Archive for the ‘MUSIK’ Category

Warum eigentlich gerade Waldstein

Die Waldsteinsonate ist nicht eine, die ich jeden Tag spiele. Momentan über ich sie auch nicht. Manchmal allerdings über ich einige Passagen, bei denen man wirklich die mechanischen Vorgänge wie im Schlaf beherrschen muss. Und dann gibt es noch die Oktavenglissandi, die momentan holpern. Die muss man immer wieder auffrischen.
Aber warum habe ich die heute spielen wollen?
Nun, am Mittwoch hatte ich wieder ein Zykluskonzert von Andras Schiff besucht. Drei Sonaten vor der Pause (G-Dur, A-Dur, As-Dur) und nach der Pause die Waldstein.
Bei den ersten drei Sonaten war ich hingerissen. Da kamen Klangfarben zum Vorschein, die ich vielleicht nie zustande bringen kann – oder wenn, nur nach noch sehr viel üben. Fantastisch.
Die Waldsteinsonate hingegen hat mich nicht vom Hocker gerissen. Aber warum? Gespielt hat er sie nicht schlechter. Er war auch nicht müde, denn nachher hat er noch die Bagatellen op 126 gespielt und die waren wieder traumhaft.
Und ausstaffieren konnte ich auch nichts. Da war alles, wie es sein soll. Inklusive der kleinen Fehler, die bei der Waldstein zeigen, dass der Musiker „richtig“ gespielt hat, nämlich noch über das eigene Niveau hinausgehend. (frei nach Kaiser)
Nein, ich glaube, die Waldstein gibt kaum Freiraum. Alles ist auskomponiert, sogar die Pedali sind genau vorgeschrieben. Es gibt kaum wirkliche Interpretationsunterschiede. Ein bisschen im Tempo, speziell im Tempo des Seitenthemas vom ersten Satz. Das hat Schiff ziemlich schnell gespielt.
Aber sonst? Nichts Überraschendes.
Und das ist auch komisch …
Nachtrag: und was mir natürlich auch noch negativ auffällt: ich habe überhaupt keine Lust zu arbeiten. Und das macht mir normalerweise am Vorreisetag Spass.

Fröhliche Ostern

wünsche ich allen, die hier lesen und auch ein paar, die hier nicht lesen:)
Nach dem Osterbrunch spielte ich meiner Schwiegertochter die Waldsteinsonate vor. (nicht aufnahmereif:)))
Sie ist eine meiner Lieblingssonaten und ich habe viel Zeit darauf verwendet, sie einmal so halbwegs vortragbar zu üben.

Einmal habe ich Gulda auch live mit der Sonate gehört. Damals war ich vielleicht 20 Jahre alt. Sein Tempo, das manche vielleicht als zu schnell erachten, ist genau das Tempo, welches ich im Ohr habe.
Ich glaube, Joachim Kaiser hat einmal geschrieben, dass die Pathetikque und die Waldsteinsonaten eine Gemeinsamkeit haben: der Pianist muss über die Grenzen der Spielbarkeit hinausgehen. Hat er einen guten Tag, wird es eine großartige Darbietung, sonst halt Pech gehabt.
Aber die Sonate und speziell diesen Satz zu spielen vermittelt das Gefühl, fliegen zu können. Man gibt sich der Musik hin und lässt die Finger machen, was sie können.

Warum eigentlich gerade Waldstein

Die Waldsteinsonate ist nicht eine, die ich jeden Tag spiele. Momentan über ich sie auch nicht. Manchmal allerdings über ich einige Passagen, bei denen man wirklich die mechanischen Vorgänge wie im Schlaf beherrschen muss. Und dann gibt es noch die Oktavenglissandi, die momentan holpern. Die muss man immer wieder auffrischen.
Aber warum habe ich die heute spielen wollen?
Nun, am Mittwoch hatte ich wieder ein Zykluskonzert von Andras Schiff besucht. Drei Sonaten vor der Pause (G-Dur, A-Dur, As-Dur) und nach der Pause die Waldstein.
Bei den ersten drei Sonaten war ich hingerissen. Da kamen Klangfarben zum Vorschein, die ich vielleicht nie zustande bringen kann – oder wenn, nur nach noch sehr viel üben. Fantastisch.
Die Waldsteinsonate hingegen hat mich nicht vom Hocker gerissen. Aber warum? Gespielt hat er sie nicht schlechter. Er war auch nicht müde, denn nachher hat er noch die Bagatellen op 126 gespielt und die waren wieder traumhaft.
Und ausstaffieren konnte ich auch nichts. Da war alles, wie es sein soll. Inklusive der kleinen Fehler, die bei der Waldstein zeigen, dass der Musiker „richtig“ gespielt hat, nämlich noch über das eigene Niveau hinausgehend. (frei nach Kaiser)
Nein, ich glaube, die Waldstein gibt kaum Freiraum. Alles ist auskomponiert, sogar die Pedali sind genau vorgeschrieben. Es gibt kaum wirkliche Interpretationsunterschiede. Ein bisschen im Tempo, speziell im Tempo des Seitenthemas vom ersten Satz. Das hat Schiff ziemlich schnell gespielt.
Aber sonst? Nichts Überraschendes.
Und das ist auch komisch …
Nachtrag: und was mir natürlich auch noch negativ auffällt: ich habe überhaupt keine Lust zu arbeiten. Und das macht mir normalerweise am Vorreisetag Spass.

Nicht für jedermann

Beim abendlichen Surfen habe ich diese Einspielung von Svatoslav Richter entdeckt. Einfach wunderbar. Auch so kann man (Prokofiev) Walzer komponieren.

Liszt und Slobodyanik

Mein Zugang zu Liszt war kein leichter. Eröffnet hat mir diesen Alexander (Sascha) Slobodyanik. Über ihn findet sich ein sehr schöner Nachruf in den New York Times. In Wikipedia ist er zu finden, allerdings nicht unter den russischen oder ukrainischen Pianisten sondern nur unter seinem Namen. Den Namen habe ich immer wieder vergessen, obwohl er mir von Zeit zu Zeit einfiel und dann wieder entfiel.
Er war eigentlich nur Sascha. So wie der andere Sascha, der Alexander Satz. Ich habe ihn nur indirekt spielen gehört, aber ich habe zwei Tage mit ihm verbracht.
Zuerst bei Bösendorfer, wo ich ihn abholte und mit ihm zum Nierscher-Heurigen in Klosterneuburg fuhr. Dann ging es um Mitternacht in den 4. Bezirk, wo russische Emigranten wohnten. Einer hatte gerade Brot aus Russland mitgebracht. Es war eine Bombenstimmung. Ich kam damals um 5 Uhr früh nach Hause.
Den nächsten Tag machten wir Sightseeing-Tour, speisten und unterhielten uns. Er war damals ungefähr 47 Jahre alt. Die Zeit seiner größten Berühmtheit war vorbei, aber trotzdem wurde er gefeiert, wenn er in Wien beispielsweise ein Konzert gab.
Ich war daher recht unbefangen und fragte ihn über Prokofiev aus. Eigentlich hatte das Gespräch schon am Vorabend begonnen, denn er brachte mir am zweiten Tag eine Kassette mit einer Einspielung der 7. Sonate durch ihn mit. Die habe ich mir dann ein Jahr lang jeden Tag mehrere Male im Auto angehört.
Irgendwie kamen wir dann auf Liszt zu sprechen. Zuerst ging es nur um die Schwierigkeiten der h-moll-Sonate. Doch recht bald erklärte er mir, dass nicht die Technik im Vordergrund stehen würde. Liszt wäre ein tiefreligiöser Mann gewesen und den Zugang zu seiner Musik könne man nur finden, wenn man diesen Aspekt berücksichtigte.
Sascha war ja auch ein Schüler von Neuhaus gewesen, so wie der von mir verehrte Svatoslav Richter. Eigentlich war es schon unheimlich faszinierend für mich, so nahe an „den Großen“ zu sein. Ich gebe zu, dass ich bis zu diesen Gesprächen bei Liszt immer das virtuose Element im Vordergrund gesehen hatte, was mich ein wenig die Nase rümpfen ließ.
Seit den damaligen Unterredungen, bei denen wir lange in meinem 20-Jahre alten Mercedes saßen, (ein Traumauto) hatte ich einen anderen Zugang zu Liszt. Das Meditative öffnete sich mir und ich hatte den Eindruck als wäre eine Schicht abgefallen.
Ähnlich wie bei anderen Musikern hatte ich das Erlebnis, innerhalb kurzer Zeit eine sehr starke Beziehung aufzubauen. Ich muss damals wie ein Schwamm gewesen sein, der alles aufsaugte. Ich war immerhin schon vierzig und trotzdem noch neugierig wie nur irgendwas.
Heute habe ich nach Sascha gegoogled und war plötzlich erfolgreich, allerdings mit dem Wermutstropfen, dass er schon vor drei Jahren verstorben ist. Ich hätte gerne noch einmal Kontakt aufgenommen, aber da gäbe es auch noch viele andere. Ich weiß nicht, ob er sich noch erinnert hätte. Bei Satz war das etwas anderes. Da hielt die Verbindung bis kurz vor seinem Tod an. Aber der lebte schließlich in Graz und spielte oft in Wien.
Das ist der Link zu seinem Nachruf:
http://www.nytimes.com/2008/08/13/arts/music/13slobodyanik.html?_r=2&ref=obituaries&oref=slogin

Musik lernen

hh(mehr eine Tagebucheintragung)
Heute habe ich zum ersten Mal den ersten Satz der Beethovensonate Opus 109 aufgenommen. Eigentlich fürchterlich, ich entdeckte 8 Stellen, die ich als fehlerhaft beurteile. 3 waren technischer Natur und können durch Üben behoben werden. 3 sind einfach bestimmte Stellen, an denen ich mehr aufpassen muss. Bei den restlichen 2 bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich sie wirklich spielen soll – musikalisch gesehen. Sie gefallen mir einfach noch nicht so.
Meine Referenz besteht mittlerweile aus dem, was ich bei Jonathan Biss in der Klasse gehört habe. Meine Erfahrung, die ich mit Andras Schiff gemacht habe, einerseits im Konzert letztes Jahr und andererseits in den youtube-Einspielungen seiner Master-Classes.
Meine Lieblingseinspielungen sind Schiff, Richter 1972 und Richter 1991, als er schon 76 Jahre alt war.
Heute habe ich noch zusätzlich Barenboim gehört, der für mich etwas zu langsam spielt, aber bei einigen Variationen wunderbare Stimmungen herausbringt. Aus Interesse, ohne große Hoffnung, habe ich mir eine Einspielung von Glenn Gould angehört. Gräßlich, ich kann sein Spiel dieser Sonate nicht anders beurteilen. Es kommt mir vor, als hätte er mehr sportlichen Ehrgeiz, ohne Pedal und ohne Beachtung der Noten zu spielen, als ein bisschen an die Musik zu denken.
Jedenfalls habe ich heute Nachmittag einiges gelernt. Und was ich nicht gelernt habe, werde ich hoffentlich am 31.3. bei meiner ersten Klavierstunde mit Paul Badura-Skoda hören.
Übrigens habe ich gestern abend ausnahmsweise Alkohol in der Form von 100g Vodka konsumiert. Das hat bedeutet, dass ich nächtens zwar den 2. Satz nicht mehr spielen konnte, aber überraschenderweise ging 1. und der 3. Satz selbst mit dieser Beeinträchtigung. Nach 2 Stunden üben von halb zwei bis halb 4 in der Nacht war der Alkohol anscheinend ausreichend herausgespielt (gespült oder herausgeschwitzt). Dann ging auch der 2. Satz wieder.

Selbstbeweihräucherung

Vor ein paar Einträgen habe ich hier ja eine Klaviersonate eingestellt.
Hier ein Zitat eines Musikwissenschafters, gestorben 1991, tätig an der Frankfurter Uni:
„Die Interpretation dieser Sonate stellt hohe Ansprüche und verlangt nicht nur emotionale Beweglichkeit, sondern auch, vor allem im 1. und 4. Satz, kompositorisch aktives Mitdenken. Hier werden besonders geistige Ansprüche gestellt: Eine ziemlich komplizierte Architektur muß rein und scharf profiliert erstehen, während in den Mittelsätzen der Phantasie mehr Raum gegeben ist; hier mag der Klang das Wichtigste sein, der von den beiden so gegensätzlichen Stimmungen geprägt wird. Im 1., 3. und 4. Satz waltet ein hintergründiger Humor, der hier geradezu ein Formelement darstellt, so sehr ist er in die Faktur engegangen. (Nicht einmal im „dunklen“ 2. Satz fehlt er ganz, obwohl er hier nur in den Verfremdungen der Funktionen der verschiedenen Formteile wirkt.) Somit kann op. 10, Nr. 3 als sehr bedeutendes Werk, als eine Art Chef ‚oeuvre, gelten.“
[Jürgen Uhde: beethovens 32 Klaviersonaten]

Ich spiel das ja nur einfach. So gescheit kann ich das nicht analysieren. Doch auf den letzten Satz dieser zitierten Schlussbetrachtung wäre ich auch oder bin ich auch ganz alleine gekommen:)
Die Sonate ist wirklich ein Wahnsinn.

the link home

Während ich noch am Kommentar zu mock turtles Eintrag schreibe und mich an der Musikauswahl selbst ein wenig festfresse, hat in Ö1 bereits die Übertragung der 6. Symphonie von Gustav Mahler begonnen.
Aber von den 85 Minuten habe nur 6% versäumt. Ich glaube, die kannte ich schon;)
Aber es ist nie zu spät, noch immer aufzudrehen.
http://oe1.orf.at/programm/267556
Von hier kommt dann schon irgendwie zum Live-Stream.
P.S. Es gibt auch noch andere Links nach Hause:

Umleitung

Gestern habe ich in Belgrad „The Wall“ gesehen. Es war ein Zufall, dass ich gerade gestern in Belgrad angekommen war und auch noch Karten bekommen habe.
Allerdings sind meine Fotos auf Facebook. Alle, die Facebook verwenden, können sie sich dort ansehen.
Hier reicht es, einfach zu erzählen, dass ich di Show fantastisch fand.

Musikbetrachtung

Seit zwei Wochen lebe ich ein sehr intensiviertes Leben. Die Muße, welche das Feiern und die Besuche von lieben Verwandten und Freunden erfordert, wird von exakten Planungen eingerahmt, welche in sich wiederum stille Phasen einschließen, …
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