Archiv für März, 2013

Der neue Papst

Ich hege Sorge um diesen Papst. Ohne über ihn mehr zu wissen, als die momentanen Zeitungsartikel schreiben, sehe ich ihn in einem kurzen Videoausschnitt, in dem er über seine Namenswahl spricht.

Meine folgenden Ausführungen sind unter Berücksichtigung folgender persönlicher Hintergründe zu lesen. Ich bin (noch) Katholik. Das „noch“ beinhaltet weiterführende Themen. Ich verteidige die Kirche manchmal und greife sie gleichzeitig an. Ich habe unheimlich achtbare und gescheite Priester getroffen, und ich verabscheue bestimmte Machtgruppen im Vatikan. Ich könnte nicht sagen, ob die Welt ohne die Katholische Kirche besser oder schlechter wäre. Ich stelle fest, dass konvertierte Katholiken genauso wie Taliban von mir angesehen werden. Beispiele ihrer Äußerungen finden sich auch hier auf twoday.

Den neuen Papst mag ich. Zuerst einmal wegen seiner Namenswahl. Ich verstehe eigentlich nicht, wieso es noch Franziskus I heißen kann. Er ist der erste Papst, vor dem ich nach Johannes XXIII wirklich Achtung habe und einen religiösen Anspruch entdecken kann. Es ist verständlich, dass ein Papst aus Polen mehr politisch eingestellt ist und auch ein ehemaliger Vorsitzender der congregatio fidei bestimmte Ausrichtungen haben muss.
Es ist erschreckend, bereits wenige Tage danach zu hören, welche Intrigen gegen ihn gesponnen werden. Ich mag es, dass er nicht aus Europa ist. Er wird sicher die „armen“ Länder besser berücksichtigen können. Ich werde es akzeptieren, wenn er in punkto Sexualmoral keine Neuerungen einführen wird. Es gibt genügend andere Probleme zu lösen. Rom ist nicht in einem Tag erbaut worden. Ich vertraue ihm, dass er etwas verändern können wird. Zum Guten.
Ich bin gespannt, ob meine Einschätzungen zutreffen werden. Aber jedenfalls wünsche ich ihm alles Gute.

Wer wohnt in Essen?

Und möchte einen Blogger live treffen?

Bin vom 7.4. bis 10.4. in Essen auf einer Konferenz und frage mich, ob es dort irgendwelche Blogger gibt, die ein Treffen organisieren wollen.
Von denen, die ich kenne, fällt mir keiner ein. Aber es gibt ja auch ein paar, die sich nicht so weit outen.
So abgehakt.
Nachtrag:
Essen scheint twoday-frei zu sein:)

Schmunzeln

Ursprünglich war es kein Schmunzeln. Ich sah sehr interessiert die Dokumentation Österreich I von Hugo Portisch an, die ich als ausgezeichnet ansehe. Der Zusammenhang mit der Ursache meines Schmunzelns wird auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein. Danach gab es Mittagessen und jetzt komme ich gerade vom Wählen zurück.

„Möchtest Du ein Hendlhaxerl mitnehmen? Etwas Erdäpfelpüree? Willst Du noch das Fleischlaibchen mit haben?“ – Nicken, Nicken, Nicken. Ich sah meine Tochter an und musste schmunzeln, was sie verunsicherte. „Wieso lachst Du?“ Dann erklärte ich ihr den Zusammenhang.

Meine Tochter sehen wir nur zu Familienfeiern oder zu den seltenen Gelegenheiten, an denen sie außerdem noch nach Wien kommt. Diesmal war ich der Auslöser, weil ich sie zu einer Veranstaltung eingeladen hatte. Heute musste sie gleich nach dem Mittagessen wieder nach Graz und meine Frau packte den Proviant ein. Dazu gehörte auch noch ein Baguette und ein Mandelcroissant von unserer hervorragenden Boulangerie in Brunn, die ziemlich gut zu gehen scheint. Samstags, sonntags, immer frisches Brot oder eben französisches Baguette.

Also warum schmunzelte ich? Es war so offensichtlich, wie die Familientradition meiner Familie fortgesetzt wird. Genauso hatte meine Mutter meine Frau gefragt. Genauso hatte meine Grossmutter meine Mutter gefragt. Essen spielte in unserer Familie eine große Rolle. Mein Vater, der genaue Buchhaltung führte, stellte manchmal fest, dass Essen einen der größten Ausgabeposten ausmachte. Er beschwerte sich nicht, weil qualitativ hochwertiges Essen als notwendige Therapie angesehen wurde, auf die meine Mutter infolge ihrer angeschlagenen Gesundheit Anlass zu geben schien.

Die Assoziationen gehen aber noch etwas weiter. Ich erzählte meiner Tochter, dass meine Eltern den ersten Urlaub am Bauernhof in Oberösterreich machten, als ich zwei Jahre alt war. Der Grund dafür war ein Frühstück, dass dort Milch, Butter und Eier beinhaltete. Das war 1953 noch fast unerschwinglich. Vier Jahre später war es nicht mehr so schwierig, Nahrungsmittel zu bekommen. Dazwischen lag der Staatsvertrag, der sich anscheinend doch auch in der Versorgungslage niederschlug. In der Zeit davor konnte mein Großvater mütterlicherseits noch seine Hamsterfähigkeiten unter Beweis stellen. Auf seinem Motorrad fuhr er 80 km weit nach Niederösterreich hinaus, um 12 Eier oder ein halbes Kilo Butter zu ergattern.
Diese Eigenschaften ließen sich auch später nicht verleugnen, wenn er auf den Markt in Brigittenau um einen grünen Salat geschickt wurde und mit einem Sauschädel im Rucksack zurück kam.
„Aber Karl, was hast denn da wieder eingekauft? Einen Salat hättest Du bringen sollen.“ klagte meine Großmutter. Nicht wörtlich – aber so in meiner Erinnerung gespeichert – antwortete er: „Aber der hat mich so lieb angesehen.“

Da meine Großeltern Sudetendeutsche aus der Umgebung des heutigen Ostrava waren, schließt sich der Kreis bis zur 1. Republik. Ich weiß nämlich nicht, ob sie vertrieben wurden oder schon vorher nach Österreich kamen. Davor, im ersten Weltkrieg jedenfalls, war mein Großvater in Pula stationiert. Von dieser Zeit pflegte er manchmal zu schwärmen. Und da gibt es dann auch die Querverbindung zur Trapp-Familie und dem „Sound of Music“.
Irgendwie ist es schon interessant, wie ein kleiner Dialog ein Jahrhundert an Geschichte aufspannen kann.

Der letzte Musikwunsch

Anläßlich meines letzten Eintrags fällt mir ein weiterer in Fortsetzung ein: was wünschen wir uns als letzte Musik zu hören, bevor wir in eine andere Welt gehen.
Als ersten Eintrag nenne ich den Musikwunsch meiner verstorbenen Tante. Es ließ sich leider nicht in der Form arrangieren, wie sie es vielleicht gerne gehabt hätte. Doch könnte der Eintrag ein Beweis dafür sein, dass sie nicht vergessen worden ist. Sie war eine wunderbare, hochbegabte Frau und Künstlerin mit ein paar Ecken und Kanten. Als Akademikerin in einer Zeit, wo sie Vorreiterrolle spielte, musste sie sich beruflich in einer Männerdomäne beweisen. Heutzutage hätte sie es wesentlich leichter gehabt, ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Sie war äußerst tierlieb und manchmal denke ich, dass der Hund den wir nach ihrem Tod zu uns nahmen, etwas von ihrer Tierliebe weiter transportieren konnte. Es war die Zeit vor den schnellen Digitalkameras, (also daher kein Bild) als diese Staffordshire Bullterrier-Hündin halb rücklings auf der Fußbodenheizung ans Fenster gelehnt dalag, und an ihrem Bauch drei junge Kätzchen schlummerten. Ein Bild, dass sich auch ohne Kameras eingebrannt hat.
Hier findet sich ihre Musik: https://www.youtube.com/watch?v=ZEQecQjPP2w




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