Studium für alle
Jetzt werden ja bald wieder die Studiengebühren diskutiert werden.
Wer mich kennt, weiß, dass ich dem Gedanken durchaus nahe stehe. Allerdings wäre ich bereit, studiengebührfreies Studieren zu befürworten, wenn es statt dessen entsprechende Aufnahmeprüfungen gäbe.
Mein Sohn hat mich jetzt auf einen Link aufmerksam gemacht, der kund tut, was man 1869 so als Aufnahmeprüfung für Harvard vorgesehen hatte.
Also abgesehen davon, dass ich kein Griechisch hatte, sind auch die anderen Abschnitte alles andere als einfach. Latein hätte ich wahrscheinlich kurz nach der Matura gepackt.
Bei Geschichte und Geographie hätte ich vielleicht knapp 50% geschafft. Auch bei der Mathematik wäre ich nicht auf 100% gekommen. Die dritte Wurzel händisch ziehen ist ein Hund, außer man darf Logarithmen verwenden, was allerdings nur mit sehr genauen Tafeln geht, wenn man 5 Dezimalstellen ausrechnen soll. (Defakto braucht man nur 4, weil eine 0 ja gegeben ist.)
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Leider steht nicht, wie viel Zeit man dafür hatte. Da muss schon ein ganzer Tag drauf gegangen sein. Oder das weiß das vielleicht jemand?
Ich glaube, dass hier schon etwas ganz anderes abgeprüft wurde: Ausdauer, Einsatz, Bereitschaft, sich auch um Themen zu kümmern, die einem nicht so liegen. Dann könnten auch Wissenschafter heraus kommen, die über den eigenen Tellerrand schauen können.
Und Leute, die so einen Test (oder das aliquote Gegenstück heutiger Ausbildung, aber in gleicher Tiefe) bestehen, ja die dürfen dann auch umsonst studieren!

Samstag, April 30, 2011 at 3:13 pm
da ist schon was dran, an dem was du schreibst.
Samstag, April 30, 2011 at 5:14 pm
Man kann Eingangsprüfungen machen, aber sie lösen ein prinzipielles Problem nicht: Ein ständig größerer Teil der Jugend geht zum Studium. Zwei konkrete Prozentzahlen: In den letzten Jahren der DDR (also Ende der 80er Jahre) machten 11% Abitur, d.h. etwa 10% studierten. Jetzt sind es über 30%, und damit ist Deutschland im OECD-Raum ganz hinten. In Polen studieren über 50%. Das heißt dann, dass heute Leute mit einem IQ von weniger als 100 studieren, während man früher schon beim Facharbeiter bei knapp 110 war.
Wenn wir mal unterstellen, dass für viele Berufe heute ein Studium notwendig ist (auch darüber könnte man noch diskutieren), dann muss dieses Studium vollkommen anders strukturiert werden als zu Humboldts Zeiten. Es müssen klare Strukturen und Lehrpläne her, der größte Teil der Studenten muss an der Hand genommen und straff durchs Studium geführt werden.
Mir kann keiner erzählen, dass alle diesen vielen Studenten mit der akademischen Freiheit klarkommen. Die schlechteren sind einfach verloren und überfordert – das schadet sowohl ihnen als auch der Gesellschaft. Das Bachelor-Master-System hätte ein Ansatz sein können, aber so wie das jetzt gehandhabt wird, funktioniert es nicht. Auch hier ein paar Zahlen: Ende der 80er Jahre haben in meiner Seminargruppe von etwa 30 Studienanfängern bis auf 3 alle das Diplom erreicht. Heute kommen in derselben Fachrichtung von 100 Studenten im ersten Studienjahr etwa 20 bis zum Master durch. Die Studentenzahlen sind etwa vervierfacht.
Grob über den Daumen gepeilt, ist der „Output“ genauso groß wie früher, aber es studieren viermal soviele Leute. Wenn man mal unterstellt, dass diese linear verteilt über die Jahre aufgeben, sind die Kosten doppelt so hoch. Das ist schade für die jungen Leute, die Lebenszeit vertun und erfolglos bleiben, und das ist schade für die Gesellschaft.
Samstag, April 30, 2011 at 6:59 pm
Dass ein ständig ansteigender Bevölkerungsanteil Matura macht und studiert, das durchschnittliche Bevölkerungs-Bildungsniveau aber keineswegs ständig ansteigt, im Gegenteil – liegt darin ein Widerspruch oder ein Zusammenhang? Könnte man darüber nachdenken ..