind. Dann war er auch ein ausgezeichneter Musiker und Pianist und konnte mit seinen großen Pratzen alles so vorspielen, als wäre es das leichteste von der Welt. Manchmal brachte er mich auch seinen Forschungen nahe. Dann musste ich wegsehen und er schlug einen Akkord am Klavier an, der wie eine Kirchenglocke klang. Er analysierte Klänge auch in ihren physikalischen Eigenarten und damit konnte er die unglaublichsten Effekte auf dem Klavier zaubern.
Er hätte es gerne gesehen, wenn ich auf die Musikakademie gegangen wäre. Dass es nicht dazu kam, war aufgrund einer Erfahrung ausgeschlossen, die ich bereits im ersten Schuljahr machte.
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Es gab jedes Jahr zu Ende des Schuljahres zwei Schülerkonzerte. Eines im Bezirk anlässlich der Wiener Festwochen, ein zweites im Musikkonservatorium in der inneren Stadt. Das war irgendwie das Konzert mit der „größeren Bedeutung“.
Am Konservatorium gab es nämlich einen Bösendorfer. Ich glaube das war nur ein 2-Meter Flügel für einen Saal, der immerhin 200 Personen fasste. (Also eigentlich war der Flügel zu klein…)
Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, endlich auf einem Bösendorfer spielen zu dürfen. Bei meiner Tante, die einen hatte, durfte ich nicht ans Gerät. Unser eigener Flügel war ein Wiener Flügel mit ziemlich ausgeschlagener Wiener Mechanik und der Flügel in der Musikschule war ein Schweighofer mit englischer Mechanik, den ich nicht so toll einschätzte. (Was eigentlich ein Irrtum meinerseits war, denn Schweighofer war eine durchaus achtenswerte Wiener Klavierfirma, die viel zu früh ihr Dasein beendete.)
Jedenfalls war ich bei der Generalprobe ganz aufgeregt. Endlich sollte mein Klavierspiel so klingen, wie ich es immer im Radio bei Übertragungen von Klavieraufnahmen gehört hatte.
Ich schlug den ersten Akkord von Beethovens Sonate op. 49/2 an. (Ein vergleichsweise leichtes Stück) Ich war überrascht. Das klang nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Überhaupt nicht so. Heute weiß ich, wie Klavieraufnahmen durch die Tontechnik ziemlich unterschiedlich klingen und vor allem, dass der Spieler nie das gleiche Klangspektrum hört, welches zum Publikum hin ausstrahlt. Das alles wusste ich nicht. Ich zog nur eine Schlussfolgerung: ich werde nie so gut sein wie ein professioneller Pianist.
Und das war es dann. Ich mochte das Spielen und wie bekannt habe ich nie damit aufgehört. Als ich später bei Bösendorfer arbeitete, erfuhr ich, dass ich eine fehlerhafte Einschätzung vorgenommen hatte. Auf den fabrikneuen Flügeln in unserem Vorführraum konnte ich sehr wohl den Klang erzeugen, ja mehr noch: ich konnte Flügel so anspielen, dass der eine besser als der andere (billigere) klang. Das ist aber eine ganz andere Geschichte.
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Heute habe ich mich hingesetzt und einfach die Sonate an- und eingespielt. Auch auf meinem Flügel klingt sie nicht so wie im Radio. Der gehört auch gestimmt und ein bisschen heller gemacht. Trotzdem bin ich mittlerweile mit dem Klang zufrieden.
So verändern sich die Zeiten.
Heute lese ich, dass drei Wiener Museen im Google art project vertreten sind.
Ich freue mich, dass ich hier mein absolutes Lieblingsbild vorfinde.
Zu Italien habe ich eine gemischte Beziehung. Einerseits kann ich mich dem Genuss hingeben, andererseits habe ich auch viele Vorbehalte, die hier nicht erwähnt werden sollen.
Viennacat hat hier über eine Salongesellschaft geschrieben, die unter dem literarischen Titel stand: „warum es sich zu leben lohnt“.
Ich habe nachgedacht, ob ich zu dem Thema etwas Passendes zu sagen hätte. Nach meiner ureigenen Lebensauffassung ist die Fragestellung einfach nicht richtig. Leben ist eine Kategorie und ein Zustand, den man erlebt. Ich sehe keine erstrebenswerten Ziele, die mir zu sagen erlauben würden, deswegen lebe ich. Es gibt wunderschöne Dinge in meinem Leben, meine Frau, meine Kinder, meine Enkelkinder, die vielleicht als Begründung heran zu ziehen werden. Doch ich könnte mir keine Lebensplanung vorstellen, die unter dem Aspekt steht, dass ich deswegen gelebt habe. (Obwohl das vielleicht stimmen mag.)
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Doch heute habe ich beim Nachhausekommen den Fernseher aufgedreht und einen Film aus dem Jahr 1953 mit Ingrid Bergman entdeckt. Der Film ist von Rosselini gedreht und trägt den Titel „Reise in Italien“ oder auch „Liebe ist stärker“.
Bei der Szene, die ich beim Einschalten gesehen habe, schwärmen Italiener bei einer Abendgesellschaft über das „Dolce far niente“. Sie verneinen, dass es sich ausschließlich um Faulheit handle. Und das stimmt wohl. Selbst Goethe hat im Schatzgräber die Zeile „Saure Wochen, Frohe Feste“ als Maxime erhoben.
Ich musste beim Ansehen dieser Szene an den Eintrag bei viennacat denken.
Sich treiben lassen und gleichzeitig die Kontrolle behalten, könnte ich als „Freiheit“ definieren. Und darum lohnt es sich zu leben, wenn man sich diese Freiheit erobern und bewahren kann.
Ich habe es ja 2007 aufgegeben, selbst Auto zu fahren und den Entschluss bisher nie bereut. (Es soll gesagt werden, dass ich einmal ein fanatischer Autofahrer war und ungefähr 2 Millionen Kilometer abgespult haben muss. Schließlich leben neben Dienstreisen auch viele Verwandte mehr als tausend Kilometer entfernt.)
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Es ist also nicht verwunderlich, dass ich jetzt sehr für die Investition in öffentliche Verkehrsmittel, darunter auch die Eisenbahn, eingenommen bin. Wie die Planung der ÖBB funktioniert, ist nicht immer ganz nach zu vollziehen, aber man kann da die Schuld auch relativ leicht bei den Politikern suchen. (Außerdem bin ich der Sohn eines Eisenbahners, das mag auch prägen:)
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Meine am Computer bedingte Freizeit verbringe ich momentan damit, chinesische Vokabeln zu lernen, was mir einfach Spass macht. Doch gestern wurde ich abgelenkt.
Ein Artikel im „Standard“, geschrieben von einer ÖBB-Hasserin Lusie Ungerboeck, die an allem etwas auszusetzen hat, zeichnet sich wie viele andere Artikel von ihr dadurch aus, dass er ungenau und fehlerhaft recherchiert ist. (Dass die Qualität des „Standards“ allgemein den Bach hinunter geht, wird mich doch noch zur Abbestellung des Abonnements verleiten.)
Die Fehler werden von ein paar Eisenbahn-Liebhabern in den Kommentaren gnadenlos aufgezeigt.
Ob die Kommentatoren recht haben, musste ich natürlich erst überprüfen. Und jetzt ergab sich eine Surfkette, die am Ende zu einer Seite geführt hat, die vielleicht für die LeserInnen, die es bis hierher geschafft haben, interessant sein dürfte.
Also zuerst einmal habe ich die Triebwagen-Baujahre kontrolliert. (Die waren ja falsch angegeben – mit Tendenzabsichten.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Lokomotiven_und_Triebwagen_der_%C3%96BB
Dabei erinnerte ich mich an den Triebwagen 4010, der vom Transalpin verwendet wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Transalpin_(Zug)
Das war ein geschichtsträchtiger Zug, in dem wir mit Regiefahrkarten nicht fahren durften, was ihm einen unheimlich Nimbus in meinen Kinderaugen verlieh.
Ebensowenig durften wir im „blauen Blitz“ (Wien – Venedig) und im „roten Blitz“ (Wien – Berlin), auch als Vindobona-Express bekannt fahren. (Das habe ich kürzlich nachgeholt, auch wenn der Express kein Triebwagen mehr ist.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Vindobona_(Zug)
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Es ist erstaunlich, mit welcher Liebe die Informationen in Wikipedia zusammen getragen sind.
Aus irgendeinem Grund erinnerte ich mich und suchte nach dem Orient-Express.
http://de.wikipedia.org/wiki/Orient-Express
Darüber gibt es nun jede Menge Information. Der Zug ist nicht nur durch die Romane von Graham Greene und Agatha Christie bekannt. Durch die lange Strecke war er auch ein Gradmesser politischer Entwicklungen.
Ich weiß nicht, mich muss der Teufel geritten haben, denn jetzt suchte ich auch nach der Transsib.
http://de.wikipedia.org/wiki/Transsibirische_Eisenbahn
Wie ich schon einmal geschrieben habe, wollte ich immer damit fahren und habe irgendwann den Wunsch aufgegeben, weil ich sowohl in der russischen Eisenbahn als auch in der chinesischen lange Strecken zurückgelegt habe.
Sieht man sich aber den Wikipedia-Beitrag an, kann man von den Distanzen und dem Kreuzen von sieben Zeitzonen nur fasziniert sein.
Doch das Beste kommt erst. Google hat mit der russischen Eisenbahn etwas auf die Beine gestellt, was nur mehr durch die echte Reise übertroffen werden kann:
http://www.google.ru/intl/ru/landing/transsib/en.html
Mein Rat: schauen Sie sich das an. Entweder das sagt Ihnen überhaupt nicht zu oder Sie werden fasziniert sein.
Sie können eine Fahrt in Echtzeit mit Blick aus dem Fenster verfolgen, (so viel Zeit hat wohl keiner) Sie können aber auch einzelne Punkte der Reise ansteuern und sich die Fahrt über die Wolga, entlang des Baikalsees oder das das Einlaufen in Wladiwostok mit eigenen Augen ansehen.
Dazu bekommen Sie das Fahrgeräusch oder auch russische Radio mitgeliefert. Wenn Sie russisch verstehen, können Sie sich auch ein Hörbuch vorlesen. Ich empfehle die toten Seelen von Gogol.
Warnung: es könnte etwas Zeit kosten, hier hinein zu riechen, denn die Google-Karten sind mit Fotos und Videos markiert, in denen Sie sich ein noch besseres Bild machen können.
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Ehrlich gesagt, ich war überwältigt. Ich dachte, dass ich kurz nach eins schlafen gegangen wäre. Doch meine Frau machte mich aufmerksam, dass ich erst um drei Uhr ins Bett gekommen bin.
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Die Entscheidung treffen Sie, ob Sie das Risiko eingehen wollen, die Seite aufzurufen.
Heute habe ich die zwei Tage wettgemacht, die ich unter der Woche nicht bei memrise investieren konnte.
Immerhin bin ich momentan 1. bei der Tageswertung, 30. bei der Wochenwertung und 25. bei der Monatswertung. Das finde ich schon ok.
Da ich heute (23:00) 1011. bei der Allzeitwertung bin, werde ich morgen mein Ziel, unter die ersten 1000 zu kommen, wohl erreichen.
Zur Zeit lerne ich Mandarin und Serbisch. Ich habe auch ein eigenes Serbisch-Vokabular angelegt und versuche jetzt dieses zu ergänzen. Allerdings muss ich mir da die Serben zur Kontrolle nehmen, damit ich die serbischen Worte sowohl richtig als auch im Nominativ angeben kann. In erster Linie handelt es sich um Fachvokabular und ich weiß schon genau, was ich da lernen will.
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Dann habe ich mir noch Mathematikkurse angesehen. Bis auf einen Statistik-Definitionskurs sind das alles Trivialfragen, die man höchstens zum Punkte sammeln verwenden kann. Der Statistikkurs ist insofern interessant, als die Formeln in LateX angegeben sind und man auf diese Weise ein bisschen die Formelsyntax überprüfen kann.
Bei den 400 Mandarin-Worten fange ich jetzt langsam an, langsamer zu werden. Zu viele Wörter haben die gleiche phonetische Beschreibung, das macht mir ein bisschen Schwierigkeiten.
Die englische Lautschreibweise ist unterschiedlich zur deutschen Umschreibung. Das habe ich gestern im Tsing-Tao-Restaurant hinter dem Westbahnhof feststellen können.
Tsing wird nämlich genauso geschrieben wie „qing1“ und zwar mit einem dünnen „dsch“, so halt ein bisschen gezischt. Aber das Wort „grün“ war auf der Speisekarte eindeutig zu erkennen. Wie auch „Soja Sauce“, „Rind“, „Schwein“ und ein paar essensspezifische Vokabel.
Von Verstehen ist allerdings noch keinesfalls die Rede. Allenfalls freue ich mich, wenn ich bei den Gesprächen an den Nebentischen ein oder zwei Worte eindeutig zuordnen kann, d.h. aus der Aussprache zu schließen glaube, welches Wort gesagt wurde.
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Beim Serbischen ist es anders. Da werde ich von den gelernten Worten schon profitieren können. Allerdings weiß ich noch nicht, wo ich am besten „Japanke“ anbringen kann.
Das heißt nämlich Stringtanga:)

wünsche ich allen, die hier lesen und auch ein paar, die hier nicht lesen:)
Nach dem Osterbrunch spielte ich meiner Schwiegertochter die Waldsteinsonate vor. (nicht aufnahmereif:)))
Sie ist eine meiner Lieblingssonaten und ich habe viel Zeit darauf verwendet, sie einmal so halbwegs vortragbar zu üben.
Einmal habe ich Gulda auch live mit der Sonate gehört. Damals war ich vielleicht 20 Jahre alt. Sein Tempo, das manche vielleicht als zu schnell erachten, ist genau das Tempo, welches ich im Ohr habe.
Ich glaube, Joachim Kaiser hat einmal geschrieben, dass die Pathetikque und die Waldsteinsonaten eine Gemeinsamkeit haben: der Pianist muss über die Grenzen der Spielbarkeit hinausgehen. Hat er einen guten Tag, wird es eine großartige Darbietung, sonst halt Pech gehabt.
Aber die Sonate und speziell diesen Satz zu spielen vermittelt das Gefühl, fliegen zu können. Man gibt sich der Musik hin und lässt die Finger machen, was sie können.
Ich schreibe diesen Text nicht, um mich zum zehnten Mal zu wiederholen. Aber meine Beschäftigung mit dem Vokabellernen auf memrise zeigt mir, dass ein ungemeines Lernpensum möglich ist, wenn nur die Lerneinheiten klein genug sind. (Bei Chinesisch bin ich mit 10 neuen Vokabeln durchaus ausgelastet, bei Serbisch dürfen es auch 30 sein. Doch in der Beschränkung liegt die Stärke.)
Im Standard lese ich heute über die Angst der LehrerInnen vor der Zentralmatura. Besonders oder auch speziell Mathematik wird da als Beispiel herangezogen.
Vor wenigen Wochen wurde ein Kommentar von mir aufs Heftigste kritisiert, in dem ich behauptet habe, dass man den Unterricht so gestalten könne, dass man nur 5 Minuten Stoff vorträgt und den Rest über Rechnen an der Tafel erledigt, wobei jeder Schüler, auch die schwachen drankommen. Denn nur dann stellt man fest, wo die eigentlichen Verständigungsschwierigkeiten her rühren. Bin ich doch tatsächlich von einer Professorin, die wie sie selbst behauptet 32 Jahre BHS-Lehrerfahrung hat, angegriffen worden, dass es unmöglich sei, etwas in fünf Minuten zu erklären. Jemand hat mir dann ein typisches PISA-Problem aufgegeben und mich gefragt, wie ich das mit Mitteln des Unterstufenstoffs überhaupt erklären könne. Meine Antwort war ein Zehnzeiler, der das Problem lösen konnte. Aber seither habe ich nichts mehr von dem Leser gehört.
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Gestern lese ich auf Facebook ein Einsteinzitat: wer etwas nicht einfach erklären kann, hat den Stoff selbst nicht kapiert. Obwohl ich nicht jedes Einsteinzitat mag, kann ich dem zustimmen. Dazu passt auch Coelho, (den ich sonst auch nicht mag) dessen (hier sinngemäße) Aussage auf einer Tafel vor dem Stift Göttweig zu lesen ist: „Wenn man etwas wirklich gut verstehen will, muss man es lehren können.“
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Das bringt mich auf eine Erweiterung meiner „pädagogischen“ Erkenntnisse. In der heutigen Zeit klagen die Eltern darüber, dass sie nicht mehr verstehen, was die Jugend lernt. (Ehrlich gesagt trifft das auf mich nicht zu, aber das ist ein anderes Kapitel.)
Jetzt könnte der Unterricht so aussehen:
1) 5-10 Minuten Frontalvortrag
2) 30 Minuten Rechnen an der Tafel
3) 5 Minuten Sammeln der Fragen, die vom letztmaligen Stoff übrig geblieben sind.
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Als Hausaufgabe gibt es für Mathematik ein Pensum von 30 Minuten Beispiele rechnen und 15 Minuten, der Mutter oder dem Vater erklären, was man genau in dieser Stunde gelernt hat. In einem Logbuch schreibt dann der Erziehungsberechtigte entweder ein ok-Hakerl oder einen Satz, was nicht verstanden wurde.
Ich glaube, dass hier mehrere Fliegen mit einem Schlag erledigt werden. Soziale Interaktion, familiäre Bindung und stark verbesserter Lernerfolg.
Wenn die Eltern da nicht mitspielen, (aus dem vielgepriesenen Zeitmangel heraus) brauchen sie sich auch sonst nicht aufregen, wenn das Kind irgendwann den Anschluss verliert.
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Ich stelle die Notwendigkeit, etwas gut erklären zu können, auch bei mir selbst fest. Es gibt Mathematikinhalte der höheren Mathematik, über die ich mich hinweg geschummelt habe. Wenn sie aber wie bei David Foster Wallace gut und teilweise witzig beschrieben sind, mache ich mir auch die Mühe, einen Beweis nachzuvollziehen, von dem der beweisführende Cantor selbst an Dedekind geschrieben hat: „Ich sehe meinen Beweis, aber ich kann ihn nicht glauben.“
