Archiv für Mai, 2016

der innere Schweinehund

vor zwei Tagen habe ich mich wie ein Zehnjähriger gefühlt, der nach Ausreden sucht, um nicht in die Schule zu müssen.
Ich war nicht so weit mit meinem Üben gekommen, dass ich mich mit gutem Gewissen vor meinen Lehrer trauen wollte. Ich rief dann noch an, ob Pfingstmontag nicht ein Versehen in der Verabredung war. War es nicht und der Termin kam zustande.
Man könnte sagen, dass ich unter meinem Wert geschlagen wurde. Es war kein Problem, dass ich nicht auswendig spielen konnte. Aber streckenweise habe ich mich wie der erste Klavierspieler gefühlt. Fürchterliche Fehler und Versagen an Stellen, die gar nicht so schwer sind.
Wenigsten konnte ich unter Beweis stellen, dass ich schon geübt hatte. Die ganz schweren Stellen gingen vergleichsweise gut. Und ich bereue es nicht, dass die Stunde zustande gekommen ist. Am Ende der Stunde meinte er: „Heute haben wir sehr gut gearbeitet.“ Das stimmt: Ich hätte bereits nach zehn Minuten ihm das Geld für die Stunde in die Hand drücken können. Soviel Nützliches war bereits nach dieser kurzen Zeit gesagt worden. Es ist für den Laien zu technisch, aber es ging um eine schlechte Handdrehung, die es zu vermeiden gilt Und noch ein paar andere Details. Jedenfalls war es eine enorm lehrreiche Stunde.
Als wir zusammen im Aufzug hinunter fuhren, bekam ich mein Zuckerl: „Sie sind sehr musikalisch.“ Naja 🙂

Turandot

Eben habe ich die Zefirelli-Verfilmung einer Aufführung von Turandot in Verona gesehen. Nicht ganz bis zum Ende.

Ich mag Puccini.
Ich mag die Oper Turandot.
Ich mag Puccini.
Ich mag die Person Turandot überhaupt nicht.
Ich mag Puccini deswegen, weil er selbst auch die Turandot nicht mochte und deswegen die warmherzige Liu eingeführt hat, die sich für Kalaf sogar selbst ermordet, damit ihr nicht der Name entrissen werden kann.
Das Quasi-Happy-end mag ich gar nicht anschauen. Berio hat das Ende mit einer offenen Fragestellung stehen lassen. Da gibt es nicht den üblichen Märchenschluss. Das finde ich fein. Ich sehe nicht ein, warum Turandot am Ende noch „glücklich“ davon kommen sollte.

Aber rachsüchtig bin ich auch. Wenn das Betragen der Turandot so verständlich sein soll, dann möchte ich z.B. keine Türken mehr in Österreich haben. Dann beziehe ich mich auf etwas was vor 300 Jahren stattgefunden hat. Turandot lebt ihre Rache für etwas, was viel früher noch passiert ist. Und sie bekennt sich zu ihrer Rache. Eigentlich gehört sie entweder geköpft oder sie wird dem niedrigsten Sklaven vermählt, um sie endgültig zu demütigen.

Aber wie gesagt: ich mag die Oper.
Und ich mag Puccini.

Abnehmen

Funktioniert leider nicht immer. Nicht dann, wenn man dazwischen eine Futterwoche im Ausland eingeschaltet hatte. (Es waren zwar nur 4 Tage, aber die haben auch schon „gereicht“.)
Sauna and Wiegen hilft da auch nicht, das Resultat zu verschleiern.

Aber Klavier Üben kann zumindest die Sauna ersetzen. Eine Stunde Chopin Üben lässt mich einen gemessenen Liter entwässern. Zwei Stunden hatte ich schon einmal vermessen. Da bin ich danach um 1,5 kg leichter. Aber in der ersten Stunde geht 1 kg weg.

Natürlich hängt das auch davon ab, was man übt. Ich habe aber interessanterweise festgestellt, dass ich am Handgelenk abgenommen habe. Ich kann das am Saunaschlüssel und am Uhrarmband feststellen. Ganz verstehe ich es ja nicht. Und das Kilo habe ich sicher nicht dort herausgeschwitzt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Abnahme ja dauerhaft ist 🙂

Langsam, langsam

ich über jetzt andere Seiten vom Chopin und bin erstaunt, wie viel ich bereits vergessen habe.
Mein Vater dürfte schon recht gehabt haben. Man muss Chopin jeden Tag spielen, damit man ihn richtig spielen kann. Ich hatte jetzt eine Pause von 5 Tagen. Bei Beethoven und Schubert macht mir das nichts aus. Aber beim Chopin geht es mir wie der Schnecke, die den Maibaum hinauf klettert. 3 cm am Tag hoch und 2 cm rutscht sie in der Nacht zurück.
Interessanter Nebeneffekt: meine Geläufigkeit nimmt zu, seit ich mir die Zeit nehme, schwierige Passagen genauer und länger zu üben. Was für eine Überraschung? 🙂 🙂

Sechs Sekunden

Ich über gerade die erste Chopin-Ballade, die hat eine Coda, die im Tempo mit „Presto con fuoco“ angegeben ist.Wie schnell ist das? Nun, Rubinstein spielt die Stelle in 26,5 Sekunden. Und zwar bei zwei verschiedenen Aufnahme ganz gleich. Horowitz braucht nur 24,5 Sekunden, aber die meisten namhaften Pianisten pendeln sich bei 26-27 Sekunden ein. Es ist interessant wie ähnlich im Tempo sie diese Stelle nehmen.
Da ich momentan diese Stelle auf Performance übe, habe ich mich einmal gestoppt. Für die rechte Hand allein benötige ich 32 Sekunden, wenn ich die Stelle so schnell es mir möglich ist spiele. Ich habe versucht das Tempo zu beschleunigen. Momentan ist das unmöglich, dabei bin ich da schon sehr schlampig. Wenn ich etwas genauer spiele, brauche ich 32 Sekunden. (Das klingt auch schon recht schnell und würde mir reichen.) Trotzdem frage ich mich, ob ich das Tempo der Top-Pianisten überhaupt erreichen kann.
Ich werde noch etwas auf Tempo üben.
Aber es ist unglaublich, wie klar die Stelle bei den Pianisten klingt.
Vermutlich ist es nur die Übung ! 🙂 🙂 🙂




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