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„Wir spielen alle nur verschiedene Rollen in diesem Leben.“ Als ich diesen Satz zum ersten Mal hörte, damals war ich ungefähr fünfundzwanzig, war ich verärgert. Nein, ich würde nie eine Rolle spielen, zumindest würde ich versuchen, es zu vermeiden. Ich hatte kein Bedürfnis, mich beim Karneval zu verkleiden.
Dass ich damals schon „meine Rollen“ spielte, war mir nicht aufgefallen. Ich hatte mit Begeisterung den Steppenwolf gelesen, aber nicht gemerkt, dass ein steppenwölfisches Dasein zwangsgemäß zum Rollenspiel zwingt. Identifizieren konnte ich mich gut. Eigentlich wollte ich mich mit dem Komplex identifizieren, also gesamtheitlich authentisch sein. So können Ideale der Jugend sein, die den Widerspruch nicht erkennen, der bereits im Anspruch steckt.
Jetzt gibt es zwei Parteien in diesem Spiel. Ich (ausnahmsweise zuerst genannt) und die Audienz, die Wahrnehmenden.
Ich habe lernen müssen, dass die Wahrnehmenden, zu denen bei anderen Gelegenheiten ich selbst dazugehöre, gar nicht anders können als zu reduzieren. Man sieht den anderen, erkennt ein paar Eigenschaften und bildet sich die Rolle dazu. Scherzhaft wünscht man sich noch, dass eine Frau Dame, Köchin, Mutter, Hure etc. zugleich sein soll, situativ variabel. Bei Männern wünschen sich die Frauen, wenn man in diversen Blogs nachliest, keine Rollen, sondern ausschließlich Eigenschaften, intelligent, humorvoll, liebevoll und andere Eigenschaften, die oft nicht in eine gemeinsame Rolle passen können.
In späteren Jahren habe ich mein eigenes Rollenverständnis versucht, als Resultat einer Lebensführung zu interpretieren. Da bin ich Schüler, Entwickler (einer, der etwas Neues schafft), Verkäufer, Manager, Lehrer. Diese Rollen erschienen mir als logische Abfolge. So konnte ich sie auch realisieren.
Aber die Person beinhaltet die unterschiedlichen Eigenschaften. Manager und Entwickler ist unvereinbar. (Vielleicht gibt es Ausnahmen, doch auch Künstler sind gut beraten, wenn sie einen Manager haben und das nicht selbst versuchen.) Schüler und Lehrer passt gut zusammen. Das eine ist Bedingung für das andere. Verkäufer und Schüler verträgt sich anfangs hervorragend. Als Schüler versuche ich so viel wie möglich über die Wünsche des Kunden zu erfahren, bevor ich in die Verkäuferrolle schlüpfe und aktiv ein Einkaufsverhalten manipulieren muss.
Es gibt verschiedene Personen, die mich nur in einer oder zwei Rollen kennen und überrascht sind, wenn ich dann auf einmal ganz anders auftrete. Momentan spiele ich eine Rolle, die ich nie besonders angestrebt habe: den BIG BOSS. Ich habe diese Rolle schon zweimal gespielt. Einmal war sie durch meine Technikernatur gemildert, ein anderes Mal durch die besonderen Umstände. Ich war BIG BOSS in Japan, aber im Zusammenhang mit Wien und Klavier. BIG BOSS hatte fast etwas Künstlerisches an sich. Meine Gesprächspartner waren Menschen, die selbst Künstler waren oder mit Kultur zu tun hatten. BIG BOSS sein war eine Notwendigkeit, doch die Achtung wurde mir menschlich aufgrund der Gespräche über Kunst mitgebracht.
Jetzt spiele ich die Rolle erneut und versuche, sie einmal richtig gern zu spielen. Wirklich wie im Theater. Und es scheint auch zu klappen. Ich erfreue mich an der Rolle und ich merke am Verhalten der Mitspieler, dass ich sie einigermaßen richtig hin bekomme.
Aber es ist eine Rolle.
Ich verstehe es, wenn Personen in einem Blog in eine gewünschte Rolle schlüpfen, die sie im Leben nicht einnehmen können oder dürfen. Oder glauben, nicht zu dürfen. Begeistert hat mich immer der Spruch: möchten hätten wir ja gewollt, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.
Im Blog darf jeder. Aber selbst wenn ich mich im Blog verstelle, möchte ich doch etwas sein, mit dem ich mich identifizieren möchte.
Nehmen wir einmal das Gegenteil an: ich versuche meine ungeliebtesten Eigenschaften im Blog los zu werden. Und ich finde dabei Zustimmung, weil andere Menschen froh sind, dass es mir auch so geht. Werde ich dann froh?
Ich will lieber dort akzeptiert werden, wo ich mich unverstanden fühle. Wo ich durch das erweiterte Auslassen meiner Persönlichkeit ein Mehr an Verständnis erwarte und manchmal auch bekomme.
Man kann auch böse sein. „So ganz boshaft doch keinen ich fand; er hält’s auf die Länge nicht aus“ sagt Hans Sachs in den Meistersingern über Beckmesser. Also wenn schon böse, dann richtig. Zynisch und sarkastisch. Vielleicht gemäß einem mephistophelischen Vorbild, da der Mephisto ja wesentlich besser und interessanter erscheint als der „biedere“ Faust.
Deswegen halte ich auch mein sachliches Berufsbild für lustig und meiner Authenzität zuträglich.
„Ein Teil von jener Kraft
Die stets das Gute will und das Richt’ge schafft
Ich bin der Geist, der stets verneint!
und das mit Recht: denn Schlechtes, was entsteht
Ist wert, daß es zugrunde geht
Drum besser wär’s, wenn’s gleich schon echt.
So ist denn alles was ihr Recht,
Ordnung, kurz das Gute nennt,
Mein eigentliches Element.“
Ich verwende dieses Zitat manchmal bei Selbstvorstellungen in Präsentationen über den Softwaretest. Und in dieser Beziehung bin ich ganz echt. Denn meine Überzeugung ist die, dass das Schlechte was ich finde, nicht von vornherein auf menschliche Fehler zurück zu führen ist.
Ich kann beweisen, dass Fehler in Programmen notwendig sind, dass wir selbst dann nicht richtig programmieren können, wenn wir uns beliebig stark anstrengen und bemühen. Der theoretische Hintergrund findet sich in den Erkenntnissen des zwanzigsten Jahrhunderts.
Daher ist diese mephistophelische, eine Rolle, die mir zusagt.
Manchmal werde ich deswegen gescholten. Doch viel echter geht es nicht. Da bin ich im Blog ganz ehrlich.
Heute ist der dritte Tag n a c h meiner Zahnarzt-Großtour. Es wurde mir bestätigt, dass die Schmerzen dann in der Regel am heftigsten wären. Aber ich werde um 20:00 noch einmal angeschaut und schon wirken sie weitaus weniger:)
Im Prinzip beruhigt mich bereits die Aussage, dass es normal ist…
P.S. Es geht nicht um den Kiefer, sondern nur um den einen defekten Zahn, der als erstes dran war.
Das sollte besonders bei Dienstreisen gelten.
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Heute war ich wegen Vertragsverhandlungen in Neu-Belgrad, wo ich mich gerne einquartieren würde.
Neu-Belgrad sieht gar nicht so unmodern aus, wie man aus unten stehenden Bild ersehen kann.
Wenn man da ein bisschen um die Ecke geht, kommt man zu dem Eingang desjenigen Gebäudes, wo ich bezüglich der Unterkunft vorsprechen möchte.
Von der Ferne sieht der Eingang etwas ungewöhnlich aus. Gibt es etwas zu feiern? Putin kommt doch erst morgen?
Wenn man nun aber näher kommt, kann man erkennen, worum es sich handelt:
Meine Begleitung schluckte sichtlich, als klar wurde, dass es sich um Mitleidsbezeugungen und Blumen für die japanischen Opfer handelte. Besonders rührend waren die offensichtlich von Kindern gezeichneten Bilder.
In dem Gebäude befindet sich nicht nur die österreichische Außenhandelsstelle sondern auch die japanische Botschaft.
Momentan bin ich wie gelähmt. Ich habe sehr viele Todos auf der Liste, darunter ein paar, die mir echte Freude machen sollten, auch wenn sie harte Arbeit bedeuten. Irgendwie habe ich aber den Eindruck, ich werde nichts so zusammenbringen, wie ich es wirklich haben möchte.
Gestern habe ich an drei Folien sechs Stunden gebastelt. Sie sind wenigstens gut angekommen. Aber wenn das jetzt mein neuer Arbeitsdurchsatz sein sollte, kann ich mich eingraben.
Wichtigstes Ziel neben dem rein organisatorischen:
eine Darstellung verfertigen, die zeigt, was unsere Firma macht. Man sollte meinen, nichts leichter als das.
Ich mach das seit über zehn Jahren, – mit großer Freude. Aber jetzt muss ich das so machen, dass ich es an Leute verkaufe, für die es vollkommen außerhalb ihres bisherigen Horizonts liegt. Auf englisch. Ach was, wahrscheinlich tu ich mir zu viel an. Aber das Lähmungsempfinden ist da…
Eher fliegt ein AKW in die Luft als dass Berlusconi für Sex bezahlt.
… und Journalisten und …
In der Laudatin zu einem Buch Taschners sagt Daniel Kehlmann, dass die meisten großen Mathematiker Platoniker sind, sie setzen die Mathematik nur dann als sinnvoll an, wenn sie zu realen Gegebenheiten in Bezug zu bringen ist.
Im Gegensatz dazu stehen die Logizisten, die sich seit Cantor mit Größenordnungen von mehreren Unendlichkeiten auseinandersetzen. Die Logizisten werden – so scheint es mir – von den Platonikern als versponnen oder verrückt gehalten.
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Schnitt!
Die Abkürzung DAU kennen jetzt schon recht viele. Dümmster anzunehmender User.
Die Abkürzung GAU hat leider wieder ziemlich Aktualität gewonnen. Größter anzunehmender Unfall.
Wenn in einem Reaktor eine Kernschmelze eintritt, so spricht man von einem größten anzunehmenden Unfall.
Wie bezeichnet man es aber, wenn gleich in drei Reaktoren eine Kernschmelze eintritt. Vielleicht ururgrößter anzunehmender Unfall.
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Oder ist es einfach deppertste Blödheit und Raffgier, dass man vier Kraftwerke so nebeneinanderbaut, dass ein Risikofaktor gleich vier Mal zur Auswirklung kommen kann.
Es ist das, was ich meine, wenn ich behaupte, dass man sichere Atomkraftwerke bauen könnte. Man könnte auch das Risiko eines GAUs auf ein vertretbares Maß an Fallout zurückschrauben, wenn man sich nicht einbildete, das nichts mehr unter Exajoules Profit bringt.
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Aber im Prinzip will ich mit diesem Artikel nur auf die Sinnlosigkeit journalistischer Superlative und auf die Beschränktheit von Platonikern hinweisen. Und mögen sie noch so viel für die Verbreitung der Mathematik tun.
Diesen Spruch, den ich von einem Freund, (ursprünglich Bloggerfreund) gelernt habe, verwende ich sehr gerne.
Wenn ich jetzt über Bauchschmerzen und Kopfschmerzen klage, fühle ich mich natürlich urkrank. Vor allem jeder Husten tut ziemlich weh.
Doch die Sch….ei hat sich beruhigt, ebenso die Ko…ei. Die letztere spüre ich nur beim Husten, weil da offensichtlich alles beleidigt ist.
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Um ehrlich zu sein, fühle ich mich trotzdem ziemlich gut dabei. Ähnliche Beschwerden werden anfänglich der Strahlenkrankheit zugeschrieben. Allerdings hat man dann nicht die Hoffnung, dass sich alles von selbst beruhigen wird.
Wenn Japans Premierminister sagt, dass es die schlimmste Situation für Japan seit dem zweiten Weltkrieg ist, kann ich das gut nachvollziehen. Jetzt höre ich, dass außerdem noch ein Vulkanausbruch droht.
Die Japaner erleben jetzt ein Szenario, welches sich überall auf der Welt abspielen kann. Naturkatastrophen, die über das Ausmaß des Vorstellbaren hinausgehen.
Falsch. Ich kann mir das schon vorstellen. Ich neige ja eher zum Kassandratum, wonach es nichts gibt, was es nicht geben kann.
In D und Ö haben wir 66 Jahre keinen Krieg mehr gehabt.
Wir wollen und können uns nicht vorstellen, dass wir in die gleiche Situation der Japaner kommen könnten.
Wir reden nur davon, dass die Vorgänge in Japan uns nicht betreffen werden. (Wirtschaftlich ist das schon ein Blödsinn.) Kein Mensch garantiert uns, dass wir nicht mit einer Naturkatastrophe beaufschlagt werden, die und auf ähnliche Weise beeinträchtigt.
Es gibt viele Katastrophenfilme, die letztlich alle gut ausgehen. Wäre ein Film, der japanische Zustände beschreibt, ein Blockbuster geworden?
Wahrscheinlich hätte die Lobby der Energieerzeuger gegen die Aufführungsrechte gekämpft.
Ich bin gespannt, was wir in Europa aus der Situation lernen werden.
Ich befürchte: NICHTS.
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Raunzen auf hohem Niveau. Man kann aus diesem Beitrag ablesen, dass es mir schon eine Spur besser gehen muss.
An meinem Essen kann es nicht liegen. Alle anderen haben es gut vertragen. Ich vermute fast, dass ich eine Salmonellenvergiftung vom Freitag (Brötchen mit Ei) aufgerissen habe.
Aber vier Liter in einer Nacht zu entwässern, schafft man sonst nur mit sehr brutalen Diäten.
Aber ich könnte auf den Nutzeffekt verzichten.
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Und komischerweise mag ich seit einer Woche keinen Rotwein mehr. Ich verstehe das nicht ganz. Den Grund muss ich noch herausfinden.
Aber weniger Saufen ist vermutlich durchaus der Gewichtsabnahme förderlich.
Es würde bedeuten, dass ich überhaupt keinen Alkohol mehr trinke.
Solche Phasen hatte ich schon früher. Die erstreckten sich dann über zwei bis vier Jahre.
Also prinzipiell hätte ich nichts dagegen einzuwenden:)
Mir tun die Japaner leid. Gegen Erdbeben sind sie ganz gut geschützt. Mit der Gefahr des Atoms kennen sie sich auch aus. Aber Tsunamis gab es 1971 noch nicht in der Anzahl, dass sie als echte Bedrohung gesehen wurden. Ich glaube, die sind inzwischen häufiger geworden.
Da wird noch einiges erst später publik werden.
Aber die Berichterstattung hat sich schon deswegen geändert, weil heute youtube-Videos und Internet-Berichte nicht mehr staatlich unterdrückt werden können.
Was mich nur aufregt, sind die Interviews mit Experten. Egal, ob sie für oder gegen Atomkraft sind. Ich kann die widerlichen, schleimigen Interviews schon nicht mehr hören.
Alle Fragen, die gestellt werden, konnte man auch in den vergangenen 25 Jahren stellen. Alle Antworten sind so, wie man sie auch in den vergangenen 25 Jahren hören hätte können.
Der Unfall wird jetzt wieder politisch ausgeschlachtet. Ich oute mich einmal: ich bin nicht gegen Atomkraftwerke. Ich bin nur gegen die Atomkraftwerke, die von irgendwelchen schmierigen, bestechlichen Politikern im Auftrag von geldgeilen Konzernen genehmigt werden.
Ich bin der Meinung, dass man „sichere“ Atomkraftwerke bauen könnte, die auch im Katastrophenfall beherrscht werden können, wenn nicht jedesmal ein neuer Gigantomanierekord aufgestellt werden müsste.
Aber ich plädiere für die Todesstrafe für jeden Politiker, der sich in Deutschland hinstellt und sagt, dass Atomkraft sicher ist. Die gehören in ein Flugzeug verfrachtet und eine Woche lang zur Begutachtung in Fukushima einquartiert.
Und nachher dürfen sie seligst dahin verrotten. Am besten mit Brandreden für die Atomnutzung, wenn man beobachten kann, wie sich während der Rede in ihrem Gesicht die Haut abschält.
Den gleichen Text habe ich als Kommentar bei Carpe Diem gepostet, doch ich dachte, ich möchte ihn doch eingenständig plaziert wissen.
Betreibe ich Sport?
(Aktive Sportlichkeit ist eine der Eigenschaften, die in einer Traumprinzenbeschreibung als notwendig erachtet wird.)
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Die Antwort ist einmal NEIN.
Ich sollte auch noch mehr Bewegung machen, als ich zur Zeit mache. Das wird sich aber automatisch einpendeln.
Meine Kondition muss ich allerdings aufbauen – und da geht es auch um körperliche Kondition.
Ich stelle fest, dass ich bis jetzt von meinem Konzertprogramm nur eine Stunde durchhalte. Danach bin ich zu müde, um mich ausreichend konzentrieren zu können und auch die Beherrschung der Pfoten lässt nach.
Also übe ich jetzt unter anderem auch auf Kondition. Bis Juni wird das schon gehen. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich früher fünf Stunden in einem spielen konnte, dann merke ich schon, wie alt ich werde.
Es ist aber auch so, dass manche Sachen echt anstrengend zum Spielen sind. Das z.B.
Ist das nicht geil? 🙂 Muss man also schon noch im Alter spielen können:)
Ich habe die Bilder einer Aussstellung im Alter von 10 Jahren einmal von Shura Tscherkassky gehört und sie haben mir solchen Eindruck gemacht, dass ich sie unbedingt einmal spielen können musste. Und gefreut habe ich mich, wenn meine Tochter mich gefragt hat: „Wann spielst Du denn die Bilder wieder einmal?“
