Archiv für April, 2011

Die Rolle

„Wir spielen alle nur verschiedene Rollen in diesem Leben.“ Als ich diesen Satz zum ersten Mal hörte, damals war ich ungefähr fünfundzwanzig, war ich verärgert. Nein, ich würde nie eine Rolle spielen, zumindest würde ich versuchen, es zu vermeiden. Ich hatte kein Bedürfnis, mich beim Karneval zu verkleiden.
Dass ich damals schon „meine Rollen“ spielte, war mir nicht aufgefallen. Ich hatte mit Begeisterung den Steppenwolf gelesen, aber nicht gemerkt, dass ein steppenwölfisches Dasein zwangsgemäß zum Rollenspiel zwingt. Identifizieren konnte ich mich gut. Eigentlich wollte ich mich mit dem Komplex identifizieren, also gesamtheitlich authentisch sein. So können Ideale der Jugend sein, die den Widerspruch nicht erkennen, der bereits im Anspruch steckt.
Jetzt gibt es zwei Parteien in diesem Spiel. Ich (ausnahmsweise zuerst genannt) und die Audienz, die Wahrnehmenden.
Ich habe lernen müssen, dass die Wahrnehmenden, zu denen bei anderen Gelegenheiten ich selbst dazugehöre, gar nicht anders können als zu reduzieren. Man sieht den anderen, erkennt ein paar Eigenschaften und bildet sich die Rolle dazu. Scherzhaft wünscht man sich noch, dass eine Frau Dame, Köchin, Mutter, Hure etc. zugleich sein soll, situativ variabel. Bei Männern wünschen sich die Frauen, wenn man in diversen Blogs nachliest, keine Rollen, sondern ausschließlich Eigenschaften, intelligent, humorvoll, liebevoll und andere Eigenschaften, die oft nicht in eine gemeinsame Rolle passen können.
In späteren Jahren habe ich mein eigenes Rollenverständnis versucht, als Resultat einer Lebensführung zu interpretieren. Da bin ich Schüler, Entwickler (einer, der etwas Neues schafft), Verkäufer, Manager, Lehrer. Diese Rollen erschienen mir als logische Abfolge. So konnte ich sie auch realisieren.
Aber die Person beinhaltet die unterschiedlichen Eigenschaften. Manager und Entwickler ist unvereinbar. (Vielleicht gibt es Ausnahmen, doch auch Künstler sind gut beraten, wenn sie einen Manager haben und das nicht selbst versuchen.) Schüler und Lehrer passt gut zusammen. Das eine ist Bedingung für das andere. Verkäufer und Schüler verträgt sich anfangs hervorragend. Als Schüler versuche ich so viel wie möglich über die Wünsche des Kunden zu erfahren, bevor ich in die Verkäuferrolle schlüpfe und aktiv ein Einkaufsverhalten manipulieren muss.
Es gibt verschiedene Personen, die mich nur in einer oder zwei Rollen kennen und überrascht sind, wenn ich dann auf einmal ganz anders auftrete. Momentan spiele ich eine Rolle, die ich nie besonders angestrebt habe: den BIG BOSS. Ich habe diese Rolle schon zweimal gespielt. Einmal war sie durch meine Technikernatur gemildert, ein anderes Mal durch die besonderen Umstände. Ich war BIG BOSS in Japan, aber im Zusammenhang mit Wien und Klavier. BIG BOSS hatte fast etwas Künstlerisches an sich. Meine Gesprächspartner waren Menschen, die selbst Künstler waren oder mit Kultur zu tun hatten. BIG BOSS sein war eine Notwendigkeit, doch die Achtung wurde mir menschlich aufgrund der Gespräche über Kunst mitgebracht.
Jetzt spiele ich die Rolle erneut und versuche, sie einmal richtig gern zu spielen. Wirklich wie im Theater. Und es scheint auch zu klappen. Ich erfreue mich an der Rolle und ich merke am Verhalten der Mitspieler, dass ich sie einigermaßen richtig hin bekomme.
Aber es ist eine Rolle.
Ich verstehe es, wenn Personen in einem Blog in eine gewünschte Rolle schlüpfen, die sie im Leben nicht einnehmen können oder dürfen. Oder glauben, nicht zu dürfen. Begeistert hat mich immer der Spruch: möchten hätten wir ja gewollt, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.
Im Blog darf jeder. Aber selbst wenn ich mich im Blog verstelle, möchte ich doch etwas sein, mit dem ich mich identifizieren möchte.
Nehmen wir einmal das Gegenteil an: ich versuche meine ungeliebtesten Eigenschaften im Blog los zu werden. Und ich finde dabei Zustimmung, weil andere Menschen froh sind, dass es mir auch so geht. Werde ich dann froh?
Ich will lieber dort akzeptiert werden, wo ich mich unverstanden fühle. Wo ich durch das erweiterte Auslassen meiner Persönlichkeit ein Mehr an Verständnis erwarte und manchmal auch bekomme.
Man kann auch böse sein. „So ganz boshaft doch keinen ich fand; er hält’s auf die Länge nicht aus“ sagt Hans Sachs in den Meistersingern über Beckmesser. Also wenn schon böse, dann richtig. Zynisch und sarkastisch. Vielleicht gemäß einem mephistophelischen Vorbild, da der Mephisto ja wesentlich besser und interessanter erscheint als der „biedere“ Faust.
Deswegen halte ich auch mein sachliches Berufsbild für lustig und meiner Authenzität zuträglich.
„Ein Teil von jener Kraft
Die stets das Gute will und das Richt’ge schafft
Ich bin der Geist, der stets verneint!
und das mit Recht: denn Schlechtes, was entsteht
Ist wert, daß es zugrunde geht
Drum besser wär’s, wenn’s gleich schon echt.
So ist denn alles was ihr Recht,
Ordnung, kurz das Gute nennt,
Mein eigentliches Element.“
Ich verwende dieses Zitat manchmal bei Selbstvorstellungen in Präsentationen über den Softwaretest. Und in dieser Beziehung bin ich ganz echt. Denn meine Überzeugung ist die, dass das Schlechte was ich finde, nicht von vornherein auf menschliche Fehler zurück zu führen ist.
Ich kann beweisen, dass Fehler in Programmen notwendig sind, dass wir selbst dann nicht richtig programmieren können, wenn wir uns beliebig stark anstrengen und bemühen. Der theoretische Hintergrund findet sich in den Erkenntnissen des zwanzigsten Jahrhunderts.
Daher ist diese mephistophelische, eine Rolle, die mir zusagt.
Manchmal werde ich deswegen gescholten. Doch viel echter geht es nicht. Da bin ich im Blog ganz ehrlich.

Beziehungen

Frau Frogg hat die Frage beantwortet, ob man Bloggerkollegen (und auch die Damen) persönlich kennen lernen sollte und hat die Frage mit ja beantwortet.
Ich teile diese Meinung grundsätzlich. Bei ganz wenigen Bloggern achte ich auch die Anonymität, weil sie mir in Anbetracht der Lebenssituation als notwendig erscheint. (teacher ist so ein Fall.) Ein anonymer Blogger gibt genauso viel preis, wie er es für richtig hält. Diese Einstellung ist wohl vernünftig.
Ich mag nur keine anonymen Kommentatoren, die sich beschweren oder schimpfen. (Wenn ich ihre Einwände für angebracht halte, habe ich kein Problem damit. Nicht alles, was ich schreibe, muss richtig sein.)
Aber in Wirklichkeit geht es doch um Beziehungen. Die Plattform des Blogs stellt die Möglichkeit einer besonderen Beziehung her. Früher hat man vielleicht Brieffreunde gehabt und wochenlang auf die Antwortpost gewartet. Ich hab da nicht dazu gehört, weil ich zu ungeduldig bin. Doch ich habe es immer bewundert, wenn ich von langjährigen Brieffreundschaften gehört habe.
Das Blog ist schnelllebiger. Nicht so schnell wie Facebook oder Twitter. Aber es hat für mich genau das richtige Tempo. Selbst wenn ich vielleicht etwas zu lange schreibe, finde ich doch in vielen Beiträgen von anderen genau das richtige Maß an Länge des Textes.
Wenn die Texte etwas länger sind und ich die Zeit habe, sie mir aufmerksam durchzulesen, dann freue ich mich auch, dass es im Blog gehaltvollere Texte gibt als sie mittlerweilen in den Gazetten zu finden sind, wo ein Text nur genauso lang sein darf, dass er neben das Bild passt.

bekanntes Phänomen

Heute ist der dritte Tag n a c h meiner Zahnarzt-Großtour. Es wurde mir bestätigt, dass die Schmerzen dann in der Regel am heftigsten wären. Aber ich werde um 20:00 noch einmal angeschaut und schon wirken sie weitaus weniger:)
Im Prinzip beruhigt mich bereits die Aussage, dass es normal ist…
P.S. Es geht nicht um den Kiefer, sondern nur um den einen defekten Zahn, der als erstes dran war.

Aus mit Splatter:)

Ein ganz anderes Problem habe ich jetzt. ich muss mir ein Klavier kaufen, das ich still schalten kann.
Und ich bin eigentlich schon bereit, ein Clavinova zu kaufen.
Das ist eigentlich der größte Grad an Selbstverleugnung. Aber wenn ich es mit Belgrad ernst meine, muss ich auch B sagen.

Und dort werde ich wohnen:




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