Archive for the ‘Unkategorisiert’ Category
Die meisten Menschen, die kein Instrument spielen, halten die Tonarten für gleichberechtigt und austauschbar. Dies rührt zum großen Teil davon her, was einem in der Schule unter wohltemperierter Stimmung beigebracht wird. Wenn man die Stimmungen genauer analysiert, verschiedene Instrumente betrachtet und vielleicht die Mathematik heranzieht, kann man rasch erkennen, dass dies nicht stimmt.
Ein Geiger wird sich viel leichter in den Kreuztonarten spielen, während der Klavierspieler einen schöneren Klang erzeugen kann, wenn er in Es-Dur, As-Dur oder Des-Dur unterwegs ist. (Das lässt sich auch sehr gerne bei Chopin und Schubert ausprobieren.)
Die A-Dur zeichnet sich wiederum durch das Fehlen von Tragik aus. Es ist eine erfreuliche Tonart, die Mut und Optimismus verstrahlen kann.
Auch wenn man „la, la, la“ trällert, so singt man damit a‘, a‘, a‘. Orchester werden auf den Kammerton a‘ gestimmt, der je nach Werk etwas höher oder tiefer angesetzt werden kann. Bei historischen Instrumenten gibt man sich eher mit 440 Hz zufrieden, während bei Klavierkonzerten, eine Höhe von 443 Hz mehr Brillanz aufzuweisen scheint.
Als ein wunderschönes Beispiel für eine erfreuliche A-Dur mag die siebente Symphonie von Beethoven gelten.

Vorab: keine Sorge – die Geschichte wird fortgesetzt.
Dieser Eintrag heute ist ein sehr persönlicher, der einen traurigen Anlass hat. Die Mutter einer Bloggerin ist gestorben. Über den schlechten Allgemeinzustand wurde bereits vorher gebloggt. Ich kenne die Familie nicht gut genug, um die Situation des relativ plötzlich eingetretenen Todesfalls richtig zu kommentieren. Ich komme daher über die bloße Beileidsformel nicht hinaus.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich nicht meine Gedanken um die Bloggerin kreisen lasse und versuche mir auszumalen, wie sie jetzt empfindet. Es gibt da schließlich auch noch einen pflegebedürftigen Vater, der ebenfalls damit fertig werden muss.
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Ich wollte einen bestimmten Teil einer Musik ins Internet stellen, aber er wird nicht so, dass ich ihn wirklich veröffentlichen mag. Das Werk gibt oder besser gab es nicht, bis ich heute noch einmal einen Versuch unternahm. Und tatsächlich findet sich jetzt der erste Satz der 4. Symphonie Schmidt im Internet. (Ich wollte an sich das Adagio hineinstellen, aber der erste Satz tut es auch. Warum, darüber später. Und der Link findet sich ganz am Schluss.)
Die 4. Symphonie hat Franz Schmidt auf den Tod seiner Tochter geschrieben, unter dem er sehr gelitten hat. Es gibt ein Zitat von ihm: „(er wollte) die letzte Musik schreiben, die man hört, während man ins Jenseits geht.“
Und diesen Wunsch konnte er wohl realisieren. Über Musikgeschmack lässt sich genauso streiten wie über andere Geschmäcker. Fest steht, dass das Adagio (der Trauermarsch) noch etwas trauriger ist als alle anderen bekannten Trauermärsche (Chopin und Mahler durchaus berücksichtigt). Und die schönen Stellen sind noch schöner als andere Stellen (Strauss und Beethoven, Prokovief und Ravel durchaus berücksichtigt)
Wie gesagt, das ist eine subjektive Bewertung, die allerdings in unserer Famile noch eine weitere Ausdehnung hatte.
Mein Vater war in Franz Schmidt vernarrt, war sehr unglücklich, dass er ihn nicht als Schüler angenommen hatte. („Was? Sie studieren an der Technik und an der Musikakademie gleichzeitig? Ich kann sie da nicht als Schüler annehmen. Ich will reine Musiker.“ Etwas ruppig vorgebracht. Mein Vater war letztlich Bauingenieur, in den letzten Jahren hielt er Musikvorträge, ähnlich wie Marcel Prawy. Von seinen Musikstudien habe ich viel profitiert.)
Als mein Vater starb, spielte ich zu seinem Begräbnis einige Stücke, die er selbst für das Klavier transkribiert hatte. Die klangen auch auf dem Harmonium in der Friedhofshalle recht gut.
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Auch meine Mutter mochte Schmidt. Natürlich mochte sie meinen Vater und seine Begeisterung konnte auf sie übergeschwappt sein. Doch das ist nicht die wichtige Komponente. Meine Mutter war ebenfalls sehr musikalisch, spielte in den jungen Jahren ihrer Ehe mit meinem Vater vierhändig und war für den Tristan von Wagner genauso aufgeschlossen wie für Franz Lehar.
Die vierte Symphonie mochte sie, wollte aber nicht, dass man sie auf Platte auflegte. Sie musste sofort zu weinen anfangen, sobald sie den Anfang hörte – und dann natürlich in der Fortsetzung auch noch. Es ist dies eine Eigenschaft, die ich an meiner Mutter liebe. An die ich mich heute noch – mehr mit Freude als mit Wehmut – erinnere. Da gibt es eine Verbindung, ein unausgesprochenes Einverständnis, dass die Musik in der gleichen Stimmung gehört wird, wie ich sie höre. Da gibt es Verwandtschaft, ein Wiederfinden. „Diese Musik ist so traurig, die kann ich mir nicht anhören.“ waren manchmal ihre Worte, wenn ganz selten die Platte (mit einem blauen Umschlag) doch aufgelegt wurde oder zufällig im Radio gespielt wurde, was in Österreich ja ab und zu mal vorkommen mag.
Ich hatte Schwierigkeiten zu erkennen, dass mich meine Mutter liebte. Ich hatte das Gefühl, nur wegen meiner Leistungen geliebt zu werden. Erst zehn Jahre nach ihrem Tod – das ist jetzt auch schon wieder fast zehn Jahre her – , wobei das Umdenken aber durch die sehr gute Begräbnisansprache des Priesters ausgelöst worden war, veränderte ich meine Haltung und fand vielleicht aus der Rolle „guter Sohn spielen“ in die Rolle „liebender Sohn sein“, was sinnvoll wäre, wenn sie noch leben würde.
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„In Wien musst erst tot sein, damit du was wirst.“ Diesen Satz hört man oft, wenn man über Künstler spricht. Es ist wohl die Krux der meisten Menschen, (es gibt ja auch durchaus Ausnahmen) dass der Wert eines Menschen oder eines Umstandes erst dann festgestellt wird, wenn man sich mit dem Vermissen auseinandersetzen muss.
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Zum Schluss kommend möchte ich bemerken, dass fernab jeder religiösen Interpretation, Menschen für mich nicht sterben. Sie gehen in eine andere Welt oder sie werden transformiert. Wenn es so etwas wie bewusste Seelen (oder von mir aus auch unbewusste Seelen) gibt, so bleiben sie erhalten. Anders ist die Wirkung der Gedanken an die Vorfahren kaum für mich zu erklären. Es fängt ja schon damit an, dass man besser verstehen lernt, wenn man selbst in das Alter kommt, in dem man seine Eltern oder Grosseltern als Kind erlebt hat. Aber es trifft auch auf Menschen zu, die man in seinem Leben nie getroffen hat.
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Und so wünsche ich der Bloggerin, dass sie trotz der beschriebenen schwierigen Lebensumstände jene Entwicklung erfahren kann, nach der die Vergangenheit von den positiven statt den negativen Erinnerungen bestimmt wird. Die Zeit heilt hier nicht Wunden sondern sie ermöglicht die ruhige Reflexion, die nicht durch aktuelle Katastrophen beeinträchtigt ist. Und auf diese Weise können möglicherweise auch ganz starre, ererbte Verhaltensmuster aufgeweicht werden.
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Und hier die Musik:
und heute hatte ich einen richtigen Anflug von Grippe. Ich hoffe, dass ich es jetzt schon weggesteckt habe. Am Abend ging das Spielen wieder recht gut.
Das wäre ja etwas: lange ein Konzert planen und dann aus Krankheitsgründen ausfallen;(
Nein, das Konzert wird stattfinden und ich hoffe, es kommen wirklich alle, die zugesagt haben:)
Ich weiß, er ist nicht mehr zuständig. Er ist sozusagen zu Grube wie der Bush zu Obama.
Bremen-Hannover, Reisegeschwindigkeit 142km/h. Ich glaube, ein ICE der dritten Generation, der mit dem Tempo eindeutig unterfordert ist.
Rumpelt und schaukelt mehr als die Moskauer Straßenbahn, wenn sie am Onkologie-Zentrum vorbei schunkelt.
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Der Gleisbau (Oberbau) ist eindeutig Mehdorn-Klasse. Vielleicht2,3 Mehdorn auf einer Skala von 1-5 (5 am schlechtesten, 1 bereits unter jeder Kritik) Eine Schande für die deutsche Bahn, für die Deutschen, für die deutschen Politiker, insbesonders für einen deutschen Verkehrsminister, der Mehdorn den Auftrag gegeben hat, die DB borsenfähig zu machen
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Aber sonst geht’s mir gut!
Es könnte sein, dass ich Gerard Depardieu das erste Mal russisch sprechen höre. Passt nicht ganz zu dem Bild von Obelix, als den ich ihn zuletzt gesehen habe.
Im Radio übertragen sie gerade „Iwan der Schreckliche“. Ich schätze ja Prokofiev sehr. Es ist allerdings das erste Mal, dass ich dieses Oratorium höre.
Das Angenehme an einem Ausländer, der russisch spricht, ist, dass ich den gesprochenen Text sogar so halbwegs verstehen kann.
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Sehr schön, das Ganze. Zu empfehlen.
Vorab: keine Sorge – die Geschichte wird fortgesetzt.
Dieser Eintrag heute ist ein sehr persönlicher, der einen traurigen Anlass hat. Die Mutter einer Bloggerin ist gestorben. Über den schlechten Allgemeinzustand wurde bereits vorher gebloggt. Ich kenne die Familie nicht gut genug, um die Situation des relativ plötzlich eingetretenen Todesfalls richtig zu kommentieren. Ich komme daher über die bloße Beileidsformel nicht hinaus.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich nicht meine Gedanken um die Bloggerin kreisen lasse und versuche mir auszumalen, wie sie jetzt empfindet. Es gibt da schließlich auch noch einen pflegebedürftigen Vater, der ebenfalls damit fertig werden muss.
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Ich wollte einen bestimmten Teil einer Musik ins Internet stellen, aber er wird nicht so, dass ich ihn wirklich veröffentlichen mag. Das Werk gibt oder besser gab es nicht, bis ich heute noch einmal einen Versuch unternahm. Und tatsächlich findet sich jetzt der erste Satz der 4. Symphonie Schmidt im Internet. (Ich wollte an sich das Adagio hineinstellen, aber der erste Satz tut es auch. Warum, darüber später. Und der Link findet sich ganz am Schluss.)
Die 4. Symphonie hat Franz Schmidt auf den Tod seiner Tochter geschrieben, unter dem er sehr gelitten hat. Es gibt ein Zitat von ihm: „(er wollte) die letzte Musik schreiben, die man hört, während man ins Jenseits geht.“
Und diesen Wunsch konnte er wohl realisieren. Über Musikgeschmack lässt sich genauso streiten wie über andere Geschmäcker. Fest steht, dass das Adagio (der Trauermarsch) noch etwas trauriger ist als alle anderen bekannten Trauermärsche (Chopin und Mahler durchaus berücksichtigt). Und die schönen Stellen sind noch schöner als andere Stellen (Strauss und Beethoven, Prokovief und Ravel durchaus berücksichtigt)
Wie gesagt, das ist eine subjektive Bewertung, die allerdings in unserer Famile noch eine weitere Ausdehnung hatte.
Mein Vater war in Franz Schmidt vernarrt, war sehr unglücklich, dass er ihn nicht als Schüler angenommen hatte. („Was? Sie studieren an der Technik und an der Musikakademie gleichzeitig? Ich kann sie da nicht als Schüler annehmen. Ich will reine Musiker.“ Etwas ruppig vorgebracht. Mein Vater war letztlich Bauingenieur, in den letzten Jahren hielt er Musikvorträge, ähnlich wie Marcel Prawy. Von seinen Musikstudien habe ich viel profitiert.)
Als mein Vater starb, spielte ich zu seinem Begräbnis einige Stücke, die er selbst für das Klavier transkribiert hatte. Die klangen auch auf dem Harmonium in der Friedhofshalle recht gut.
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Auch meine Mutter mochte Schmidt. Natürlich mochte sie meinen Vater und seine Begeisterung konnte auf sie übergeschwappt sein. Doch das ist nicht die wichtige Komponente. Meine Mutter war ebenfalls sehr musikalisch, spielte in den jungen Jahren ihrer Ehe mit meinem Vater vierhändig und war für den Tristan von Wagner genauso aufgeschlossen wie für Franz Lehar.
Die vierte Symphonie mochte sie, wollte aber nicht, dass man sie auf Platte auflegte. Sie musste sofort zu weinen anfangen, sobald sie den Anfang hörte – und dann natürlich in der Fortsetzung auch noch. Es ist dies eine Eigenschaft, die ich an meiner Mutter liebe. An die ich mich heute noch – mehr mit Freude als mit Wehmut – erinnere. Da gibt es eine Verbindung, ein unausgesprochenes Einverständnis, dass die Musik in der gleichen Stimmung gehört wird, wie ich sie höre. Da gibt es Verwandtschaft, ein Wiederfinden. „Diese Musik ist so traurig, die kann ich mir nicht anhören.“ waren manchmal ihre Worte, wenn ganz selten die Platte (mit einem blauen Umschlag) doch aufgelegt wurde oder zufällig im Radio gespielt wurde, was in Österreich ja ab und zu mal vorkommen mag.
Ich hatte Schwierigkeiten zu erkennen, dass mich meine Mutter liebte. Ich hatte das Gefühl, nur wegen meiner Leistungen geliebt zu werden. Erst zehn Jahre nach ihrem Tod – das ist jetzt auch schon wieder fast zehn Jahre her – , wobei das Umdenken aber durch die sehr gute Begräbnisansprache des Priesters ausgelöst worden war, veränderte ich meine Haltung und fand vielleicht aus der Rolle „guter Sohn spielen“ in die Rolle „liebender Sohn sein“, was sinnvoll wäre, wenn sie noch leben würde.
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„In Wien musst erst tot sein, damit du was wirst.“ Diesen Satz hört man oft, wenn man über Künstler spricht. Es ist wohl die Krux der meisten Menschen, (es gibt ja auch durchaus Ausnahmen) dass der Wert eines Menschen oder eines Umstandes erst dann festgestellt wird, wenn man sich mit dem Vermissen auseinandersetzen muss.
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Zum Schluss kommend möchte ich bemerken, dass fernab jeder religiösen Interpretation, Menschen für mich nicht sterben. Sie gehen in eine andere Welt oder sie werden transformiert. Wenn es so etwas wie bewusste Seelen (oder von mir aus auch unbewusste Seelen) gibt, so bleiben sie erhalten. Anders ist die Wirkung der Gedanken an die Vorfahren kaum für mich zu erklären. Es fängt ja schon damit an, dass man besser verstehen lernt, wenn man selbst in das Alter kommt, in dem man seine Eltern oder Grosseltern als Kind erlebt hat. Aber es trifft auch auf Menschen zu, die man in seinem Leben nie getroffen hat.
–
Und so wünsche ich der Bloggerin, dass sie trotz der beschriebenen schwierigen Lebensumstände jene Entwicklung erfahren kann, nach der die Vergangenheit von den positiven statt den negativen Erinnerungen bestimmt wird. Die Zeit heilt hier nicht Wunden sondern sie ermöglicht die ruhige Reflexion, die nicht durch aktuelle Katastrophen beeinträchtigt ist. Und auf diese Weise können möglicherweise auch ganz starre, ererbte Verhaltensmuster aufgeweicht werden.
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Und hier die Musik:
Bin ich überheblich? Ich wohne zur Zeit in einem sehr guten Hotel mit modernen Lifts. Ähnlich wie auch in anderen gut ausgestatteten Lifts, haben sie eine gewisse Grundintelligenz, die nur dann anhält, wenn man die Ruftaste für diejenige Richtung gedrückt hat, in der der Lift gerade unterwegs ist. Es kommt vor, dass der Lift aber in der Aufwärtsbewegung auch stehen bleibt, wenn ich hinunterfahren will. Denn manche Personen drücken grundsätzlich beide Knöpfe, weil sie glauben, dass sie dann schneller befördert werden. Dann steigen sie auch in einen Lift ein, der nicht in ihre gewünschte Richtung fährt. (Bis hierher alles verstanden, ist ja auch ok so. Ich steige auch manchmal in die falsche Richtung ein, damit dann nicht bei der Rückfahrt kein Platz mehr für mich da ist.)
Aber jetzt: der Mensch ist eingestiegen, der Lift fährt in die Richtung, in die er nicht will. Und jetzt setzt Erstaunen, Grübeln, Verzweiflung ein: wieso fährt der Lift in die andere Richtung?
Und ich frage mich: ist das so schwer zu kapieren?
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Ich bin da vielleicht überempfindlich. Vielleicht veranschaulicht es ein anderes Beispiel besser:
JEMAND WÄHLT EINE PARTEI. NACHHER FRAGT ER SICH, WIESO HABEN WIR SO EINE BESCH… POLITIK?
Ich mag Berlin. Nicht nur, weil dort die U- und S-Bahnen auch in der Nacht fahren. Nicht nur, weil man in der Oranjenstraße auch noch um vier Uhr früh noch sehr dezent essen kann. Nicht nur, weil es das A-Train hat. (Jazz-Lokal)
Nicht nur, weil ich in der Jugend mit Nesthäkchen-Lektüre groß geworden bin.
Und auch nicht, weil es die Berliner Philharmoniker gibt. Die gibt es ja auch in Wien, nur heißen sie dort anders. Wir haben in Wien den Goldenen Saal, bei dem sich die Tontechniker der ganzen Welt fragen, wie man die Akustik noch einmal so gestalten kann.
Die Berliner haben die größte Bühne. Vielleicht nicht gemessen am Park Concert in New York. Doch 20.000 begeisterte Zuhörer in der Waldbühne ist schon ein Superlativ für sich.
Und neben der verschobenen Schweizreise, die sich heuer vielleicht nicht mehr ausgehen wird, plane ich ein nächstes Event, den Besuch eines Berliner Philharmoniker Abschlusskonzerts. Das muss ich mir einfach einmal geben.
Heuer war Renee Fleming der singende Star. Ich mag die Frau sehr. So sympathisch. Und singen kann sie auch.
In der Zugabe hat sie dann noch „O Mio Babbino Caro“ von Puccini gesungen.
Auf youtube gibt es auch Beispiele von ihr, doch als kleine Überraschung zitiere ich hier eine andere Sängerin, von der ich noch nie gehört habe. Sie ist halt in einem anderen Land berühmt.
Und singt auch sehr schön:)
AlphaGo, ein Go-spielendes Computerprogramm hat den Weltmeister in der ersten Partie eines Turniers über 5 Spiele geschlagen. Das bedeutet jetzt noch nicht, dass der Weltmeister insgesamt verloren hat. Aber der Umstand, dass es möglich war, hat einen Tatbestand geschaffen, der erst in zehn Jahren zu erwarten war, gibt zu denken.
Ich sehe das als einen historischen Moment an.
Im Gegensatz zu Schach galt Go lange Zeit als nicht ausreichend beherrschbar für den Computer. Obwohl die Regeln sehr einfach erscheinen, sind die möglichen Variationen, die durchgerechnet werden müssen, zu viele, um hier einfach mit „roher Gewalt“ (brute force method) durchrechnen zu können.
Doch jetzt hat Google durch das gleichzeitige Wirken von drei verschiedenen Berechnungsmethoden, zwei mal neurale Netzwerke, einmal Monte-Carlo-Simulation, ein Programm zusammengesetzt, welches sich selbst weiterentwickeln kann. Einerseits wurden 20 Millionen menschliche Partien eingefüttert, andererseits spielt das Programm jetzt auch gegen sich selbst und verbessert sich ohne menschliches Zutun.
Ich habe mir die erste Partie angeschaut. Was schon Kasparov vor zehn Jahren über das damalige Schachprogramm gesagt hat, trifft wiederum zu. Man kann in dem vorliegenden Programm an den Zügen nicht erkennen, ob hier ein Mensch oder eine Maschine „denkt“. Die Partie selbst wurde sehr scharf gespielt, ist aber in der Analyse durchaus nachvollziehbar.
Was bedeutet das nun? Erstens, dass ich schleunigst mein Buch fertig schreiben muss, damit es nicht von „einer“ Realität überholt und uninteressant wird.
Zweitens, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Leser einer eigentlich renommierten Tageszeitung, die ihre Meinungen mit dümmlichen Postings kund tun, umdenken werden müssen. Manchmal denke ich, dass die Kommentare so ähnlich verlaufen, wie sich ein verstockter Krimineller beim Verhör verhält: ja nichts zugeben, was nicht bewiesen werden kann.
Die Überlegenheit des menschlichen Geistes wird gerade von denen aufs Heftigste postuliert, die durch die Art ihre Argumentation beweisen, dass gerade sie nicht so überlegen denken können.
Wie gesagt, heute ist ein historischer Tag. Man könnte es mit dem ersten Atlantik-Flug vergleichen, mit der ersten Mondlandung oder dem ersten Zug, der den Semmering überquert hat. Immer gab es Skeptizismus, der vehement zu Aussagen führte: da fährt ja der Teufel mit. (Nachzulesen bei Peter Rossegger) Den Teufel haben wir jetzt wieder. Und so wie die Menschheit jede technische Errungenschaft zuerst für militärische Zwecke verwendet, hat der Teufel wieder ein Stückchen Territorium erobert.
Live Mitschnitt der ersten Partie
(dauert 4 Stunden, aber man kann sich ja auch einige Passagen heraus anwählen. Interessant: die Stellung nach den ersten 10 Zügen, die Endstellung. Dazwischen ist es wohl nur für Go-Spieler ab einer gewissen Spielstärke, z.B. 1 Dan, anregend.)
Auch interessant über die Geschichte des Programms
Es könnte sein, dass ich Gerard Depardieu das erste Mal russisch sprechen höre. Passt nicht ganz zu dem Bild von Obelix, als den ich ihn zuletzt gesehen habe.
Im Radio übertragen sie gerade „Iwan der Schreckliche“. Ich schätze ja Prokofiev sehr. Es ist allerdings das erste Mal, dass ich dieses Oratorium höre.
Das Angenehme an einem Ausländer, der russisch spricht, ist, dass ich den gesprochenen Text sogar so halbwegs verstehen kann.
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Sehr schön, das Ganze. Zu empfehlen.
