Beamtendeutsch

Von einem lieben Schulfreund habe ich eine ganze Sammlung bekommen:
„Besteht ein Personalrat aus einer Person, erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern.“
[Info des Österreichsichen Lehrerverbandes]

Beamtendeutsch II

Kollege nömix hat ja schon ein ähnliches Zitat gebracht. Dieses aus anderer Quelle:
„Der Tod stellt aus versorgungsrechtlicher Sicht die stärkste Form der Dienstunfähigkeit dar.“
[Unterrichtsblätter für die Bundesheerverwaltung]
Und weil es so gut dazupasst:
„Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet.“
[Kommentar zum Bundesreisekostengesetz]

WIR

Oder „mi“ in der Originalsprache. Das ist ein dystopischer Roman von Jewgenij Samjatin, der in der Regel in der Troika mit „Brave New World“ und „1984“ genannt wird.
–
Wir bewegen uns noch immer in die Richtung, die uns einmal im Zentrum der geschilderten Welten finden wird.
Das „Wir“ ist ja am gewaltigsten in der Bild-Überschrift „Wir sind Papst“ strapaziert worden.
In ORF-online gibt es eine Bildüberschrift (Verlinken sinnlos, weil die Bilder wieder verschwinden) mit dem Insert:
„Wir sind Planei“
In Anlehnung an einen Werbespruch „Ich bin doch nicht blöd“ können wir schlussfolgern, dass „ich“ nicht blöd bin, als Miglied einer angesprochenen Gruppe sehr wohl: „Wir sind blöd!“
Also „wir sind Schnee“, „wir sind Chaos“, „wir sind sexistisch“ … das passt alles.
Scheiße, und ich habe einmal gedacht, dass ich anders bin.

mit 16

Spenden wir Trost,
So sollten wir weinen.
Denn nur um zu teilen,
Ist diese Welt uns gegeben.
[Was ich mit 16 alles geschrieben habe, tsts…]

Sieben

In der Anthroposophie ist das Menschenleben in Abschnitten zu je 7 Jahren geteilt. Danach würden sich meine Einstellungen und Lebensgewohnheiten erst in eineinviertel Jahren ändern. Anscheinend hat etwas meinen Ablauf beschleunigt.
Ich kann es kaum mehr über mich bringen Nachrichten zu hören oder lesen. Auch bei den Blogs interessieren mich nur mehr ganz wenige, die meisten davon mit humorvollem Charakter. Die Lust zum Kommentieren ist verflogen und meine Mitleidsbereitschaft ist auf null. Mittlerweile spende ich zwar gerne, allerdings dorthin, wo ich die Menschen gar nicht kenne. Ärzte ohne Grenzen oder CARE. Manchmal gebe ich den Augustin-Leuten etwas, aber das kommt immer seltener vor.
Ich lese, wenn Leute jammern oder philosophieren und denke mir nur: jeder hat sein Schicksal in der Hand. Wenn er so weit ist, dass er jammern und schreiben kann, kann er auch etwas Produktives tun. In seiner Freizeit, nicht als Beruf.
So ist das. Es dreht meine bisherige Lebenseinstellung ziemlich um. Ich bin nicht unbedingt zum Misanthropen geworden, doch mein Verantwortungskreis beschränkt sich mehr und mehr auf Familie. Die anderen gehen mich nichts mehr an. So scheint es zumindest momentan.
Da gibt es auch nichts zu bejammern. Wenn ich jammern würde, wäre ich der erste, den ich nicht aushalten könnte:)

nichts für Mozartliebhaber

Von Mozart gibt es eine Fantasie UND Sonate in c-moll, die ich immer mal sehr gerne gespielt habe. Ich glaube, seit ich sechzehn war.
Heute drehe ich das Radio zum Mittagskonzert auf und erlebe, dass davon eine Orchesterfassung gespielt wird.
Es gibt ja Orchesterfassungen, die ich notgedrungen akzeptiere. Wenn z.B. Ravel Mussourgski orchestriert.
Aber bei Mozart hebt es mir den Magen aus. Da geht es um den Satz: „Schnitzel ist gut, Schlagobers ist gut, wie gut muss erst Schnitzel mit Schlagobers sein?
–
Da finde ich ja noch die diversen Cross-over-Versionen ehrlicher.

Carmen

Also auch wenn die Obraszova gut singen kann, die Carmen selbst ist ein bisschen deppat. An der Oper habe ich ja immer Verständnisschwierigkeiten gehabt. Aber gut, ich muss ja nicht Alles verstehen.
–
Sollen sich die Feministinnen mit ihr identifieren!

Seelenwanderung

Es gibt Menschen, die wir in der Erde begraben; aber andere, die wir besonders zärtlich lieben, sind in unser Herz gebettet. Die Erinnerung an sie mischt sich täglich in unser Tun und Trachten, wir denken an sie, wie wir atmen, sie haben in unserer Seele eine neue Gestalt angenommen, nach dem zarten Gesetz der Seelenwanderung, das im Reich der Liebe herrscht.
[Honoré de Balzac]
Eine schöne Beschreibung, die mich vor allem deswegen überrascht, weil Balzac den Begriff der Seelenwanderung verwendet.
Der Anlass war das Begräbnis meiner Schwägerin, bei dem ich selbst nicht anwesend sein konnte, aber meine Frau sehr schön davon berichten konnte.
Eine Seitengeschichte dazu betrifft meinen Schwager. Der hatte bis jetzt eine sehr schwere Zeit gehabt, seiner Frau beim Sterben zuzusehen. Es geht ihm jetzt besser. Warum? Er ist Mitglied in drei Chören, an denen er jetzt wieder aktiv teilnehmen kann. Dort gibt es Freunde aber vor allem auch die Gelegenheit, seine Emotionen in der Musik auszuleben. Das ist schon ein sehr tröstlicher Gedanke.
Über meine verstorbene Schwägerin erzähle ich nichts. Sie war ein fantastischer Mensch, wie auch diie anderen Familienmitglieder, die ich kenne. (inklusive meiner Frau:) Man kann sich schwer vorstellen, wie viele Menschen bei der ersten Trauerfeier waren.
Was immer uns nach unserem Tod erwartet, mache ich mir um ihren Verbleib keine Sorge.

NSA und so weiter

Momentan wird da alles Mögliche geschrieben und die Zeitungen sind voll davon. Während mich die Inhalte absolut nicht überraschen, frage ich mich: von welchem wirklichen Thema soll da abgelenkt werden?
Steuern wir auf einen neuen Weltkrieg zu?
Werden jetzt gerade die Weichen gestellt, wer mit wem?
Die Überwachung hat uns ja bis jetzt nicht wehgetan. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. So, jetzt wird das als der Untergang der Welt dargestellt.
Wo kündigt sich aber der wahre Untergang an?
Sind das die diversen Mini-Revolutionen? Ist das die Ablehnung von Mursi? Sind das beginnende wirtschaftliche Schwierigkeiten in China?
Wenn mir etwas Angst machen könnte, dann wäre es jetzt die Behandlung eines überaus heiklen Themas wie das der Überwachung. Dies wird aber so gebracht, als hätte wieder einmal ein Mann seine Tochter im Keller eingesperrt und 30 Jahre missbraucht. Irgend etwas stimmt da nicht.
Was geht da vor?

Warum ich nichts tue

Mir geht es gut. Das ist ein Vorgriff auf einen nahen Zeitpunkt. Dann werde ich keine finanziellen Verpflichtungen mehr haben. Das Haus ist ausbezahlt. Nur mehr Betriebskosten. Jetzt kann es an die kleinen Verbesserungen gehen, die seit vielen Jahren hauptsächlich aus Kostengründen nicht durchgeführt wurden.
Aber das Gut-gehen hat auch Kehrseiten. Es fehlt ein gewisser Antrieb. Zur Zeit arbeite ich gerade in einem Projekt, das mich voll in Anspruch nimmt. Trotzdem würde ich mich darüber hinaus noch mehr um Serbien kümmern. Und auch um österreichische oder deutsche Kunden.

Aber was jetzt wirklich flach fällt, ist das Lesen und das Schreiben.
Beim Lesen fallen mir die Augen zu. Außer wenn ich am Bildschirm lese. Sicher wäre ein Besuch beim Augenarzt angesagt. Der wird mir eine Brille verschreiben und das Lesen wird vermutlich weniger anstrengend.
Mit dem Schreiben ist es schwieriger. Meine Ansprüche, die ich an diesen Text jetzt nicht anlege, sind gestiegen. Ich will nicht etwas schreiben, was ich kritisieren würde, wenn es jemand anderer geschrieben hätte. Kürzlich ist mir zufällig ein Text in die Hand gefallen, den ich vor 15 Jahren geschrieben habe. Auf englisch. Er war auf der Rückseite von Notizen, die ich bis dato aufgehoben hatte. Ich war überrascht. Ich mochte den Text und konnte nicht glauben, dass ich ihn geschrieben hätte. Das war aber aufgrund der Kennzeichnung auf der letzten Seite so.
Ich quäle mich mit zwei Texten herum. Beide handeln von Inhalten, die mir wichtig sind. Trotzdem geht nichts weiter. Ich will kurz bleiben und quäle mich mit Formulierungen herum. Ich kann nicht mehr abschätzen, was der Leser bereits weiß und was nicht. Wenn ich zu langatmig aushole, kann ich meine eigenen Trivialitäten nicht mehr lesen.
Manche Aussagen, die vor zehn Jahren noch aufmüpfig und sogar revolutionär geklungen haben, sind heute Allgemeingut geworden. Ich will das nicht mehr wiederholen, auch wenn die Anlässe dafür nicht weniger geworden sind.
Also schreibe ich nicht. Ich über Klavier, um mich geistig fit zu halten. Da habe ich wenigstens die Hoffnung, dass diese Tätigkeit meine Lebenserwartung oder die Qualität meines Alters erhöht. Vermutlich werde ich in drei Jahren noch einmal ein Konzert geben. Zu meiner 65. Geburtstagsfeier.
Wenn diese drei Jahre im gleichen Tempo dahingehen, wie ich die vergangenen zwei empfunden habe, wird das Konzert gefühlt morgen statt finden.
Ich muss daher jetzt aufhören und noch etwas üben.

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