Archive for the ‘MUSIK’ Category

Was mich am Ring ärgert

Natürlich kann man vieles an der ganzen Geschichte bekritteln, aber es ist Mischung aus Sage und Mythen und da ist vieles erlaubt.
Doch eine Sache hat mich immer ob ihrer absoluten Unlogik und verlogenen Moral gestört.
Es ist das Pochen von Freya auf das Recht des Ehemanns, dem Siegmund die Sieglinde entführt hat.
Dieses Recht, welches aufgrund der Verträge eingefordert wird, an die sich selbst Wotan halten muss, ist ein derart beschissenes Unrecht, wie es sonst nur im Islam zu finden ist, was das Verhalten den Frauen gegenüber angeht.
Hunding hat Sieglinde geraubt unter dem vernachlässigbaren Umstand der Ermordung ihrer Mutter, doch nach dem Raub befindet er sich im Recht des Ehemanns.
Ich habe das als Kind schon nicht verstanden. Und irgendwie kommt das auch in keiner Wagner-Erklärung vor. Im Prinzip setzt sich Wotan in doppeltes Unrecht, was dann ja wieder gebührlich bestraft wird.

Ansonsten ist der Wagner wirklich eine Droge. Ich sehe gerade den argentinischen Ring:

Der ganze „Ring“ aus Buenos Aires
Im Hauptabend präsentiert ORF III schließlich Wagners gewaltiges Musikdrama „Der Ring des Nibelungen“ aus dem berühmten Opernhaus Teatro Colón in Buenos Aires, das dort vergangenen November in einer hochkonzentrierten Kompaktfassung auf die Bühne gebracht wurde. Aufsehen erregte diese Produktion, weil Katharina Wagner, die eigentlich als Regisseurin vorgesehen war, am Tag der ersten Probe gleich wieder abreiste. Die argentinische Regisseurin Valentina Carrasco sprang ein und übersetzte den „Ring“ in die 1970er Jahre, die Zeit der Militärdiktatur in Argentinien. So werden die Rheinnixen zu den Madres von der Plaza de Mayo und Wotan und Fricka zu Juan und Evita Perón.

Der gesamte Ring in etwas sieben Stunden. Die Kürzungen sind schon recht gewaltig, allerdings sehr geschickt gemacht und man hat nicht den Eindruck, dass etwas fehlt, es sei denn man kennt die Opern gut genug.

Manchmal glaube ich, dass ich wirklich auf einem anderen Stern lebe. Stört diese Vertragsgeschichte denn wirklich niemanden sonst?

Der letzte Musikwunsch

Anläßlich meines letzten Eintrags fällt mir ein weiterer in Fortsetzung ein: was wünschen wir uns als letzte Musik zu hören, bevor wir in eine andere Welt gehen.
Als ersten Eintrag nenne ich den Musikwunsch meiner verstorbenen Tante. Es ließ sich leider nicht in der Form arrangieren, wie sie es vielleicht gerne gehabt hätte. Doch könnte der Eintrag ein Beweis dafür sein, dass sie nicht vergessen worden ist. Sie war eine wunderbare, hochbegabte Frau und Künstlerin mit ein paar Ecken und Kanten. Als Akademikerin in einer Zeit, wo sie Vorreiterrolle spielte, musste sie sich beruflich in einer Männerdomäne beweisen. Heutzutage hätte sie es wesentlich leichter gehabt, ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Sie war äußerst tierlieb und manchmal denke ich, dass der Hund den wir nach ihrem Tod zu uns nahmen, etwas von ihrer Tierliebe weiter transportieren konnte. Es war die Zeit vor den schnellen Digitalkameras, (also daher kein Bild) als diese Staffordshire Bullterrier-Hündin halb rücklings auf der Fußbodenheizung ans Fenster gelehnt dalag, und an ihrem Bauch drei junge Kätzchen schlummerten. Ein Bild, dass sich auch ohne Kameras eingebrannt hat.
Hier findet sich ihre Musik: https://www.youtube.com/watch?v=ZEQecQjPP2w

Synästhesie

http://www.youtube.com/watch?v=0HzYgALMpHo
Bei Pjerunje habe ich diesen Link eingestellt. Wenn ich diese Musik höre (nicht nur diese Arie sondern auch einige wenige andere) habe ich sofort den Geruch von dem Lack in der Nase, mit dem Philips seine Widerstände geschützt und isoliert hat. Diese kleinen Zylinder, ungefähr ein Zentimeter Länge und eineinhalb Millimeter Durchmesser. Mit dem Geruch ist eine ganze Szene verbunden. Ich spiele im Wohnzimmer mit einem Elektronikbaukasten, bin ca. 15 Jahre alt, mein Vater studiert den Boris für seine Musikvorträge und hört sich einzelne Passagen immer wieder an. Ich lerne diese Musik lieben, sie nimmt mich ähnlich gefangen wie eine Wagner-Oper.

Take five

Von einem Freund mit dem Vermerk „zum Üben“ zugeschickt.
Kann leider nicht mehr in twoday eingebetttet werden, da „Einbetten im alten Modus“ im neuen youtube nicht mehr funktioniert. Anklicken lohnt sich.
Take five
Danke an nömix, der mir die Möglichkeit aufgezeigt hat, doch einzubetten:)

Naja, das wäre eine nette Version fürs Üben.
Da kann man die Noten kaufen. Schaut durchaus spielbar aus, bis auf ein kleines Detail. Die Begleitung in der linken Hand weist 14 Achteln auf. Linke und rechte Hand passen nur auf den ersten Taktschlag zusammen.
Das soll jemand anderer üben:)
Die Version selbst ist toll!
Kommentar: da niemand kommentieren darf, muss ich es selber tun. Wie die Einbettung zeigt, handelt es sich ja nicht um take five sondern um unsquare dance. Damit lassen sich die Achtel schon genau auszählen, aber selbstverständlich ist auch ein Siebenertakt sehr schwer zu spielen. Siehe Prokofiev.

Beethoven

Vor kurzer Zeit habe ich in meinen Backup-Dateien gesurft und bin auf das verlinkte sommermenu() gestoßen, in dem ich hauptsächlich über Beethoven geplaudert habe. Meine Meinung hat sich in der Zwischenzeit nicht geändert, daher stelle ich es jetzt „in die Ewigkeit“.

Andernfalls schaut es ja so aus, als gäbe es nur ganz wenige Komponisten, die mich in meinem Leben so wirklich beschäftigen.

 

 

Zauberflöte in Salzburg

Regietheaterk vom schlimmsten. Was Harnoncourt mit dem Orchester aufführt ist zumindest interessant. Die Königin der Nacht singt sogar für meine Schweinsohren verstimmt.
Die Initiationsszene wird von zwei lebendigen Kerzenständern in Raumanzügen vorgeführt.
Sarastro und seine Mannen wirken wie die Mannschaft einer Psychiatrie und dort gehören auch die Verantwortlichen für diese Aufführung hin.
Dabei wäre die Felsenreitschule gut geeignet, eine „klassische“ Regie zu leben, was auch zu der „Originalmusik“ des Harnoncourts gut passen würde.
So einen lächerlichen Scheiß habe ich ja noch selten erlebt. Da haben sich die Kritiker über die Boheme aufgeregt, obwohl dort die neumodische Regie sehr gut zu passen schien.
Im übrigen sind die Sänger so oft mit dem Orchester auseinander, dass es schon weh tut. Die Besetzung der Pamina passt zumindest fürs Fernsehen nicht. Die sehr gute Sängerin ist zu alt für das, was sie verkörpern soll. Tamino und Pamino in Unterwäsche hätte man wenigstens mit Palmer ausstatten können.
Ist wirklich ein Wahnsinn.

Es passt dazu, dass im Teletext die Oper nicht einmal den Komponisten erwähnt, allerdings immerhin das Geburts- und Sterbedatum von Schikaneder.

Spielen und Sterben

Angeregt durch einen Beitrag bei Pjerunje war ich angeregt, heute die Schubert-Sonate DV960 zu spielen. Diese Sonate begleitet mich mein ganzes Leben und wie ich schon andernorts beschrieben habe, war sie der Grund, nie mit dem Klavierspiel aufzuhören.
Die Sonate dauert ungefähr eine Stunde und stellt heute meine Kondition echt auf die Probe. Am Ende bin ich schweißüberströmt und bin nicht sicher, ob ich noch eine Note lesen kann oder mich überhaupt noch eine Minute länger konzentrieren kann.
Die ersten drei Sätze waren verständnismäßig nie ein besonderes Problem für mich. Ich hatte meine eigene Interpretation und war zufrieden damit. Doch den letzten Satz verstand ich nicht. Irgendwie passte er mir nicht zu den anderen drei Sätzen, ich empfand ihn als schwache Fortsetzung der vorigen Sätze.
Heute habe ich nachgesehen. In der englischsprachigen Wikipedia steht über die letzten Sonaten mehr als in der deutschsprachigen. Speziell eine Passage finde ich dort, der ich sehr gut zustimmen kann.
It is often suggested that the Last Sonata, in B-flat major, is a farewell work in which Schubert faces his own death (somewhat analogous to the myths surrounding Mozart’s Requiem); this is usually ascribed to the relaxed, meditative character which dominates the two opening movements. [Eva Badura-Skoda]
Diese Interpretation wird von Alfred Brendel nicht geteilt, doch mir erscheint sie sehr zutreffend.
Speziell der 2. Satz ist die Begleitmusik eines Sterbenden, der bereits ein Stückchen vom Himmel sieht. Der 3. Satz ist ein leichtfüßiger Ritt, schon über den Wolken. Aber was ist mit dem 4. Satz?

Vor wenigen Tagen fiel mir eine Interpretation ein. Die leere Oktave, die den Satz einleitet und später noch immer wieder vorkommt, ist ein Peitschenhieb, die von einem lustigen Pferdegeklapper gefolgt wird. Aber es ist nicht so lustig. Man stelle sich eine geschlossene Kutsche vor, schwarz lackiert, in der Schubert sitzt. Er identifiziert sich mit den Pferden, er fühlt sich getrieben. Angetrieben wie vielleicht ein Galeerensklave, der zu höherer Leistung angetrieben wird, bis er es nicht mehr schafft und stirbt. In dem Rondo gibt es Passagen, die ein wenig nach Betäubung klingen, das Leben wird als lieblich empfunden. Aber diese Passagen werden durch ganz harte Ausbrüche deutlich ins Gegenteil verkehrt. Und darauf hin folgt echtes Räsonieren, das mit einer Tarantella verwechselt werden könnte. Allerdings handelt es sich nicht um einen Sechsachtel- sondern einen Zweivierteltakt. Und weiter geht es mit einem echten Peitschenhieb. Das lustige Geklappere artet in das mühsame Durchdringen eines Dickichtes aus, eine schwierige Passage wird überwunden.
Die Peitschenhiebe werden schwächer, das Aufbäumen bleibt das Gleiche. Gegen Schluss werden die Peitschenknaller schwächer, auch das Getrappel wird weniger und reißt immer früher ab. Und plötzlich reißen sich die Rösser los und stürmen davon. Sie nehmen das von Schubert mit, was übrig geblieben ist, seine Identifikation und seine Gedanken. Nichts wesentliches bleibt mehr übrig.

Jetzt habe ich ein kleines Problem. Ich denke, wenn ich den Satz richtig gut spielen kann, ist mein Leben erfüllt. Ich werde kurz darauf sterben. Es wäre einfach, nicht mehr zu spielen und ewig zu leben. Doch es treibt mich an, diesen Satz so spielen zu können, dass ein Zuhörer meine Interpretation auch heraus hören kann. Wenn das funktioniert, wird es aus sein. Aber es ist doch ein tröstlicher Gedanke, mein Leben mit „ein Leben, eine Sonate“ zu beschreiben. Das gäbe schon etwas her.
Weil ich in der letzten Zeit immer öfter lesen muss, dass Musikbeispiele auf youtube nicht von den deutschen Freunden abgehört werden können, versuche ich mehrere Beispiele zu verlinken.
Curzon (gutes Tempo)
http://www.youtube.com/watch?v=Vl_tLPLT5xk
Pires (gefällt mir sehr gut)
http://www.youtube.com/watch?v=ShGa9u-5NYs
Schnabel (ein bisschen langsamer aber mit der selben Dringlichkeit) 1939 (von Schnabel habe ich eine russische Beethovenausgabe, davon kann man super lernen)
http://www.youtube.com/watch?v=1qM-_sw8sio
Svatoslav Richter 1972 (von den angegebenen 5 ist das genauso, wie ich es selbst innerlich höre. Leider spiele ich ein bisschen schlechter als er:)))
Nachtrag: während ich den Eintrag eingestellt habe, habe ich die anderen Sätze ebenfalls von Richter gehört. Es gibt keinen unerwarteten Ton oder Tempo in seinem Spiel. Er spielt Schubert so, wie ich ihn spielen und hören möchte. Naja, der erste Satz ist mir eine Spur zu langsam:)
http://www.youtube.com/watch?v=ZohY6laAV7Q
Brendel (als Referenz, obwohl er Schubert sehr gut spielt, mag ich diese Interpretation weniger)
http://www.youtube.com/watch?v=p2YbCgudmc0

La Boheme – Ratingagenturen

Habe gerade die Übertragung der Boheme aus Salzburg gesehen. Ausgezeichnete Darbietung. Das erste Mal, dass mich die Boheme gerührt hat, was nicht zuletzt auch am spielerischen Essemble rund um die Netrebko gelegen hat.
Nachtrag:
„an einer hohen Stelle reißt ihm ein Tönchen ab …“
Ich habe jetzt zwei Kritiken (Kurier, Standard) gelesen, die nicht besonders anerkennend mit der Aufführung umgegen.
Ist mir mittlerweile ziemlich scheißegal. Ich erkenne nur die Analogie zwischen KritikerInnen und Rating-Agenturen.

Lieber kein Streit

Er liegt mir nicht und daher bin ich sehr froh, dass sich die Missverständnisse aufgelöst haben.

Meine bevorzugte Art, mit Künstlern „umzugehen“, ist die Kammermusik. Mit einer gewissen Trauer denke ich an einen Wiener Symphoniker, dem der Art aus gesundheitlichen Gründen das Geigen untersagt hat.
Eines der ersten Werke, dass ich durch ihn kennenlernte, war die Violinsonate von Cesar Franck. Dafür musste ich ganz schön üben. Vielleicht nicht schön üben, aber schön viel üben. Das ist jetzt ungefähr neun Jahre her.
Die Violinsonate gibt es auch in einer Fassung für Cello. Ja, ich kann nicht einmal sagen, welche Fassung zuerst da war.

Viel Freude wünsche ich den Zuhörern.

die leichte Muse

Aufgewachsen bin ich mit Haydn, Mozart, Bach, Beethoven, Brahms, Bruckner, … und so fort bis Webern, Hindemith, Boris Blacher. Ein Stravinsky oder Prokofiev waren genauso gefühlsbeladen wie es für meine Altersgenossen später die Beatles waren. Der „Sacre“ war ein unheimlicher Hit und das Halleluja aus dem Buch mit sieben Siegeln rockte.
Die Songs, die man damals im Radio hörte, waren hauptsächlich deutsche Schnulzen und der übliche amerikanische Import. Manche von den deutschen Schnulzen gefallen mir heute sogar, aber das muss ich wohl einer gewissen Altersnostalgie zuschreiben. Nicht wirklich ernst zu nehmen:)
Aber einen Song hörte ich im Alter von dreizehn Jahren zum ersten Mal, der mich begeisterte. Er wurde damals doch relativ oft im Radio gespielt und ich war ganz hingerissen. So sehr, dass ich meinen Wunsch, ihn öfters zu hören, auch freimütig äußerte. Und zu Weihnachten oder zu meinem Geburtstag bekam ich die Single (45rpm) von meiner Schwester geschenkt. Eine der ganz wenigen Singles, die ich besaß. Vielleicht gurkt sie auch noch irgendwo herum. Mittlerweile kann man das alles auf youtube rekonstruieren.
Wahrscheinlich hat mich auch die Klaviereinbegleitung so in den Bann gezogen.
Aber der gesamte Text, die Vorstellung, dass es einen Weg aus der Einsamkeit gibt, sprach mich an. Und in diesem Lied fühlte ich mich wirklich verstanden. Ich war vierzehn, als ich die Platte geschenkt bekam.
Auch heute höre ich sie noch gerne. Und es ist irgendwie nett, über den Ankerpunkt der Musik einen Punkt in der Vergangenheit zu fixieren und sich darüber zu freuen, was sich in der Zwischenzeit alles entwickelt hat.




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