Archiv für April, 2012

Messie

nein, ich meine nicht den Fussballspieler.
Ich meine die Bezeichnung für Menschen, die in ihrem Haushalt ein unglaubliches Sammelsurium an Glumpert aufbewahren. Beim richtigen Messie sammelt sich dann noch der Abwasch von einem Monat in der Küche.
Also so richtiger Messie bin ich daher nicht. Ich koche nur gern in einer sauberen Küche und hinterlasse auch gerne eine solche.
Schließlich essen wir auch meistens in der Küche.
Aber ich hebe unheimlich gerne auf. Man weiß ja nie, wozu man etwas vielleicht noch brauchen kann. Und jedesmal, wenn ich mich von etwas getrennt habe, habe ich es am darauffolgenden Tag benötigt.
Am 2. Mai haben wir uns eine Mulde bestellt und daher räumen wir aus. Meine Entscheidungsbefugnis wird da nicht so stark auf die Probe gestellt. Ich bin mehr der Mann fürs Licht reparieren im Keller und derlei niederordnete Tätigkeiten. Aber ein bisschen was möchte ich auch wegwerfen.
Also habe ich mit Einwilligung meines Sohnes seine Schulunterlagen aus der sechsten Klasse (oberstes Heft Vektorrechnung) in den Papiermüll entsorgt.
Aber einen der sechs Koffer, die ich für den Muldeninhalt vorgesehen hatte, werde ich jetzt doch nicht wegwerfen. Es war mein erster Samsonite, blau, hatte mich damals ein Vermögen gekostet, vergleichsweise noch relativ leicht, aber leider ohne Rollen, weswegen ich ihn heute nicht mehr verwende. Mindestens 20 Mal ist der Koffer streckenmäßig um die Welt gereist. Die frühen Europareisen, Rotchina, Singapore, Hongkong und unzählige Male Wien-Moskau und retour.
Wir werden ja wieder einmal etwas wegwerfen. Vielleicht ist er beim nächsten Mal dabei. Aber dieser Koffer hat Seele.
P.S. Der Koffer ist 35 Rahre alt und noch immer nicht kaputt. They don’t make them like that anymore.

die leichte Muse

Aufgewachsen bin ich mit Haydn, Mozart, Bach, Beethoven, Brahms, Bruckner, … und so fort bis Webern, Hindemith, Boris Blacher. Ein Stravinsky oder Prokofiev waren genauso gefühlsbeladen wie es für meine Altersgenossen später die Beatles waren. Der „Sacre“ war ein unheimlicher Hit und das Halleluja aus dem Buch mit sieben Siegeln rockte.
Die Songs, die man damals im Radio hörte, waren hauptsächlich deutsche Schnulzen und der übliche amerikanische Import. Manche von den deutschen Schnulzen gefallen mir heute sogar, aber das muss ich wohl einer gewissen Altersnostalgie zuschreiben. Nicht wirklich ernst zu nehmen:)
Aber einen Song hörte ich im Alter von dreizehn Jahren zum ersten Mal, der mich begeisterte. Er wurde damals doch relativ oft im Radio gespielt und ich war ganz hingerissen. So sehr, dass ich meinen Wunsch, ihn öfters zu hören, auch freimütig äußerte. Und zu Weihnachten oder zu meinem Geburtstag bekam ich die Single (45rpm) von meiner Schwester geschenkt. Eine der ganz wenigen Singles, die ich besaß. Vielleicht gurkt sie auch noch irgendwo herum. Mittlerweile kann man das alles auf youtube rekonstruieren.
Wahrscheinlich hat mich auch die Klaviereinbegleitung so in den Bann gezogen.
Aber der gesamte Text, die Vorstellung, dass es einen Weg aus der Einsamkeit gibt, sprach mich an. Und in diesem Lied fühlte ich mich wirklich verstanden. Ich war vierzehn, als ich die Platte geschenkt bekam.
Auch heute höre ich sie noch gerne. Und es ist irgendwie nett, über den Ankerpunkt der Musik einen Punkt in der Vergangenheit zu fixieren und sich darüber zu freuen, was sich in der Zwischenzeit alles entwickelt hat.

Reisen und Metareisen

Im Jahr 2007 habe ich es aufgegeben, selbst Auto zu fahren und habe den Entschluss seither nie bereut. (Es soll gesagt werden, dass ich einmal ein fanatischer Autofahrer war und ungefähr 2 Millionen Kilometer abgespult haben muss. Schließlich leben neben Dienstreisen auch viele Verwandte mehr als tausend Kilometer entfernt.)

Es ist also nicht verwunderlich, dass ich jetzt sehr für die Investition in öffentliche Verkehrsmittel, darunter auch die Eisenbahn, eingenommen bin. Wie die Planung der ÖBB funktioniert, ist nicht immer ganz nach zu vollziehen, aber man kann da die Schuld auch sehr leicht bei den Politikern suchen. (Außerdem bin ich der Sohn eines Eisenbahners, das mag auch prägen:)

Aufgrund eines fehlerhaft recherchierten Artikels einer Tageszeitung habe ich das Internet befragt, um die „Wahrheit“ zu erfahren. Nicht eine österliche, sondern die banale Wahrheit über die in Österreich verwendeten Lokomotiven.

Mein Wunsch landete in einer Internet-Reise, (So kann man das Surfen ja wohl nennen) die am Schluss zu einer Reiseseite geführt hat, die vielleicht für die LeserInnen, interessant sein dürfte.

Also zuerst einmal habe ich die Triebwagen-Baujahre kontrolliert. (Die waren im Artikel falsch angegeben worden, um die Tendenz der Journalistin zu unterstützen.)

Dabei erinnerte ich mich an den Triebwagen 4010, der vom Transalpin verwendet wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Transalpin_(Zug)
Das war ein geschichtsträchtiger Zug, in dem wir in meiner Kindheit mit Regiefahrkarten (Die Ermäßigung für Angestellte der ÖBB) nicht fahren durften, was ihm einen unheimlich Nimbus in meinen Kinderaugen verlieh.
Ebensowenig durften wir im blauen Blitz (Wien – Venedig) und im „roten Blitz“ (Das scheint eine kreative Wortschöpfung meines Vaters für den Vindobona-Express Wien – Berlin gewesen zu sein), fahren. (Das habe ich kürzlich nachgeholt, auch wenn der Express mittlerweile als Zug und nicht als Triebwagen geführt wird.)

Es ist erstaunlich, mit welcher Liebe die Informationen in Wikipedia zusammen getragen sind.

Aus irgendeinem Grund wurde ich an den Orient-Express erinnert.

Darüber gibt es nun jede Menge Information. Der Zug ist nicht nur durch die Romane von Graham Greene und Agatha Christie bekannt. Durch die lange Strecke war er auch ein Gradmesser politischer Entwicklungen.
Ich weiß nicht, mich muss der Teufel geritten haben, denn jetzt suchte ich auch nach der Transsib.

Wie ich schon einmal geschrieben habe, wollte ich immer damit fahren und habe irgendwann den Wunsch aufgegeben, weil ich sowohl in der russischen Eisenbahn als auch in der chinesischen lange Strecken zurückgelegt habe.
Sieht man sich aber den Wikipedia-Beitrag an, kann man von den Distanzen und dem Kreuzen von sieben Zeitzonen nur fasziniert sein.
Doch das Beste kommt erst. Google hat mit der russischen Eisenbahn etwas auf die Beine gestellt, was nur mehr durch die echte Reise übertroffen werden kann:
Eine virtuelle Reise mit der transibirischen Eisenbahn, die so virtuell gar nicht mehr zu sein scheint, wenn man Bild und Ton genießt.

Mein Rat: schauen Sie sich das an. Entweder das sagt Ihnen überhaupt nicht zu oder Sie werden fasziniert sein.
Sie können eine Fahrt in Echtzeit mit Blick aus dem Fenster verfolgen, (so viel Zeit hat wohl keiner) Sie können aber auch einzelne Punkte der Reise ansteuern und sich die Fahrt über die Wolga, entlang des Baikalsees oder das das Einlaufen in Wladiwostok mit eigenen Augen ansehen.
Dazu bekommen Sie das Fahrgeräusch oder auch russische Radio mitgeliefert. Wenn Sie russisch verstehen, können Sie sich auch ein Hörbuch vorlesen. Ich empfehle die „toten Seelen“ von Gogol. Sonst gefallen mir am besten die Zuggeräusche selbst.




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