Fischers Fritz fischt usw.

Jeder kennt Zungenbrecher.
Das gibt es auch am Klavier. Ich kämpfe gerade mit zwei Takten einer Variation von Beethoven.
Technisch gesehen sind diese Takte alles andere als schwer. Gut, jeder Ton steht für sich innerhalb einer Fuge, das ganze ist vierstimmig.
Ich kann die Stelle weder im Kopf auswendig noch mechanisch. Sie will einfach nicht hinein. Ich könnte die Noten aufschreiben. D. h. ich kann sie ganz langsam nachempfinden. Doch ich kann sie nicht langsam spielen. Vielleicht muss ich es noch langsamer angehen.
Wahrscheinlich wird es morgen (bzw. heute am Tag) kein Problem mehr sein. Aber mich fasziniert das „Zungenbrecherische“ an der Stelle. Man könnte ja auch sagen: Kontrapunkt vom Feinsten und Modernsten.
Die Stelle:



vorher und nachher:

Zugeworfenes Stöckchen

Ich habe ein Stückchen von Frau Frogg zugeworfen bekommen. Die Fragen sind gar nicht so uninteressant!
– Eine Abenteuerreise wartet auf Sie. Was wäre für Sie das absolute Abenteuer?
Für das absolute Abenteuer bin ich mittlerweile zu feig. Bis vor wenigen Wochen dachte ich noch an das Ansparen für eine Reise in die Antarktis. 27.000€ für etwas mehr als einen Monat. Ich habe aber erfahren, dass es so stark wetterabhängig ist, ob man überhaupt vom Schiff herunter kommt. Für „absolute Abenteuer“ bin ich mittlerweile zu feig geworden.
– Sie dürften bestimmen, wer eine Spende von 10000 € bekommt. Wer wäre das und warum?
Das ist einfach: es wäre Ärzte ohne Grenzen. Prinzipiell gäbe es eine Reihe von Hilfsorganisationen. Da ich aber denke, dass es besser ist, nur an wenige zu spenden, um die Verwaltungskosten niedrig zu halten, gibt es für mich nur zwei Organisationen, denen ich regelmäßig etwas zukommen lasse: Ärzte ohne Grenzen und CARE.
– Für einen Tag dürften Sie in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen. Von wem wüssten sie gerne, wie sich sein Leben anfühlt?
Diese Frage kann ich nicht beantworten. Es gibt ein Buch „Wenn ich du wäre“ von Julien Green. Dieses hat mich sehr beeindruckt. Man kann sich nicht vorstellen, mit welchen Problemen andere Personen kämpfen. Ich bin zufrieden, wenn ich mit meinen eigenen Problemen zurecht komme. Aber Richard Strauss könnte ich mir vielleicht noch vorstellen.
– Und welches Tier wären Sie gerne, wenn das möglich wäre?
Ein Delfin. Angeblich die intelligentesten Tiere. Und putzig.
– Hat schon mal ein Traum Ihr Leben beeinflusst?
Ich habe Geschichten nach Träumen niedergeschrieben und ausgebaut. Ich würde sagen, dass Gräume mein Leben beeinflussen. Denn was ich träume, deutet in der Regel auf ungelöste Konflikte hin und es ist gut, wenn man auf diese aufmerksam gemacht wird.
Ich habe allerdings keine Albträume.
– Lieblingsbücher liest man gerne mehrfach. Welches haben Sie am häufigsten gelesen?
Das weiß ich nicht. Ich habe viele Bücher mehrfach gelesen. Darunter so 1000 Seiten wie die Strudelhofstiege. Vermutlich hält aber Bulgakov „Master und Margarita“ den Rekord. Das habe ich zuerst auf deutsch gelesen, mehrfach. Ich habe es auf englisch gelesen, weil ich Lust darauf hatte und nur ein englisches Exemplar verfügbar war. Und ich habe es teilweise auf russisch gelesen. Wer russisch kann, weiß, dass es unmöglich für einen Fremden ist, diesen Roman auf russisch zu lesen. Es sind einfach zuviele sprachliche Redewendungen enthalten, die sich sogar den Russen teilweise entziehen. Ich habe sogar etwas wie einen „Ablativus absolutus“ in der russischen Variante entdeckt. Ein oder zwei Worte bedingen in der deutschen Übersetzung einen ganzen Nebensatz oder manchmal sogar einen Hauptsatz. Manche Passagen dieses Romans kann ich sogar auswendig zitieren. Naja, vielleicht habe ich den Faust noch öfter gelesen. Aber das liegt ja in der Familie. Mir wurde der Faust bereits mit 15 Jahren von meinem Vater nahe gebracht. Es war auch sehr wohl ausschlaggebend, dass in der Familie meiner Frau der Faust hoch gehalten wurde und jede Ostern mit verteilten Rollen gelesen wurde. Die geistige Ahnenschaft hat bei uns übereingestimmt.
– Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnten Sie sich den Lebensunterhalt verdienen?
Vielleicht als Barpianist oder allenfalls als Koch. Hmm….
– Verraten Sie uns ihr Lieblingskuchenrezept?
Das kenne ich nicht. Es war das Rezept der kaltgerührten Schokoladetorte, die mir meine Mutter gemacht hat.
– Unter Ihrem Balkon soll jemand ein Ständchen singen. Sie dürfen sich Sänger und Lied wünschen. Also, wen und was wünschen Sie sich?
Schwere Frage: die mir zuerst einfallen, sind schon tot. Es wären Männer wie z.B. Nesterenko und er sollte den Floh singen von Moussorgski.
Der Floh
Für die, welche ihren Goethe nicht so gut kennen, hier der Text:
Es war einmal ein König,
Der hatt‘ einen großen Floh,
Den liebt‘ er gar nicht wenig,
Als wie seinen eig’nen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran;
„Da, miß dem Junker Kleider
Und miß ihm Hosen an!“
In Sammet und in Seide
War er nun angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt‘ auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch große Herrn.
Und Herrn und Frau’n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken,
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.
Ist doch gut, oder?
– Auf welche fünf Lebensmittel können Sie nicht verzichten?
Ich kann auf alles verzichten. Es gibt immer etwas, was einen fantastischen Ersatz darstellen würde.
– Die Elf ist die Zahl des Narren. Wenn Sie sich denn verkleiden würden, als was würden Sie zum Karneval gehen?
Als gestiefelter Kater.

Stöckchen

Ich mag Stöckchen. Sie regen mich zum meditieren an. So habe ich auch über das Stöckchen als Ding an sich meditiert. Die Meditation war sehr ergiebig.
Mittlerweile aber lesen so wenige mein Blog, dass sich das Niederschreiben nicht gelohnt hat.
Es sei so viel verraten:
Stöckchen sind gut 🙂

Why I don’t want to visit Turkey

„An Ottoman Turkish assault in a second siege in July 1683 destroyed the town and ended in a massacre. The Turks reneged on their surrender terms after the city capitulated and the keys had been handed over. When the Viennese defense commander, Count Ernst Rüdiger von Starhemberg heard of the post-surrender destruction of Perchtoldsdorf, he decided he could not trust a similar offer from the Ottoman commander Kara Mustafa Pasha to surrender Vienna.“ [Palmer, Alan, The Decline and Fall of the Ottoman Empire, p.12, Published by Barnes & Noble Publishing, 1992. ISBN 1-56619-847-X ]
(Für deutsche Leser: to renege – Vereinbarungen nicht einhalten, leugnen. Offen gestanden kannte ich das Wort bisher nicht.)
–
So viel zu meiner noch immer währenden Skepsis über die Politik der Türken. (Ich halte die Haltung eines Erdogan eher für ottomanisch als die eines Nachfolgers von Kemal Atatürk.)
Was ich eigentlich schreiben wollte, vertage ich. Ich werde wütend, wenn ich an das Massaker in Perchtoldsdorf, in das ich täglich radle, denke.
Und wenn ich an „die Brücke über die Drina“ von Ivo Andric denke, wird meine Wut wieder angefacht.
Ich halte nichts von Rache, aber auch nichts von politischem Vertrauen in ein Volk, welches diplomatische Absprachen nicht einhält. So weit ist nicht einmal Hitler gegangen.

Das Buch ruht

Das Üben fordert mich derart, dass ich kaum Energie fürs Buch aufbringe. Eigentlich sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, doch merkwürdigerweise komme ich damit sehr gut zurecht.
Aber das Üben ist echt anstrengend.

Experience

An Interesting Experience
Recently I have discovered how difficult it is for me to remember names and recall events that have been stored only recently. It is well known that the long term memory is much more efficient for old people.
Now, I have found a new pleasure with remarkable side effects. When I zap through youtube I am normally looking for music entries especially concerning interpretations of classical music, especially piano music. However, in the side bar I find recommendations for other videos like comments on interesting chess games or cab rides of certain railway trips.
I have watched those earlier and I am quite sad, that the cooperation between Google and the Russian Railway Corporation does not show the 6,5 days videos of a complete trip with the Transsiberian journey from Moscow to Vladivostok.
But there are many others and while I am looking for high speed trips or special beautiful landscape sceneries (like e.g. Jungfraujoch in Switzerland) I have found a short trip of 30 minutes that does not seem so exciting. It is a trip from the railway station „Franz-Josefsbahnhof“ to Tulln a small town about 30 km away from Vienna. It is not a fast train but it has its merits as half of the time the tracks are squeezed between the street and the river Danube. The squeeze is a result because the last little hills of the Alps that form part of the Vienna Forests in the west of Vienna reach until the river Danube.
When you follow the video you will see Leopoldsberg with the edge called „Nase“ (nose) leading down to the beach of the Danube. There would be a lot to write about the „Franz-Josefsbahn“, the railway of the emperor Franz-Josef, but that would be a different story. It is sufficient to know that nowadays only a few trains will go past Tulln although earlier this was a main connection the „Kronländer“, as Moravia, Bohemia and Galitsia (in Poland) were called. It was not the only route, there was the Nordbahn („north“), Nordwestbahn, Ostbahn that were all having connection to the North.
But I started to talk about memories. When I looked at this video I was experiences history within 30 minutes of watching. It was less because the last section between St. Andrä-Wördern and Tulln is not really very exciting, straight, no mountains, no river.
The tour starts at Franz-Joserfsbahnhof. This station is nowadays hardly recognizable as a railway station. There is a big modern building on top of 6 or 8 tracks and when you step on the station platform it is dark like in an underground station there are two or three trains lingering on the tracks and they make the impression of being in retirement. Everything is quiet a little bit depressing.
When the train starts the first station is Spittelau. Spittelau is not sexy at all unless you consider a remote heating station with a high chimney as sexy. It looks better than you would expect it because the chimney has been ornamented by the famous Austrian artist Hundertwasser. In sunlight it radiates and mirrors the sun beams because of some golden surface. But the station is important because you can change from two different subways (U4 and U6) to the train. Even the next very close station has a link to the subway U4.
While the tracks from the beginning to Spittelau are rather depressing, tracks, cables and some advertisement boards you can watch even from the frog’s perspective, the tracks from Spittelau to Heiligenstadt, the next station, are barely better. One has to know that this region was industrialized and the real nice part of the 19th district in Vienna, Döbling, is blocked out of sight by the tracks of the former „Stadtbahn“ a sort of very old predecessor of our current subway system. On the other side of this „wall“ is the „Heiligenstädterstrasse“, one of the very long streets in Vienna, encompassing the train tracks until Klosterneuburg, about which I will tell later.
But in the Heiligenstädterstrasse was the flat of my grand parents who were originally coming from a town close to Ostrawa in Moravia. When I was around six years I came to Vienna and was living in a side street that crossed Heiligenstädterstrasse. It was possible to reach the flat of my grand parents by 7 minutes walking. The flats in this house that does not exist in its original form anymore could be considered substandard. One little kitchen and one sleeping room. But my grand parents were not so poor, they had two flats which were connected. So there was kitchen, sleeping room, living room and a room for storage of differents goods and also food. Toilet and running water was shared with other people in the house and there were constant quarrels who was responsible for cleaning and ensuring that the water would not freeze in winter.
It still was appearing very comfortable to me.
When I wrote about the tracks of the Stadtbahn I should have mentioned that there was a park next to the Heiligenstädterstraße. Actually there was an elevation of about 20 meter where the rest of the district was continued with villas of the borgeois. Most of the park was also much higher and when I looked from the park to the North, I would not be able to see the tracks of the railway but behind the tracks of the Stadtbahn I could see the „Donaukanal“ a side arm of the Danube and the 20.district that formed half of the island between Donaukanal and Danube. I felt elated when I could see all of this „landscape“ and I considered it then and even now as romantic.
Returning to my trip the next station on the route is Heiligenstadt. Heiligenstadt is a very important place. In Heiligenstadt was the end station of G and WD, the two major Vienna „fast“ mass transportation means. (Stadtbahn) G stood for „Gürtel“ (belt) and WD stood for „Wiental-Donaukanal“. WD was the longest implementation of the Stadtbahn. The route connected Heiligenstadt that could be considered almost the Northern end of Vienna, (not completely as there were more Northern parts across the Danube) and the utmost Western end of Vienna, already in the Vienna Forests. The end station is called „Hütteldorf“. It was once a major railway station of the „Westbahn“ where the fastest trains coming from Paris, Switzerland and Germany were having a stop so people could change to the WD-Stadtbahn, that brought them to almost any part of the city.
The next stations Kahlenbergerdorf, Klosterneuburg Weidling, Klosterneuburg Kierling, Unterkritzendorf, Kritzendorf, Greifenstein etc. (I forgot Höflein that also came in somewhere) are heavy with memories which I have to add at some later time.
However it is necessary that in this section you can see side arms of the Danube, the Danube itself and all the little houses that were kept by people as sort of holiday resorts. The specialty of those houses was their construction. They all rest on wooden piles in order to cope with floods of the Danube.
Klosterneuburg bears special memories as relatives of mine were living there. But that should be part of another story. For now, I have spent more time in writing this than in watching the video. Maybe, I should watch it again.
Epilog: maybe one can complain about the technical gadgets of todays society. But personally I get a lot of satisfaction by watching contents that I would not be able to experience otherwise. And I don’t have to be personally present in the driving cab in order to enjoy the trip. (Although that is a special pleasure which I once had when travelling from Linz to Vienna 🙂 )
The trip

50 Jahre

Vor 50 Jahren ist Anna Achmatowa gestorben
Sie schreibt über ihre Begegnung mit Robert Frost zu einem Zeitpunkt,als sie wieder „fast“ präsentabel war.
„Bei mir zu Hause durfte ich ihn doch nicht empfangen. Das Potjomkinsche Dorf wurde in der Datscha des Akademiemitglieds Alexejew errichtet. Ich weiß nicht mehr, woher man diese feine Tischdecke, das Kristall geholt hatte. Ich wurde festlich frisiert, elegant gekleidet… Und dann erscheint ein alter Mann. Ein amerikanischer Opa, aber so einer, wissen Sie, der schon langsam zu einer Oma wird: rötliche Backen, weiße Haare, sehr munter. Wir sitzen nebeneinander in Korbsesseln, man legt uns allerlei Leckerbissen vor, schenkt uns verschiedene Weine ein. Wir unterhalten uns in aller Ruhe. Aber ich denke immerzu: Du, mein Lieber, bist also ein Nationaldichter, jedes Jahr, jedes Jahr bringt man deine Bücher heraus, und natürlich gibt es bei dir keine Gedichte, die nur „für die Schublade“ geschrieben wurden. Alle Zeitungen und Zeitschriften rühmen dich, in den Schulen hören die Schüler von dir, der Präsident empfängt dich als Ehrengast. Dir sind alle denkbaren Ehrungen, Reichtum und Ruhm zuteil geworden. Und ich? Welche Hunde hat man nicht auf mich gehetzt! In welchen Dreck hat man mich nicht getreten?!
Alles gab es – Armut, Elendsschlangen vor den Gefängnissen, Angst, Gedichte, die man nur auswendig kannte, nur im Kopf hatte, und verbrannte Gedichte. Demütigungen und Leid, immer wieder Leid… Nichts von all dem weißt du und würdest es auch nicht verstehen, wenn ich davon erzählte… Aber nun sitzen wir nebeneinander, zwei alte Menschen in Korbsesseln. So als ob es keine Unterschied gäbe. Und das Ende wird für uns beide das gleiche sein. Aber vielleicht ist der Unterschied auch nicht so groß?“
Und zwei Gedichte:
Der nicht gegangene Weg
Zwei Wege trennten sich im fahlen Wald
und, weil ich nicht auf beiden konnte gehn
und einer bleiben, macht‘ ich lange Halt
und schaute auf des einen Wegs Gestalt,
soweit ich durch die Büsche konnte sehn.
Ging dann den andern – der, genauso schön,
den größer’n Anspruch hatte auf Gebrauch,
denn Gras wuchs drauf und brauchte Drübergehn –
obgleich die Wand’rer, muß ich schon gestehn,
gebrauchten einen wie den andern auch.
Sie lagen vor mir, beide gleich, zuhauf
mit Blättern, die kein Tritt noch aufgestört.
Ich hob mir einen Weg für später auf!
Doch Wege führ’n zu and’rer Wege Lauf:
Ich wußte wohl, daß keiner wiederkehrt.
Und seufzend werd‘ ich einmal sicherlich
es dort erzählen, wo die Zeit verweht:
Zwei Waldeswege trennten sich und ich –
ich ging und wählt‘ den stilleren für mich –
und das hat all mein Leben umgedreht.
[nicht von Achmatowa und den Übersetzer kenne ich nicht 🙂 ]
Aber das Gedicht ist eines der berühmtesten, welche die Studenten bestimmter Studienrichtungen einfach auswendig kennen müssen.
Und ein ganz anderes:
Die Rauhnächte waren von Feuern erwärmt,
Es rollten die Kutschen dicht über die Brücken.
Die in Trauer gekleidete Stadt
Schwamm mit unbekannter Bestimmung
Die Newá hinab oder gegen den Strom, −
Nur fort von den Gräbern.
Es dunkelte der Galernaja Bogen,
Im Sommergarten die Wetterfahne
Sang im Falsett, und der silberne Mond
Fror hell überm Silber der Zeit.
Und weil sich auf allen Wegen
Und bis zu allen Schwellen hin
Zu langsam der Schatten genähert,
Riß der Wind von der Wand die Plakate,
Tanzte der Wind auf dem Dach Kasatschok,
Roch der Flieder nach Friedhof.
Und, verflucht von der Zarin Awdotja,
Versank in ihrem Nebel die Stadt,
Das dämonische Petersburg Dostojewskis.
Und aus der Finsternis sah
Wieder der alte versoffene Piter,
Wie vor der Hinrichtung schlug eine Trommel…
Und in der frostigen Schwüle des Vorkriegs,
In der verbuhlten und drohenden, hörte
Man immer ein künftiges Grollen.
Doch damals wars dumpfer zu hören,
Obwohl: die Seelen hats kaum gestört,
Es versank in den Schneewächten an der Newá.
Aber so wie ein Mensch im Spiegel der Nacht
Wie ein Besessener tobt und sich nicht
Wiedererkennt, näherte sich auf dem Kai,
Dem legendären, das nicht reguläre −
Das wirkliche neue Jahrhundert.
[Übersetzt von Heinz Czechowski]

Über das Üben

So, also Satz 3 und Satz 1 sind jetzt auswendig im Kasten. Satz 2 wird nicht so schwer zu lernen sein, weil ich ihn fast im Kopf habe.
Ab heute habe ich begonnen, den Schwerpunkt auf die Schubert-Sonate zu setzen.
Da sind ja der Satz 3 und 4 ziemlich parat. Aber 1 und 2 müssen noch richtig auswendig gelernt werden. Beim 4. Satz gibt es noch ein paar Takte, die technisch herausfordernd sind.
Beim 2. Satz geht es nur darum, die Mehrstimmigkeit im Pianissimo durchzuführen.
Den 1. Satz konnte ich schon einmal auswendig, ohne ihn zu üben. Aber jetzt muss das bewusster geschehen. Dafür sind die meisten technischen Stellen schon im Kasten. (sprich Gehirnkasten bzw. Hirnkasterl)
Der Schubert muss mit der entsprechenden bereits geschehenen Vorarbeit im März bewältigbar sein. Dann bleiben April und Mai für Chopin und Borodin. Wobei ich den Chopin schon einmal auswendig konnte. Da muss ich nur die Schlusscoda auf speed trainieren.
Summa summarum: momentan schaut es noch sehr gut mit dem Zeitplan aus. Einfach ist allerdings gar nichts.

ein historischer Moment

AlphaGo, ein Go-spielendes Computerprogramm hat den Weltmeister in der ersten Partie eines Turniers über 5 Spiele geschlagen. Das bedeutet jetzt noch nicht, dass der Weltmeister insgesamt verloren hat. Aber der Umstand, dass es möglich war, hat einen Tatbestand geschaffen, der erst in zehn Jahren zu erwarten war, gibt zu denken.
Ich sehe das als einen historischen Moment an.
Im Gegensatz zu Schach galt Go lange Zeit als nicht ausreichend beherrschbar für den Computer. Obwohl die Regeln sehr einfach erscheinen, sind die möglichen Variationen, die durchgerechnet werden müssen, zu viele, um hier einfach mit „roher Gewalt“ (brute force method) durchrechnen zu können.
Doch jetzt hat Google durch das gleichzeitige Wirken von drei verschiedenen Berechnungsmethoden, zwei mal neurale Netzwerke, einmal Monte-Carlo-Simulation, ein Programm zusammengesetzt, welches sich selbst weiterentwickeln kann. Einerseits wurden 20 Millionen menschliche Partien eingefüttert, andererseits spielt das Programm jetzt auch gegen sich selbst und verbessert sich ohne menschliches Zutun.
Ich habe mir die erste Partie angeschaut. Was schon Kasparov vor zehn Jahren über das damalige Schachprogramm gesagt hat, trifft wiederum zu. Man kann in dem vorliegenden Programm an den Zügen nicht erkennen, ob hier ein Mensch oder eine Maschine „denkt“. Die Partie selbst wurde sehr scharf gespielt, ist aber in der Analyse durchaus nachvollziehbar.
Was bedeutet das nun? Erstens, dass ich schleunigst mein Buch fertig schreiben muss, damit es nicht von „einer“ Realität überholt und uninteressant wird.
Zweitens, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Leser einer eigentlich renommierten Tageszeitung, die ihre Meinungen mit dümmlichen Postings kund tun, umdenken werden müssen. Manchmal denke ich, dass die Kommentare so ähnlich verlaufen, wie sich ein verstockter Krimineller beim Verhör verhält: ja nichts zugeben, was nicht bewiesen werden kann.
Die Überlegenheit des menschlichen Geistes wird gerade von denen aufs Heftigste postuliert, die durch die Art ihre Argumentation beweisen, dass gerade sie nicht so überlegen denken können.
Wie gesagt, heute ist ein historischer Tag. Man könnte es mit dem ersten Atlantik-Flug vergleichen, mit der ersten Mondlandung oder dem ersten Zug, der den Semmering überquert hat. Immer gab es Skeptizismus, der vehement zu Aussagen führte: da fährt ja der Teufel mit. (Nachzulesen bei Peter Rossegger) Den Teufel haben wir jetzt wieder. Und so wie die Menschheit jede technische Errungenschaft zuerst für militärische Zwecke verwendet, hat der Teufel wieder ein Stückchen Territorium erobert.
Live Mitschnitt der ersten Partie
(dauert 4 Stunden, aber man kann sich ja auch einige Passagen heraus anwählen. Interessant: die Stellung nach den ersten 10 Zügen, die Endstellung. Dazwischen ist es wohl nur für Go-Spieler ab einer gewissen Spielstärke, z.B. 1 Dan, anregend.)
Auch interessant über die Geschichte des Programms

work in progress

Ich habe mich schon vor über einem Jahr bei einer meetup-Gruppe eingetragen. Klavierspiel. Es finden mehr oder weniger regelmäßige Treffen statt, zu denen im Durchschnitt 8-10 Mitglieder kommen.Sie alle spielen etwas vor. Kritik ist verpönt, auch positive. Ich bin ein bisschen ambivalent der Gruppe gegenüber eingestellt. Die Organisatorin ist bewundernswert. Sie hat einen anstrengenden Job mit viel Reisen und wollte einfach eine Gelegenheit schaffen, dass Hobbyspieler auch vor anderen Leuten spielen können. Aber es gibt auch ein Ehepaar, welches mich schon ein paar Mal gerügt hat, weil ich positive Kritik geäußert habe. Kritik ist nicht erwünscht. Ich halte die beiden für verbissen.
Daher komme ich nur mehr selten. Das Niveau der Spieler ist von Anfänger bis Mittelstufe. Es gibt auch eine sehr gut spielende Chinesin, die aber leider mittlerweile auch nicht kommt. Mit ihr habe ich schon einmal die Schubert-Fantasie in f-moll vorgetragen.
–
vor drei Tagen, montags, habe ich aber ein Meeting besucht. Aus vollkommen egoistischen Gründen. Keine Kritik? ok. (Man sollte nicht länger als 10 Minuten spielen, damit alle drankommen können. Ein bisschen darf man überziehen.) Ich habe den letzten Satz der Beethovensonate vorgespielt. (opus 109) Mein Ziel war festzustellen, wie sehr ich auf Ablenkungen reagiere.
–
Es ist recht gut gegangen. Ich weiß jetzt, was ich noch besonders üben muss. Wusste ich aber eigentlich schon vorhin. Immerhin Bestätigung ist gut. Es war eine sehr junge und fesche Komponistin anwesend. Als wir gemeinsam zur U-Bahn gingen, meinte sie, dass die Dynamik schon recht gut ist.
–
Jetzt bin ich am Überlegen. Es war als ehrliches Kompliment gemeint, dessen bin ich mir sicher. Aber was war jetzt nicht so gut?
Jedenfalls habe ich es nicht bereut, dort gewesen zu sein. Die meisten Mitglieder sind ja auch wirklich sehr nett.

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