Archiv für März 18th, 2011
Momentan bin ich wie gelähmt. Ich habe sehr viele Todos auf der Liste, darunter ein paar, die mir echte Freude machen sollten, auch wenn sie harte Arbeit bedeuten. Irgendwie habe ich aber den Eindruck, ich werde nichts so zusammenbringen, wie ich es wirklich haben möchte.
Gestern habe ich an drei Folien sechs Stunden gebastelt. Sie sind wenigstens gut angekommen. Aber wenn das jetzt mein neuer Arbeitsdurchsatz sein sollte, kann ich mich eingraben.
Wichtigstes Ziel neben dem rein organisatorischen:
eine Darstellung verfertigen, die zeigt, was unsere Firma macht. Man sollte meinen, nichts leichter als das.
Ich mach das seit über zehn Jahren, – mit großer Freude. Aber jetzt muss ich das so machen, dass ich es an Leute verkaufe, für die es vollkommen außerhalb ihres bisherigen Horizonts liegt. Auf englisch. Ach was, wahrscheinlich tu ich mir zu viel an. Aber das Lähmungsempfinden ist da…
Als ich Mitglied bei twoday wurde, hatte ich den Eindruck, dass das Niveau der Mitglieder sich von dem des durchschnittlichen Bloggers abhob.
Dass Libyen bereits komplett von Japan verdrängt wurde, zeigt, dass der Mensch nur ein Ein-bit-Schieberegister im Hirn hat. Sprich, jede Nachricht wird von der neueren Nachricht ersetzt.
Aber die Katastrophe in Japan kümmert uns nicht. Wenn ich durch die Beiträge der letzten Tage gehe, (und momentan habe ich Zeit, weil ich noch marode zuhause sitze) dann stelle ich fest, dass sich nicht einmal 1 Prozent der schreibenden Mitglieder mit der Japan-Problematik auseinandersetzt.
Möglicherweise ist der Schock einfach zu groß.
Aber muss sich nicht jeder die Frage stellen, was es für ihn oder sie eigentlich bedeutet?
Tschernobyl ist bereits vergessen. Was vor 25 Jahren passierte, ist bereits vor einer Generation passiert. Der zweite Weltkrieg ist bereits vor 3 Generationen passiert. Darüber gibt es kein Bewusstsein mehr.
Der Golfkrieg und das Anzünden der Ölfelder in Kuwait ist bereits vergessen, obwohl die Auswirkungen noch heute sichtbar sind. Man kann in dem Zusammenhang von der größten Ölkatastrophe sprechen, größer noch als der im Golf von Mexico.
Das könnte sich z.B. in Libyen auch wieder abspielen. Das würde uns ziemlich böse betreffen.
Aber Japan ist so weit weg. Und die Katastrophe ist so groß, dass wir sie nicht fassen können. Und im Verdrängen sind wir Weltmeister. Das Einzige, was ich vernehmen kann, ist die Anschuldigung, dass die Japaner so riskant auf AKWs setzen.
Was machen wir? Wir verlängern die Laufzeitbewilligungen und setzen die Bewilligungen jetzt aus.
Sobald sich die Zustände in Japan auf ein nicht mehr wachsendes Katastrophenmaß eingependelt haben, wird die Laufzeitzulassung wieder verlängert. Da möchte ich fast wetten drauf.
Meines Erachtens geht es hier um eine überpolitische Fragestellung. Einer der Atomkraftgegner (ich glaube von Greenpeace) hat es sehr interessant formuliert. Atomkraft ist nichts für unsere Art der Gesellschaft. (Dem stimme ich zu, obwohl ich selbst durchaus „sichere“ AKWs, allerdings wesentlich kleiner, für möglich halte.)
Wir sind nicht einmal instande, die Katastrophe für uns selbst zu akzeptieren. Da laufen fast alle Blogs weiter wie gehabt.
Heiliger St. Florian,
Verschon‘ mein Haus,
Zünd’s and’re an!
–
Nichts anderes kann ich denken, wenn ich heute durch die Titel von Twodays-Beiträgen scanne.
