Ich bin ja eigentlich nicht schwul. Ja, ich kann das sogar mit ziemlicher Sicherheit behaupten. Trotzdem gibt es manche Filme, die für mich schon allein durch einen männlichen Schauspieler attraktiv wirken.
„The American“ hat aber noch andere Qualitäten aufzuweisen. Wunderbare Landschaftsaufnahmen aus den Abruzzen. Italienische Dörfer aus der Vogelperspektive wirken ähnlich, wie ich sie aus manchen malerischen Darstellungen in Erinnerung habe.
Ein sehr langsamer Film, der mir ausgezeichnet gefallen hat. Abschied, Wandel, Klärung sind die Kategorien, die mir beim Ansehen einfallen.
Ich habe den Film allein gesehen und genossen.
Ich habe ja die Entschuldigung, dass ich gleich nach der Rückkehr ziemlich eingespannt war, was auch nächste Woche so weitergeht.
Denn in Wirklichkeit hätte ich hier schon vier Berichte einstellen müssen:
Meißen
Dresden
Belgrad *)
– und –
Wie Niki (Airlines) Passagiere in Belgrad mehrere Stunden im absolut Ungewissen lässt, ob und wann sie noch am Sonntag nach Hause kommen.
Die Verspätung von mehr als zehn Stunden finde ich zwar schlimm, aber gegen höhere Mächte kann man nichts machen. Bei der wiederholten Entschuldigung, die mir dann beim Rückflug durch die Widerholung fast schon zuwider war, wurde erklärt, dass ein Vogelschlag einen Flieger ausfallen ließ.
Obwohl ich das mittlerweile nur schwer glauben kann, gibt es eine andere Sache, die mich wahnsinnig wütend macht: die Passagiere werden verarscht. Und auch das Personal am Flughafen Belgrad.
–
Zu einem Zeitpunkt, als noch Abflugsverspätungen von 30 bzw. 45 Minuten gemeldet wurden, (entsprechend auch den Ankunftsverspätungen) musste in Wien klar sein, dass diese Verspätungsmeldungen falsch sind. Denn der Flug war in Wien noch nicht einmal gestartet worden.
In diesem Fall glaube ich den Belgrader Bearbeitern, darunter eine unheimlich tüchtige Boden-Stewardess, dass sie absolut im Ungewissen gelassen wurden.
Wenn dann plötzlich aus der ursprünglichen Abflugsbekanntgabe nicht ein „plus 2 Stunden“ sondern ein „plus 11 Stunden“ entsteht, wird schlagartig klar, dass alle früheren Meldungen nur Vertuschungen gewesen sein konnten.
(Insgesamt ist das nicht so schlimm. Man denke nur an die Reisenden, die durch den Vulkanausbruch festgehalten wurden.)
Niki, der sonst bei jeder Gelegenheit die Goschen aufreisst und seinen Senf dazu gibt, hält sich da offensichtlich sehr zurück, wenn es sich um eigene Versäumnisse handelt. Nicht der Umstand der Verspätung ist schlimm sondern der Umgang mit der Information darüber.
Wenn ich es rechtzeitig gewusst hätte, wäre ich entweder auf Bahn umgestiegen oder hätte via Internet noch ein Austrian Airline Ticket gebucht. Das konnte ich zwar nicht am Flughafen, weil in der Transit-Area fix behauptet wurde, dass der Aua-Flug voll war (und daher keine Passagiere des Niki-Flugs aufnehmen konnte) was schwer zu glauben war, weil man über Internet noch um 150 € buchen konnte.
Also jedenfalls hätte ich mir den Umstand, in Wien früher anzukommen durchaus etwas kosten lassen, da ich am nächsten Tag sehr zeitig in der Früh beginnen musste.
Naja, es gab dabei noch einige nette und weniger angenehme Details.
Doch ist es nicht bezeichnend, dass mich die Verärgerung – selbst mit viertägiger Verspätung noch zu viel mehr Text anregt, als die schönen erfreulichen Momente meiner Reise, die wirklich eindrucksvoll und bereichernd waren.
Naja, ich muss jetzt ja auch schon wieder aufhören, weil ich heute Besuch aus Deutschland in die Firma bekomme.
Aber es geht mir gut, vor allem weil meine Verkühlung inzwischen am Abklingen ist und zur Zeit alle Menschen so freundlich zu mir sind.
Dann versuch ich doch einmal, diesen Zustand zu erhalten:)
*)
Die „Kirche“ wird gerade restauriert, was noch einige Zeit dauern dürfte, aber die Verschneidungen „da oben“ faszinieren mich.
zum Schreiben, obwohl es vieles gäbe.
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Nur eines:
das folgende Bild habe ich zur Zeit auf meinem Laptop als Hintergrundbild.
Darauf gefalle ich mir gar nicht einmal so schlecht:
Es ist fast unglaublich, wie stark sich manche Irrtümer über die Jahre hinweg halten können. So würde ich meinen, bei jedem Bild in meinem Haus sagen zu können, wer es gemalt hat. Nur für den angeblichen (unsignierten) Romako gilt das nicht, weil ich mich da auf die Aussagen meines Vaters verlassen muss. Offiziell wurde es noch nie bestätigt.
In meinem vorigen Beitrag hatte ich ein Bild gezeigt, dass ich fälschlicherweise meinem Großvater zugeschrieben hatte. Dabei hatte ich noch extra betont, dass es für seinen Malstil besonders untypisch wäre.
Es ist kein Wunder: das Bild ist nicht von meinem Großvater sondern von seinem Lehrer.
Nur wegen eines Kommentars nahm ich das Bild von der Wand und inspizierte die Signatur, weil mein Großvater oft auch die Jahreszahl dazugeschrieben hatte.
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen.
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Es ist merkwürdig, wie ich erkenne, mit wie vielen kognitiven Fehlern ich lebe, leider auch mit Denkfehlern. Ich kann mir meiner Schlussfolgerungen nicht mehr sicher sein. Die intuitive Richtigkeit ist dahin. Ich muss wirklich alles überprüfen oder überprüfen lassen.
Das wäre an sich nichts Besonderes. Doch weiß ich, dass das früher anders war. Die Fehlerhäufigkeit war vielleicht nur ein Zehntel von heute. Anscheinend rechnete im Hintergrund immer ein Kontrollmechanismus mit.
Was folgt daraus:
1) ich werde toleranter gegenüber den Fehlern anderer.
2) ich muss vielmehr Zeitbedarf für meine Aufgaben einplanen.
Ich schätze meine geistige Präsenz noch immer als ausreichend ein. Bestimmte Aufgaben muss ich allerdings heute erarbeiten, ihre Bewältigung fliegt mir nicht mehr spielerisch zu.
Doch ich kann damit leben;)
Aufgrund meiner Ablehnung Dresden gegenüber, bekam ich ja bereits am Sonntag einen Kontrapunkt in Sachen Stadtführung. Und zwar nicht in Dresden sondern in Meißen. Das war es mir auch wert, zu der unchristlichen Zeit von 6 Uhr früh aufzustehen, um einen frühen Zug zu nehmen.
Der Sonntag war also bereits äußerst gelungen, was ich einer lieben Bloggerin verdankte, die mir zusätzlich noch ein gar nicht so schlechtes Lokal zeigte, das ich heute noch einmal patronisiert habe.
Dresden sah aus der Perspektive meines Hotels auch schon viel netter aus, als ich es in Erinnerung hatte. Da bei mir die Liebe durch den Magen geht, tat ein weiter Blogger Gutes, (im Sinne des Dienst an Dresden) indem er mich mit dem böhmischen Lokal „Wenzel“ bekannt machte, welches zu einem sehr vergnüglichen Abend mit vorwiegend musikalischem Gesprächsstoff führte. Das „social event“ gestern bestand in einer Kutschenfahrt durch downtown Dresden, romantisch bei Vollmond mit ein paar schauspielerischen Einlagen. Wir saßen auf der Kutsche vorne ganz oben und bekamen noch ein Privatissimum vom „Fiaker“, der sich als sehr freundlich und umsichtig erwies. Danach ging es zum Speisen ins italienische Dorf, von dem meine Kollegin und ich und ein Kunde dann relativ früh aufbrachen, um sich für den nächsten Tag zu schonen. Meine Kollegin musste ja nach dem Messetag dann noch nach Wien fahren. Ich polierte ein bisschen meinen Vortrag auf.
Heute zumittag war dann alles gelaufen. Es ist unglaublich, wie viel Adrenalin bewirken kann. Nach dem Vortrag sank ich buchstäblich in mich zusammen. Am Abend versuchte ich noch alles Mögliche, um einen Wimpel von Dynamo Dresden zu egattern, doch das wäre nur am Stadion im Fanshop möglich gewesen – und der war schon zu.
Als ich Hunger verspürte, fiel mir das Lokal vom Sonntag, „die Brenessel“ ein, das ja unmittelbar vis-a-vis von der Musik-Hochschule liegt. Da ich nicht reserviert hatte, „musste“ ich mich zu einem anderen Gast setzen, der sich als Violinprofessor mit einer beachtenswerten Orchesterkarriere herausstellte. Wir unterhielten uns angeregt, bis er weg musste.
Das ist natürlich so richtig typisch für mein Glück, überall freundliche Leute anzutreffen.
Nachher fand ich auch ohne Irrweg zu Fuß mein Hotel und jetzt sitze ich da und schreibe.
Fazit: Dresden ist offensichtlich schon in Ordung. Die Leute sind nett und von einer Pferdekutsche aus betrachtet kann man es fast schön nennen:)
Ich bedanke mich bei allen, die mir geholfen haben, mein Weltbild zurecht zu rücken:)
Diesmal im Traum. Sehr, sehr lange Geschichte bzw. Episode.
Handelnde Personen und Artefakte in realitas und und in Absentia:
mein Vater (r)
ein ehemaliger Chef meines Vaters (a)
meine Mutter (a)
meine Frau (a)
ehemalige unbekannte Kollegen meines Vaters (r)
eine Rezeptionistin (r)
ein Pärchen ca. 30 (r)
ein Pärchen ca. 50 (r)
die junge Frau des 30-jährigen Pärchens(r)
eine Bekannte aus Kufstein (r)
mehrere Bekannte aus Kufstein (a)
eine Frau ca. 50 (r)
ein merkwürdiger Rucksack
Geschirr und Gläser
fehlende Schutzbekleidung
Ein Berg alleinstehend, doch in Kufstein befindlich
Ein Hotel auf diesem Berg
Eine Landschaft auf der Höhe des Berges, die durch einen See und einen bewanderbaren Flußverlauf gekennzeichnet ist
Ein weiterer See, der durch Felsen begrenzt ist.
Felsiger, aber schön begehbarer Weg.
Ein Auto, dem das Benzin ausgeht.
Eine Bergstraße, geradlinig und steil, daneben ein Schlepplift, wie er im Sommer aussieht
Ein freundliches aber kaltes Sommerwetter, bei dem man gern einen Pullover mehr hätte.
–
Eine vollkommen abstruse Geschichte, die sich allerdings sehr angenehm träumte. Der Höhepunkt war nicht der beginnende Sex mit der jungen Frau, weil der auf dem felsigen Untergrund ohne federnde Decken oder sonstigen Schutz auf dem Rücken liegend statt fand, sondern die absolut traumhafte Berglandschaft, bei der ich den Spaziergang besonders genoss.
Ich mag die Berge. Die Topologie war ein Mittelding zwischen Hahnenkamm (ca. 1700 m knapp unter der Baumgrenze) und Kaprun – oberer Stausee (nackte Felsen, die den See umsäumen) Die Traumbilder waren ähnlich plastisch, wie ein Bild meines Großvaters von der Donau in der Wachau, das er mit einer ganz seltsamen Ausschnittswahl gemalt hatte.

Das Bild ist mit einer ganz schlechten Verglasung gerahmt, daher die schräge Aufnahme. Es ist interessanterweise vollkommen untypisch für meinen Großvater, in Farbgebung und Strukturausarbeitung. Ich mag es trotzdem:)
Der Grund für das Untypische ist allerdings leicht erklärbar. Es ist gar nicht von meinem Großvater sondern von seinem LehrerMyrbach, der es meinem Großvater laut rückseitiger Beschriftung einmal geschenkt hatte.
Wie zuletzt beschrieben, gab es heute noch einen Eintagestrip. (Ab Sonntag wird es dann ja eine länger Abwesenheit sein.)
Die Besprechung war ok, war vermutlich auch gut im Sinn von Kundenhygiene und hat 3 Stunden gedauert, obwohl ich mit maximal 2 Stunden gerechnet hätte. Die Informationen waren gut, allerdings eher zur Vorsicht gemahnend, was allzugroßes Engagement in einer geplanten Sache anging.
Der Trip nach Köln war ebenfalls ok. Meinen Rückflug hatte ich schon eingecheckt. Sorgfältig hatte ich mich nach den Verbindungen zurück erkundigt. Klare Sache: spätestens halb acht Abfahrt von Köln, dann S7 zum Flughafen, Skyliner zum anderen Terminal und gemütlich durch die Security spazieren. Abflug 20:45 AB 8122.
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Ich könnte ja schreiben, dass ich einfach Lust auf eine Nougattorte beim Eigel in Köln hatte, so wie man in Wien die Kurkonditorei Oberlaa besuchen würde.
Aber tatsächlich, – nachdem ich doch Mahler auf der Couch (von Freud) gesehen hatte – war mir nach Konsultation in der Praxis Dr. Schein zumute. Da etwaiges Rauchverhalten in Deutschland gleich an zweiter Stelle der Verbrechen nach Kinderverzahrerei (Pädophilie) kommt, mussten wir uns die dicken Zigarren aus dem Film versagen. Dafür gab es zwei dicke Steaks, die ganz ausgezeichnet waren. (Irgendwie hieß das Lokal Chicago-Steakhouse oder so ähnlich.)
Die Sitzung selbst verlief sehr konstruktiv, über den Erfahrungsaustausch der Geschehnisse der letzten zwei Jahre, in denen wir uns nicht gesehen hatten, erfuhr ich viel über mich. Oder besser: er erfuhr viel über mich und ich erfuhr viel über ihn und ich hatte das Gefühl, locker und geheilt zu sein. Selbst die Kellnerin schien ob meiner gelösten, scherzhaften Launenhaftigkeit erfreut zu sein.
Allzuviel ist ungesund. Allzuviel Gelassenheit.
Nach der bewussten Eigeltorte schlenderten wir am Dom vorbei wieder zum Bahnhof. Sein Zug würde ein paar Minuten nach meinem gehen.
Sein Zug hatte 25 Minuten Verspätung. Das tat mir zwar für den guten Herrn Doktor leid. Doch das Hemd ist einem näher als der Rock. Zuerst einmal eine Fahrkarte aus dem Automaten gezogen. Deutsche Fahrkartenautomaten sind – darüber will ich jetzt aber gar nicht schreiben.
Jedenfalls gab es die große Überraschung als wir zum Gleis gingen, auf dem mein Zug erwartet wurde. 25 Minuten verspätung. „Ätsch, Du Hund, gleiches Recht für alle. Hättest Du den Doktor anständig bemitleidet, hätte dir das Schicksal nicht diese Lehre erteilen müssen.“ Weil ich mittlerweile bei solchen Terminen etwas Sicherheit einplane, war die Verspätung kein großes Drama. Ganz im Gegenteil erlaubte sie mir erlesene Schokolade und Marzipan vom Hussel zu erstehen. Die wird zuhause sicher gut ankommen.
Dann kam der ICE, der Doktor entließ mich wieder in das feindliche Leben, nicht ohne dass ich ihm das Versprechen abgeluchst hatte, dass er auch einmal in Wien ordinieren würde.
Vielleicht sollte ich erwähnen, dass wir bereits beim Warten auf meinen ICE einen anderen vorbeifahren „hörten“. In so grausigen Quietschtönen, dass ich nicht freiwillig eingestiegen wäre. Machen das alle ICEs, wenn sie alt werden. (*grübel*)
Ich setzte mich in den Speisewagen und bestellte einen Tee. Ein bisschen ärgerte es mich, dass der Zug so langsam unterwegs war. Mir kam vor, dass er bestrebt war, noch etwas mehr an Verspätung aufzureißen.
Um 20:06 kündigte die Zugbegleiterin an, dass wir um 20:09 in Düsseldorf ankommen würden. Spät, aber noch managebar. Ich hatte mich schon damit abgefunden, ein Taxi nehmen zu müssen. Der Zug gehorchte sofort! Das heißt, er gehorchte auf seine eigene Art: er blieb stehen. In einer Kurve, der Waggon brav in Pendelstellung verharrend. Es war durchaus interessant zu bemerken, wie stark sich der Zug in die Kurve legen kann. Ich dachte, gleich fällt der Waggon um. Es war eindeutig, dass es sich um eine Hochgeschwindigkeitskurve handelte. Vermutlich mit einer Beschränkung auf 160 km/h, vielleicht auch noch schneller. Mein Zug bewegte sich mit 0 km/h und das eine ganze Zeit lang.
In Düsseldorf Hbf „landeten“ wir dann um 20:22. (Zur Erinnerung: mein Flug sollte um 20:45 gehen. Geschätzte Fahrzeit Bahnhof-Flughafen ca. 20 Minuten)
Ich versuchte es trotzdem. Der Taxifahrer war sehr freundlich. „Heute ist ein bisschen mehr Verkehr auf der Straße.“ Er schob sich recht geschickt an den verschiedenen Autos vorbei, die im Schneckentempo Düsseldorf bevölkerten. Ich glaube, dass mein Fahrer so ein genmanipulierter Türke ala Sarrazin war, so ein ganz dummer Mensch also. Er kündigte mir an, dass wir spätestens 20:38 am Flughafen sein würden. Geschafft hat er dann 20:35.
Ich ohne Quittung, reichlich Trinkgeld geben, starte zum Eingang. In einer Minute bin ich bei der Security. In der Fast Lane, wo sich allerdings unglückseligerweise eine Rollstuhlfahrerin gerade vor hinter dem Durchgangstor gemütlich eingerichtet hat.
Ich ziehe sogar die Hosenträger aus, um das Risiko zu vermindern, dass die Glocke anschlägt. Das Risiko, die Hosen zu verlieren, schätze ich in diesem Moment als das mit der geringeren Schadenswirkung ein.
Alles klappt. Ich bin wieder angezogen, fertig, und habe noch 4 Minuten, bis mein Flieger abfliegt. Ich weiß nur noch nicht wo.
Also muss ich zuerst noch den Weg zur Anzeigetafel machen. Das ist ein Umweg, weil mein Gate, was ich erst jetzt erfahren kann, noch einen Stock höher ist. Was ich weiters noch erfahre, ist, dass der Flieger schon weg ist.
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Nein, das habe ich nicht erfahren. Der Flieger hat selbst 30 Minuten Verspätung. Traumhaft. Wohin soll ich jetzt mit all meinem Adrenalin. Ich gehe in den Dutyfree-Laden. Dort könnte es Herren-Kosmetik von Biotherm geben. Ganz neue Linie. Vermutlich gut. Ich kaufe trotzdem nicht. Ich schau lieber alt als biothermisiert aus. Dann suche ich mein Gate auf. Dazu muss ich Treppen hochsteigen. In einem neuen Flughafen. Ich will zur Rolltreppe, die sich hinter einer Tür verbirgt. Die Sicherheitsbeamten rufen mich zurück. Dort darf ich nicht. Ich deute auf die Treppen: da soll ich hinauf? Sie nicken. Ich meine: ich muss da wirklich zu Fuss hinauf? Sie deuten auf den Lift auf der anderen Seite. Ich beschließe: „na, ich kann ja auch zu Fuss gehen.“ Sie lachen ganz freundlich. Oben ist noch einmal ein Dutyfree-Shop. Nicht kleiner als das einen Stock tiefer. Mir kommt vor, dass die gleiche Biotherm-Kosmetik für Männer um 9 Euro billiger ist. Ich kaufe trotzdem nicht. Aufmerksam sehe ich mir die Inneneinrichtung des Wartebereiches an.
Ich brauche eine Steckdose für mein Handy. Ich finde eine, aber ich habe Angst, dass ich dann das Handy vergesse. Also lade ich es vom Laptop aus auf. Der hat noch genügend Kraftreserve.
Jetzt könnte die Geschichte ja aus sein. Mitnichten.
Die halbstündige Verspätung dehnt sich ganz im Geheimen (ohne Ansage) auf eine ganze Stunde aus. (Ich hätte mir doch die Quittung vom Taxifahrer geben sollen.)
Endlich werden wir hineingelassen. Ich sitze wunschgemäß in der ersten Reihe auf dem Gangsitz und beobachte die Stewardessen.
Mathematik braucht man doch!
91. Noch einmal durchgehen. 92. Na geh, du hast dich verzählt. Jetzt gehe ich ein zweites Mal: 92. Also bitte, ich kann doch zählen. Im Bereich der Eingangstür verdichtet es sich. Flughafenpersonal in gelben Westen und Checklisten schauen fragend herein. Kurz darauf verlässt der Kapitän das Cockpit. Ich frage die eine Stewardess, ob jetzt sie fliegen wird.
Sie verneint lachend und beginnt mir das Sakko auszuziehen. D.h. ich hatte es schon ausgezogen, sie verstaut es nur in der Ablage. Bevor noch etwas mehr ausgezogen wird, heißt es noch einmal 92. Also irgendein Passagier, einer der jetzt identifiziert wurde und nach vorne kommt, hat keinen Boarding Pass. Sein Ticket ist in Ordnung, aber er scheint an der Kontrolle vorbei gekommen zu sein. 91 Personen eingecheckt, 92 Personen im Flugzeug. All das dauert noch einmal 20 Minuten.
Um 23:00, also eineinhalb Stunden später als im Flugplan, landet der Flieger in Schwechat. Eine dreiviertel Stunde später bin ich zuhause.
Mit dem Gefühl, dass ich doch noch lebe. Ab dem Zeitpunkt, als ich von der Verspätung des Fliegers hörte, hatte ich sogar gewisse Genussgefühle. Auch wenn ich den Flieger verpasst hätte, wäre mir schon etwas eingefallen. Dann hätte ich mich vielleicht auch noch bei einem Freund in Düsseldorf rühren können, den ich diesmal auslassen musste. (Sorry, l.s., nächstes Mal, beide Termine wären sich nicht ausgegangen.)
–
Aber um jetzt auf das Türkengen zurückzukommen: eine Nation, die es nicht schafft, eine einigermaßen vernünftige Zugverbindung zwischen Köln und Stuttgart zustande zu bringen, ohne dass zwischen zwei Zügen fast eine Stunde tote Zeit liegt, braucht sich wegen Überfremdung und Kulturschock keine Gedanken zu machen. Vielleicht sollte man froh sein, dass Deutschland heute keinen Weltkrieg mehr führen könnte, weil selbst unter günstigsten Bedingungen kein Nachschub gesichert werden könnte, wenn nicht einmal in Friedenszeiten die deutsche Eisenbahn funktioniert. Ich glaub, dass der Mehdorn ein Deutscher war. Oder war der Türke und das war bereits die erste Attacke einer Türkeninvasion: zerstört die Nachschubwege.
Mehdorn, das Gen, das die deutsche Eisenbahn mit Dornen verziert hat.
Die Kommentare von anderen Reisenden im ICE habe ich mir leider nicht wörtlich gemerkt. Aber da waren auch ein paar recht markige Sprüche dahinter. Köln – Düsseldorf 40 Minuten, da muss man ja sogar die Regionalzüge noch konsequent einbremsen!
Meine Reisen kündige ich ja mittlerweilen eher auf Facebook an.
Heute mache ich eine Ausnahme, weil ich mich in der glücklichen Lage sehe, eine profane Geschäftsreise mit einem lustbetonten Minibloggertreffen zu kombinieren (nur ein weiterer Blogger). Es geht mir gut, wenn ich die Freiheit habe, meinem Wunsch zu frönen, Kommentatoren oder Kommentierte auch IRL zu treffen. (IRL ist nicht ein Verschreiber von URL sondern heißt in real life.)
Einerseits ist das Internet ein guter Anknüpfungspunkt, um Menschen kennen zu lernen, die man sonst nie treffen könnte. Andererseits will ich die Menschen auch treffen, die ich nur im Internet kenne.
Ab Sonntag bin ich dann wieder unterwegs und habe die Freude, an einem ganz anderen Ort wieder einen Blogger zu treffen, na sagen wir halt eine Bloggerin.
Ja, ich mag das. Man könnte sagen, dass das Internet die Flucht aus der Realität ermöglicht. Wenn man es richtig lebt, intensiviert es hingegen die Realität.
Also ich find das super. (Österreicher bitte das im Tonfall der Möbel-Lutz-Werbung zu lesen.)
Mahler auf der Couch ist ein beachtenswerter Film. (Info siehe z.B. dort)
Wenn man die Alma-Inszenierung von Paulus Manker mehrere Male miterlebt hat, kennt man die Geschichte zumindest im Ansatz, auch wenn mir scheint, dass die im Film erzählte Geschichte einerseits weniger sensationell, durch die Art ihrer Erzählung aber tiefgängiger and ergreifender ist.
Natürlich kommen alle vor, von Zemlinsky, Burkhardt, Klimt, Gropius bis zu Mahlers Schwester und seinen Schwiegereltern.
Die Begegnung Gropius-Mahler ist etwas weniger zynisch als bei Sobol-Manker gestaltet.
Traumhaft ist der Film von Ausschnitten aus Mahlers Musik und daneben Wagner und Bach begleitet.
Freud kommt – Markovics gespielt – gar nicht so schlecht weg und Barbara Romaner, welche die Alma spielt, ist eine faszinierende Schauspielerin. Irgendwie kommt Alma etwas überzeugender herüber als in der Theaterinszenierung.
–
Für mich hat der Film einige Seitenbedeutungen, die für mich sehr stark verbunden bleiben werden. Eine davon ist sicher das Naheverhältnis, dass ich durch meine Eltern und Großeltern mit der geschilderten Zeit empfinde. Ich erinnere mich daran, wie mein Großvater, ebenfalls ein Maler, über Kokoschka gesprochen hat. Ich erinnere mich daran, dass Mahler nicht immer zu meinen Lieblingskomponisten gezählt hat. Er ist allerdings durch einen Vortrag von Gustav Kuhn, der er einmal über Mahlers Neunte gehalten hat, sehr stark in seiner Bedeutung für mich gestiegen. Wien und die Häuser in Döbling oder in Toblach, die Berge, die Wr. Staatsoper empfinde ich so, als würden sie mir alle gehören. Ich bin dort spazieren gegangen, wo Teile des Films spielen. Im Film rauchen beide, Mahler und Freud, dicke Zigarren und ich war drauf und dran, mir welche zu kaufen und zu rauchen.
Es kommt mir vor wie eine andere Welt, wie eine vergangene Welt. Es war eine Welt vor dem 2. Weltkrieg, ja sogar noch vor dem 1. Weltkrieg. Und es war eine Welt, die es nicht mehr gibt. Nicht im Guten und nicht im Schlechten. Obwohl – das Schlechte ist ja immer noch steigerungsfähig.
Und selbstverständlich verwebt sich Musik und Geschichte mit eigenen Frauengeschichten in den unheimlichsten und unterschiedlichsten Gedankengängen. Man nennt das Phänomen – glaube ich – Anmutung. Die wird immer bestehen bleiben. Und das mit sehr, sehr positiven Gefühlen.
